05:00
Das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems ist nur über eine einzige Brücke erreichbar. Sie liegt abgeschieden in der Ostsee - eine Lage, die für das Institut von herausragender Bedeutung ist. Denn hier lagern gefährliche Viren: Ebola, Tollwut, Schweinepest, Krim-Kongo-Fieber oder Sars-CoV-2. Die Einrichtung ist eines von nur drei Laboren auf der ganzen Welt - und das einzige in Europa -, in dem unter Hochsicherheitsbedingungen gefährliche Tierseuchen an lebenden Großtieren wie Rindern oder Schweinen erforscht werden können. Die Forschenden arbeiten daran, die Ausbreitungswege dieser neuen Erreger zu verstehen und Impfstoffe zu entwickeln. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn Viren sind längst globale Player geworden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Seucheninsel Riems setzen alles daran, schneller zu sein als sie. Die Afrikanische Schweinepest (ASP), die aus Osteuropa auf dem Vormarsch ist, hat Frankreich noch nicht erreicht. In Deutschland aber wurden im Herbst 2020 erstmals an ASP verendete Wildschweine gefunden. Um jeden Preis muss verhindert werden, dass die Seuche sich weiter ausbreitet. In Deutschland grassiert sie bisher nur unter Wildschweinen; doch die Gefahr ist groß, dass das Virus auch in Schweinemastbetriebe getragen wird. Für Deutschland wäre ein Ausbruch eine wirtschaftliche Katastrophe, denn das Land ist der drittgrößte Schweinefleischproduzent der Welt. Ein vielversprechender möglicher Impfstoff wird in Riems getestet. Wird er die Lösung bringen?
05:55
Die nördlichen Vogesen gelten als Wiege der Kristallherstellung in Europa. Vor allem drei französische Manufakturen haben Weltruhm erlangt: die Werkstätten Saint-Louis und Lalique sowie das Internationale Zentrum für Glaskunst in Meisenthal. Dort herrscht erst recht zu Weihnachten alle Jahre wieder Hochbetrieb. Die Nordvogesen sind wie gemacht für die Kristallherstellung. Hier entstehen schon seit Generationen glänzende, durchsichtige, glitzernde Kristall-Körper. Wandernde Glasmacher im 16. Jahrhundert wählten diese Region, weil hier alle natürlichen Ressourcen vorkommen, die für die Herstellung von Glas und Kristall unerlässlich sind: feinster Sand aus Flüssen und Gestein, ausreichend Holz für die pausenlos befeuerten Brennöfen und auch reichlich Wasser zur Kühlung des Glases. Die Arbeit der Glasmacher ähnelt seit jeher der Choreographie eines Balletts. Jeder und jede weiß, was zu tun ist. Alle Arbeitsschritte sind im Sekundentakt aufeinander abgestimmt. Nur dann kann die flüssige, rund 1400° Celsius heiße Glasmasse Qualität und Perfektion erlangen. Nach stundenlangem, vorsichtigem Abkühlen wird das Kristall geschnitten, geformt und poliert. Auch in den Werkstätten von Meisenthal, rund 50 km nordöstlich von Straßburg, sind die Öfen Tag und Nacht in Betrieb. Gerade jetzt, kurz vor Weihnachten, herrscht hier Hochkonjunktur. Im Fokus der Glasmacher stehen Tannenbaumkugeln aus Glas, allesamt Entwürfe von Designern. Kein Wunder, dass Weihnachten hier so kunstvoll zelebriert wird. Schließlich sagt man, dass vor allem die romantische Landschaft der Vogesen die Menschen hier schon immer angetrieben haben mag, Märchenhaftes zu kreieren.
06:50
Ob in der Küche, der Industrie oder im menschlichen Körper - Salz ist unverzichtbar. Doch woher kommt das "weiße Gold"? Die Île de Ré vor der französischen Atlantikküste ist bekannt für ihre Salinen. Hier betreiben James Renou und seine Freundin Maud einen Salzgarten, in dem sie Meersalz nach alter Tradition ernten. Im österreichischen Salzkammergut baut Bergmann Alexander Köberl den mineralischen Schatz tief unter der Erde ab. Von der historischen Bedeutung des Salzes - das einst als Zahlungsmittel diente und um das sogar Kriege geführt wurden - bis zu seinem umstrittenen Status in der modernen Ernährungswissenschaft: Salz bietet reichlich Stoff für Geschichten. Die Deutsch-Französin Lucie kombiniert Salziges mit Süßem und Saurem: Es gibt cremiges Salzkaramell und aromatische Salzzitronen.
