05:25
Lana Dvalishvili hat sich vor Jahren für ein Leben im Bergdorf Kala entschieden. Als die Englischlehrerin damals dem Aufruf des Programms des georgischen Bildungsministeriums folgte, um in der Dorfschule in Kala zu unterrichten, war Englisch im wahrsten Sinne des Wortes für die meisten der Bewohner eine Fremdsprache. Das hat sich geändert. Denn obwohl Lana Dvalishvili den harten Winter nicht mag und ihre Familie und die Stadt oft so vermisst, dass das Heimweh sie überkommt, bleibt sie in dem entlegenen Bergdorf. Und dass, obwohl es der Schule an nahezu allem mangelt, nicht nur an Lehrern. Doch Lana Dvalishvili tut, was sie kann. Wenn das Geld bei den Familien oder in der Schule nicht reicht, kauft sie selbst Bücher und Hefte von ihrem Gehalt, auch wenn sie dafür sparen muss. Inzwischen ist es schon der vierte harte Bergwinter, den sie in Kala überstanden hat. Solange die Kinder an ihrer Seite sind, ihr vertrauen, sie lieben und von ihr lernen, weiß Lana Dvalishvili, dass auch sie es weiter schaffen wird. Ihre älteste Schülerin, die 18-jährige Mariam, hofft nicht zuletzt wegen ihrer guten Englischkenntnisse die Aufnahmeprüfungen an der Universität in der Hauptstadt Tiflis zu bestehen. Und den siebenjährigen Luka, ihren jüngsten Schüler, unterrichtet Lana bereits seit Beginn der ersten Klasse. Ob und wie es in der Dorfschule im Kaukasus gelingt, zu lernen und zu lehren, welche Herausforderungen und Abenteuer Schüler und Lehrer in Swanetien dabei erwarten, davon erzählt dieser Film.
06:20
Ein üppiges Sandwich aus Guadeloupe: Bokit / Ein Biss'chen Heimat: Nicolas und Thierry, zwei Guadelouper in England / Ran an die Töpfe!
06:50
Linda Lorin lädt auf eine Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Rumänien: Die spitze Feder von Cristian Fula? / Athen: jahrhundertealte Graffiti / Frankreich: Indranees Frühlingssalat / Schweiz: Hört den Genfer See!
07:35
Linda Lorin lädt auf eine Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Côte d'Azur: Maryline Desbiolles und die Wunden des Rassismus / Gujarat: Ahmedabad, Metropole der Moderne / Panama: Johvannas Hühnersuppe / Grönland: Die Pioniere des nordischen Indie-Rock
08:25
Im 4. Jahrhundert verlagerte Kaiser Konstantin das Zentrum der römischen Welt in den Osten. Am Bosporus entstand auf dem Gebiet der griechischen Stadt Byzantion nach und nach Konstantinopel - und mit der neuen Hauptstadt eine Zivilisation, die römisches Erbe, griechische Kultur und christlichen Glauben miteinander verband. Anlässlich der Eröffnung einer neuen Abteilung für byzantinische und ostchristliche Kunst im Pariser Louvre begibt sich der Dokumentarfilm auf Spurensuche in Istanbul, auf dem Sinai, in Italien, Griechenland und Serbien. Anhand von Handschriften, Mosaiken, Ikonen und archäologischen Zeugnissen zeichnet er das Porträt eines multikulturellen Reiches, das von Austausch und Handel ebenso geprägt war wie von religiösen und politischen Konflikten. Im 6. Jahrhundert wurde Byzanz unter Justinian zu einer Hochburg von Bau- und Bildkunst. Die Hagia Sophia und die Mosaiken von Ravenna zeugen von einem Herrschaftsanspruch, der sich als universal und gottgegeben verstand. Im 7. Jahrhundert führten arabische Eroberungen zu tiefgreifenden Gebietsverlusten und im 8. und 9. Jahrhundert erschütterte der Bilderstreit Byzanz. Hinter der Debatte um die Verehrung von Bildern stand zugleich ein politischer Konflikt um Macht und religiöse Hoheit. 1204 markierte die Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer einen entscheidenden Wendepunkt. Doch Byzanz blieb noch jahrhundertelang über seine Grenzen hinaus prägend. Seine Künstler und Gelehrten beeinflussten die italienische Renaissance und die europäische Kulturgeschichte nachhaltig. Bis zu seinem Untergang im Jahr 1453 gab das Reich seine Bilder, sein Wissen und einen wesentlichen Teil seiner Vorstellungswelt an die europäischen Kulturen weiter.
