05:15
Paris, 1858: Nach einem Attentat an der damaligen Pariser Oper, das ihn und die Kaiserin beinahe das Leben gekostet hätte, beschließt Napoleon III., in seiner Hauptstadt ein neues, prunkvolles und vor allem sicheres Opernhaus bauen zu lassen. Ganz unerwartet gewinnt ein junger, unbekannter Architekt den Wettbewerb: Charles Garnier. Fast 15 Jahre lang baut er mit seinem Team und Hunderten von Handwerkern das größte Theaterhaus des 19. Jahrhunderts. Der junge Architekt setzt moderne neue Werkstoffe wie Metall ein und beschäftigt die größten Talente seiner Zeit, etwa den Bildhauer Louis-Félix Chabaud. Bis zur Fertigstellung der Oper ist Garnier starkem Gegenwind ausgesetzt: von kleinlicher Polemik, die von enttäuschten Konkurrenten ins Leben gerufen wurde, bis hin zur Kritik der republikanischen Opposition, die in der Oper ein Sinnbild für alle Ungleichheiten sieht. Trotz der unverbrüchlichen Unterstützung durch den Kaiser weht Garnier auch die Unbill des berühmten Baron Haussmann entgegen, denn dieses mit allen bekannten Regeln brechende Bauprojekt bringt die perfekte Harmonie von Haussmanns Pariser Stadtplanung durcheinander. Der Dokumentarfilm erzählt die Entstehungsgeschichte der Pariser Opéra Garnier. Das Gebäude und sein Grundriss brachen mit allen bisher bekannten künstlerischen, technischen und raumgestalterischen Konzepten eines Opernhauses. Veranschaulicht durch exklusive Archivbilder führt dieser Spaziergang hinter die Kulissen eines der berühmtesten Bauwerke von Paris, Symbol für den Stil des Zweiten Kaiserreichs unter Napoleon III. und der darauf folgenden frühen Dritten Republik.
06:50
Drei Fleischsorten und eine elsässische Tonterrine: Baeckeoffe / Kulinarische Mitbringsel / Ran an die Töpfe!
07:20
Linda Lorin lädt zu einer Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Madagaskar: Ein Blick in die Seele der Roten Insel / Frankreich: Der Flachs von Mayenne / Schottland: Alisons Rinderbraten / Deutschland: Jazz im Ätherkrieg
08:05
Linda Lorin lädt zu einer Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Angola: Manuel Rui, Chronist der Nation / Patagonien: Das Eldorado der Waliser / Japan: Die Liebe zum Hund
08:55
Unter der Herrschaft Ludwigs XIV. war Versailles eine ständige Baustelle. Auch anschließend wurde es von den nachfolgenden Bewohnern unaufhörlich umgewandelt. Daher hat das Kulturdenkmal, das Millionen Besucher heute erblicken, nur noch entfernte Ähnlichkeit mit der Residenz des Sonnenkönigs. Außerdem erzählt es nichts über seine erstaunliche Entstehungsgeschichte. Moderne Rekonstruktionstechniken eröffnen heute einen neuen Blick auf Versailles und seine Entstehung. Der Dokumentarfilm beobachtet die Wissenschaftler bei ihren Bemühungen, die Räume und Ausstattungen der verlorenen Orte zu rekonstruieren und die Entstehungsgeschichte des Schlosses zu klären. So rekonstruiert der Konservator des Schlossmuseums, Alexandre Maral, die irrwitzigen barocken Fantasiegebilde, die eine Zeit lang den Park füllten, und lässt die Zuschauenden eine wunderbare künstliche Grotte mit zauberhaften Springbrunnen erkunden. Der wissenschaftliche Direktor des Versailler Forschungszentrums, Mathieu da Vinha, führt detailliert vor, wie die großen Höflingsgemächer eingerichtet waren. Der Spezialist für die königlichen Sammlungen, Matthieu Lett, kann dank der 3D-Rekonstruktion des Privatmuseums von Ludwig XIV. die Hängung in diesem sehr privaten Ort in virtueller Realität ausprobieren. Verbunden mit der Untersuchung Tausender alter Pläne ermöglichen diese modernen Rekonstruktionstechniken eine vollkommen neue Erforschung der architektonischen Vergangenheit von Versailles und offenbaren deren verborgenen Sinn.
