19:40
Klimaschutz, Ukraine-Hilfe, EU-Kurs: Bei fast allen großen Fragen schlägt Tschechien seit dem Regierungswechsel im Dezember 2025 einen radikaleren Ton an. Die rechtspopulistische Koalition unter Andrej Babiš bremst den bislang pro-europäischen Kurs des Landes. Die rechte Partei Motoristé sob? wurde erst 2022 gegründet und sitzt schon in der Regierung. Sie wurde vor allem von jungen Männern gewählt. Investigativjournalist Dávid Pásztor trifft Adam Sejna, der mit gerade mal 19 Jahren als Influencer in der rechten Szene Furore macht. Pásztor versucht zu verstehen, wie der Partei dieser bemerkenswerte politische Aufstieg gelingen konnte. Die erfolgreiche Indie-Sängerin Amelie Siba sorgt sich um die Kulturszene und den Rechtsruck in der Gesellschaft. Worauf sich viele einigen können: den Stolz auf den "Kleinen Maulwurf", den Exportschlager des tschechischen Animationsfernsehens und das heimliche Kultursymbol des Landes. Der Maulwurf spielt eine zentrale Rolle im Projekt des Künstlers Jakub Jansa für die Biennale in Venedig.
20:15
Franziskus von Assisi, dessen Tod sich 2026 zum 800. Mal jährt, gehört zu den populärsten Figuren der Kirchengeschichte. Sein Leben ist ein Bruch mit allen Konventionen seiner Zeit: ein Sohn aus reichem Haus, der öffentlich dem Besitz abschwört, sich an die Seite der Ausgestoßenen stellt und die Kirche damit zugleich herausfordert und erneuert. Seine radikale Botschaft prägt die europäische Kultur bis heute. Wie konnte ein Mann, der freiwillig als Bettler lebte, so wichtig werden? Aktuelle Forschung zeigt einen Franziskus, der die großen gesellschaftlichen Veränderungen des 13. Jahrhunderts miterlebt: Aufstieg des Frühkapitalismus, religiöse Reformbewegungen, die Kreuzzüge. Doch seine Radikalität inspiriert und provoziert noch heute: Sein Sonnengesang beeinflusst die Umweltbewegung, sein radikaler Eigentumsverzicht wirft Fragen an unsere Gesellschaft auf. Seine naturnahe Spiritualität ist auch für säkulare Sinnsucher anschlussfähig. Und Franziskaner bauen heute wieder Brücken zwischen Christentum und Islam. Filmemacher Stefan Ludwig folgt den Spuren dieses charismatischen Rebellen. Die Reise führt von Paris, wo ein erst kürzlich entdecktes Manuskript zu sehen ist, bis in die Felsspalten von La Verna, wo Franziskus wochenlang meditierte. In Assisi wird die Faszination Franziskus besonders spürbar, als seine Gebeine erstmals öffentlich zu sehen sind und 370.000 Gläubige anziehen. Doch Franziskus' Grenzgänge führen weit über Europa hinaus: Mitten im Fünften Kreuzzug trifft er den muslimischen Sultan Al-Kamil - eine Begegnung voller Symbolkraft, gerade heute.
