15:10
Über Nacht wurde im Wolfratshausener Heimatmuseum eingebrochen. Als Hubert und Staller am nächsten Morgen zur Sicherung des Tatortes anrücken, entdecken sie im Schrank einer historischen Bauernstube die Leiche eines Wachmanns. Er wurde mit einem Säbel erstochen. Außerdem wurde eine Reihe wertvoller Orden gestohlen. Museumsdirektor Brase und seine Assistentin sind schockiert über die Vorkommnisse in ihrem Haus. Als Hubert und Staller herausfinden, dass der Einbruch vorgetäuscht war, rückt jedoch das Personal in den Fokus der Ermittlungen. Wer hat die falsche Fährte gelegt? Während die Kollegen der Spur des Diebesgutes folgen, entwickelt Staller eine ganz eigene Theorie: An einem historischen Bett in der Bauernstube hat er den Geruch eines Damenparfums wahrgenommen. Ist dies eine heiße Spur zum Täter oder gar zur Täterin? Vor allem Revierleiter Girwidz will von Stallers Duft-Theorie nichts wissen, sondern erwartet handfeste Ermittlungsergebnisse. Denn der neu gewählte Bürgermeister sitzt ihm wegen des Mordes im Nacken. Sonja Wirths Recherchen führen schließlich zu Milan Woddeck, dem Chef des Sicherheitsdienstes, bei dem auch der Tote beschäftigt war. Es stellt sich heraus, dass Woddeck und sein ermordeter Mitarbeiter bereits über einen längeren Zeitraum gemeinsam Diebstähle begangen haben. Kam es zu einem tödlichen Streit zwischen den Komplizen? Hat Woddeck den Einbruch als Ablenkung inszeniert? Der bestreitet jedoch, in der Nacht überhaupt im Museum gewesen zu sein. Staller hat derweil tatsächlich den Namen des mysteriösen Damenduftes ermittelt. Für ihn ist es der Schlüssel zur Lösung des Falles. Er überzeugt seine Kollegen, der Spur nachzugehen und das Revier stellt in gemeinsamer Aktion eine ungewöhnliche Falle.
16:00
Die Nachrichten für den Norden: NDR Info liefert Nachrichten im Fernsehen, im Radio, im Web und als App. Mehr Nachrichten ab NDR Text Seite 112 und im Internet: www.ndr.de/info
16:15
Diese vier Kandidat:innen nehmen heute die Jagd auf: Rosemarie Krahwinkel, Nicolai Paasch, Anna Doloschal, Richard Potrykus. Wissen sie mehr als die Jägerin oder der Jäger?
17:00
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17:10
Rendezvous oder Reinfall? Wasserschweine lernen sich kennen. Auch Seelöwen können Ohrenschmerzen haben. Und: Bauarbeiten für die neuen Aquarienbewohner.
18:00
In einer 15-minütigen Ausgabe zeigt das NDR Fernsehen ein regionales Magazin über wichtige Themen in Mecklenburg-Vorpommern - live und vor Ort.
18:15
In dem Landhandel in Schleswig-Holstein gibt es fast alles: Motorsägen, Hühnertränken, Einmachgläser - und auch Wolljacken aus nordfriesischer Deichschafwolle. Die Kundschaft sagt: "Wenn du das irgendwo findest, dann bei Hans Koll in Meggerholm"! Jürgen Koll, 35 Jahre alt und Vater von drei Kindern, führt das Familienunternehmen im Kreis Schleswig-Flensburg in dritter Generation. Während die Rechnungen an der Kasse noch oldschool per Hand geschrieben werden, tüftelt er an neuen Ideen - oft mit seinem Baby auf dem Arm. Er verkauft Schubkarren mit selbst konstruierter Kippvorrichtung, importiert Mini-Traktoren, Kartoffelpflanzmaschinen und -Roder, die es sonst nirgendwo gibt. Oder er lässt Messingschilder direkt beim Hersteller in Indien anfertigen. Auch wenn dabei manchmal etwas schiefgeht und dann beim Schild mit der Aufschrift "WarnungvordemHunde" die Leerzeichen fehlen. Außerdem hat der Chef des Landhandels eine kleine Modemarke gegründet, obwohl er nach eigenen Angaben nichts von Design versteht. "Hauptsache, die Ärmel sind für uns Norddeutsche lang genug", hat er den Produzenten in Polen gesagt. Aus der groben Wolle, die die Deichschäfer kaum loswerden, lässt Jürgen Koll Jacken, Mäntel und warme Bettdecken herstellen. Bei der Vermarktung setzt er auf Videos und legt sich dafür auch schon einmal mitten in einer Schafherde auf einem Deich ins Bett. All das ist Teil seiner Strategie, den Traditionsbetrieb zukunftsfähig zu halten. Doch Onlinehandel, Baumärkte und aktuell eine gesperrte Zufahrtsstraße machen dem Geschäftsmann zu schaffen. Den Umsatzrückgang will er mit einem Stand auf der Landwirtschafts- und Verbraucherausstellung Norla ausgleichen. Jürgen Koll kämpft um die Zukunft seines Ladens - mit Mut zum Risiko, norddeutschem Pragmatismus und der Unterstützung seiner ganzen Familie. Eine "Nordreportage" über Unternehmergeist zwischen Gülleschlauch und Videodrehs für Instagram.
