18:20
Unbemannte Flugsysteme haben die Kriegsführung revolutioniert. Ob der gezielte Drohnenangriff auf den Hamas-Führer Jihia al-Sinwar in Gaza oder der Einsatz von FPV-Mikrodrohnen in der Ukraine, die russische Truppen stören - Drohnen sind heute an fast allen Fronten präsent. Sie bieten militärische Vorteile: präzise Angriffe aus der Distanz, geringe Kosten und reduzierte Risiken für eigene Soldaten. Gleichzeitig verändern sie die Dynamik moderner Konflikte. Doch die Technologie ist nicht nur Staaten vorbehalten. Paramilitärs, Milizen und Terrorgruppen nutzen günstige Hobby-Drohnen als Waffen, was zu einer zunehmenden Militarisierung des Luftraums führt. Armeen weltweit stehen vor der Herausforderung, sich an diese neue Realität anzupassen - sei es durch Abwehrsysteme oder eigene Drohnenstrategien. Die Ära der ferngesteuerten Kriegsführung hat begonnen, mit unabsehbaren Folgen für die globale Sicherheit.
18:35
In Indien gehört die Körperbemalung mit Henna seit Jahrhunderten zum Alltag der Frauen - als kunstvolles Ritual vor Hochzeiten, Familienfesten, religiösen Zeremonien oder großen Festivals. Doch Kunst auf der Haut zeigt auch, dass hinter den filigranen Mustern weit mehr als nur Ästhetik steckt. Für junge Frauen wie Monica, Yuvi und Pratiksha ist die Kunstbemalung mit Henna ein Weg in die Unabhängigkeit. In einer kleinen Hennaschule in Udaipur lernen sie, mit den Pflanzenpigmenten kunstvolle Figuren und Geschichten zu zeichnen und damit ihr eigenes Leben neu zu schreiben. Meister Satish Nayak bringt den jungen Frauen traditionelle Formen und ihre Bedeutung bei und eröffnet ihnen so die Möglichkeit, selbstständig einen Beruf auszuüben. Auch Renu, Mutter von Zwillingen und Hausfrau, pflegt die Tradition aus Überzeugung. Beim Gangaur-Fest feiert sie mit ihren Freundinnen die Liebe zu ihren Ehemännern und zur Göttin Parvati. Zu den Festivitäten bemalen sich Freundinnen und Verwandte gegenseitig mit kunstvollen Hennamustern. Doch Renu weiß auch: Nicht jede Frau darf in Indien ihre Talente frei entfalten, die Entscheidung trifft ihre Familie oder ihr Ehemann. Der Film taucht ein in die bunte Welt der Traditionen und Rituale rund um Henna und verfolgt den Weg dreier jungen Frauen Monica, Yuvi und Pratiksha aus Udaipur in Rajasthan, von ihren ersten Zeichnungen in der Schule bis zu einem offiziellen Engagement bei einer Hochzeit.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr liegt in der Oberpfalz im Norden Bayerns. Er ist mit einer Fläche von 234 Quadratkilometer der größte Truppenübungsplatz der US-Armee außerhalb der USA. Bis auf wenige Stunden morgens und abends wird hier rund um die Uhr scharf geschossen. In diesem Gebiet sind Marcus Meißner und Maria Zetsche vom Wildbiologischen Institut Göttingen und Dresden e.V. mit einer Sondergenehmigung der US-Armee unterwegs. Der Diplomforstwirt und die Tierärztin koordinieren ein Projekt, das den Einfluss des Wolfs auf das Verhalten der Rothirsche untersuchen möchte. Marcus Meißner untersucht schon seit vielen Jahren in Zusammenarbeit mit dem Bundesforst das Verhalten der Rothirsche auf dem Übungsplatz. Mit Hilfe von GPS-Sendern wurden Verhalten und Bewegungsmuster des Rotwildes ohne den Wolf erforscht. Jetzt soll das gleiche nochmal gemacht werden unter dem Einfluss der jetzt hier nachweislich lebenden Wölfe. Dazu müssen die scheuen Tiere wieder mühsam gefangen und mit einem Senderhalsband versehen werden. Gespannt sehen Marcus, Maria und ihre Kolleginnen dem Ergebnis entgegen.
