12:25
(1): Der mystische Rhein von Joseph Beuys (2): Bretagne: Ein Lied namens Gwerzioù (3): Usbekistan: Der Gemüsereis von Umida (4): Sturmwarnung in New Mexico
13:10
(1): Die Creuse: Wo sich Claude Monet neu erfand (2): Brasilien: Ein Tanz gegen die Sklaverei (3): Hannover: Die Rinderrouladen von Klaus (4): USA: Jazzklänge im Weißen Haus
14:00
Sheriff Will Kane möchte nach seiner Heirat mit der Quäkerin Amy als Sheriff zurücktreten. Am selben Tag erhält er jedoch die Nachricht, dass Frank Miller, ein gefährlicher Bandit, den er vor Jahren hinter Gitter brachte, mit dem Zug unterwegs in die Stadt ist, um sich an ihm zu rächen. Aus Angst drängt die Gemeinde daraufhin ihren Sheriff aus dem Ort. Doch kurz nach seiner überstürzten Abreise kehrt er zurück, gegen den Willen seiner Frau Amy: Kane will bleiben und sich Miller stellen. Der Zug wird um 12 Uhr mittags ankommen. Als Amy ihn vor die Wahl stellt, sich zwischen ihr und der Stadt zu entscheiden, entscheidet Kane sich dafür, seine Gemeinde zu schützen. Doch im Ort wird ihm jede Unterstützung verweigert. Alle drängen ihn, auch Helen, seine einstige Geliebte, die Stadt zu verlassen. Kane gibt nicht nach und bleibt. Schließlich ist es 12 Uhr mittags ... Als der Film 1952 in die Kinos kam, reagierte das Publikum teils empört, denn er erfüllte die Erwartungen an einen typischen Western nicht. Statt Action wurden emotionale Dialoge geboten - aber auch große Spannung. Inzwischen gilt "Zwölf Uhr mittags" als Meisterwerk und wurde 2007 vom American Film Institute auf Platz 27 der 100 besten US-amerikanischen Filme aller Zeiten gesetzt.
15:20
Für den bekennenden Kommunisten Franz Walter lässt es sich sehr gut leben in der DDR. Zumal als dem aufstrebenden Akademiker eine unerwartet frühe Professur und eine moderne Wohnung im Zentrum Ost-Berlins in Aussicht gestellt werden. Im Gegenzug unterstützt Franz für ein Jahr den Auslandsnachrichtendienst der DDR, die Hauptverwaltung Aufklärung (HVA), und verpflichtet sich zu uneingeschränkter Systemtreue. Als er mit seiner Verlobten Corina seine neuen vier Wände betritt, meint Franz, das große Los gezogen zu haben. Auch in seinem neuen Vorgesetzten Dirk findet er schnell einen Freund und Mentor. Sein erster Einsatz führt Franz nach Hamburg. Ziel ist es, einen geflüchteten Fußballspieler zu beschatten. Ruf und Ehre der DDR stehen auf dem Spiel. Anfangs sind seine Ermittlungen erfolgreich, doch Franz verstrickt sich immer tiefer in die Zersetzungsmethoden der DDR. Vor erpresserischen Mitteln bis hin zur psychischen Zerstörung schreckt das Regime nicht zurück ... Franz fühlt sich zunehmend unwohl und beginnt den Rückzug in die Isolation. Corina ringt um das Vertrauen ihres Ehemanns, während seine HVA-Kollegen zu immer drastischeren Mitteln greifen. Mittlerweile innerlich zermürbt, zieht Franz die Reißleine. Er will aufhören, doch der Geheimdienst will ihn nicht gehen lassen. Bald ist Franz bereit, alle Grenzen zu überschreiten - und alles zu riskieren. Er will geheime Unterlagen entwenden und sie nach seiner Flucht in den Westen an den Bundesnachrichtendienst (BND) übergeben. Doch so weit kommt es nicht; der Plan fliegt auf. Der Überlebenskampf gegen ein erbarmungsloses System beginnt ...
