21:45
mit Sport
22:00
Immer wieder machen Elche Schlagzeilen, die plötzlich in der Zivilisation auftauchen, Autobahnen überqueren, Radfahrer erschrecken oder in Vorgärten äsen. Aber "Bert" aus Brandenburg schlägt sie alle. Seit 2018 ist er in einem Naturschutzgebiet südlich von Berlin zuhause, doch zur Brunftzeit ab Ende August besucht er die Kühe von Viehzüchter Ralf Engelhardt in Beelitz in der Hoffnung, eine Partnerin zu finden. Obwohl sie vor ihm flüchten, bleibt er hartnäckig und folgt ihnen wochenlang überall hin. Ein Wildbiologe hat den Elch vor Jahren schon mit einem GPS-Sender um den Hals ausgerüstet und kann jederzeit nachvollziehen, wo er sich befindet. Frank-Uwe Michler hat viele Daten und Informationen über die Wanderungen der Elche zusammengetragen und glaubt auch zu wissen, woher "Bert" stammt: aus einem Nationalpark im Nordosten von Polen. Anders als in Deutschland, wo Elche seit dem 17. Jahrhundert als ausgestorben gelten, hat die Art dort überlebt und sich in den letzten 25 Jahren über ganz Polen verbreitet. Möglich wurde das durch ein Jagdverbot. Aber heute machen andere Faktoren den größten Hirschen Europas das Leben schwer. Elche sind eigentlich eine nordische Spezies, die im Winter Temperaturen bis -50 Grad Celsius trotzen kann. Heute müssen sie im Sommer Hitzewellen bis 40 Grad erdulden. Deshalb wandern immer mehr Elche ab. Aber wohin? Im Norden blockiert die Ostsee den Weg, im Osten werden sie von Grenzen, u.a. nach Weißrussland, gestoppt. Im Süden wird es naturgemäß noch wärmer. So bleibt nur der Weg nach Westen. Aber dort warten neue Herausforderungen auf die Elche.
22:30
BÜRGERMEISTER, SCHÄFER, WITWE und ein DRACHE sind die wichtigsten Akteure einer stetig schwindenden Gesellschaft im Bergdorf Pirin. Die seit Jahrhunderten gelebte Tradition verstummt allmählich und die Natur erobert die leerstehenden Häuser der ehemaligen Dorfbewohner zurück. Denn die meisten sind schon lange fort, doch dieser Film interessiert sich für die Gebliebenen. Der Bürgermeister, Georgi, hat immer noch die Hoffnung, das Dorf in eine touristische Attraktion verwandeln zu können - und eine Frau im Internet zu finden. Der Schäfer, Iliya, zieht mit seiner Herde hoch ins Gebirge und sucht Trost in der Verbindung mit der wilden Natur. Die Witwe, Maria, träumt davon, dass ihr Mitte 40-jähriger Sohn, mit dem sie sich ein Zimmer teilt, eines Tages doch eine Familie gründet und sie mit Enkelkindern beschenkt. Der Drache, Gincho, ist in aller Munde und scheint sowohl für das Wohlergehen als auch für das Leid des Dorfes verantwortlich zu sein. Die Schicksale der Protagonisten sind berührend, ihre Sehnsüchte und Ängste formen ihr Leben. In Pirin haben Rituale und Traditionen einen hohen Stellenwert und versuchen sich zu behaupten gegen die globale Angleichung. Der Film ist das Zeitdokument eines besonderen Ortes in Europa, der bald verschwunden sein wird. Mit Pirin und seinen faszinierenden Einwohnern wird ein Stückchen mystischer Realität festgehalten, die immer weniger Platz in unserer Welt zu haben scheint. Wieviel Hoffnung braucht der Mensch, um die Vergänglichkeit und das Gefühl der Isolation besser ertragen zu können? Bedeutet das Verschwinden des Alten zwangsläufig die Geburt eines neuen Anfangs? Was wird aus den Menschen am Rande von Europa? Was wird aus Pirin? Die Filmemacherin Eliza Petkova hat an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) studiert.