18:45
Dieser Mann ist der Beweis: Man kann im deutschen Fernsehen Kultstatus erreichen und dabei vollkommen bodenständig bleiben. Harald Krassnitzer lebt in Wuppertal - freiwillig. Eine Stadt, die man nicht wählt, um aufzufallen. Bodenständig auch sein Aufwachsen. Er ist er Sohn eines Schlossers und einer Süßwarenfabrik-Arbeiterin, hat eine Lehre zum Speditionskaufmann gemacht, bevor er Schauspieler wurde. Das prägt ihn und seine Rollen. Die Rolle, der er am längsten treu geblieben ist: Chefinspektor Moritz Eisner im Wiener "Tatort". Nach mehr als 60 Einsätzen und 25 Jahren ist bald Schluss für das Ermittlerduo Moritz Eisner und Bibi Fellner, alias Adele Neuhauser. Sein neuer Kinofilm "Der verlorene Mann" ist eine Geschichte über Liebe und Erinnern. Auf dem Roten Sofa erzählt er von seiner Sorge, an Demenz zu erkranken, von seinem gesellschaftlichen Engagement und von Anarchie in seinem Schrebergarten.
19:30
30 Minuten regionale Information und Unterhaltung aus dem Land - für das Land.
20:00
Die Nachrichten der ARD
20:15
Mitten im Atlantik erhebt sich ein gigantisches Unterwasser-Gebirge. Es durchdringt mit seinen höchsten Spitzen die Wasseroberfläche und bildet die Inselgruppe der Azoren: neun winzige, grüne Punkte im weiten Ozean - jede Insel eine fantastische Welt für sich. Für Seevögel sind die üppig bewachsenen Inseln vulkanischen Ursprungs ein Brückenkopf zwischen Amerika und Europa. Sturmtaucher- und Seeschwalben-Kolonien überziehen die Steilküsten und in den Gewässern des Archipels tummeln sich die größten Tiere der Welt: Blauwale. Sie sind auf der Durchreise und treffen auf ihrem Weg von den arktischen Gewässern in wärmere Bereiche des Atlantiks auf Finnwale, Buckelwale und Pottwale. Für über 20 Walarten auf ihrem langen Weg von und in die arktischen Gewässer ist das Meer vor den Inseln ein üppiger Futterplatz: Mit dem Golfstrom gelangen aus den Tiefen des Ozeans tausende Tonnen Krill, Biomasse aus südlichen Gewässern. Die Azoren haben aber mehr als das Unterwasser-Spektakel zu bieten: die Landschaften der Inseln mit Basalthöhlen und Wasserfällen sind ebenso spektakulär wie fruchtbar, überall finden sich grüne, teils von Seen und Teichen durchzogene Vulkankrater. Sie sind ein Süßwasserreservoir für die hier lebenden Vögel, aber auch für Zugvögel, die aus Europa und Amerika kommen und sich auf den Azoren treffen, um hier zu überwintern, darunter Strandpieper, Kiebitzregenpfeifer, Steinwälzer und Steinschmätzer. Ihnen bieten die Kraterlandschaften ein sicheres Refugium mit ausreichend Nahrungsangebot. Im Lavagestein der Steilküsten brüten Gelbschnabel-Sturmtaucher gut versteckt in kleinen Felslöchern. Ihre Flugleistungen sind rekordverdächtig: kaum flügge geworden ziehen die Jungtiere mit den Eltern über den Atlantik, um dort den Winter zu verbringen. Ein einziges Ei wurde im Frühjahr in die karge Nisthöhle gelegt. Nistplätze gibt es genug auf den vulkanischen Azoren, wo sich im brüchigen Lavagestein Höhlensysteme weit über die Inseln erstrecken. Hunderte Meter, ja oft mehrere Kilometer erstrecken sich die gewaltigen Höhlenröhren