09:55
Die 537 eingeweihte Basilika Hagia Sophia in Istanbul ist ein architektonisches Meisterwerk mit wechselvoller Geschichte. Eintausend Jahre lang war sie die größte Kirche der Welt und das religiöse und symbolische Zentrum des ersten großen christlichen Reiches: Byzanz. Bis zur Eroberung Konstantinopels war die Hagia Sophia das größte Gotteshaus der Christenheit. Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 wandelten sie die Osmanen in eine Moschee um und fügten als äußeres Kennzeichen vier Minarette hinzu. Mit der Umwandlung der Moschee in ein Museum krönte Mustafa Kemal Atatürk 1934 schließlich seine laizistische Revolution. Als bei den damaligen Renovierungsarbeiten unter osmanischen Verzierungen sehr wertvolle Mosaike aus der byzantinischen Zeit freigelegt wurden, keimte das Interesse für die byzantinische Kunstgeschichte wieder auf. Es kommt einem Wunder gleich, dass die gigantische, etwas mehr als 50 Meter hohe Kuppel der Hagia Sophia bis heute auf ihren Pfeilern thront und ihre Kunstschätze die Jahrhunderte überdauerten, denn Istanbul wurde auf einer sehr aktiven seismischen Verwerfung errichtet. Experten rechnen mit einem großen Beben. Daher erforscht ein internationales Team, bestehend aus Architekten, Seismologen und Ingenieuren, die Erdbebensicherheit des Gebäudes. Sie hoffen, dabei auch versteckte Schwachstellen zu finden, um den Bau entsprechend zu stabilisieren und ihn für zukünftige Generationen zu erhalten. Die Hagia Sophia zeugt von einer faszinierenden Geschichte. Und möglicherweise hat der byzantinische Monumentalbau noch längst nicht alle Kunstschätze freigegeben, die noch in ihm ruhen.
11:25
Die Grafschaft Devon im Südwesten Englands hat mit fast 13.000 Kilometern das größte Straßennetz des Landes, bekommt aber zu wenig Geld von der Zentralregierung in London für die Instandhaltung. Deshalb schult die Grafschaft Anwohnerinnen und Anwohner als ehrenamtliche Straßenwärter, damit sie die kaputten Straßen in ihrer Nachbarschaft selbst reparieren können. Gerätschaften, Kaltasphalt oder Bitumenspray stellen die Gemeinden. Dermot McGough ist der inoffizielle Rekordhalter unter den Schlagloch-Helden von Devon. Der 44-jährige selbstständige Gerüstbauer lebt an der Nordküste der Grafschaft und hat schon rund 1.000 Straßenlöcher ausgebessert. Dafür nimmt er sich einen halben Tag pro Woche frei. An der Südküste von Devon versucht Rentnerin und Lokalpolitikerin Louise Wainwright mehr Ehrenamtliche für das Straßenwärter-Programm zu gewinnen. Nicht alle Bürger haben Lust mitzumachen, schließlich zahlen sie Steuern für gute Straßen. Louise Wainwright dagegen sieht im ehrenamtlichen Straßenbau eine Chance für die Demokratie auf dem Land. Die Freiwilligen könnten selbst wählen, welche Schäden sie reparieren und gewännen damit ein Stück politische Mitbestimmung zurück. In anderen Grafschaften wie West-Sussex dürfen Anwohnerinnen und Anwohner keine Straßen reparieren, deshalb hat Handwerker Harry Smith-Haggett den Weg des kreativen Protests gewählt. Der 24-Jährige pflanzt Blumen in die Schlaglöcher und hofft, dass er mit seinen Aktionen die Behörden zum Handeln bewegen kann.
11:55
Einer der berühmtesten Snacks Indiens: Samosa / Kulinarische Mitbringsel / Ran an die Töpfe!
