17:05
Durch Stürme, Trockenheit, Brände und Borkenkäfer wird binnen kurzer Zeit zerstört, was über Jahrhunderte gewachsen ist. Bedeutet das das Ende für unsere Wälder und ihre Bewohner? Unordnung im Wald durch Windbruch, herumliegendes Totholz oder Brände irritieren uns. Genau darin aber liegt eine Chance für die Natur. Es ist verblüffend und scheint wie ein Widerspruch: Nach einem Waldbrand oder einem Massenbefall durch Borkenkäfer erholen sich selbst stark geschädigte Wälder. Denn Katastrophen sind Teil eines natürlichen Kreislaufs, der Platz für frisches Grün schafft. Und die Rückkehr von Wisent, Wildpferd oder Rind schafft wichtige Voraussetzungen, um unsere Wälder fit für die Zukunft zu machen. Die großen Pflanzenfresser sorgen dafür, dass Lichtungen entstehen und die Artenvielfalt sprunghaft ansteigt. Auch in dieser Folge der Dokumentationsreihe ist der Wald die Bühne für die großen und kleinen Dramen der Natur: Wir sehen, wie eine Rehmutter Zwillinge zur Welt bringt, werden Zeuge dramatischer Brände, beobachten Hornissen bei der Jagd und sind dabei, wenn sich der Wald nach vermeintlicher Zerstörung regeneriert und artenreicher als zuvor emporwächst.
17:50
Es ist wie eine Zeitreise zurück ins Mittelalter. Damals kamen auch am Fuß der Karpaten erste Siedler an. Sie fällten den Urwald, schufen Kirchenburgen, Dörfer, Äcker. Viele wurden freie Bauern und nannten ihre neue Heimat Siebenbürgen. Sie drängten die Wildnis zurück - und die Natur wurde bunter und vielfältiger als je zuvor. Wie ging das? Damals war eine solche Artenvielfalt in Europa weit verbreitet. Aber heute finden wir sie nur noch in Rumänien. Die Brüder Wolfgang und Hermann Baak sind die letzten Kleinbauern im Dorf Malmkrog, die ihr Land mit einfacher Technik und Pferden noch fast mittelalterlich bewirtschaften. Sie zeigen uns, wie seit der Besiedelung aus Wildnis Kulturland geschaffen wurde und bis heute erhalten wird. Hier können auf nur zehn Quadratmetern Wiese 99 Pflanzenarten wachsen - ein Rekord der Artenvielfalt. Und das alles nur, weil die Bauern hier wie früher nicht düngen, und einmal im Jahr mähen. Von der Pflanzenvielfalt profitieren Schmetterlinge, von denen manche als Raupe nur an einer einzigen Pflanzenart fressen. So können hier auf nur zwei Quadratkilometern unglaubliche 1.500 Schmetterlingsarten leben. Braunbären kommen aus dem Schutz des Waldes auf die Wiesen, um wie Kühe die Vielfalt der Kräuter abzuweiden. Rotfüchse füttern ihre Welpen mit den Wühlmäusen, die hier seit dem Mittelalter bevorzugt leben. Weil die Bauern Heu und Weideland für ihr Vieh brauchten, schufen sie mit den Heuwiesen unabsichtlich Siebenbürgens größten Naturschatz. Aber jetzt geben immer mehr Kleinbauern auf, und die industrielle Landwirtschaft übernimmt. Heuwiesen werden zu Äckern umgepflügt, ihre Lebensgemeinschaft zerstört. Noch ist Siebenbürgens Natur mit ihrem Artenreichtum einzigartig in Europa. Aber wird sie in ihrer mittelalterlichen Fülle weiterbestehen?