10:25
Kaiser Franz Joseph I. lenkt 68 Jahre die Geschicke des Habsburger-Reichs. Er ist eine Konstante im Europa des 19. Jh. Doch in seiner Monarchie sind die Fliehkräfte enorm, der Zusammenbruch wirkt wie vorherbestimmt. Heute überlebt sein Andenken vor allem durch die Verfilmungen seiner Ehe mit Kaiserin Elisabeth. Die Dokumentation erzählt das wahre Leben eines Herrschers, der sein Reich mit eiserner Hand regiert und durch sein Festhalten an überkommenen Traditionen Europa in den Ersten Weltkrieg führt. "Franzi" wird 1830 in Schönbrunn geboren. Mit hartem Drill wird er zum "perfekten Pflicht-Erfüller" erzogen. Religiöse und militärische Ertüchtigung sind die obersten Maximen seiner Erziehung. Schon als Teenager hat er bis zu 50 Wochenstunden Unterricht. Während der Revolution von 1848 betreibt seine Mutter den Austausch der Führungsriege im Hause Habsburg. Sie überredet ihren Schwager zum Abdanken und ihren Mann zum Verzicht auf die Krone. Franz Joseph wird zum Kaiser proklamiert. Mutter Sophie ist es auch, die ihrem Sohn nahelegt, eine seiner beiden bayerischen Cousinen zu heiraten. Doch bald wird klar, dass Sisi ihre Rolle als Kaiserin gänzlich ablehnt. Franz Joseph wird ihr ein Leben lang hinterherlaufen. Auch in seinem Reich brodelt es. Revolutionäre drohen immer wieder Franz Josephs Monarchie in Stücke zu reißen. Er antwortet stets mit militärischer Härte: Die Bewahrung des Alten wird zum entscheidenden Leitmotiv seines Lebens. Am Ende kann aber auch er den Lauf der Zeit nicht aufhalten.
11:25
Niklas Balheden aus Göteborg ist Religionslehrer an einer Grundschule. Er beschäftigt sich schon seit seinen Studienzeiten mit Glaubensfragen. Bereits vor 30 Jahren dachte er darüber nach, Zeit in einem buddhistischen Kloster in Thailand zu verbringen. Damals hatte man ihn abgewiesen, heute ist der Zugang viel einfacher. Ein Monat im Waldkloster soll dem 56-Jährigen helfen, seine spirituellen Fähigkeiten weiterzuentwickeln und gelassener mit Stress umzugehen. Unter dem Begriff Meditation-Retreats werden Meditations- und Yoga-Kurse mit mehrwöchigen Aufenthalten in Tempeln gebündelt. Parallel dazu hat sich auch die Infrastruktur ausgeweitet: Während es in den 2000ern nur etwa zehn bis 20 Tempel mit Retreat-Angeboten gab, liegt deren Zahl mittlerweile bei geschätzt 150 in ganz Thailand. Allein im Jahr 2023 nahmen rund 1,8 Millionen Menschen an solchen Programmen teil. Sie generierten rund 3,8 Milliarden Euro Umsatz. Nicht nur in Fernost suchen Menschen nach innerer Ruhe und spiritueller Orientierung. In Europa steigt die Zahl derer, die sich auf den buddhistischen Weg begeben. Familie Erdmann praktiziert in Hamburg den Diamantenweg-Buddhismus. Arthur Erdmann beschäftigt die Suche nach Glück und dem Sinn des Lebens schon seit seiner Jugend. Mit 20 Jahren kommt er zum Buddhismus - und findet, wonach er lange gesucht hat: Zufriedenheit und Glück. Bei einem Meditationskurs in Israel lernt er die Polin Kesja kennen. Deren Mutter konvertierte, als sie 14 Jahre alt war, zum Buddhismus. Anfang August 2026 trafen sich im süddeutschen Immenstadt rund 3.000 Buddhisten. Auch die Erdmanns waren dabei.
11:55
Der Klassiker unter den Trockenfischen in Mumbai: Bombay Duck / Ein Biss'chen Heimat: Arbinder, ein Inder in England / Ran an die Töpfe!