20:15
Der Autodidakt Heinrich Schliemann, der sich selbst das Altgriechische beigebracht hat, ist von antiken Mythen inspiriert - insbesondere von den Geschichten rund um den zehnjährigen Krieg zwischen Trojanern und Achäern um die Stadt Troja und die schöne Helena. Dieser Krieg endet mit dem Fall und der Plünderung der legendären Stadt durch ein griechisches Heer unter der Führung von König Agamemnon von Mykene. Wie alle Gebildeten seiner Epoche hatte auch Schliemann die berühmtesten Epen der westlichen Welt gelesen: Homers Ilias und Odyssee. Schliemann will Homers Troja unbedingt finden. Er gräbt, wo es am aussichtsreichsten scheint: auf dem Hügel Hisarlik in der Westtürkei. Am Ende jedoch wird Schliemann feststellen müssen, dass er sich geirrt hat, die Funde legen es nahe. Bis heute dauert die Suche nach Troja an. Längst geht die Forschung nicht mehr davon aus, dass Troja in einem Krieg um eine schöne Frau untergegangen ist. Das antike Troja lag am Meer. Kriege um Handel und Macht sind genauso wahrscheinlich, wie Keilschrifttafeln andeuten. Und das Troja Homers, der die Erzählung mehrere Jahrhunderte nach der Zerstörung aufschrieb, könnte auch aufgrund des klimabedingten Zusammenbruch der späten Bronzezeit sein Ende gefunden haben.
21:45
Die Geschichte vom Trojanischen Krieg ist eine der bedeutendsten Erzählungen Europas. Erst nach zehnjährigem Kampf soll es den Griechen mit Odysseus' List gelungen sein, in die scheinbar uneinnehmbare Stadt einzudringen und sie zu erobern. Ein gigantisches hohles Holzpferd, in dem sich griechische Soldaten versteckten, wird den Trojanern als Geschenk präsentiert. Trotz Warnungen ziehen die Ahnungslosen die Attrappe in die Stadt. Im Schutz der Dunkelheit schlüpfen die Griechen aus dem Pferd und öffnen ihren Kameraden die Tore. Das einst mächtige Troja geht in Flammen auf. Doch was, wenn alles ganz anders war? Neue Erkenntnisse legen nahe, dass diese Geschichte möglicherweise umgeschrieben werden muss. Das Trojanische Pferd war vermutlich gar kein Pferd. Doch wie gelang es den Griechen dann, ihre Feinde zu überlisten? Und welche Rolle spielt der antike Autor Homer in diesem Zusammenhang? Dem Forscher Francesco Tiboni zufolge muss sich die Geschichte des Trojanischen Pferdes anders zugetragen haben. Historische Funde und Darstellungen erscheinen ihm zu uneinheitlich. Tiboni bereist verschiedenste archäologische Fundorte und beleuchtet konkurrierende Theorien sowie neue Erkenntnisse über die Kriegslist der Griechen und das legendäre Ende des Trojanischen Krieges. Die Filmemacher begleiten ihn in die Tiefen des Mittelmeeres, wo Tiboni schließlich auf Hinweise stößt, die seiner Theorie neue Nahrung geben - und vielleicht helfen, das 3.000 Jahre alte Rätsel zu lösen.
