05:00
Der Vagusnerv ist das innere Sprachrohr zwischen Kopf und Körper, ein feiner Sensor für unser Wohlbefinden. Er gilt als Tausendsassa, scheint überall mitzumischen, doch viele seiner Fähigkeiten sind noch unerforscht. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen meinen, er habe die Kapazität, unsere Medizin grundlegend zu verändern. Lebenswichtige Vorgänge wie Atmung, Herzschlag und Verdauung steuert der Vagusnerv. Aber er kann noch viel mehr, etwa Stress abbauen oder sogar Krankheiten lindern. Gezielte Übungen wie tiefe Bauchatmung oder die elektrische Reizung können den Vagus aktivieren. Doch wie viel Potenzial steckt im Vagusnerv? Wie weit ist die Forschung? Der Vagusnerv entspringt im Hirnstamm und verläuft über Hals und Brustkorb hin zum Darm. Seine Fasern verbinden das Gehirn mit den meisten Bauchorganen. Wie dieser besondere Nerv funktioniert und welche Rolle er für unsere Gesundheit spielt, zeigt diese Dokumentation. Die Forschung erprobt die Kraft des Vagus bereits bei der Therapie weit verbreiteter chronischer Erkrankungen wie Epilepsie, Long Covid und Depressionen. Aktuelle Studien und medizinische Anwendungen zeigen aber auch, wie der Nerv die Anpassungsfähigkeit des Körpers im beruflichen Alltag oder beim Profisport stärkt und sogar beim Abbau von Entzündungen helfen kann. Ohne ihn wären wir schlecht dran. Aber ist der Hype um kommerzielle Geräte zur Nervenstimulation und Übungen auf Social Media berechtigt? "Vagusnerv - Wie das Hirn zum Herzen spricht" bietet Einblicke in die Funktionsweise eines Nervs, der unser Verständnis von Gesundheit und Therapie revolutionieren könnte.
05:55
Ihre Erscheinung wirkt wie ein Spuk: imposante Gestalten, vollkommen in wuchtige Ziegen-Felle gehüllt, stumm, gesichtslos, unheimlich. Auf einmal springen sie auf, kreisen um die eigene Achse, breiten die Arme aus, schwingen und federn, in einem sich steigernden Rhythmus. Die langen Tierhaare peitschen durch die Luft. Der Klang von massiven Glocken verschmilzt zu einem hypnotischen Geläut. "Kukeri" heißt das heidnische Ritual. Zu jedem Jahresanfang erwacht es neu. Und in letzter Zeit erlebt Kukeri sogar eine Renaissance, zunehmend in der jungen Generation. Auch immer mehr Frauen wie Margaretha zieht das ursprünglich männerdominierte Ritual an. Ihr Vater hat der jungen Frau die Verantwortung übertragen, die Kukeri-Tradition in der Familie fortzuführen. Wiederum versucht sie, Mädchen wie die achtjährige Michi dafür zu begeistern. Und junge, ins Ausland ausgewanderte Männer wie Todor kommen jeden Winter in die Rhodopen-Berge zurück, um während des Surwa-Fests die bösen Geister aus ihrem Dorf zu vertreiben und Gutes zu beschwören. Für sie alle bedeutet Kukeri weitaus mehr als Tradition. Das Ritual aus vorchristlicher Zeit ist Bestandteil ihrer heutigen Identität.
06:50
Persische Wurzeln, indischer Geschmack: Dhansak / Ein Biss'chen Heimat: Kshitij, ein Inder in Tschechien / Ran an die Töpfe!
