20:15
Wie die Familie von Christian Mießlinger zu ihrem Einödhof Osterwind in der Nähe von Landshut gekommen ist, ist eine wahrlich ungewöhnliche Geschichte: Christians Großeltern haben einst als Knecht und Magd auf dem jahrhundertealten Hof gearbeitet. Ihr Sohn Jakob, Christians Vater, wurde später vom kinderlosen Besitzerpaar adoptiert. So hat er den Osterwind-Hof geerbt und ihn als Öko-Pionier in der Region zum Biobetrieb umgebaut. Heute sind Jakobs Sohn Christian und seine Frau Stefanie die Chefs des Milchvieh- und Schweinezuchtbetriebs. Am Hof lebt auch Christians Bruder Michael. Als älterer der beiden Söhne wäre er eigentlich der nächste Bauer von Osterwind geworden, doch Michael wollte lieber malen statt melken. Heute verschönert er die Fassaden der Gebäude und kümmert sich um das Bauernhofmuseum am Dachboden. Der Osterwindhof - tatsächlich alles, außer gewöhnlich. Das würden die Nachbarn bestimmt auch von Martin Straub und seinem Hänghof im Bayerischen Wald bei Frauenau behaupten. Gemeinsam mit Ehefrau Birte baut er auf nur einem Hektar Land mehr als 50 Gemüsesorten an. Was das junge Paar erntet, geht über eine Abo-Kiste wöchentlich an 35 feste Kunden. Martins große Leidenschaft aber gehört dem Obstbau. Er experimentiert gerne mit Obstsorten, die im Bayerischen Wald auf 700 Meter Höhe außer ihm wohl noch keiner angepflanzt hat: Feigen oder Mandeln, Stechäpfel, Tellerpfirsiche oder essbare Vogelbeeren. Alles Exoten, auf die sie am Hänghof stolz sind, auch wenn sie noch nicht wirklich zur Finanzierung des Betriebs beitragen. Kein Wunder - sind doch Martin und Birte auch ein bisschen exotisch mit ihrem Verständnis von Landwirtschaft im Bayerischen Wald.
21:00
In Trins, einem idyllischen Bauerndorf, legt die Familie Maier mit 500 Blaufichten den Grundstein für eine eigene Christbaumzucht - ein Familienbetrieb, dem die Ursprünglichkeit Tirols innewohnt. Nur zehn Kilometer südlich von Trins beginnt das Valsertal, wo Helga, eine der wenigen Sennerinnen in Tirol, die Nockerlalm von ihrem Großvater übernommen hat. Seit einigen Jahren bewirtschaftet sie diese mit ihren Ziegen. Helga hat eine Mission: So vielen Menschen wie möglich die Zusammenhänge zwischen Almwirtschaft, kulturellem Erbe und der Sicherung des Lebensraumes sowie einer funktionierenden Berglandschaft zu erklären.
21:45
Nachrichten - Berichte - Wettervorhersage
22:00
Carola Niemann, Ex-Modechefin beim Playboy, Stylistin und Verlegerin eines Lifestyle Magazins für kurvige Frauen hat einen weiten Weg bis zu ihrem Erfolg hinter sich. Denn sie wächst als einziges schwarzes Kind in einem Kinderheim im Allgäu auf. Dort bemerkt sie das erste Mal, dass sie anders ist. Als sie wegen Legasthenie in der Schule versagt und wegen ihrer Pummeligkeit nicht auf das Cover der TV-Serie "Sindbad" darf, obwohl sie die Titelmelodie eingesungen hat, ist ihr endgültig klar, dass sie nicht der Norm entspricht. Doch sie passt sich an, wo sie kann, entwickelt eigene Strategien und macht schließlich Karriere. Erst als ihre Tochter unter ihrem Gewicht und den Reaktionen der Außenwelt darauf leidet, wird sich Carola ihrer eigenen Verletzungen bewusst. Sie stellt fest, wie wenig Vorbilder es in den Medien für Menschen jenseits des "Idealbildes" gibt und gründet schließlich ein Magazin für Menschen außerhalb der Norm-Maße.
