21:00
Wie haben sich Jobs und die damit verbundenen Lebenswelten in den vergangenen Jahrzehnten verändert? Das neue Geschichtsformat über Berufswelten taucht mit drei Pilotfolgen tief in die Arbeitswelten der Berufsfeuerwehr, von Lehrkräften und Landwirtinnen und Landwirten ein. Eine Mischung aus Reportage und Doku-Talk machen das Format besonders. Junge Berufstätige treffen auf langjährig Berufserfahrene und tauschen sich über den Job selbst und seinen Wandel aus. In einer gemeinsamen Runde sprechen sie nah, authentisch und berührend über damals und heute - über Herausforderungen, gesellschaftliche Veränderungen, eigene Erinnerungen und Erfahrungen. Hinzu kommen historische Fakten mit Bildmaterial aus verschiedenen Dekaden, die die Veränderung im Job bildstark erlebbar machen. Wie hat sich Arbeit gewandelt mit Blick auf technologischen Fortschritt, Gleichstellung oder auch Be- oder Entlastung? Mit einem attraktiven Storytelling will dieses Format gleichwertig Menschen in der ARD Mediathek und im NDR Fernsehen ansprechen. Vom Pferd zum GPS-Traktor: In kaum einem Beruf ist der Wandel so sichtbar wie in der Landwirtschaft. Elise Köhler hat in Lehrte-Immensen den elterlichen Hof schon mit Mitte 20 übernommen. Wenn das Wetter die Ernte bedroht oder der Marktpreis schwankt, muss sie Lösungen finden, um ihren Betrieb zukunftsfähig zu halten. Biolandwirt Florian Stolze setzt auf nachhaltige Produktion und Direktvermarktung und schätzt den persönlichen Kontakt auf Wochenmärkten. Ein Blick zurück zeigt, wie Landwirtschaft früher aussah: Ottfried Thieleking ackerte bei Hannover in den 1960er-Jahren noch mit Pferden, während Hartmut Giermann als Agrarpilot in der DDR riesige Felder aus der Luft mit Düngemitteln oder Pestiziden besprühte. Ein Film über Wandel und die Liebe zum Land - damals wie heute.
21:45
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22:00
Tierschützer blockieren das Geschäft eines Fischhändlers, weil der auf seiner Website Rezepte für Hummer postet, um reiche Kunden anzulocken. Jetzt steht er vor dem Ruin. Isabel von Brede und Markus Gellert stellen Recherchen an, wer von der Pleite ihres Mandanten profitieren könnte, und bitten Thomas Zuhse, sich unter die Demonstranten zu mischen. Gleichzeitig vertreten sie einen Mann, der seine andauernd mäkelnde Frau mit Pflanzen aus dem eigenen Garten vergiftet haben soll. Ein Motiv hätte der leidenschaftliche Gärtner gehabt: Wie sich herausstellt, wurde er von seiner Gattin geschlagen. Während die Anwälte sich fragen, ob er wirklich die Tat begangen hat oder nur versucht, seine Tochter zu schützen, hat Gudrun, kaum ist ihre Pflegetochter wieder aufgetaucht, mit einem neuen Problem zu kämpfen. Gudrun hatte bei der Suche nach Tina deren leibliche Mutter aufgesucht. Die will sich nun mit Tina treffen.
22:50
Hans-Georg Calmeyer (1903-1972) war ein deutscher Jurist aus Osnabrück, der während des Zweiten Weltkriegs als "Rassereferent" der nationalsozialistischen Verwaltung in Den Haag über Leben und Tod von Tausenden Menschen entschied. Die Dokumentation beleuchtet die Frage: Hat Calmeyer niederländische Juden aktiv gerettet oder hat er lediglich einige vor der Verfolgung verschont? Calmeyers Geschichte steht für einen der komplexesten moralischen Konflikte des 20. Jahrhunderts. Als Beamter einer nationalsozialistischen Verwaltung, die Menschen nach rassistischen Kategorien der NS-Ideologie klassifizierte, akzeptierte er bewusst gefälschte Anträge zu Abstammungsnachweisen. Durch diese Form des stillen Widerstands rettete er nachweislich Tausende niederländischer Juden vor der Deportation in Konzentrationslager. Gleichzeitig überließ er andere Menschen der NS-Judenverfolgung. Diese Ambivalenz während der deutschen Besatzung der Niederlande wirft fundamentale Fragen über Widerstand und Kollaboration auf: Kann man Teil eines verbrecherischen NS-Systems sein und trotzdem moralisch handeln? Was unterscheidet aktives Retten von passivem Verschonen in der Zeit des Nationalsozialismus? 