07:20
Linda Lorin lädt auf eine Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Istanbul, die Prächtige in den Werken von Ahmet Altan / England: Ein Spiel namens Lawn Bowls / Albanien: Mimozas Fleischklößchensuppe / Galicien: Ein untergegangener Schatz
08:05
Linda Lorin lädt auf eine Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Andrée Viollis: Reporterin auf Weltreisen / Saint-Nazaire: Wo die Ozeanriesen entstehen / Estland: Kristis Pancakes / Grönland: Der ignorierte Forscher
08:55
Seit jeher ziehen Schiffe Menschen in ihren Bann. Von antiken Galeeren über die Karavellen der großen Entdecker bis hin zu den heutigen Containerriesen spiegeln sie Abenteuerlust, Pioniergeist und technischen Fortschritt wider. Mutige Seefahrer wie Christoph Kolumbus, Vasco da Gama und Ferdinand Magellan erkunden neue Seerouten und verändern unser Weltbild. Sie ebnen den Weg für den globalen Handel - zugleich aber beginnt das Zeitalter des Kolonialismus. Schiffe bedeuten Macht. Eine technische Revolution markieren die Dampfschiffe: Angetrieben von Kohle und Dampf sind sie nicht mehr auf die Gunst des Windes angewiesen. Fahrten zur See sind damit schneller, planbarer, effizienter. Handelsflotten und Reedereien vernetzen die Welt; Passagierdampfer werden zum Symbol für Luxus und Fortschritt. Die Dampfschifffahrt hat die Welt zusammenwachsen lassen - ähnlich wie heute das Internet. Doch der Preis dafür ist hoch: Das Dampfschiff befeuert auch Ausbeutung und Umweltzerstörung. Dampfgetriebene Walfangschiffe treiben eine ganze Spezies an den Rand der Ausrottung. Interkontinentale Verbindungen ermöglichen wirtschaftliche Expansion und prägen unser Alltagsleben: Etwa 80 Prozent des Welthandels werden heutzutage über See abgewickelt. Riesige Containerschiffe, Öltanker und Fischereiflotten bestimmen das Bild der Meere. Schiffe, heute mit Diesel angetrieben, sind das Rückgrat der Weltwirtschaft und werden auch in Zukunft eine Schlüsselrolle spielen.
10:20
U-Boote sind heute hochkomplexe Maschinen, vollgestopft mit Technik und Waffen. So beeindruckend ihre Konstruktion, so furchteinflößend ist ihre Zerstörungskraft. Kaum eine Waffe löst so viele Emotionen aus wie das U-Boot. Heimtückisch schlägt es aus dem Hinterhalt zu und kann mittels Atomraketen die ganze Welt in den Abgrund reißen. Ursprünglich sollten Unterwasserboote ermöglichen, die Welt unter Wasser zu betrachten. Nur durch den Rumpf eines Tauchbootes können Forscher in die menschenfeindliche Welt der Tiefsee abtauchen und die faszinierende Unterwasserwelt erforschen. Gleichzeitig sind U-Boote mit schrecklichen Tragödien verbunden. Der Untergang der "Kursk", bei dem 118 Männer auf dramatische Weise starben, ist als Trauma im kollektiven Gedächtnis verankert. Trotz oder gerade wegen ihrer Gefahr faszinieren U-Boote seit jeher. Die zweiteilige Dokumentation unternimmt eine informative und facettenreiche Reise durch die Geschichte. U-Boot-Fahrer, Historiker und Militärexperten ordnen die Geschehnisse ein. Der erste Teil der Dokumentation beschreibt die Anfänge der U-Boot-Entwicklung Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.
11:25
Was Europa bewegt
11:55
Als Vitaminbombe, Heilfrucht oder innovative Zutat - die Cranberry überrascht mit vielseitigen Talenten. In Lettlands weitläufigen Mooren pflegt Irena Riezniece mit ihrer Familie einen der ältesten Cranberry-Höfe Europas, wo die Früchte noch per Hand geerntet werden. Lucie Fischer-Chapalain entdeckt das kulinarische Potenzial der Beere: Sie komponiert proteinreiche Energieriegel, pikante Cranberry-Mole für Tortilla Chips und würzige Cranberry Crackers. Die Moorfrucht wandelt sich dabei von der traditionellen Heilpflanze zum modernen Geschmackserlebnis - Natur neu interpretiert.