07:20
(1): Ousmane Sembène: Die Neuerfindung des senegalesischen Kinos (2): Agen: Die Trockenpflaume als Kulturerbe (3): Jamaika: Lauras Ziegenfleisch-Curry mit Nudeln (4): Wien: Der Retter der Mütter
08:05
(1): Max Havelaar - oder wie ein Roman Indonesiens Schicksal veränderte (2): Batik, wenn Indonesien ein Stoff wäre (3): Indonesien: Pujis gedämpfter Fisch im Bananenblatt (4): Indonesien: Ein revolutionärer Wissenschaftler
08:55
Schon im 17. Jahrhundert legte der niederländische Kolonialismus den Grundstein für einen lukrativen Drogenhandel. Opium aus Indonesien finanzierte den Aufstieg des Handelsimperiums, später folgte auf Java der Anbau von Kokapflanzen - die Basis für Amsterdams frühe Kokainproduktion. Selbst als internationale Verbote im Ersten Weltkrieg den Handel offiziell beendeten, überlebte das System im Untergrund. In der Zwischenkriegszeit entstand so ein illegaler Markt, der bis heute nachwirkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg schien der Drogenhandel zunächst Geschichte. Doch die 1960er Jahre brachten einen radikalen Wandel: Mit der Gegenkultur stieg die Nachfrage nach Haschisch aus Marokko und Heroin vom indischen Subkontinent. Die Niederlande reagierten mit einer einzigartigen Strategie - der Trennung von sogenannten harten und weichen Drogen. Coffeeshops sollten den Konsum regulieren, doch gleichzeitig festigten sich kriminelle Strukturen. Figuren wie Klaas Bruinsma, der "niederländische Al Capone", stiegen zu mächtigen Drogenbaronen auf. In den 1990ern wurde das Land zum Epizentrum der synthetischen Drogen: Ecstasy-Pillen fluteten Europa, die Gewinne flossen in Immobilien und in die Realwirtschaft. Als die alte Unterwelt-Generation verschwand, übernahmen junge Kriminelle aus den Arbeitervierteln - ihr Fokus lag auf Kokain, der neuen Profitdroge. Die Dokumentation zeigt, wie aus kolonialen Handelswegen ein modernes Netzwerk entstand, das bis heute Europas Drogenmarkt prägt.
09:45
Der zweite Teil der Dokumentation beginnt in den 2000er Jahren in Europa und verfolgt den Aufstieg von in den Niederlanden eingewanderten Schwerverbrechern, darunter Gwenette Martha oder Ridouan Taghi, die zu den Hauptansprechpartnern für südamerikanische Kokain-Händler werden. Um ihre Interessen zu verteidigen, schreckt ihre Organisation vor beispielloser Gewalt nicht zurück. Morde an Anwälten und Journalisten, Vergeltungsakte mit Kriegswaffen sowie Drohungen gegen die Königsfamilie erschüttern das Land. Überlebende Drogenhändler verschlägt es nach Dubai, das Handelsparadies des Nahen Ostens, von wo aus sie ihre Geschäfte über verschlüsselte Kommunikationsplattformen weiterführen. Als es den Polizeibehörden um die Jahreswende 2020 gelingt, die Plattformen zu knacken, glaubt man den Heiligen Graal gefunden zu haben: Es folgen Tausende Verhaftungen von Drogendealern, Rekord-Beschlagnahmungen von Waffen, Bargeld und Drogen sowie die Identifizierung unzähliger Handlanger, die im Verborgenen Geldwäsche betrieben haben. Doch die kriminellen Banden reorganisieren sich in Windeseile - und werden noch agiler und mobiler als vorher. Ein weiterer Beweis für die Widerstands- und Beschaffungsfähigkeit der Verbrecher ist der nahezu stabile Preis für ein Gramm Kokain. Mitte der 2020er Jahre sind sich Richter, Polizeikräfte und europäische Zollbeamte in einem Punkt einig: Der Drogenhandel ist die größte Bedrohung für die innere Sicherheit Europas.
