16:20
Lahemaa bedeutet auf Estnisch "Land der Buchten". Entlang der Küste erstrecken sich vier Halbinseln, sieben Flüsse und ein riesiges Urwaldgebiet. Der Park ist dünn besiedelt, dadurch kann sich die Natur ganz unberührt entfalten. Die meisten Dörfer finden sich entlang der Küste, einige, wie das alte Kapitänsdorf Käsmu, sind heute vor allem bei Künstlern beliebt. Das alljährlich stattfindende Musikfestival Viru Folk zieht im Sommer viele Besucher an. In Käsmu finden sich auch die meisten Findlinge in Lahemaa. Große Felsbrocken, die vor Tausenden von Jahren mit der Eisschmelze an die Küste geschwemmt wurden und heute unter besonderem Schutz stehen. Hier gibt es einen Fluss, in dem noch Perlenmuscheln leben. In ganz Nordeuropa sind sie vom Aussterben bedroht. Hier werden sie liebevoll gepflegt und erhalten. Weitere Besonderheiten: der ehemalige sowjetische U-Boot-Hafen Hara, der inzwischen verfällt und Graffiti-Künstler inspiriert, eine große Braunbärenpopulation und alte Gutshäuser, in denen im 19. Jahrhundert vor allem deutsch-baltische und schwedische Adelige gelebt haben. Das größte von ihnen ist das Gut Kolga, das eine bewegte Geschichte hat und erst in jüngster Zeit von Kunststudenten restauriert wird.
17:05
Der Nationalpark Soomaa ist berühmt für seine fünfte Jahreszeit. So nennen die Einheimischen das Hochwasser nach der Schneeschmelze im Frühjahr. Dann bewegen sich die Bewohner Soomaas fast ausschließlich mit Kanus und traditionell gefertigten Einbäumen aus Espenholz von Tür zu Tür. Der Einbaum-Bootsbau ist estnisches Kulturgut, die Bautechnik gehört zum Weltkulturerbe der Unesco. Aivar Ruukel ist einer der bekanntesten Einbaum-Baumeister des Landes. Und einer von nur 50 Esten, die hier im Nationalpark leben. Soomaa ist äußerst feucht und menschenleer, was wiederum Kraniche und andere Vogelarten fast magisch anzieht. Der Nationalpark ist seit mehr als 30 Jahren ein Vogelschutzgebiet von internationaler Bedeutung. Soomaa bedeutet auf Estnisch "Sumpf" oder auch "Moorland". Moorlandschaften spielen in der estnischen Mythologie eine wichtige Rolle und werden als geheimnisvolle Orte betrachtet. Das Moor von Öördi gehört zu den großen Mooren in Soomaa. Die Hochmoore sind die ältesten; ihre Geschichte reicht bisweilen über 10.000 Jahre zurück. Die jüngsten Einwohner Soomaas sind die Zwillinge Tuul und Torm und ihr Bruder Küü - die drei Söhne der Kanulehrer Rene Valner und Mariell Jüssi. Gemeinsam stellt sich die Familie den Naturgewalten. Dazu gehört der Kampf gegen Marder im Hinterhof oder die Organisation der Einkäufe nach Hochwasser. Das Wohnhaus der Familie steht auf einer der wenigen kleinen Inseln in Estland, die nur über eine Hängebrücke zu erreichen sind.
