22:15
Bis in die 1960er-Jahre hinein bleibt das Thema Verhütung in der westlichen Welt ein Tabu. Die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) erinnert sich an eine Zeit, in der Aufklärung in der Schule kaum stattfindet und die Pille zunächst nur verheirateten Frauen vorbehalten ist. Dass die Einführung der Pille damals zwar Selbstbestimmung bringt, aber auch gesundheitliche Risiken birgt, erklärt Gynäkologin Prof. Dr. Mandy Mangler. Sie thematisiert, dass Frauen jahrzehntelang heftige Nebenwirkungen in Kauf nehmen - von Depressionen, Stimmungsschwankungen bis hin zu Thrombosen - die heute kritischer betrachtet werden. Auch junge Frauen hinterfragen heute zunehmend die hormonelle Verhütung. Die Protagonistin Sandra entschied sich für einen radikalen Weg: die Sterilisation. Y-History Spezial "Verhütung? Frauensache!" begleitet sie bei diesem Schritt hautnah - bis auf den OP-Tisch. Dabei wird deutlich, welche Hürden Sandra im Vorfeld überwinden muss: Sie berichtet vom Paternalismus vieler Ärzte, die ihr die Mündigkeit über den eigenen Körper aufgrund ihres Alters absprechen. Den Reality-Check macht Melina im Klassenzimmer: Dort erzählen Schülerinnen offen, wie es um die heutige Sexualbildung steht, und was sich dringend ändern muss. In einem Workshop trifft Melina auf Männer, die die Verantwortung nicht mehr abgeben wollen und mit thermischer Verhütung experimentieren - etwa mit Hodenringen, die die Spermienproduktion durch Wärme stoppen sollen. Während die Wissenschaft längst Lösungen wie Gels oder die Pille für den Mann erforscht, scheitert die Markteinführung oft an fehlenden Geldern, mangelndem Interesse und nicht zuletzt großen Hürden der Pharmaindustrie. Der Film blickt dafür exklusiv ins EU-Parlament nach Brüssel, wo Vertreter:innen aus Wissenschaft und Politik erstmals an einem Tisch sitzen, um Lösungen zu finden. Dabei nutzt der Film einzigartiges Archivmaterial, um die Geschichte der Verhütung aus zeitgenössischem Blickwinkel und mit Humor zu erzählen. Historische Quellen werden durch KI-animierte Frauenfiguren lebendig gemacht, die ihre Geschichte selbst berichten - bis hin zu den wenig bekannten Kapiteln der Pharmaindustrie: den Tests der ersten Anti-Baby-Pille an Frauen in Puerto Rico und Haiti. Kulturwissenschaftlerin Louisa Lorenz und Prof. Dr. Mandy Mangler ordnen ein, welche Rolle koloniale Strukturen für die westliche sexuelle Revolution spielten.
23:00
Der Film zeigt die verschiedenen Facetten der klassischen Tanzausbildung - von den ersten Schritten der 10-jährigen Églantine Chappaz an der Pariser Opéra bis hin zu den professionellen Tänzern des Bayerischen Junior Balletts. Dabei werden sowohl die Hingabe und Leidenschaft für den Tanz als auch die enormen körperlichen und mentalen Herausforderungen des Berufs thematisiert. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Wandel in der Ballettausbildung: Während früher oft autoritäre Lehrmethoden vorherrschten, setzen moderne Tanzpädagogen wie Pascal Molat in San Francisco auf einen ganzheitlicheren Ansatz. Die Dokumentation spricht dabei auch offen über die Schattenseiten des Balletts - von Verletzungen über Essstörungen bis hin zu missbräuchlichen Strukturen. Gleichzeitig zeigt der Film die kulturelle Vielfalt der heutigen Ballettwelt. So berichtet die Tänzerin Adji Cissoko vom Alonzo King Lines Ballet über ihre Erfahrungen als schwarze Ballerina und die Notwendigkeit, neue Geschichten im klassischen Tanz zu erzählen. Die internationalen Perspektiven der jungen Tänzer - von Neuseeland über Japan bis Europa - verdeutlichen dabei die globale Dimension des Balletts. Der Film gibt jungen Tänzer:innen eine Stimme, lässt ihre Träume und Hoffnungen spüren und zeigt ihre unermüdliche Hingabe an die Kunst. Dabei schreckt "Becoming a Swan" nicht davor zurück, auch die dunkleren Aspekte dieser Welt zu beleuchten - den enormen Druck, den Wettbewerb und die Opfer, die die Tanzkarriere oft mit sich bringt. Mit emotionalen Interviews, packenden Proben und atemberaubenden Bühnenmomenten ist die Dokumentation eine tiefgehende Hommage an die Schönheit und die Herausforderungen des Balletts - und an die Menschen, die ihr Leben diesem Traum widmen. Die Dokumentation entstand unter der Mitwirkung renommierter Persönlichkeiten der internationalen Ballettszene, darunter Élisabeth Platel (Direktorin der École de danse de l'Opéra de Paris), Grace Holmes (Direktorin der San Francisco Ballet School) und Ivan Liška (Künstlerischer Direktor des Bayerischen Junior Balletts München).
23:50
Wow-Architektur, Signature Buildings, Statement-Bauten - kaum eine Stadt, die etwas auf sich hält, verzichtet darauf, sich mit spektakulären Gebäuden zu schmücken. Ikonische Konzerthallen, Museen, Opernhäuser werden weltweit von einer Handvoll Stararchitekten entworfen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Und angeblich können sie noch viel mehr: Touristen anziehen, Arbeitsplätze schaffen, urbane Revitalisierungsprozesse vorantreiben. All das wird gerne als "Bilbao-Effekt" umschrieben. Ein Filmteam besucht für diese zweiteilige Dokuemntation unter anderm das Guggenheim Museum in Bilbao, um zu prüfen, ob der berühmte Effekt noch anhält. Kann das inzwischen legendäre Haus auch fast 30 Jahre nach seiner Eröffnung das Versprechen des "Bilbao-Effekts" noch aufrechterhalten? Neben Museen sind auch Konzerthallen und Opernhäuser Kraftquellen, die Städte bereichern können. Selbst eine kulturell scheinbar saturierte Weltstadt wie Paris braucht weitere urbane Impulsgeber - vor allem an der Peripherie. Ist es der Philharmonie de Paris gelungen, die Kulturwüste am nordwestlichen Stadtrand zu beleben? Welche Wirkung hat die "Fondation Louis Vuitton" mitten im Bois de Boulogne entfaltet? Und welche Rolle spielt dabei die Eye-Catcher-Architektur der beiden Superstars Jean Nouvel und Frank Gehry? Klar ist, dass auch attraktive Metropolen neue, hochwertige Kulturbauten brauchen, um im globalen Wettbewerb der Standorte und Destinationen mithalten zu können. Die Faszination innovativer ausdrucksstarker Architektur ist selbst für Weltstädte von Rang unverzichtbar. Wie das auch für kleinere Städte funktioniert, zeigen unter anderem die Beispiele der Philharmonie Stettin und des Konzerthauses in Blaibach im Bayerischen Wald.