10:55
Idyllisch und friedlich - so scheint das Leben in der Auvergne in Frankreich. Seit etwa 10.000 Jahren sind hier die Vulkane erloschen, doch in ihnen schlummern noch immer Geheimnisse. Diesen will Arnaud Guérin zusammen mit dem Vulkanforscher Pierre Boivin auf den Grund gehen. Zuerst geht es die Luft: An Bord eines Heißluftballons fliegen sie über die prächtige Vulkankette Chaîne des Puys. Vor mehr als 8.600 Jahren brach hier zum letzten Mal ein Vulkan aus - doch vielleicht brodelt es hier inzwischen wieder: Kürzlich wurden bedeutende Magmavorräte in der Tiefe entdeckt, die einen erneuten Ausbruch denkbar machen. Die nächste Station auf der Reise führt Arnaud in das Bergmassiv Monts Dore, in dem sich ein sagenumwobener Kratersee befindet: der Lac Pavin. Aufgrund seiner vulkanischen Aktivitäten galt er früher als verflucht. Von der Luft übers Wasser geht es nun unter die Erde: Arnaud und Pierre lassen sich mehr als 25 Meter in die Tiefe der Grotte Creux de Soucy abseilen. Dort unten können sie die vulkanische Geschichte der Umgebung nachzeichnen. Pierre ist sich sicher, es wird einen neuen Ausbruch geben, die Frage ist nur wann. Auch heute schon birgt das erloschene Vulkangebiet Risiken: Arnaud wagt sich in die Grotte du Chien, in der eine hohe Kohlendioxidkonzentration herrscht. Auf Kopfhöhe besteht keine Gefahr, doch am Boden würde man bereits nach einer Viertelstunde ersticken. Weniger gefährlich, dafür umso schöner ist die Felskirche Saint-Michel d'Aiguilhe, die auf einem Vulkanschlot in 90 Metern Höhe thront. Die Idylle der Auvergne lässt vergessen, dass die Feuerriesen nur schlafen - jederzeit könnten sie wieder erwachen.
11:25
Was Europa bewegt
11:55
(1): Texas, das Königreich des Barbecues (2): Kulinarische Mitbringsel (3): Ran an die Töpfe!
12:25
(1): Franche-Comté: Schauplatz von Stendhals "Rot und Schwarz" (2): Die Vjosa: Der ungezähmte Fluss der Albaner (3): Ruanda: Michels Kartoffeleintopf (4): Mexiko: Eine blutige Weltmeisterschaft
13:10
(1): Großbritannien: Die Eisenbahnkinder (2): Die Herrscher der Karpaten (3): Griechenland: Aris Kabeljau mit Zitrone (4): Dänemark: Aufständische Jugend
14:00
Bad Blake hat nicht nur vier Ehen, sondern bald auch sein Leben hinter sich, das unaufhaltsam in die Selbstzerstörung treibt. Alkohol und Frauen sind die einzigen Konstanten, wenn der ehemalige Country-Music-Star gelangweilt durch den amerikanischen Südwesten tingelt. Als er aber Jean kennenlernt - Journalistin und alleinerziehende Mutter -, verdrängt plötzlich Romantik die Routine, und der Endfünfziger erlebt spätes Familienglück. Doch wie schon früher bleibt er selbst das größte Hindernis, wenn das Mögliche dauerhaft Realität werden soll. Bad ist 57 Jahre alt und tourt immer noch mit seinen alten Hits durch drittklassige Bierkaschemmen und heruntergekommene Bowling-Schuppen. Sein grölendes Publikum ist so alt wie er - und ebenso desillusioniert und trinkfreudig. Bald wird er völlig in Vergessenheit geraten sein. Lediglich wenn er für seinen ehemaligen Protegé Tommy Sweet, der es zu Ruhm und Reichtum gebracht hat, ein Konzert eröffnen darf, fühlt er sich an alte, bessere Tage erinnert. Bad kämpft sich von einem alkoholumnebelten Gig zum nächsten, bis er eines Tages in Santa Fe auf Jean Craddock trifft. Die Journalistin ist eine Frau ganz nach seinem Geschmack, mehr noch, er verliebt sich Hals über Kopf in sie. Aber Bad kennt sich selbst nur zu gut und macht der Frau und sich keine Hoffnungen. Und Jean, alleinerziehende Mutter mit viel Lebenserfahrung und noch mehr Enttäuschungen, setzt keinen Cent auf den abgetakelten Musiker. Dennoch - Liebe folgt ihren eigenen Gesetzen, und so können die beiden nicht voneinander lassen. Aber kann das gutgehen? Bad kann schließlich kaum auf sich selbst aufpassen. Wie soll er sich also um jemand anderen kümmern? Trotzdem. Er gibt sich Mühe, kämpft und ist entschlossen, seine letzte Chance auf Glück zu nutzen ...
