20:00
Als eine der ältesten noch bestehenden Nachrichtensendungen im deutschen Fernsehen wird das Magazin bereits seit Dezember 1952 ausgestrahlt. Berichtet wird über das aktuelle Geschehen im In- und Ausland.
20:15
Unzählige junge Ostdeutsche haben Verwandte im Westen, aber mehr als gelegentliche Westpakete und hin und wieder ein Besuch sind über Jahrzehnte nicht denkbar, die Lebenswelten entwickeln sich auseinander. 1,25 Millionen Menschen verlassen das Land zwischen Elbe und Oder nach dem Mauerbau für immer. Manche sind kaum 18 Jahre alt und riskieren ihr Leben dabei. In ganz Westdeutschland von Sylt bis zum Starnberger See wachsen deshalb Kinder auf, deren Familien ostdeutsche Wurzeln haben. Und auch in umgekehrter Richtung beeinflussen familiäre Entscheidungen das Leben der Kinder: Pro Jahr gehen über 1000 Westdeutsche in die DDR, um dort dauerhaft zu leben, viele mit ihren Familien. "Wir Kinder der Mauer" von Kristin Siebert und Christian von Brockhausen verortet die Geschichte in ganz Deutschland. Heute denkt man beim Thema "Mauer" reflexartig an Berlin. Doch die Geschichte der Teilung ist lang und in der ganzen Bundesrepublik sind heute Menschen verstreut, die unmittelbar vom Mauerbau und der Teilung geprägt wurden und deren Leben ohne diesen Einschnitt anders verlaufen wäre. Da ist etwa der Hamburger Peter Drauschke, der zwei Jahre nach dem Mauerbau mit 18 Jahren mit seinem Freund Erwin freiwillig von der Bundesrepublik in die DDR geht, weil beide an den Sozialismus glauben. Die Realität zerstört ihre Illusionen: Erwin begeht Selbstmord, Peter wird nach einem gescheiterten Fluchtversuch verhaftet. Noch heute ist der ehemalige FDJ-Funktionär, der wieder in Hamburg lebt, traumatisiert. Die Zuschauerinnen und Zuschauer lernen Antje Korte-Böger aus Siegburg in Nordrhein-Westfalen kennen, die ihren Vater in jungen Jahren zur Leipziger Messe begleitet. Sie fühlt früh den Zwiespalt zwischen dem "reichen" Westen und dem "armen" Osten, besonders bei den Verwandtschaftsbesuchen aus Ostdeutschland. Da ist die Münchnerin Katrin Eder, die Mitte der siebziger Jahre aus ihrem wohlhabenden Elternhaus ausbricht und über West-Berlin in die DDR zieht und dort ein Mitglied des SED-Singeklubs "Oktoberklub" heiratet. Sie und ein gutes Dutzend weiterer Menschen erzählen ihre außergewöhnliche Geschichte: eine intensive Reise in die Vergangenheit, die in der Gegenwart nicht zu Ende ist.
21:45
22:15
Von heut auf morgen verändert ein Hauskauf das Leben von Friederike Fechner. Ein ruinöses barockes Giebelhaus in der Stralsunder Altstadt, das sie gemeinsam mit ihrem Mann vor dem endgültigen Verfall retten will. Sie bekommen für die gelungene Sanierung den Bauherrenpreis der Hansestadt. Als Friederike anlässlich der Preisverleihung einen Blick auf die Historie des Hauses werfen will, stößt sie auf das Schicksal einer jüdischen Familie im Nationalsozialismus. Auf das Schicksal der Familie Blach. Eine jahrelange Detektivarbeit beginnt, für die Friederike viel reisen wird. Nach New, York, nach Amsterdam, nach Ravensbrück... Im Stadtarchiv Stralsund beginnt ihre Spurensuche, hier stöbert sie gemeinsam mit dem Stadtarchivar in Ehe-, Geburten- und Adressbüchern. Stößt auf den Eigentümer Julius Blach, Kaufmann und Lederwarenhändler; auf die Geburtsdaten der Kinder von Julius und seiner Ehefrau Selma, auf all die Verwandten. Eine Großfamilie, von der viele Mitglieder den Holocaust nicht überlebt haben. Unter ihnen die vier Töchter der beiden - Gerda, Paula, Margarete, Else. Aber ein Sohn hat es offenbar geschafft! Friedrich, der jüngste verlässt Deutschland 1937, mit einem Dampfer, nachdem ihm die Nazis seinen Job als Direktor der Charlottenburger Wasserwerke in Berlin gekündigt haben.
23:00
Lore hat ein Leben lang nicht über die Vergangenheit gesprochen. Nicht über das Schicksal der Mutter, nicht über das Versteck, in dem sie mit ihren beiden Brüdern den Holocaust überlebte. Nicht über Tom, ihren Sohn, der sich das Leben nahm. Von morgens bis abends sitzt Lore in ihrer Bremer Wohnung und schreibt. Sie schreibt Artikel aus dem Weser-Kurier ab, auf Karteikarten, diese bedecken den Tisch, die Regale, alles. Sie sind sortiert nach Jahren und Themen. Lore sucht nach Struktur in einer Welt, in der Familie, Religion, ein Zuhause, alles, was im Leben Halt und Sicherheit gibt, in Stücke gehauen wurde. Wenn es dunkel wird, läuft Lore los, allein, durch die Nacht. "DP"-Displaced Person nannte man die Millionen von Menschen, die der Krieg und das nationalsozialistische Deutschland aus ihrem Leben gerissen und in ein Niemandsland geworfen hatte. Lore Kübler ist eine DP - bis zum heutigen Tag. Kim Seligsohn hat ihren Glauben, Kim hat ihre Hunde, und Kim hat ihre Musik. Schubert, Dichterliebe. Schuhmanns In der Fremde. Aber ihrem Talent entsprechend an der Hochschule Gesang zu studieren, das hat sie nicht geschafft. Kim sitzt im Zug von Berlin nach Bremen. Auf dem Weg zu Lore, die sie nie Mutter nennen durfte. In ihrer Tasche das gerahmte Bild ihrer Großmutter Marianne. Kim trägt das Trauma ihrer Familie mit sich wie einen zu schweren Rucksack. Aber das Schweigen darüber will sie brechen, will Lore dazu bringen, sich dem Schrecken zu stellen, der als Schatten über Kims Kindheit lag und ihr Leben prägt. Zersprengte Identitäten, zersprengte Familien. Durch Lore und Kim gelangen wir an eine Dimension der Zerstörung, die bis in unsere Gegenwart reicht. Zu den "Wandersplittern" unserer Geschichte, wie es der Filmregisseur Thomas Harlan nannte, die weiter verletzen, schwer zu orten sind und zielstrebig in Richtung Herz wandern. LIEBE ANGST (Regie: Sandra Prechtel) begleitet über mehrere Jahre aus großer Nähe den Prozess der Annäherung zwischen Mutter und Tochter. Der Film zeigt, wie ein Trauma in einer Familie weitergegeben wird, sich in die Körper und Seelen der nachfolgenden Generationen einschreibt. Die Anwesenheit der Kamera setzt etwas frei, was viel zu lange unter Verschluss gehalten wurde.