22:05
Die ukrainische Armee ist ausgelaugt, die Gesellschaft erschöpft und die internationale Unterstützung brüchig. Selenskyj ringt um Waffen, Garantien und sein politisches Überleben - und trifft dabei auf wechselhafte Signale aus Washington, diplomatische Schachzüge in Europa und Zweifel im eigenen Land. Die Dokumentation begleitet Wolodymyr Selenskyj durch ein Jahr und zeigt den Staatschef im Ausnahmezustand, zerrissen zwischen Durchhaltewillen, Machtanspruch und der Suche nach einem Frieden, der nicht Kapitulation bedeutet. Dabei werden zentrale Momente dieses Krisenjahres rekonstruiert: die Eskalation im Oval Office, das ständige Hin und Her in den Friedensgesprächen, den Druck der europäischen Verbündeten und die Folgen militärischer Entscheidungen - bis hin zu einem Korruptionsskandal, der die größte innenpolitische Krise seit Selenskyjs Amtsantritt auslöst. Internationale Expertinnen und Experten ordnen diese Entwicklungen ein: Der amerikanische Politologe Charles Kupchan, die Sicherheitsexpertin Claudia Major, der Journalist Simon Shuster, ARD-Korrespondent Vassili Golod, die ukrainische Antikorruptionsaktivistin Daria Kaleniuk sowie Investigativjournalist Denys Bihus zeigen, wie Macht, Idealismus und persönliche Grenzen kollidieren. Regisseur Christoph Peters zeichnet ein politisches Porträt jenseits der Heldenerzählung: ein Präsident unter Druck, den der Krieg erfahrener, mächtiger, aber auch umstrittener gemacht hat.
23:05
Dmytro Dokunov, kurz Dok genannt, ist ein ukrainischer Künstler und Filmemacher. Er lebt in einer Öko-Kommune auf dem Land, als ihn die Einberufung zum Militär erreicht und ihn vor ein Dilemma stellt: Soll er der Armee beitreten - oder den Kriegsdienst verweigern? Trotz seiner im tiefsten Herzen pazifistischen Einstellung, beschließt er, Verantwortung zu übernehmen und sein Heimatland zu verteidigen. Gleich nach seiner Ausbildung wird er Zugführer in einer der gefährlichsten Einheiten, der Fallschirmjäger-Aufklärungseinheit. Bereits in der ersten Schlacht stirbt Doks Kommandeur, der einzige Mann mit militärischer Erfahrung. Sein engster Kampfgefährte, ein Krishna-Anhänger, kommt ebenfalls ums Leben. Um bei Verstand zu bleiben, versenkt sich Dok in die Natur, meditiert, führt philosophische Gespräche - und filmt. Die Zuschauer erhalten intime Einblicke in das Miteinander der Kameraden ebenso wie in die Liebesbeziehung zu Doks Verlobten Darja. Die Kamera ist mitten im Kampfgeschehen und dokumentiert entscheidende Schlachten, um im nächsten Moment die spektakuläre Schönheit der Natur zu feiern. Bis sich am Ende alles zuspitzt: Dok - mittlerweile selbst Kommandeur - wird verwundet, trifft Fehlentscheidungen und wird von Schuldgefühlen gequält. Er selbstund auch das Publikum werden mit existenziellen Fragen konfrontiert: Wie schafft man es an der Front zu kämpfen, ohne abzustumpfen? Wie kann man seinen Sinn für Schönheit, seine Seele bewahren? Ein mutiger Antikriegsfilm.
00:35
Was halten die Menschen in den ukrainisch kontrollierten Regionen des Donbass davon, dass ihr Zuhause als Verhandlungsmasse herhalten muss? Wie sieht ein ukrainischer Masken-Rave aus - mitten im Blackout? Während der schwersten Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung ist "Tracks East" in Kiew und Dnipro - sowie in den frontnahen Städten Charkiw und Kramatorsk. Am Beginn des fünften Kriegsjahrs prägen Stromausfälle, Drohnenangriffe und ein harter Winter den Alltag in der Ukraine. In Kramatorsk, keine 20 Kilometer von der aktiven Front, ist die Erschöpfung besonders stark zu spüren. Die Menschen sind frustriert von ihrer Regierung und enttäuscht vom Westen. In Charkiw erzählt die 77-jährige Tamara, wie sie trotz permanenter Angriffe Zuflucht in der Oper findet. Die junge Ballerina Masha hat ihre Stadt und ihren Traum vom Tanzen nicht aufgegeben. Auch Sanya, alias Kytsya Punk, hört nicht auf zu träumen: Der szenebekannte Prinz von Podil aus Kiew bereitet sich auf einen Malanka-Rave vor, eine Party, die traditionelle ukrainische Folklore mit Techno verbindet. Dabei engagiert sich der 20-Jährige mit vielen Aktionen für die Armee und unterstützt diese, wo er kann. Durch die Sendung führt Bella Khadartseva, die zwischen Kiew und Dnipro lebt. Ihr Mann ist Soldat und ihr Alltag ist geprägt vom Brummen der Generatoren, dem Surren von Kamikaze-Drohnen und dem Leben mit einem Kleinkind ohne verlässlichen Strom. Sie berichtet auch von der Angst vor einem Frieden, der keiner sein könnte.