1972 verlieh die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem Hans-Georg Calmeyer den Titel Gerechter unter den Völkern. Doch sein Wirken bleibt umstritten. Während manche Historiker in ihm einen "Schindler von Osnabrück" sehen, betrachten Kritiker ihn primär als Funktionär der nationalsozialistischen Rassenpolitik. Als in Osnabrück ein Ausstellungsgebäude nach ihm benannt werden sollte, protestierten niederländische Historiker mit einem Brief an Bundeskanzlerin Merkel gegen diese Ehrung. Der Film erzählt biografisch und exemplarisch die Geschichte Hans-Georg Calmeyers während der deutschen Besetzung der Niederlande. Er basiert unter anderem auch auf neu erschlossenem Archivmaterial aus den Niederlanden der 1930er und 1940er Jahre sowie dem persönlichen Nachlass Calmeyers. Interviews mit letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs und der Judenverfolgung ergänzen die historischen Quellen. In Zeiten erstarkender autoritärer Systeme gewinnt Calmeyers Geschichte neue Aktualität. Der Dokumentarfilm stellt die unbequeme Frage nach individuellen Handlungsspielräumen während des Nationalsozialismus: Was waren die Möglichkeiten des Einzelnen in der nationalsozialistischen Gesellschaft, und welche Lehren lassen sich daraus für den Umgang mit heutigen autoritären Tendenzen ziehen? "Calmeyers Dilemma" bietet keine einfachen Antworten auf komplexe moralische Fragen der NS-Geschichte, sondern lädt zur Selbstreflexion ein: Wie hätte ich während der Judenverfolgung gehandelt? Und wie handele ich heute angesichts von Ungerechtigkeit und Unterdrückung?
23:35
Xatars Ehefrau Farvah und sein letzter Geschäftsführer Tobi erinnern sich an einen prägenden Moment: Im Frühjahr 2024 war es dem "Baba aller Babas" gelungen, seine Lieder auf die Bühne der Elbphilharmonie in Hamburg zu bringen. Dort sieht man Xatar backstage an einem Flügel sitzen - etwa ein Jahr nach diesen Aufnahmen war er tot. Jetzt gilt es, seine Hinterlassenschaften zu sortieren: Tobi räumt mit Xatars engen Freunden SSIO und Samy einen Lagerkeller aus. Gemeinsam erinnern sie sich an ihre Jugend im Bonner Viertel Brüser Berg. Schnell wird sichtbar, welche Brüche ihre gemeinsame Geschichte geprägt haben. Farvah beschreibt, wie schwer es für sie war, den Mut für ihre junge Liebe aufzubringen, und wie jäh die Beziehung zu Xatar von einem Verbrechen mit internationaler Dimension ausgebremst wird. Aus der Geflüchteten-Unterkunft in die deutschen Charts, aus Bonner Internetcafés in die Chefetagen der Musikwelt und auf die Kinoleinwand, von der Straße über den Knast in den eigenen Bürotower und schließlich zurück zum engsten Kreis: Kaum eine Figur hat die Widersprüche und Extreme, die das Spielfeld Deutschrap zu bieten hat, so stark personifiziert wie der Gangsta-Rapper Xatar. Noch zu Lebzeiten begonnen, blickt die ARD-Dokumentation "Xatar" knapp ein Jahr nach seinem Tod (7. Mai 2025) in drei Episoden auf das Leben der öffentlichen und privaten Person Giwar Hajabi aka Xatar zurück. Sie eröffnet Perspektiven, die es so bislang noch nie gab: So spricht erstmals Xatars Ehefrau ausführlich über ihr gemeinsames Leben. Sie erzählt vom Kennenlernen als Teenager im Bus, von den Startschwierigkeiten ihrer Beziehung und der schlussendlichen Entscheidung, ihr Leben an der Seite eines Gangsta-Rappers zu verbringen. Die Liebesbeziehung hält - selbst in Phasen, in denen Xatar wegen eines Goldraubs vor der Polizei ins Ausland flieht und anschließend fünf Jahre in Haft verbringt. "Xatar" ist eine Geschichte über Loyalität und Läuterung - und zugleich über den Traum eines rastlosen Mannes, der hoch hinaus will, Kunst und Unternehmertum verbindet, sein Millionen-Imperium verliert, aber seine Familie gewinnt. Erzählt wird diese Geschichte mithilfe von Archivmaterial, szenischen Rückblicken und Stimmen aus dem engsten Umfeld. Zu Wort kommen Weggefährtinnen und Weggefährten wie Schwesta Ewa, SSIO, Samy, Maestro, Moritz Bleibtreu, Farid Bang oder Apache 207. Gemeinsam mit den Journalist*innen Miriam Davoudvandi, Düzen Tekkal, Tobias Targoll "Toxik", Rooz (Roozbeh Farhangmehr), Aria Nejati und Simon Vogt, zeichnet der Freundes- und Kollegenkreis das vielschichtige Bild eines Künstlers und Unternehmers, der von Ehrgeiz, Verantwortung und dem Wunsch, anzukommen, angetrieben war.