über die Inseln. Sie verlaufen in Fließrichtung der einst flüssig-heißen Lava von den Vulkanen talwärts, und irgendwann gibt es den Punkt, wo der Höhlenschlund das Meer erreicht - ein Sammelplatz für Unterwassertiere. Im Scheinwerferlicht der Kameras nutzen Fische die Gelegenheit und stoßen in einen Garnelen-Schwarm. Muränen tauchen auf und vertilgen die Garnelen zu Hunderten. Große Rochen, Oktopusse und Bärenkrebse sind weitere Bewohner dieses düsteren Reichs ohne Tageslicht. An der Meeresoberfläche gleitet sie langsam dahin, das Segel aufgestellt, mit dem sie die Richtung beeinflussen kann: die Portugiesische Galeere, ein transparenter, bläulich schimmernder, ca. 15 Zentimeter langer Körper mit vielen Nesselarmen. Die Nesselfäden sind hochgiftig; und wenn sie nicht eingezogen sind, können sie als bis zu 20 Meter lange Giftschnüre im Wasser nach Beute angeln. Meereslebewesen wie Fische, Garnelen, Salpen, aber auch Quallen werden durch diese Fangfäden in wenigen Sekunden getötet. Dann wird die Beute ins Zentrum der Galeere gezogen, zersetzt und verspeist. Die Portugiesische Galeere ist eine Kolonie von Polypen, deren Einzeltiere im Verbund spezielle Fertigkeiten entwickeln und alleine nicht mehr lebensfähig sind. Der Blauwal ist das größte Lebewesen des Planeten. Das Tier steigt zum Atmen an die Meeresoberfläche auf. Sein mächtiger Körper ist gut 25 Meter lang. Nur mit Brille, Schnorchel und Flossen gleiten die Kameraleute ins Wasser. Sobald der dunkle Schatten näher kommt, holen sie einmal noch tief Luft - und tauchen ab. Der Wal zieht vorbei, wenige Meter vor den Tauchern. Die Atemnot wird groß, denn es dauert eine Weile, bis das riesige Tier aus dem Bild geschwommen ist. Fährt man mit dem schnellen Schlauchboot von der Insel Pico nach Süden, ist bald kein Land mehr in Sicht. Wer dann ins Wasser geht und abtaucht, fühlt sich sehr allein im weiten Blau des riesigen Ozeans. Vor allem, wenn ein Blauhai auf die Kamera zu schwimmt, majestätisch und ruhig wie ein Flugzeug im Landeanflug. Nicht selten kommen die Tiere mit der Nasenspitze auf wenige Zentimeter an die Kameralinse heran und drehen dann ab. Es kommt vor, dass die lange Brustflosse über die Schulter des Kameramanns streicht. Blauhaie sind sanfte "Primaballerinas", sie sind nicht hektisch, aber neugierig. Corvo ist die kleinste Insel der Azoren und ganz im Westen gelegen. So weit westlich, dass sie ebenso wie Flores schon Teil der amerikanischen Kontinentalplatte ist. Sie ist ein erloschener Vulkan. Der riesige Krater erhebt sich direkt aus dem Meer, und in der Caldera befinden sich sumpfige, kleine Seen. Einmal im Jahr, im Oktober, wird Corvo von Birdwatchern aus aller Welt belagert. Sehnsüchtig erwarten sie das jährliche Erscheinen der Zugvögel aus zwei Kontinenten: Amerika und Europa. Manche Vögel kommen sogar aus Grönland auf die Azoren. Hier trifft Europa auf Amerika: über Wasser die winzigen Vögel mit ihren gigantischen Flugleistungen, in den Tiefen des Ozeans die Kontinentalplatten mit ihren Urgewalten, die für die Entstehung der Inselgruppe verantwortlich sind.
