09:15
Von jeher suchten Menschen in Höhlen Schutz. Und die moderne Architektur zeigt, dass es sich unter der Erde nicht nur wohl temperiert, sondern auch gut belüftet und beleuchtet leben lässt. So schmiegen sich die Häuser der griechischen Architektin Iliana Kerestetzi in die Hänge der Insel Serifos. Sie orientiert sich an der traditionellen Bauweise und verwendet überwiegend die Materialien, die sie im Gelände vorfindet. Ebenfalls naturverbunden zeigt sich der Architekt Peter Vetsch, der organische Rundformen bevorzugt, die Gebäude in die Landschaft einpasst und seine "Erdhäuser" mit natürlichem Bewuchs überzieht, was auch energetisch von Vorteil ist. Nur wenige Touristen wissen, wie weit verzweigt das Tunnelsystem unter der finnischen Hauptstadt Helsinki ist. Von den Auto- und Fußgängertunneln führen Wege zu Bunkeranlagen, die im Ernstfall fast allen Einwohnerinnen und Einwohnern Schutz bieten. In den Fels geschlagen ist etwa die Temppeliaukio-Kirche. Daneben befinden sich unter der Erde auch Schwimmbäder und der Erweiterungsbau des Museums Amos Rex. Die Ausstellungsräume des Museums liegen tief im Boden und werden über markante Lichtkuppeln erhellt; auch sie könnten im Krisenfall als Zufluchtsort dienen.
09:45
Ausgerechnet die sozialen Netzwerke beleben ein jahrhundertealtes Medium neu und begeistern eine junge Generation wieder fürs Lesen. Unter dem Hashtag BookTok tauschen sich online Millionen Bücherfans weltweit aus. Reaction-Videos, Buchempfehlungen, Lese-Sessions - BookTok gibt der Literaturkritik neuen Raum. Die französische Autorin Morgane Moncomble ist eine der prägenden Stimmen dieser Bewegung. Mit 30 Jahren gehört sie zu den erfolgreichsten Romance-Autorinnen Frankreichs. Ihr Erfolg zeigt: BookTok schafft Platz für neue, vor allem weibliche Stimmen und verschiebt die Regeln des klassischen Literaturbetriebs. Auch das Aussehen von Büchern wird wichtiger. Sie sind Statussymbole, die vor der Kamera ebenso wie im Regal glänzen müssen. Die britische Malerin Maisie Matilda ist mit einer jahrhundertealten Technik auf TikTok zum viralen Hit geworden: dem Fore-Edge-Painting. Sie bemalt Buchschnitte und macht so jedes ihrer Werke zum Sammelobjekt. Die BookTok-Bewegung existiert auch offline: In Zürich treffen sich junge Menschen regelmäßig zum "Silent Reading Rave" - jeder liest für sich und doch gemeinsam. Ein stiller Gegenentwurf zur lauten Welt, inspiriert von einer digitalen Bewegung. Dass Geschichten nicht auf der letzten Seite enden müssen, erklärt die Hamburger Autorin Simoné Goldschmidt-Lechner, Expertin für Fanfiction-Foren. Dort schreibt das lesende Publikum ihre Lieblingsbücher online weiter. "Twist" taucht in diese Community ein und fragt: Was taugt der Hype? Wie verändert sich die Art zu lesen? Und welche Konsequenzen hat das für die Literaturwelt?
