05:20
In der extremen Trockenheit der Atacama-Wüste im Norden Chiles wirkt der Camanchaca wie ein Wunder: In einer Region, wo so gut wie niemals Regen fällt, legt sich dieser dichte, vom Ozean kommende Nebel jeden Morgen über das Land und bringt die wenige Feuchtigkeit, die das Leben in dieser feindlichen Umgebung benötigt. Ohne den Camanchaca könnten Menschen, Tiere oder Pflanzen hier nicht überleben. Die wurzellosen Tillandsien gedeihen hier, indem sie das Wasser aus dem Nebel aufnehmen, Blumen sprießen nach jahrelanger Dürre, und die vereinzelten Viehzüchter können ihre Herden dank des Taus zum Grasen dorthin treiben. Die Changos - ein indigenes Urvolk, das einst an der Pazifikküste lebte - verehrten ihn. Der Nebel war für sie so etwas wie ein heiliger Atem und Ursprung zahlreicher Legenden und Rituale. Heute angesichts von Klimawandel und Wasserknappheit, finden lokale Gemeinschaften und Forschende neue Wege, um den Nebel einzufangen, passen die Landwirtschaft an, recyceln altes Wissen und testen innovative Systeme zur Wassergewinnung. Dank der Wolke werden Agrarökologie, erdfreier Weizenanbau und sogar Bierproduktion in einer Gegend möglich, die zu den trockensten der Welt zählt. An der Schnittstelle zwischen Tradition, Wissenschaft und Zukunft lehrt der Camanchaca, wie fragil das Leben ist, aber auch, wie sehr sich Mensch und Natur an widrige Lebensumstände anzupassen und durch Innovation ihr Überleben zu sichern vermögen.
06:05
Der geheimnisvolle "Wolkenhut" Kasagumo ist ein seltenes Phänomen am japanischen Himmel über dem Berg Fuji. Er verdankt seine Entstehung dem subtilen Zusammenspiel von Höhenwinden, feuchten Strömungen und dem perfekten Profil des heiligen Vulkans. Der Kasagumo fasziniert und verzaubert alle: Für Meteorologen ist er ein komplexes Studienobjekt, für Fotografen und Künstler ein im wahrsten Sinne des Wortes nicht zu greifender Quell der Inspiration. Seit Hunderten von Jahren beeinflusst der Kasagumo den Bauernkalender, Gedichte, Gemälde und Volkserzählungen. Als Symbol für stille Kraft steht er im Mittelpunkt vieler Rituale und symbolisiert den Respekt vor der Natur - die Grundlage der japanischen Spiritualität. Seine Flüchtigkeit gemahnt an die Vergänglichkeit, die in der japanischen Kultur eine zentrale Rolle spielt, aber auch an das empfindliche Gleichgewicht zwischen Berg, Klima und Mensch. Die Erderwärmung lässt neue Kontroversen um den Wolkenhut entstehen, doch egal, ob er als lebendes Kunstwerk gefeiert oder als Klimawächter untersucht wird: Der Kasagumo lädt dazu ein, sich Gedanken über die zerbrechliche Schönheit der Welt zu machen. Meteorologen, Teebauern, Künstler und Bewahrer von Traditionen erzählen von der Vielfalt der Sichtweisen auf diese mythische Wolke. Als Spiegelbild des Ideals von Harmonie steht sie in der japanischen Vorstellungswelt für die heilige Verbindung zwischen Wissenschaft, Spiritualität, Kultur und Natur.