22:35
Seit Jahrhunderten hat die westliche Kunst Gewalt gegen Frauen idealisiert - als Mythos, Allegorie und Schönheit. Von römischen Sarkophagen über die Meisterwerke der Renaissance und des Barocks bis hin zur Moderne: Unzählige Darstellungen zeigen Frauen als passive Objekte männlicher Begierde. Ihr Leid wird ästhetisiert und erotisiert - im Namen der Kunst. Der Dokumentarfilm sensibilisiert für einen neuen Blick auf diese Bilder. Kritisch, bewusst, ohne moralischen Zeigefinger. Im Zentrum steht Proserpina, die von Pluto entführte Göttin. Sie wird lebendig, befreit sich aus seinem festen Griff und wird zur Erzählerin. Mit ihr entdecken die Zuschauerinnen und Zuschauer Werke von Tizian, Rubens, Bernini und anderen - und lassen die Gewalt hinter dem Schönen erkennen, die kulturellen Codes, die unser Sehen geprägt haben. Proserpina besucht auf ihrer Entdeckungsreise Experten und Expertinnen aus Wissenschaft, Kultur und Kunst. Sie entschlüsseln, wie diese Bildwelten entstanden sind, wie sie damals wirkten - und was sie uns heute noch sagen. Wie prägt diese visuelle Tradition unseren gegenwärtigen Blick auf den weiblichen Körper? Der Film würdigt Künstlerinnen und Künstler wie Artemisia Gentileschi, die Schmerz in Widerstand verwandelte, oder Edgar Degas, der Verletzlichkeit sichtbar machte. Und er führt in die Gegenwart - zu Marina Abramovic, Jago und anderen, die gängige Narrative hinterfragen und neue Perspektiven auf Macht und Geschlecht eröffnen. Entstanden ist eine visuell kraftvolle Reise durch europäische und amerikanische Museen - die unsere Augen öffnet für das, was immer sichtbar war, doch oft nie wirklich gesehen wurde.
23:35
Die Britin Jeneba Kanneh-Mason ist Teil der musikalischen Kanneh-Mason-Familie und startete in den vergangenen Jahren mit einer internationalen Solokarriere durch. Neben ihrem berühmten Bruder am Cello, Sheku Kanneh-Mason, und ihrer Schwester, der Pianistin Isata, hat auch Jeneba die schwarz-weißen Tasten für sich entdeckt. Von Classic FM wurde sie als einer der Rising Stars 2021 gekürt, sie war Finalistin des BBC Young Musician 2018 und Gewinnerin des Murs du Son Prize beim internationalen Klavierwettbewerb Lagny-sur-Marne. Jeneba Kanneh-Mason liebt es, Programme zusammenzustellen, die verschiedene musikalische Stile beinhalten. So ist auch ihr Programm beim Klavierfestival Ruhr nicht nur einer Epoche gewidmet, sondern sie streift von Johann Sebastian Bach über Ludwig van Beethoven bis Frédéric Chopin gleich drei der zentralen Genres klassischer Klaviermusik. Dieses stimmungsvolle Programm spielt Jenneba Kanneh-Mason in der besonderen Kulisse des LWL-Museums Zeche Zollern in Dortmund.
00:35
Der Frankokanadier Marc-André Hamelin ist international bekannt für seine brillante Spieltechnik, gepaart mit einer großen Musikalität. So scheut er weder komplexe Neukompositionen noch Werke mit extremer technischer wie interpretatorischer Schwierigkeit. Und so gelingt es ihm auch, an einem Abend verschiedene Epochen abzudecken und zusätzlich Ausflüge in die Welt des Pop und der Eigenkompositionen zu unternehmen. Beim Klavierfestival Ruhr 2025 brillierte er auf diese Wese mit Werken von Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven und Sergej Rachmaninow, ebenso wie mit Stücken von John Oswald und Frank Zappa - sowie einer Eigenkomposition aus Studienzeiten: der "Spieluhr". In der außergewöhnlichen Kulisse des Industriedenkmals der Gebläsehalle im Duisburger Landschaftspark Nord begeisterte Hamelin mit diesem Programm Publikum und Kritiker gleichermaßen.
01:30
Rumänien ist ein Land der Gegensätze. Da ist die pulsierende Metropole Bukarest mit schätzungsweise 1,7 Millionen Einwohnern und mit ihren schicken Boutiquen, Cafés und einer bunten Kulturszene. Die Barock- und Jugendstilarchitektur in Timi?oara spiegelt das Erbe der österreich-ungarischen Monarchie wider. Im Jahr 1989 von dem Funken der Revolution entzündet, ist Timi?oara 2023 Kulturhauptstadt Europas. Als Ausgleich zu dem Trubel in den Großstädten gibt es die verschlafenen Bergdörfer in den Karpaten: Hier, wo die Menschen sich noch mit Pferdekutschen auf den Weg in den nächsten Ort begeben, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Von der Vielfalt der Musikkulturen des Landes wissen jedoch nur wenige. Namen wie Sergiu Celibidache, Radu Lupu und natürlich George Enescu - die rumänischen Nationalkomponisten - sind bekannt. Doch wer hat schon einmal den orthodoxen Chorgesang der Mönche aus den Moldauklöstern gehört, die lang gezogenen Töne der Tulnic-Bläserinnen in Transsilvanien oder das virtuose Saitenspiel der Lautari? Aber auch die klassische Moderne hat in Rumänien ihren Platz. George Enescu begründete sie im 20. Jahrhundert, indem er die Volksmusik seiner Heimat mit westeuropäischer Klangsprache fusionierte. Der Komponist Dan Dediu und der Pianist Daniel Ciobanu unterstreichen die Einzigartigkeit der rumänischen Musik. Heute belebt eine neue, junge Generation von Musikerinnen und Musikern die Musikszene Rumäniens - mit Passion, Virtuosität und Humor.