18:35
Serbien ist geprägt von Wasser. Die Donau und die großen Flüsse Save, Morava, Drau und Theiß tragen Wasser in das Land hinein. Dort, wo vor Millionen von Jahren ein riesiges Binnenmeer die Ebene bedeckte, entstand ein einzigartiger Lebensraum mit vielfältigen Ökosystemen und ein Hotspot für Biodiversität. Das Eiserne Tor ist die größte Flussklippenlandschaft Europas und Unesco-Weltnaturerbe. Hundert Kilometer lang hat sich die Donau einen Weg durch die Südkarpaten zum Schwarzen Meer geschaffen. Die dichten Wälder der Tara gehören zu den letzten Rückzugsgebieten des Braunbären auf dem Balkan. Bevor der Schnee die Gebirgshänge in eine dichte Decke hüllt, begibt er sich auf die Suche nach einem Ort, wo er die kalten Wintermonate überstehen kann. In den Ausläufern der Karpaten hat das Wasser tiefe Karsthöhlen in die Gebirgsregion gegraben. Die Lazareva-Höhle ist mit ihren 9.818 Metern die längste Höhle in ganz Serbien und Lebensraum für Arten, die nur hier vorkommen. In den Steilklippen des Uvac-Canyons lebt der Gänsegeier. Der Greifvogel galt in Serbien bereits als ausgestorben. Doch intensive Schutzmaßnahmen konnten seinen Bestand bewahren. Im Herbst, wenn das Wasser zurückkehrt, erwacht das Naturreservat Slano Kopovo zum Leben. Jahr für Jahr rasten hier Zehntausende Zugvögel. Sie kommen aus Skandinavien, Russland, dem Baltikum und ziehen weiter nach Griechenland und Nordafrika. Rund 200 Vogelarten wurden hier bereits gesichtet. Kraniche, Wildgänse, Enten - sie finden hier alles, was sie für ihre strapaziöse Reise benötigen.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:35
Den Sudan nicht vergessen: Das Land befindet sich seit mehr als drei Jahren im Krieg. 15 Millionen Menschen wurden vertrieben, zehntausende getötet - laut UN eine der größten humanitären Krisen der Welt. Der Konflikt verdeutlicht auch die wachsende Bedeutung von Drohnen. Nach UN-Angaben töteten Drohnen seit letzten Januar 880 Zivilisten im Sudan.
19:40
Die Methoden der "Loverboys" sind grausam. Erst verführen, dann isolieren und das Selbstbewusstsein zerstören, um die jungen Frauen schließlich zu versklaven. Die Reportage erzählt, wie drei junge Mädchen in Paris und Maastricht in die Fänge solcher Kriminellen gerieten, die sie nach den ersten Liebesschwüren schließlich übers Internet verkauften: Bao wurde fünf Jahre lang zur Prostitution gezwungen; Jennifer Pailhé erzählt von ihrem erbitterten Kampf, ihre Tochter aus den Fängen des Zuhälters zu befreien; Chemelle Jongen, ein ehemaliges Opfer, kämpft heute dafür, die Öffentlichkeit über die Methoden der "Loverboys" aufzuklären. Alle europäischen Länder sind mit der Prostitution von Minderjährigen konfrontiert. Aber jedes Land hat seine eigenen Gesetze und seine eigenen Methoden, sie zu bekämpfen.
20:15
Es war einmal ein Land, das es nicht mehr gibt: Jugoslawien. Mehrere Jahrzehnte lang hielt Josip Broz Tito unangefochten die Zügel in der Hand. Bis zu seinem Tod 1980. Er hinterließ ein Machtvakuum, das die kommunistische Partei nicht füllen konnte. Der Staat Jugoslawien zerfiel. Millionen Menschen wurden in den Kriegen vertrieben, Hunderttausende getötet. Die Dokumentation erzählt neben der Lebensgeschichte Titos auch die Geschichte eines gescheiterten Staatswesens. Historiker, Künstler, ehemalige Partisanenkämpfer begeben sich dafür auf Spurensuche. Sie sind Serben, Kroaten, Bosniaken, Slowenen, überall auf der Welt verstreut. Viele beschäftigt die Frage, wer dieser Mann wirklich war. Ihre persönlichen Erinnerungen und Analysen verschmelzen zu einer Erzählstimme, die mit selten gezeigten Archivmaterial den Weg Titos nachzeichnet. Vom gelernten Schlosser zum kommunistischen Untergrundkämpfer und charismatischen Partisanenführer bis hin zum autokratischen Herrscher des Staates Jugoslawien, den es ohne ihn vermutlich so nie gegeben hätte. Zu Wort kommen unter anderem der Politikwissenschaftler Dejan Jovic, die Performancekünstlerin Marina Abramovic sowie der Historiker Joze Pirjevec und die Historikerin Marie-Janine Calic. Es entsteht das komplexe Bild eines Mannes, der vielen Menschen Hoffnung und Stabilität versprach, der internationale Anerkennung gewann, Jugoslawien zwischen Ost und West positionierte und die Bewegung der Blockfreien Staaten mit ins Leben rief. Zudem legt die Dokumentation die Bruchlinien frei, an denen der jugoslawische Staat später zerbrechen wird.
