23:40
Exzessive Eifersucht, Isolation, Demütigung, Beleidigungen, GPS-Tracking, Cybermobbing, wirtschaftliche Diskriminierung sowie Drohungen mit Selbstmord oder Mord - all das sind Formen der Zwangskontrolle und zentrale Mechanismen häuslicher Gewalt. Kennt man dieses Verhaltensmuster, verschiebt sich die Perspektive: Statt zu fragen "Warum verlässt sie ihn nicht einfach?" lautet die entscheidende Frage: "Was tut er, damit sie ihn nicht verlassen kann?". Genau hier knüpft die Dokumentation an. Sie zeigt, wie gewalttätige Partner ihr Vorgehen beschreiben und begründen und wie Gesetz und Justiz solche Verhaltensweisen bewerten. Zu Wort kommen dabei unter anderem spezialisierte Richterinnen wie Gwenola Joly-Coz, die erste Präsidentin des Berufungsgerichts von Poitiers, und Ombeline Mahuzier, Präsidentin des Strafgerichts von Colmar. 2023 wurde in einer französischen Gerichtsverhandlung erstmals das Konzept der Zwangskontrolle als Mechanismus häuslicher Gewalt rechtlich anerkannt. Ausgehend davon beleuchtet die Dokumentation die Abläufe und Eskalationsstufen dieses komplexen Misshandlungssystems, das darauf abzielt, Frauen durch extreme psychische Gewalt abhängig zu machen und ihres Grundrechts auf Bewegungsfreiheit zu berauben. Im schlimmsten Fall mündet der häusliche Terror in einem Feminizid. An französischen Gerichten, beispielsweise in Poitiers, Colmar und Paris, gibt es seit Kurzem Referate für häusliche Gewalt. Dank einer Sondergenehmigung konnten Anhörungen gefilmt werden, in denen sich die Täter äußern. Ihre Aussagen werden den Standpunkten von Gesetz und Justiz, vertreten durch Richterinnen und Richter, gegenübergestellt.
00:35
Auf Dienstreise in Dublin übernachtet der Arzt Pierre Escande bei einer älteren Freundin seines Kollegen und engen Freundes Georges. Auf den ersten Blick erkennt Pierre in der 70-jährigen Shauna die rätselhafte Frau wieder, die er vor Jahren nach dem Tod von Georges' Mutter im Krankenhaus getröstet hatte und die danach spurlos verschwand. Die freiheitsliebende Seniorin führt ein aktives Leben, pendelt zwischen ihrem irischen Ferienhaus und ihrer Wohnung in Paris. Für den 45-jährigen Pierre ist die Begegnung wie ein Hauch frische Luft, und bei nächster Gelegenheit, ein medizinisches Kolloquium in der französischen Hauptstadt, treffen sich die beiden erneut. Trotz der 25 Jahre Altersunterschied funkt es zwischen Pierre und Shauna - Gemeinsamkeiten gibt es im Überfluss und die junge Liebe verfestigt sich schnell. Das Familienleben steht ihnen jedoch im Weg. Shaunas Tochter ist längst aus dem Haus, aber Pierre hat Frau und Kinder in Lyon. Der geistigen, ideellen Nähe steht überdies der biologische Altersunterschied entgegen; Shaunas Alter macht sich durch aufkommende Krankheiten bemerkbar. Die geheime Affäre zeigt ihre Achillesferse: Besteht wirklich eine reelle Chance, auf zwei asynchronen Leben eine Liebe aufzubauen?
02:25
1979 erreichte die Islamische Revolution im Iran ihren Höhepunkt. Die Menschen hatten genug vom alten Regime und hofften auf Demokratie und Freiheit, der Schah verließ das Land und die Islamische Republik Iran wurde ausgerufen. Nur ein Jahr später wurde das renommierte iranische Nationalballett mit seinen 51 Tänzerinnen und Tänzern aufgelöst. Fast alle verließen daraufhin das Land. Heute ist Tanzen im Iran eine schwierige Angelegenheit: In der Öffentlichkeit ist es verboten, es gibt keine Tanzschulen. Aber junge Menschen, die dafür brennen, bringen es sich selbst bei und treffen sich dafür an verborgenen Orten. Die Filmemacherin Sarvnaz Alambeigi sieht darin eine Idee für ein Filmprojekt: Sie will versuchen, die ehemaligen Tänzerinnen und Tänzer von vor 1979 aufzuspüren und sie mit der jungen Generation zusammenzubringen. Es folgt eine Spurensuche in Holland, England und den USA. Sarvnaz trifft auf Erstaunen, Misstrauen darüber, dass junge Tänzer auf ihre Weise die Tradition fortsetzen. Nur das damals jüngste Mitglied des Teheraner Balletts - heute Bühnentechniker am Scapino Ballett Rotterdam - will schließlich ein Treffen möglich machen. Derweil erarbeiten die jungen Tänzerinnen und Tänzer kleine Szenen, die Einblick in ihre Fragen zu Glauben, Gesellschaft oder Sexualität geben. Schließlich erhalten sie eine Einladung aus Rotterdam, die der Schritt vom Dunkel ins Licht werden soll. Aber da platzt die Weltpolitik dazwischen, Visa werden nicht erteilt und aus einem großen Auftritt wird nur eine kleine Begegnung. Trotzdem: Sie werden weiter ihre Träume tanzen und die Grenzen mit der Kunst überwinden.
03:20
03:25
Fotos können unser Weltbild beeinflussen. Und jedes Foto hat eine Entstehungsgeschichte. Das Magazin "Mit offenen Augen" ordnet Bilder ein und erklärt Hintergründe. Moderatorin Sonia Devillers liefert faszinierende Aufschlüsse, die über den ersten Blick hinausgehen.
03:35
In einer Rede erklärte Trump, dass "die Wirtschaft floriere wie nie zuvor". Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit ist die Inflation zurückgegangen, doch die Gas- und Strompreise sind gestiegen und das Wachstum ist verhalten. / Eine Brandmauer gegen den Rassemblement National (RN) oder La France insoumise (LFI): Kommt es zu einer Umkehrung der republikanischen Front?
04:25
Die Verfilmung des ersten Romans von Virginie Despentes mit brutalen Sex- und Gewaltdarstellungen rief den französischen Staatsrat auf den Plan, der die Altersfreigabe für den Film 2001 auf 18 Jahre setzte. Die schonungslose Darstellung verstörender Szenen begründete Despentes damit, dass sie "mit der Männerwelt noch eine Rechnung offen" habe ... Die Animationsserie "(Fast) Die ganze Wahrheit", die mit augenzwinkerndem Humor aus dem Nähkästchen prominenter Persönlichkeiten plaudert, wartet mit einer fünften Staffel auf. Die vom Kreativteam der französischen Produktionsfirma Blogothèque geschaffene Serie setzt Spielzeug oder Alltagsutensilien in Stop-Motion-Animationen ein, die von einer frechen Off-Stimme kommentiert werden. In der fünften Staffel gesellen sich zur lustigen Porträtgalerie 39 weitere Promis, darunter Josephine Baker, Jeanne Moreau, Albert Camus, Napoleon, Alain Delon und Virginie Despentes.