06:50
Der Tafelberg im südafrikanischen Kapstadt wird von einer besonderen Wolkenformation bekrönt: dem Tablecloth, der sich wie eine Decke über Ozean, Sandsteinwände und pulsierendes Stadtleben legt. Dieser Nebel spielt eine zentrale Rolle im lokalen Klima: Er regelt die Temperatur, speist Grundwasser und Flüsse und trägt maßgeblich zum unglaublichen Artenreichtum des Fynbos bei, einem einzigartigen Ökosystem mit vielen endemischen Pflanzen- und Tierarten. Seit Jahrtausenden haben sich hier Menschen angesiedelt, das Land kultiviert und aus diesem Wolkenschleier sowohl Wasser als auch Inspiration geschöpft: zuerst die Khoisan, später niederländische Siedler und schließlich multi-ethnische Gemeinschaften. Der Tablecloth schützt die außergewöhnlichen Weinberge und erhält das fragile Gleichgewicht zwischen Stadt, Natur und Landwirtschaft. Doch die Probleme verschärfen sich: Dürren, Überbevölkerung, invasive Arten, Wasserknappheit und die Auswirkungen des Klimawandels stellen eine wachsende Bedrohung dar. Wissenschaftler erforschen die Zusammenhänge und suchen nach Wegen, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Die Bevölkerung lernt währenddessen, Ressourcen zu schonen, die Artenvielfalt zu bewahren, und neu zu würdigen, was der Berg für sie leistet. Angesichts der Wasserkrise des "Day Zero" werden die Menschen aktiv, entwickeln neue Nutzungsmöglichkeiten und reflektieren das weitere Zusammenleben mit der Natur. Der Tablecloth lädt auch dazu ein, die elementare Verbindung zwischen modernen Gesellschaften und einer sich ständig verändernden Umwelt neu zu denken.
07:35
Pferdenation Argentinien: Bis heute spielen die Tiere hier eine wichtige Rolle - bei Arbeit und Vergnügen. Im Umgang mit ihren Pferden sind die Gauchos und die Besitzer der riesigen Estancias nicht gerade zimperlich. Gerade bei der "Doma tradicional" - dem traditionellen Zähmen und Zureiten - werden die Tiere hart an die Kandare genommen. Das versetzt die Tiere jedoch in Angst - ein Problem vieler Pferdebesitzer und eine Gefahr. Denn ein ängstliches, schreckhaftes Pferd wird in Stresssituationen schnell unberechenbar. Der Argentinier Oscar Scarpati verfolgt einen ganz anderen Ansatz, denn er versteht die Sprache der Pferde. Er weiß, wie sie sich ausdrücken - mit ihren Ohren, ihren Beinen, ihrem ganzen Körper. Der Pferdeflüsterer wendet diese Sprache selbst an, um mit den Tieren in Kontakt zu treten und sie so auf sanfte Art zu zähmen. Viele Probleme, sei es beim Zureiten besonders temperamentvoller Pferde oder in der Kommunikation zwischen einem Besitzer und seinem Pferd, konnte Oscar mit seinem Wissen und seiner Fähigkeit schon lösen. Der Wechsel zwischen Berührungen an den empfindlichsten Stellen und dem Beruhigen des Pferdes mindert Berührungsängste und die Scheu vor unerwarteten Reizen. Eine Methode, die immer wieder funktioniert - der Erfolg gibt Oscar und seinen Söhnen recht.
08:30
Fast wären die alten Holzboote an Portugals Westküste für immer verschwunden. Noch bis in die 1970er Jahre dienten die Moliceiros als Transportmittel für Algen, Salz und Reis. In der traditionellen Landwirtschaft wurden Algen damals als natürlicher Dünger eingesetzt. Dann jedoch kam künstlicher Dünger auf den Markt, und Algen und die Moliceiros wurden überflüssig. Viele ortsansässige Portugiesinnen und Portugiesen verloren ihre Jobs und wanderten aus, beispielsweise nach Frankreich, Deutschland, England und Amerika. Aber eine kleine eingeschworene Gruppe von Bootsbauern blieb und kämpfte jahrelang für den Erhalt der Moliceiros. Nicht nur die maritimen Transportgefährte, sondern auch das Schreinerhandwerk für diesen speziellen Bootstyp soll bewahrt werden. Denn ein Moliceiro ist für viele mehr als nur ein traditionelles Transportmittel. Er ist ein wichtiges Symbol der kulturellen Identität der Region Aveiro, mit einer reichen Geschichte, die tief in der lokalen Tradition verwurzelt ist. José Rito ist einer der altgedienten und erfahrensten Moliceiro-Konstrukteure der Region. Er fertigt alles in Handarbeit und benutzt alte Werkzeuge. Zur diesjährigen Regattasaison will er mit einem brandneu gebauten Boot antreten. Es gibt alle Hände voll zu tun. Zum Glück erhält der mit allen Wassern gewaschene Haudegen tatkräftige Unterstützung, um in See zu stechen. In der Hitze des Gefechts aber geht auch José mal über Bord ...