10:15
Louis-Marie Blanchard, Schriftsteller und Naturforscher, begibt sich auf eine 5.000 Kilometer lange Reise auf den Spuren von John Muir, dem geistigen Gründungsvater der US-Nationalparks. Sein Weg führt ihn nach Kalifornien, zu den legendären Landschaften des Sequoia-Nationalparks, der John Muir Wilderness und des Yosemite-Nationalparks, die Muir einst zu schützen half. Gemeinsam mit Biologen, Forschern, Aktivisten und Förstern thematisiert Blanchard die heutigen Bedrohungen dieser wilden Gebiete: Dürren, riesige Waldbrände, Klimawandel und Urbanisierung. An der Seite von Anthony Ambrose und Wendy Baxter erklimmt er den Wipfel eines Mammutbaums, um die Auswirkungen von Wassermangel auf diese jahrtausendealten Riesen zu beobachten. Mit Kristen Shive und Tony Caprio durchstreift er Brandgebiete, in denen alte Bewirtschaftungsmethoden der indigenen Stämme wiederbelebt werden. Blanchard lernt viele Menschen kennen, die das Vermächtnis von John Muir weitergeben: William Tweed, Naturforscher und Umwelthistoriker, Deanna Lynn Wulff, Umweltaktivistin, die einen geschützten Korridor zwischen Yosemite und Sequoia schaffen will, und Spreck Rosekrans, Aktivist für die Wiederherstellung des überfluteten Hetch Hetchy Valley. In San Francisco besucht Blanchard das Haus von John Muir und dessen "Schreibhöhle". Die Reise thematisiert die Paradoxe des Naturschutzes: Massentourismus, Spannungen zwischen Umweltschutz und Wirtschaftswachstum sowie die manchmal kontroverse Erinnerung an den Vater der Nationalparks. Die Dokumentation verknüpft prägende Begegnungen, faszinierende Naturerlebnisse und persönliche Reflexionen über die kalifornische Wildnis.
11:10
Auf dem Weg nach Kalifornien reist Louis-Marie Blanchard durch Oregon und die nördlichen Ausläufer der Sierra Nevada, bewundert unberührte Landschaften und lernt einiges über die dortigen Ökosysteme. In den White Mountains bestaunt er Langlebige Kiefern, die als älteste Bäume der Welt gelten und bis zu 5.000 Jahre alt werden können. Gemeinsam mit der Wissenschaftlerin Connie Millar entdeckt er ihren faszinierenden Stoffwechsel und ihre außergewöhnliche Widerstandskraft - eine Inspiration für den Kampf gegen den Klimawandel. Im Anschluss durchquert er das Große Becken Nevadas, wo die dramatischen Folgen des Goldrauschs noch immer sichtbar sind. Die Vernichtung der indigenen Völker, die Umweltschäden durch den Bergbau und die bis heute nachwirkende Quecksilberbelastung gelten als menschliche und ökologische Tragödie. An der Seite des Historikers Ed Allen besucht er symbolträchtige Orte wie den Mono Lake und die Geisterstadt Bodie. Bei der vulkanischen Kaskadenkette im Norden besucht er ein Herbarium, nimmt den Vulkanboden unter die Lupe und erkundet die Vegetation in Höhenstufen. Nach einem Stopp am Mount Shasta führt ihn die Reise schließlich zu den einst artenreichen Naturwundern Crater Lake und Mount Rainier. Mit der Biologin Amanda Silber vom Mount Rainier Institute beobachtet Blanchard die Folgen des Klimawandels: schmelzende Gletscher, bedrohte alpine Pflanzen und aus dem Gleichgewicht geratene Ökosysteme. Dieser Teil der Doku-Reihe vertieft die zentralen Umweltfragen des amerikanischen Westens und verbindet Forschergeist, geschichtliche Exkurse, Ökologie und kontemplative Momente. Er ist zugleich eine Hommage an eine neue Langsamkeit, ans genaue Beobachten und an die letzten wilden Landschaften des Kontinents.
