22:10
Die Luxemburgerin Désirée Nosbusch ist als vielseitiges Ausnahmetalent in ganz Europa bekannt. "Ich habe so viele Umwege gemacht, um dahin zu kommen, wo ich eigentlich hinwollte", sagt sie selbst über ihren Weg. Dieser nahm 1977 mit 12 Jahren bei Radio Luxemburg seinen Anfang. Ihre erste Hauptrolle spielte sie mit 16, anschließend studierte sie Schauspiel in den HB Studios in New York. Mit 19 Jahren führte sie in fünf Sprachen durch den Eurovision Song Contest. Danach moderierte sie jahrelang große Shows in vielen Ländern und spielte in über 30 Filmen mit. In der Rolle der skrupellosen Investmentbankerin Christelle Leblanc brillierte Désirée Nosbusch 2018 in der Serie "Bad Banks". In der Dokumentation spricht sie auch über das dunkelste Kapitel ihres Lebens, als sie als Jugendliche in die Fänge eines 30 Jahre älteren Mannes geriet. Nosbusch: "Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich merkte: Wenn ich jetzt nicht gehe, ist meine Seele kaputt."
23:05
Wie überwindet man den Tod des eigenen Kindes? Hält man den Schmerz präsent, wie Edith, um das Leben nicht zu vergessen, das man einst hatte? Oder versucht man, den Schmerz zu verdrängen und die Leere mit neuen Erinnerungen zu füllen, wie Lucas es tut? Die Ex-Ehepartner treffen sich wegen einer Grabsteinverlegung zum ersten Mal nach zehn Jahren Funkstille am Grab ihres gemeinsamen Sohnes wieder. Die Begegnung löst in ihnen alte Wut, Scham, unausgesprochene Liebe und längst verloren geglaubte Erinnerungen an ihr einst gemeinsames Leben aus. Edith hält ihrem Ex-Mann vor, sie in ihrer Trauer buchstäblich im Stich gelassen zu haben, während Lucas das Scheitern der Beziehung in Ediths Schockstarre sah, die es verhindert habe, einen gemeinsamen Ausweg zu finden. Aus einem Gespräch wird ein intensiver Streit, der die schmerzhaften Wunden der Vergangenheit bei beiden offenlegt. Dennoch verlässt keiner von ihnen den Friedhof. Mit "Poison - Eine Liebesgeschichte" gibt Désirée Nosbusch ihr Spielfilm-Regiedebüt. Die intime Zwei-Personen-Geschichte mit Tim Roth und Trine Dyrholm basiert auf Lot Vekemans international erfolgreichem Theaterstück "Gift - Eine Ehegeschichte". Kamerafrau Judith Kaufmann übersetzt die Bühnenvorlage in eine zurückhaltende Bildsprache, die ganz auf die Begegnung des ehemaligen Paares setzt. Das Drama feierte seine Weltpremiere 2024 beim Internationalen Filmfest München. Bei der Galway Film Fleadh 2024 wurde Désirée Nosbusch mit dem Peripheral Visions Award für den besten Film ausgezeichnet.