12:25
Linda Lorin lädt ein zu einer Reise an vier besondere Orte, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Paris: Nina Berberovas Chroniken aus dem russischen Exil / Bosnien: Olympisches Überbleibsel des Brutalismus / Schottland: Nikkis Käse-Scones / Spanien: Ein Franco kommt selten allein
13:10
Linda Lorin lädt zu einer Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Glasgow: Depardons ungeschönter Blick / Philippinen: Die verzaubernde Insel Siquijor / Kanada: Was ist groß, haarig und unauffindbar?
14:00
Burma, 1943: Britische Kriegsgefangene treffen in einem japanischen Lager ein und erhalten den Befehl, eine strategisch wichtige Eisenbahnbrücke über den Kwai zu errichten. Lagerkommandant Colonel Saito verlangt, dass auch die Offiziere körperlich mitarbeiten. Doch Oberst Nicholson verweist auf die Genfer Konvention und widersetzt sich den Anordnungen - selbst um den Preis schwerer Misshandlungen. Als Saito schließlich nachgibt, übernimmt Nicholson die Leitung des Brückenbaus. Was zunächst als Zeichen militärischer Disziplin gedacht ist, entwickelt sich zunehmend zu einem persönlichen Prestigeprojekt. Währenddessen entkommt der amerikanische Soldat Shears dem Lager und wird von den Alliierten für ein gefährliches Sabotagekommando rekrutiert. Ihr Auftrag: die Brücke vor ihrer Fertigstellung zerstören. David Lean verbindet Kriegskino mit einem vielschichtigen Drama über Pflichtbewusstsein, Stolz und die moralischen Grenzen militärischer Loyalität. David Leans "Die Brücke am Kwai", basierend auf Pierre Boulles Roman, gewann 1958 sieben Oscars, darunter für den besten Film, die beste Regie und den besten Hauptdarsteller Alec Guinness. Gedreht wurde überwiegend in Sri Lanka, wo eigens eine rund 130 Meter lange Brücke errichtet wurde. Heute gilt "Die Brücke am Kwai" als Meilenstein des Kriegsfilms, weil er spektakuläre Inszenierung mit einer kritischen Auseinandersetzung über Gehorsam, Ehre und die Absurdität des Krieges verbindet.
16:55
Vietnam ist eines der artenreichsten Länder der Erde, doch viele Tiere sind weitgehend unbekannt. Der Doku-Zweiteiler zeigt die außergewöhnliche Vielfalt der Lebensräume des südostasiatischen Landes. In dieser Folge begibt sich das Filmteam in den Dschungelgebiete des Nordens auf die Suche nach seltenen Tieren. Dabei entstanden einzigartige Aufnahmen vom scheuen Fleckenroller oder der vom Aussterben bedrohten Krokodilschwanzechse. Vietnam vereint zwei gegensätzliche Welten: Im Norden prägen Kalksteinformationen, nahezu undurchdringliche Regenwälder und die kühlen Ausläufer des Himalayas die Landschaft, während im Süden der Monsun und das gewaltige Überschwemmungsgebiet des Mekong-Deltas die Natur formen. Gemäßigte und tropische Ökosysteme treffen hier auf engem Raum aufeinander und schaffen Lebensbedingungen, die die Entstehung neuer Arten begünstigen. So wird Vietnam zu einem Hotspot der Biodiversität. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Schuppentier. Das Pangolin ist das meistgewilderte Tier der Welt. Welche Abenteuer es erlebt, was ein Fleckenroller mit Kaffee zu tun hat und warum Cat-Ba-Languren nur auf einer einzigen Insel leben, zeigt diese Dokumentation über die Bergwälder Vietnams.
