04:45
Drei Minuten über einen Star aus der Welt des Films, der Musik, Literatur oder Mode, einen Künstler, Sportler, Politiker oder Superhelden. In dieser Folge: Albert Camus.
05:10
Die venezolanischen Anden sind der nördlichste Ausläufer eines gewaltigen Gebirgssystems, das sich über den gesamten Westen Südamerikas zieht. Hier, rund um die Stadt Mérida, prägen schneebedeckte Gipfel und tief eingeschnittene Täler die Landschaft - ein beeindruckendes Hochland, das auch als "Dach Venezuelas" bekannt ist. Im Nationalpark Sierra Nevada ragen die höchsten Berge des Landes auf: der Pico Bolívar und der Pico Humboldt, beide fast 5 000 Meter hoch. Der Bergsteiger Alfredo Autiero erklimmt den höchsten Gipfel Venezuelas, den Pico Bolívar. Besonders aufregend für den erfahrenen und vielfach ausgezeichneten Kletterer: Zum ersten Mal begleitet ihn sein Sohn auf die anspruchsvolle Tour. In der auf 2 700 Meter Höhe gelegenen Gemeinde Los Nevados hat sich Daniel Souto einen Traum erfüllt: Mit seiner mobilen Werkstatt reist der Schmied in entlegene Regionen der Anden, um das traditionelle Handwerk weiterzugeben. Im Bundesstaat Táchira - direkt an der Grenze zu Kolumbien - liegt im sogenannten Kakaogürtel die Plantage von Juan Camilo Restrepo. Der 24-jährige Venezolaner hat mit viel Eigeninitiative ein kleines Kakaounternehmen aufgebaut. Familie und Freunde unterstützen ihn - auf dem Feld und an den Maschinen. In einem von wirtschaftlichen und politischen Krisen gezeichneten Land will Camilo eine Alternative bieten: nicht zu fliehen, sondern das Land von innen heraus zu stärken. Die Dokumentation gibt einen eindrucksvollen Einblick in ein unvergleichliches Naturparadies - und in das Leben der Menschen in den venezolanischen Anden.
05:55
Der Arzt Dr. Fusaro pendelt neben seinem Dienst im Stadtkrankenhaus von San Salvador de Jujuy, regelmäßig zu medizinischen Stationen in der weltläufigen, meist bergigen Umgebung. Ortschaften wie Tilquisaya, Taraxi, Tesorero und Ocloyas besucht er häufiger, da sie noch vergleichsweise gut erreichbar sind. Mit dem Geländewagen benötigt er etwa zwei Stunden, sofern die Straße nicht wieder einmal für mehrere Wochen gesperrt ist. Schwieriger ist die Siedlung San Bernardo, zu der man gut und gerne sechs Stunden fährt. Die anspruchsvollste Tour zur medizinischen Versorgung führt den Anden-Doktor jedoch noch weiter weg - zu den sehr hoch gelegenen Siedlungen rund um den Monte Chañi. Tagelang ist er dafür per Pferd und Muli über Stock und Stein unterwegs. In dieser unwirtlichen und schwer zugänglichen Region, weitab von jeder Infrastruktur, leben nur sehr wenige Menschen. Eine atemberaubend schöne Naturkulisse entschädigt zwar für vieles, die Bewohner führen jedoch ein karges und entbehrungsreiches Dasein und leben von Ackerbau und Viehzucht. Dr. Jorge Fusaro muss dorthin einiges mitnehmen: Kleidung, Batterien, Lebensmittel, Medikamente, Instrumente für Kontrolluntersuchungen und Kokablätter gegen die Höhenkrankheit. Er darf nichts vergessen, denn vor Ort gibt es weder eine Apotheke noch einen Supermarkt und nicht einmal Telefonempfang.
06:50
(1): Peruanische Kochtechnik im Erdofen: Pachamanca (2): Kulinarische Mitbringsel (3): Ran an die Töpfe!
