17:50
Georgien hat viele Naturparadiese. Eines davon liegt am Nordrand des kleinen Kaukasus: der Nationalpark Bordschomi-Charagauli mit fast 80.000 Hektar Urwald. Schluchten und bis zu 2.000 Meter hohe Berge prägen die Landschaft. Im Süden des Schutzgebiets wachsen Eichen und Kiefern. Es ist ein Zauberwald, nahezu unberührte Natur. Nach dem Winter zieht Viehhirte Atschiko Beradze hinauf in die Berge des Nationalparks. Hier oben sind die Weideflächen für seine Kühe, doch Wölfe und Bären können ihnen gefährlich werden. Im Tal nebenan sind die Zapfenpflücker Zurab Kakischwili und sein Enkel Nicolas auf der Suche nach grünen Kiefernzapfen. Daraus machen sie Sirup, um ihren Unterhalt zu verdienen. Doch dieses Jahr sind die Erträge gering, das Wetter spielt verrückt. Nach einer zweijährigen Zwangspause startet der legendäre Kukuschka-Zug in der Stadt Bordschomi. Ein großer Tag für Lokführer und Passagiere. Die 16-jährige Irina lebt im Bergdorf Tabatskuri. Die Winter sind hart, gerade erst schmilzt der letzte Schnee. Die rund 200 Familien leben hier isoliert, ohne Perspektiven. Nach ihrem Schulabschluss wird Irina ihr Dorf verlassen müssen, um sich ein besseres Leben aufzubauen. Währenddessen betrachtet Astronom Vazha Kulijanischwili die Sterne. Das erste Bergobservatorium der ehemaligen Sowjetunion liegt im Nationalpark Bordschomi-Charagauli. Bis zu 400 Menschen haben hier gelebt und gearbeitet. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler galten damals als die Elite des Landes. Mit 74 Jahren hat Vazha noch einen großen Wunsch: Er möchte zum Mond fliegen.
18:30
Abgelegen und ursprünglich ist es in Pschaw-Chewsuretien. Solche Flecken sucht man im restlichen Europa vergeblich. Nicht einmal 3.000 Menschen leben in dieser einsamen Bergregion. Bis ins vergangene Jahrhundert kamen kaum Fremde bis hierher. In den schwer zugänglichen Gebirgstälern mischen sich Traditionen aus christlicher und heidnischer Zeit. Wie in Amgha, dem letzten Dorf vor dem Grenzgebirge. Hier lebt Paata Tsiklauri allein mit seiner Mutter. Seine Kinder sind in den 1990er Jahren weggezogen - seitdem verfällt das Dorf. Aber einmal im Jahr kehrt Leben in Amgha ein: zum Atengenoba-Fest. Das Fest steht für das Miteinander. Im Bergdorf Pschawi huldigen die Männer dem Schutzgott der Krieger. Zu jedem Fest gehört Khridoli - eine uralte Kampfkunst, die hauptsächlich hier verbreitet ist. Damit kein Feind ins Landesinnere dringt, mussten besonders die Bergbewohner ihre Heimat schützen. So ist auch das Dorf Schatili im Mittelalter entstanden, nur vier Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Es steht für die einzigartige chewsuretische Architektur- und Baukunst. Schatili ist als Festung in den Berghang hineingebaut: 60 Wehrtürme haben das Land nach Nordosten hin gesichert. Tiefe Schluchten, weiße Gipfel, grüne Bergwiesen und tosende Bäche: Die Dörfer liegen inmitten der eindrucksvollen Natur des Hochgebirges mit seinen zum Teil über 5.000 Meter hohen Gipfeln. In dieser Region gibt es Bräuche und Traditionen, die es nirgendwo sonst gibt. Die Menschen sind mit ihrem Land und ihrer Lebensart seit Generationen verwurzelt.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:35
19:40
Die Insel Palagruža ist ein abgelegener Felsen mitten in der Adria, weit entfernt von jeder Küste und Zivilisation. Seit 1875 steht hier ein Leuchtturm, der bis heute von Menschen betrieben wird. Einer von ihnen ist Vojo Šain. Seit 26 Jahren arbeitet er als Leuchtturmwärter und gehört damit zu den letzten seines Berufsstandes in Kroatien. Für ihn ist der Turm längst mehr als nur ein Arbeitsplatz. "Wer hier die Tage bis zur Ablösung zählt", sagt er, "fühlt sich gefangen. Wer aber die Natur liebt, findet auf Palagruža ein besonderes Stück Freiheit". Das Leben auf der Insel ist herausfordernd: Alle Vorräte müssen mit dem Boot hergebracht und auf den 103 Meter hohen Felsen getragen werden. Die Wärter sind Handwerker, Meteorologen, Funker und Selbstversorger zugleich. Sie trotzen Wind, Wetter und Einsamkeit. In diesem Sommer begleitet Vojo auf Palagruža nicht nur seine Frau Manuela, die ihm Gesellschaft leistet, sondern auch ein neuer Kollege, den er in das harte Inselleben einweist. Die Reportage zeigt den Alltag auf der Insel zwischen Dienst, Wartungsarbeiten und Wetterbeobachtung, zwischen harter Arbeit und Momenten der Ruhe. Es wird sichtbar, wie Entbehrung und Hingabe, Sehnsucht und Erfüllung hier untrennbar ineinandergreifen. Ein Beitrag über eine Liebe zum Meer, die stärker ist als jede Widrigkeit.