17:40
Der Vietnamkrieg forderte nicht nur Millionen Opfer in der Bevölkerung, auch weite Teile der Natur im Süden wurde zerstört. Pflanzen und Tiere konnten sich ihr Reich zurückerobern - dort, wo es die Zivilisation zugelassen hat. Diese Folge des Zweiteilers erzählt einzigartige Erfolgsgeschichten von Fauna und Flora. Überquert man den Wolkenpass in der Mitte Vietnams, betritt man ein anderes Land. Während im Norden ein raues, kühles Klima herrscht, ist der Süden ganzjährig tropisch warm. Nahe der Millionenmetropole Ho-Chi-Minh-Stadt liegt ein kleines Paradies. Umringt von Kulturland ist der Nationalpark Cát Tiên der einzige intakte Flachlandregenwald Vietnams. Hier traf das Filmteam auf die letzten Familien der Südlichen Gelbwangengibbons im Land. Dabei gelangen faszinierende Verhaltensstudien dieser seltenen Primaten. Noch tiefer im Süden fließt der Mekong, die Lebensader Südvietnams. Einst eine endlose Wasserwildnis, wird im Mekongdelta mehrmals im Jahr Reis geerntet. Auf den Wasserwegen treiben die Vietnamesen Handel. Es bleibt kaum Platz für naturbelassene Gebiete. Trotzdem fand das Filmteam Zwergotter bei der Jagd im Wald und Siamkrokodile, die bereits als ausgestorben galten. Die Wildnis im tropischen Süden Vietnams steht vor großen Herausforderungen. Wie sie diese meistert und welche Arten den Kampf verlieren könnten, erzählt dieser Teil der Dokumentation.
18:25
Serbien ist geprägt von Wasser. Die Donau und die großen Flüsse Save, Morava, Drau und Theiß tragen Wasser in das Land hinein. Dort, wo vor Millionen von Jahren ein riesiges Binnenmeer die Ebene bedeckte, entstand ein einzigartiger Lebensraum mit vielfältigen Ökosystemen und ein Hotspot für Biodiversität. Das Eiserne Tor ist die größte Flussklippenlandschaft Europas. Hundert Kilometer lang hat sich die Donau einen Weg durch die Südkarpaten zum Schwarzen Meer geschaffen. Die dichten Wälder der Tara gehören zu den letzten Rückzugsgebieten des Braunbären auf dem Balkan. Bevor der Schnee die Gebirgshänge in eine dichte Decke hüllt, begibt er sich auf die Suche nach einem Ort, wo er die kalten Wintermonate überstehen kann. In den Ausläufern der Karpaten hat das Wasser tiefe Karsthöhlen in die Gebirgsregion gegraben. Die Lazareva-Höhle ist mit ihren 9.818 Metern die längste Höhle in ganz Serbien und Lebensraum für Arten, die nur hier vorkommen. In den Steilklippen des Uvac-Canyons lebt der Gänsegeier. Der Greifvogel galt in Serbien bereits als ausgestorben. Doch intensive Schutzmaßnahmen konnten seinen Bestand bewahren. Im Herbst, wenn das Wasser zurückkehrt, erwacht das Naturreservat Slano Kopovo zum Leben. Jahr für Jahr rasten hier Zehntausende Zugvögel. Sie kommen aus Skandinavien, Russland, dem Baltikum und ziehen weiter nach Griechenland und Nordafrika. Rund 200 Vogelarten wurden hier bereits gesichtet. Kraniche, Wildgänse, Enten - sie finden hier alles, was sie für ihre strapaziöse Reise benötigen.
19:20
ARTE Journal, das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur.
19:35
"Mit offenen Karten im Fokus": Täglich drei Minuten Aktuelles und Analysen.
19:40
Die Varroamilbe gilt als einer der gefährlichsten Parasiten der Honigbiene. In weiten Teilen Europas müssen Imkerinnen und Imker ihre Völker regelmäßig behandeln, damit sie überleben. Ganz anders im Nordwesten von Wales: Hier werden Bienen einer ganzen Region seit Jahren ohne jede Chemie gehalten. Um herauszufinden, warum das dort funktioniert, reist der deutsche Imker Christian Schneider nach Wales. Er besucht Imker, die auf lokal angepasste Bienen setzen, und entdeckt Völker, die ohne menschliche Hilfe in Bäumen und Hausdächern leben. Manche der Bienen tragen noch Merkmale der sogenannten dunklen Biene, die ursprünglich in dieser Region heimisch war und mit dem kühlen, feuchten Klima gut zurechtkommt. Auch die deutschen Bienenforscher Roland Sachs und Sigrun Mittl sind auf der Suche nach Erklärungen für die walisischen Erfolge. Sie glauben, dass Temperatur und Luftfeuchtigkeit in den Brutnestern eine Rolle spielen und beobachten das Verhalten der Tiere. Und tatsächlich: In den Bienenstöcken der walisischen Biene messen sie eine auffallend höhere Temperatur. Die besondere Wehrhaftigkeit der "hitzigen" walisischen Biene bekommt das Forscherpaar dabei am eigenen Leib zu spüren ... Für Christian Schneider zählt vor allem eines: Die walisischen Imker haben über viele Jahre Erfahrungen geteilt, mit den Bienen ihrer Umgebung gearbeitet und gemeinsam einen neuen Weg eingeschlagen. Nur indem sie angepasst an ihre regionalen Bedingungen konsequent an einem Strang ziehen, weder Bienen von außen holen noch behandeln, konnten sich ihre Bienen optimal anpassen.
