22:50
Brigitte Fassbaender ist eine der größten Opern- und Lied-Sängerinnen des 20. Jahrhunderts. Geliebt wegen ihres unverkennbaren Timbres, bewundert wegen ihrer außerordentlichen Gestaltungskunst. Doch auf dem Höhepunkt ihrer Laufbahn gibt sie mit nur 55 Jahren ihr Leben als Sängerin auf. Um nahtlos die Karriere einer erfolgreichen Opernregisseurin einzuschlagen. Von der Regisseurin wird sie bald zur Operndirektorin, 1999 schließlich zur Intendantin des Tiroler Landestheaters Innsbruck, das sie bis 2012 leitet. In Frankfurt inszeniert Fassbaender 2025 Richard Wagners "Parsifal" - ihre 96. Inszenierung. Die 100. will sie noch schaffen. In Andreas Morells Dokumentation reflektiert Fassbaender offen und authentisch über ihr Leben. Das Publikum erlebt legendäre Aufnahmen, Proben zu Richard Wagners "Parsifal" und Giacomo Puccinis "Gianni Schicchi" sowie einen ihrer Meisterkurse an der Wiener Staatsoper.
23:45
An einem heiteren Sommertag bereiten Dorfbewohner ein Hochzeitsfest vor. Wilhelm Tell aber denkt nur daran, dass die Habsburger über das Land herrschen und sie alle nicht frei sind. Er ruft zum Aufstand auf. Leuthold, der Schäfer, platzt mitten in das Fest hinein. Er wird von den Besatzern gejagt, weil er seine Tochter schützen wollte und verlangt, auf die andere Seite des Wildbachs gebracht zu werden. Tell wagt es und bringt Leuthold über das gefährliche Wasser sicher ans andere Ufer. So beginnt bei Gioachino Rossini die Geschichte über den Freiheitskampf der Schweizer. Friedrich Schiller hatte den Gründungsmythos der Schweiz mit der Figur des Meisterschützen verknüpft. Während eines Festes zu Ehren der Habsburger kommt es dann zum berühmten Apfelschuss. Die Schweizer werden von den Soldaten misshandelt, Gesslers Hut wird wie eine Trophäe ausgestellt, vor der sich die Einwohner zu verneigen haben. Alle verbeugen sich, alle außer Tell. Er wird verhaftet, hat aber Zeit, seinen Sohn Jemmy zu bitten, den drei Kantonen das Signal zum Aufstand zu geben. Gessler gibt Tell den Befehl, auf einen Apfel zu schießen, der auf dem Kopf seines Kindes platziert ist. Wenn er das Ziel nicht trifft, werden Vater und Sohn sterben. Tell besteht die gefürchtete Prüfung unter dem Jubel der Schweizer. Als er Gessler jedoch antwortet, dass der zweite Pfeil, der in seinem Köcher versteckt war, für ihn bestimmt war, wäre sein Sohn getroffen worden, lässt der Statthalter ihn verhaften. Die Ankunft der habsburgischen Prinzessin Mathilde befreit Jemmy aus den Fängen des Gouverneurs, aber Tell wird abgeführt und soll in Gesslers Festung hingerichtet werden. Die Überfahrt zur Festung endet kläglich für die Soldaten und tödlich für Gessler. Das Boot gerät in einem schweren Sturm. Wilhelm Tell entkommt, springt ans Ufer, zückt seinen Bogen und erschießt den Vogt. Prinzessin Mathilde hatte sich in Arnold von Melchtal, den späteren Abgesandten des Kantons Unterwalden auf dem Rütli, verliebt. Er selbst, hin- und hergerissen zwischen seiner Geliebten und den Freiheitskämpfern, kehrt schließlich mit ihr an die Seite der Aufständischen zurück und erobert die Burg des Vogts. So ist der Sieg komplett. Bruno Ravella zeichnet in Lausanne für die Inszenierung verantwortlich, Francesco Lanzillotta dirigiert das Orchestre de Chambre de Lausanne. Die Titelrolle übernimmt Jean-Sébastien Bou, Hedwig, Tells Frau wird von Géraldine Chauvet gesungen und Sohn Jemmy von Elisabeth Boudreault. Die Rolle des bösen Vogt spielt Luigi De Donato. Zwei der Unterhändler, die auf dem Rütli die Eidgenossenschaft gründen werden, sind für die Handlung entscheidend: Arnold von Melchtal, interpretiert von Julien Dran und Walter Fürst, gesungen von Frédéric Caton. Oper in vier Akten. Französisches Libretto von Victor-Joseph Étienne de Jouy und Hippolyte-Louis-Florent Bis. Frei nach dem Drama von Friedrich Schiller. Uraufführung am 3. August 1829 in Paris.
