16:40
Michelangelo war ein Künstler wie kein anderer. Mit seinem kreativen Geist eckte er nicht selten an und fand sich im Zwiespalt zwischen seinen künstlerischen Idealen und der Unnachgiebigkeit seiner Auftraggeber wieder. In der Sixtinischen Kapelle schuf er im Abstand von 30 Jahren zwei atemberaubende Meisterwerke, die insgesamt fast zehn Jahre seiner Lebenszeit in Anspruch nahmen. Nach der Fertigstellung des revolutionären Deckenfreskos im Trompe-l'oeil-Stil widmete er sich dem Werk, das als Höhepunkt seines Schaffens gilt: "Das Jüngste Gericht". Das Fresko mit knapp 400 nackten Figuren, das sich über die 15 Meter hohe Altarwand der Kapelle erstreckt, fasziniert in jeder Hinsicht. Nach seiner Enthüllung im Jahr 1541 wurde das Gemälde zunächst als Meisterwerk gefeiert und vom Papst Paul III. sowie den Kritikern der damaligen Zeit gelobt. Da Nacktheit in der Renaissance allgemein akzeptiert war, stieß die Darstellung der nackten Figuren nicht auf Widerstand. Die Virtuosität des Künstlers schien damit besiegelt. Doch fast 40 Jahre später entbrannten heftige Diskussionen. Pietro Aretino, einflussreicher Schriftsteller, Begründer der modernen literarischen Pornografie und Meister der Erpressung, goss Öl ins Feuer: Unsittlich. Sündhaft. Gotteslästerung. Schließlich berief der Papst das Konzil von Trient ein, um die Kirche zu reformieren und neue Beschlüsse zu erlassen. Michelangelo war fast 90 Jahre alt, als 1564 - nach zwei Jahrzehnten der Kontroversen - schließlich das unwiderrufliche Urteil fiel: "Das Jüngste Gericht" muss zensiert werden.
17:35
In den prächtigen Räumlichkeiten der Galleria Borghese in Rom lässt John Eliot Gardiner, der als größter lebender Monteverdi-Spezialist gilt, zusammen mit dem Monteverdi Choir und den English Baroque Soloists die Musik von Claudio Monteverdi und die Malerei von Michelangelo Merisi da Caravaggio aufeinandertreffen. 1610 weilten sowohl Monteverdi als auch Caravaggio in Rom, wo sie sich jedoch nie begegneten. Die beiden Künstler hatten einen völlig unterschiedlichen Lebenswandel, verfolgten kreativ jedoch das gleiche Ziel: Sie wollten die Intensität der menschlichen Emotionen in ihrer ganzen Bandbreite ausdrücken und vermitteln. Vor den sechs Caravaggio-Gemälden, die im Saal des Silen in der Galleria Borghese in Rom zu sehen sind, offenbart John Eliot Gardiner auf musikalische Weise, wie ähnlich sich die beiden Genies tatsächlich waren. So demonstriert er eindrucksvoll, wie die Technik des "Chiaroscuro", die dramatische Verwendung von Licht und Schatten in Caravaggios Werk, sich bei Monteverdi im Wechsel von Dissonanz und Konsonanz wiederfindet. Auch griffen beide in ihren Werken erstmals erotische Themen auf, was für die damalige Zeit revolutionär war. "Gemeinsam haben Monteverdi und Caravaggio in ihren jeweiligen Disziplinen die Grenzen der darstellenden Kunst verschoben wie niemand zuvor und damit in Malerei und Musik eine Zeitenwende herbeigeführt", erklärt John Eliot Gardiner. Der musikalische Spaziergang, der fast wie ein kleines Privatkonzert anmutet, führt vorbei an Gemälden und Skulpturen aus dem 17. Jahrhundert durch die üppige Pracht der Galleria Borghese und ihrer Parkanlagen in Rom.