16:00
Die Geschichte beginnt in der Taiga, im Grenzgebiet zwischen Finnland und Russland. Dort zieht sich ein rund 20 Kilometer breiter und etwa 1.300 Kilometer langer Korridor durch unberührten Wald - ein Niemandsland, das im Lauf der Zeit zum Rückzugsraum für Grauwölfe geworden ist. Der Fotograf Olivier Larrey und der Aquarellmaler Yves Fagniart wollen, jeder auf seine Weise, die Verbundenheit eines Wolfsrudels in Bildern festhalten. Dazu beziehen sie eine winzige Jagdhütte. Vom Wintereinbruch bis zum darauffolgenden Herbst harren sie dort aus - mit kurzen Unterbrechungen, um Vorräte aufzufüllen. Sie lernen, sich wochenlang kaum zu bewegen, eins zu werden mit der Natur, so wenig und so leise wie möglich zu sprechen. Aus nächster Nähe werden sie zu faszinierten, aber auch besorgten Zeugen der fragilen Schönheit der Wildnis. Die Perspektive bleibt gleich - und verändert sich doch mit jedem Tag. Schwarze Kolkraben im weißen Schnee werden zum künstlerischen Motiv, ein vorbeiziehender Vielfraß sorgt für überraschende Momente. Schließlich wird ihre Geduld belohnt: Das Wolfsrudel erscheint. Yves Fagniart und Olivier Larrey erleben mit, wie der Vielfraß von den Wölfen angegriffen wird, und beginnen, das Rudel zu beobachten, zu zeichnen und zu fotografieren. Sie geben jedem Tier einen Namen. Das größte Geschenk: Nachwuchs, der im Lauf der Jahreszeiten vor ihren Augen heranwächst.
16:55
Im Schatten einer malerischen Burg im Süden Deutschlands leben skurrile Vögel, die wie Fabeltiere anmuten: Waldrappe. In einem künstlichen Nistplatz brütet in Burghausen die erste Kolonie der Ibisvögel in Mitteleuropa. Bis ins Mittelalter waren die gänsegroßen Tiere mit dem dunklen Gefieder weit verbreitet. Doch sie wurden gejagt und vor etwa 400 Jahren ausgerottet. Zwar überlebten einige wenige Tiere in Marokko und Syrien, doch erst in Zoos konnten sie in größerer Zahl erfolgreich gezüchtet werden. Naturschützer kamen auf die Idee, Waldrappe auszuwildern. Sie starteten ein aufwendiges Projekt. Denn die Nachkommen von Zoovögeln mussten von Menschen lernen, wohin sie ins Winterquartier fliegen müssen. Mit Ultraleichtfliegern wurde ihnen der Weg von Burghausen nach Italien gezeigt. Von allein kehrten die Vögel zurück und brüten seit 2011 erfolgreich an der Burgmauer der Kleinstadt. Corinna Esterer und Oliver Habel vom Waldrappteam beobachten in Burghausen die Brutkolonie. Denn noch ist die Zahl der Vögel klein und jedes Küken besonders wertvoll. Auf die jungen Waldrappe lauern viele Gefahren: Müll im Nest, Attacken von Feinden und Stromschlag. Von März bis November greifen die Vogelfreunde ein, wenn es nötig ist. Erstmals beobachtet eine Kamera am Nest hautnah die gesamte Brutzeit. Und nie zuvor gelang es, einem Waldrapp eine Kamera auf den Rücken zu schnallen und seinen Flug aus der Vogelperspektive zu erleben. Ein Jahr lang folgt der Film den Tieren von Deutschland bis nach Italien. Werden es die frei geborenen Waldrappe schaffen, wild zu leben wie einst ihre Ahnen?
