22:00
Wer gerne Räucherlachs isst, steht vor einem Dilemma. Die Herkunft aus norwegischen Aquakulturen gerät immer wieder in die Schlagzeilen, der Wildlachs hingegen ist für viele fast nicht mehr bezahlbar. Eine Alternative zum Lachs könnte ein heimischer Süßwasserfisch sein: die Forelle. Forellenfilets gibt es wesentlich günstiger als Lachs in den Tiefkühltruhen und Kühlregalen der Supermärkte und Discounter. Und wie viel Omega-3-Fettsäuren enthalten sie? Frutti di Mare ist als Belag auf Pizza und zur Pasta sehr beliebt. Für frische Meeresfrüchte von hoher Qualität müssen Gourmets schon mal tiefer in die Tasche greifen. In der Gastronomie wird daher gerne mal mit Garnelen und Tintenfisch getrickst. Bei einem kulinarischen Streifzug durch Restaurants begibt sich das Filmteam auf die Suche nach den echten Meerestieren und wird enttäuscht. Jo Hiller und sein Team treffen Fischzüchter, Räuchermeister, Ernährungsexperten und Wissenschaftler, um die Tricks mit Fisch und Meeresfrüchten aufzudecken. Eine umfassende Recherche mit erstaunlichen Ergebnissen.
22:45
Gekommen als Befreier von den Nazis und als Bollwerk gegen die Sowjetunion sind die US-Truppen über die Jahrzehnte stetig reduziert worden. Derzeit sind rund 36.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert - immerhin der zweitgrößte Militärstandort nach Japan außerhalb der USA. Doch nun will der US-Präsident mindestens 5.000 Soldaten abziehen, unter anderem die berühmte Stryker-Unit. Im oberpfälzischen Grafenwöhr betreibt die Army den größten Truppenübungsplatz. Captain Andrew Lee ist hier Controller. Der US-Amerikaner ist in Wiesbaden geboren, seine Eltern sind bereits mit den Truppen nach Deutschland gekommen. Der 32-Jährige spricht akzentfrei Deutsch und hat im April mit einer deutschen Gewichtsheber-Mannschaft aus Neumarkt regionales Gold gewonnen, als einziger Amerikaner im Team. Lee ist nur ein Beispiel dafür, wie sehr die US-Soldaten und ihre Familien mit der Region mittlerweile verflochten sind. Hier leben ihre Familien, hier mieten sie Wohnungen, besuchen Restaurants, kaufen ein. Keiner will weg. Auch Thorsten Grädler ist entsetzt. Er ist Bürgermeister von Vilseck, am südlichen Rande des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr. Von dort soll das 2. Kavallerieregiment dauerhaft abrücken, eine komplette Brigade. Als Grädler im Mai mit der für ihn überraschenden Nachricht vom potenziellen Abzug konfrontiert wird, zeigt er sich vor laufender Kamera bestürzt. Seither hoffen Grädler und alle in der Region um Grafenwöhr, dass es vielleicht doch nicht dazu kommt. Mit Investitionsmaßnahmen versucht der Bürgermeister dem Absturz seiner Stadt entgegenwirken. Doch mittlerweile hat er erfahren, dass wohl noch sehr viel mehr Truppen betroffen sein werden. Der Film taucht ein in die Stimmungslage vor Ort und gibt einen Einblick hinter die Kulissen. Ausgewiesene USA-Experten wie Sigmar Gabriel, der frühere SPD-Vorsitzende und Ex-Außenminister und heutige Vorsitzende des Vereins "Atlantik-Brücke" und Prof. Tobias Bunde von der Munich Security Conference ordnen ein und kommentieren - immer mit Blick auf die Zwischenwahlen in den USA, die in Kürze stattfinden werden.
23:30
"Israel - Welches Land wollen wir?" dokumentiert über mehr als drei Jahre die Geschichte der Protestbewegung in Israel gegen die Regierung von Benjamin Netanjahu. Die Protestierenden wenden sich vor allem gegen die umstrittene Justizreform der Regierung, die zum Brennglas für eine größere Kontroverse über die Zukunft des Landes wird. Die Justizreform löste die größte und längste Welle pro-demokratischer Proteste in der Geschichte Israels aus, die jedoch durch den Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 abrupt beendet wurden. Was folgt, ist ein Krieg von beispielloser Dauer und gesellschaftlicher Tragweite, in dem die Demonstranten hin- und hergerissen sind zwischen der Notwendigkeit, Israel vor äußeren Feinden zu verteidigen, und dem Protest gegen die eigene Regierung. Sie werfen der Regierung vor, den Krieg als Vorwand zu nutzen, um demokratische Institutionen zu schwächen. Der Film begleitet ein Dutzend prominente Persönlichkeiten der israelischen Protestbewegung: einzelne Demonstranten genau wie die Organisatoren des Protestes. Gezeigt werden ihre Hoffnungen, ihr Schmerz, ihre Dilemmata und der persönliche Preis, den sie zahlen, um die Zukunft ihres Landes mitbestimmen zu können. Der Film zeigt die Mechanismen auf, die rechtspopulistische Regierungen anwenden, und ist zugleich eine Warnung: Dass jede Demokratie fragil ist und niemals als selbstverständlich angesehen werden darf. Der Dokumentarfilm zeigt, dass Israel eine starke Zivilgesellschaft hat, und erzählt von der Macht, die Bürger haben, wenn sie ihre Stimme erheben.