16:50
Vor über 2.300 Jahren lässt in Rom ein Mann eine Straße bauen, die schnurgerade in die Ferne führt, von Rom bis Capua. Der Mann heißt Appius Claudius Caecus, genannt der Blinde, bis dahin hat noch niemand eine solche Straße gebaut. 244 vor Christus wird sie bis ins heutige Brindisi an der Adria verlängert. Lange vor Julius Cäsar marschieren die Legionen Roms auf der Via Appia hinaus in die Welt, und über die Via Appia gelangt man nach Rom. Mit fast 600 Kilometern Länge stellt sie eine noch nie dagewesene Ingenieursleistung dar. Sie gilt bis heute als längste Gerade im europäischen Straßensystem. Aber die Via Appia lässt auch Städte und Siedlungen in ihrer Umgebung erblühen und für reiche Römer ist es schick, sich am Straßenrand pompöse Grabmäler bauen zu lassen. Der Film zeigt, wie sich dank der Via Appia das römische Reich nach Osten ausbreitet. Später finden exotische Waren und neue Ideen den umgekehrten Weg. Im Jahr 73 vor Christus werden entlang der Straße 6.000 Sklaven gekreuzigt, die an der Seite von Spartakus für ihre Rechte gekämpft haben. Und auf ihren Pflastersteinen soll der späterer Apostel Petrus die berühmten Worte "Domine, quo vadis?" gesprochen haben. Doch wie lassen sich die erhaltenen, teils noch genutzten Abschnitte einer so alten Straße als Weltkulturerbe bewahren? Welche Konflikte zwischen Denkmalschutz und moderner Infrastruktur bringt das Unesco-Label - und welche Chancen? Vom Archäologiepark Appia Antica bis zu den Ausgrabungen in Minturno, vom Amphitheater in Capua bis zum Städtchen Mirabella Eclano: Die "Königin der Straßen" fasziniert bis heute.
17:45
Bertrand Chamayou tritt oft und gerne mit dem Ensemble Les Siècles auf, einem Orchester, das auf deutschen Instrumenten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts spielt. Der Klang versetzt die Zuhörerinnen und Zuhörer in genau jene Epoche, in der Franz Liszt mit seinen Klavierkonzerten Nr. 1 Es-Dur und Nr. 2 A-Dur Musikgeschichte schrieb. Er begann mit den Arbeiten in den 1830er Jahren und es brauchte viele Versionen und Veränderungen bis zu ihrer Fertigstellung. Das Konzert Nr. 1 wurde 1855 unter Leitung von Hector Berlioz und mit dem Komponisten selbst als Solisten in Weimar uraufgeführt. Vier ohne Unterbrechung gespielte Sätze folgen dicht aufeinander, ganz im Stil einer großen Variation über ein zyklisches Thema. Das Konzert Nr. 2 kam 1857, ebenfalls in Weimar, zur Uraufführung. Der Komponist dirigierte, den Solopart übernahm sein Schüler Hans von Bronsart, dem das Werk gewidmet ist. Auch hier folgen die insgesamt sechs Sätze ohne Unterbrechung aufeinander. Das Klavier verschmilzt gleich zu Beginn "dolce soave" mit Oboe, Klarinette und schnell mit dem ganzen Orchester. "Liszt will weniger blenden als vielmehr bewegen und erreicht in diesem 'bewundernswerten zweiten Konzert' weniger Glanz als vielmehr Tiefe", so Jankélévitch. Bei den Osterfestspielen in Aix-en-Provence übernimmt der Franzose Bertrand Chamayou den Klavierpart. Der international gefragte Pianist ist besonders bekannt für seine Interpretationen französischer Musik und zeitgenössischer Werke. Er hat mit den großen Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts zusammengearbeitet und tritt regelmäßig mit den renommiertesten Orchestern der Welt auf.
18:35
(1) Claire Doutriaux stellt eine grundlegende Frage: War Karl der Große Deutscher oder Franzose? Los geht's mit einer kleinen Umfrage. (2) Und wie immer: das Rätsel.
18:50
Der blutrote Weinbergpfirsich verschwand irgendwann aus den Rebhängen an der Mosel. Stattdessen gab es Monokulturen. Inzwischen aber besinnt man aber wieder auf das kulinarische Erbe. Monika Servaty, von Beruf Gärtnerin, hat sich dem Moselpfirsich verschrieben, zieht aus Pfirsichsteinen kleine Bäume und pflanzt sie dort, wo der Weinbau nicht mehr lohnt. Weil Weinlese und Pfirsichernte oft zusammenfallen, hat Monika im September alle Hände voll zu tun: Aus den Pfirsichen kocht sie unermüdlich Marmelade, außerdem Gerichte der Region wie Dippekuchen, ein Kartoffelgericht. Im Nachbardorf stellt sie mit ihrem Freund Herbert Budweg Pfirsich-Mousse her. Herbert hat selbst ein besonders Steckenpferd: Er macht Essig aus allen Früchten, die er auftreiben kann. Da kommt der Pfirsich gerade recht.
