16:20
Das Regenwaldgebiet des Yaguas-Nationalparks ist 8.700 Quadratkilometer groß - ein Vielfaches der Fläche aller Nationalparks auf dem deutschen Festland zusammengenommen. Für den Klimaschutz ist die Erhaltung einer derart riesigen Primärwaldfläche von großer Bedeutung. Yaguas liegt in der Region Loreto im Nordosten Perus. Das Gebiet gehört zum Amazonastiefland, ist sehr schwer zugänglich und extrem artenreich. Tausende unterschiedliche Pflanzen- und Tierarten wurden bisher darin nachgewiesen. Seinen Namen hat Yaguas vom indigenen Volk der Yagua, die hier seit Jahrtausenden zu Hause sind. Auch der Río Yaguas ist nach ihnen benannt. Er entspringt im Nationalpark und ist einer der wenigen Flüsse, die ihren Ursprung im Amazonasbecken haben. Die indigenen Gemeinden, die an seinem Rand leben, hängen wirtschaftlich jedoch von den reichen Ressourcen dieses Ökosystems, vor allem Fisch, ab. Daher ist der Schutz des Gebietes für sie überlebenswichtig. Auch der Arapaima, einer der größten Süßwasserfische der Welt, ist im weit verzweigten Flusssystem des Yaguas beheimatet. Die Einrichtung des Nationalparks war auch ein Wunsch der indigenen Anrainergemeinden. Sie wissen, dass der Park ihre Lebensgrundlagen sichert, und hatten den peruanischen Staat 2017 dazu aufgefordert, Yaguas zum Nationalpark zu erklären, um damit der Bedrohung des Gebietes durch illegalen Holzeinschlag, Goldwaschanlagen und Drogenplantagen Einhalt zu gebieten. Aber die Kokafelder rücken immer näher an den Nationalpark heran - es ist ein Wettlauf mit der Zeit.
17:05
Sie sind die vielleicht geheimnisvollsten Bewohner des Nationalparks Nam Et-Phou Louey: die in fast ganz Asien vom Aussterben bedrohten Nebelparder - leopardenähnlich aussehende Großkatzen. Auf der Suche nach einigen der letzten Exemplare der gefleckten Baumakrobaten begleitet die Dokumentation Akchousanh Rasphone, die 40-jährige Chef-Biologin des Parks, tief in den Nationalpark hinein. An Orte, die außer ihr noch niemand gesehen hat und die noch nie mit einer Kamera festgehalten worden sind. Rasphone ist die erste Laotin mit einem Doktortitel der Universität Oxford. Ein Hauptteil ihrer Arbeit ist die regelmäßige Auswertung der überall im Park aufgestellten Kamerafallen. Insgesamt 60 Ranger sind in Nam Et-Phou Louey im Einsatz, fast alle ehemalige Jäger aus den Dörfern im Schutzgebiet, die mit dem oft undurchdringlich scheinenden Waldgebiet seit Kindesbeinen vertraut sind. Die aktuell größte Gefahr bleiben die Wilderer. Pro Monat beschlagnahmen die Ranger im Durchschnitt ein Dutzend Gewehre und neutralisieren unzählige illegal aufgestellte Tierfallen. Die Naturschützer sind überzeugt, sie brauchen weitere Verstärkung in Nam Et-Phou Louey. Nur dann kann das gewaltige Nationalparkprojekt im Nordosten von Laos eine nachhaltige Erfolgsgeschichte werden.
17:50
Tief im Herzen Afrikas liegt ein Ort, an dem zwei Welten aufeinandertreffen: der endlose Regenwald des Kongobeckens und der wilde Atlantik. An der Küste Gabuns verschmelzen Urwald und Ozean zu einem Grenzland von seltener Magie - dem Strand der Dschungeltiere. Hier zeigt sich das Leben von seiner überraschendsten Seite. Tiere, die man sonst nur tief im Dschungel erwartet, finden sich plötzlich am Meer wieder. Giganten wie Elefanten und Flusspferde, die in der Brandung surfen, teilen sich den Strand mit Antilopen, Affen, Reptilien und unzähligen kleineren Bewohnern. Jeder folgt seinen eigenen Bedürfnissen - auf der Suche nach Nahrung, Schutz oder Heilung. Und wenn die Nacht hereinbricht, verwandelt sich der Strand in eine Wiege des Lebens, die seit Jahrtausenden neue Generationen hervorbringt. Doch das Paradies hat Risse bekommen. Strömungen tragen Plastikmüll bis an diese Küste, an den letzten unberührten Strand Afrikas. Was für die Tiere seit Jahrtausenden ein Ort der Nahrung, des Schutzes und der Begegnung war, droht zur Müllkippe zu werden. Die Dokumentation ist eine filmische Reise an einen einzigartigen Ort, an dem Wald und Meer, uralte Rhythmen und moderne Bedrohungen aufeinandertreffen - ein Naturfilm voller Magie und eindringlicher Geschichten über ein Paradies, das aus dem Gleichgewicht zu geraten droht.