12:25
Linda Lorin lädt auf eine Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Juliette Drouet, die von den Pyrenäen inspirierte Geliebte / Sevilla: In den Falten eines Flamencokleids / Schottland: Morvens Cheesecake mit geräucherter Forelle / Tunesien: Ein Pirat setzt die Segel
13:10
Linda Lorin lädt auf eine Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: 51° Kongo: Paul Lomami-Tshibamba und der Bann des Krokodils / Frankreich: Unbeugbare Xaintrie / Finnland: Lauris und Jussis geräucherter Barsch / Japan: Bühne frei für die Geisha!
14:00
Marlen und Fynn lernen sich durch ein Missgeschick kennen: Fynn löst als Zwischenmieter in einer Wohnung einen Rohrbruch aus und muss Marlen um Hilfe bitten. Marlen wiederum lässt niemanden bei sich hinein und komplimentiert ihn gewitzt wieder hinaus. Doch als Fynn in einem Gewitter vollkommen durchnässt wird, darf er für eine Nacht in ihre Wohnung - unter der Bedingung, nichts anzufassen und am nächsten Tag wieder zu gehen. Stattdessen versucht Fynn hartnäckig, Marlen von seiner Weltsicht zu überzeugen: Nur wer wenig hat, ist wirklich frei und hat Zeit für die wichtigen Dinge. Marlen hält dagegen und erklärt ihm, wie wichtig materielle Bindung und Wertschätzung sind. Diskutierend arrangieren sie sich erstaunlich gut - bis die Hausverwaltung nach dem Rohrbruch die gesamte Heizungsanlage austauschen will. Erstmals seit mehr als zehn Jahren drohen Menschen in Marlens Wohnung zu kommen, ein Alptraum. Jetzt ist Fynn dran, ihr zu helfen. Doch Marlen will nichts weggeben, ergänzt sogar immer wieder Neues. Erst in einem letzten Kraftakt finden die beiden gemeinsam eine ganz eigene Ordnung ... "Alles in bester Ordnung" feierte 2021 Premiere auf dem Filmfest Hamburg und startete 2022 bundesweit in den Kinos. Für ihre Regieleistung wurde Natja Brunckhorst auf dem Festival des deutschen Films in Ludwigshafen ausgezeichnet. Sie ist auch Schauspielerin und Drehbuchautorin. Mit 13 Jahren wurde sie auf dem Schulhof von Regisseur Uli Edel entdeckt und für die Titelrolle in "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" engagiert. Natja Brunckhorst ist Gründungsmitglied der Deutschen Filmakademie.
15:45
Noch vor wenigen Jahren waren Esel in Montenegro akut vom Aussterben bedroht. Dass es die einst auf dem Balkan zahlreichen, treuen Helfer der Bauern heute noch im Land gibt, ist vor allem Darko Saveljic zu verdanken. 2015 rettete der Biologe die erste Eselstute - ein Tier, das seine Besitzer unter elenden Bedingungen hielten. Kurz darauf nahm er zwei weitere Esel auf, die als Futter für Jagdhunde geschlachtet werden sollten. Inzwischen leben 59 Stuten und ein Hengst auf Darkos Eselfarm - hoch in den Bergen, 17 Kilometer von Montenegros Hauptstadt Podgorica entfernt. Sie heißen Drina, Julia, Haila, Mandarina, und jedes Grautier hat eine eigene Geschichte. Mandarina ist mit 40 Jahren die älteste Stute auf der Farm. Bevor Darko Saveljic sie zu sich holte, hatten ihre Besitzer sie jahrelang als Arbeitstier ausgebeutet, ohne zu bemerken, dass sie blind ist. Drina wiederum war das erste Fohlen auf der Farm - geliebt und verwöhnt von der ganzen Familie. Als ein Wolf ihre Mutter tötete, wurde das Eselfohlen wie ein Haustier behandelt. Mit der wachsenden Zahl an Tieren baute die Familie schließlich einen Stall und ein Auslaufgehege. Heute steht Drina mitten in der Herde - und wacht eifersüchtig darüber, dass sie weiterhin die meiste Zuwendung erhält. Was als private Rettungsaktion begann, ist zu einer Initiative mit Strahlkraft weit über Montenegro hinaus geworden.