20:15
Der Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 markierte einen Wendepunkt - auch für die US-Eliteuniversität Harvard. Nur wenige Monate nach dem Amtsantritt von Präsidentin Claudine Gay eskalierte eine Krise, die die Hochschule in den Mittelpunkt einer politischen Schlacht rückte. Eine Stellungnahme propalästinensischer Studierendengruppen und die anschließenden Proteste gegen den Gaza-Krieg wurden von Medien und Politik instrumentalisiert. Das MAGA-Lager nutzte die Gelegenheit, um die These zu verbreiten, das amerikanische Hochschulwesen sei von Antisemitismus durchsetzt. Die Kontroverse gipfelte in Gays Anhörung vor dem Kongress. Ihre Antwort auf die Frage, wie man an der Uni mit Aufrufen zum Völkermord an den Juden umgehe, sorgte international für Empörung. Kurz darauf folgten Plagiatsvorwürfe, und nach nur sechs Monaten trat sie zurück - ein Erfolg für die konservativen Hardliner. Doch die Offensive gegen Harvard hat eine längere Vorgeschichte. Bereits während des Vietnamkriegs wurden Universitäten zu Zentren des Protests, und Politiker wie Richard Nixon erklärten "die Professoren" zu Staatsfeinden. Donald Trump griff diesen Kampf wieder auf: Nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus setzte er eine Task Force gegen Antisemitismus ein und übte finanziellen Druck auf Harvard aus. Parallel veröffentlichte die konservative Heritage Foundation mit dem "Project Esther" einen Fahrplan zur Bekämpfung propalästinensischer Aktivisten. Die Festnahme zweier ausländischer Studierender, Mahmoud Khalil und Rümeysa Öztürk, durch die US-Einwanderungsbehörde ICE verschärfte die Angst auf dem Campus. Kritische Stimmen verstummen, während die Regierung gezielt gegen "linke Hochschulen" vorgeht. Die Botschaft ist klar: Wer sich für Palästina einsetzt, riskiert Repression. Die Freiheit der Wissenschaft steht auf dem Spiel - und mit ihr die Zukunft des politischen Diskurses in den USA.
20:45
Im Januar 2025, unmittelbar nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus, erklärte Trump den amerikanischen Universitäten den Krieg. Nach ersten Einschüchterungsmaßnahmen setzte der US-Präsident auf eine Waffe, die er besser beherrscht als jeder andere: das Geld. Sein erster Schlag traf nicht Harvard, sondern die Columbia University in New York. Nachdem der Hochschule rund 400 Millionen Dollar an Fördermitteln entzogen worden waren, gab sie den Forderungen der Regierung nach und zahlte am Ende sogar drauf, um eine dauerhafte Finanzierung zurückzuerlangen. Damit war der Harvard University klar, dass es sie als die reichste Universität der Welt als Nächstes treffen würde. Trotz eines Stiftungsvermögens von über 50 Milliarden Dollar sind die Forschungsabteilungen in Harvard stark auf nationale Gelder angewiesen. Die von Elon Musk geleitete Organisation der US-Administration "Department of Government Efficiency" (DOGE) machte diese Fördermittel zur politischen Waffe. Programme zu Klima, Gender, Race und Diversität verloren ihre Finanzierung - damit trat ein ideologischer Konflikt offen zutage, der schon lange schwelte. Tatsächlich warf ein Teil der amerikanischen Rechten den Universitäten schon lange vor, die künftigen Eliten zu indoktrinieren und ein zu progressives Gesellschaftsbild zu verbreiten. Das MAGA-Lager wollte diese Programme nun systematisch zurückdrängen. Als über acht Milliarden Dollar an Mitteln eingefroren wurden, wollte Harvards neuer Präsident Alan Garber zunächst verhandeln und weckte die Befürchtung, er folge dem Beispiel der Columbia University. Studierende forderten die Hochschulleitung öffentlich zum Widerstand auf. Doch angesichts des finanziellen Drucks wirkte selbst die reichste Universität der Welt verwundbar. Bald fragte man sich auf dem Campus nicht mehr, ob Harvard nachgeben würde, sondern nur noch, wann.