17:50
Im 19. Jahrhundert siedelte Bram Stoker seinen Roman "Dracula" in Transsilvanien mit seinen verfallenen Schlössern und blutigen Legenden an. Heute ist die abgelegene Region Rumäniens, auch bekannt als Siebenbürgen, eines der letzten unberührten Wildnisgebiete Europas, mit atemberaubenden Landschaften und einer großen Artenvielfalt. Abgeschirmt durch die majestätischen Karpaten und durch ein jahrzehntelanges, hartes kommunistisches Regime konnte die einzigartige Naturlandschaft erhalten bleiben, die sich in manchen abgeschiedenen Gegenden seit dem Mittelalter kaum verändert hat. Die Menschen haben hier ihre Traditionen bewahrt und pflegen bis heute ihre Bräuche. Die ausgedehnten Bergketten und Urwälder Siebenbürgens sind die Heimat von Luchsen, Wölfen und einer Bärenpopulation, die einen Großteil der europäischen Bären ausmacht. Transsilvanien ist auch ein Paradies für einen wichtigen Protagonisten des Romans "Dracula": 26 Fledermausarten leben in den vielen Höhlen, Schlossruinen und alten Kirchenburgen. Wenn die Nacht hereinbricht, verlässt das Große Mausohr, eine der größten Fledermausarten Europas, sein Versteck, um in den tierreichen Wiesen und Wäldern zu jagen. Diese Mischung aus Geschichte, Folklore und Natur verleiht Transsilvanien einen ganz eigenen, ursprünglichen Zauber.
18:35
In den dichten Wäldern der Karpaten ist der Europäische Braunbär Teil eines komplexen, aber fragilen Ökosystems. Aus vielen anderen Regionen Europas ist das beeindruckende Raubtier bereits verschwunden, doch in den Karpaten findet sich der größte Bestand des Kontinents. Das Zusammenleben von Mensch und Bär hat sich hier recht harmonisch eingespielt. Am Rande der Arktis muss der majestätische Eisbär miterleben, wie sein Jagdgebiet, das Packeis, zunehmend dem Klimawandel zum Opfer fällt. Während die Tiere auf die Rückkehr des Packeises warten, müssen sie mit ihren Energiereserven haushalten. In Kamtschatka im äußersten Osten Sibiriens verlassen die Braunbären Anfang März den schützenden Bau. Die Weibchen werden von ihren Jungtieren begleitet, die im Dezember zur Welt gekommen sind. Hungrig warten sie auf die Ankunft der Lachse, die in den Flüssen stromaufwärts an ihre Laichorte zurückwandern, wo sie nach der Eiablage sterben. Im Norden Kanadas spürt Pierre Mann nicht nur Amerikanische Schwarzbären auf, sondern auch den legendären, äußerst seltenen Kermodebär, der in seiner Heimat - dem gemäßigten Regenwald British Columbias - auch "Spirit Bear" (Geisterbär) genannt wird. In der Mythologie der indianischen Ureinwohner dient das Tier als Vermittler zwischen der Welt der Lebenden und dem Jenseits.
19:20
ARTE Journal, das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur.
19:35
"Mit offenen Karten im Fokus": Täglich drei Minuten Aktuelles und Analysen.
19:40
Vor anderthalb Jahren kannte Sofie Klippenspringen nur aus Videos in den sozialen Netzwerken. Inzwischen springt sie selbst aus Höhen bis zu zwanzig Metern. "Man ist völlig im Tunnel, weil natürlich auch ein Risiko mitspielt", beschreibt Sofie das Gefühl kurz vor dem Sprung. Ihr Freund Jonas weiß aus eigener Erfahrung, welche Folgen die riskanten Sprünge haben können. Er kämpft nach einer schweren Schulterverletzung bis heute mit einer mentalen Blockade. In diesem Sommer will Sofie zum ersten Mal bei einem internationalen Event springen und dabei auch bekannte Gesichter der Szene treffen, die sie bislang vor allem aus dem Netz kennt. Mit dabei ist auch Florian. Er ist Weltrekordhalter im sogenannten Death Diving, einer extremen Form des Klippenspringens. Seit seinem Rekordsprung aus rund 48 Metern ist er einer der Stars der Springer-Szene. Noch arbeitet er als Dachdecker, doch er träumt davon, durch Sponsoren zukünftig vom Sport leben zu können. Diesen Anspruch hatte Lionel, genannt Loulou, aus Südfrankreich nie. Mit 56 Jahren springt er noch regelmäßig von den Kalkfelsen seiner Heimat Cassis und gibt seine Erfahrung an Jugendliche weiter. Er warnt davor, sich von spektakulär inszenierten Clips in den sozialen Netzwerken zu Leichtsinn verleiten zu lassen, denn ohne Training und Sicherheitsmaßnahmen können die Sprünge lebensgefährlich sein. Für Loulou ist Angst ein wichtiger Begleiter - und doch will auch er mehr: Seit Monaten bereitet er sich auf einen Kopfsprung aus 42 Metern vor, mit dem er seinen Rekord in dieser Disziplin übertreffen will.
