19:40
Kein Gehirn, kein Schmerzempfinden - und doch sind sie äußerst wirkungsvoll: Austern gelten als stille Helfer der Meere. Sie filtern Wasser, schützen Küsten und hinterlassen dabei kaum Spuren im Ökosystem. In der Bretagne widmet sich die Familie Cahue seit Generationen der Zucht dieser besonderen Muscheln. Einst galten Austern als Arme-Leute-Essen. Später wurden sie zum Inbegriff feiner Tafelkultur - auch Casanova schwor auf ihre Wirkung. Lucie zeigt, wie wandelbar sie heute noch sein können: gratiniert mit Salicornia, nussig verfeinert oder süß interpretiert mit Buttermilch und Apfel. Zwischen Handwerk, Geschichte und neuen Rezepten: Eine Sendung, in der sich Tradition und Kreativität aufs Schönste begegnen.
20:15
Rauschende Feste prägen die Sommer des russischen Hochadels Anfang des 19. Jahrhunderts. Doch am westlichen Horizont ballen sich Gewitterwolken zusammen. Napoleon Bonaparte überzieht ganz Europa mit Kriegen und marschiert im Juni 1812 auch in Russland ein. Im September erobern die Truppen des französischen Kaisers Moskau. Der "Vaterländische Krieg" erschüttert nicht nur das Russische Reich, sondern auch das Leben der Familie Rostow in ihren Grundfesten. Doch nicht nur auf den Feldern der Ehre werden Schlachten geschlagen. Die Tochter der Familie, Natascha, kann sich mit der geplanten Vernunftheirat mit Prinz Andrej Bolkonski nicht anfreunden. Ihr Herz gehört Anatol Kuragin. Und auch Graf Pierre Bezukow hat ein Auge auf die junge Aristokratin geworfen ... Umgeben von der Grausamkeit des Krieges kämpfen die Protagonisten um ihr Glück, ihre persönlichen Schicksale vermischen sich mit der großen Tragödie. Audrey Hepburn spielt in dieser Tolstoi-Adaption die Natascha mit großer Intensität.
23:35
Der legendäre 73-jährige Walzerkönig Johann Strauss war gesundheitlich nicht mehr in der Lage, eine neue Operette zu komponieren. Er gab aber dem Drängen des Theaterdirektors Franz Jauner und seiner geschäftstüchtigen dritten Ehefrau Adele nach und ließ von Adolf Müller jun. eine Operette unter seinem Namen und aus seinen bereits vorliegenden Tanzmelodien zusammenstellen. Der Text dazu stammt von Victor Léon und Leo Stein. Die Uraufführung fand am 25. Oktober 1899 im Wiener Carltheater statt. Regisseur Nikolaus Habjan inszeniert das berühmte Werk mit seinen spritzigen Melodien, packender Leidenschaft und zauberhaftem Charme im Sommer 2025 an einem selten bespielten Ort: im historischen Theater von Schloss Schönbrunn in Wien.
02:00
Thibaut lebt allein mit seinem siebenjährigen Sohn Gabriel in Frankreich. Vor Jahren hatte er den Jungen im Senegal adoptiert, als er in der Gedenkstätte Gorée arbeitete. Gabriels leibliche Mutter Awa verschwand damals spurlos und ließ das Kind bei ihm zurück. Heute wirkt Gabriel zunehmend verschlossen, zeichnet unablässig die Silhouette einer Person mit Dreadlocks und verliert mehr und mehr die Freude am Alltag. Thibaut erkennt, dass er seinem Sohn Antworten zu seiner Herkunft schuldig ist - und kehrt mit ihm nach Westafrika zurück, auf die Insel Gorée. Doch die Suche nach Awa erweist sich als schwieriger als gedacht. Unterstützung findet Thibaut bei Boubacar, einem Kellner, der ihre Spurensuche begleitet. Immer deutlicher wird, dass es nicht nur Gabriels Herkunft ist, die ans Licht drängt: Auch Thibauts eigene Vergangenheit holt ihn ein. Er erinnert sich an Miles, einen Afroamerikaner, den er damals im Senegal kennenlernte. Miles war auf der Suche nach seinen Wurzeln in der Geschichte der Sklaverei - die beiden wurden ein Paar und kümmerten sich gemeinsam um den kleinen Gabriel. Zwischen der Sehnsucht des Sohnes nach Zugehörigkeit, den offenen Fragen der Vergangenheit und der Konfrontation mit den Schatten der Geschichte entsteht ein vielschichtiges Bild von Familie. Ist es wirklich Gabriels leibliche Mutter, die ihm Halt geben kann - oder liegt die Antwort in einer neuen Art von Gemeinschaft, die Thibaut erst noch für sich zulassen muss?
03:35
Das Fjell charakterisiert den Norden Finnlands, Norwegens und Schwedens. In der Sprache der Ureinwohnerinnen und Ureinwohner Lapplands, der Samen, heißen die erodierten Bergkuppen eines der ältesten Gebirge der Welt "Tunturi". Der Überlieferung zufolge sind die Kuppen schlafende Riesen. Hier liegt das Reich der Rentiere, Vielfraße, Füchse, Schnee-Eulen, Moorschneehühner, Wiesel, Bären, Lachse und Buckelwale. Die Dokumentation beobachtet ihr Verhalten und beleuchtet die zahlreichen Glaubensvorstellungen und Mythen in Verbindung mit diesen Tieren, die in den sagenumwobenen Bergen, Seen und Flüssen Lapplands heimisch sind.
04:20
Die Fähigkeit, über sich selbst nachzudenken, ist für den Menschen ein großes Geschenk: Sie erlaubt es zum Beispiel, in Erinnerungen zu schwelgen oder Pläne für die eigene Zukunft zu schmieden. Doch gleichzeitig erlaubt sie es auch, sich selbst in Frage zu stellen. Menschen können erkennen, dass ihre Erinnerungen höchst unzuverlässig sind. Wir wissen heute, dass Farben in der Natur eigentlich nicht vorkommen, sondern eine Vorstellung sind, die Auge und Gehirn aus Wellenlängen schaffen. Sogar ob so etwas wie die Realität überhaupt erkennbar ist, lässt sich infrage stellen. Dazu kommen ein Hang zur Selbstüberschätzung und weitere kognitive Verzerrungen. Doch ist es deshalb angebracht, sich selbst das Vertrauen zu entziehen? Die Sendung spürt dieser Frage nach. Viele Fehler und Unzulänglichkeiten können einen evolutionären Sinn oder zumindest eine evolutionäre Erklärung haben. Wie viel Selbstkritik und Selbsterkenntnis sind also gut? Sind sie der Schlüssel zum richtigen, guten Leben oder lähmen sie und machen unglücklich? Und was könnte eine Weigerung, sich mit der eigenen Beschränktheit auseinanderzusetzen, für andere bedeuten?
04:49
In einem kleinen Dorf in Afrika gebärt eine Frau einen kleinen Jungen. Doch dass das Kind mit weißer Hautfarbe zur Welt kommt, damit hat niemand gerechnet. Der Mann und vermeintliche Kindsvater sucht nach einer logischen Erklärung und wird bald fündig ...