17:50
Das Kardamomgebirge ist Heimat für Kambodschas wildlebende Elefanten. Im Schutzgebiet Phnom Samkos dokumentieren Kamerafallen das geheime Leben der letzten wilden Herden. Auch extrem seltene Tiere wie der Gaur oder der scheue Nebelparder streifen hier durch den Dschungel. Tierschützer wie Samorn Vireak hoffen, durch moderne Technik bedrohte Arten besser schützen zu können, bevor sie für immer verschwinden. Doch nicht nur die Tier-, sondern auch die Pflanzenwelt ist außergewöhnlich: Der Adlerholzbaum etwa liefert das Rohmaterial für eines der teuersten Duftöle der Welt - das sogenannte "Oud". Die Südliche Batagur-Schildkröte, auch Königsschildkröte genannt, galt einst in Kambodscha als ausgestorben. Heute ist sie eines der Nationaltiere Kambodschas. In einer Zucht- und Auswilderungsstation der "Wildlife Conservation Society" im südlichen Kardamomgebirge werden die Schildkröten liebevoll aufgezogen und nach Jahren ausgewildert. Eine Reise durch das Kardamomgebirge zeigt einen einzigartigen und dennoch bedrohten Lebensraum. Ranger, Biologen und Dorfbewohner setzen sich gemeinsam für den Erhalt der Artenvielfalt ein.
18:35
Das Kardamomgebirge im Südwesten Kambodschas ist eine grüne Schatzkammer der Biodiversität. Zahlreiche Menschen setzen sich mit Hingabe für den Schutz dieses einzigartigen Lebensraums ein: ehemalige Jäger, die heute Pangoline retten, eine Dorfgemeinschaft, die wilden Kardamom nachzüchtet oder zwei leidenschaftliche Orchideenscouts, die neue Arten entdecken und katalogisieren - was nicht immer ungefährlich ist. Der Herpetologe und "Wild Earth Allies"-Projektmanager Neang Thy erforscht Reptilien und Amphibien - viele von ihnen noch unbekannt oder endemisch. Seine Funde liefern wichtige Daten zum Verständnis der Artenvielfalt und unterstreichen die ökologische Bedeutung der Region. Orchideenscouts sammeln und bewahren seltene wilde Pflanzen für wissenschaftliche Zwecke. Dabei halten sie ihre Fundorte streng geheim. Denn Diebe stehlen die begehrten Orchideen und verkaufen sie zu hohen Preisen. Außerdem bedroht die Abholzung des Waldes die seltenen Pflanzen. Im größten Regenwald Kambodschas liegt die Schönheit der Natur oftmals im Verborgenen: vom scheuen Gibbon bis zur zarten Orchidee, von glasklaren Wasserfällen bis zu nebelverhangenen Baumriesen.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Irlands Drogenkrise trifft alle Schichten der Gesellschaft, ist aber in den sozialen Brennpunkten besonders sichtbar. Nathalie O'Donoghue wächst im Limericker Stadtteil Moyross auf, dem größten sozialen Wohnprojekt des Landes. Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit prägen den Alltag vieler Familien. Nathalie gerät früh in die Drogenszene, wird mit 15 Jahren Mutter und entwickelt eine Kokainabhängigkeit. Heute hat sie fünf Kinder, ihre älteste Tochter Alisha ist bereits selbst Mutter. Als Nathalie zum fünften Mal schwanger ist, begreift sie, dass sich etwas ändern muss. Sie stellt sich ihrer Sucht in einer Therapieeinrichtung für Mütter. Ihr größter Antrieb ist die Angst, ihre Kinder zu verlieren - und der Wunsch nach einem Leben ohne Drogen. In Dublin arbeiten die jungen Streetworker Lena Dolan und Jonas Moretti jeden Tag mit Menschen, deren Alltag von Kokain und Crack bestimmt wird. Sie erleben, wie alltäglich der Konsum geworden ist und wie die Zahl der Abhängigen wächst. Aber warum ist Kokain auf der Grünen Insel so billig und so einfach zu bekommen? Im Süden Irlands zeigt sich eine weitere Facette der Krise: Strenge Fangquoten der EU sorgten für den Niedergang der Fischerei und trieben so manchen Fischer in die Illegalität. Bis zu 20 Tonnen Kokain werden jährlich von Frachtschiffen vor der Küste ins Meer geworfen und von kleinen Booten an Land gebracht. Die zerklüftete Küste mit ihren zahllosen Buchten und Inseln begünstigt den Drogenschmuggel. Patrick Murphy, ehemaliger Fischer, bekommt das Sterben seiner Branche hautnah mit. Er musste sein Trawler-Fischerboot verkaufen und setzt nun auf Muschelzucht. Wie konnte sich die Droge so tief in Irlands Gesellschaft verankern? Gibt es einen Ausweg aus der Abhängigkeit?
