18:35
Weil es nicht mehr genug alte Bäume mit natürlichen Hohlräumen gibt, schlagen die Zeidler - die Waldimker - mit selbst geschmiedeten Werkzeugen Baumbeuten in die Stämme und hoffen, dass sich dort Bienen niederlassen. Wenn das gelingt, greifen sie in das Leben der Bienen so wenig wie möglich ein. Honig wird nur einmal im Jahr geerntet, und das auch nur, wenn die Bienen genug Vorräte für den Winter gesammelt haben. Piotr ist nach seinem Studium in der Stadt mit seiner Familie in den Wald seiner Kindheit zurückgekehrt. Aber der Wald hat sich durch die Forstwirtschaft verändert. Viele Flächen liegen brach. Mit der aus dem Mittelalter stammenden Kunst der Bienenhaltung will Piotr ein Zeichen setzen und zeigen, wie ein Leben im Einklang mit der Natur möglich ist. Dazu hat er sich mit weiteren Zeidlern zu einer Gruppe zusammengeschlossen. Und die Gemeinschaft wächst. Denn diese Art der Bienenhaltung ist für viele eine Inspiration für eine artgerechte Form der Imkerei und für ein Leben im Einklang mit der Natur. Die Dokumentation begleitet Piotr und die Bruderschaft der Zeidler durch den Spätsommer auf dem Weg zum großen Erntefest. Hier steht nicht der Ertrag im Mittelpunkt, hier wird die Zeidlerei gefeiert, die seit 2020 in Polen und Belarus von der Unesco als immaterielles Kulturerbe anerkannt ist.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Luciano Ellena liebt Mulis, seit er denken kann. Nach Jahren in der Stadt Cuneo kehrte er in sein Heimatdorf Chiusa di Pesio zurück und kaufte seinen ersten Muli - Katty. Das war vor 20 Jahren. Er widmet seitdem sein Leben dem aussterbenden Beruf des Säumers - "säumen" bedeutet so viel wie packen, ein Lastentier bepacken. Dafür eignen sich besonders Mulis, eine Kreuzung aus Pferd und Esel. Streng genommen sind es zwei verschiedene Kreuzungen: das Maultier - eine Kreuzung aus Eselhengst und Pferdestute - und der Maulesel - eine Kreuzung aus Pferdehengst und Eselstute. Egal ob Maulesel oder Maultier, die robusten Huftiere existieren nur, weil der Mensch sie miteinander gekreuzt hat. Und ohne Zutun des Menschen würden sie auch nicht weiter existieren: Als Hybriden sind sie in aller Regel nicht fortpflanzungsfähig. Und so arbeitet Luciano nicht nur mit den Mulis, er züchtet sie auch. Seinen Lebensunterhalt bestreitet Luciano ausschließlich mit seinen Mulis; der Sommer zählt zur Hauptsaison. Mal werden die trittsicheren Tiere zum Abgrasen von Wiesen engagiert oder er unternimmt mit Katty als Säumer Transporte ins Gebirge. Wie jetzt, wo Hüttenwirt Paolo seine Schutzhütte in rund 2.350 Meter Höhe für die kommenden drei Monate eröffnen muss. Doch das Wetter ist unberechenbar, und der geplante Lebensmitteltransport mit dem Helikopter zur Hütte droht auszufallen. Zur Eröffnung der Hütte soll Luciano nicht nur mit Muli Katty Lebensmittel zur Hütte transportieren, sondern er will auch seine beste Schülerin Elisa auf den beschwerlichen Weg mitnehmen. Wie wird sich Elisa mit ihrem Muli schlagen - und werden sie rechtzeitig zur Hütteneröffnung oben sein?
20:15
Im Herzen der Wüste von Sakkara - einem der bedeutendsten Friedhöfe des alten Ägyptens, 35 Kilometer südlich von Kairo - liegt die Nekropole von König Pepi I., der vor über 4.200 Jahren über das Land herrschte. Hier liegen auch die wichtigsten Persönlichkeiten des damaligen Königreichs. Bei Ausgrabungen stieß das französisch-schweizerische Archäologen-Team auf ein Rätsel: Die monumentale Autobiografie des dort beigesetzten Mannes ist identisch mit der, die im Grab eines gewissen Ouni, einst Wesir von Pepi I., gefunden wurde - allerdings 400 Kilometer entfernt, in Abydos. Bis auf wenige Details sind die Reliefs, die Höhepunkte im Leben und Heldentaten beschreiben, absolut identisch. Für die Archäologinnen und Archäologen, Ägyptologinnen und Ägyptologen beginnt nun die Forschungsarbeit. Zunächst muss ausgeschlossen werden, dass es sich um einen Usurpator handelt. Als schließlich feststeht, dass das Grab in Sakkara tatsächlich demselben Ouni gehört, kommen drängende Fragen auf. Warum besaß der Mann zwei Gräber? Wo wurde er tatsächlich beigesetzt? Im Zuge der Ausgrabungen bringen zahlreiche Hinweise Licht in das Geheimnis der Mastaba des Wesirs. Doch die Archäologen stoßen auch auf ein Grab von bescheideneren Ausmaßen, das an Ounis Mastaba angrenzt und dem bedeutenden Arzt Teti Nebe Fu gehörte. Dieses Grab aus derselben Epoche ist perfekt erhalten: Die behauenen Blöcke sind intakt und seine prächtigen Malereien sehen aus, als seien sie erst gestern entstanden. Ein selten gut erhaltenes Zeugnis der Grabkunst im Alten Reich, dem ersten goldenen Zeitalter des alten Ägyptens.