07:20
(1): Nairobi, Thandiwe Murius bunte Frauenporträts (2): Lille, Nordfrankreichs berühmtester Trödelmarkt (3): Türkei, Dileks gefüllte Fleischtaschen (4): Jean-Baptiste Charcots stürmisches Island
08:05
(1): Das wundersame Schweden der Selma Lagerlöf (2): Tunesien: Die Traditionen der Amazigh (3): Griechenland: Spyros Kabeljau-Ragout (4): Paris: Pro und Kontra Todesstrafe
08:55
Seit Jahrhunderten jagen und töten Menschen Wölfe. Die Tiere galten als gnadenlose Killer, und in vielen Teilen der Welt wurden sie ausgerottet. Yellowstone, der erste Nationalpark der Welt, war keine Ausnahme. Menschen schufen sich dort das idealisierte Bild eines Naturparadieses. Für Wölfe war darin kein Platz, und 1926 wurden die letzten Wölfe getötet. Statt die perfekte Wildnis zu schaffen, löste der Mensch in Yellowstone jedoch eine Kettenreaktion mit ungeahnten Folgen aus, die das gesamte Ökosystem des Nationalparks aus dem Gleichgewicht brachte. Ohne Wölfe vermehrte sich die Population der Wapiti-Rothirsche explosionsartig. Der Nationalpark versuchte, den Anstieg des Bestands durch gezielte Jagd in den 1960er Jahren zu dezimieren. Der Erfolg war nur von kurzer Dauer. Ohne die Wölfe vermehrten sich die Wapitis erneut sehr schnell. Auch die Öffentlichkeit wandte sich gegen die Tötung der Wapitis. 70 Jahre nachdem die letzten Wölfe durch den Yellowstone-Nationalpark streiften, wurden dort ab 1995 wieder Wölfe angesiedelt - ein weltweit einmaliges Experiment. Für den Yellowstone-Nationalpark erwies es sich als Segen. Die Tiere erfüllten die Erwartungen, die man in sie gesetzt hatte - und veränderten das Ökosystem grundlegend, mit überraschenden Folgen für Tier- und Pflanzenwelt.
10:25
Der Saguenay-St. Lawrence Marine Park schützt über 2.000 Tier- und Pflanzenarten. Darunter auch bedrohte Arten wie den Belugawal und den Blauwal. Die Mündung des Saguenay-Fjords in den Sankt-Lorenz-Strom ist reichhaltige Nahrungsquelle und ein wichtiger Futterplatz für die Meeressäuger auf ihrer Migrationsroute. Darum wurde 1998 hier in Québec der erste Wassernationalpark Kanadas gegründet. Der Park grenzt an eine Hauptverkehrsader Kanadas: den Sankt-Lorenz-Strom. 7.000 Containerschiffe befahren jedes Jahr den Fluss. Natur und Mensch sollen hier koexistieren. Parks Canada überwacht sämtliche Aktivitäten im geschützten Gebiet. Das wird vor allem dadurch erschwert, dass es auf dem Wasser keine physischen Barrieren gibt. Seit Jahren schwankt die Zahl der Wale, die sich normalerweise einige Monate an der Mündung aufhalten. Wissenschaftler, unter anderem vom privaten Institut GREMM, wollen herausfinden, woran das liegen könnte; die Geschichte der Belugawale zeigt, wie sensibel die Ökosysteme sind. Die südlichste Belugapopulation der Erde wurde beinahe ausgerottet und ist nach wie vor bedroht. Ob sie überleben wird? Biologen und Parkwächter schützen die Baie-Sainte-Marguerite, das Geburtshaus der Belugas, vor den Menschen. Die Rückkehr des Wanderfalken in den Saguenay-Fjord zeigt, wie nachhaltiger Artenschutz funktionieren kann.