01:05
Am 24. Februar 2022 marschieren russische Truppen in die Ukraine ein. Es ist die größte Militäroperation seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Wladimir Putin will Kiew einnehmen und ein Regime einsetzen, das seine Interessen unterstützt. Schnell explodieren die Getreidepreise. Wie konnte der russische Präsident mit dem Angriff auf die Ukraine die weltweiten Agrarmärkte derart destabilisieren? Diese Dokumentation entstand in Russland, der Ukraine und Ägypten, dem größten Getreideimporteur der Welt. Politische Entscheidungsträger und landwirtschaftliche Akteure analysieren, wie Agrarprodukte und insbesondere der Weizen für Moskau zu Druckmitteln wurden, die der Rüstungsindustrie und dem Erdölexport gleichkommen. Während seiner 20-jährigen Amtszeit hat Präsident Wladimir Putin die landwirtschaftliche Leistung seines Landes wiederhergestellt. Seit 2016 ist Russland der größte Weizenexporteur der Welt. Mit dem Einmarsch in die Ukraine - ebenfalls ein bedeutender Weizenproduzent - geriet auch der dortige Getreidesektor ins Visier der russischen Armee: Betriebe und Infrastruktur wurden zerstört, in den besetzten Gebieten fanden Enteignungen statt und die Ernte wurde eingezogen. Nach dem gescheiterten Einmarsch in Kiew konzentriert sich Russland seit dem Frühjahr 2022 auf die Eroberung der landwirtschaftlichen Gebiete im Osten und Süden der Ukraine - der dortige Boden ist mit seiner schwarzen Erde einer der fruchtbarsten der Welt. Für Moskau geht es darum, einen seiner größten landwirtschaftlichen Konkurrenten zu übernehmen und die Getreidemärkte weiter zu destabilisieren, um sie schließlich zu kontrollieren. Damit sichert sich der Kreml die Unterstützung zahlreicher Getreideimporteure aus dem globalen Süden, die immer weiter in russische Abhängigkeit geraten. Mit dem Einmarsch in die Ukraine will Putin nicht nur die Grenzen eines vergangenen Reichs wiederherstellen. Er möchte auch Russlands Macht als Agrarstaat stärken, um die Welt in neue Einflusszonen aufzuteilen. Um nationale Interessen durchzusetzen, sind ihm offenbar alle Mittel recht, auch wenn sie den grundlegenden Prinzipien und Werten der Vereinten Nationen widersprechen. Mit dem Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar 2022 begann für den russischen Präsidenten die Umsetzung seines Plans für eine neue Weltordnung.