17:20
Zwei berühmte archäologische Stätten in Peru, die im 15. Jahrhundert gegründete Inka-Hauptstadt Cusco und der sagenumwobene königliche Palast in Machu Picchu von circa 1450, bergen kaum noch Geheimnisse für die Wissenschaft. Das Interesse der Forschung konzentriert sich derzeit ganz auf ein anderes, weit weniger bekanntes Juwel der Inka-Architektur: die Ruinenstadt Choquequirao. Sie liegt rund 100 Kilometer von Machu Picchu entfernt und erhebt sich in über 3.000 Meter Höhe über einen der tiefsten Canyons der Welt. Im 15. Jahrhundert bauten die Inka die spektakuläre terrassenförmige Anlage, die sich über mehr als 100 Hektar erstreckt, mit bloßen Händen in den Berg. Warum verwendeten sie eine solche Energie darauf, in dieser entlegenen Andenregion eine Stadt zu errichten? Was mag sie dazu bewogen haben, ein Zeichen ihrer Kultur in die schroffe Landschaft zu setzen? Um den Geheimnissen von Choquequirao auf die Spur zu kommen, bedienten sich die Wissenschaftler um den Archäologen Thibault Saintenoy der Methoden der Landschaftsarchäologie. Diese untersucht, wie eine Kulturlandschaft durch den Eingriff des Menschen in seine natürliche Umwelt entsteht. Mittels einer Drohne filmte Thibault Saintenoy mehrere Tausend Luftbilder von der Anlage. Anschließend erstellten die Forscher eine Fotogrammetrie und ein dreidimensionales Modell von Choquequirao. Die Analyse des Stadtplans und der Ausrichtung der Bauten innerhalb der Landschaft ergab, dass jedes Element der Umgebung - Berge, Gletscher, Fluss und selbst der Sternenhimmel - eine tiefere Bedeutung für die Inka hatte. Die Andenstadt entspricht also einer "heiligen Geografie": einer in die Gebirgslandschaft eingeschriebenen Weltvorstellung.
17:50
Der Chinook entsteht, wenn feuchte Winde vom Pazifik auf die schneebedeckten Hänge der Rocky Mountains treffen. Dabei kondensiert die Luftfeuchtigkeit und fällt als Regen oder Schnee. Der nun trockene Wind heizt sich kontinuierlich auf, während er an der Ostseite des Gebirgskamms wieder absinkt. Im Tal kommt er als überraschend warmer Föhn an. Für die Menschen ist dieser Wärmeeinbruch mitten im Winter eine echte Herausforderung. Manchmal steigen die Temperaturen innerhalb einer Stunde von minus 20 auf plus 10 Grad Celsius. Im Krankenhaus von Calgary reiht sich Migränepatient an Migränepatient, die Farmer haben plötzlich mit Trockenheit zu kämpfen und die heiligen Berge der indigenen Blackfoot erodieren unter der Kraft des Windes. Der Chinook macht den Menschen zu schaffen und hinterlässt tiefe Spuren in der Landschaft des nordamerikanischen Westens. Aber er ist auch wunderschön: Er sorgt für ein beeindruckendes Farbenspiel am Himmel, das amerikanische und kanadische Künstler einzufangen versuchen. Der Chinook - ein besonderes Naturschauspiel.