20:15
Erster Farbfilm von Western-Genius John Ford: Zur Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges zieht das jungvermählte Paar Gilbert und Lana Martin nach Upstate New York ins Mohawk Valley. Als britische Truppen und indigene Stämme immer wieder Angriffe unternehmen, müssen sich Lana und Gil ihr Glück ständig neu erkämpfen. In dem Jahr, in dem Gilbert und Lana Martin an der amerikanischen Ostküste heiraten, erklären die dortigen britischen Kolonien ihre Unabhängigkeit vom Mutterland. Gil und Lana suchen ihr Glück als Siedler in Upstate New York, ihre neue Heimat wird das Mohawk Valley. Dem Krieg können sie dort nur kurz entfliehen. Bald muss auch Gil zu den Waffen greifen, um seine Farm zu verteidigen. Nach ersten Gefechten kehrt für kurze Zeit Ruhe ein, doch es dauert nie lange bis zum nächsten Angriff. Gil und Lana schlagen sich durch, gründen eine Familie. Nach einer trügerisch friedlichen Zeit greifen die Briten mit Unterstützung indigener Kämpfer noch einmal an. Diese letzte Belagerung verlangt den Kolonisten größte Anstrengungen und Opfer ab. Mitreißend, hochdramatisch und in Technicolor inszeniert Western-Ikone John Ford mit den großen Hollywood-Stars Henry Fonda und Claudette Colbert in den Hauptrollen den Überlebenskampf eines jungen Ehepaares an der amerikanischen Ostküste zu Zeiten des Unabhängigkeitskrieges. Für die Leistung der Nebendarstellerin Edna May Oliver in der Rolle der Witwe McKlennar gab es 1940 eine Oscarnominierung.
21:55
Saul Ausländer gehört im NS-Konzentrationslager zum Sonderkommando, einer Spezialeinheit jüdischer Häftlinge, die gezwungen werden, an der eigenen Vernichtung mitzuwirken. Bei der Arbeit entdeckt er die Leiche eines Jungen, von dem er spürt, er könne sein Sohn sein. Während das Sonderkommando eine Rebellion plant, schwört sich Saul, eine unmögliche Aufgabe zu erfüllen: den Körper des Kindes vor den Flammen zu retten und einen Rabbiner zu finden, der das Kaddisch-Gebet rezitiert und dem Jungen eine angemessene Beerdigung zuteilwerden lässt ... Auschwitz-Birkenau, das Hauptvernichtungslager der Nazis, operiert wie eine Fabrik. Im Herbst 1944 ist Saul Ausländer dort Mitglied des Sonderkommandos. Seine Aufgabe ist es, die Menschen in die Räume zu begleiten, sie sich ausziehen zu lassen, sie in die Todeskammern zu schicken - und dann Haare, Schmuck und Goldzähne herauszuholen. Es muss schnell gehen, da andere Konvois mit Deportierten schon warten. Als Entlohnung für diese Tätigkeit gewährt die Lagerleitung einen viermonatigen Aufschub der eigenen Vernichtung. Eines Tages beobachtet Saul, wie ein Junge das Gas überlebt, von einem deutschen Arzt eigenhändig getötet und zur Obduktion geschickt wird. Intuitiv fühlt er, dass dieses Kind sein Sohn sein könnte, und entscheidet, dass er ihm um jeden Preis ein rituelles Begräbnis nach der jüdischen Tradition verschaffen will. Dafür braucht er einen Rabbiner, der das Kaddisch-Gebet rezitieren kann. Saul ist von diesem Gedanken besessen und bereit, alles und jeden in Gefahr zu bringen, um seine Mission zu erfüllen. Durch den hartnäckigen Eigensinn, mit dem er seinen Plan verfolgt, gefährdet er mehr als einmal den Plan zu einem Aufstand, den seine Kameraden vom Sonderkommando entwickeln. Er riskiert viele Leben für das tote Kind. "Son of Saul" handelt von der verzweifelten Suche nach Menschlichkeit an einem Ort unmenschlicher Barbarei.