12:25
Linda Lorin lädt auf eine Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Sarajevo, der Roman eines Lebens / Pyrenäen: Die faszinierende Welt der Geier / Griechenland: Annies Rindfleisch mit Petersilie / USA: Fake News zur Kriegsführung
13:10
Spezial Marokko mit folgenden Themen: Fès und Colettes orientalische Ader / Stolze Akrobaten / Die Berber-Tajine von Hamid / Der Teufel geht als Rockstar
14:00
Im Pariser Stadtteil Pigalle wird ein Amerikaner aus einem vorbeifahrenden Wagen erschossen. Kommissar Maigrets Kollege, Inspektor Lognon, wird Zeuge des Verbrechens. Er alarmiert die Polizei, doch als diese eintrifft, ist die Leiche verschwunden. Für Maigret beginnt ein rätselhafter Fall. Die Spuren führen ihn tief in das Milieu amerikanischer Gangster, die sich in Paris ein neues Machtzentrum aufbauen wollen. Trotz des Drucks amerikanischer Diplomaten und Ermittlungsbehörden verfolgt Maigret unbeirrt seinen Plan. Plötzlich wird Lognon entführt ... Mit "Kommissar Maigret sieht rot" inszenierte Gilles Grangier einen Kriminalfilm, der klassische Ermittlungsarbeit mit dem Film-noir-Flair des Paris der 1960er Jahre verbindet. Jean Gabin spielt den berühmten Kommissar mit ruhiger Autorität und feinem Gespür für die Menschen hinter dem Verbrechen. Der Krimi ist Jean Gabins dritte und letzte Verkörperung des legendären Kommissars Jules Maigret. Die Verfilmung basiert auf Georges Simenons Roman "Maigret, Lognon und die Gangster" aus dem Jahr 1951. Regisseur Gilles Grangier drehte an Originalschauplätzen in Paris und setzte mit Michel Legrands Musik auf einen nüchternen, spannungsvollen Stil, der den Maigret-Filmen bis heute ihren besonderen Charakter verleiht.
15:45
Die Halbinsel Son Tra an der Küste Vietnams ist für die Rotschenkligen Kleideraffen der wichtigste Rückzugsort. Trotz der Nähe zur Millionenstadt Da Nang ist der Dschungel hier noch weitgehend intakt, vor allem aufgrund der Geschichte des Ortes. Hier landete zu Beginn des Vietnamkriegs die US-amerikanische Navy, später blieb die Halbinsel wegen ihrer strategisch bedeutsamen Lage militärisches Sperrgebiet. So konnten sich die empfindlichen Kleideraffen hier weitgehend ungestört entwickeln. Rotschenkel-Kleideraffen gehören zur Primatengruppe der Languren. Sie sind reine Vegetarier und ernähren sich hauptsächlich von Blättern aus den Baumkronen. Einst lebten sie weit verbreitet in Vietnam, doch insbesondere der Krieg ließ ihre Zahl drastisch sinken: Weite Waldbestände wurden zerstört, und viele hungernde Vietnamesen ernährten sich notgedrungen auch von Wildtieren. Jahrzehnte nach Kriegsende gilt der Rotschenkel-Langur als stark vom Aussterben bedroht. Es gibt verschiedene Languren-Arten, aber die Rotschenkel-Languren haben ein einzigartiges Farbenkleid und gelten als die schönsten Primaten der Welt. Auf der Halbinsel Son Tra überwachen Tieraktivisten wie Tuan Bui Van und Luc Nguyen seit Jahren den Bestand der auffallend schönen und geschickten Kletterer. Die Tiere hier müssen überleben, um ihre Art in freier Wildbahn erhalten zu können. Rotschenkel-Kleideraffen werden ausgewachsen etwa 70 Zentimeter groß und sind äußerst friedliche Tiere. Sie leben in kleinen Gruppen, meist mit nur einem Männchen. Der größte Teil ihres Lebens spielt sich in den Wipfeln der Bäume ab - dort, wo sie sich ernähren und vor Raubtieren sicher fühlen. Doch seitdem das Militär eine Straße mitten durch den Affenwald gebaut hatte, haben viele Languren Schwierigkeiten bei der Nahrungssuche. Tierschützer sind alarmiert: Kann es gelingen, mittels Kletterbrücken diese Languren in freier Wildbahn zu retten?
16:20
Vietnam ist eines der artenreichsten Länder der Erde, doch viele Tiere sind weitgehend unbekannt. Der Doku-Zweiteiler zeigt die außergewöhnliche Vielfalt der Lebensräume des südostasiatischen Landes. In dieser Folge begibt sich das Filmteam in den Dschungelgebiete des Nordens auf die Suche nach seltenen Tieren. Dabei entstanden einzigartige Aufnahmen vom scheuen Fleckenroller oder der vom Aussterben bedrohten Krokodilschwanzechse. Vietnam vereint zwei gegensätzliche Welten: Im Norden prägen Kalksteinformationen, nahezu undurchdringliche Regenwälder und die kühlen Ausläufer des Himalayas die Landschaft, während im Süden der Monsun und das gewaltige Überschwemmungsgebiet des Mekong-Deltas die Natur formen. Gemäßigte und tropische Ökosysteme treffen hier auf engem Raum aufeinander und schaffen Lebensbedingungen, die die Entstehung neuer Arten begünstigen. So wird Vietnam zu einem Hotspot der Biodiversität. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Schuppentier. Das Pangolin ist das meistgewilderte Tier der Welt. Welche Abenteuer es erlebt, was ein Fleckenroller mit Kaffee zu tun hat und warum Cat-Ba-Languren nur auf einer einzigen Insel leben, zeigt diese Dokumentation über die Bergwälder Vietnams.
