22:55
Das Erdbeben an der Küste der japanischen Region Tohoku im Jahr 2011 hat die Gemüter der Menschen durcheinandergebracht: So sieht der Bankangestellte Komura seiner Frau Kyoko dabei zu, wie sie die Tage nach dem Unglück reglos vor dem Fernseher verbringt, die Beiträge über all die Vermissten und die Angst vor einem GAU im Atomkraftwerk in sich aufnehmend. Bis er eines Tages nach der Arbeit in ein leeres Haus zurückkommt und ihm seine vertraute Umgebung zum Alptraum wird. Bei der Bank steht sein Kollege Katagiri unter dem Stress, eine massive Schuld von einem Kunden eintreiben zu müssen. Zu Hause erwartet ihn eines Nachts ein riesiger Frosch: Er überzeugt Katagiri davon, zu größeren Taten bestimmt zu sein. In wenigen Tagen soll es in Tokio, dem Frosch nach, ein neues Erdbeben geben, dessen Auswirkungen die des ersten bei weitem übertreffen werden. Zu zweit wollen sie das dafür verantwortliche unterirdische Monstrum besiegen. Auf der Flucht vor ihrem gemütlichen Leben sinnt Kyoko ihrer Jugend nach; ihrer ersten Liebe mit 20 und ihrer Begegnung mit einem alten Mann, der ihre tiefsten Wünsche erfüllte. Auch Komura denkt an seine verschwundene Frau, an ihre Fantasie und die blinde Weide, die sie in einer Zeichnung erfand. Seine Einsamkeit zerreißt ihn. Spontan fliegt Komura nach Hokkaido, um der Schwester eines Bekannten ein rätselhaftes Paket zu übergeben. Die existenzielle Angst nach der Umweltkatastrophe bringt diese Menschen dazu, neue Wege einzuschlagen, um zu sich selbst zurückzufinden.
00:40
20. April 1945: In den Abendstunden schlagen die Schrecken des Krieges mit voller Wucht zwischen den kleinen Dörfern Glienig und Buckow ein. 70 Kilometer vom bereits heftig umkämpften Berlin entfernt schießt die Rote Armee ein Zivilflugzeug der Deutschen Lufthansa vom Himmel, das sich auf dem Weg ins österreichische Enns befindet. Kurz nach dem Start in Tempelhof kracht eine "JU 52" mit insgesamt 18 Personen an Bord in ein Brandenburger Waldgebiet und geht in Flammen auf. Nur ein Berliner Ingenieur kann sich in letzter Sekunde aus der Maschine retten und dem brennenden Inferno entkommen, dem seine Mitpassagiere zum Opfer fallen. Als deren sterbliche Überreste ein Jahr nach Kriegsende auf dem Friedhof Glienig anonym bestattet werden, bleiben essenzielle Fragen rund um den sogenannten "letzten Flug" unbeantwortet: Wer war an Bord der Maschine und wer durfte das von den Alliierten bombardierte Berlin - noch dazu an einem symbolträchtigen Tag wie Adolf Hitlers Geburtstag - zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch verlassen? Warum gibt es bis heute keine Passagierliste? Warum wurde die Crew kurz vor Abflug aus Berlin noch einmal ausgetauscht? Was hat es mit den Gerüchten auf sich, hochrangige NS-Größen und Günstlinge des Regimes wie der berüchtigte Spielfilmregisseur Hans Steinhoff ("Hitlerjunge Quex") wollten sich mit Flügen wie diesem in Richtung der mystischen Alpenfestung absetzen? Und wohin sind die großen Mengen an Geld, Schmuck und Wertpapieren verschwunden, die sich angeblich an Bord der Maschine befunden haben sollen? "Der letzte Flug - Ein deutsches Geheimnis" geht diesen Fragen in Form eines packenden True-Crime-Doku-Thrillers auf den Grund und rekonstruiert erstmals die mysteriösen Hintergründe eines tragischen Vorfalls, der nicht nur das Leben der Passagiere und deren Angehöriger zerstört, sondern auch tiefe Spuren am Unglücksort hinterlassen hat. Seit dem Absturz der Maschine liegt deren geheimnisvolle Geschichte wie eine bleierne Decke über der Gemeinde - und das Schweigen über den Wahnsinn der letzten Kriegstage umfasst nicht nur die Umstände des Flugzeugabschusses, sondern auch noch viel tiefergehende persönliche Tragödien.