02:30
Die sogenannten Protokolle der Weisen von Zion werden im Gründungsdokument der Terrororganisation Hamas ebenso propagiert wie von Rechtsextremisten und White Supremacy Communities weltweit. Rechtspopulistische Parteien nutzen sie, um das Feindbild geheimer jüdischer Mächte und korrupter "globalistischer" Eliten mit ihren internationalen Konferenzen wie dem World Economic Forum in Davos zu konstruieren. Antisemitische Zerrbilder rund um die Hauptmotive der Protokolle sind auf sublime Weise Teil des kulturellen Mainstreams geworden. Auch die russischen Propagandastrategie rund um den Ukrainekrieg setzt den Verschwörungsmythos ein: "Globalistische" westliche Eliten stünden hinter dem jüdischen Präsidenten Selenskyj. Die Zion-Protokolle beeinflussten Adolf Hitler in seinem Buch "Mein Kampf" und werden von Experten für das mörderische ideologische Programm der Nazis mitverantwortlich gemacht. Manche Historiker gehen sogar so weit zu sagen: Ohne die Protokolle als "Vollmacht für den Völkermord" hätte es den Holocaust so nicht gegeben. Die Verschwörungsmythen der Protokolle treiben bis heute Attentäter an - wie etwa jene der Anschläge auf die Synagogen von Halle und Pittsburgh. Nach einem kurzen historischen Rückblick auf die ungeklärten Umstände der Entstehung richtet sich der Fokus auf die ungebrochene Anziehungskraft der Protokolle bis heute. Als vermeintlich "jüdischer Masterplan" scheinen sie wie geschaffen für ein Zeitalter, in dem Verschwörungsnarrative Teil der Alltags- und Popkultur sind.
03:25
Das Elsass bietet optimale Bedingungen für den Weinbau. Die an den Berghängen aneinandergereihten Rebzeilen bilden ein schmales, rund hundert Kilometer langes Band. Die Lage am Fuß der Vogesen sorgt nicht nur für ideale klimatische Bedingungen, sondern beschert dem Elsass auch besonders vielfältige Böden. In einem Tal im Süden des Elsass produziert die Familie Zusslin edle Weine von internationalem Renommee. Die Geschwister Jean-Paul und Marie haben das Gut übernommen, das seit 13 Generationen im Besitz der Familie ist. Auf Initiative ihres Vaters wird es seit den 1970er Jahren biologisch bewirtschaftet. Schon damals machten die Winzer der Region 250 Hektar Land, die an den Weinberg grenzten, zum Naturschutzgebiet, um die Biodiversität zu bewahren. Die heutige Generation geht sogar noch einen Schritt weiter: Die jungen Winzer verteilen unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten zwischen ihre Rebstöcke. Nach Jahrzehnten intensiver Landwirtschaft kehrt damit eine große biologische Vielfalt zurück, was auch dem Wein zugutekommt: Vögel, Obstbäume und diverse Pflanzen bilden einen natürlichen Kreislauf. Im Elsass wird Pionierarbeit in Sachen biodynamischer Weinanbau geleistet. Damit dienen die engagierten Winzer einer ganzen Generation von jungen Weinbauern als Vorbild.
03:50
Das Kulturmagazin des Senders ARTE wird täglich aus Paris gesendet. Aktuelle Themen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft stehen im Zentrum der Sendung und werden versiert unter die Lupe genommen.