12:05
Louis-Marie Blanchard befindet sich auf der letzten Etappe seiner Reise auf den Spuren von John Muir, die ihn nach Alaska führen. Er erkundet die faszinierenden Landschaften der Insel Wrangell, die animistischen Traditionen der Tlingit und die großen Ökosysteme, für die Muir so leidenschaftlich eintrat. Gleichzeitig wird eine andere Facette des ökologischen Kampfes beleuchtet: die Weitergabe von Kulturen, die Widerstandsfähigkeit der Völker und die Notwendigkeit schneller, effizienter Maßnahmen gegen den Klimawandel. Auf Wrangell trifft er Mike Hoyt und Esther Reese, die sich für die Bewahrung der Tlingit-Kultur einsetzen. Gemeinsam sprechen sie über Totems, symbolträchtige Tiere, Gesänge und Rituale, die fast einer radikalen Kolonisierung zum Opfer gefallen wären. Der Tongass-Wald, ein riesiges feuchtes Schutzgebiet, bietet eine üppige Kulisse, die bereits Muir begeisterte. Blanchard fährt den Stikine-Fluss hinauf und begibt sich dann auf die Insel Chichagof, die Heimat der Grizzlybären. Mit einer Naturführerin wandert er durch den Wald, angelt in Lachsflüssen und beobachtet Bären in dieser atemberaubenden und doch bedrohten Natur. Der Höhepunkt ist der Besuch des Glacier-Bay-Nationalparks. Blanchard bricht zum Muir-Gletscher auf und spricht mit Zach Brown, Biologe und Aktivist, der wie bereits Muir ein Bewusstsein für den Klimawandel schaffen will, Jugendliche ausbildet und gegen die Nutzung fossiler Energien kämpft. Der Gletscher, der sich bis heute um 25 Kilometer zurückgezogen hat, wird zum Symbol des Kampfes um die Zukunft. Die Dokumentation hinterfragt die Fähigkeit der Menschheit, sich wieder mit der Natur zu verbinden und würdigt neben Muir auch all jene, die seine Botschaft weitertragen.
13:00
Um 1865, mitten im amerikanischen Bürgerkrieg, wählt der Nordstaaten-Offizier John J. Dunbar als Belohnung für eine heldenhafte Tat die Versetzung an einen der westlichsten Außenposten. Doch als er in Fort Sedgewick ankommt, muss er feststellen, dass es verlassen wurde und er der einzige Bewohner ist. Um ihn herum nur Büffel, ein Wolf und die Ureinwohner, ein Stamm der Sioux, darunter der Medizinmann Strampelnder Vogel, der Krieger Wind in seinem Haar, der Häuptling Zehn Bären und Steht mit einer Faust, eine weiße Frau, die als Kind in den Stamm aufgenommen wurde. Die ersten Aufeinandertreffen sind alles andere als harmonisch, etwa als die Sioux Dunbars Pferd stehlen wollen. Aber allmählich, durch Dunbars Tapferkeit und Ehrlichkeit, entwickeln die Sioux und er gegenseitigen Respekt und Bewunderung. Mehr und mehr taucht er in ihr Leben und in ihre Kultur ein, heiratet Steht mit einer Faust und wird Mitglied des Stammes. Eines Tages trifft er im Fort unerwartet auf Soldaten der Nordstaaten-Armee. Sie stellen ihn vor die Wahl, gegen die Ureinwohner zu kooperieren oder wegen Hochverrats angeklagt zu werden. Und Dunbar entscheidet sich ... Die weitere Eroberung des amerikanischen Westens durch die Weißen ist jedoch nicht aufzuhalten. Ausdrucksstark zeichnet der Film Dunbars Einleben in die ihm zunächst fremde Kultur nach, folgt seiner mitreißenden Romanze mit Steht mit einer Faust, seinen bemerkenswerten Freundschaften mit der indigenen Bevölkerung und schließlich der Entscheidung, die er als Mann auf der Suche nach sich selbst treffen muss und die sein Schicksal bestimmen wird.
15:55
"Der mit dem Wolf tanzt" gilt als Kevin Costners Meisterwerk und belebt Anfang der 1990er ein totgeglaubtes Genre. Während Western als unmodern gelten, ist Costner überzeugt: Man muss sie nur anders erzählen. Er führt selbst Regie und setzt auf maximale Authentizität - erstmals werden indigene Rollen ausschließlich mit amerikanischen Ureinwohnern besetzt, erstmals sprechen indigene Figuren im Blockbuster-Kino Lakota. Der Film trifft den Nerv der Zeit, gewinnt sieben Oscars und verändert die Wahrnehmung des Westerns nachhaltig. Costner wächst behütet auf, entdeckt früh seine Liebe zum Kino und arbeitet sich vom Nebendarsteller in "Silverado" zum Weltstar in "Bodyguard" hoch. Flops wie "Waterworld" oder "Postman" lassen sein Image schwanken, doch dem Western bleibt er treu: Mit "Open Range" kehrt er 2003 zurück, mit der Serie "Yellowstone" prägt er das Genre im Streaming-Zeitalter neu. Gleichzeitig entwickelt sich der Western weiter: "Brokeback Mountain" zeigt 2005 offen die intime Beziehung zweier Cowboys, "Westworld" verbindet Westernmotive mit Science-Fiction, Quentin Tarantino setzt in "Django Unchained" auf überzeichnete Gewalt und Hip-Hop-Sounds.