20:15
Lange Tage, kaum Freizeit und viel Schufterei - Landwirtschaft war schon immer ein harter Job. Mit ländlicher Idylle hat das Leben auf dem Bauernhof auch heute wenig zu tun. Die Produktion unserer Lebensmittel hat sich im vergangenen Jahrhundert zunehmend industrialisiert. Die Landwirtschaft in Deutschland und im Nachbarland Frankreich hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1990er Jahre dramatisch verändert. In den harten und entbehrungsreichen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg dienten noch Pferde und Ochsen als Zugtiere, und ein Großteil der Arbeit auf den Feldern wurde von Hand erledigt. In den 1950er und 1960er Jahren erleichterte der Einsatz von Traktoren, Mähdreschern und Melkmaschinen die bäuerliche Arbeit und führte zu einer erheblichen Steigerung der Erträge. Gleichzeitig brachte die Mechanisierung eine drastische Reduzierung der in der Landwirtschaft beschäftigten Personen mit sich, was sich auch auf das Leben in den Dörfern auswirkte. Historische Aufnahmen und emotionale Berichte von Zeitzeugen beleuchten, wie unterschiedlich die Entwicklung in Ost und West verlief. Während man in der Bundesrepublik und in Frankreich vor allem auf kleinere, familiengeführte Betriebe setzte, wurden in der DDR Großgrundbesitzer entschädigungslos enteignet und das konfiszierte Land wurde neu verteilt. Für mehr als 200.000 Landlose und ihre Familien bot sich so die Chance, eine Existenz als selbstständige Kleinbauern aufzubauen. Später wurden jedoch alle selbstständigen Bauern zum Eintritt in landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften gezwungen. Um dieser Zwangskollektivierung zu entgehen, flohen viele Bauern in den Westen, wo die rasche Modernisierung der Landwirtschaft erheblich zum sogenannten Wirtschaftswunder beitrug.
20:55
Seit den 1960er Jahren hält moderne Technik Einzug in die Landwirtschaft. Auch in der DDR spielen Maschinen eine immer größere Rolle. Immer größere Flächen, immer leistungsstärkere Maschinen - nur auf diese Art, so scheint es, können landwirtschaftliche Betriebe überleben. Durch die Mechanisierung nimmt die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft immer mehr ab. Das hat auch Einfluss auf das Leben in den Dörfern. "Wachsen oder weichen", war das Motto in Westdeutschland - und wer bei diesem Modernisierungsrausch nicht mitzog, blieb auf der Strecke. Jeder musste mit anpacken, selbst die Kinder. So erging es auch Ewald Frie, der einen Bestseller über seine Familie und das Landleben veröffentlichte. Doch trotz Mechanisierung musste in den 1970er Jahren jeder fünfte landwirtschaftliche Betrieb in der Bundesrepublik aufgeben. Daran änderten die Subventionen der EU-Agrarpolitik nichts. Auch in der DDR schritt die Industrialisierung der Landwirtschaft unaufhaltsam voran: Bereits in den 1960er Jahren entstanden dort gigantische Anlagen, in denen Tausende Nutztiere auf engstem Raum gehalten wurden. Doch die Massentierhaltung sowie der starke Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden schadeten der Umwelt - im Osten wie im Westen. Anfang der 1980er Jahre kam es bei einigen zu einem Bewusstseinswandel: Inspiriert durch die aufkommende Öko-Bewegung entschlossen sich die ersten Landwirte, ganz auf den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Es ist der Beginn des Bio-Booms in der Landwirtschaft.
21:40
Spier erhält eine Vorladung ins Durchgangslager Westerbork, von wo aus Juden deportiert werden. Um ihn zu schützen, schlägt Etty ihm vor, zu heiraten. Innerlich ist sie hin- und hergerissen, ob sie ihre Haut retten oder bei Spier bleiben soll. Regisseur Hagai Levi versetzt die Lebensgeschichte der jüdischen Intellektuellen Etty Hillesum aus den 1940ern in die Jetztzeit.
22:55
Etty nimmt ihre Arbeit beim Judenrat auf. Dort beobachtet sie, wie einflussreiche Personen Freistellungen bekommen und so der Deportation entgehen. Von diesem System angewidert, versucht sie dennoch, Spier vor der Deportation zu retten. Regisseur Hagai Levi versetzt die Geschichte der jüdischen Intellektuellen Etty Hillesum aus den 1940ern in die Jetztzeit.
23:55
Etty glaubt, dass sie schwanger ist. Sie ist dennoch fest entschlossen, in die Außenstelle des Judenrats im Lager Westerbork zu wechseln. Auch wenn dort niemand für ihre Sicherheit garantieren kann. Etty will das Schicksal ihres Volkes teilen. Regisseur Hagai Levi versetzt die Geschichte der jüdischen Intellektuellen Etty Hillesum aus den 1940ern in die Jetztzeit.