22:40
Deutschland gehen die Azubis aus. Seit 2020 können junge Menschen aus aller Welt deshalb vereinfacht in Deutschland eine Ausbildung machen. Vermittelt werden sie aus Ländern wie Marokko, Indonesien oder Vietnam - oft über dubiose Agenturen, die von ihnen hohe und in Deutschland illegale Provisionen verlangen. In Deutschland angekommen, werden die jungen Menschen oft als billige Arbeitskräfte eingesetzt. Müssen ausbildungsfremde Tätigkeiten übernehmen, arbeiten weit unter Mindestlohn, oder sogar Kautionen bei ihren Chefs hinterlegen. Anfang des Jahres macht ein besonders eindrücklicher Fall in Thüringen Schlagzeilen. Der Betreiber eines Pflegeheims soll über Jahre eine Vielzahl an Auszubildenden aus Drittstaaten regelrecht verschlissen haben, indem er sie ausbildungsfremd arbeiten ließ, von ihnen überteuerte Mieten kassierte, ihnen monatelang den Lohn verwehrte und sie letztlich vor die Tür setzte. Sie landeten auf der Straße. Eine Gruppe vietnamesischer Azubis fasste sich schließlich ein Herz und klagte gegen den Unternehmer. Wie läuft der Prozess? In der Dokumentation sprechen betroffene Vietnamesen erstmals vor der Kamera über ihre Erfahrungen und wohin sie die Suche nach einem neuen Ausbildungsplatz verschlagen hat. Doch für viele beginnt die Odyssee bereits in ihren Heimatländern. Jahrelang sparen die jungen Menschen und ihre Familien tausende Euro an, um Vermittlungsagenturen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz in Deutschland zu bezahlen. Denn viele Unternehmen, die eigentlich händeringend nach Azubis suchen und zunehmend auch auf Azubis aus Drittstaaten angewiesen sind, seien nicht bereit, Vermittlungsprovisionen selbst zu zahlen. Dubiose Agenturen und windige Vermittler erheben dann "Servicepauschalen", obwohl Vermittlungsprovisionen von Azubis in Deutschland verboten sind. Die investigative Dokumentation deckt auf, dass auch Deutsche vom Vermittlungsgeschäft profitieren, Arbeitgeber Verbote umgehen und Azubis rechtswidrig beschäftigen, unter Druck setzen und ausbeuten.
23:23
Nussknacker schimpft über den Rundfunkbeitrag und die Öffentlich-Rechtlichen. Doch alle haben ihre Lieblingssendungen: von Arztserien über das Sandmännchen bis zu Tierdokumentationen mit deren tollen Darstellern. Harlekin setzt lieber auf Streaming. Als die Kosten verschiedener Angebote auf den Tisch kommen, gerät die Diskussion überraschend in Bewegung. Doch das letzte Wort ist nicht gesprochen, da müssen wir nochmal drüber reden!
23:25
Der fünfte Teil der "Wut"-Serie, "Hüben wie drüben", ist ein gesamtdeutsches Road-Movie auf den Spuren der Wut im Land. Autor Matthias Schmidt fährt im Wahljahr 2026 nach Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt und fragt, ob die Wut vieler Menschen und die Gründe dafür in Ost und West ähnlicher sind, als man gemeinhin annimmt. Er besucht Winzer an Unstrut und Neckar, erlebt in der Dübener Heide eine Gemeinderatssitzung, bei der heftig über neue Windkraftanlagen gestritten wird und ist mit einem Fernfahrer auf Achse, der dafür plädiert, beim Thema Migration von Schweden zu lernen. Der aus dem Osten stammende Heilbronner Theaterintendant Axel Vornam beklagt, dass statt Reformen nur Reförmchen stattfinden, und eine Schornsteinfegerin in Leuna lädt den Kanzler nach Leuna ein, wo die Krise der Chemischen Industrie vielen große Sorgen macht. Christof Günther, der Chef der "Infra-Leuna", wirft die Frage auf, ob die Chemie ohne russisches Erdgas eine Zukunft hat. Der Verleger der "Ostdeutsche Allgemeine Zeitung", Holger Friedrich, plädiert für eine stärkere Einbeziehung der ostdeutschen Erfahrungen in die dem Land bevorstehenden Transformationen. Der Verleger der "Stimme" Heilbronn staunt über Dresden und wünscht sich, dass die Gräben im Land kleiner werden. "Hüben wie drüben".