16:50
Viele männliche Künstler haben sich immer wieder mit dem Motiv der Femme fatale auseinandergesetzt. Ob bei Gustave Moreau, Franz von Stuck oder Lovis Corinth - sie alle stellen sie als verführerische, üppige Frau dar, die Verderben und Tod verkörpert. Besonders die biblische Gestalt der Salomé wird oft als Inbegriff dieser verhängnisvollen Weiblichkeit inszeniert. Sie ist ein historischer Mythos, eine männliche Fantasie - bis Frauen ihren Platz in der Welt der Kunst einfordern, selbst entscheiden, wie sie sich sehen wollen, und die Deutungshoheit über ihren Körper erobern. Der Dämonisierung weiblicher Erotik setzen Künstlerinnen wie Ulrike Rosenbach, Evelyne Axell oder Maria Lassnig ihr eigenes Selbstverständnis entgegen und erkämpfen sich Freiheit und Gleichberechtigung. Die Dokumentation wagt einen neuen Blick auf das Thema. Sie zeigt, wie sich das Bild der klassischen Femme fatale mit dem fortschreitenden Kampf um Gleichberechtigung in den 1960er und 1970er Jahren verändert hat und fragt, wo wir heute stehen, in Zeiten von MeToo-Debatte, Quotenfrauen und Genderforschung. Im Zuge der feministischen Bewegung haben Künstlerinnen sich den Mythos angeeignet, ihn umgedreht, neu besetzt und damit schließlich demontiert.
17:40
Béla Bartóks "Konzert für Orchester" wurde sein vielleicht bekannteste Komposition. Bartóks Idee war nach eigener Aussage, die Verbrüderung der Völker, der er in seiner Musik zu dienen versuchte. Einige Jahre nach seinem Tod im September 1945 interessierte sich nicht nur die Filmindustrie für seine Musik, er erhielt posthum auch Ehrenmitgliedschaften und Auszeichnungen. Sogar ein Asteroid und ein Gletscher in der Antarktis wurden nach ihm benannt. Der tschechische Dirigent Jakub Hrusa ist ein häufiger Gast bei den Berliner Philharmonikern. Wie so oft schaut Hrusa nach Osten und präsentiert die leidenschaftlich entfesselte Musik Bartóks, die einen engagierten, europäischen Humanismus feiert.
18:25
(1) Das Wort Es gibt ein deutsches Wort, das die Französin Prune Antoine unangenehm berührt: Schamhaar. (2) Das Inventar Bemalte Kleintransporter in Deutschland und in Frankreich. (3) Die Sendung Die deutsche Journalistin Nikola Obermann erklärt, warum sie in der Mittagszeit gerne französisches Radio hört. (4) Das Rätsel Und wie jede Woche das Rätsel!
18:40
Die erste Folge erkundet den Westen Südtirols. Sie führt entlang des nördlichsten Abschnitts des Flusses Etsch durch den Vinschgau bis in das Gebiet um Meran, wo österreichischer Glanz auf mediterranes Flair trifft. Aus Schleis, einem Dorf mit 360 Einwohnern im Obervinschgau, stammt ein Käse, der mehrfach international ausgezeichnet wurde. Kreiert hat ihn Alexander Agethle. Seine Kühe gehen täglich auf die Weide und fressen das Gras, das direkt vor der Tür wächst. Wegen dieser Bedingungen schmeckt das Käse-Soufflé von Alexanders Frau Sonja so lecker. Von Schleis sind es nur wenige Minuten bis nach Plawenn. Konrad Meßner war hier eine treibende Kraft, als es im Tal darum ging, wieder wie früher Roggen und Dinkel anzubauen - in der einstigen Kornkammer Tirols. Mit dem Vinschger Paarl kocht er die traditionelle Brennsuppe. Seine Version fällt etwas üppiger aus: mit mediterranem Touch. An der Grenze zwischen Ober- und Untervinschgau liegen die Bio-Apfelwiesen von Florin Pichler. Heute stammt jeder zehnte europäische Apfel aus Südtirol. Der Intensivanbau boomt. Florin setzt hingegen auf eine konsequent biologische Landwirtschaft. Mit seinen Äpfeln backen seine Frau Nadia und Tochter Sophia den wohl bekanntesten Nachtisch Südtirols: den Apfelstrudel. Professor Paul Thuile ist ein Tüftler. In seiner Freizeit baut er Möbel und Lampen. Mit derselben Akribie widmet er sich auch der Wurstherstellung. Thuile experimentiert gern beim Kochen und interpretiert so den italienischen Klassiker Lasagne neu: diesmal mit Südtiroler Brät, norditalienischem Radicchio, Gorgonzola und Walnüssen.