17:05
Der Vietnamkrieg forderte nicht nur Millionen Opfer in der Bevölkerung, auch weite Teile der Natur im Süden wurde zerstört. Pflanzen und Tiere konnten sich ihr Reich zurückerobern - dort, wo es die Zivilisation zugelassen hat. Diese Folge des Zweiteilers erzählt einzigartige Erfolgsgeschichten von Fauna und Flora. Überquert man den Wolkenpass in der Mitte Vietnams, betritt man ein anderes Land. Während im Norden ein raues, kühles Klima herrscht, ist der Süden ganzjährig tropisch warm. Nahe der Millionenmetropole Ho-Chi-Minh-Stadt liegt ein kleines Paradies. Umringt von Kulturland ist der Nationalpark Cát Tiên der einzige intakte Flachlandregenwald Vietnams. Hier traf das Filmteam auf die letzten Familien der Südlichen Gelbwangengibbons im Land. Dabei gelangen faszinierende Verhaltensstudien dieser seltenen Primaten. Noch tiefer im Süden fließt der Mekong, die Lebensader Südvietnams. Einst eine endlose Wasserwildnis, wird im Mekongdelta mehrmals im Jahr Reis geerntet. Auf den Wasserwegen treiben die Vietnamesen Handel. Es bleibt kaum Platz für naturbelassene Gebiete. Trotzdem fand das Filmteam Zwergotter bei der Jagd im Wald und Siamkrokodile, die bereits als ausgestorben galten. Die Wildnis im tropischen Süden Vietnams steht vor großen Herausforderungen. Wie sie diese meistert und welche Arten den Kampf verlieren könnten, erzählt dieser Teil der Dokumentation.
17:50
Das Reich der Insekten ist eine uns oft verborgene Welt. Dabei besitzen diese kleinen Lebewesen beeindruckende Fähigkeiten. Ihre Flugkunst übertrifft selbst die der Vögel. Durch Zusammenarbeit schaffen Ameisen Erstaunliches. Nashornkäfer, Schwebfliegen, Bienen und Termiten - sie alle sind wahre Meister der Anpassung. Eine großartige Erfolgsgeschichte der Evolution. Von der Stärke der Nashornkäfer bis zur außergewöhnlichen Flugkunst der Hummeln, von der hoch spezialisierten Kommunikation der Bienen bis zur beeindruckenden Tarnung winziger Grillen in räuberischen Ameisenkolonien - Insekten sind wahre Wunder der Natur. Sie können auch Teamplayer sein: Ameisen arbeiten zusammen in hoch organisierten Staaten, Bienen geben erlerntes Wissen weiter, und Termiten schaffen gemeinsam in ihren Bauten Gänge, um so einen Wasservorrat für Dürrephasen zu speichern. Seit über 400 Millionen Jahren bevölkern diese faszinierenden Geschöpfe unseren Planeten und haben praktisch jeden Lebensraum der Erde erobert. Ihre Vielfalt ist überwältigend: Es gibt rund 6.000 verschiedene Säugetier- und 400.000 Pflanzenarten, aber etwa eine Million Insektenarten. Die Wissenschaft stößt immer wieder auf Überraschungen in diesem Reich, in dem die kleinsten Lebewesen die größten Geschichten erzählen.