11:25
Was Europa bewegt
11:55
(1): Das süße Geheimnis der Alentejo-Klöster: Sericaia (2): Ein Biss'chen Heimat: Nuno, vom Alentejo nach Paris (3): Ran an die Töpfe!
12:25
(1): Tarascon, ein Anti-Held aus der Provence (2): Kroatien, Titos Spuren in Beton (3): Ruanda, Furahas Pilawreis mit Rindfleisch (4): Irak, ein neuer Pythagoras?
13:10
(1): Bosnien: Die spitze Feder der Sladana Nina Perkovic (2): Baskenland: blutrotes Eisenerz (3): Schottland: Sorinas Hirschbraten (4): Deutschland: Sprengung einer Insel
14:00
Als der Bauer Charly Pieber sein Maisfeld ernten möchte, entdeckt er etwas Schreckliches: Zwischen den grünen Pflanzen liegt im Licht der frühen Morgensonne eine tote Braut. Es stellt sich schnell heraus, dass die Frau Anna Jusic heißt und gestern noch ihre Hochzeit gefeiert hat. Doch wie konnte der neue Lebensabschnitt der jungen Kroatin so dramatisch enden? Der Mordfall wird dem Polizeiinspektor Sifkovits, von allen "Schiffi" genannt, anvertraut - denn er ist in der kleinen österreichischen Gemeinde Stinatz aufgewachsen und kennt die Menschen dort bestens. Doch der Fall entpuppt sich schnell als viel komplexer als erwartet: Während Schiffi versucht, sich durch Intrigen und persönliche Verstrickungen hindurchzuarbeiten, erhält er unerwartet Unterstützung von einem ganz besonderen Trio: Die kluge Hilda Resetarits, die scharfsinnige Resl Grandits und Schiffis Mutter Baba wissen alles über jeden. Eine Personensuche in den sozialen Medien könnte nicht schneller sein, denn wenn die drei älteren Damen ihre Runden durch die kleine Gemeinde drehen, reden sie nicht nur über den neuesten Klatsch und Tratsch, sondern haben ihre Augen auf allem und jedem. Doch je mehr Schiffi über die mysteriöse Vergangenheit der Braut und die dunklen Geheimnisse der Dorfbewohner herausfindet, desto undurchsichtiger wird der Fall. Auf der Suche nach Antworten oder Hinweisen, die ihm vielleicht entgangen sind, wendet er sich an seine Mutter und deren zwei Freundinnen, die ihm mit ihrem Insider-Wissen zur Seite stehen. Auch alte Freunde aus seiner Kindheit unterstützen den etwas tollpatschigen, aber entschlossenen Polizeiinspektor. Doch als Schiffi schließlich glaubt, dem Mörder auf die Spur gekommen zu sein, hofft er tief in seinem Inneren, dass er sich diesmal vielleicht irrt ...
15:40
Die untergehende Sonne färbt die schneebedeckten Gipfel des Himalaya leuchtend rot. Auf schmalen Gebirgspfaden ist ein Schneeleopard unterwegs und springt leichtfüßig von einem Felsvorsprung zum anderen, unter ihm der Abgrund. Seinen langen, dicken Schwanz setzt er dabei geschickt als Steuerruder ein. Er nimmt eine Herde Blauschafe ins Visier, die unruhig werden und aufschauen. Sie spüren die nahende Gefahr, können sie jedoch nicht ausmachen. In der Felsenlandschaft ist die Raubkatze mit ihrem cremeweißen, dunkel gefleckten Fell perfekt getarnt. Schneeleoparden sind selten und lassen sich nur schwer beobachten, geschweige denn filmen. Die renommierten indischen Filmemacher Naresh und Rajesh Bedi haben das Leopardenmännchen Karma - beziehungsweise nach dessen Tod seinen Nachfolger Namka - und seinen Harem aus einigen Weibchen fünf Jahre lang begleitet. Dabei konnten sie bisher kaum dokumentierte Verhaltensweisen beobachten: das Markieren des Reviers, das Werbe- und Paarungsverhalten, die Jagd sowie das Aufwachsen zweier Jungtiere in ihrer Höhle. Die Dokumentation gibt zudem Einblick in das Leben von weiteren Bewohnern des schroffen Gebirges, wie dem Sibirischen Steinbock, dem Blauschaf, dem Rotfuchs, dem Steinadler, dem Gänsegeier und dem Himalaya-Königshuhn. Nicht zuletzt wird deutlich, wie schwierig die Dreharbeiten in einem so lebensfeindlichen Umfeld sind. Enttäuschungen und Rückschläge der Filmemacher und ihres Teams aus einheimischen Fährtenlesern werden ebenso miterlebbar wie schließlich die Freude über den Erfolg.