02:10
Die Niederlande und das Wasser - ein Land und eine Naturgewalt, die untrennbar miteinander verwoben sind. In ihrer faszinierenden Landschaft sind Deiche, Kanäle, Teiche, Becken, Seen und Flüsse allgegenwärtig. Ganze 16 Prozent ihrer Oberfläche bestehen aus Süßwasser, ein Drittel des Landes liegt unter dem Meeresspiegel. Wasser und Wolkenlandschaften sind Teil der niederländischen Identität. Tatsächlich fühlen sich die Menschen seit Urzeiten zum Wasser hingezogen. Aber die ursprünglichen Systeme mit ihren breiten Flussdeltas wurden begradigt, kontrolliert und wirtschaftlichen Interessen untergeordnet. Die Süßwasserbiotope interessierten dabei kaum jemanden. Noch vor 30 Jahren hätte niemand dort drehen können, denn in den verschmutzten Gewässern gab es kein Leben mehr. Aber die Zeiten dieser umfangreichen Umweltverschmutzung sind vorbei und die Nachhaltigkeitspolitik macht sich bezahlt: Zahlreiche Lebewesen haben sich ihren einstigen Lebensraum zurückerobert und tummeln sich im frischen, sauberen Nass. Wie das Wasser selbst ist auch sein Ökosystem in ständiger Bewegung. In dem von Wetter und Wolken begünstigten Kreislauf spielt das Quellwasser, das sich in Ströme und Flüsse ergießt, eine ebenso wichtige Rolle wie das scheinbar stagnierende Becken. Jedes Gewässer hat seine Geschichte und seine Protagonisten - nur der Aal ist überall zu Hause. Die Dokumentation entführt in die verborgene, faszinierende und atemberaubend schöne Welt unter der Wasseroberfläche.
03:05
Indonesien gehört mit seinen etwa 130 aktiven Vulkanen zu den vulkanreichsten Regionen der Erde. Der besonders faszinierende Vulkan Ijen im Osten der Insel Java, bildet den Gegensatz zum satten Grün der Wälder in der Gegend: Karges Gestein und giftige Schwefeldämpfe umgeben Arnaud, als er den Felsriesen erklimmt. Inmitten des Vulkans befindet sich der jadegrün leuchtende Kratersee Kawah Ijen, einer der säurehaltigsten Seen der Welt. Weder Tiere noch Mikroorganismen können in diesem sauren Milieu leben. Der Vulkan stößt ständig Gaswolken aus, die bei Arnaud zu einem Brennen im Rachen und einem Hustenreiz führen. Das stört die Bergarbeiter schon längst nicht mehr: Täglich steigen die "starken Männer Javas" in den Krater, um dort Schwefel abzubauen - ohne Schutzkleidung. Sarno, den Arnaud bei seiner strapaziösen Arbeit inmitten der dampfenden Hölle begleitet, macht diesem Namen seit mehr als 25 Jahren alle Ehre. Mit einer Art Brecheisen haut er das Schwefelerz aus dem Gestein und schleppt das gelbe Gold die steilen Kraterwände hoch - pro Tag bis zu 150 Kilogramm. Die Arbeit ist nicht nur hart, sondern auch riskant: Auf dem Grund des Kratersees können sich riesige hochgiftige Gasblasen bilden, die aufsteigen und an der Oberfläche explodieren - eine tödliche Gefahr. Auch die umliegende Bevölkerung ist von diesem "Säurefass" bedroht: Das saure Seewasser gelangt in die Flüsse und stellt eine große Gefahr für die Bevölkerung, die landwirtschaftlichen Kulturen und die Böden dar. Rund 10.000 Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und kämpfen mit gravierenden Gesundheitsproblemen. Als die Sonne untergeht, bietet sich Arnaud ein besonderer Anblick: Aus dem Krater des Ijen züngeln meterhohe blaue Flammen in die Lüfte. Das spektakuläre Naturschauspiel verbildlicht die Aktivität dieses Vulkans, die für die Menschen Lebensgrundlage und Gesundheitsrisiko zugleich bedeutet.
03:35
Seit mehr als zwei Jahren ist der Sudan Schauplatz eines tödlichen Konflikts, über den nur wenige Informationen nach außen dringen. Über die Auswertung von Satellitenbildern gelang es Forschern der Yale Universität, das Ausmaß der Tragödie im Land sichtbar zu machen.
03:45
Das Kulturmagazin des Senders ARTE wird täglich aus Paris gesendet. Aktuelle Themen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft stehen im Zentrum der Sendung und werden versiert unter die Lupe genommen.