21:40
Woher kommen wir? Warum leiden wir? Und woran halten wir uns fest, wenn die Welt unbegreiflich wird? "Warum wir glauben" geht den ältesten Fragen der Menschheit nach - und erzählt Glauben nicht als etwas Fernes oder Vergangenes, sondern als Kraft, die unser Denken bis heute prägt. Die Reise beginnt bei den San in der Kalahari-Wüste, wo Natur, Ahnen und Rituale den Alltag bestimmen. Sie führt zu Forschenden, die erklären, warum der Mensch überall Bedeutung erkennt: im Rascheln eines Busches, in Wolken, Gesichtern, Zufällen und Krisen. Glaube erscheint hier als uraltes Überlebensprogramm - und als Antwort auf Angst, Tod und Chaos. Doch die Suche endet nicht in der Tradition. Ein jüdischer Philosoph spricht von Spiritualität als Versuch, die Punkte des Lebens zu verbinden. Ein atheistischer Podcaster fragt, ob Sinnkrisen nicht schlicht zur menschlichen Existenz gehören. Ein ukrainischer Militärseelsorger erlebt, wie Menschen an der Front nach Trost greifen, wenn nichts anderes mehr trägt. Und in Israel erzählt ein ehemaliger Ultraorthodoxer vom schmerzhaften Weg aus einem Glaubenssystem, das Halt gab - und zugleich Freiheit nahm. Zwischen Ritual und Vernunft, Geborgenheit und Kontrolle, Gottvertrauen und Zweifel fragt der Film: Warum verschwindet der Glaube nicht, selbst in säkularen Gesellschaften? Vielleicht, weil Menschen immer nach etwas suchen, das größer ist als sie selbst.
22:35
Was bleibt vom Glauben, wenn die großen Kirchen an Macht verlieren? Diese Folge von "Warum wir glauben" führt in eine Welt, in der Spiritualität nicht verschwindet, sondern sich Menschen ihre Glaubenswelt selbst "basteln": in indischen Ashrams, bei französischen Neo-Druiden, in japanischen Shinto-Ritualen oder in der Popkultur. Ein junger Niederländer folgt Sadhguru nach Indien, weil er im westlichen Leben nur Leere und Selbstoptimierung findet. In Frankreich berufen sich moderne Druiden auf alte Gottheiten und die Kräfte der Natur. In Japan bezeichnen sich viele Menschen als unreligiös - und verehren doch Anime-Figuren oder Popstars wie Götter. Forschende erklären, warum Glaube nicht einfach verschwindet, sondern sich immer neue Bühnen sucht. Zwischen Sehnsucht und Kommerz, innerer Erfahrung und Abhängigkeit fragt der Film: Wo beginnt Spiritualität - und wo kippt sie in Kult, Ausbeutung oder Selbstverlust? Zugleich zeigt er, warum Menschen auch in einer säkularen, vernetzten Welt nach etwas suchen, das größer ist als sie selbst: nach Verbindung, Orientierung und einem gemeinsamen Sinn.
23:30
Kann Glaube die Welt verändern und zu einem besseren Ort machen? Diese Folge von "Warum wir glauben" erzählt von Menschen, für die Glaube nicht nur Trost ist, sondern auch ein Auftrag: zu helfen, zu handeln, sich einzumischen. In einem Kloster in der Bretagne lebt Schwester Laure in Stille, Gebet und Dienst an Alten und Kranken. Für sie bedeutet Glauben, aus sich selbst herauszutreten. Im Mittelmeer rettet Isabell Nohr mit der Organisation Sea-Watch Menschenleben - ohne an Gott zu glauben, aber mit einem tiefen Glauben an Gemeinschaft und Verantwortung. In New Orleans wird Gospel zur Kraftquelle einer Community, die im Glauben Schutz und Zusammenhalt gefunden hat. In Mexiko sprechen die Wixárika mit Erde, Feuer, Meer und Pflanzen - für sie ist Natur keine Ressource, sondern Familie. Und in Dubai sieht ein muslimischer Astrophysiker Gott in den einfachen Gesetzen des Universums, die so viel Schönheit möglich machen. Zwischen Kloster und Rettungsschiff, Bibel und Menschenrechten, Wissenschaft und Naturreligion fragt der Film, was Glauben heute bewirken kann. Er zeigt seine Ambivalenz: Religion kann trösten, verbinden und mobilisieren - aber auch instrumentalisiert werden. Am Ende steht eine große, sehr gegenwärtige Frage: Reicht Vernunft allein, um die Welt zu retten? Oder brauchen Menschen etwas, das sie über sich selbst hinausführt, etwas, das sie handeln lässt für eine bessere Welt?