21:00
Der Film beginnt mit schönen Aufnahmen aus dem Jahr 1957 vom Kreisligaspiel Tschirn gegen Hirschfeld im Fränkischen - mit flotter Musik und durchhängenden Torlatten! Aber das ist nur der Beginn, Richard Dill beobachtete eine ganze Woche lang diesen Verein bzw. dessen Mitglieder und aktive Spieler. Sie feiern, sie trinken, sie spielen Karten und sie trainieren. Der Schuster nagelt noch per Hand die Stollen in die Kickstiefel und die gegnerischen Spieler aus dem Nachbardorf werden zum Derby am Sonntag mit dem Traktor angekarrt: auf dem Anhänger sitzend und bereits siegesgewiss singend. Das ist alles herrlich zeittypisch auf Film gebannt und wäre ganz normal. Aber es gibt in diesem Film noch etwas, das ihn weit über einen normalen Dokumentarfilm zum Thema "Fußball auf dem Dorf" hinaushebt. Ein Teil der Spieler arbeitet nämlich in einem Schieferbruch hinter dem nächstgelegenen Hügel. An sich nichts Ungewöhnliches in dieser Gegend Deutschlands läge dieser Schieferbruch nicht in Lehesten im Thüringer Wald und damit in der DDR. Die DDR hatte damals einen Facharbeitermangel und importierte daher Fachkräfte für die Arbeit im Schieferbruch aus der BRD und bezahlte sie auch in Westmark. Die Kamera durfte den Spielern im Bus nur bis zur Grenze folgen, dann mussten die Filmleute aussteigen und konnten den Bus nur mehr per Teleobjektiv einfangen. Dieses Phänomen war einmalig und dauerte bis zum Bau der Mauer im Jahr 1961. Einige der Westarbeiter wurden damals sogar für "vorbildliche Produktionsleistungen" als "Aktivisten des Fünfjahrplans" ausgezeichnet!
21:40
Berlin-Kreuzberg 1975: Kreuzberg hat 150000 Einwohner und es gibt acht Fußballvereine mit 118 Fußballmannschaften. Einer dieser Vereine ist der BBC Südost aus Kreuzberg. Der "Stadionsprecher" bei diesem Verein ist ein Mann, der aus dem Fenster des zweiten Stocks eines Hauses neben dem Platz die Ansagen und Mannschaftsaufstellungen per Megaphon verbreitet. Der Fußballplatz liegt nämlich nicht irgendwo im Grünen, sondern befindet sich mitten im so genannten Wrangelkiez, einer sehr, sehr dicht besiedelten Gegend in Berlin. Diesen Verein und diesen Fußballplatz gibt es heute nicht mehr, d. h. dieser Film dokumentiert auch ein längst untergegangenes Geschehen an der Wrangelstraße. Interessant aus heutiger Zeit ist vor allem auch: Gab es damals wirklich noch keine türkischen Mitbürger in Kreuzberg, spielte keiner von denen Fußball? In diesem Film kommen sie jedenfalls noch nicht vor. Allerdings ging es auch schon damals, also Mitte der Siebzigerjahre ums Geld: Vorgestellt wird z.B. ein Spieler, der vom Spielbetrieb ausgeschlossen wurde, weil er, wie er sagt, "lediglich so viel wie die anderen" kassieren wollte. Ansonsten zeigt dieser Dokumentation eine reine Männerwelt. Sie ist laut und machistisch. Der Begleittext damals zu diesem Film lautete: "Der Film beschreibt das Vereinsleben eines kleinen Berliner Fußballvereins, des BBC Südost aus Kreuzberg. Er schildert das Milieu, die Stammkneipe, die Familien und Fans der Fußballspieler und die Schwierigkeiten, die sich für den Verein und seinen Vorstand aus Zuschauerschwund und finanziellen Forderungen einiger Spieler ergeben." Konkret geht es in der Hauptsache um Kutte Butry, den Mittelstürmer, den Goalgetter - und um seine Abwanderungsgelüste. Und daneben werden noch jede Menge Männer-Fußballlieder aus alten Zeiten gesungen: nicht aus Zeiten, in denen das Wünschen noch geholfen hat, aber immerhin aus Zeiten, in denen zumindest die Männer meinten, ihr - vermeintlich - männliches Verhalten würde den Frauen imponieren. Insgesamt daher ein hoch aussagekräftiges Zeitdokument.
22:25
Oskar Klose blickte 1968 zurück auf fünf Jahre Fußballbundesliga und deren Entwicklung. In diesen fünf Jahren waren die bayerischen Vereine extrem erfolgreich gewesen. Der TSV 1860 München, der 1. FC Nürnberg und der FC Bayern sind in diesen fünf Jahren Deutscher Meister, Vizemeister, Pokalsieger und Europapokalsieger geworden. Es gibt u.a. ein Interview mit Wilhelm Neudecker, dem damaligen Präsidenten des FC Bayern, der darüber klagt, dass die Erfolge des FC Bayern den Verein sehr viel Geld an Prämien für die Spieler gekostet hätten - fast schon zu viel. Für die anderen Vereine ist der FC Bayern "eine Bereicherung" in der Bundesliga. Wer an modischen Accessoires interessiert ist, achte z. B. auf die Brille von Willi O. Hoffmann, dem damaligen Schatzmeister des FC Bayern (später genannt "Champagner-Willi"), der ebenfalls interviewt wird.
22:40
Der Jugendfußball im Ruhrpott zu Beginn der Sechzigerjahre. Von Bundesliga und Fußballmillionären ist noch längst keine Rede, dennoch ist das Fußballspielen unter den männlichen Jugendlichen auch dort die Sportart Nummer eins. Aber wie und wo wird da gespielt? Meist auf Trümmergrundstücken. Aber auch im Verein. Der Film zeigt die Möglichkeiten auf, die das Trainieren und Spielen im Verein für Jugendliche bietet. Aber auch die Schwierigkeiten und Probleme, die es dabei gibt, werden erwähnt.
23:10
Mitte der 1990er-Jahre feiert die Band Cultured Pearls mit Hits wie "Tic?Toc" und "Sugar?Sugar?Honey" große Erfolge. Hinter dem poppigen Soulsound stecken die Musiker B.?La und Tex?Super und natürlich mit ihrer klaren, starken Stimme Sängerin Astrid North. 1997 tritt Cultured Pearls im Münchner Schlachthof auf, mit dabei ihr zweites Album "Space Age Honeymoon". Ein stimmungsvolles Konzert, das zeigt, wie vielseitig deutscher Pop sein kann. Jahrzehntelang lagerten die Mitschnitte von Kultsendungen wie "Alabama in Concert", "Schlachthof in Concert" oder "Nachtwerk in Concert" in den Archiven des Bayerischen Rundfunks - sie waren der Soundtrack einer ganzen Generation. "Back on Stage" hebt diese musikalischen Schätze und holt sie zurück ins Fernsehen.