09:20
(1): Alexander McCall Smith: Mma Ramotswe auf Safari in Botsuana (2): Botsuana: Königliche Safari (3): Botsuana: Livingstone, der Missionar
10:00
(1): Vu Trong Phungs satirischer Blick auf Vietnam (2): Hue, einstige Hauptstadt Vietnams (3): Vietnam, Kämpfe bei den Königen des Tierreichs
10:40
Die dritte Folge der Dokureihe "Köstliches Südtirol" erkundet die Täler um die Dolomiten - das "schönste Bauwerk der Welt", wie der Architekt Le Corbusier die Gebirgsgruppe im Süden des Alpenhauptkamms nannte. Bei den Geislerspitzen im Villnösstal hält Günther Pernthaler Brillenschafe, die älteste Schafrasse Südtirols. Züchter wie er setzen sich für den Erhalt der Tiere ein, nachdem die Rasse schon fast als ausgestorben galt. Bei aller Tierliebe kocht Pernthaler aber auch gern einen Klassiker der Villnösser Esskultur: Schöpsernes, einen Lammeintopf mit Gemüse aus dem eigenen Garten. Östlich vom Villnösstal ist der ladinische Dialekt verbreitet. Man setzt auf Tradition als verbindendes Element. Marisa Irsara ist für ihre leckeren Gerichte bekannt. Auf fast 1.700 Metern Höhe führt sie den Hof der Familie. Die uralten ladinischen Rezepte gibt sie an ihre Tochter Julia weiter. Zum Beispiel Cajincí Arestis: frittierte Krapfen, die mit einer herzhaften oder süßen Füllung zubereitet werden. Igor Comploi ist Architekt in St. Ulrich. Wenn er ein Haus entwirft, nimmt die Küche den zentralen Platz ein. Seine Rezepte mischen Kultur und Tradition mit der Moderne und schaffen dabei etwas Neues. So wie beim Seeteufel, der von einem Mantel aus getrockneten Tomaten umhüllt wird. Im südlichen Teil der Südtiroler Dolomiten erhebt sich das Schlernmassiv. In dieser Gegend betreiben viele Bauernhöfe Milchwirtschaft. Veronika Stampfer jedoch züchtet Schweine und kreiert ihren eigenen Bauernspeck. Mit diesem kocht sie das Alltagsgericht der Südtiroler Kochkultur: Knödel.
11:10
Wo früher nur Bergziegen zu Hause waren, verläuft heute eine der riskantesten Straßen der Welt: Der Karakorum Highway im Norden Pakistans. Er erreicht Höhen von fast 4.700 Metern. Steinschläge, Erdrutsche und Felsstürze lauern überall. Sost ist der letzte Ort auf pakistanischer Seite vor der Grenze zu China. Die Siedlung ist ein zentraler Handelspunkt zwischen beiden Ländern - hier werden Waren umgeladen und verzollt. Pakistanische Lastwagen mit ihren bunten Bemalungen treten die Fahrt ins Tiefland an. Ali Akbar und Umar Laib bringen ihren Truck für die kommende Tour auf Vordermann. Der Motor muss rund laufen und die Fahrerkabine sauber sein. Der Lastwagen ist ihr zweites Zuhause. Östlich der Passu Cones Berge beginnt die Shimshal-Road, eine der gefährlichsten Straßen der Welt. Der Weg schlängelt sich an den hoch aufragenden Felswänden des Shimshal-Flusses entlang, durch einen gigantischen Canyon. Vor dem Baubeginn im Oktober 2003 war ein Durchkommen mit Autos und Motorrädern nicht möglich. Mansoor Karim ist Taxifahrer. Er fährt die Bewohner seines Dorfes aus den Bergen runter in die Stadt. Es geht durch enge Schluchten, vorbei an steilen Abgründen und über marode Holzbrücken. Die 21-jährige Studentin Tabassum Laseed spielt in der Mountain Girls League von Gilgit-Baltistan Fußball - ein ungewöhnliches Hobby im konservativen Pakistan. Tabassum liebt den Sport, aber auch das traditionelle Leben. Mit ihrem kleinen Bruder muss sie über eine waghalsige Hängebrücke, um das Vieh der Familie zu versorgen.