21:00
Wie haben sich Jobs und die damit verbundenen Lebenswelten in den vergangenen Jahrzehnten verändert? Das neue Geschichtsformat über Berufswelten taucht mit drei Pilotfolgen tief in die Arbeitswelten der Berufsfeuerwehr, von Lehrkräften und Landwirtinnen und Landwirten ein. Eine Mischung aus Reportage und Doku-Talk machen das Format besonders. Junge Berufstätige treffen auf langjährig Berufserfahrene und tauschen sich über den Job selbst und seinen Wandel aus. In einer gemeinsamen Runde sprechen sie nah, authentisch und berührend über damals und heute - über Herausforderungen, gesellschaftliche Veränderungen, eigene Erinnerungen und Erfahrungen. Hinzu kommen historische Fakten mit Bildmaterial aus verschiedenen Dekaden, die die Veränderung im Job bildstark erlebbar machen. Wie hat sich Arbeit gewandelt mit Blick auf technologischen Fortschritt, Gleichstellung oder auch Be- oder Entlastung? Mit einem attraktiven Storytelling will dieses Format gleichwertig Menschen in der ARD Mediathek und im NDR Fernsehen ansprechen. Vom Pferd zum GPS-Traktor: In kaum einem Beruf ist der Wandel so sichtbar wie in der Landwirtschaft. Elise Köhler hat in Lehrte-Immensen den elterlichen Hof schon mit Mitte 20 übernommen. Wenn das Wetter die Ernte bedroht oder der Marktpreis schwankt, muss sie Lösungen finden, um ihren Betrieb zukunftsfähig zu halten. Biolandwirt Florian Stolze setzt auf nachhaltige Produktion und Direktvermarktung und schätzt den persönlichen Kontakt auf Wochenmärkten. Ein Blick zurück zeigt, wie Landwirtschaft früher aussah: Ottfried Thieleking ackerte bei Hannover in den 1960er-Jahren noch mit Pferden, während Hartmut Giermann als Agrarpilot in der DDR riesige Felder aus der Luft mit Düngemitteln oder Pestiziden besprühte. Ein Film über Wandel und die Liebe zum Land - damals wie heute.
21:45
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22:00
Tierschützer blockieren das Geschäft eines Fischhändlers, weil der auf seiner Website Rezepte für Hummer postet, um reiche Kunden anzulocken. Jetzt steht er vor dem Ruin. Isabel von Brede und Markus Gellert stellen Recherchen an, wer von der Pleite ihres Mandanten profitieren könnte, und bitten Thomas Zuhse, sich unter die Demonstranten zu mischen. Gleichzeitig vertreten sie einen Mann, der seine andauernd mäkelnde Frau mit Pflanzen aus dem eigenen Garten vergiftet haben soll. Ein Motiv hätte der leidenschaftliche Gärtner gehabt: Wie sich herausstellt, wurde er von seiner Gattin geschlagen. Während die Anwälte sich fragen, ob er wirklich die Tat begangen hat oder nur versucht, seine Tochter zu schützen, hat Gudrun, kaum ist ihre Pflegetochter wieder aufgetaucht, mit einem neuen Problem zu kämpfen. Gudrun hatte bei der Suche nach Tina deren leibliche Mutter aufgesucht. Die will sich nun mit Tina treffen.
22:50
Hans-Georg Calmeyer (1903-1972) war ein deutscher Jurist aus Osnabrück, der während des Zweiten Weltkriegs als "Rassereferent" der nationalsozialistischen Verwaltung in Den Haag über Leben und Tod von Tausenden Menschen entschied. Die Dokumentation beleuchtet die Frage: Hat Calmeyer niederländische Juden aktiv gerettet oder hat er lediglich einige vor der Verfolgung verschont? Calmeyers Geschichte steht für einen der komplexesten moralischen Konflikte des 20. Jahrhunderts. Als Beamter einer nationalsozialistischen Verwaltung, die Menschen nach rassistischen Kategorien der NS-Ideologie klassifizierte, akzeptierte er bewusst gefälschte Anträge zu Abstammungsnachweisen. Durch diese Form des stillen Widerstands rettete er nachweislich Tausende niederländischer Juden vor der Deportation in Konzentrationslager. Gleichzeitig überließ er andere Menschen der NS-Judenverfolgung. Diese Ambivalenz während der deutschen Besatzung der Niederlande wirft fundamentale Fragen über Widerstand und Kollaboration auf: Kann man Teil eines verbrecherischen NS-Systems sein und trotzdem moralisch handeln? Was unterscheidet aktives Retten von passivem Verschonen in der Zeit des Nationalsozialismus? 1972 verlieh die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem Hans-Georg Calmeyer den Titel Gerechter unter den Völkern. Doch sein Wirken bleibt umstritten. Während manche Historiker in ihm einen "Schindler von Osnabrück" sehen, betrachten Kritiker ihn primär als Funktionär der nationalsozialistischen Rassenpolitik. Als in Osnabrück ein Ausstellungsgebäude nach ihm benannt werden sollte, protestierten niederländische Historiker mit einem Brief an Bundeskanzlerin Merkel gegen diese Ehrung. Der Film erzählt biografisch und exemplarisch die Geschichte Hans-Georg Calmeyers während der deutschen Besetzung der Niederlande. Er basiert unter anderem auch auf neu erschlossenem Archivmaterial aus den Niederlanden der 1930er und 1940er Jahre sowie dem persönlichen Nachlass Calmeyers. Interviews mit letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs und der Judenverfolgung ergänzen die historischen Quellen. In Zeiten erstarkender autoritärer Systeme gewinnt Calmeyers Geschichte neue Aktualität. Der Dokumentarfilm stellt die unbequeme Frage nach individuellen Handlungsspielräumen während des Nationalsozialismus: Was waren die Möglichkeiten des Einzelnen in der nationalsozialistischen Gesellschaft, und welche Lehren lassen sich daraus für den Umgang mit heutigen autoritären Tendenzen ziehen? "Calmeyers Dilemma" bietet keine einfachen Antworten auf komplexe moralische Fragen der NS-Geschichte, sondern lädt zur Selbstreflexion ein: Wie hätte ich während der Judenverfolgung gehandelt? Und wie handele ich heute angesichts von Ungerechtigkeit und Unterdrückung?