22:45
Während Städte wie Würzburg oder Regensburg hohes Ansehen genießen, gibt es in Nürnberg bislang wenig, worauf man stolz sein könnte. Das ändert sich schlagartig ab 1423, als Kaiser Sigismund die Reichskleinodien, den Kronschatz des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, wegen der Hussitenkriege in seiner Heimatstadt aufbewahren lässt. Nürnberg wird des "Reiches Schatzkästlein". Einmal im Jahr werden nun in "Heiltumsweisungen", einem der größten Ereignisse im Mittelalter, die Reliquien öffentlich gezeigt. Auf Anordnung des Rates wird daraus ein im ganzen Reich bekanntes Fest, verbunden mit einem 14-tägigen Markt, dessen Einnahmen in die Stadtkasse fließen. "Nürnberger Hand geht durch alle Land", heißt es. Durch die günstige Lage im Herzen Europas wird die Stadt zu einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt. Zwölf europäische Fernstraßen treffen hier zusammen. Die ersten Straßenkarten Europas entstehen in Nürnberg. Die Nürnberger organisieren in dieser Zeit ihr ganzes Gemeinwesen neu. Die Ratsherren haben das alleinige Sagen in der Stadt und handeln gemäß ihrem Motto: "So viel Freiheit wie möglich, so wenig Beschränkung wie möglich." Die Jahre zwischen 1470 und 1530 gelten als Nürnbergs Blütezeit. Die Stadt ist eines der bedeutendsten kulturellen Zentren der Renaissance nördlich der Alpen sowie des Humanismus. Dessen neues Menschenbild prägt auch die städtische Politik und das Stadtrecht. Das Nürnberger Stadtrecht wird im ganzen Reich als Vorbild verbreitet. Die vielen Erlasse dienen vor allem einem Zweck: Bedingungen zu schaffen, die die rasante Entwicklung von Handel und Gewerbe, Wissenschaft und Kunst fördern.
23:30
Das Team von "puzzle" trifft Menschen, denen das Tanzen die Welt bedeutet, und besucht einen Park, wo Menschen alleine hinkommen, um gemeinsam zu tanzen. Beim Bayerischen Staatsballett in München haben sich zwei professionelle, internationale Balletttänzerinnen aus entgegengesetzten Ecken der Welt kennengelernt. Für Rhiannon Fairless aus Neuseeland und Zhanna Gubanova aus der Ukraine sind ihre Körper und das Tanzen ihre Instrumente und ihre Sprache. Mit dem Tanz drücken sie das aus, was nicht in Worte passt. Serhat Perhat ist professioneller Breakdancer. Er schaffte es ins erste deutsche Olympia Breaking Kader. Zusammen mit Rahät Wumaier erzählt er breakdancend in einem autobiografischen und dokumentarischen Stück der Münchner Kammerspiele von seinen uigurischen Wurzeln. So schaffen beide Tänzer Aufmerksamkeit für die Uiguren, die keinen eigenen Staat haben und in China zu einer unterdrückten Minderheit gehören. Sie erzählen von der Kraft des Breakdance, und warum Breakdance besonders geeignet ist, seinen Charakter zu finden und zu formen. Im Münchner Stadtteil Neuperlach trainiert Aylin Elif Özcan Mädchen und junge Frauen, die fern jeglicher Privilegien aufwachsen. Sie schöpfen aus dem wöchentlichen Training Kraft, werden durch das Tanzen empowert und schaffen es mit jedem Mal mehr, aus sich herauszugehen. Im Münchner Westpark ist das Filmteam bei "Tanzen im Westpark" des Münchner Kulturreferats dabei. Hier kommen u. a. Menschen zusammen, die oftmals in ihrem Alltag alleine sind, und die an diesem öffentlichen Platz tanzend ihre Einsamkeit überwinden.