16:20
Namibia ist ein Land voller einzigartiger Geschichten und atemberaubender Landschaften, die in der Dokumentation "Namibias Naturwunder - Leben am Limit" erforscht werden. Die Namib, eine der ältesten und trockensten Wüsten der Welt, ist das Reich der Anpassungskünstler, in dem das Überleben eine Herausforderung darstellt. Die Trockenheit und Hitze prägen hier das Leben. Die letzten Wüstenelefanten leiden unter der längsten Dürre seit Jahrzehnten, und nur noch etwa 150 dieser majestätischen Tiere leben in kleinen Herden und wandern täglich weite Strecken auf der Suche nach Futter und Wasser. Doch auch in einem ausgetrockneten Flussbett finden sie noch etwas Fressbares wie die Früchte des Kameldornbaumes. Die Sandwüste der Namib ist ein dynamischer Lebensraum, in dem Wind die Dünen formt und organische Materialien an den Grund der Dünen trägt, die für die Lebensgemeinschaften der Wüste von großer Bedeutung sind. Die Küste Namibias ist vollkommen anders als das Landesinnere. Hier treffen die Wellen des Atlantiks auf schroffe Klippen und weite Strände. Der Benguelastrom trägt sauerstoff- und nährstoffreiches Wasser in den Norden und zieht große Fischschwärme an, von denen Seebären profitieren. "Namibias Naturwunder - Leben am Limit" zeigt die Herausforderungen, mit denen die Tiere in Namibia in einer so extremen Umgebung konfrontiert sind und wie sie sich angepasst haben, um zu überleben. Von den Wüstenelefanten und Welwitschien bis hin zu den Küstenbewohnern wie Strandwölfen bietet die Dokumentation einen faszinierenden Einblick in die vielfältige Natur und Tierwelt Namibias.
17:05
Die Kalahari ist eine trockene und karge Wüste, die dennoch eine überraschende Artenvielfalt bietet. Eines der seltenen und faszinierenden Geschöpfe, die hier leben, ist das Steppenschuppentier. Es ähnelt einem possierlichen Dinosaurier und ist das einzige Säugetier, das Hornschuppen trägt. Über seine Lebensweise ist noch immer wenig bekannt. Als kleiner Wächter der Wüste beobachtet das Erdmännchen aufmerksam seine Umgebung und hält stets Ausschau nach Feinden. Zusammen mit seiner Kolonie geht es auf Futtersuche und buddelt sich durch den Boden auf der Suche nach Leckereien. Die wahre Leibspeise der Erdmännchen ist dabei überraschenderweise der Skorpion, den sie nach dem Entfernen des Giftstachels genüsslich aufessen. Im Nordosten Namibias liegen die großen Flüsse - der größte von ihnen ist der Sambesi. Hier führt eine Leitkuh eine Elefantenherde an. Elefantengesellschaften sind sehr komplex. Mütter mit ihren Kindern, Schwestern und Tanten mit ihrem eigenen Nachwuchs - sie alle bilden eine eng verbundene Familienherde. Wohl nirgendwo sonst in Afrika gibt es so viele Dickhäuter wie hier. Einst waren sie weit über den Kontinent verbreitet. Doch Afrikanische Elefanten werden immer seltener. Von den trockenen Savannen bis zu den weiten Flusslandschaften: Namibia ist das Land der tausend Gesichter, Wunder und Geschichten. Es ist eine Welt der kleinen Helden und großen Jäger.
17:50
Im Osten der Türkei, auf über 1.600 Metern Höhe und nahe der Grenze zum Iran, liegt der Vansee, der größte Sodasee der Welt. Trotz eisiger Winter friert der See nicht zu. Dazu trägt auch seine Tiefe bei: An manchen Stellen ist er bis zu 450 Meter tief. Sein hochalkalisches Wasser erstreckt sich über mehr als 100 Kilometer. Doch die Region, in der der See liegt, vertrocknet zunehmend. Der Wasserspiegel sinkt, an manchen Stellen bereits um mehrere Hundert Meter. Ufer ziehen sich zurück. Bedroht sind dadurch nicht nur die Perlbarbe, eine einheimische Fischart, die im Salzwasser überleben kann, sondern auch die monumentalen, bis zu 50 Meter hohen Mikrobialiten unter Wasser - uralte, korallenähnliche Gesteinsformationen aus der Vorzeit. Klimaexperten, Umweltingenieure, Tierärzte und Imkerinnen zeigen die faszinierende Welt des Vansees. Die Osttürkei sieht sich seit Jahren großen Dürreperioden ausgesetzt. Eine Agraringenieurin führt Tests zur Tröpfchenbewässerung durch, denn Wasser ist die wichtigste Ressource in Anatolien und sie wird knapp. Am Rande der örtlichen Universität trägt die "Katzenvilla" dazu bei, das vielleicht geheimnisvollste Tier der Region zu bewahren: die Van-Katze mit ihren verschiedenfarbigen Augen. Die Reihe "Stille Wasser" erkundet große europäische Seen - den Saimaa in Finnland, den Van-See in der Türkei, den Alqueva-Stausee in Portugal und den Balaton in Ungarn. Die vier Folgen zeigen die Bedeutung dieser einzigartigen Ökosysteme und Möglichkeiten, diese zu schützen.