02:00
Gegen Finanzhilfen und Visavergaben bringt die EU ihre Anrainerstaaten dazu, Mauern und Grenzzäune zu bauen sowie Geflüchtete aufzunehmen, um sich selbst nicht um sie kümmern zu müssen. Durch die Zahlung mehrerer Milliarden Euro brachte sie die Türkei dazu, Millionen von syrischen Kriegsgeflüchteten an der Weiterreise nach Europa zu hindern. In Libyen stattet sie die Küstenwache mit Material und Technologien aus, um Geflüchtete aus Subsahara-Afrika auf dem Meer zu stoppen - und nimmt dabei in Kauf, dass einige von ihnen in Internierungslagern gefoltert werden. Weiter südlich, in Niger, das als Migrations-Hauptroute gilt, finanziert sie ein Programm zur Wiederansiedlung ("Resettlement") schutzbedürftiger Geflüchteter, die in Libyen gestrandet sind. Außerdem bildet sie die nigrische Grenzpolizei im Kampf gegen illegale Einwanderung aus. Eine weitere Entwicklung dieser Grenz- und Geopolitik: Dänemark möchte überhaupt keine Asylbewerber mehr aufnehmen und hat angekündigt, dem Beispiel Großbritanniens folgen zu wollen. London hatte versucht, illegale Einwanderer für rund 150 Millionen Euro nach Ruanda auszuweisen. Diese Menschen dürften weder nach Großbritannien zurückkehren noch einen Asylantrag stellen - ein Verstoß gegen internationales Recht. Diese Politik der Externalisierung verzeichnet allerdings kaum Erfolge. Zwar gibt sie vor, Migranten lange und gefährliche Wege zu ersparen, in der Realität sehen sich diese Menschen dann jedoch gezwungen, noch geheimere und gefährlichere Routen auf sich zu nehmen wie in Niger. Außerdem gibt die EU ihren Verhandlungspartnern dadurch eine gefährliche Waffe in die Hand: Indem die EU diesen Staaten die Kontrolle über die Migrationsrouten überlässt, übergibt sie ihnen im Grunde die Schlüssel zur "Festung". So macht sich die EU erpressbar und geht ein geopolitisches Risiko ein. Denn diese Staaten müssen nur einige Tausend Migranten zur europäischen Außengrenze durchlassen, um Panik zu verursachen. So ermutigte Belarus 2021 Tausende von Menschen, die Grenze zu Polen zu überqueren, ähnlich wie es zuvor in Marokko mit Spanien sowie der Türkei mit Griechenland geschah.
02:55
In der Arktis steht der Winter vor der Tür. Die Temperaturen sinken auf bis zu minus 60 Grad Celsius. Dieser unwirtliche Ort ist das Zuhause einer jungen Schnee-Eule. Auf ihren Beutezügen legt sie viele Kilometer zurück; ihre ständige Suche nach Nahrung führt sie manchmal sogar in bewohnte Gebiete. Doch nicht nur die Schnee-Eule hat sich perfekt an extreme Lebensbedingungen angepasst. Die Federn des Wespenbussards, der in den Bergen Taiwans Hornissennester plündert, sind mit einer speziellen Beschichtung versehen, die ihn vor Stichen schützt. Der Sekretär wiederum, der im afrikanischen Grasland lebt, scheint auf Stelzen zu laufen. Mit seinen langen, kräftigen Beinen kann er Beutetiere packen, die fünfmal so schwer sind wie er selbst. Greifvögel entwickeln oft unerwartete Fähigkeiten und sind erfinderisch, wenn es darum geht, neue Nischen zu erobern. Waldkäuze prägen sich ihre Umgebung genau ein, um auch bei völliger Dunkelheit ihre bevorzugten Jagdplätze zu finden. Andere Arten setzen auf soziales Miteinander: Während die meisten Greifvögel Einzeljäger sind, schließen sich auf den Falklandinseln junge Falklandkarakaras zu Banden zusammen. Die Höhlenweihe kommt in fast allen Lebensräumen Afrikas südlich der Sahara zurecht. Mit ihren äußerst beweglichen Beinen kann sie die Nisthöhlen anderer Vögel inspizieren und die Küken herausholen. In Texas warten verschiedene Greifvögel jeden Abend geduldig darauf, dass rund 20 Millionen Fledermäuse die Höhle Bracken Cave verlassen, um ihre Beute zu machen, und der Riesenseeadler zieht im Winter an die entlegenen Küsten Nordjapans, um vom Beifang der Fischerboote zu profitieren. Greifvögel scheinen immer eine Lösung für extreme Herausforderungen zu finden. Doch wie sieht ihre Zukunft aus?
03:40
03:45
Fotos können unser Weltbild beeinflussen. Und jedes Foto hat eine Entstehungsgeschichte. Das Magazin "Mit offenen Augen" ordnet Bilder ein und erklärt Hintergründe. Moderatorin Sonia Devillers liefert faszinierende Aufschlüsse, die über den ersten Blick hinausgehen.
03:55
Joann Sfar zeichnet die Zeit nach dem 7. Oktober zwischen Paris, Ramallah und Tel Aviv: Der Zeichner, Schriftsteller, Regisseur und Professor veröffentlicht mit Terre de sang. Le temps du désespoir den dritten und letzten Band eines Zyklus über die Folgen des 7. Oktobers 2023. / Epstein-Files: Über drei Millionen freigegebene Dokumente, 2.000 Videos und Zehntausende Bilder
04:45
Drei Minuten über einen Star aus der Welt des Films, der Musik, Literatur oder Mode, einen Künstler, Sportler, Politiker oder Superhelden. In dieser Folge: Françoise Sagan.