18:30
Was soll man von der Elefantendame Suda halten, die mit Pinsel und Farbe ihren Freund porträtiert? Echte Begabung? Könnte es sein, dass die Wurzeln unserer Kunst weit zurück ins Reich der Tiere reichen? Kunst macht Mühe und kostet Zeit. Lauter Nachteile im Überlebenskampf. Wenn aber Tanz, Gesang und Architektur zu Verführungskünsten werden, zahlt es sich aus. Dass manche Tiere dabei sogar Kreativität und ihren "persönlichen Stil" entwickelten, ist nicht verwunderlich. Schließlich will man sich von Mitbewerbern abheben. Auch in der frühen Menschheitsgeschichte galten die Anfänge der Kunst wohl dem anderen Geschlecht. Dafür sprechen kunstvoll gefertigte Riesenfaustkeile, die zu groß waren, um sie als Werkzeug zu verwenden. Waren sie Schaustücke, um den Frauen zu imponieren? Es vergingen Jahrhunderttausende, bis den Menschen ein Kunststück gelang, was den Tieren bis heute versagt bleibt: die Abbildung ihrer Umgebung. Erst die Eiszeitkünstler vor 43.000 Jahren schnitzten Elfenbein-Figürchen von Mammuts, Pferden und Wasservögeln. Und als sie auf ihren Knochenflöten die ersten Melodien spielten, war die Kunst endgültig zur "Sprache der Gefühle" geworden. Unsere Kunst ist längst über biologische Zwecke hinausgewachsen. Aber ihr Ursprung ist schon bei Tieren zu finden. Schließlich ist auch die Kunst nicht vom Himmel gefallen.
19:20
"ARTE Journal", das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur.
19:40
"Ich habe mir immer geschworen, ich lasse mich nie schlagen von einem Mann, und trotzdem habe ich mir alles gefallen lassen", sagt Sabine. Nachdem er sie immer wieder zusammengeschlagen und dann sogar gedroht hat, sie zu töten, flüchtete sie, nur mit Leggings und T-Shirt bekleidet, zur Polizei. Sie fand Unterschlupf im Frauenhaus Espelkamp. Im Gegensatz zu den meisten Frauenhäusern ist dieses nicht anonym. Die Adresse, mitten im Ortszentrum, ist öffentlich bekannt. Hier sorgen Überwachungskameras für Sicherheit, auch Nachbarschaft und Polizei wissen Bescheid. Der Erleichterung, der Gewalt entkommen zu sein, folgt die Verzweiflung über diese Taten und die Sorge, wie es weitergehen soll. Teamchefin Miriam Kary erlebt die Frauen oft zuerst in einer Art Schockstarre, gefolgt von Trauer und Selbstvorwürfen: Was haben die Kinder mitbekommen? Warum bin ich nicht eher gegangen? Auch Lara aus Osteuropa (anonym) musste vor der Gewalt ihres Partners fliehen. Er hat sie erst mit Liebe überschüttet, dann erniedrigt, geschlagen und so manipuliert, dass sie sich in Deutschland prostituiert hat. Obwohl sie ihm alles Geld gegeben hat, hat er sie immer wieder verprügelt. "Ich hatte Angst jeden Tag, wann kommt der nächste Schlag? Angst um mein Leben." Nachdem sie ihm schwer misshandelt entkommen ist, hat er sie überall gesucht. Sie ist von Bordell zu Bordell geflohen, bis sie in einem streng geheim gehaltenen Schutzhaus Unterschlupf und Fürsorge gefunden hat. Für einen solchen Neustart braucht es viel Unterstützung und Zeit, die körperlichen und seelischen Wunden zu heilen.