19:10
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:30
Gracie ist eine lebendige, energiegeladene Rastafrau. Sie rappt gern und lebt mit ihrer zehnjährigen Tochter Anna in einem 400-Seelen-Dorf. Ihre ältere Tochter lebt bei der Schwiegermutter in Kingston - Gracie fehlt das Geld, um beide Kinder selbst großzuziehen. Das ist keine Seltenheit auf Jamaika. Gracie träumt davon, in ihrem Dorf einen kleinen Gemüseladen zu eröffnen, der den Nachhaltigkeitsregeln der Rastafari entspricht. Sie ist Händlerin und fährt wöchentlich mit einem überfüllten Truck zum Markt nach Kingston - mit Bananen, Kokosnüssen und dem, was die Saison hergibt. Die Ware kauft sie auf Kredit von den Farmern, der Gewinn reicht nur für das Nötigste. Doch Gracie lebt nach dem Motto ihrer Großmutter: "Hilf dir selbst, dann wird auch Hilfe kommen." Auch Gracies Freunde Quaco und Robert nennen sich "Großmutters Söhnchen". Schon als Kinder suchten sie mit ihren Großmüttern nach Heilpflanzen im Regenwald. Rasta Quaco gehört zu den "Top Two" der Heiler, sagt Robert. Wenn er nicht mit Quaco unterwegs ist, fährt er ein Sammeltaxi und hilft auch Gracie, die auf der Suche nach günstigem Baumaterial für ihren Laden ist. Quaco und Robert folgen ihrer Vision im tiefsten Regenwald: Sie sind auf der Suche nach der sagenumwobenen Wurzel "Four Man Strength" - benannt nach ihren vier herzförmigen Adern. Die Pflanze gilt weltweit als begehrtes Mittel zur Stärkung der Immunkräfte und als Aphrodisiakum. Quaco braucht sie, um sein spezielles Lebenselixier herstellen zu können. Die Dokumentation gibt einen intimen Einblick in die lebensbejahende und naturverbundene Lebenswelt einer Community, die mehr zu bieten hat als Reggae.
20:15
Bitte einsteigen! Die Passagiere des luxuriösen "Orient-Express" auf dem Weg nach Istanbul nehmen ihre Plätze ein. Unter ihnen ist auch Detektiv Hercule Poirot, der sich auf dem Rückweg von einem Fall in Jordanien befindet. Nur durch Beziehungen zum Eisenbahnpersonal konnte Poirot in letzter Minute einen Platz im Schlafwagen "Athen-Paris" ergattern. Dessen Passagiere sind allesamt skurrile Persönlichkeiten: Da sind zum Beispiel die Missionarin Greta Ohlsson, der sexuell gehemmte Hector McQueen, die reiche Witwe Harriet Hubbard, die Exil-Prinzessin Dragomiroff - und Samuel Edward Ratchett, der regelmäßig Morddrohungen erhält. Als er Poirot eine hohe Summe bietet, damit er ihn auf der Reise bewache, lehnt der Detektiv ab. Kurz darauf wird Ratchett im Schlaf brutal mit einem Messer ermordet. Inzwischen ist der Zug in einer Schneewehe steckengeblieben - und Poirot beginnt mit seinen Ermittlungen. Verfilmung des Agatha-Christie-Klassikers mit großem Staraufgebot.