21:45
1944 zeichnete sich die militärische Niederlage Hitler-Deutschlands längst ab: Die sowjetischen Truppen rückten unaufhaltsam in Richtung Berlin vor. Im Februar 1945 vereinbarten die USA, Großbritannien und die UdSSR in Jalta, demokratische Regierungen in den befreiten Ländern einzusetzen. Stalin behielt die Kontrolle über die Gebiete im Osten, wo er jedoch kommunistische Regime etablierte, zum Beispiel in Ungarn, Polen und Ostdeutschland. Die von den Entbehrungen und Grausamkeiten des Krieges traumatisierte Bevölkerung ließ es geschehen: Sie war damit beschäftigt, die zerstörten Städte wieder aufzubauen und ihr Überleben zu sichern. Die UdSSR übernahm die Industrie in den Satellitenstaaten und beschlagnahmte Kohle, Weizen und Uran. Der Marxismus-Leninismus wurde im neu gebildeten Ostblock zur einzig gültigen Weltanschauung erklärt. Propaganda und Repression durchdrangen die Gesellschaft, Überwachungsapparate entstanden: Willkürliche Verhaftungen und Denunziation waren an der Tagesordnung. Der Eiserne Vorhang trennte den alten Kontinent fortan für Jahrzehnte in Ost und West.
22:40
1949 wird Josef Stalin 70 Jahre alt, ihm zu Ehren werden in Ostblockstaaten sogar Städte nach dem sowjetischen Machthaber benannt. Die UdSSR überwachte die Regierungen der neu entstandenen Satellitenstaaten auch nach dem offiziellen Rückzug der Roten Armee. Kirche und Gläubige wurden ausspioniert, Andersdenkende und Regimekritiker verfolgt. Die Jugend sollte ihren Platz in Reih und Glied bei den Jungpionieren finden, in Forschung und Lehre wurden sozialistische Werte propagiert. Die Kollektivierung nahm Familien ihr Land, es kam zu zahllosen Enteignungen. Nur wenige Jahre nach Kriegsende initiierte Moskau einen großen antijüdischen Schauprozess, der sich auch gegen Holocaustüberlebende richtete: Im November 1952 wurden in Prag elf hochrangige Parteimitglieder aus fadenscheinigen Gründen zum Tode verurteilt. Die Menschen in der Sowjetunion bereiteten sich auf weitere gnadenlose "Säuberungsaktionen" vor. Doch am 5. März 1953 starb Stalin unerwartet an den Folgen eines Schlaganfalls. Mit seinem Tod ging eine Welle der Hoffnung durch die Bevölkerung.
23:40
Stalins Tod am 5. März 1953 ebnet zunächst den Weg für eine Serie von Protesten und Aufständen im unterdrückten Osteuropa. Alles beginnt in Berlin, wo im Juni 1953 Arbeiter in den Streik treten und gezielt Symbole der sowjetischen Besatzungsmacht angreifen. Diese erste große Erhebung gegen das von der UdSSR eingesetzte Regime wird von sowjetischen Panzern niedergeschlagen. Hoffnung auf eine mögliche Veränderung kommt 1956 aus Moskau: Auf dem 20. Parteitag der KPdSU verurteilt der neue sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow die Verbrechen seines Vorgängers. In Budapest kommt es zum Volksaufstand, dem die sowjetische Armee jedoch ein blutiges Ende setzt. Danach geht das Leben weiter wie zuvor: Repression, Überwachung, Gleichschaltung. Am Morgen des 13. August 1961 wird Ostdeutschland mit dem Bau der Mauer endgültig abgeriegelt, das letzte Schlupfloch in die Freiheit ist Vergangenheit. Stacheldraht, Minen und Schießbefehl sind die menschenverachtende Realität des Eisernen Vorhangs, der erst 1989 fallen sollte.