20:15
Robert Stroud wird nach einer Gefangenenrebellion in die Strafanstalt Leavenworth verlegt. Er sitzt wegen Mordes zwölf Jahre Zuchthaus ab und gilt als gewalttätig und verbittert. Als er einen Wärter ersticht, soll er hingerichtet werden, doch seine Mutter erreicht die Umwandlung des Urteils in lebenslange Einzelhaft. In der Isolation hat Stroud nur wenig Kontakt, bis er im Hof einen verletzten Sperling findet und ihn in seiner Zelle aufzieht. Später darf er Kanarienvögel züchten und entdeckt darin einen neuen Lebenssinn. Er entwickelt ein Heilmittel gegen eine gefährliche Vogelkrankheit und wird als Vogelexperte bekannt. Durch die Züchterin Stella Johnson entsteht erstmals eine persönliche Bindung, die jedoch zum Bruch mit seiner Mutter führt. Er wartet auf eine Begnadigung ... "Der Gefangene von Alcatraz" basiert auf der Lebensgeschichte des Amerikaners Robert Stroud, der 1963 in einem Gefängnishospital starb, nachdem er 54 Jahre in Zuchthäusern verbracht hatte, davon 43 Jahre in Einzelhaft. Der Film, auch ein Plädoyer für einen humaneren Strafvollzug, erhielt mehrere bedeutende Preise. Burt Lancaster wurde als bester Hauptdarsteller für den Oscar nominiert, gewann den BAFTA Film Award und in Venedig die Coppa Volpi. Weitere drei Oscarnominierungen gingen an Telly Savalas und Thelma Ritter für ihre Nebenrollen und an Burnett Guffey für die beste Bildgestaltung in Schwarz-Weiß. Für Telly Savalas war es der Start seiner Schauspielkarriere, die im TV als Polizist Kojak mit "Einsatz in Manhattan" ihren Höhepunkt fand.
22:35
20 Männer lassen sich für zwei Wochen auf ein riskantes Rollenspiel ein: Gefangene und Wärter in einem simulierten Gefängnis. Anfangs gelten klare Regeln, Gewalt ist verboten. Doch Macht, Angst und Gehorsam verändern alles. Aus der Studie wird ein Alptraum - und die Frage bleibt: Kann "Das Experiment" noch gelingen? Psychothriller, inspiriert vom Stanford-Prison-Experiment. Die Handlung orientiert sich an der Versuchsanordnung des Stanford-Prison-Experiments: Eine Gruppe von 20 - in Stanford 24 - Männern wird zufällig in "Gefangene" und "Wärter" eingeteilt. Zwei Wochen lang sollen die Teilnehmer in einem Scheingefängnis ausharren, das in einem umgebauten Flur im Keller einer Universität eingerichtet ist. Die Gefangenen müssen grundlegende Rechte und Freiheiten aufgeben. Sie werden desinfiziert, erhalten nummerierte Kittel und werden zu dritt in enge Zellen gepfercht. Als sie sich gegen Erniedrigungen und Schikanen wehren, reagieren die Wärter bereits in der ersten Nacht mit brutaler Härte. Während das reale Experiment in Stanford wegen zunehmender Aggressionen der Wärter und wachsender Abstumpfung der Gefangenen nach kurzer Zeit abgebrochen wurde, steigern Drehbuch und Film die Situation weiter. Sie zeigen, wie Macht, Gehorsam und Gewalt die Versuchspersonen bis an ihre Grenzen und darüber hinaus treiben. Oliver Hirschbiegels Kinodebüt ist ein verstörender Psychothriller über Rollenverhalten, Autorität und soziale Isolation, basierend auf Mario Giordanos Roman "Black Box" und dem Stanford-Prison-Experiment von 1971. Anfangs scheint die Studie kontrolliert, doch bald eskalieren Macht, Angst und Demütigung. Das reale Experiment gilt als einer der berühmtesten Versuche der Psychologie. Jedoch standen Versuch und Ergebnisse zunehmend in der Kritik und stehen es nach wie vor aufgrund mangelnder Wissenschaftlichkeit.