20:00
Die Nachrichten der ARD
20:15
Vorhofflimmern: Katheter-Therapie kann die Herzrhythmusstörung stoppen Herzrasen, unregelmäßiger Puls, Schwindel: Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung in Deutschland, etwa 1,8 Millionen Menschen sind betroffen. Am Beginn kommt das Herzrasen oft als vorübergehende Attacke. Dann helfen meist Medikamente, doch wenn die belastenden Phasen zunehmen, kann das die Herzleistung deutlich einschränken: Luftnot und Schwäche verhindern körperliche Belastung, Ängste und Unruhe erhöhen den Leidensdruck. Um das Vorhofflimmern zu stoppen, bieten immer mehr Kliniken eine neue Behandlungsmöglichkeit an: die sogenannte Pulsed-Field-Ablation. Bei diesem innovativen Katheter-Eingriff werden statt Hitze oder Kälte schonende elektrische Impulse verwendet, um die fehlerhaft arbeitenden Zellen im Herzen zu behandeln. Die Erfolgsraten sind höher als bei den bisherigen Verfahren. Je früher eine Ablation durchgeführt wird, desto besser sind die Chancen, den natürlichen Herzrhythmus dauerhaft wiederherzustellen. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für den Eingriff, welche Risiken gibt es? Und was tun, wenn das Flimmern sogar chronisch geworden ist? Hier kann ein weiterer Eingriff helfen, bei dem die fehlerhaften Stellen zusätzlich kameragesteuert von der Außenseite des Herzens über dünne Stäbe behandelt werden, um die Störsignale zu unterbinden, damit das Herz wieder gleichmäßig im Takt schlägt.
21:15
Es ist ein Qualitätsmerkmal für jedes Auto: der bestandene TÜV. Die Prüfplakette auf dem Nummernschild bedeutet, dass das Auto fahrtüchtig ist. Extra ausgebildete Prüfingenieure und -ingenieurinnen führen dafür in Deutschland jährlich rund 30 Millionen Hauptuntersuchungen durch. Im Auftrag des Staates sollen sie dafür Sorge tragen, dass die Autos auf den Straßen sicher sind. Doch was passiert, wenn die ihren Job nicht korrekt machen? Die NDR Reporter*innen Betül Sarikaya und Sulaiman Tadmory sind dieser Frage auf den Grund gegangen. Die Reportage zeigt, dass eine bestandene Hauptuntersuchung nicht in jedem Fall bedeutet, dass das Auto verkehrssicher ist. Im Gegenteil: Den Reporter*innen ist es gelungen, ein Auto mit "gefährlichen Mängeln" durch die Hauptuntersuchung zu bringen. Gegen einen Aufpreis gezahlt an einen Werkstattmitarbeitenden, offenbar bestimmt für den Prüfer. Als Gegenleistung bekommen sie einen Prüfbericht der Organisation GTÜ: Das Auto habe nur "geringe Mängel". Und natürlich das Qualitätssiegel der Prüforganisationen: die Prüfplakette. Dabei hat der Prüfer das Auto gar nicht angeschaut. Zwar zeigt die Recherche, dass es sich bei den korrupten Prüfern um Einzelfälle handelt. Aber auch ein Einzelner kann großen Schaden anrichten. Das zeigt das verdeckte Interview mit einem Prüfer, der deswegen vor Gericht stand. In Hunderten Fällen soll er Autos nicht korrekt geprüft haben. Zum Teil hat er sie gar nicht erst angeschaut, sondern auf das Urteil der Werkstätten vertraut. Dabei hat er nicht mal Bestechungsgeld erhalten. Er sagt, er habe es aus Bequemlichkeit so gehalten. Er soll nun über drei Jahre ins Gefängnis. Gegen das Urteil hat er Revision eingelegt. "Die Strafandrohung für die Bestechlichkeit beginnt bei einem Minimum von sechs Monaten Freiheitsstrafe pro Tat. Und daher stellen wir fest, dass die Täter sehr bewusst abwägen", sagt der Kieler Oberstaatsanwalt Dr. Henning Hadeler. Da Prüfer Amtsträger seien, wiege die Bestechlichkeit besonders schwer. Doch Einzelne würden trotzdem ins Gewicht fallen. "Wir haben Fälle, in denen nicht nur wenige Hundert, sondern zum Teil auch 1500 Fahrzeuge in einem Jahr nicht ordnungsgemäß geprüft wurden und dennoch die Prüfplaketten bekommen haben." "Schwarze Schafe gibt es leider in jeder Branche", sagt der Technische Leiter der Prüforganisation GTÜ, Marco Oehler. Er verweist auf ein rigoroses Qualitätsmanagement in der Branche. Es gäbe regelmäßig unangekündigte Nachprüfungen. Das berichten auch die anderen Organisationen auf Nachfrage. Außerdem schaue man sehr genau auf die Kennzahlen. "19 bis 20 Prozent der Fahrzeuge haben erhebliche Mängel", so Oehler. Und dann schaue man: Wo liegt die Quote des jeweiligen Prüfers? Dass die Reporter*innen gegen Geld den Bericht eines GTÜ-Prüfers erhalten haben, der dem chrottauto "geringe Mängel" attestiert, schockiert ihn. "Das ist skandalös. So jemand muss aus der Branche raus. Da gibt es überhaupt keine Diskussion."
