13:10
Patagonien: Eine Graphic Novel wirft ein neues Licht auf Argentinien Die meisten Argentinier haben indigene Vorfahren. Dass sie von den Tehuelche abstammen, erfahren viele aber erst spät oder per Zufall. Solche Familiengeschichten dienten der Graphic Novel "Chère Patagonie" als Vorlage. Das von der Kritik gelobte Werk des argentinischen, in Spanien lebenden Autors Jorge González wurde 2011 zunächst in Europa veröffentlicht. In Lateinamerika hingegen erschien es erst 2024. Es konfrontiert Argentinien mit Tatsachen, die manche lieber verheimlichen würden. Im Land wird auch heute noch das von den europäischen Einwanderern etablierte Geschichtsnarrativ bevorzugt. Bretagne: Ein ganz besonderes Schaf Im Morgengrauen muten die nebelverhangenen Höhen der Monts d'Arrée - einer Bergkette in der westlichen Bretagne - beinahe märchenhaft an. Doch statt Märchenwesen lebt hier das endemische "Landes de Bretagne"-Schaf. Die lange Zeit verschwunden geglaubte Rasse tauchte irgendwann wieder auf und steht für die traditionelle Landwirtschaft der Region, die Geschichte der Menschen dieser Gegend und ihre Beziehung zur Natur und den Elementen. Estland: Karolines und Kairis Coregonen-Tatar In Tallinn gibt es bei Karoline und Kairi ein Coregonen-Tatar. Den seltenen Süßwasserfisch filetieren sie entlang der Gräte und vermischen das Fleisch anschließend mit roten Zwiebeln, Dill, Zitrone, Salz und Pfeffer. Serviert wird das Tatar auf estnischem Sauerteigschwarzbrot, das zu jeder Mahlzeit ein Muss ist. Das Tatar isst man in geselliger Runde, meistens mit Volksmusik im Hintergrund. Ägypten: Der Dolch von Tutanchamun Das Tal der Könige birgt viele ungelöste Rätsel rund um die königlichen Gräber, unter ihnen auch das vom mumifizierten Pharao Tutanchamun. All jene, die sein Grab öffneten, bezahlten diesen Frevel mit dem Leben. Beim Fluch des Pharaos mag es sich nur um eine Legende handeln, aber ein weiteres Mysterium beschäftigt die Archäologen schon seit längerem ...
14:00
Norwegen, 1990: Katrine, ihr Ehemann Bjarte Myrdal, Tochter Anne, der kleine Enkel und Katrines Mutter Åse scheinen wie eine Bilderbuchfamilie. Dabei haben Katrine und Åse schwere Zeiten hinter sich. Doch darüber wird nie gesprochen. Dann fällt die Berliner Mauer. Kurze Zeit später taucht der Anwalt Sven Solbach bei Katrine auf. Er will Gerechtigkeit für ehemalige "Lebensborn"-Kinder in der DDR und vertritt deren Recht auf Wiedergutmachung vor dem Europäischen Gerichtshof. Katrines ungewöhnliche Geschichte, auf die er bei seinen Recherchen gestoßen ist, interessiert ihn besonders: Als Kind eines in Norwegen stationierten deutschen Besatzungssoldaten wurde Katrine einst von den Nationalsozialisten in eines der "Lebensborn"-Heime verschleppt. Jahre später gelang ihr jedoch die abenteuerliche Flucht über die Ostsee, um nach ihrer norwegischen Mutter zu suchen. Ihr Fall ist offenbar der Einzige, bei dem Mutter und Tochter sich nach vielen Jahren wiedergefunden haben. Aber jetzt verhält Katrine sich seltsam, und ihre Familie versteht nicht, warum sie Solbach nicht unterstützt und vor Gericht nicht aussagen will. Vor allem Anne, die selbst angehende Juristin ist, ist irritiert. Katrines Erklärung: Sie möchte Åse Leid ersparen, die dramatischen Ereignisse nicht wieder aufwühlen. Aber der Grund für Katrines Verhalten liegt ganz woanders: Katrine lebt unter einer falschen Identität; sie ist in den 70er Jahren mit der Biografie einer "Lebensborn"-Frau nach Norwegen gekommen: als Spionin der DDR. Katrines Lebenslüge zerbricht und sie droht alles zu verlieren.
