18:35
Für die Menschen der Gegend gilt Poilão als heiliger Boden. Deshalb blieb das Eiland über Jahrtausende nahezu unberührt von der menschlichen Zivilisation. Nur sehr sporadisch wird sie überhaupt von Menschen betreten. Und so ist die winzige Insel bis heute eine einzigartige Naturoase geblieben, ein überaus vielfältiges Ökosystem. Hier leben niedliche gambische Sonnenhörnchen, furchteinflößende afrikanische Warane, gefährliche Baumschlangen und gut getarnte Nachtfalter. Fleißige Weberameisen beeindrucken ebenso wie geheimnisvolle Chamäleons und zahlreiche Vogelarten wie die Turakos. Jedes Jahr kommen außerdem Zehntausende grüne Meeresschildkröten nach einer langen Reise durch das Meer genau hierhin. Sie wollen auf der Insel, auf der sie selbst geboren wurden, ihre Eier ablegen. An einem weniger als zwei Kilometer langen Sandstrand bauen sie in mühseliger Arbeit rund 60.000 Nester. Poilão gilt als einer der wichtigsten Nistplätze dieser gigantischen Schildkrötenart weltweit. Nach dem Schlüpfen verlassen dann Tausende und Abertausende winziger Schildkröten die kleine Insel. Und auch, wenn nur wenige von ihnen überleben, sichert die grüne Meeresschildkröte doch so immer wieder das Überleben ihrer Art, die weltweit sehr selten geworden ist.
19:20
ARTE Journal, das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur.
19:35
Bei den Zwischenwahlen wollen die Demokraten die Trump-Anhänger im Repräsentantenhaus und im Senat in die Minderheit drängen. Die Trump-Gegner hoffen, dass das Trump-Lager die Mehrheit verliert, nachdem es zwei Jahre lang den USA und darüber hinaus der ganzen Welt geschadet hat. Manche Bundesstaaten werden besonders aufmerksam verfolgt: Ohio, Michigan, Maine, Kansas, Iowa, Alaska und Texas.
19:40
Seit Jahrzehnten sucht Anna Corrigan nach ihren zwei Brüdern. Beide kamen im Mutter-Baby-Heim im westirischen Tuam zur Welt. Für John gibt es eine Sterbeurkunde, für William nicht. Anna hält es deshalb für möglich, dass William noch lebt. Oder liegen seine Überreste auf dem Gelände? Die Ausgrabungen könnten endlich Klarheit darüber bringen, was mit ihren Brüdern geschah. Zwischen 1925 und 1961 starben in dem von katholischen Nonnen geführten Heim Hunderte Säuglinge und Kleinkinder. Die lokale Geschichtsforscherin Catherine Corless fand Sterbeeinträge für 796 Kinder - aber keine Begräbnisnachweise. Ihre hartnäckigen Recherchen brachten einen der größten Kirchenskandale Irlands ans Licht: Viele der verstorbenen Kinder wurden in einem Abwassertank auf dem Gelände entsorgt. PJ Haverty verbrachte seine ersten sechs Lebensjahre in dem Heim. Erst Jahrzehnte später erhielt er Zugang zu seinen Akten und erfuhr, dass er als Kind zur Adoption in die USA vorgesehen war. "Ich hatte Glück, dass ich überlebt habe. Ich hätte dort liegen können." Nun soll in Tuam aufgeklärt werden, was mit den Kindern geschah. Seit Juli 2025 wird das Gelände forensisch untersucht. Die sterblichen Überreste werden geborgen und sollen identifiziert werden. Wurden die Kinder Opfer von Gewalt oder Vernachlässigung? Welche Verantwortung tragen Nonnen und staatliche Stellen? Erst 2021 entschuldigte sich die Regierung offiziell bei Überlebenden und Angehörigen. Tuam war kein Einzelfall: In ganz Irland starben in solchen Heimen rund 9.000 Kinder. Ist Tuam der Anfang einer umfassenden Aufarbeitung?
20:15
69 Milliarden Euro in Italien, 78 Milliarden in Polen, 144 Milliarden in Frankreich, 286 Milliarden in Deutschland - insgesamt mehr als 1,2 Billionen Euro wollen die europäischen Nato-Staaten bis 2030 für neue Waffen ausgeben, um Russland von einem Angriff auf Europa abzuschrecken. Aber diese Aufrüstung erfolgt völlig planlos: Zwar versprechen Minister und Regierungschefs fortwährend europäische Solidarität. Doch zugleich vergeben sie Milliardenaufträge je nach nationalen Interessen an bevorzugte nationale oder amerikanische Rüstungskonzerne. In der Folge passt nichts zusammen: Während die USA eine Weltmacht-Armee mit 30 Waffensystemen betreiben, leisten sich die Europäer 29 Mini-Armeen mit 178 Systemen. Welche Konsequenzen hat das? Und was bedeutet das für die Sicherheit der Europäer? Diesen Fragen sind Harald Schumann und die Journalistinnen und Journalisten des Teams Investigate Europe nachgegangen. Im Gespräch mit Nato-Generälen, ukrainischen Offizieren, nationalen und europäischen Parlamentariern, Rüstungsmanagern, dem zuständigen EU-Kommissar sowie Fachleuten aus führenden Thinktanks wird das politische Missmanagement bei Europas größtem politischen Projekt seit dem Fall des Eisernen Vorhangs aufgedeckt. Die Folgen sind beunruhigend: Es wird nicht nur Steuergeld in dreistelliger Milliardenhöhe verschwendet. Experten warnen davor, dass die Investitionen viel zu oft noch in Kampfsysteme fließen, die auf dem Schlachtfeld der Gegenwart gar nicht mehr gebraucht werden. Zugleich zementieren Aufträge an die amerikanische Rüstungsindustrie die Abhängigkeit von einer US-Regierung, die vom verlässlichen Partner zum unberechenbaren Rivalen geworden ist.
