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Sie waren weit mehr als ein gecastetes Disco-Projekt: Die Musik von Boney M. wurde zum Soundtrack einer Ära. Mit Welthits wie "Rivers Of Babylon", "Ma Baker" oder "Rasputin" eroberte die vierköpfige Gruppe Tanzflächen, Charts und Fernsehbildschirme rund um den Globus - und prägte das Bild der Disco-Zeit bis heute. 2008 griff Lady Gaga für ihren internationalen Durchbruch "Poker Face" den Refrain von "Ma Baker" auf. 2021 schließlich ging "Rasputin" erneut viral und erzielte auf TikTok über 22 Milliarden Views. Dabei schrieb die Band bereits 1978 Musikgeschichte: Als erste westliche Popformation trat sie im Dezember in Moskau auf - noch vor Elton John oder Deep Purple. Bis heute verkauften Boney M. rund 150 Millionen Tonträger und gehören gemeinsam mit ABBA und den Bee Gees zu den erfolgreichsten Disco-Gruppen aller Zeiten. Und doch ist ihr Name heute weniger präsent als der ihrer Zeitgenossen. Gerade hierzulande galten Boney M. lange als "Retortenprojekt" und "Plastikmusik". International hingegen wurden sie gefeiert. In Großbritannien landeten sie mehrere Nummer-eins-Hits; "Mary´s Boy Child" war dort zwei Jahrzehnte lang die meistverkaufte Single aller Zeiten. Doch hinter dem Glamour, den ikonischen Kostümen und der scheinbar mühelosen Leichtigkeit verbirgt sich eine Geschichte, die komplexer ist als ihr schillerndes Bühnenbild. Dieser Dokumentarfilm zeichnet erstmals den Aufstieg, die Konflikte und die kulturelle Wirkung einer Gruppe nach, die Millionen Menschen begeisterte und Millionen einspielte - und zugleich immer wieder im Spannungsfeld zwischen Kunst, Kommerz und Identität stand. Wie konnte aus einem in der tiefen Provinz produzierten Studioprojekt in kürzester Zeit ein internationales Pop-Phänomen werden? Welche Rollen spielten Image, Vermarktung und die Mechanik der Musikindustrie? Und was bedeutete der Erfolg für die Menschen auf der Bühne, deren Gesichter Boney M. weltweit repräsentierten? Im Mittelpunkt stehen die beiden Stimmen von Boney M., die Jamaikanerinnen Liz Mitchell und Marcia Barrett. Sie erzählen von ersten Schritten, von Erfahrungen des Alltagsrassismus im Deutschland der 1970er-Jahre, von kreativen Auseinandersetzungen, ökonomischen Zwängen und dem Preis der Berühmtheit. Der Film zeichnet aber auch ein Psychogramm von Frank Farian (1941-2024), der mit über 800 Millionen verkauften Tonträgern als erfolgreichster deutscher Musikproduzent aller Zeiten gilt. Farian war ein genialischer Maniac mit Gespür für Hits - aber auch ein Kontrollfreak, der seinen Künstlern wenig Spielraum ließ. Der Film greift hier exklusiv auf das letzte große TV-Interview zurück, das Farian vor seinem Tod in Miami gab, und zeigt dieses in weiten Teilen erstmals. Neben Wegbegleitern wie Thomas Anders oder Sebastian Krumbiegel ordnet Prof. Natasha A. Kelly die Band aus heutiger Perspektive ein und beleuchtet, inwiefern Exotisierung und die Aneignung "fremder" Traditionen bewusst eingesetzte Instrumente einer Vermarktungsstrategie waren. Mit unveröffentlichtem Archivmaterial des Fotografen Didi Zill sowie exklusiven Super-8-Aufnahmen zeigt der Film Boney M. als globales Pop-Phänomen und Spiegel ihrer Zeit: von Migrationserfahrungen und der Macht der Produzenten bis hin zu einem Business, das Stars formt - und verschleißen kann.
21:45
Die Nachrichten für den Norden: NDR Info liefert Nachrichten im Fernsehen, im Radio, im Web und als App. Mehr Nachrichten ab NDR Text Seite 112 und im Internet: www.ndr.de/info
22:00
Den Tod von Hauptkommissarin Julia Thiel hat ihre Familie noch lange nicht verwunden. Witwer Stephan Thiel (Peter Schneider) trauert bis zur Verwahrlosung, während Karin Lossow (Katrin Sass) krampfhaft nach Ablenkung sucht. Der wohlhabende Gastronom Ingo Wiek wird überfallen. Der Überfall misslingt, Opfer und Täter, der Kleinkriminelle Jens Kampwirth (Vincent Krüger), kommen ums Leben. Die Spuren am Tatort deuten darauf hin, dass der junge Mann einen Komplizen hatte. Ellen Norgaard (Rikke Lylloff) nimmt die Ermittlungen auf und entdeckt ungeahnte Verbindungen zwischen Jens Kampwirth und Ingo Wiek. Auch sie muss feststellen, dass man auf Usedom immer mit Karin Lossow im Schlepptau ermittelt - wenn sie einem nicht gar eine Nasenlänge voraus ist. Karin Lossow ist mit Jens Kampwirths Schwester Rike (Anna Herrmann) befreundet, die ein kleines Hotel betreibt. Ihr zuliebe hat die Ex-Staatsanwältin für Jens einen Täter-Opfer-Ausgleich organisiert. Nachdem der Vater der Kampwirth-Geschwister vor zwei Jahren spurlos verschwand, war der junge Mann auf die schiefe Bahn geraten. Die Ereignisse überschlagen sich: Rike glaubt, ihren Vater auf der Insel gesehen zu haben. Karin Lossow, die von Rike ins Vertrauen gezogen wird, beginnt Nachforschungen anzustellen. Ist Heiner Kampwirth tatsächlich noch am Leben? Und warum hält er sich versteckt?
23:30
Lukas Petersen ist nachts privat unterwegs, als er einen Autoknacker bei der Arbeit beobachtet. Lukas nimmt die Verfolgung auf, wird aber von zwei Polizeikollegen gestoppt, die mutmaßen, Lukas sei selbst auf der Flucht. Mit eindeutig rassistischer Motivation misshandeln sie ihn. Als die beiden feststellen, dass Lukas ebenfalls Polizist ist, rasen sie davon. Lukas hat mit dem Vorfall schwer zu kämpfen. Er entschließt sich, Anzeige gegen die beiden Beamten zu erstatten. Doch damit gefährdet er nicht nur den Ruf der Polizei, sondern auch seine anstehende Beförderung zum Hauptkommissar. Der Wachhabende Helmut Husmann zettelt innerhalb des Teams das Spiel "Wahrheit oder Pflicht" an und findet es ausgesprochen belustigend, wenn die Kollegen unsinnige Aufgaben erfüllen müssen. Doch für andere wird aus dem Spiel gleichzeitig bitterer Ernst: Die Teenager Sammi und Chayenne nutzen die Schwäche und Naivität ihres Mobbingopfers Justin schamlos aus, indem sie ihn zu kriminellen Handlungen im Rahmen der "Pflicht" zwingen.