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TV Programm für rbb Berlin am 15.04.2026

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rbb24 Reportage 22:10

rbb24 Reportage: Wut, Ohnmacht, Schulden - Unterwegs mit Gerichtsvollziehern

Reportage

Herr Graetz und Frau Lüdke arbeiten als Gerichtsvollzieher in Berlin. Sie müssen Menschen aus ihren Wohnungen "räumen" oder offene Rechnungen eintreiben. Häufig besteht ihre Klientel aus sozial schwachen Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben und oft hilflos kapitulieren. Aber sie treffen auch auf Reichsbürger, die sich dem Staat verweigern, und andere gewalttätige Extremisten. Wenn Graetz und Lüdke ihre Arbeit machen, sind Vorsicht, ständige Alarmbereitschaft und Ungewissheit ihre Begleiter. Manchmal haben die beiden Beamten Polizeischutz, aber oft stehen sie allein vor der Wohnung, ohne zu wissen, wer oder was dahinter auf sie wartet, bevor ein Schlosser die Tür öffnet. Obergerichtsvollzieher Graetz fällt es immer noch schwer, über das Ereignis zu sprechen, das ihn beinahe aus der Bahn warf: ein plötzlicher Axtangriff, bei dem es zu einer schweren Verletzung seines Armes kam. Anders als Polizisten haben die Gerichtsvollzieher kaum Schutzkleidung, jahrelang haben sie für kugel- und stichfeste Westen kämpfen müssen. Nach Großeinsätzen steht immer wieder die Frage im Raum: War es das jetzt oder kommt vielleicht ein aggressives Mitglied einer Clanfamilie, um spontan Rache zu üben? So wie die Reichsbürger, die in das Büro der Obergerichtsvollzieherin Lüdke stürmten, sie filmten und ihre Daten ins Netz stellten. Die Reporter Sascha Adamek und Jo Goll von rbb24 Recherche haben die beiden Berliner Gerichtsvollzieher über Monate begleitet. Ihr Film zeigt, wie gefährlich der Berufsalltag der beiden Beamten ist und warum sie dennoch weitermachen.

Danach

Das falsche Versprechen vom Aufstieg 22:40

Das falsche Versprechen vom Aufstieg: You can win if you want?

Gesellschaft und Soziales

In Deutschland dauert es einer Studie zufolge sechs Generationen, um von Armut in die Mittelschicht aufzusteigen; in Dänemark geht das innerhalb von zwei Generationen. Frauen und Männer zwischen 27 und 41 Jahren reflektieren im Film ihre Lebensgeschichten, ihre Last der sozialen Herkunft, die falschen und richtigen Abbiegepunkte für einen sozialen Aufstieg. Marlen Hobrack, Natalya Nepomnyashcha, Scott Wempe, Jörg Theobald, Stephanie von Bismarck-Schönhausen und Cawa Younosi erzählen von Stolz und Scham, von Geldnot und Reichtum, von Herkunft und Zukunft, von Aufwachsen und Aufstieg in diesem Deutschland - zwischen englischem Edelcollege und Schulverweigerung, zwischen Wut und Bundesverdienstkreuzverleihung, zwischen der Arroganz von Gymnasiallehrern und dem Lehrermangel der "Restschulen", zwischen Erbschuld, Vermögen und finanzieller Not - vor allem aber von der Idee, wieder etwas Gemeinsames entwickeln zu müssen, eine Gesellschaft, in der nicht die Herkunft die Zukunft bestimmt. Die festgefahrenen Auswahlmechanismen beim sozialen Aufstieg in Deutschland werden erklärt von den Sozialforschenden Martyna Linartas, Michael Hartmann und Marcel Helbig. Was kostet es heute, aufsteigen zu wollen? Warum reden wir über die Rückkehr der Klassen? Wer bestimmt in Deutschland über die Verteilung von Chancen und Ressourcen? Und wie sehr leben die, die immer wieder von den Filterblasen der Anderen reden, in ihren eigenen "Bubbles", abgeschirmt von den Alltagsproblemen der Mehrheit? Die Protagonisten sind allesamt aufgewachsen in jenen Zeiten, als nach dem Zusammenbruch des Kommunismus das Ende der Geschichte, der Sieg von Demokratie und Freiheit und - vor allem - die fundamental- segensreichen Wirkungen der Marktwirtschaft versprochen wurden. Sie alle erzählen davon, wie sie das erlebten - und was sie heute als Erwachsene davon halten. In einer Gesellschaft, in der die Kluft zwischen sozialen Schichten wieder wächst und der Austausch über soziale Grenzen hinweg zunehmend schwerer wird, stellen sich Fragen nach fundamentalen Werten und nach Zusammenhalt.