11:55
Der Amazonasregenwald wird oft als grüne Lunge des Planeten und weltweiter Hotspot der Biodiversität bezeichnet. Er ist der größte tropische Regenwald der Welt und kann das ganze Jahr über Sauerstoff produzieren und Kohlendioxid aufnehmen - anders als die Wälder in den borealen oder gemäßigten Klimazonen, die im Winter über mehrere Monate ruhen. Obwohl er diese wesentliche Rolle für das Erdklima spielt, wird er überall gerodet, um Holz zu gewinnen, vor allem aber, um riesigen Viehweiden, Sojafeldern oder Ölpalmenplantagen Platz zu machen. Benki Piyako wurde als Sohn eines indigenen Asháninka und einer weißen Mutter geboren. Kampf und Revolte haben in seiner Familie Tradition, und so ist er vor Ort wie auch in der Politik aktiv, um den Wald zu schützen und sogar wiederaufzuforsten zu können. Entschlossen nutzt er alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel, um Umweltschäden anzuprangern und die Natur zu schützen. Unter Einsatz seines Lebens filmte er mit einem Kamerateam illegale Holzeinschläge und Rodungen und veröffentlichte die Bilder im Internet. Seine Enthüllungen zwangen die Regierung einzugreifen und das Gebiet militärisch zu sichern. Daneben arbeitet Benki auch in einem von ihm gegründeten Bildungs- und Kulturzentrum. Es steht Indigenen wie Nicht-Indigenen zur Verfügung, um die zerstörten Waldbestände wieder neu aufzubauen. Bislang hat er zwei Millionen Bäume gepflanzt, weitere zehn Millionen sollen folgen.
12:50
Die Taiga, der boreale Nadelwald, ist eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete der Erde und bedeckt etwa 17 Prozent der Landfläche der Erde. In der Mongolei war dieser Lebensraum jahrhundertelang die Grundlage für das Überleben nomadischer Gemeinschaften - geprägt von unberührten Wäldern, klaren Flüssen und einer reichen Artenvielfalt. Doch Wilderei und illegaler Bergbau haben die Bestände seltener Tierarten dezimiert, Flüsse verschmutzt und das ökologische Gleichgewicht gestört. Seit 2012 steht ein Teil dieser Landschaft unter besonderem Schutz: die "Rote Taiga" im Norden der Mongolei. Als Chef-Ranger des Schutzgebiets setzt sich Tumursukh Jal mit aller Kraft für den Erhalt dieses Ökosystems ein. Jal, selbst einst Jäger und tief verwurzelt in der lokalen Kultur, kennt die Herausforderungen nur zu gut. Sein Team und er patrouillieren regelmäßig durch das Gebiet, um illegale Aktivitäten zu unterbinden. Die unerlässlichen Anstrengungen von Tumursukh und seinen Rangern machen sich bezahlt: Die Wildtiere sind zurück, die Taiga lebt wieder. Doch Jal weiß, dass Gesetze allein nicht ausreichen. Um den langfristigen Schutz der "Roten Taiga" zu sichern, muss er auch die nomadische Bevölkerung überzeugen, ihre traditionellen Jagdpraktiken zu überdenken. Die Klimakrise verschärft die Situation zusätzlich: Steigende Temperaturen bedrohen das fragile Ökosystem. Aktuell steht Jal vor einer neuen Herausforderung: Eine Bärenfamilie hat sich am Rande eines Dorfes niedergelassen. Für die Bewohner ist das eine direkte Bedrohung - und eine Versuchung, zu alten Verhaltensmustern zurückzukehren. Die "Rote Taiga" steht damit nicht nur für den Kampf um den Erhalt der Natur, sondern auch für die Frage, wie Tradition und Moderne in Einklang gebracht werden können.
