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DDR-Provinz 1982. Die Staßfurter sind Zementstaub in der Luft und Risse in den Häusern gewohnt. Durch die Kaligruben unter der Stadt senken sich ganze Straßenzüge ab. Es gibt wahrlich schönere Plätzchen im Sozialismus. Doch genau hier, gleich neben dem "Fernsehgerätewerk Friedrich Engels" - der Geburtsstätte des DDR-Fernsehers - ließ Margot Honecker ein lebendiges Zeichen der Solidarität errichten: Die Schule der Freundschaft. Ab 1982 lebten 900 Schüler aus Mosambik und ab 1985 zusätzlich 400 namibische Schüler in einer Plattenbausiedlung am Rande der kleinen Industriestadt. Es war ein außergewöhnliches Modellprojekt: die leistungsstärksten Schüler wurden aus allen Landesteilen Mosambiks eingeladen, um für sechs Jahre in der DDR zu lernen. Sie sollten die sozialistische Facharbeiterelite für ihren jungen sozialistischen Nationalstaat werden. Nach außen hin demonstriert die Schule die Leistungsfähigkeit des DDR-Schulsystems und die oft beschworene sozialistische Völkerfreundschaft. Aber eigentlich dient das Prestigeobjekt Margot Honeckers den wirtschaftlichen Interessen des Arbeiter- und Bauernstaats. Die Dokumentation verfolgt die Lebenslinien einzelner Schüler in Mosambik und Deutschland. Ehemalige Lehrer, Erzieher und die vielen Zuträger der Staatssicherheit liefern eine vielschichtige Innenansicht der "Schule der Freundschaft". War es für die Schüler ein gefährliches Experiment, das rücksichtslos mit den Lebenserwartungen und Lebenschancen der Kinder spielte? Was ist aus ihnen geworden? In der Stadt selbst prallen in den 1980er Jahren Welten aufeinander. Aus Kindern werden schnell Teenager, die Fragen stellen, die gegen die allumfassende Erziehung aufbegehren, sich kleine Freiheiten erobern, etwa nachts aus dem zunächst abgeschotteten Internatsgelände ausbrechen. Für sie ist die Schule eine Chance auf Bildung, die viele ohne das Projekt nie gehabt hätten, doch ab 1986 kippt die Stimmung. Viele Schüler werden in Ausbildungsberufe gezwungen, für die es in Mosambik gar keine Perspektiven gibt. Denn Mosambik hat den sozialistischen Weg verlassen und befindet sich im Bürgerkrieg. Doch die Schüler sollen davon nichts erfahren. Sie sollen sich dem Plan fügen. Auch in der Staßfurter Bevölkerung wächst der Unmut. Neid und Missgunst bricht sich immer wieder Bahn: Die Schüler würden in Watte gepackt und bei der Vergabe begehrter Waren bevorzugt. Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen deutschen und mosambikanischen Jugendlichen nehmen zu, die Konflikte eskalieren 1987. Carlos Conceicao wird von einer Brücke gestoßen und stirbt. "Da ist nur ein Stück Kohle in die Bode gefallen" kommentiert ein deutscher Jugendlicher im Nachhinein den Tod des mosambikanischen Jungen. Die rassistischen Angriffe rufen Wut und Ängste unter den Schülern hervor. "Jeder von uns dachte, er könnte der nächste sein", erinnert sich Paulino Miguel. Doch die dramatischste Wendung in ihrem Leben steht ihnen noch bevor: die Rückkehr ins Heimatland. Ohne jegliche Zukunftschancen für die Mehrheit der vermeintlichen Vorzeige-Schüler hinterlässt sie bei vielen tiefe Wunden. Historiker Mathias Tullner fällt ein hartes Urteil: "Das Experiment ist grandios gescheitert. Diese Schüler waren Spielball von politischen und wirtschaftlichen Interessen, von ideologischer Verbohrtheit, und sie sind dann in eine Mühle hineingekommen, in der sie meistens tragisch endeten."
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Die Fotografin Janis (Penélope Cruz) lernt den Anthropologen Arturo (Israel Elejalde) kennen und bittet ihn um Hilfe in einer Familienangelegenheit: Sie will die Überreste ihres Urgroßvaters ausgraben, der Opfer der Franco-Diktatur war. Dabei entsteht zwischen den beiden eine Affäre und Janis wird schwanger. Auch wenn Arturo die Vaterrolle nicht übernehmen will, freut sich Janis riesig, denn sie hatte sich immer ein Baby gewünscht. Unsicher über ihre bevorstehende Mutterschaft ist dagegen die minderjährige Ana (Milena Smit), mit der sich Janis das Krankenhauszimmer teilt. Ihre Mutter Teresa (Aitana Sánchez-Gijón) bezeichnet sich selbst als "unfähig zur Mutterschaft". Nach der Scheidung musste sie auf ihre Tochter verzichten und nimmt erst über deren Schwangerschaft wieder Kontakt zu ihr auf. Anas konservativer Vater ist der Überzeugung, dass man die Toten in den Massengräbern in Ruhe lassen und keine alten Wunden aufreißen sollte. Die Vergewaltiger seiner minderjährigen Tochter will er auch nicht anzeigen, da er einen Skandal in der Stadt fürchtet. Janis und Ana bekommen zur gleichen Zeit die ersten Wehen, gebären synchron und beide müssen ihre Töchter wegen kleiner Komplikationen auf die Beobachtungsstation geben. Nach dem Ende des Klinikaufenthalts scheinen sich ihre Wege zu trennen. Doch das Schicksal hat noch etwas mit ihnen vor. Der Oscar-prämierte spanische Regisseur Pedro Almodóvar ("Alles über meine Mutter") erzählt in "Parallele Mütter" von unterschiedlichen Facetten des Mutterseins und bricht Spaniens Schweigen über die Franco-Diktatur auf. Raffiniert verflechtet der Film die Schicksale der beiden Frauen und begibt sich gleichzeitig auf die Suche nach den Schatten der Vergangenheit. Für ihre Rolle der Janis wurde Hauptdarstellerin Penélope Cruz 2022 für den Oscar nominiert. Überzeugend spielt auch Newcomerin Milena Smit die Rolle der Ana.