21:15
Über Wochen hinweg übte die Regierung unter Donald Trump massiv Druck auf die amerikanische Elite-Universität Harvard aus. Es schien fast so, als würde sich die Hochschule fügen, doch am 14. April 2025 kam es anders als erwartet: Die Vorgaben aus dem Weißen Haus - unter anderem zur Einstellung von Dozierenden, zur Aufnahme von Studierenden und sogar zu Lehrinhalten - gingen Universitätspräsident Alan Garber zu weit. Er weigerte sich, sie hinzunehmen. Harvard wurde über Nacht zum Symbol der Widerstandsbewegung gegen Donald Trump. Auf dem Campus war man stolz, erleichtert und sogar ein wenig euphorisch. Doch der Gegenschlag ließ nicht lange auf sich warten: Subventionen in Höhe von mehr als zwei Milliarden Dollar wurden eingefroren, und die Regierung versuchte sogar, das Programm zur Aufnahme ausländischer Studierender - mehr als ein Viertel der Studierendenschaft - auszuhebeln. Einigen Betroffenen drohte der Verlust ihrer Aufenthaltsgenehmigung. Sie nahmen daher das Risiko auf sich und protestierten öffentlich. Harvard ging vor Gericht und Alan Garber wurde für seinen Mut belohnt: Die Justiz blockierte die Maßnahme, die sich gegen ausländische Studierende richtete, und erklärte die Streichung der 2,2 Milliarden Dollar Subventionen für Forschungszwecke für rechtswidrig. Seither wird Garber auf dem Campus als Held gefeiert. Harvard scheint eine der wenigen großen amerikanischen Institutionen zu sein, die dem Präsidenten Paroli geboten haben. Dieser Erfolg verschleiert jedoch eine ambivalente Realität. Hinter den Kulissen verhandelt Harvard weiter und nimmt manche von der Regierung ausgehende Forderungen in Kauf, insbesondere beim Umgang mit Diversitätsfragen. Ist der Widerstand der amerikanischen Universität tragend oder betrifft er nur ein paar wenige Themenfelder? Trotz ihrer juristischen Erfolge geht die Hochschule verändert aus dieser Auseinandersetzung hervor. Dabei stellt sich eine grundlegende Frage: Wer kontrolliert, was man denken und lehren darf?
21:50
Im Juni 2025 eskaliert in Kalifornien ein Konflikt, der die tiefe Polarisierung der USA offenbart wie kaum ein anderer. In Los Angeles werden bei Razzien der Einwanderungsbehörde ICE Dutzende Migrantinnen und Migranten auf offener Straße verhaftet. Als Proteste aufflammen, greift das Militär ein. Was sich wie ein dystopischer Thriller anhört, ist Realität - und ein gezielter Schachzug der Trump-Administration. Für Donald Trump und die MAGA-Bewegung ist Kalifornien mehr als ein Bundesstaat. Es ist das Gegenmodell zu ihrer Vision von Amerika: multikulturell und progressiv. Mit den Maßnahmen in Kalifornien sendet das Weiße Haus eine klare Botschaft: Wer sich der konservativen Agenda in den Weg stellt, wird zum Ziel. Doch der Konflikt geht weit über die Einwanderungspolitik hinaus. Es geht um die Machtverteilung im Land - um die Frage, ob die Exekutive weiter gestärkt wird, während die Rechte der Bundesstaaten und die Gewaltenteilung ausgehebelt werden. Kalifornien wehrt sich. Der Bundesstaat, der wie kein anderer für liberale Werte und wirtschaftliche Stärke steht, organisiert den Widerstand. Ob in der Justiz, der Forschung oder der Bildungspolitik - überall prallen die Vorstellungen der Trump-Administration auf entschlossenen Widerstand. Die Auseinandersetzung ist dabei mehr als ein regionaler Konflikt. Sie ist ein Symptom für die grundlegende Krise der amerikanischen Demokratie. Seit 250 Jahren beruht das politische System der USA auf einem fragilen Gleichgewicht der Kräfte. Doch Trumps Strategie zielt darauf ab, dieses Gleichgewicht zu zerstören - zugunsten einer zentralisierten, autoritären Macht. Die Zwischenwahlen werden zeigen, wie tief die Gräben im heutigen Amerika wirklich sind.