13:40
Mundiya Kepanga, Häuptling des Huli-Stammes, wurde in den Wäldern Papua-Neuguineas geboren und ist zu einem international angesehenen Kämpfer für die Primärwälder seines Landes geworden. Nach Jahren unermüdlichen Einsatzes gegen die massive Abholzung freut sich Mundiya, dass die neue Regierung sein Land zu einem weltweiten Vorbild für nachhaltige Waldbewirtschaftung machen möchte, und beschließt, sich auf eine Reise durch Papua-Neuguinea zu begeben, um die verschiedenen Projekte zu besuchen, mit denen die Wälder heute geschützt werden. In seiner eigenen Heimatregion empfängt er zunächst Wissenschaftler, die mit einer umfangreichen Inventur der biologischen Vielfalt in den Wäldern Papua-Neuguineas beauftragt sind. Anschließend macht sich der Häuptling auf, die vielfältigen Ökosysteme seines Landes zu erkunden: Nach einem Besuch des einzigen sekundären Plantagenwaldes Papua-Neuguineas lernt er einige Lösungen kennen, die im Herzen der Primärwälder entwickelt werden, um diese besser zu schützen, unter anderem den Anbau von Vanille in der Agroforstwirtschaft in geringer Höhe. Er erfährt auch von den verschiedenen Programmen zum Schutz und zur Überwachung der Biodiversität, mit denen der illegale Handel bekämpft werden soll. Am Ende seiner Reise teilt Mundiya Kepanga seine neu gewonnenen Erkenntnisse mit seiner Gemeinschaft, um die Menschen dazu zu bewegen, Alternativen zur Abholzung aktiv umzusetzen und einen Beitrag zu dieser grünen Revolution zu leisten.
14:35
Im London des 19. Jahrhunderts lernen sich im Internat Brompton der unscheinbare John Watson und der hochbegabte Sherlock Holmes kennen. Die beiden Teenager könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch bahnt sich sofort eine Freundschaft an: Die fiktive Begegnung ist eine Hommage an die Romane von Sir Arthur Conan Doyle, der mit dem Duo Sherlock Holmes und Dr. Watson einen Meilenstein der Kriminalliteratur schuf. Der von Steven Spielberg koproduzierte Film erzählt vom ersten Fall des Genies und seines Partners. Als der Arztsohn John Watson in die englische Hauptstadt London zieht und die Schule wechseln muss, ist er plötzlich der Neue im Internat Brompton. Hier trifft er den jungen Sherlock Holmes, und zwischen den unterschiedlichen Teenagern ist es Freundschaft auf den ersten Blick: John ist schüchtern, ein bisschen pummelig und unscheinbar, Sherlock hingegen ist Jahrgangsbester im Fechten und das unnahbare Genie unter den Schülern, nie um eine Gelegenheit verlegen, sein Können unter Beweis zu stellen. Als sich einige rätselhafte Suizide ereignen, ist sich Sherlock sicher, dass etwas nicht stimmt. Gemeinsam mit John Watson beginnt er zu ermitteln. Sie werden tatkräftig von Sherlocks heimlicher Liebe unterstützt, seiner Mitschülerin Elizabeth. Für Sherlock und John ist dieses erste Abenteuer der Beginn einer lebenslangen Freundschaft. Auch wenn John Watson auf manche Waghalsigkeiten seines abenteuerlustigen Freundes gut und gerne verzichten könnte ... Ein spannungsreicher Film, der einen fiktiven Auftakt für die grandiosen "Sherlock Holmes"-Erzählungen liefert, in denen der Londoner Meisterdetektiv und sein bester Freund und Kollege Dr. Watson gemeinsam auch den mysteriösesten Fall lösen. Die Romane und die zahlreichen filmischen Adaptionen sind nicht zuletzt wegen der Kombination der ungleichen Protagonisten populäre Klassiker geworden, die noch heute die Zuschauer begeistern. Sherlock Holmes' Fälle sind beste Beispiele für die klassische Detektion: Eine Spur führt immer zum Täter.