18:35
Sie leben an Land, im Wasser, sogar in der Luft und im Körper anderer Lebewesen: Mikroben waren die ersten Organismen unseres Planeten, und bis heute stellen sie zahlenmäßig jede andere Lebensform in den Schatten. Sie sind buchstäblich die Keimzellen der Evolution. Mikroben können krank machen, aber sie spielen auch eine zentrale Rolle in unserem Körper. Ohne Bakterien steht nicht nur unsere Verdauung still, sondern auch unser Immunsystem. Lange wurden sie ausschließlich als Bedrohung gesehen - und zweifellos sind manche von ihnen für Menschen tödlich. Doch inzwischen hat die Mikrobiom-Forschung auch die andere Seite der Bakterien gezeigt: Ohne Helfer aus dem Reich der Mikroben könnte die Menschheit nicht überleben. Bakterien können mehr als bisher vermutet. Ihre einmalige Fähigkeit zum direkten Genaustausch mit Artgenossen und anderen Organismen macht Mikroben zu wahren Masterminds der Evolution - auch in der Entstehungsgeschichte der Pflanzen und Tiere. Manche Stämme kommunizieren miteinander und bilden komplexe Strukturen. Andere zersetzen Kunststoff und könnten mit dieser Fähigkeit eine wichtige Rolle bei der Eindämmung der globalen Plastikflut spielen. Mit den Mikroorganismen begann alles Leben auf der Erde. Und bis heute tragen alle Tiere, Pflanzen und Menschen einen Teil Mikroben-Gene in uns. Doch vom Kampf gegen den Klimawandel bis zur Energieversorgung der Zukunft sind viele Einsatzgebiete für die Genies aus dem Mikrokosmos noch weitgehend unerforscht. Nur eines steht fest: Ohne Mikroben ist kein Überleben möglich.
19:20
"ARTE Journal", das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur
19:35
"Mit offenen Karten im Fokus": Täglich drei Minuten Aktuelles und Analysen
19:40
Anstatt in Italien zu schwitzen, suchen die Mailänder Alessandra Petrei und Mattia Canciani mit ihrem Wohnmobil und Hund Chopin eine kühle Auszeit im hohen Norden. Damit sind sie nicht allein. Auf gerade einmal 25.000 Einwohner kommen inzwischen über eine Million jährliche Besucher, die Urlaub auf der rauen Inselgruppe 200 Kilometer über dem Polarkreis machen. Doch der Ansturm hinterlässt Spuren: ausgetretene Pfade, zertrampelte Wiesen und überfüllte Hotspots wie der Berg Reinebringen. Um die empfindliche Natur zu schützen, legen nepalesische Sherpas seit über 20 Jahren Treppen aus tonnenschweren Steinblöcken an. Damit sollen die steilen und unbefestigten Wanderwege gesichert werden - eine jahrhundertealte Handwerkskunst aus dem Himalaya, finanziert vom norwegischen Staat. Wie viel Andrang verträgt die empfindliche Natur und wer entscheidet, wann es zu viel ist? Das ist eine Frage, die auch die Gemüter der Bevölkerung der Lofoten erhitzt. Ranger Peter Andresen vom Lofoten Friluftsråd versucht zwischen Naturschutz, Tourismuswirtschaft und Einheimischen zu vermitteln. Die lokale Facebook-Gruppe Overturisme i Lofoten mit fast 4.000 Mitgliedern fordert strengere Regeln und eine Begrenzung der Besucherzahlen. Der Tischler Asbjørn Rasmussen hat die Gruppe gegründet. Sein Bruder Audun führt als Guide selbst Touristen durch die Berge und Fjorde. Die beiden Brüder dokumentieren die Umweltschäden des Overtourismus und konfrontieren professionelle Bergführer mit deren Fehlverhalten.
20:15
Deutschland, 1945: Der Holocaust-Überlebende Max kehrt in seine zerstörte Heimat zurück und sucht verzweifelt nach seiner Frau und seinem Sohn. Als er erfährt, dass beide ermordet wurden, schließt er sich ehemaligen Soldaten der Jüdischen Brigade an. Diese Einheit der britischen Armee spürt nach Kriegsende ohne das Wissen ihrer Vorgesetzten NS-Täter auf. Doch bald stößt Max auf die radikalere Untergrundorganisation Nakam. Unter der Führung von Abba Kovner plant Nakam eine Vergeltungsaktion, die genauso viele Deutsche töten soll, wie Juden im Holocaust ermordet wurden: sechs Millionen Menschen. Dafür soll das Trinkwasser mehrerer deutscher Großstädte vergiftet werden. Max wird nach Nürnberg geschickt und schleust sich in die Gruppe ein. Dort lernt er Anna kennen, die wie er alles verloren hat und fest an die Notwendigkeit von Rache glaubt. Zwischen Trauer, Wut und wachsendem Zweifel gerät Max in einen moralischen Konflikt: Kann Vergeltung nach dem Holocaust Gerechtigkeit schaffen - oder führt sie nur zu neuer Schuld? "Plan A" ist eine deutsch-israelisch-britische Koproduktion. Yoav und Doron Paz erzählen ein historisches Thrillerdrama über Trauma, Rache und moralische Verantwortung. Die jüdische Gruppe Nakam bildete sich 1945 um den Schoah-Überlebenden Abba Kovner. Nakam ist das hebräische Wort für Rache. Im Rahmen der Recherche zu ihrem Film interviewten die Filmemacher ehemalige Mitglieder der Gruppe, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, die Verbrechen des Holocaust zu rächen.