18:35
Der Saimaa, Europas viertgrößter Süßwassersee, liegt im Südosten Finnlands an der Grenze zu Russland. Er gehört zur Region Karelien und ist Finnlands bedeutendstes Süßwassersystem - eine verwinkelte, malerische Seenlandschaft mit Tausenden Inseln. Hier ist ein sehr seltenes Tier zu Hause: die Süßwasser-Ringelrobbe. Doch immer wärmere Winter machen ihre Fortpflanzung schwierig, denn sie benötigt genügend Schnee und Eis für die Höhlen, in denen sie ihre Jungen großzieht. Tierschützer haben sich etwas einfallen lassen und helfen kurzerhand nach. Das Gleichgewicht der Sumpf- und Moorlandschaften rund um den Saimaa ist vom Torfabbau bedroht. Die Folge: zerstörte Natur, sterbende Fische und verschmutztes Wasser. Ökologen versuchen, diesen großen Problemen mit einfachen Maßnahmen zu begegnen. Sie nehmen sich der Renaturierung von Sümpfen und Mooren an, wodurch seltene Säugetiere wie zum Beispiel der Vielfraß an den Saimaa zurückkehren. Aber auch die Holzwirtschaft setzt den See durch ihre Entwässerungsgräben einer zu hohen Nährstoffbelastung aus. Um Abhilfe zu schaffen, verblüfft ein umtriebiger Umweltwissenschaftler mit einer simplen Methode - ausgerechnet mit Hilfe von Holz. Zusammen mit örtlichen Enthusiasten werden alte Weihnachtsbäume im See versenkt, mit erstaunlichen Ergebnissen. Die Reihe "Stille Wasser" erkundet große europäische Seen - den Saimaa in Finnland, den Van-See in der Türkei, den Alqueva-Stausee in Portugal und den Balaton in Ungarn. Die vier Folgen zeigen die Bedeutung dieser einzigartigen Ökosysteme und Möglichkeiten, diese zu schützen.
19:20
"ARTE Journal", das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur
19:35
"Mit offenen Karten im Fokus": Täglich drei Minuten Aktuelles und Analysen
19:40
Für Bashar Qaryuti ist jeder Krankentransport ein Risiko. Straßensperren zwingen den palästinensischen Rettungssanitäter zu Umwegen, sein Wagen wurde mehrfach von israelischen Siedlern angegriffen, sein Kollege wurde bei einem Einsatz erschossen. Der 43-Jährige dokumentiert die Übergriffe und spricht mit Opfern von Siedlergewalt, wie der Familie Tubasi aus Jalud. Nach wochenlanger Belagerung durch Siedler musste sie aus ihren Häusern fliehen. Bis Ende August 2026 registrierten die Vereinten Nationen mehr als 1.600 Angriffe israelischer Siedler auf Palästinenser im Westjordanland, mehr als 2.300 Palästinenser wurden vertrieben. Vor allem für radikal-religiöse, nationalistische Siedler wie Ilana und Yehuda Shimon ist das Westjordanland Teil des biblischen Landes Israel. Das tiefreligiöse Ehepaar lebt in Havat Gilad, einst ein illegaler Außenposten, den die israelische Regierung nach eigenen Angaben 2018 legalisierte. Seit 2022 wurden insgesamt mehr als 100 neue Siedlungen oder bereits bestehende Außenposten nachträglich genehmigt oder legalisiert. Und die israelische Regierung plant den Bau weiterer Siedlungskomplexe. Siedlergewalt sei vor allem Notwehr, so sieht es Nethanel von Boxberg. Der gebürtige Deutsche lebt in der Siedlung Neve Daniel in der Nähe von Jerusalem, für ihn ein Ort wie jeder andere in Israel. Zum Einkaufen allerdings nimmt er oft eine Pistole mit, um sich im Notfall verteidigen zu können. Während sich die Israelis im Westjordanland - auch mit Gewalt - weiter ausbreiten, fühlen sich Palästinenser wie Bashar Qaryuti zunehmend eingekesselt.