21:50
Gut ein Jahrhundert nach seiner Entdeckung erscheint der Schatz des Tutanchamun in neuem Licht. Die Grabbeigaben wurden an einem einzigen Ort zusammengeführt, dem 2025 eröffneten Großen Ägyptischen Museum, das etwa zwei Kilometer von der Nekropole von Gizeh entfernt liegt. Aus diesem Grund befassten sich Forscher erneut mit dem Grab des Tutanchamun - mit erstaunlichen Ergebnissen. Tatsächlich soll ein Großteil des Grabschatzes von Tutanchamun nicht für ihn, sondern für seine ältere Schwester Meritaton bestimmt gewesen sein. Die historische Rolle dieser vergessenen Pharaonin muss neu beurteilt werden: Sie hätte nach dem Tod ihres Vaters für ihren unmündigen Bruder regiert und Ägypten aus einer strategisch schwachen Lage herausmanövriert. Während ihrer kurzen Herrschaft soll sie sich einen prächtigen Grabschatz zusammengestellt haben, den Tutanchamun, einmal zum Pharao gekrönt, schließlich für sich beanspruchte. Auch der berühmte goldene Thron des Tutanchamun soll ursprünglich für seinen Vater, Pharao Echnaton, angefertigt worden sein. Andere Grabbeigaben wie Gehstöcke, Zepter und Bekleidung weisen darauf hin, dass der Pharao unter einer Gehbehinderung litt und offenbar nicht lange stehen konnte. Weitere Enthüllungen betreffen die Entdeckung des Grabschatzes durch Howard Carter: Der britische Archäologe und sein Finanzier Lord Carnarvon sollen einige Grabbeigaben entwendet haben, die heute in alle Welt verstreut sind. Drei renommierte Forscher kommen in der Sendung zu Wort: Marc Gabolde, Professor an der Universität Montpellier und Experte für das Tutanchamun-Grab, Dimitri Laboury, Professor an der Universität Lüttich und weltweit anerkannter Experte der Amarna-Zeit, und Christian Loeben, Ägyptologe im Landesmuseum Hannover. "Tutanchamun, Neues aus dem Grab" ist eine spannende Ermittlung über eine der spektakulärsten archäologischen Entdeckungen aller Zeiten.
23:25
Schon als Kind war er ständig unterwegs: Carl Maria von Weber wuchs in einer reisenden Schauspielerfamilie ohne festes Zuhause auf, die von Stadt zu Stadt zog und an verschiedenen Theaterbetrieben arbeitete. Doch diese Kindheit formte sein Gespür dafür, wie Klänge Menschen bewegen können. Ein Empfinden, das später Webers gesamtes Schaffen prägte. Früh zeigte sich seine Faszination für die Wirkung von Musik auf Menschen - eine Kraft, die seine Opern, Lieder und Instrumentalwerke durchdringen sollte. Carl Maria von Weber verstand das Orchester als erzählende Instanz, experimentierte mutig und öffnete neue musikalische Räume, deren Wirkung bis in die Moderne und in die Filmmusik reicht. Zugleich zeigt sich sein Leben voller Brüche, geprägt von Krankheit, finanzieller Belastung, unermüdlicher Arbeit und der Suche nach einer eigenen künstlerischen Sprache jenseits etablierter Traditionen. Seine Musik verbindet emotionale Wucht mit einer zeitlosen Eigenart, die bis heute überrascht. Die berühmte Oper "Der Freischütz" (Uraufführung 1821 in Berlin) ist bis heute Inbegriff der deutschen romantischen Oper und wurde zum Meilenstein deutscher Kulturgeschichte. Weber war einer der Wegbereiter, der bewusst eine eigenständige deutsche Opernkultur schaffen wollte - sprachlich, musikalisch und thematisch. "Der Freigeist - Carl Maria von Weber" führt in die Welt eines Komponisten, der bis zu seinem frühen Tod im Alter von 39 Jahren unermüdlich daran arbeitete, den Klang seiner Zeit zu erneuern und der Musik eine eigene Ausdruckssprache zu schenken, um dem Publikum eine neue Art des Hörens zu eröffnen.