22:20
Mehr als zwei Milliarden verkaufte Exemplare, darunter 66 Kriminalromane, 6 Romane, mehr als 150 Kurzgeschichten und rund 25 Theaterstücke: Nur William Shakespeares Werke wurden öfter verkauft als die von Agatha Christie, deren Popularität bis heute ungebrochen ist. Im Jahr 2020 feierte ihr erster Roman "Das fehlende Glied in der Kette" sein hundertjähriges Erscheinungsjubiläum. In diesem Werk wird einer der berühmtesten Detektive der Literatur eingeführt: Hercule Poirot. Sein erster Fall erschien zwischen Februar und Juni 1920 als Serie in der "Times", konnte also noch vor der Publikation in Buchform in der Zeitung gelesen werden. Agatha Christies Romane sind spannend, voller markanter Figuren und wurden erfolgreich als Filme und Theaterstücke adaptiert. Über 48 Millionen Menschen sahen die neue Fassung des "Mord im Orient-Express" mit Kenneth Branagh in der Rolle des Hercule Poirot. 2019 wurden Christies Theaterstücke weltweit mehr als 700-Mal inszeniert. Der Dokumentarfilm spürt chronologisch und unter Zuhilfenahme von Archivaufnahmen Christies zehn denkwürdigsten Werken nach, von "Mord im Orient-Express" über "Und dann gabs keines mehr" bis "Vorhang: Hercule Poirots letzter Fall". Zu Wort kommen unter anderem Christies Urenkel James Prichard, die Krimiautorin Sophie Hannah, der Schauspieler Hugh Fraser - bekannt als Hastings in der TV-Verfilmung "Agatha Christie's Poirot" - sowie Anthony Horowitz, Autor der Poirot-Adaptionen für den britischen Sender ITV.
23:25
Mit Romanen wie "Zwei Fremde im Zug" und "Der talentierte Mr. Ripley" schafft Patricia Highsmith Weltliteratur. Die Verfilmungen erreichen ein riesiges Publikum. Ihr Privatleben hält die Meisterin des psychologischen Thrillers derweil zeitlebens vor der Öffentlichkeit verborgen. Dass sie lesbisch ist, weiß nicht einmal ihre Familie in Texas. Ihren lesbischen Liebesroman "Salz und sein Preis" (Filmtitel: "Carol") kann sie 1952 nur unter einem Pseudonym herausbringen. Über ihr eigenes bewegtes Liebesleben schreibt sie in ihren Tage- und Notizbüchern. Diese werden erst nach ihrem Tod in einem Wäscheschrank in ihrem Haus im Schweizer Tessin entdeckt. Auf Basis dieser Aufzeichnungen, die im Herbst 2021 anlässlich des 100. Geburtstags der Autorin zum ersten Mal veröffentlicht wurden, erzählt Regisseurin Eva Vitija von Highsmiths Lieben und Leidenschaften. Passagen aus den Büchern, die von Maren Kroymann gelesen werden, stehen neben Interviews mit früheren Freundinnen wie der Autorin Marijane Meaker oder der Schauspielerin Tabea Blumenschein, Highsmiths Familie sowie Szenen aus den weltberühmten Verfilmungen ihrer Romane. Eva Vitijas vielschichtige Liebesbiografie führt uns in ein Reich der Sehnsüchte und Obsessionen - und wirft ein neues Licht auf eine der schillerndsten Autorinnen des 20. Jahrhunderts. "Loving Highsmith" ist aber auch das Porträt einer Generation von Frauen, die mit Highsmiths "Carol" den Mut fanden, für ihr Recht auf Liebe zu kämpfen.