16:25
In den Bergen des Schweizer Jura dringt ein schriller Schrei durch den winterlichen Nebel. Ein Eurasischer Luchs streift majestätisch zwischen Buchen und Tannen umher und ruft nach seinem Weibchen. Das Paar findet zusammen und gründet eine Familie. Das Leben der Luchse folgt dem Rhythmus der Jahreszeiten: Die Jungen kommen zur Welt und erlernen die Jagd; sie müssen sich ein eigenes Revier erobern und so manche Gefahr bestehen. Die größte Raubkatze Europas lebt in einer Welt, die der menschlichen Zivilisation nah ist und dennoch fremd erscheint. Ein natürliches Umfeld, das der Luchs mit Gämsen, Wanderfalken, Füchsen und Hermelinen teilt. Luchse sind für das Gleichgewicht des Ökosystems Wald unverzichtbar, doch durch das Eingreifen des Menschen in die Natur ist die Art nach wie vor stark bedroht. Der Fotograf und Filmemacher Laurent Geslin kennt Luchse im Schweizer Jura wie kein anderer. Neun Jahre lang hat er unzählige Tage und Nächte damit verbracht, den Spuren des scheuen Jägers zu folgen und ihn zu beobachten. Luchssichtungen in freier Wildbahn sind äußerst selten, was diese Dokumentation über das Leben der Raubkatze besonders wertvoll macht.
17:50
Von Österreich in die Türkei: Mitten im heißen Sommer trägt uns der Optima Express über den Balkan in eine andere Zeitrechnung. Die Reise dauert mehr als 38 Stunden und führt vorbei an Bärenwäldern und Dörfern, in denen Hunderte Störche brüten. Die Reisenden besteigen einen der letzten Gletscher Sloweniens, begegnen serbischen Fliegenfischern und einer Künstlerin, die mit dem Moor arbeitet und dessen fragile Schönheit festhält. Weiter südlich tauchen die Zugpassagiere im Strandscha-Nationalpark nahe dem Schwarzen Meer mit einer Höhlenforscherin in eine verborgene Welt ein. Sie zeigt einen der letzten Urwälder Europas. In den bulgarischen Bergwelten zeigen zwei Brüder, wie sie das Stadtleben hinter sich gelassen haben, um uralte Schaflinien neu zu züchten und ein fast vergessenes Erbe zu bewahren. Im Zug mischen sich Geschichten und Erinnerungen: Viele Reisende sind ehemalige Gastarbeiter und Stammgäste des Optima Express. Die Abteile werden zu fahrenden Wohnzimmern, in denen türkische Gesänge erklingen und sich über Generationen hinweg neue Freundschaften bilden. Schließlich rollt der Zug über die Grenze Bulgariens bis nach Edirne, kurz vor Istanbul - ans Ende einer Reise, die Landschaften, Menschen und Zeiten miteinander verbindet.