20:15
Nicholas Van Orton stammt aus einer vornehmen Familie, kontrolliert als Investmentbanker Millionensummen und lebt in San Francisco. Sein Leben scheint perfekt, wäre da nicht die Einsamkeit. Seine Frau hat ihn verlassen, und mit seinem labilen Bruder Conrad verbindet ihn wenig. Dennoch kreuzt Conrad an seinem 48. Geburtstag auf und schenkt ihm einen Teilnahmegutschein für ein neuartiges Erlebnisspiel. Noch bevor Nicholas recht weiß, ob er überhaupt teilnehmen will, ist er bereits in ein Spiel verstrickt, dessen Regeln er nicht kennt. Erst sind es nur Kleinigkeiten, die den Finanzmann irritieren: ein ausgelaufener Füllhalter, eine Aktentasche, die sich partout nicht öffnen lässt, eine Panne in einem Restaurant. Allmählich aber steigert sich die Intensität der Zwischenfälle. Nicholas wird erpresst, findet sein Haus in chaotischem Zustand vor und wird schließlich unter Drogen gesetzt und nach Mexiko verschleppt. Aus dem Geschäftsmann ist ein Verfolgter geworden, der niemandem mehr trauen kann und um sein Leben kämpfen muss. David Fincher stellt mit "The Game" wieder unter Beweis, dass er zu den eigenwilligeren Regisseuren Hollywoods gehört. Der technisch brillante, von dem Autorenteam Brancato und Ferris ("The Net") mit viel Dialogwitz ausgestattete Thriller zeigt Michael Douglas in der Rolle, die er am besten beherrscht: als autoritären Charakter, dessen Zusammenbruch den Blick auf die Defizite der amerikanischen Gesellschaft freigibt.
22:20
Es klingt nach einer urbanen Legende: Auf den Schulhöfen erzählt man sich von einer alptraumhaften Videoaufnahme, die alle nach sieben Tagen tötet, die sie gesehen haben. Tatsächlich sterben mehrere Schüler unter mysteriösen Umständen genau eine Woche, nachdem sie den Film angeschaut haben. Von der unheimlichen Geschichte fasziniert, besorgt sich die Reporterin Reiko das Video. Und die Legende scheint zu stimmen: Auch für sie läuft die Lebenszeit bald ab. Will sie überleben, muss sie den Fluch brechen. Offenbar steht eine ungesühnte Gewalttat mit den Todesfällen in Verbindung. Kann es sein, dass ein ruheloser böser Geist sein Unwesen treibt? Die Zeit drängt. Schrecklicher wird die Situation für Reiko noch, als sie erkennt, dass auch ihr kleiner Sohn das Video zu sehen bekommen hat. Regisseur Hideo Nakata gilt mit seinen Filmen als entscheidender Vertreter des Genres J-Horror. Auf seinen national wie international höchst erfolgreichen und aufsehenerregenden Spielfilm "Ring - Das Original" ("Ringu"), der auf einer populären Buchvorlage basiert, folgten mehrere Fortsetzungen, Remakes und Parodien; das Geistermädchen Sadako Yamamura wurde zum bleibenden Element der östlichen und westlichen Popkultur. Hideo Nakatas legendärer Gruselfilm kommt ohne allzu schrille Schockeffekte aus, seine unheimliche Atmosphäre wird wirkungsvoll durch Töne, Farbgestaltung und Kamerabewegungen erzeugt. Und das Rätselraten um die tatsächlichen Hintergründe und Umstände der furchterregenden Handlungselemente hält bis zum Schluss die Spannung hoch.
23:50
(1) Ball Face (2) Sauce Playground (3) Geier (4) Short Cuts (5) Zoom - Ruhe, wir schließen!