21:45
Die Nachrichten für den Norden: NDR Info liefert Nachrichten im Fernsehen, im Radio, im Web und als App. Mehr Nachrichten ab NDR Text Seite 112 und im Internet: www.ndr.de/info
22:00
Ein Brief von seinem Patenkind Grete beschwört bei Kommissar Borowski die Geister der Vergangenheit herauf. Vor vier Jahren verschwand Heike Voigt. Sie war die Frau eines Freundes. Ihr Ehemann Frank Voigt wurde damals verdächtigt und aus Mangel an Beweisen freigesprochen. In dem Brief bittet Grete ihren Onkel Klaus um Hilfe. Sie lebt mit ihrer Schwester Sinja, ihrem Vater Frank und dessen neuer Partnerin Anna in einer Villa auf dem Land. Als Borowski die Familie Voigt besucht, streitet Grete ab, den Brief jemals abgeschickt zu haben. Und noch etwas ist merkwürdig. Anna, die neue Frau des Gastgebers, bittet Borowski über Nacht zu bleiben: Ein Geist soll im Haus umhergehen. Ist es der Geist von Heike? Borowski glaubt nicht an Gespenster und will die Ermittlungen wieder aufnehmen. Sehr real ist dagegen Borowskis neue Ko-Ermittlerin Mila Sahin! Die 28-jährige Spezialistin für operative Fallanalysen ist auf eigenen Wunsch von Berlin nach Kiel gewechselt. Sie ist kompetent, schnell und bekommt prompt die Leitung der neuen Ermittlungen übertragen. Denn Borowski ist im Fall Heike Voigt befangen. Es beginnt ein Psychoduell unter alten Freunden.
23:30
In den Niederlanden ist es schon seit 20 Jahren möglich, anonym eine seiner beiden Nieren an jemanden zu spenden. Auch in einigen anderen europäischen Ländern wie in Großbritannien oder Frankreich ist das inzwischen möglich. Damit setzt man eine Kettenreaktion an Lebendtransplantationen in Gang: So bekommt der 49-jährige schwerkranke Roy Rodgers in Rotterdam die Niere eines fremden lebenden Spenders. Seine gesunde Mutter hat sich dazu verpflichtet, ihrerseits am selben Tag anonym eine Niere zu spenden, um so einem anderen Kranken zu helfen. Dieses Überkreuz-Transplantationsprogramm ermöglicht Lebendspenden auch dann, wenn zwischen Ehepaaren und nahen Verwandten eine Spende aufgrund von Gewebeunverträglichkeit nicht infrage kommt. So war es auch bei Roy Rodgers und seiner Mutter. Am selben Tag werden drei weitere Paare in zwei verschiedenen Kliniken im Ringtausch transplantiert. Ausgelöst werden diese Überkreuz-Spenden häufig durch freiwillige anonyme Nierenspenden. So hat der 72-jährige ehemalige Hausarzt Alex van der Male seine Niere aus reiner Nächstenliebe gespendet. Dass er auf diese Art einem anderen Menschen ein neues Leben schenken konnte, macht ihn glücklich. Deutschland hat mit die strengsten Transplantationsgesetze in ganz Europa. Hier stehen mehr Menschen auf der Warteliste als anderswo. Bisher waren Nieren-Lebendspenden nur zwischen Verwandten und Ehepaaren erlaubt. Jetzt soll das Transplantationsgesetz nach niederländischem Vorbild geändert werden und Überkreuz-Lebendspenden unter Fremden sowie anonyme Lebendspenden aus Nächstenliebe legal werden.