18:35
Cremona in Norditalien ist das Mekka des Geigenbaus. Wo einst Meister wie Stradivari und Guarneri unübertroffene Instrumente schufen, wird das jahrhundertealte Handwerk noch heute zelebriert. Doch in den zahlreichen Werkstätten geben nach wie vor meist Männer den Ton an. Die Französin Bénédicte hat sich von diesem Vorurteil nicht aufhalten lassen. Einst kam die studierte Musikwissenschaftlerin nach Cremona, um sich ihren Traum zu erfüllen. Heute führt sie erfolgreich ihr eigenes Atelier. Wie eine Handvoll anderer Meisterinnen - darunter ihre Freundin Elisabetta, die den Geheimnissen historischer Instrumente nachspürt - kämpft Bénédicte mit weiblicher Intuition und absoluter Perfektion um Anerkennung in einer hochgradig traditionellen Branche. Nun steht sie vor einer besonderen Bewährungsprobe: Der französische Geiger Quentin träumt von einem maßgefertigten Konzertinstrument aus Cremona und vertraut auf Bénédictes Kunstfertigkeit. Für die Geigenbauerin beginnt eine intensive Reise. Sie startet hoch oben im Val di Fiemme, wo 200-jährige Fichten das begehrte Tonholz liefern. In ihrer Werkstatt formt sie das Holz anschließend in monatelanger, einsamer Präzisionsarbeit. Es ist ein täglicher Balanceakt zwischen handwerklichem Geschick und künstlerischer Hingabe. Jeder Handgriff beeinflusst den Charakter der Geige. Nach Wochen der Stille und Vorfreude wird Quentin das Instrument zum ersten Mal anspielen. Wird der Klang der neugeborenen Geige die hohen Erwartungen des Musikers erfüllen?
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Tägliche Drohnenangriffe, Internetblockaden und verschärfte Visabestimmungen. Der russisch-ukrainische Krieg kommt diesen Sommer mit voller Härte zu seinem Verursacher zurück. Auch die Hauptstadt bleibt nicht mehr verschont. Ein anonymer ehemaliger Aktivist berichtet, wie sich Moskau in den letzten Monaten verändert hat. Es passt zu der zunehmend repressiven Politik, dass im ganzen Land neue Stalin-Denkmäler eingeweiht werden. Wie sehr die sowjetischen Muster in Russland zurückkehren, davon erzählt die "Memorial"-Mitgründerin Irina Scherbakova. Und auch wenn es scheint, dass der Widerstand in Russland mit aller Härte unterdrückt wird, beweisen zwei Schwestern, dass Widerstand in Sibirien noch möglich ist. Mit naiv anmutender, aber tiefgreifender Kritik an der patriarchalen Politik Moskaus halten die beiden Künstlerinnen der Gesellschaft den Spiegel vor - und begeben sie sich immer wieder in Gefahr, verhaftet zu werden. Einige Frauen in Russland, die täglich von viel Gewalt umgeben sind, suchen derweil Ablenkung bei einem erstaunlichen Social Media-Phänomen. Auf der Suche nach einem anderen Typ Mann haben sie eine Gruppe junger, muskulöser Männer in Deutschland entdeckt. Die Techno-Influencer tanzen jetzt im Internet für ihre neue Zielgruppe: russische Frauen.
20:15
70 Prozent der Erdoberfläche sind von Ozeanen bedeckt. Während Mond und Mars nahezu vollständig kartiert sind, ist der Meeresgrund bislang zu weniger als einem Promille erforscht. Die Tiefsee - der größte Lebensraum unseres Planeten - bleibt weitgehend unbekannt. Warum ist das so? "Faszination Tiefsee" folgt der Dramaturgie einer vertikalen Reise: Ebene für Ebene führt die Kamera hinab - von der lichtdurchfluteten Oberfläche bis in die tiefsten Regionen der Ozeane. Unter extremen Bedingungen - Kälte, Dunkelheit und enormem Druck - existieren hochspezialisierte Lebensformen. Der Film zeigt Tiefseebewohner, deren Lebenszyklen menschliche Zeitmaßstäbe oft sprengen. Gleichzeitig erweist sich die Tiefsee als Labor der Evolution und als Schlüsselraum für zukünftige Innovationen. Forschende untersuchen Organismen, deren biochemische Anpassungen neue Impulse für Medizin und Technologie liefern könnten. Die Tiefsee ist jedoch längst bedroht: Industrielle Fischerei, Tiefseebergbau und Rohstoffinteressen gefährden empfindliche Ökosysteme, deren Regeneration Jahrhunderte dauern kann. Zugleich ist die Tiefsee die größte Kohlenstoffsenke der Erde und von zentraler Bedeutung für das globale Klima. Der Film verknüpft Wissenschaft, Kulturgeschichte und Psychologie zu einer vielschichtigen Erzählung über das Verhältnis des Menschen zum Unbekannten - und zeigt, warum wir nur schützen können, was wir verstehen.