15:45
Sein Diplom frisch in der Tasche, beschloss der junge französische Ingenieur Corentin de Chatelperron, ein Boot aus Jutefasern und Harz zu entwickeln und damit eine ökologische Revolution loszutreten. Um die Widerstandsfähigkeit des Bootes zu testen, ging Corentin sechs Monate lang allein auf Jungfernfahrt, von Bangladesch bis Malaysia. Gleichzeitig wollte er testen, wie man auf hoher See autark leben kann, und zwar nur mit Lowtech-Lösungen. "Lowtech" bedeutet Technik nach den Maßstäben "einfache Funktion, einfache Herstellung, einfache Bedienung". Auf dem Boot hatte er ein kleines Treibhaus, um Kartoffeln anzubauen, zwei Hühner, einen Solarherd und einen Holzsparofen. Rückblickend musste er sich jedoch ein Fiasko eingestehen. Er ließ sich trotzdem nicht entmutigen und hatte zwei Jahre später sein neues Projekt, größer und ambitionierter als das erste: den nur mit Lowtech ausgestatteten autarken 14 Meter langen Katamaran "Nomade des Mers". Die Ausrüstung an Bord bedient die Grundbedürfnisse der Crew wie Essen, Trinken und Energie erzeugen. An einem Winterabend läuft die "Nomade des Mers" aus dem Hafen von Concarneau aus. Ziel der geplanten Seereise ist es, Erfinder aus aller Welt zu treffen, um deren Lowtech-Lösungen zu erforschen, zu dokumentieren und im Internet zu teilen. Bei diesem außergewöhnlichen Abenteuer müssen Corentin, seine Crew und der Katamaran zahlreiche Hürden überwinden: Unwetter, technische Pannen, Erschöpfung, Entmutigung. Diese werden jedoch durch die übergroße Freude wettgemacht, wenn Experimente gelingen und Lowtech-Erfindungen mit allen Menschen für eine nachhaltigere Zukunft geteilt werden können.
16:15
Kanada ist ein Land der Superlative: mit einer Fläche von beinahe zehn Millionen Quadratkilometern, mehr als zwei Millionen Flüssen und Seen, dem größten intakten Waldgebiet und der längsten Küstenlinie der Welt. Eisbären brauchen eine Eisdecke auf dem arktischen Meer, um ihre bevorzugte Beute zu jagen: Robben. Doch die Temperaturen steigen durch den Klimawandel schneller als irgendwo sonst auf der Erde, wodurch das Meereis von Jahr zu Jahr immer weiter schrumpft. Dadurch sind die Eisbären gezwungen, sich andere Nahrungsquellen zu suchen, wie die alljährliche Versammlung von Beluga-Walen in der Hudson Bay. Im Sommer kommen geschätzt 3.000 der Meeressäuger in diese relativ warmen, flachen Gewässer, um ihre Jungen zur Welt zu bringen. Eine gute Gelegenheit für die Eisbären - aber nicht jede Jagd ist auch von Erfolg gekrönt. Die Provinz British Columbia an der kanadischen Pazifikküste ist berühmt für ihre einzigartigen Regenwälder. Im Spätsommer regnet es besonders viel, und die Flüsse führen Hochwasser. Darauf haben die Lachse nur gewartet: Sie beginnen ihre Reise vom Pazifik die Flüsse hinauf zu ihren Laichgründen, wo sie geboren wurden. Im winterlichen hohen Norden Kanadas verbergen sich unter der Schneedecke zahllose zugefrorene Seen. Sie bilden die Bühne für ein bemerkenswertes Duell. Karibus bevölkern die kanadische Tundra zu Millionen. Die Tiere ernähren sich von Flechten und Moosen unter dem Schnee. Nur Wölfe sind ihre Feinde. An der Mündung des St.-Lorenz-Stroms bildet sich den Winter über eine dicke Eisschicht. Hier versammeln sich Sattelrobben - an die 200.000 jedes Jahr.