00:50
In einer mexikanischen Kleinstadt in den Bergen des Bundesstaats Guerrero lebt Ana mit ihrer Mutter Rita. Anas Vater ist längst fort; viele der Männer lassen ihre Familien in der Hoffnung auf ein besseres Leben in den USA zurück. Wie viele andere Mütter ist Rita auf sich allein gestellt. Nach der Arbeit auf den Schlafmohnfeldern trainiert sie ihre Tochter im Erkennen von gefährlichen Geräuschen, damit Ana die schwarzen SUVs des Drogenkartells rechtzeitig hört. Im Ernstfall soll sich Ana in einem geheimen Erdloch hinter dem Haus verstecken. Außerdem haben die meisten Mädchen jungenhafte Frisuren, um die Gefahr einer Entführung und Versklavung zu verringern. Gemeinsam mit ihren Freundinnen Paula und María streift Ana durch den Wald und jagt Schlangen. Als geheimen Treffpunkt nutzen sie ein verlassenes Haus. Dort verkleiden sie sich als Frauen. Gemeinsam haben sie sich ein Spiel ausgedacht, das sie verbindet und ihre Freundschaft festigt und prägt: gegenseitiges Gedankenlesen. Doch die kindliche Unschuld währt nicht lange an diesem Ort, wo eine düstere Wolke der Gewalt über allem schwebt. In den folgenden Jahren nimmt die Gewalt durch die Drogenkartelle zu. Die Mädchen sind jetzt in der Pubertät und damit bedrohter denn je. Eines Tages kommen die schwarzen SUVs des Drogenkartells zurück. Nicht alle Mädchen schaffen es dieses Mal rechtzeitig in ihre Verstecke. Die Dorfbewohner errichten Barrikaden und machen sich bereit zum Kampf. Feuer wütet in der Dunkelheit der Nacht.
02:35
Berühmt wird die Schauspielerin Tippi Hedren 1963 als blonde Society-Lady in "Die Vögel" von Starregisseur Alfred Hitchcock. Er entdeckt die junge Frau in einem Werbespot und testet sie in sündhaft teuren Probeaufnahmen auf ihre Kinotauglichkeit. Sie besteht und wird von ihm daraufhin zur perfekten "Hitchcock-Blondine" geformt - unnahbar und begehrenswert - bevor er sie in seinem Horrorthriller ausgiebig von aggressiven Vögeln attackieren lässt. Für ihr Durchhaltevermögen und ihre schauspielerische Leistung in "Die Vögel" erhält sie einen Golden Globe und ihre nächste Rolle in Hitchcocks Psychodrama "Marnie". Nun spielt sie eine traumatisierte und gefühlskalte Diebin, die von ihrem Chef zunächst erpresst, dann geheiratet und in der Hochzeitsnacht vergewaltigt wird. Angeblich eine kaum kaschierte Fantasie des Regisseurs, wie sie in ihren Memoiren schreibt. Erst 2016, lange nach Hitchcocks Tod im Jahr 1980, erzählt sie in "Tippi: A Memoir", dass Hitchcock sie während der Dreharbeiten sexuell belästigt hat. Als Mutter und Großmutter der Hollywoodstars Melanie Griffith und Dakota Johnson möchte sie mit ihrem Buch Frauen ermutigen, sich zu wehren - so wie sie es auch tat. Nach dem Bruch mit Hitchcock 1964 war sie meist in kleineren Rollen in Hollywoodfilmen zu sehen und entdeckte 1981 in dem Abenteuerfilm "Roar" ihre Liebe zu Großkatzen, denen sie in ihrem Shambala-Reservat bei Los Angeles seit den 1980er Jahren ein Zuhause gibt. In dieser Sendung erzählt die Schauspielerin von der ambivalenten Beziehung zu Alfred Hitchcock, auf die sie gleichermaßen mit Dankbarkeit und Abscheu zurückblickt.
03:30
Die Dokumentation geht der Frage nach, wie Wim Wenders Biografie, seine Leidenschaft fürs Reisen und seine Begeisterung für verschiedene Kunstformen - von Fotografie über Tanz bis Musik - mit seinem filmischen Werk zusammenhängen. Wenders blickt dabei sehr persönlich auf sein Leben und seine Filme zurück. Er erklärt, was für ihn eine gute Geschichte ausmacht und warum die amerikanische Erzählweise für ihn nicht funktioniert hat. Zahlreiche Ausschnitte aus seinen Spielfilmen sowie Begegnungen mit prominenten Weggefährten wie Nick Cave, Sebastião Salgado, Juliette Binoche und Thierry Frémaux ergeben ein berührendes Porträt eines Künstlers, der das europäische Kino über Jahrzehnte geprägt hat.