16:25
Pompeji, 79 nach Christus: Als der Vesuv ausbricht, wird die antike Handelsstadt unter Asche und Bimsstein begraben. Bis heute, fast 2.000 Jahre nach der Katastrophe, gelingen Archäologen sensationelle Funde, die Einblicke geben in die Schrecken der letzten Stunden und den Alltag der Bewohner Pompejis. Nach der Erforschung florierender Gewerbebetriebe - einer Bäckerei und einer Wäscherei - richtet sich der Fokus der Grabungen auf ein prächtiges Anwesen in unmittelbarer Nähe. Abseits der einst belebten Straßen legen die Forscher eine luxuriöse Villa frei, die vermutlich einem einflussreichen Lokalpolitiker gehörte. Die Funde erlauben Einblicke in das verschwenderische Leben der pompejanischen Elite, das in scharfem Kontrast zu den Lebensbedingungen der versklavten Arbeiter in der nahe gelegenen Bäckerei steht. Zu den spektakulären Entdeckungen zählen außergewöhnliche Fresken in einem Bankettsaal sowie beeindruckende Mosaikfußböden - Relikte, die ebenso wie die gut erhaltene Feinkeramik die prunkvollen Gelage der Hausherren lebendig werden lassen. Die bewegendsten Entdeckungen gelingen in einem kleinen Nebenraum: der Leichnam einer Frau, die in einem Beutel kostbare Perlenohrringe und Goldmünzen bei sich trug. Als die Grabung fortschreitet, stößt das Team auf ein zweites Opfer: einen Mann, der unter einem eingestürzten Mauerstück begraben wurde. Wer waren diese Menschen? Warum blieben sie zurück, während so viele andere flohen?
17:25
Ob über den Aufstand von Landarbeitern in Südafrika, die Situation von Prostituierten in Mexiko oder über die neuen Gastarbeiter in Deutschland ... Das internationale Nachrichtenmagazin berichtet von den Brennpunkten der Welt.
18:20
Das einzigartige Magazin kombiniert wirtschaftliche, politische und historische Gesichtspunkte mit Geografie: Geschichtliche und aktuelle Entwicklungen werden dabei anhand von geographischen Karten erläutert.
18:35
Die Besitzer der "Patienten" in Neapels Puppenklinik kommen aus allen Teilen des Landes und aus allen Schichten. Das Ospedale delle Bambole ist mehr als eine Touristenattraktion, es ist ein Stück neapolitanischer Kulturgeschichte. "Chefärztin" Tiziana Grassi entstammt einer Dynastie von Puppendoktoren. Ihr Urgroßvater eröffnete das Ospedale delle Bambole, die Puppenklinik - vor mehr als 100 Jahren. Damals noch in einem kleinen Eckladen, bis unter die Decke vollgestopft mit Puppen und Figuren. Heute ist das kuriose Unikat in den einstigen Pferdeställen des 500 Jahre alten Palazzo Marigliano zu Hause, direkt um die Ecke der berühmten Krippenstraße. Tiziana Grassi ist auf Meister ihres Faches angewiesen, die es nur noch in diesem Stadtteil gibt - wie den Kunsthandwerker Armando Molli oder den Kurzwarenhändler Gennaro Rosolio, der bereits seit mehr als 70 Jahren in seinem Laden steht, und alte und seltene Knöpfe anbietet. Im traditionsreichen Geschäft für Künstlerbedarf der Familie Ramaglia deckt sich Tiziana Grassi mit hochwertigem Blattgold ein. Aber die Zeiten ändern sich. Heute gibt es im Viertel vor allem Massenware. Das traditionelle Handwerk stirbt auch in Süditalien.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Die klimatischen Verhältnisse setzen den Cannabisbauern im Norden Marokkos zu - alle haben mit dem Wassermangel zu kämpfen, er verschärft die ohnehin große Konkurrenz unter den Bauern. In Azila, einem Dorf, das ausschließlich vom Drogengeschäft lebt, dürfen die Bauern Cannabis zwar anbauen, aber nicht damit handeln. Im Rif-Gebirge leben schätzungsweise 300.000 Familien vom Cannabisanbau, die meisten davon in Armut - die besten Anbau-Lagen gehören einigen Großbauern, die das Geschäft zunehmend kontrollieren. Jeder ist des anderen Feind, wer illegal handelt, läuft Gefahr, im Gefängnis zu landen. Viele hier sind für die Legalisierung, um der allgegenwärtigen Angst zu entkommen. Doch das Legalisierungsprogramm der Regierung steckt in Schwierigkeiten, denn weniger Bauern als erhofft schießen sich ihm an. Cannabis verlor seinen zweifelhaften Ruf durch die therapeutische Wirkung bei zahlreichen Krankheiten. Die Hanf-Pflanze enthält mehr als hundert Cannabinoide, das Bekannteste ist THC. Es verändert Wahrnehmung, Konzentration und Zeitgefühl, kann aber auch psychische Probleme auslösen. CBD dagegen wirkt beruhigend, entspannend und entzündungshemmend und hat keine berauschende Wirkung. Für die legale pharmazeutische Produktion gelten verbindliche Regeln und hohe Standards, es gibt strenge Kontrollen, was viele Farmer abschreckt. Vor allem das Misstrauen gegenüber dem Staat sitzt tief: Willkür und Korruption sind an der Tagesordnung. Für Bestechung empfängliche Polizisten verdienen gut mit am illegalen Geschäft und unterlaufen nicht selten die Legalisierung. In diesem Spannungsfeld erleben wir die Auseinandersetzungen pro und contra Legalisierung sogar innerhalb von Familien.