17:05
Angeführt von einem Trupp Kapuzineräffchen geht es tief hinein in den mittelamerikanischen Regenwald. Fernab vom lauten Treiben der Menschen gewinnt die Natur die Oberhand zurück. Mit jedem Schritt unter dem dichten Blätterdach lassen sich Tiere auf wichtiger Mission entdecken: Der Jaguar, unsichtbarer Herrscher des Unterholzes, streift lautlos umher. Hoch oben in den Wipfeln lassen sich Rotgesicht-Klammeraffen ganze Früchte schmecken, verbreiten deren Samen und säen damit die Bäume von morgen. Am Boden suhlen sich Weißbartpekaris im Dreck und graben dabei temporäre Tümpel im ausgetrockneten Wald, in denen neues Leben entsteht. Das umtriebige Aguti vergräbt jede Menge Samen und vergisst einen Teil davon; daraus werden neue Baumriesen. Nach der Trockenzeit kehrt der Regen zurück, und der Wald erwacht zu neuem Leben. In einer beeindruckenden Flugshow kommen tropische Laubfrösche aus dem Blätterdach herab und paaren sich. Krötenmännchen locken mit ihrer leuchtend gelben Farbe Weibchen an. Die von den Pekaris gegrabenen Tümpel füllen sich und werden zum Kinderzimmer für unzählige Kaulquappen. Der Stoffwechsel der Kolibris läuft auf Hochtouren: Sie sammeln den Nektar von bis zu 3.000 Blüten am Tag und sorgen so für die Bestäubung Tausender Pflanzenarten. Diese Folge enthüllt die faszinierenden Wechselwirkungen der Natur: Eine erlegte Beute düngt den Boden, ein transportierter Samen schließt eine Lücke im Blätterdach, eine von Nabelschweinen gegrabene Wasserstelle wird zum Treffpunkt für die gesamte Fauna. Nach und nach wird klar: Regeneration ist ein konkreter Prozess, bei dem die Artenvielfalt wieder die Oberhand gewinnt.
17:50
Ein Trupp Kapuzineräffchen führt uns an den Rand des Regenwaldes, wo Dschungel, Mangroven und Ackerland ineinander übergehen. Hier wird jedes Tier zum Entdecker, Landwirt oder Lebensspender. In den Mangroven bewegen sich die Kapuzineräffchen zwischen zwei Welten hin und her und tragen dabei Samen von einem Ökosystem zum anderen. Am Strand ist die Arribada in vollem Gange: Mehr als hunderttausend Oliv-Bastardschildkröten marschieren im Schutz der Nacht an Land, um ihre Eier abzulegen. Ein hungriger Jaguar nutzt diese Gelegenheit, um sich den Magen vollzuschlagen und die Reste seines Festmahls dienen wiederum als Nahrung für Nasenbären, Rabengeier und Kahlkopfgeier. Letztere sind fliegende Düngemaschinen und transportieren Nährstoffe vom Waldrand bis tief ins Herz des Dschungels. Etwas weiter entfernt trampelt eine Herde Weißbartpekaris durch einen Palmenhain, frisst sich an den Früchten satt und trägt zur Verbreitung von Samen bei. Die Montezumastirnvögel weben ihre Hängenester in Eukalyptusbäume und integrieren diese Eindringlinge nach und nach in das Ökosystem. Ein Rotaugenlaubfrosch laicht im Wasserbehälter einer Kaffeeplantage und verwandelt diesen unwahrscheinlichen Ort in einen biologischen Korridor. Am Waldrand wacht der Bechsteinara über die letzten Bergmandelbäume, schneidet mit dem Schnabel tote Äste ab und baut sein Nest in das weiche Holz. Die Folge "Am Rand des Regenwaldes" zeigt, wie die Tierwelt geduldig die Lücken des Regenwaldes schließt und die Natur wieder zu ihrem Recht kommt, wenn Mensch und Fauna respektvoll zusammenleben.