23:35
Die sogenannten Protokolle der Weisen von Zion werden im Gründungsdokument der Terrororganisation Hamas ebenso propagiert wie von Rechtsextremisten und White Supremacy Communities weltweit. Rechtspopulistische Parteien nutzen sie, um das Feindbild geheimer jüdischer Mächte und korrupter "globalistischer" Eliten mit ihren internationalen Konferenzen wie dem World Economic Forum in Davos zu konstruieren. Antisemitische Zerrbilder rund um die Hauptmotive der Protokolle sind auf sublime Weise Teil des kulturellen Mainstreams geworden. Auch die russischen Propagandastrategie rund um den Ukrainekrieg setzt den Verschwörungsmythos ein: "Globalistische" westliche Eliten stünden hinter dem jüdischen Präsidenten Selenskyj. Die Zion-Protokolle beeinflussten Adolf Hitler in seinem Buch "Mein Kampf" und werden von Experten für das mörderische ideologische Programm der Nazis mitverantwortlich gemacht. Manche Historiker gehen sogar so weit zu sagen: Ohne die Protokolle als "Vollmacht für den Völkermord" hätte es den Holocaust so nicht gegeben. Die Verschwörungsmythen der Protokolle treiben bis heute Attentäter an - wie etwa jene der Anschläge auf die Synagogen von Halle und Pittsburgh. Nach einem kurzen historischen Rückblick auf die ungeklärten Umstände der Entstehung richtet sich der Fokus auf die ungebrochene Anziehungskraft der Protokolle bis heute. Als vermeintlich "jüdischer Masterplan" scheinen sie wie geschaffen für ein Zeitalter, in dem Verschwörungsnarrative Teil der Alltags- und Popkultur sind.
00:30
Reinette l'Oranaise wurde im algerischen Tiaret als Tochter eines marokkanischen Rabbiners und einer jüdischen Algerierin geboren. Infolge einer schlecht behandelten Pockenerkrankung verlor sie mit zwei Jahren vollständig das Augenlicht. In der Blindenschule von Algier lernte sie die Brailleschrift und das Stuhlflechten. Auf Betreiben ihrer Mutter wurde sie von Messaoud El Medioni, genannt Saoud l'Oranais, einem Sänger und virtuosen Hawzi-Geiger, zur Musikerin ausgebildet. Er führte sie in die arabisch-andalusische Musik ein und nahm sie in sein Orchester auf. Ihre erste Toneinspielung war ein Duett mit ihrem Lehrer auf Schellackplatte. Im Alter von 26 Jahren gelang ihr der Durchbruch. Zweimal wöchentlich trat sie in Sendungen von Radio Alger auf, begleitet von Musikern wie dem Klaviervirtuosen Mustapha Skandrani. Saoud l'Oranais eröffnete ein orientalisches Musikcafé in Paris und Reinette folgte ihm. Im März 1943 wurde er vom Sammellager Drancy aus deportiert und wenige Tage später im Vernichtungslager Sobibor ermordet. Kurz zuvor hatte er Reinette in sein Künstlercafé in Oran zurückgeschickt, was ihr das Leben retten sollte. In der Heimat sang sie bei jüdischen und muslimischen Familienfeiern. Doch die Karriere der algerischen Jüdin verschmolz mit der Geschichte ihres Landes: 1962, nach dem Ende des Algerienkriegs, wanderte sie nach Frankreich aus, wo für sie eine lange, schmerzliche Zeit des Rückzugs und der Einsamkeit begann. Schon fast vergessen, ließ sie sich von Maurice Hattab, Musikliebhaber und Moderator bei Radio Beur, sowie von Philippe Houmous, Journalist bei der Tageszeitung "Libération", zur Rückkehr in die Öffentlichkeit ermutigen und feierte im Théâtre de la Bastille ihr Comeback. Es folgten Auftritte im Olympia, im New Morning, im Café de la Danse und bei zahlreichen internationalen Konzerten. Am 17. November 1998 erlosch ihre Stimme für immer. Sie wurde von der Académie Charles-Cros ausgezeichnet und mit dem französischen Orden Commandeur des Arts et des Lettres geehrt.