18:25
Ein künstlerisches und humorvolles Spiel mit Klischees bietet dieses Magazin. In jeder Folge werden dabei bestimmte Eigenheiten der Franzosen und Deutschen unter die Lupe und auch aufs Korn genommen.
18:35
Die Kintoa-Schweine von Bettan Pribat und Bastien Garat haben noch nie einen Stall gesehen. Die alte baskische Rasse ist an ein Leben in der freien Natur gewöhnt - ebenso wie die Schafe und die Kühe. Das Fleisch der Tiere verarbeiten die beiden Bauern zu Schinken, Würsten und Fleischkonserven, die sie in regionalen Netzwerken vermarkten. In Xiberoa, der kleinsten der historisch sieben baskischen Provinzen, wird traditionell Weidewirtschaft betrieben. Elorri Aizager zieht den Sommer über mit ihren Schafen und Ziegen auf die Hochalm und produziert Käse. Die Freunde kochen gerne gemeinsam und genießen ihr Landleben in einer rauen, hügeligen Natur. Sie sind Landwirte aus Überzeugung.
19:10
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:30
Der 39-jährige Ramadan Ibn Abd an-Nabi ar-Ranan ist Sufi-Musiker und lebt mit seiner Frau und seinen drei Töchtern sowie der Zweitfrau seines verstorbenen Vaters und ihren Kindern in Ad-Dayr, einem Städtchen im Süden Ägyptens. Mehrmals die Woche tritt er bei Moulids auf, den Geburtstagsfeiern muslimischer Heiliger, und begleitet mit seiner kraftvollen und leidenschaftlichen Stimme den Tanz der Sufis. Die islamischen Mystiker versetzten sich mit Hilfe von Musik und Tanz in Ekstase - auf der Suche nach dem Einssein mit Gott. Die Dokumentation gewährt Einblicke in die liberale Geisteswelt der Sufis, einer muslimischen Strömung, die aus dem gesellschaftlichen und religiösen Leben Ägyptens nicht wegzudenken ist. Etwa 15 Millionen Menschen gehören in Ägypten unterschiedlichen Sufi-Orden an. In Zeiten des erstarkenden politischen Islam setzen sie mit ihrer freiheitlichen Auslegung des Glaubens ein starkes und mutiges Zeichen. Die Dokumentation zeigt auch das familiäre Leben des Musikers, die Träume und Lebensentwürfe vor allem der Frauen in diesem großen Familienverband. Da ist die 54-jährige Ikram, die mit 14 Jahren den Vater Ramadans, den Sufi-Musiker Ar-Ranan, heiratete und zusammen mit dessen Erstfrau elf Kinder großzog. Ikram steht selbstbewusst für das traditionelle Ägypten. Warda geht andere Wege. Sie ist Computerfachfrau und begeisterte Leserin. Die Dokumentation ist ein Fenster in eine unglaublich heterogene, fremde, bunte, aber auch bitterarme Welt eines Städtchens am Nil, in dem neben Bildung auch der freiheitliche Geist der Sufis den Frauen neue, selbstbestimmte Lebensperspektiven eröffnet.