18:35
In Mittelamerika entsteht ein neues Bündnis zum Schutz des Regenwaldes. Ob Klammeraffen oder Fregattvögel, jede Tierart leistet ihren Beitrag. Die einen bringen Samen für neue Baumriesen ein, die anderen versorgen die Küsten mit Nährstoffen und verbinden Meer und Land. Doch die Tiere sind nicht länger auf sich allein gestellt. Seit zwanzig Jahren beobachtet ein Biologe die Rotgesichtklammeraffen hoch oben in den Baumwipfeln. Er kennt jedes Tier beim Namen, notiert jede Bewegung und jede Geburt. Die Daten zeigen, wie diese Gärtner des Dschungels den Regenwald von morgen gestalten. Am Waldrand hat sich ein Dorf dafür entschieden, mit den Weißbartpekaris zusammenzuleben, statt die Nabelschweine zu jagen. Mit den Tieren ist ein neues Gleichgewicht zurückgekehrt. Oben in den Bergen spürt ein Forscher Harlekinkröten auf, Überlebende einer Epidemie, die die Amphibien weltweit dezimiert hat. Jedes einzelne Tier ist ein kleiner Sieg! In der Ebene wacht ein Vogelkundler über die Bechsteinaras und ihre Nester im weichen Holz der Mandelbäume, ohne die sich die Papageienvögel nicht fortpflanzen könnten. Auf einer Insel im Pazifik beobachtet ein Biologe eine große Fregattvogelkolonie. Ihr Kot düngt die Küsten und Trockenwälder und schlägt eine Brücke zwischen Meer und Land. Die Folge "Die Verbündeten des Regenwaldes" zeigt, wie Menschen und Tiere zusammenarbeiten, um den Regenwald wieder zu einem wilden Biotop zu machen und die Wunden von Kultur- und Naturlandschaft zu schließen.
19:20
"ARTE Journal", das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur.
19:40
Peter Stolberg-Stolberg ist der Ururenkel der österreichischen Kaiserin Elisabeth, besser bekannt als Sisi. Er wünscht sich, genau wie seine nichtadeligen Mitstreiterinnen und Mitstreiter vom Verein Schwarz-Gelbe Allianz, die Rückkehr eines Kaisers als Staatsoberhaupt in Österreich. Dieser soll das Amt des Bundespräsidenten ersetzen und dessen Befugnisse auf Lebenszeit erhalten. In elf europäischen Staaten gibt es Könige, Fürsten und Großherzöge - meist mit hohen Zustimmungswerten in der Bevölkerung. Sie haben in der Regel nur die Aufgabe zu repräsentieren. Die politische Macht liegt beim Volk, bei gewählten Parlamenten und Regierungen. Doch für manche Menschen hat die Idee einer starken Führung an der Spitze durchaus etwas Verlockendes. Für Peter Stolberg-Stolberg hat die österreichische Republik ausgedient. Der Adel, glaubt er, besitze das Führungspotenzial, das Österreich brauche, um wieder zu alter Stärke zu finden. Woran der Verein Schwarz-Gelbe Allianz in Österreich noch arbeitet, existiert in der Tschechischen Republik bereits - eine Partei, die sich für die Rückkehr der Monarchie starkmacht. Ludmila Džuganová ist Spitzenkandidatin der Kleinstpartei Koruna Ceská in Südböhmen. Tschechien ist zwar wirtschaftlich stabil - gesellschaftlich jedoch gespalten. Ludmila Džuganová ist überzeugt, dass ein Monarch mehr Stabilität bieten könnte als vom Volk gewählte Abgeordnete.
