21:45
Die rund 1.700 Kilometer lange Reise im "Zug der Einheit" führt von Hanoi bis Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon. Nach dem Ende des Vietnamkrieges wurde die stark zerstörte Strecke schnell repariert, auch um die Aussöhnung der Menschen der beiden verfeindeten Landesteile Nord- und Südvietnams zu unterstützen. Die 32-stündige Reise durch das südostasiatische Land liefert Eindrücke der einzigartigen Kultur und der atemberaubenden Landschaften. Erste Station ist das Naturschutzgebiet Trang An, wo die sehr seltenen Delacour-Languren, eine vom Aussterbenden bedrohte Primatenart, leben. Die Reise führt weiter Richtung Süden. Der Zug überfährt am 17. Breitengrad den Ben-Hai-Fluss. Lange verlief hier die Grenze zwischen Nord- und Südvietnam. Während des Vietnamkriegs tobten hier die blutigsten Kämpfe. Bis Hue, das zur Kaiserzeit Hauptstadt von Vietnam war, ist es nicht mehr weit. Hier wird eine Aufführung des Königlichen Balletts besucht. Nun nähert sich der Zug dem landschaftlichen Höhepunkt der Reise: der Fahrt entlang des Südchinesischen Meeres unterhalb des Wolkenpasses, einer Klimagrenze zwischen Nord- und Südvietnam. In Da Lat wird bei einer Motorradtour ein kurzer Abstecher in die Berge gemacht, bevor die Reise am nächsten Morgen in Ho-Chi-Minh-Stadt endet. Der "Zug der Einheit" - ein Symbol der Aussöhnung von Nord- und Südvietnamesen.
22:30
Ein Polizist, der einen Schläger festgenommen hat; ein Ladenbesitzer, der ausgeraubt wurde; der Nachtwächter eines Werksgeländes, das in Flammen stand; die Verkäuferin, in deren Laden ein Dieb gefasst wurde... All das geschieht in einer Nacht. Olrik Breckoff hat 1966 diesen Film über den Polizeialltag im Ruhrpott gedreht. Nachts, beim Lohntütenball. Denn am Freitag oder, noch früher, am Samstag gab es den Wochenlohn und dieser befand sich in der Lohntüte. Mit dieser Lohntüte in der Tasche ging es für viele zuerst einmal in die Kneipe. So mancher hat dort seinen gesamten Wochenlohn versoffen. Diese Nacht, wenn die Gäste mit vollen Lohntüten kamen, nannte man Lohntütenball. Olrik Breckoff bekam 1966 für diese Reportage die "Goldene Kamera" verliehen. Sein Film zählt heute zu den großen Fernsehschätzen in Deutschland, den in ihm wird das damalige Leben im Ruhrgebiet direkt und ohne Schminke gezeigt.
23:10
Im Oktober 1973 stoppten Proteste führender Kommunalpolitiker des Ruhrgebiets eine Anzeigenkampagne der Bayerischen Motoren-Werke, mit der die Firma im Revier Facharbeiter für in neues Autowerk in Bayern anwerben wollte. Die Bayern warben mit einer heilen Umwelt. Es meldeten sich viele Facharbeiter, etwa 30 wurden angestellt. Werner Filmer und Dieter Storp fuhren damals wiederholt nach Dingolfing, um sich mit einigen der "Jupps" über deren Ansichten und Erfahrungen zu unterhalten. Diese sind der rote Faden durch den Film, der zeigen sollte, was dem Revier damals fehlte - allerdings auch was es hatte: zum Beispiel eine bessere Infrastruktur. "Kommunalpolitiker werden aus den Antworten der aus dem Ruhrgebiet abgewanderten Facharbeiter - meistens Werkzeugschlosser und Elektriker - hören können, was sie häufig genug nicht hören wollen", meinten die Autoren der Dokumentation.
23:55
Dieser Dokumentarbericht aus dem Jahr 1956 zeigt die Stadt Duisburg gut zwei Jahrzehnte vor dem Auftauchen von Horst Schimanski wohl auf dem Zenit seiner Bedeutung: bereits damals größter Binnenhafen der Welt und die Kohle- und Stahlindustrie noch voll im Konjunkturhoch. Ein junger Kollege von ausländischen Azubis in einem Stahl verarbeitenden Betrieb - man sieht die Lehrlinge, wie sie damals noch geheißen haben, beim mühseligen Arbeiten mit der Feile - zeigt diesen nach der Arbeit den Hafen, die Hütten und die Schächte. Sie sehen, wie Kohle vom Waggon ins Schiff verladen wird, wie Öl, das vom Schiff gebracht wurde, in Tanks gefüllt wird, wie glühendes Eisen aus dem Hochofen fließt, sie lernen, wie eine Walzstraße funktioniert usw. Es wird für diesen Film sogar ein kleines Flugzeug gechartert, um die weitläufige Hafenanlage einigermaßen komplett ins Bild zu bringen, um damit ihre enorme Ausdehnung wenigstens ein bisschen anschaulich zu machen.