22:00
Hans wird 1953 als neuntes Kind der 17-köpfigen Familie Well geboren. Der Vater, ein musikbegeisterter Dorfschullehrer, fördert die musische Erziehung und tritt zusammen mit seinen Kindern in verschiedenen Formationen auf. Mit 17 Jahren beginnt Hans, sein konservatives Weltbild zu hinterfragen und interessiert sich vor allem für die Rolle seiner Eltern in der NS-Zeit. Er führt erbitterte Diskussionen mit seinem Vater und den älteren Brüdern und politisiert sich immer mehr. Zusammen mit zwei seiner jüngeren Brüder gründet er 1976 die Biermösl Blosn, die mit ihrem musikalisch-politischem Kabarett schnell eine feste Größe in der bayerischen Kleinkunst-Szene sind. Das Auseinanderbrechen der Band nach über drei Jahrzenten belastet Hans sehr, der darauffolgende Schlaganfall ist der Tiefpunkt seines Lebens. Erst nach und nach schafft er es, vor allem mithilfe seiner Frau und seiner Kinder, die Wunden zu schließen.
22:45
30 Jahre Gerhard Polt und die Biermösl Blosn: Sie spiegelten, was man im besten Sinn "bayerisch" nennt: widerspenstig, anarchisch und doch tief im Bayerischen verwurzelt. "Man kritisiert nur, wofür es sich lohnt zu kämpfen!", sagten sie. Dazu gehörte der unbestechliche Blick: Und sie schauten genau hin. Oft zum Verdruss derer, die in ihr Blickfeld gerieten: Politiker, Parteien Institutionen. Aber sie trugen zur Erkenntnis derer bei, die denen auf die Finger schauen wollten. Anlass dieses Porträts war ihr 30. Bühnenjubiläum 2010: Das Ergebnis war eine Reise zu vielen Stationen der bayerischen Geschichte: Wackersdorf, der Rhein-Main-Donau-Kanal. Unvergesslich ihre Theaterauftritte: Tschurangrati, Creme Bavaroise, der Offene Vollzug. Sie ließen sich immer gerne engagieren, wenn es um den Ausverkauf von Landschaft und bayerischer Lebensart ging. Gerhard Polt und die Biermösl Blosn hatten den gleichen satirischen Blick auf die Welt. Wenn sie gemeinsam auf der Bühne standen, wirkten sie wie eine Einheit: Sie ergänzten sich nicht nur, sie waren zusammen eine Institution. Im Januar 2012 hatten sie ihren letzten gemeinsamen Auftritt.
23:45
Den Anfang macht ein filmischer Rückblick von Schriftsteller und BR-Autor Fritz Meingast von 1964 aus der Hallertau- oder wie die Einheimischen sagen "Holledau". Sein schwarzweißer Film zeigt eine Welt kurz vor dem großen Wandel. Auf vielen Höfen wird der Hopfen noch von Hand geerntet, "gebrockt" wie die Bauern sagen. Heerscharen von "Hopfazupfa", Erntehelferinnen und -helfer kommen im Spätsommer in die Holledau. Wenn ein Hof abgeerntet ist, gibt es ein gemeinsames "Hopfenmahl" - mal schlicht, mal üppig, je nach Hofgröße und Großzügigkeit des Bauern. Die Bilder erzählen vom Rhythmus eines Hopfenjahres, von den grünen Hopfenfeldern bis zu leeren Gerüsten nach der Ernte, von den ersten Maschinen, die die Handarbeit ablösen, über das Trocknen, Schwefeln und Pressen des Hopfens bis zur Sortierung nach Güteklassen und dem begehrten Hopfensiegel. Dazu kommen Szenen aus dem Frühjahr: Umpflügen, Düngen, Spritzen gegen Ungeziefer und, sogar Nistkästen für Stare an den Hopfenstangen. So entsteht das Porträt einer Landschaft, die vom Hopfen lebt - und sich unter dem Druck der Maschinisierung verändert. Ein weiterer Rückblick führt in das Jahr 1975 zur Bier-Qualitätsprüfung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) in Frankfurt. 238 Brauereien aus der Bundesrepublik und Westberlin stellen sich freiwillig dem Urteil der Prüfer, 470 Flaschen- und Dosenbiere werden getestet. Im Fokus stehen die Eigenschaften, die den Biergenuss ausmachen: Geschmack, Schaum und Klarheit. Und die Frage, wie lange diese Eigenschaften stabil bleiben. Schließlich geht es in die Biergärten Münchens Anfang der 70er-Jahre. 1973 sorgt eine Neuerung für hitzige Debatten: Plastikmaßkrüge. Läutet der Plastikkrug eine neue Generation des Biertrinkens ein oder ist er ein Affront gegen die Tradition. Gäste, Wirte und Tester nehmen die neuen Krüge kritisch unter die Lupe und vergleichen: Wie steht es um Haptik, Temperatur, Schaum und Geschmack und vor allem um das Gefühl, eine echte Maß in der Hand zu halten?