20:15
Das junge Fotomodell Diana Scott trifft auf den Fernsehreporter und Schriftsteller Robert Gold. Beide fühlen sich stark zueinander hingezogen und verlassen ihre Ehepartner für eine leidenschaftliche Affäre. Doch Dianas Ehrgeiz und Lebenshunger sind dadurch nicht lange gestillt. Auf dem Weg weiter nach oben soll ihr Miles Brand behilflich sein: Der clevere Marketingmanager verschafft Diana eine erste Filmrolle, die ihr Selbstbewusstsein erheblich steigert. Sie überwirft sich mit Robert und stürzt sich mit Miles Hals über Kopf ins High-Society-Leben in Paris ... Ihr weiterer Aufstieg scheint nach einer Italienreise gesichert: Als Diana dem höflichen Werben eines echten Prinzen nachgibt, wird sie zu einer internationalen Berühmtheit - aber ohne in ihrer royalen Ehe echte Liebe und Zuneigung zu erfahren. Bei einem letzten heimlichen Treffen mit Robert muss sie erkennen, dass ihr Verhalten diese wohl einzig aufrichtige Liebe für immer zerstört hat ... Der dritte Spielfilm von John Schlesinger wurde 1966 mit drei Oscars ausgezeichnet: für das beste Originaldrehbuch von Frederic Raphael, das beste Kostümbild in Schwarz-Weiß und die beste weibliche Hauptrolle. Mit "Darling" wurde die ausdrucksstarke Hauptdarstellerin Julie Christie zum Star. Ihre ambivalente Antiheldin macht den Film zeitlos gut und sehenswert. Anlässlich seines 60-jährigen Jubiläums wurde er in einer neuen 4K-Restaurierung bei den Filmfestspielen von Cannes 2025 aufgeführt.
22:10
Nach einem Reitunfall, bei dem sie ihr Augenlicht verloren hat, und dem anschließenden Krankenhausaufenthalt wird die junge Sarah in das Landhaus von Onkel und Tante eingeladen. Mit Hilfe ihrer Cousine soll sie langsam lernen, ihr neues Leben zu meistern. Als Sarah einmal das Haus verlässt, um ihren Ex-Freund zu treffen, werden in ihrer Abwesenheit die Familie und ihre Angestellten brutal ermordet. Am nächsten Morgen stolpert die blinde Sarah über die am Boden liegenden Leichen. Sie ist in größter Gefahr, denn der Täter in den mysteriösen Stiefeln ist noch immer im Haus. Der einzige Hinweis auf seine Identität ist ein silbernes Armband, das der Mörder verloren hat und sich nun von der hilflosen Sarah zurückholen muss ... Mia Farrow verkörpert die erblindete junge Frau in lebensbedrohlicher Lage mehr als glaubwürdig. Ihr verletzliches Ausgeliefertsein und der Wissensvorsprung des Publikums generieren die Suspense in diesem nervenaufreibenden Thriller. Regisseur Richard Fleischer knüpft hier an das Meisterwerk "Warte, bis es dunkel ist" (1967) von Terence Young mit Audrey Hepburn in der Hauptrolle an.
23:35
Weit entfernt vom Hollywood-Glamour und den Stereotypen des Vamps und der Femme fatale, verfolgte Mia Farrow ihre eigene Karriere. Ihre Filmrollen waren die einer schwachen oder psychisch labilen, später einer eher traurigen, depressiven, hintergangenen Frau. Seit ihrem Durchbruch 1968 in "Rosemaries Baby" war sie der Inbegriff weiblicher Unschuld an der Schwelle zum Wahnsinn. Unter der Regie von Woody Allen profilierte sie sich im Autorenkino, das ihr vom Leben gezeichnete Frauenfiguren auf den Leib schrieb: Sie wurde zur Verkörperung einer verunsicherten, melancholischen Weiblichkeit. Dieses Image haftet ihr auch heute noch an, nicht zuletzt aufgrund ihres mit Dramen gespickten Privatlebens. "Mia Farrow - Zwischen Fiktion und Realität" wirft einen doppelten Blick auf das Leben der Schauspielerin: Der Off-Kommentar, veranschaulicht durch seltene Archivaufnahmen und aussagekräftige Auszüge aus ihrer Filmografie, erzählt ihre Geschichte, die erstaunliche Parallelen zwischen ihrem Privatleben und ihren Filmrollen aufweist. Dazwischen werden immer wieder Lesungen aus der eigenen Perspektive aus ihrer Autobiografie eingeblendet. Diese Passagen lassen Raum für Subjektivität und geben Einblicke in Farrows Innenwelt. Die Dokumentation bedient sich auch einer weiteren originellen Erzählform, die der rückwärtigen Chronologie: Den Auftakt bildet der letzte Abschnitt von Farrows Leben, ihr humanitäres Engagement. Wie ein Familienalbum, das man von hinten beginnend durchblättert, öffnet sich immer wieder ein weiteres Kapitel ihrer Geschichte.