20:15
"Israel - Welches Land wollen wir?" dokumentiert in Israel über mehr als drei Jahre die Geschichte der Protestbewegung gegen die Regierung von Benjamin Netanjahu. Die Demonstranten und Demonstrantinnen wenden sich vor allem gegen die umstrittene Justizreform der Regierung, die zum Brennglas für eine größere Kontroverse über die Zukunft des Landes wird. Die Justizreform löste die größte und längste Welle pro-demokratischer Proteste in der Geschichte Israels aus, die jedoch durch den Angriff der Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 abrupt beendet wurden. Was folgt, ist ein Krieg von beispielloser Dauer und gesellschaftlicher Tragweite, in dem die Demonstranten hin- und hergerissen sind zwischen der Notwendigkeit, Israel vor äußeren Feinden zu verteidigen, und dem Protest gegen die eigene Regierung. Sie werfen der Regierung vor, den Krieg als Vorwand zu nutzen, um demokratische Institutionen zu schwächen. Der Film begleitet ein Dutzend prominente Persönlichkeiten der israelischen Protestbewegung: einzelne Demonstranten genau wie die Organisatoren des Protestes. "Israel - Welches Land wollen wir?" zeigt ihre Hoffnungen, ihren Schmerz, ihre Dilemmata und den persönlichen Preis, den sie zahlen, um die Zukunft ihres Landes mitbestimmen zu können. Der Dokumentarfilm zeigt zudem die Mechanismen auf, die rechtspopulistische Regierungen anwenden, und ist zugleich eine Warnung: dass jede Demokratie fragil ist und niemals als selbstverständlich angesehen werden darf. Nicht zuletzt wird Israels Zivilgesellschaft porträtiert und von der Macht erzählt, die Bürger haben, wenn sie ihre Stimme erheben.
21:55
Der Kibbuz Nir Oz steht symbolhaft für das tragische Scheitern einer Idee. Am 7. Oktober 2023 wurde die Gemeinschaft nahe der Grenze zum Gazastreifen von den Hamas-Angriffen schwer getroffen: Fast ein Viertel der Bewohner wurde ermordet, entführt oder vertrieben. Unter den Opfern war auch Chaïm Peri, einer der Gründer des Kibbuz. Der ehemalige Fallschirmjäger, der sich später als Künstler, Filmemacher und Friedensaktivist engagierte, starb Monate nach seiner Verschleppung in Geiselhaft. Peri und seine Mitstreiter hatten über vier Jahrzehnte hinweg das Leben in Nir Oz und der umkämpften Grenzregion dokumentiert. Ihr Archivmaterial, kombiniert mit den Erzählungen der Überlebenden, zeichnet das Bild einer Gemeinschaft, die zwischen Idealismus und Realität zerrieben wurde. Nir Oz war einst ein Symbol des sozialistisch-zionistischen Traums - ein Ort, an dem kollektives Leben und der Glaube an eine bessere Zukunft im Mittelpunkt standen. Doch die Hoffnung auf Frieden und Sicherheit erwies sich als trügerisch. Chaïm Peri verkörperte diesen Widerspruch wie kaum ein anderer. Als Soldat hatte er in allen großen Kriegen Israels gekämpft, doch später wurde er zu einer der prägenden Stimmen der Friedensbewegung "Peace Now". Unermüdlich kritisierte er die Besatzung der palästinensischen Gebiete, ohne dabei seine Verbundenheit zum Kibbuz oder zum Staat Israel infrage zu stellen. Für ihn war klar: Sicherheit kann es nur mit Frieden geben - eine Überzeugung, die in der zunehmend militarisierten und polarisierten israelischen Gesellschaft immer weniger Gehör fand. Der Dokumentarfilm erzählt nicht nur die Geschichte dieses Ortes, sondern wirft grundlegende Fragen auf: Was bedeutet das Scheitern von Nir Oz für das Selbstverständnis Israels - und für die Zukunft zweier Völker, die seit Jahrzehnten um dasselbe Land kämpfen?