18:35
Früher hieß es, der Mistral könne Stieren die Hörner abreißen und junge Frauen schwängern. Diese alten Sprüche sind Geschichte, aber der "Herr der Winde" ist auch heute noch gefürchtet. Der Mistral ist aus der provenzalischen Kultur nicht wegzudenken: Er formt die Landschaft, bestimmt die Anbaupraktiken, kristallisiert das Salz, inspiriert Künstlerinnen und Künstler. Und im Sommer verstärkt er die Waldbrände im Südosten Frankreichs. Der kalte und stürmische Fallwind weht durch das südliche Rhônetal und bahnt sich seinen Weg durch atemberaubende Landschaften, vom Mont Ventoux bis zu den Salzmarschen von Aigues-Mortes. Segensreich und zerstörerisch zugleich, zwingt der Mistral Mensch und Natur, sich anzupassen. Er ist ein nützlicher Helfer: Die Winzer verlassen sich auf ihn, die Müller versorgt er mit der nötigen Energie für ihre Mühlen und in den Salzgärten der Camargue trocknet er die Marschen aus und lässt die Salzkristalle wachsen. Sein dämonisches Gesicht zeigt er, wenn er im Sommer die Brände in den trockenen Wäldern der Alpilles antreibt oder das Meer vor den Frioul-Inseln gefährlich aufwühlt. Der Mistral weht über Weinberge und Dörfer, über Schluchten und Sümpfe, über Klippen und Meer. Wer ihm folgt, entdeckt die Geschichte einer wunderschönen Region und erfährt, wie sich Mensch und Natur im Laufe der Jahrhunderte an den kalten und stürmischen Fallwind aus dem Norden und Nordwesten angepasst haben.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Die Freikörperkultur, kurz FKK, lebt Jeannette Langner aus Zwickau schon seit ihrer Kindheit in der DDR - damals keine Besonderheit. An der Ostsee tummelten sich Tausende nackte Badegäste, FKK oder Naturismus stand für Toleranz, Freiheit, Naturverbundenheit. Doch seit der Wende 1990 hat die Szene knapp die Hälfte ihrer Mitglieder verloren - immer mehr Menschen tragen ihre Badehosen auch im FKK-Bereich und blicken wertend auf die gelebte Nacktheit. Seit 2025 gilt daher sogar an einigen deutschen FKK-Stränden Nacktpflicht. Jeannette findet das gut. Sie hält Naturismus für schützenswert, will FKK sogar als immaterielles Kulturerbe bei der Unesco anmelden. Als Vorsitzende des Vereins Get Naked Germany kämpft sie mit dem Nachwuchsmangel. Durch besondere FKK-Erlebnisse versucht der Verein gezielt Jüngere zu erreichen: Wanderungen, Museumsbesuche oder mal eine Weinverkostung? Das muss Jeannette zufolge auch nackt möglich sein. Blöd nur, dass es bei der Online-Präsenz hakt. Denn in der digitalen Welt dominieren perfekte Körper und glatte Haut, keine Dehnungsstreifen oder Falten. Nackte Durchschnittskörper werden zensiert und tabuisiert. Die junge Britin Saoirse Newhouse steht vor einem ganz ähnlichen Problem. Auch sie möchte sich für unbeschwerte Nacktheit stark machen und tritt als Botschafterin für den Dachverband British Naturism in dessen Social-Media-Kanälen auf. Für die 21-Jährige ist Naturismus auch ein Akt der Rebellion - den eigenen Körper annehmen, ohne sich zu verstecken.
20:15
Chicago, 1910: In den Pionierjahren des Films wird der erfolglose Anwalt Leo Harrigan vom Produzenten H.H. Cobb als Autor für kurze Stummfilmszenen engagiert. Cobb führt als unabhängiger Produzent einen Kleinkrieg gegen die Motion Picture Patents Company (MPPC), die das Patent auf Filmkameras für sich reklamiert und für alle Filmaufnahmen Gebühren einfordert. Als einer von Cobbs Regisseuren ausfällt, wird Harrigan nach Kalifornien geschickt, um ihn zu ersetzen. Gleich am ersten Drehtag wird im Auftrag der MPPC auf die Filmkamera geschossen. Der Schütze ist Tom Greenway, genannt Buck. Nachdem sie sich ausführlich geprügelt haben, schließen Buck und Harrigan Freundschaft und Buck wird der neue Hauptdarsteller. Ein Jahr später dreht das Team bereits routiniert Slapstick-Filme ohne Drehbuch. Kathleen Cooke, eine flüchtige Bekanntschaft von Buck und Harrigan, sorgt durch ein Missgeschick ungewollt für spektakuläre Filmaufnahmen: Wegen ihrer Kurzsichtigkeit rempelt sie einen Helfer um, verknotet sich im Halteseil eines Heißluftballons und fliegt mit Buck davon. Alice, das einzige minderjährige Ensemblemitglied, erfindet eine an "Romeo und Julia" angelehnte Storyline, und mit ein paar Nachdrehs wird aus der Zufallsszene ein phänomenal erfolgreicher Film. Doch der Erfolg währt nicht lange. Harrigans Liebe zu Kathleen erzeugt Spannungen, als sie Buck heiratet. Und der Versuch, beim Produzenten Cobb eine Gewinnbeteiligung auszuhandeln, endet in der Entlassung der gesamten Crew. Doch in Hollywood warten neue Jobs, neue Geschichten und neue Liebschaften ...