21:40
Mehrere Dutzend Forschende des französischen Meeresforschungsinstituts Ifremer ergründen auf der Mission "Bicose 3" in bis zu 3.500 Metern Tiefe die unzugänglichsten Orte der Tiefsee. 45 Tage lang untersuchen sie an Bord des Expeditionsschiffes "Pourquoi Pas ?" sowie mit dem Tiefsee-U-Boot "Nautile" unberührte Ökosysteme und gewinnen zahlreiche Erkenntnisse. Es ist ein Projekt, das sich durch seine Einzigartigkeit, den Einsatz moderner Technologie und internationale Zusammenarbeit auszeichnet. Bis heute ist nur wenig über die Tiefsee bekannt. Doch eines ist sicher: In der Nähe der aktiven hydrothermalen Quellen entlang des Mittelatlantischen Rückens wimmelt es von Leben - in völliger Finsternis, unter extremen Druck- und Temperaturbedingungen. Es wird geschätzt, dass sich rund 80 Prozent der marinen Biomasse in der Tiefsee befindet und ein Großteil davon noch unerforscht ist. Es geht also um viel. Doch diese unberührte Natur ist in Gefahr: Im Gebiet um erloschene hydrothermale Quellen liegen Millionen Tonnen von seltenen Erden und Mineralien, die Begehrlichkeiten in der Industrie geweckt haben. Angesichts dieser Bedrohung liefern sich die Forschenden einen Wettlauf gegen die Zeit. Ozeanografische Expeditionen nehmen zu, um diese besonderen Lebensräume zu verstehen und zu schützen.
22:35
Mit einem 15 Meter langen Segelschiff nimmt ein Expeditionsteam Kurs auf A23a, einen der größten und ältesten Eisberge der Erde. Seine Mission ähnelt der von Astronauten, die zur Erforschung eines fremden Planeten aufbrechen. Der 70 Kilometer lange und 60 Kilometer breite Eisgigant wurde in den Gewässern östlich von Kap Hoorn verortet, die zu den gefährlichsten der Welt gehören. A23a entstand 1986 in der Antarktis durch einen Schelfeisbruch. Seitdem driftet der 300 Meter dicke und knapp eine Billion Tonnen schwere Eisblock, dessen Fläche ungefähr der von Mallorca entspricht, durch freies Gewässer. Sichtbar ist nur eine 30 Meter hohe Steilwand, die restlichen 90 Prozent befinden sich unter Wasser. Doch A23a ist mehr als nur ein Eisberg: Seine Geschichte ist lang und komplex, geprägt von Stillständen und Kehrtwendungen. Strömungen und Stürmen ausgeliefert, wechselte er etliche Male den Kurs, und das mineralhaltige Wasser, das ihn umgibt, wurde zum Lebensraum für viele Tierarten. All das macht ihn zum perfekten Hauptdarsteller eines Abenteuerfilms. Nach 39 Jahren steuert dieser Eisriese 2025 eine Insel an, die zahlreichen Vogel- und Meeressäugetierarten Lebensraum bietet. Deren Fortbestehen hängt jetzt von A23a ab. Genau zu diesem Zeitpunkt erreicht das Expeditionsteam den Eisberg.
23:25
Mit "Die Reise der Pinguine" feierte Luc Jacquet 2005 einen weltweiten Triumph und gewann den Oscar für den besten Dokumentarfilm. In "Rückkehr zum Land der Pinguine" reist er erneut in die Antarktis und erschafft mit spektakulären Schwarz-Weiß-Bildern ein eindrucksvolles Porträt ihrer Natur. Das filmische Reisetagebuch zeigt eisige Küsten, endlose weiße Landschaften und eine erstaunlich vielfältige Tierwelt. Gemeinsam mit Kameramann Christophe Graillot reist Luc Jacquet von Patagonien über die Magellanstraße und Feuerland bis zum antarktischen Eisschild. Die Wiederbegegnung mit den Kaiserpinguinen macht die Reise zu einer bewegenden Rückkehr an seinen Sehnsuchtsort.