21:45
Die Dokumentation zeigt die finnische Gesellschaft, in der die Krisenvorbereitung schon seit langer Zeit zum Alltag gehört. Die Erinnerungen an den Winterkrieg mit der Sowjetunion 1939/1940 sind noch immer präsent. Wehrpflicht, fast eine Million Reservisten, Zivilschutzanlagen für den Großteil der Bevölkerung: Finnland bereitet sich seit Jahrzehnten auf einen erneuten Ernstfall vor. Das Land steht in der Region stellvertretend für Europa: Nato-Soldaten üben auf finnischem Boden, die Militärausgaben des Landes steigen an, und die 1.343 Kilometer lange Grenze im Süden des Landes ist zu einer Grenze verbündeter Nationen gegen Russland geworden. Diese neue Realität hat jedoch massive Auswirkungen auf die Bewohner des Grenzgebiets: Seit der Grenzschließung wurde jeglicher Austausch beendet, Familien entzweit, und Städte, die einst Russland zugewandt waren, sind nun isoliert. Die Dokumentation zeigt ein Finnland, das man so nicht kennt. Sie lässt sowohl diejenigen zu Wort kommen, die sich auf die Verteidigung der Grenze vorbereiten, als auch diejenigen, die unter ihrer Schließung leiden. Inzwischen stellt sich ganz Europa die Frage, ob man für den Ernstfall ausreichend gerüstet ist. Auch deshalb nehmen die Geschichte und die Entscheidungen, die Finnland seit langem geprägt haben, eine neue Dimension an.
22:40
Russland baut Militärstandorte und Truppen an seinen Grenzen nach Westen aus. Die Nato plant für den Ernstfall an ihren Ostgrenzen. Wie real ist die Gefahr eines offenen Konflikts? Über ein Jahr hinweg geht ein Rechercheteam dieser Frage nach. Die Recherchen führen von geheimen Nato-Übungen im Suwalki-Korridor, dem strategisch wichtigen Nadelöhr zwischen Belarus und Kaliningrad, über Satellitenanalysen russischer Militärstandorte bis zu Dokumenten aus dem Inneren des russischen Machtapparats. Die Investigativjournalisten treffen Nato-Kommandeure, Geheimdienstexperten und Informanten mit Zugang zur russischen Führung. Informationen deuten darauf hin, dass sich Russland auf eine langfristige militärische Konfrontation mit europäischen Staaten vorbereitet. Satellitenbilder zeigen neue Munitionslager und Fuhrparks mit Kampffahrzeugen entlang der Nato-Grenze. Frontsoldaten sprechen offen über ihre Bereitschaft zu einem Kampf gegen Europa. Ein ehemaliger Insider aus dem Umfeld des Kremls gewährt zudem Einblicke in Strategien und Entscheidungsstrukturen hinter Russlands Kurs. Dabei stellt sich die Frage, wo Abschreckung endet und Eskalation beginnt. Entstanden ist ein investigativer Dokumentarfilm über Bedrohungsszenarien, militärische Planungen und die Frage, ob Europa auf eine neue Epoche der Konfrontation zusteuert.
23:35
Als Russland am 24. Februar 2022 die Ukraine angriff, begann der einer der brutalsten Kriege in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. "Weiterleben zwischen Himmel und Erde" zeigt, was durch die Invasion zerstört wird und wie sich das alltägliche Leben in der Ukraine verändert. Die vier jungen ukrainischen Filmemacher und Filmemacherinnen beobachten die Folgen des russischen Angriffskrieges aus verschiedenen Blickwinkeln. Wozu führen Gewalt und militärische Aktionen? Was bedeutet der Angriff für die Menschen, ihre Lebensräume und die Natur? Was brennt sich ins kollektive Gedächtnis ein und was bleibt, wenn die physischen Spuren des Krieges langsam verschwinden? Die Doku zeigt, wie zu Ruinen geschossene Gebäude Teil des Alltags werden und wie sich die Natur die Schauplätze des Krieges zurückerobert. Die Doku begleitet Prozesse gegen russische Soldaten, die angeklagt sind, Kriegsverbrechen begangen zu haben, und kontrastiert dies mit Szenen, die zeigen, wie Massengräber entdeckt werden und Menschen nach ihren Angehörigen suchen. Im Lauf der Zeit verändern sich Alltag und Lebenswirklichkeit in der Ukraine. Landschaften und Städte sind zwar vom Krieg gezeichnet, doch entwickeln die Menschen dort eine enorme Lebensenergie und Menschlichkeit nach dem Ende von Bombenhagel und Kriegshandlungen.