23:35
Xatars Ehefrau Farvah und sein letzter Geschäftsführer Tobi erinnern sich an einen prägenden Moment: Im Frühjahr 2024 war es dem "Baba aller Babas" gelungen, seine Lieder auf die Bühne der Elbphilharmonie in Hamburg zu bringen. Dort sieht man Xatar backstage an einem Flügel sitzen - etwa ein Jahr nach diesen Aufnahmen war er tot. Jetzt gilt es, seine Hinterlassenschaften zu sortieren: Tobi räumt mit Xatars engen Freunden SSIO und Samy einen Lagerkeller aus. Gemeinsam erinnern sie sich an ihre Jugend im Bonner Viertel Brüser Berg. Schnell wird sichtbar, welche Brüche ihre gemeinsame Geschichte geprägt haben. Farvah beschreibt, wie schwer es für sie war, den Mut für ihre junge Liebe aufzubringen, und wie jäh die Beziehung zu Xatar von einem Verbrechen mit internationaler Dimension ausgebremst wird. Aus der Geflüchteten-Unterkunft in die deutschen Charts, aus Bonner Internetcafés in die Chefetagen der Musikwelt und auf die Kinoleinwand, von der Straße über den Knast in den eigenen Bürotower und schließlich zurück zum engsten Kreis: Kaum eine Figur hat die Widersprüche und Extreme, die das Spielfeld Deutschrap zu bieten hat, so stark personifiziert wie der Gangsta-Rapper Xatar. Noch zu Lebzeiten begonnen, blickt die ARD-Dokumentation "Xatar" knapp ein Jahr nach seinem Tod (7. Mai 2025) in drei Episoden auf das Leben der öffentlichen und privaten Person Giwar Hajabi aka Xatar zurück. Sie eröffnet Perspektiven, die es so bislang noch nie gab: So spricht erstmals Xatars Ehefrau ausführlich über ihr gemeinsames Leben. Sie erzählt vom Kennenlernen als Teenager im Bus, von den Startschwierigkeiten ihrer Beziehung und der schlussendlichen Entscheidung, ihr Leben an der Seite eines Gangsta-Rappers zu verbringen. Die Liebesbeziehung hält - selbst in Phasen, in denen Xatar wegen eines Goldraubs vor der Polizei ins Ausland flieht und anschließend fünf Jahre in Haft verbringt. "Xatar" ist eine Geschichte über Loyalität und Läuterung - und zugleich über den Traum eines rastlosen Mannes, der hoch hinaus will, Kunst und Unternehmertum verbindet, sein Millionen-Imperium verliert, aber seine Familie gewinnt. Erzählt wird diese Geschichte mithilfe von Archivmaterial, szenischen Rückblicken und Stimmen aus dem engsten Umfeld. Zu Wort kommen Weggefährtinnen und Weggefährten wie Schwesta Ewa, SSIO, Samy, Maestro, Moritz Bleibtreu, Farid Bang oder Apache 207. Gemeinsam mit den Journalist*innen Miriam Davoudvandi, Düzen Tekkal, Tobias Targoll "Toxik", Rooz (Roozbeh Farhangmehr), Aria Nejati und Simon Vogt, zeichnet der Freundes- und Kollegenkreis das vielschichtige Bild eines Künstlers und Unternehmers, der von Ehrgeiz, Verantwortung und dem Wunsch, anzukommen, angetrieben war.