20:15
Warum entstehen geniale Ideen an manchen Orten - und welches geistige Klima brauchen sie, damit sie wachsen und neues Wissen entsteht? Der Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist Harald Lesch folgt den Spuren der klügsten Denkerinnen und Denker, die unser Verständnis von der Welt bis heute prägen. Ein Roadmovie bis zu den Ursprüngen der Wissenschaft: von Wüsten und antiken Ruinen über Bibliotheken und Klöster bis zu den Universitäten Europas. Alles beginnt unter dem Sternenhimmel Mesopotamiens: bei Sumerern und Babyloniern, die mit jahrhundertelangen Himmelsbeobachtungen Kalender und Zeitrechnung entwickelten - die Basis aller Wissenschaft. In der griechischen Hafenstadt Milet wagen Denker erstmals, Natur ohne Mythen, allein mit dem Verstand zu erklären. Alexandria wird mit seiner berühmten Bibliothek und seinem Museion zum größten Wissenszentrum der Antike - ein Ort, an dem Forschung gezielt politisch gefördert wird, weil Wissen als Macht- und Prestigefaktor gilt. Mit dem Zerfall der antiken Welt droht dieses Wissen zu verschwinden. Doch arabische Gelehrte übersetzen, bewahren und erweitern es: in Astronomie, Physik oder Medizin. Von Bagdad über Fès bis Kairo entsteht ein goldenes Zeitalter der Wissenschaft. Über das maurische Andalusien gelangt dieses Wissen schließlich zurück nach Europa. Muslime, Christen und Juden arbeiten hier gemeinsam an Übersetzungen aus dem Arabischen ins Lateinische. Über Venedig, London und Cambridge verfolgt Harald Lesch den Weg des Wissens weiter bis zu den Anfängen der modernen Naturwissenschaft. Am Ende des Films steht die Erkenntnis: Die besten Ideen gedeihen dort, wo Denken frei bleibt und Wissen geteilt wird.
21:45
Zahlen sind heute allgegenwärtig. Man könnte meinen, es habe sie schon immer gegeben. Doch die Menschheit kam lange Zeit ohne sie aus. Einige traditionelle Gesellschaften zählen noch immer mit den Fingern oder kleinen Gegenständen. Die Samen im hohen Norden begnügten sich vor der europäischen Kolonisation damit, die Zahl der Rentiere in ihren Herden zu schätzen. Wozu sollte man Buch führen über jedes Tier, das geboren oder gestorben war, wenn es auch anders ging? Die ersten Formen der Buchführung entstanden erst, als die Menschen sesshaft wurden. Als Nomaden zählten sie die Tage oder Zyklen ihrer Wanderungen wahrscheinlich mit einfachen Strichen oder anderen Markierungen. Erst als Vorräte gelagert und gesichert werden mussten, wurden genauere Zählsysteme notwendig. In mesopotamischen Ausgrabungsstätten wie dem Stadtstaat Mardaman im Westen der Autonomen Region Kurdistan im Irak wurden zahlreiche Tontafeln gefunden, die von einer frühen Buchhaltung zeugen: Diese ältesten Schriftdokumente der Menschheit zeigen Zahlen, die lange vor den ersten Buchstaben niedergeschrieben wurden. Die Entwicklung schriftlicher Buchhaltungssysteme ermöglichte schon bald die Entstehung riesiger Reiche. Vom Nahen und Mittleren Osten bis nach China und Mittelamerika umgaben sich die großen Herrscher der Antike mit Schreibern und Buchhaltern, die Aufgaben wie Heeresaufstellungen, Landvermessung und Steuererhebung übernahmen. Zunächst wurden an verschiedenen Orten unterschiedliche Zahlensysteme verwendet, doch schließlich setzte sich nur eines durch: das so genannte Stellenwertsystem, das bis heute in Gebrauch ist. Es entstand in Indien und diente zunächst vor allem Astronomen und Wahrsagern. Nur zehn Zeichen - darunter die berühmte 0 - reichen aus, um alle Zahlen abzubilden. Eine geniale Erfindung, die einen weltweiten Siegeszug antrat.
