22:00
Michael Stenger wächst im bayerischen Spessart auf. Zuerst noch schüchtern, entdeckt er als Teenager sein Redetalent. Als Student reist er nach Griechenland und wird politisch aktiv. Zurück in Deutschland gibt er Sprachkurse, demonstriert gegen Rassismus, engagiert sich für Geflüchtete und nimmt dabei auch Morddrohungen in Kauf. Im Jahr 2000 gründen er und seine Mitstreiter eine Schule für unbegleitete minderjährige Geflüchtete, eine Gruppe, der in dieser Zeit der Schulzugang eigentlich verwehrt ist. Michael wird Schulleiter und Geschäftsführer und kümmert sich Jahrzehnte lang darum, die finanziellen Mittel der Schule zu sichern. Für seine Arbeit erhält Michael bedeutende Auszeichnungen: 2014 bekommt er den Bambi für Integration, 2016 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Seine Schülerinnen und Schüler sollen wissen, dass sie sich auf ihn verlassen können. Für viele von ihnen wird die Schule zu einer Ersatzfamilie, Michael zum "Papa". Gleichzeitig bleibt ihm aufgrund seines gesellschaftlichen Engagements wenig Zeit für seinen eigenen Sohn. Schließlich fordert ihn sein unermüdlicher Einsatz körperlich und er erleidet einen Herzinfarkt. Nach einem weiteren Krankenhausaufenthalt steht Michael wieder vor der Frage, wie weit er für sein Lebenswerk gehen will.
22:45
Von herausragender Bedeutung für die Geschichte der Steiermark ist Stift Rein. Die verborgen im Norden von Graz gelegene Klosteranlage beherbergt die Grablege des ersten Landeshauptmannes der Steiermark, Markgraf Leopold dem Starken. Auch die erste steirische Landtagssitzung fand hier im ältesten, noch bestehenden Zisterzienserkloster der Welt statt. Der barocke Prunk, der seit der Mitte des 18. Jahrhunderts nicht nur in der Stiftskirche regiert, steht im Widerspruch zur Intention der Klostergründer aus dem Orden der Zisterzienser. Der heutige Abt Philipp Helm verdeutlicht die Bescheidenheit der Mönche in ihren einstmaligen Bautätigkeiten. Ein wahres Baujuwel im äußersten Südosten des Landes ist Schloss Halbenrain, das heute eine Fachschule für Land- und Ernährungswirtschaft beheimatet. Zwischen 1724 und 1980 war das Schloss im Besitz der bedeutenden steirischen Grafen Stürgkh. Die 96-jährige Ladislaya Seyffertitz, Nachfahrin der Stürgkh, hat hier ihre Kindheit verbracht - "in vollkommener Freiheit", wie sie sagt. Ein "Schloss für alle Fälle" ist das im 15. Jahrhundert erstmals erwähnte Schloss Rakican zwanzig Kilometer südöstlich in der slowenischen Region Pomurje. Ob stimmige Kulisse für intime Hochzeitsfeiern oder herbstlich frischer Schauplatz eines Festival-Reigens zwischen Mittelalterfest und Halloween-Party, auf Schloss Rakican betont man die Buntheit und Vielfalt im Angebot. Robert Celec, der die Geschicke des Hauses lenkt, ist stets bemüht, Tradition und Moderne in Einklang zu bringen. Während man auf Schloss Rakican das Bauwerk in den vergangenen Jahren als Event-Location etablieren konnte, blickt das Regionalmuseum im Stadtschloss von Maribor auf eine jahrzehntelange Geschichte zurück. Seit 1938 gewährt das Museum Einblicke in die Geschichte des nördlichen Slowenien. Die Kunsthistorikerin Valentina Bevc Varl betont bei ihren Führungen durch das Haus und seine kunstgeschichtlichen Sammlungen die gemeinsame Vergangenheit Sloweniens mit der Steiermark bis ins Jahr 1918, als das Ende der Habsburger-Monarchie besiegelt wurde. Das Umland von Maribor, ja die gesamte ehemalige Untersteiermark, ist ein Geheimtipp unter den Weinanbaugebieten Europas. Wenn zu Winterbeginn die Arbeit der Winzer in den Weinhängen ruht, ist es im Schlösschen Jarenina - einst Jaringhof genannt - an der Zeit, die edlen Tropfen zu verkosten. Danilo Flakus vom hier ansässigen Weingut Dveri Pax lässt es sich nicht nehmen, höchstpersönlich den Aperitif aus den Lagen nordöstlich von Maribor zu servieren. Der Kellermeister hat sich hier einer jahrhundertelangen Tradition des Weinbaues verschrieben: Seit mehr als 800 Jahren ist das Gut im Besitz des obersteirischen Stiftes Admont. Es trägt wesentlich zum wirtschaftlichen Fortbestand der Klosteranlage im steirischen Bergland bei, die für ihre prachtvolle Bibliothek - es ist die größte Klosterbibliothek der Welt - längst internationale Bekanntheit erlangt hat.
23:30
Den Anfang macht ein filmischer Rückblick von Schriftsteller und BR-Autor Fritz Meingast von 1964 aus der Hallertau- oder wie die Einheimischen sagen "Holledau". Sein schwarzweißer Film zeigt eine Welt kurz vor dem großen Wandel. Auf vielen Höfen wird der Hopfen noch von Hand geerntet, "gebrockt" wie die Bauern sagen. Heerscharen von "Hopfazupfa", Erntehelferinnen und -helfer kommen im Spätsommer in die Holledau. Wenn ein Hof abgeerntet ist, gibt es ein gemeinsames "Hopfenmahl" - mal schlicht, mal üppig, je nach Hofgröße und Großzügigkeit des Bauern. Die Bilder erzählen vom Rhythmus eines Hopfenjahres, von den grünen Hopfenfeldern bis zu leeren Gerüsten nach der Ernte, von den ersten Maschinen, die die Handarbeit ablösen, über das Trocknen, Schwefeln und Pressen des Hopfens bis zur Sortierung nach Güteklassen und dem begehrten Hopfensiegel. Dazu kommen Szenen aus dem Frühjahr: Umpflügen, Düngen, Spritzen gegen Ungeziefer und, sogar Nistkästen für Stare an den Hopfenstangen. So entsteht das Porträt einer Landschaft, die vom Hopfen lebt - und sich unter dem Druck der Maschinisierung verändert. Ein weiterer Rückblick führt in das Jahr 1975 zur Bier-Qualitätsprüfung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) in Frankfurt. 238 Brauereien aus der Bundesrepublik und Westberlin stellen sich freiwillig dem Urteil der Prüfer, 470 Flaschen- und Dosenbiere werden getestet. Im Fokus stehen die Eigenschaften, die den Biergenuss ausmachen: Geschmack, Schaum und Klarheit. Und die Frage, wie lange diese Eigenschaften stabil bleiben. Schließlich geht es in die Biergärten Münchens Anfang der 70er-Jahre. 1973 sorgt eine Neuerung für hitzige Debatten: Plastikmaßkrüge. Läutet der Plastikkrug eine neue Generation des Biertrinkens ein oder ist er ein Affront gegen die Tradition. Gäste, Wirte und Tester nehmen die neuen Krüge kritisch unter die Lupe und vergleichen: Wie steht es um Haptik, Temperatur, Schaum und Geschmack und vor allem um das Gefühl, eine echte Maß in der Hand zu halten?