01:35
Als die 35-jährige Agnieszka von der unheilbaren Krankheit ihrer Mutter erfährt, beschließt sie, in ihr polnisches Heimatdorf zurückzukehren und sich um sie und ihren noch minderjährigen Bruder Milosz zu kümmern. Der Tod der Mutter schweißt die Geschwister zusammen: Agnieszka beschließt, in Polen die Adoption ihres jugendlichen Bruders zu beantragen, doch über eines kann Agnieszka weder mit ihrem Bruder noch sonst jemandem in dem kleinen Dorf sprechen - über ihre Liebe zu Majka, die inzwischen in Frankfurt lebt. Seit 15 Jahren sind die beiden Frauen ein Paar. Sie stammen aus derselben Gegend und wollen eigentlich zusammen in Deutschland leben. Mit Agnieszkas Entscheidung, in Polen zu bleiben, steht die Beziehung zu Majka vor der Frage: Wie können die beiden zusammenbleiben in einem Land, in dem gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht anerkannt sind und wo homosexuelle Paare keine Kinder adoptieren dürfen? Die Dokumentation erzählt in unvergesslichen Bildern eine Geschichte über die Kraft der Liebe in einer unkonventionellen Familie irgendwo im Nirgendwo.
02:30
Eddie Murphy, afroamerikanischer Kino- und Comedyheld, wurde in den 1980er- und 1990er-Jahren zur weltweit erfolgreichen Popikone. Seine Karriere begann als Stand-up-Comedian im US-Fernsehen, mit Kinohits wie "Beverly Hills Cop" wurde er zum Superstar - schillernd, selbstbewusst und stilprägend. Später stieg er zu einem der mächtigsten afroamerikanischen Produzenten der Filmindustrie auf. Murphy steht für eine Generation selbstbewusster schwarzer Künstler, die gesellschaftliche Tabus nicht scheuen. In seinen Filmen und Sketchen thematisiert er Identitätsfragen, rassistische Vorurteile und soziale Ungleichheit - oft mit satirischer Schärfe und Witz. Seine Rollen sind ihm auf den Leib geschrieben, seine Kunst immer auch ein Akt der Selbstbehauptung. Murphys afroamerikanische Identität bildet das Zentrum seiner Arbeit. Er trägt dazu bei, das Bild des "schwarzen Mannes" im westlichen Kino nachhaltig zu verändern - weg von Stereotypen, hin zu komplexen, starken Figuren. Durch seinen künstlerischen und wirtschaftlichen Erfolg wurde er zu einem Wegbereiter für kommende Generationen und zu einer Symbolfigur im Kampf gegen Ausgrenzung und Rassismus in der US-Unterhaltungsindustrie.
03:20
03:25
Fotos können unser Weltbild beeinflussen. Und jedes Foto hat eine Entstehungsgeschichte. Das Magazin "Mit offenen Augen" ordnet Bilder ein und erklärt Hintergründe. Moderatorin Sonia Devillers liefert faszinierende Aufschlüsse, die über den ersten Blick hinausgehen.
03:40
Das Kulturmagazin des Senders ARTE wird täglich aus Paris gesendet. Aktuelle Themen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft stehen im Zentrum der Sendung und werden versiert unter die Lupe genommen.