03:10
Es ist die Geschichte eines Körpers. Eines Körpers, für den sich der junge Harvey Keitel schämte, bevor er in dem Abschlussfilm "Wer klopft denn da an meine Tür?" (1967) erstmals vor der Kamera seines Freundes Martin Scorsese stand. Die Geschichte eines leidenden und verwahrlosten Körpers in "Bad Lieutenant" (1992), eines von Jane Campion meisterhaft inszenierten Körpers in "Das Piano" (1993). Und eines Körpers, der sich selbst zurücknimmt, um anderen - wie seinem Kollegen Robert De Niro - den Vortritt zu lassen, dabei aber auch Chancen verpasst. Keitel hätte groß rauskommen können, hätte er sich gegenüber Francis Ford Coppola kompromissbereiter gezeigt - und nicht so sehr mit der Hauptrolle in "Apocalypse Now" (1979) gerungen, die er nach wenigen Drehtagen wieder abgeben musste. Er wollte die Rolle nicht einfach spielen, sondern sie vollständig durchdringen. Coppola ersetzte ihn schließlich durch Martin Sheen. Keitels kompromissloser Anspruch, jede Rolle bis ins Innerste zu durchdringen, ist das Ergebnis einer engen künstlerischen Partnerschaft mit Martin Scorsese - und zugleich Ausdruck eines lebenslangen Gefühls, nie ganz dazuzugehören. Der Sohn jüdischer Emigranten aus dem New Yorker Stadtviertel Little Odessa hat viele Irrungen und Wirrungen durchlebt. Zunächst verpflichtete er sich bei der Marine, wurde zu einem Hoffnungsträger des New Hollywood und fiel dann in Ungnade. Als er sich beinahe vergessen wähnte, setzte er Anfang der 1990er Jahre mit "Bad Lieutenant" alles auf eine Karte - und wurde doch noch zum Liebling der Filmindustrie.
04:05
Es klafft eine Lücke in den Betten von Heteropärchen: Während die meisten Männer regelmäßig zum Orgasmus kommen, gehen Frauen öfter leer aus. Ein Grund dafür ist, wie sie beim Hetero-Paarsex stimuliert werden. Nämlich oft falsch, sagt die Gynäkologin Mandy Mangler. Dabei ist das sexuelle Universum der Frau weit - mit vielen erogenen Zonen, die Frauen zu rauschenden Orgasmen verhelfen könnten. Allen voran die oft vernachlässigte Klitoris. Sie ist bedeutender für die Lust der Frau, als viele wissen. Und natürlich spielt auch das Gehirn eine wichtige Rolle. Welche, das erklärt Neurowissenschaftlerin Celeste Bittoni. Noch immer verstehen viele Menschen zu wenig über die weibliche Sexualität. Lange war sie ein gesellschaftliches Tabuthema. Auch die medizinische Forschung hinkt bis heute hinterher. Viele Frauen kennen daher auch ihre Bedürfnisse nicht besonders gut und wissen nicht, was ihnen im Bett gefällt. Doch all das kann man lernen, sagt Sexologin Dania Schiftan. Denn am Ende haben Frauen genauso viel Lust auf Sex wie Männer und sind auch nicht komplizierter. Erogene Zonen spielen dabei eine Schlüsselrolle. Frauen können lernen, was ihnen den größten Spaß im Bett bringt, ob sie ein empfindliches G-Areal haben und wie sie regelmäßig zum Orgasmus kommen.