19:20
"ARTE Journal", das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur
19:40
Noch vor wenigen Jahren waren Esel in Montenegro akut vom Aussterben bedroht. Dass es die einst auf dem Balkan zahlreichen, treuen Helfer der Bauern heute noch im Land gibt, ist vor allem Darko Saveljic zu verdanken. 2015 rettete der Biologe die erste Eselstute - ein Tier, das seine Besitzer unter elenden Bedingungen hielten. Kurz darauf nahm er zwei weitere Esel auf, die als Futter für Jagdhunde geschlachtet werden sollten. Inzwischen leben 59 Stuten und ein Hengst auf Darkos Eselfarm - hoch in den Bergen, 17 Kilometer von Montenegros Hauptstadt Podgorica entfernt. Sie heißen Drina, Julia, Haila, Mandarina, und jedes Grautier hat eine eigene Geschichte. Mandarina ist mit 40 Jahren die älteste Stute auf der Farm. Bevor Darko Saveljic sie zu sich holte, hatten ihre Besitzer sie jahrelang als Arbeitstier ausgebeutet, ohne zu bemerken, dass sie blind ist. Drina wiederum war das erste Fohlen auf der Farm - geliebt und verwöhnt von der ganzen Familie. Als ein Wolf ihre Mutter tötete, wurde das Eselfohlen wie ein Haustier behandelt. Mit der wachsenden Zahl an Tieren baute die Familie schließlich einen Stall und ein Auslaufgehege. Heute steht Drina mitten in der Herde - und wacht eifersüchtig darüber, dass sie weiterhin die meiste Zuwendung erhält. Was als private Rettungsaktion begann, ist zu einer Initiative mit Strahlkraft weit über Montenegro hinaus geworden.
20:15
New York, 1945: Der aus Sizilien stammende Don Vito Corleone alias "Der Pate" ist einer der mächtigsten Mafiabosse der Stadt. Im Namen der konkurrierenden Mafiafamilie Tattaglia schlägt ihm der Gangster Sollozzo eine Partnerschaft im Rauschgifthandel vor, die Don Vito trotz Zuraten seines ältesten Sohnes Sonny zurückweist. Sollozzo beschließt daraufhin, Don Vito ermorden zu lassen und direkt mit Sonny ins Geschäft zu kommen. Der Pate überlebt den Anschlag jedoch schwer verletzt. Um seinen Vater zu rächen, erschießt Michael, Vitos jüngster Sohn, den Drogenhändler Sollozzo und den korrupten Polizeibeamten McCluskey und muss daraufhin nach Sizilien fliehen. Doch als auch Sonny im Drogenkrieg sein Leben lässt, kehrt Michael nach Amerika zurück und übernimmt die Familiengeschäfte. "Ein gewaltiger Gangsterfilm, der zeitgenössische Probleme der USA transparent macht und in reißerischer Verpackung als perfekte Unterhaltung anbietet. Im Mittelpunkt das System der Mafia, repräsentiert in der Geschichte eines Familienclans, dessen Haupt Don Corleone gleichsam zwei Tode sterben wird: den blutig-spektakulären als Gangsterboss und den privaten im sentimental getönten Familienidyll. Der überlange Film ist nicht ohne detaillierte Grausamkeit, wird aber vornehmlich sehenswert wegen des brillanten Spiels der Hauptdarsteller und interessiert auch als Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Verhältnissen." (Lexikon des Internationalen Films)
23:00
Der "Bestie" genannte Salvatore "Totò" Riina (1930-2017) galt fast 20 Jahre lang als einer der brutalsten und gefürchtetsten Paten der sizilianischen Mafia. Der zweiteilige Dokumentarfilm von Mosco Levi Boucault befasst sich mit der Verbrecherkarriere des Mafia-Bosses. Er hat im Laufe seines Lebens selbst rund 40 Menschen ermordet und bis zu 4.000 umbringen lassen. Der aus dem 60 Kilometer südlich von Palermo gelegenen Städtchen Corleone stammende Bauernsohn stieg zum "Boss der Bosse" auf. Es ist ein nahezu Shakespeare-hafter Stoff, geprägt von unzähligen Morden und dem ewigen Konflikt zwischen dem Streben nach Macht und der Kraft des Gesetzes. Der erste Teil schildert anhand erschütternder, noch nie gezeigter Aussagen reumütiger Mafia-Killer den unaufhaltsamen Aufstieg eines Mannes, der durch einen brutalen Krieg ins "Triumvirat" der Cosa Nostra eindrang. Riina schuf ein Klima des Schreckens und beseitigte skrupellos seine Gegner in den eigenen Reihen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Mafia wurden auch Vertreter von Institutionen ermordet, die sich der Organisation entgegenstellten: Journalisten, Richter, Politiker und Polizisten. Die Eskalation der Gewalt erreichte 1982 mit der Ermordung des Carabinieri-Generals Carlo Alberto Dalla Chiesa ihren Höhepunkt. Zu dieser Zeit herrschte Riina nahezu unangefochten über ganz Sizilien.