22:55
An der Südspitze der arabischen Halbinsel, zwischen Indischem Ozean und Rotem Meer, liegt der Jemen an einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Rund 30 Prozent des globalen Containerverkehrs passierten einst seine Küsten - bis eine pro-iranische Miliz westliche, insbesondere israelische Schiffe angriff. Doch dieser Vorfall ist nur das jüngste Kapitel einer Tragödie, die seit einem Jahrzehnt andauert: Der Jemen ist zum Schauplatz eines erbitterten Machtkampfs geworden, in dem lokale Milizen und regionale Mächte um die Vorherrschaft ringen. Im Zentrum steht die Kontrolle über die Meerenge Bab al-Mandab, den entscheidenden Zugang zum Suezkanal. Im Norden des Landes halten die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen die Berge besetzt - und stehen damit im Visier Israels. Im Süden dominiert eine von Golfmonarchien geführte Koalition die Küstenregionen. In den Wüstengebieten im Osten operieren dschihadistische Gruppen wie Al-Qaida. Der Jemen zerfällt in immer kleinere Machtbereiche - eine politische und militärische Zersplitterung, die sich stetig verschärft. Seit über zehn Jahren dokumentieren die Filmemacher Miyuki Droz Aramaki und Sylvain Lepetit diese verflochtenen Konflikte, die in der Berichterstattung nur selten vorkommen. Anfang 2026 gelang ihnen der Zugang nach Aden, der größten Hafenstadt des Südjemen. Auch anhand der Stimmen von Kulturschaffenden zeigen sie ein Land, das weit mehr ist als das Klischee von Kämpfern mit Kalaschnikows und Kat-Konsum: Der Dichter Amr Al-Eryani harrt in den Ruinen Adens aus, der Maler Murad Subay setzt sich wie die Aktivistinnen Nadwa Dawsari und Shireen Al-Adeimi für Frieden ein. Die Dokumentation enthüllt die kulturelle Vielfalt des Landes und entlarvt zugleich die Mechanismen einer humanitären und geopolitischen Katastrophe. Dazu gehören Propagandabilder der Milizen, die hilflosen Versuche einer kaum existenten Nationalmarine und die militärischen Interventionen der USA, Israels, Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate. Mit präzisen Analysen zeichnet die Dokumentation die komplexen Strukturen eines Konflikts nach, der längst nicht mehr nur ein Bürgerkrieg ist, sondern ein Stellvertreterkrieg von globaler Dimension.
23:55
Viele Israelis blicken mit Sorge auf die nationalreligiösen und rechtsextremen Strömungen in der Politik. Erstmals kommt es zu einer Allianz zwischen den Nachfolgern von Rabbi Abraham Isaac Kook, die die Wiedererrichtung des biblischen Großisrael fordern, und den Erben des Rassisten Meir Kahane. Zwei Männer verkörpern diese Allianz: Itamar Ben-Gvir, Minister für Nationale Sicherheit, und Finanzminister Bezalel Smotrich, der auch für den Siedlungsausbau zuständig ist. Sie verfolgen eine gemeinsame ideologische Agenda: die Annexion der besetzten Gebiete. Die Dokumentation porträtiert die beiden Politiker und berichtet zugleich vom Widerstand jener Israelis, die das Ende der Demokratie in ihrem Staat befürchten. Für das Land, den Nahen Osten und die Welt steht viel auf dem Spiel. Denn es geht nicht nur um sicherheitspolitische und moralische Fragen einer möglichen Annexion der besetzten Gebiete: Die radikale Politik der aktuellen israelischen Regierung läuft Gefahr, die geopolitischen Allianzen, die Israel seit Staatsgründung im Jahr 1948 eingegangen ist, grundlegend zu verändern. Die Dokumentation wurde im Sommer 2023 in Israel und den israelisch besetzten Gebieten gedreht.