22:40
Im Westen spricht man von "arabischen Ziffern", aber in der arabischen Welt gilt die heutige europäische Schreibweise als westlich. Was also ist "arabisch" an den Zeichen, die einst aus Indien nach Europa kamen und sich in weiten Teilen der Welt durchsetzten? Die Spur der Zahlen führt nach Bagdad. Dort sorgte im 8. Jahrhundert ein Gelehrter namens al-Chwarizmi - von seinem latinisierten Namen "Algorismi" leitet sich "Algorithmus" ab - für die Verbreitung der indischen Zahlenschrift und wurde zum Vater der modernen Algebra. Die heute in Europa gebräuchlichen "arabischen" Ziffern gehen auf eine andere Schriftvariante zurück, die "Ghubar" - arabisch für "Staub" - genannt wird. Sie entstand an den sogenannten "Staubtischen" maghrebinischer Kaufleute im Mittelmeerraum. In dieser Form, aus dem Westen der muslimischen Welt stammend, gelangte sie schließlich auf christlichen Boden. Allerdings hatte es die arabische Zahlschrift im europäischen Mittelalter zunächst schwer, sich gegen die römischen Ziffern durchzusetzen. Letztere waren ein Erbe des Römischen Reiches und wurden von Königen und Päpsten als Namenszusatz verwendet, um ihr Prestige zu unterstreichen. Leonardo Fibonacci machte zu Beginn des 13. Jahrhunderts mit seinem Rechenbuch "Liber Abaci" die Zahlen aus dem südlichen Mittelmeerraum in Europa populär. Ihm ist es zu verdanken, dass die Kaufleute das schriftliche Rechnen erlernten und die römischen Abakusse - Rechenbretter, auf denen kleine Steine, die "Calculi", verschoben wurden - mit der Zeit außer Gebrauch kamen. Über das muslimische Andalusien gelangten die Ghubar-Zahlen schließlich ins übrige Europa und von dort über die Ozeane in die Neue Welt.
23:30
Schriftliche Rechenverfahren führten in der Renaissance zu tiefgreifenden Veränderungen im Bankenwesen und im Handel. In der Schule werden heute noch die gleichen Rechenarten gelehrt wie im ausgehenden Mittelalter, doch im modernen Alltag werden sie kaum noch angewendet. Der Grund: Moderne Maschinen können alle erdenklichen Rechenaufgaben in Sekundenschnelle fehlerfrei lösen. Nicht umsonst bedeutet das englische Wort "Computer" schlicht "Rechner". Der leistungsstärkste Rechner der Welt ist der Frontier-Supercomputer in den USA. Die Erfindung des Computers markiert den Beginn eines neuen Zeitalters: Die digitale Revolution übersetzt die Welt von heute in atemberaubender Geschwindigkeit in Zahlen. Heute ist es kaum mehr vorstellbar, dass diese Supercomputer am Ende einer jahrhundertelangen Reihe vergeblicher Versuche stehen. Seit der französische Philosoph Blaise Pascal im 17. Jahrhundert die erste mechanische Rechenmaschine entwickelte, haben Erfinder daran gearbeitet, der Menschheit verlässliche und universelle Bezugspunkte zum Verständnis der Welt an die Hand zu geben. Sie machten die Zahlen zu den besten Verbündeten der Wissenschaft und ermöglichten den Aufstieg des Zahlensystems zur universellen Sprache der Menschheit. Im ausgehenden 20. Jahrhundert sorgte die Computertastatur für eine weltweite Standardisierung der Zahlennotation. Seither zählt die ganze Welt von New York bis Peking mit den gleichen Symbolen. Die faszinierende Geschichte der zehn kleinen Ziffern ist untrennbar mit der Geschichte der Menschheit verbunden, die sie erfunden, verbreitet, übernommen, durchgesetzt und hinterfragt hat. Werden die Zahlen auch die Zukunft der Menschheit bestimmen?