21:55
Als am 24. Mai 2023 die Nachricht von Tina Turners Tod durch die Medien geht, steht die Welt gefühlt für einen Moment still. Bereits zu Lebzeiten zur größten Rockikone und unsterblichen Legende geadelt, macht erst ihr Ableben so richtig deutlich: Kaum ein Weltstar hat eine so tiefgreifende Spur in den Herzen der Menschen und in der Musikgeschichte hinterlassen. "Meine geliebte Königin. Ich liebe Dich unendlich. Ich bin so dankbar für Deine Inspiration. Du bist Stärke und Unverwüstlichkeit. Du bist der Inbegriff von Kraft und Leidenschaft", postet Beyoncé und Alicia Keys schreibt: "Die Lieder, die Du gesungen hast, haben uns Mut gemacht, aus uns herauszutreten und ganz wir selbst zu sein." Die Dokumentation von Schyda Vasseghi spürt dem schier grenzenlosen Einfluss einer Ausnahmekünstlerin nach und folgt den Pfaden, die sie einer neuen Generation von Black Artists nicht nur in Sachen Empowerment, sondern auch hinsichtlich Style, Look und Performance geebnet hat. Kim Holmes vom Alvin Ailey American Dance Theater in New York lässt gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern Tina Turners Choreographien zeitgemäß wiederauferstehen. Nona Hendryx, eine der legendären Sängerinnen, die den 1970er-Jahre-Hit "Lady Marmalade" zum Leben erweckt hat, erinnert an Begegnungen mit Tina - ebenso wie MTV-Moderator Steve Blame und Musikproduzent Martyn Ware. Ausgewählte Tina-Turner-Songs legen dazu die Timeline eines bewegten Lebens. In Verbindung mit mitreißendem Archivmaterial und weiteren persönlichen Einblicken würdigt die Dokumentation die Karriere einer solitären Soulstimme.
22:50
Das Konzert "One Last Time" von Tina Turner wurde im Juli 2000 während ihrer "Twenty Four Seven"-Tour im Londoner Wembley-Stadion aufgezeichnet. Es beeindruckte mit einem grandiosen Bühnendekor, 18 Kameras und einem der besten Regisseure der Welt: David Mallet. "One Last Time" ist eine der spektakulärsten Performances, die die US-amerikanische Sängerin je abgeliefert hat. Im Rückblick auf ihre vier Jahrzehnte währende Karriere folgt ein Hit auf den nächsten. Zu hören sind etwa die Songs "Acid Queen", "River Deep, Mountain High", "Let's Stay Together", "Private Dancer", "Better Be Good To Me", "I Heard It Through The Grapevine", "When The Heartache Is Over", "I Want To Take You Higher" und "What's Love Got To Do With It". Anna Mae Bullock - so ihr echter Name - war von den späten 1950er Jahren bis Mitte der 1970er Jahre Teil des Duos Ike & Tina Turner. Die harten Jahre mit ihrem Lebens- und Bühnenpartner haben die damalige Rhythm-and-Blues-Queen stark geprägt. Anfang der 1980er Jahre konnte sie sich endlich von Ike Turner lösen und wurde als Solokünstlerin gefeiert. Ihre Hits - "What's Love Got to Do with It", "Private Dancer", "The Best" ... - und ihre Tourneen waren legendär. Doch auch mit ihrem Comeback schrieb Turner Musikgeschichte. Die Sängerin ist für ihre markante Stimme und Bühnenpräsenz berühmt, wird aber auch für ihre Charakterstärke bewundert, seitdem Turner enthüllte, dass sie am Anfang ihrer Karriere jahrelang häuslicher Gewalt ausgesetzt war. Am 24. Mai 2023 starb Tina Turner im Alter von 83 Jahren.