22:10
Hélène ist eine unverheiratete Lehrerin in einer Kleinstadt im Südwesten Frankreichs. Sie ist die perfekte Dame: stets adrett gekleidet und in ihrem Handeln selbstbewusst und kontrolliert. Das ändert sich auch nicht, als sie Paul trifft, der von allen "Popaul" genannt wird. Er kehrt nach 15 Jahren aus dem Krieg zurück und nimmt den Betrieb der Dorfmetzgerei wieder auf. Die beiden sind sich ihrer Sonderstellung im Ort als Unverheiratete bewusst und finden beim jeweils anderen Verständnis und Nähe. So verbringen sie immer öfter Zeit miteinander: Sie essen zusammen bei ihr zu Hause oder machen einen ausgiebigen Waldspaziergang - was den Klatsch des Dorfes nach sich ziehen kann. Während Popaul Hélène bald von seinen Gefühlen für sie erzählt, hält sie ihn aus Angst vor Verletzung auf Abstand. Trotzdem schenkt sie ihm zu seinem Geburtstag ein wertvolles Feuerzeug. Kurz darauf findet Hélène bei einem Ausflug mit ihrer Schulklasse eine blutüberströmte Frauenleiche - und daneben liegt das Feuerzeug. Sie zieht den logischen Schluss, dass Popaul der Mörder sein muss. Unausgesprochen liegt diese Annahme von nun an zwischen ihnen. Hélène schwankt gegenüber Popaul zwischen Anziehung und Angst ...
23:45
Als die 28-jährige angehende Journalistin Shiori Ito im Mai 2017 ihre Vergewaltigungsvorwürfe gegen einen prominenten Fernsehmann und Biografen des damaligen Premierministers Shinzo Abe öffentlich macht, sieht sie keine andere Möglichkeit, um Japans veraltete Gesetze zu sexuellen Übergriffen zu ändern. Ihre Pressekonferenz schockiert die Öffentlichkeit in einer Gesellschaft, in der es als unschicklich gilt, sich zu solchen Themen zu äußern. Innerhalb weniger Tage gerät Shiori ins Zentrum der japanischen Politik - die rechte Seite sieht in ihr eine Bedrohung, die die Abe-Regierung zu Fall bringen könnte, während die Linke sie aus demselben Grund als Heldin feiert. Morddrohungen, Cybermobbing und Hassbriefe stürzen Shiori in eine persönliche Krise. Als sie eine Zivilklage einreicht, führt der Beschuldigte einen erbitterten Krieg gegen sie. Entschlossen, kein schlechtes Beispiel für andere Opfer zu sein, treibt Shiori ihren Fall voran und beschließt, ein Buch über ihre Erfahrungen zu veröffentlichen. Der Dokumentarfilm zeigt, welchen persönlichen Tribut das Geflecht aus Politik, Medien und Technologie in dieser belastenden Situation fordert. Unter ihrer eigenen Regie und mit höchst persönlichem Material fängt "Tagebücher eines Missbrauchs" Shioris turbulente, bewegende und letztendlich triumphale Reise ein und blickt hinter die Schlagzeilen, um zu zeigen, wie es war, in ihrer Haut zu stecken. Da Shiori sowohl Opfer als auch Journalistin ist, zeigt der Dokumentarfilm, dass sie nicht nur sozialen Wandel herbeiführen wollte, sondern auch um ihr psychisches Überleben kämpfte. "Tagebücher eines Missbrauchs" wurde 2025 für den Oscar für den besten Dokumentarfilm nominiert.