20:15
1964 kämpft die schwarze Bevölkerung im US-Bundesstaat Mississippi mit wachsendem Erfolg für Gleichberechtigung. Dann aber verschwinden eines Nachts in der Kleinstadt Jessup County drei führende Vertreter der Bürgerrechtsbewegung - es besteht kaum Zweifel daran, dass sie von fanatischen Anhängern des rassistischen Ku-Klux-Klans ermordet wurden. Von den Leichen fehlt jede Spur. Das FBI schickt zwei Spezialagenten nach Jessup County: Der junge Alan Ward ist ein intellektueller und idealistischer Harvard-Absolvent, Rupert Anderson ein abgebrühter und zynischer Ex-Sheriff. Er ist in Mississippi aufgewachsen und weiß aus Erfahrung, wie man den Leuten dort begegnet. Bei den zuständigen Behörden der Südstaaten-Kleinstadt stoßen die beiden Agenten auf starken Widerstand. Vor allem der einflussreiche Sheriff Stuckey und sein undurchsichtiger Stellvertreter Pell lassen Ward und Anderson spüren, dass ihre Nachforschungen unerwünscht sind. Zugleich lösen die FBI-Ermittlungen immer brutalere Reaktionen seitens des Ku-Klux-Klans aus. Häuser brennen, Schwarze werden überfallen, entführt und grausam misshandelt. Zwar sind Ward und Anderson überzeugt, dass auch der Polizeichef und seine Männer mit den Geheimbündlern unter einer Decke stecken, aber beweisen können sie es nicht. Als die Gewalt eskaliert, beschließen die beiden, mit härteren Methoden gegen das dichte Netz aus Rassismus und Hass vorzugehen. Tatsächlich erzielen sie erste kleine Erfolge. Um endlich an die Drahtzieher heranzukommen, versucht Anderson, Pells junge Ehefrau dazu zu bewegen, die Gewalttaten ihres Mannes nicht länger zu decken. Das hat fatale Konsequenzen ...
22:15
Schauspielerisches Ausnahmetalent und Brückenbauer zwischen Schwarz und Weiß, politische Ikone und Künstler zugleich: Das war Sidney Poitier. Er schrieb Hollywoodgeschichte, als er 1964 als erster Schwarzer den Oscar in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller" gewann - und wurde dadurch zum ersten internationalen schwarzen Superstar. Aufgewachsen in großer Armut auf den Bahamas, ging Sidney Poitier mit 15 Jahren in die USA. In Harlem, New York, spielte er im legendären American Negro Theatre. 1950 wurde er fürs Kino entdeckt und verkörperte in "Der Hass ist blind" einen jungen Arzt - ein Wendepunkt in der Filmgeschichte. Bis dato wurden Afroamerikaner nämlich hauptsächlich in Stereotypen dargestellt, als Diener oder Knechte. Durch Sidney Poitier änderte sich das. Er zeigte Afroamerikaner selbstbewusster und hielt der amerikanischen Filmindustrie damit einen Spiegel vor. Dennoch sah sich Poitier immer wieder Kritik ausgesetzt, sich nicht genug zu engagieren. Wie ging der stets formvollendete und makellose Schauspieler damit um? Welche Kompromisse musste er eingehen? Was hat ihn geprägt? In der Dokumentation spricht Sidney Poitier selbst über seine Kindheit, seine Familie und seine Rolle als Vorreiter in Hollywood. Ausschnitte seiner wichtigsten Karrieremomente und Gespräche mit engen Weggefährten wie Lee Grant, Constance Towers und Gregg Champion geben einen intimen Einblick in das Leben des Schauspielers und Regisseurs.
23:10
Das Royal Concertgebouw Orchestra (Koninklijk Concertgebouworkest) wurde 1888 gegründet und zeichnet sich durch einen unnachahmlichen Klang aus. "Die Magie des Klangs des Concertgebouw Orchestra liegt in der Kombination aus Wärme und Transparenz", sagt der designierte Chefdirigent Klaus Mäkelä. Und Intendant Dominik Winterling ergänzt: "In den Streichern samtig, ein sehr weicher, ein sehr flexibler, ein runder Klang." Und: "Jedes Mal, wenn ich ins Concertgebouw hineingehe, habe ich das Gefühl, ich betrete historische Pfade." Die Dokumentation taucht ein in die spannende Geschichte des traditionsreichen Orchesters und lässt dabei die Musikerinnen und Musiker zu Wort kommen. Sie erzählen, wie unter anderem Richard Strauss, Claude Debussy, Sergei Rachmaninow, Igor Strawinsky, und vor allem Gustav Mahler das Orchester persönlich geprägt haben. Es entsteht ein facettenreiches Porträt eines einzigartigen Klangkörpers, der auch für die intensive Förderung von Spitzentalenten aus aller Welt bekannt ist.