22:45
Brasiliens politische Landschaft wird zunehmend von einer mächtigen religiösen Kraft geprägt: den Evangelikalen. Mit rund 70 Millionen Anhängern stellen sie fast ein Drittel der Wählerschaft und haben sich in 50 Jahren zu einer der einflussreichsten politischen Bewegungen des Landes entwickelt. Ihre Macht reicht von Tausenden Kirchen über große Medienimperien bis hin zu Hunderten Politikern, die ihre Agenda vertreten. Ein Höhepunkt war die Wahl 2018, die Jair Bolsonaro mit der Unterstützung von rund 70 Prozent der Evangelikalen gewann. Dessen politisches Erbe ist umstritten: Nach seiner Verurteilung wegen eines Putschversuchs stellte er seinen Sohn Flávio als Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2026 auf. Ihm gegenüber steht der linksgerichtete Lula da Silva, der zum vierten Mal antreten will. Die Dokumentation zeigt die Schlüsselfiguren dieser Machtkämpfe: Silas Malafaia, einflussreicher Fernsehprediger und "Königsmacher"; Sonia und Estevam Hernandes, Organisatoren des "Marsches für Jesus" und Besitzer eines Gospel-Medienimperiums; Pastor Eurico, Abgeordneter und strategischer Kopf der evangelikalen Lobby im Kongress; Valdeci, Pastor in einer Favela Rios, wo die Kirche längst die Rolle des Staates übernommen hat. Auch der junge Prediger João Vitor Ota erreicht Millionen junger Menschen mit konservativen Werten. Doch es gibt Gegenstimmen: Henrique Vieira, ein linker Pastor und Abgeordneter, sowie Pastor Atila, der eine inklusive evangelikale Gemeinde in São Paulo leitet. Zwischen Megakirchen, Favelas, Fernsehstudios und Parlament wird deutlich, wie die Bewegung die Politik Brasiliens prägt - und warum die nächsten Wahlen entscheidend sein werden.
23:40
Kaum jemand weiß, dass Adolf Hitler, Diktator und Massenmörder, am Ende seines Lebens schätzungsweise 16.000 Bücher besaß, verteilt auf die Privatbibliotheken in seinen Residenzen in Berlin, München und Berchtesgaden. Rund 1.300 dieser Bücher befinden sich heute in den USA. Was erzählen diese Bücher über die Quellen nationalsozialistischen Denkens - und über das Fortwirken rechtsextremer Gewalt heute? Der amerikanische Historiker Timothy Ryback gilt als kenntnisreichster Experte für Hitlers Privatbibliothek. Er reist für den Film nach Washington D.C. und Providence in den USA, wo diese Bücher heute lagern. Hitler besaß Klassiker der Weltliteratur und antisemitische Hetzschriften, pseudowissenschaftliche "Rassenstudien" und esoterische Groschenhefte. Viele dieser Bücher waren Bestseller - lange vor der Machtübernahme der Nazis im Jahr 1933. Hitlers Bibliothek zeugt davon, dass Antisemitismus und Rassismus keineswegs Randphänomene in der westlichen Geistes- und Kulturgeschichte waren, sondern viel mehr in ihrem Zentrum standen. Und bis heute sind diese Traditionslinien virulent: Die sogenannte "Neue Rechte" vermeidet zwar Begriffe wie "Blut" und "Rasse" - doch viele rechtsextreme Denkmuster und Verschwörungserzählungen von heute sind den Gedanken aus Hitlers Bibliothek verblüffend ähnlich, zum Beispiel die Erzählung vom "Großen Austausch", nach der die weiße Bevölkerung Europas und Amerikas gezielt durch Muslime und nichtweiße Menschen ersetzt werden soll. Sie dient rechtsextremen Terroristen auf der ganzen Welt als Legitimation, um Menschen zu ermorden, seien es Schwarze, Juden oder Muslime.