18:35
In acht Stunden geht die Reise durch die Nacht von Oslo nordwärts nach Trondheim. Der Nachtzug, der auch von Pendlern genutzt wird, trägt bei den Einheimischen den Namen Dovrefjell-Linie - benannt nach dem Gebirgspass, den er auf seinem Weg in den Norden durchquert. Im Dovrefjell leben alte Sagen von Trollen fort, und urzeitliche Tiere streifen durch die kargen Höhen. Die Strecke führt entlang eines der größten Seen Norwegens, dessen stille Wasser im Kontrast zu den reißenden Flüssen stehen, die immer wieder aus den Zugfenstern aufblitzen. In dieser wasserreichen, blau-grauen Welt begegnen wir einem Insektenliebhaber, der die verborgenen Körper und Gesichter kleinster Geschöpfe sichtbar macht und die Nacht mit unerwartetem Leben füllt. Mutige Kajakfahrer fordern im Dovrefjell-Hochgebirge die wilden Stromschnellen heraus, und traditionsreiche Pferdezüchter leben hier seit Generationen. An einem abgelegenen Bahnhof treffen die Zugreisenden einen Mann, der das gesamte norwegische Streckennetz zu Fuß erwandert hat und dessen Lebensgeschichte die landschaftliche Härte des Landes auf besondere Weise spiegelt. Junge Bauern zeigen ein autarkes Leben fern der Städte, halten Ziegen und stellen würzigen Käse in Handarbeit her. Ein Paar leidenschaftlicher Fliegenfischer wartet auf den ersten Biss des Wildlachses, während ihr Kind am Ufer schläft. Im sagenumwobenen Hessdalen berichten UFO-Enthusiasten von rätselhaften Lichterscheinungen, die der nächtlichen Landschaft eine besondere Mystik verleihen. Am Ende der Reise öffnet sich vor den Zugfenstern der Trondheimfjord - dessen Unterwasserwelt der Tiefsee ähnelt.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Michael verlässt Deutschland und schließt sich freiwillig den ukrainischen Streitkräften an. Zwei Jahre später ist er tot. Zunächst heißt es, er sei gefallen. Doch dann verdichten sich die Hinweise auf einen Selbstmord. Für seinen Bruder Kai bleiben Zweifel - und viele offene Fragen. Kai macht sich auf den Weg, die Umstände von Michaels Tod zu klären. Er kämpft sich von Deutschland bis nach Charkiw in der Ukraine durch bürokratische Hürden, widersprüchliche Aussagen und ein Land im Krieg. Er trifft Menschen, die Michael kannten: Kameraden, Freunde, Helfer. Er beginnt zu verstehen, warum sein Bruder verzweifelte - doch die Entscheidung für die Front bleibt rätselhaft. Die Reportage zeigt, wie der Krieg auch jene betrifft, die weit entfernt von der Front leben. Die Familien, die zurückbleiben. Die Freunde, die mit Schuldgefühlen leben. Den Bruder, der jetzt über die letzten Gespräche grübelt. Der Beitrag ist auch eine Parabel auf die Fragen, die sich viele junge Menschen in Europa angesichts des Krieges in der Ukraine und der Bedrohung durch Russland stellen: Würde ich bereit sein, mein Land zu verteidigen? Was bedeutet es wirklich, in den Krieg zu ziehen? Wie verändert ein Einsatz an der Front den eigenen Blick auf das Leben - und auf den Tod? Was ist mein Leben wert - und was geschieht mit denen, die ich zurücklasse?
20:15
Rechtsextreme Ideologen und Parteien verbreiten in der Gesellschaft gegen Minderheiten und politische Gegner gerichtete Hassreden. In Europa und den Vereinigten Staaten steigt die Zahl rechtsextremer Gewalttaten seit Jahren besorgniserregend an. Anschläge, Schießereien und Morde richten sich zunehmend gegen Minderheiten sowie Vertreter demokratischer Institutionen. In den vergangenen Jahren konnten die französischen Sicherheitsbehörden mehrere geplante Anschläge verhindern. Unter den Festgenommenen sind auch Personen, die sich erst nach den dschihadistischen Attentaten von 2015 radikalisiert haben. Dennoch zeigt sich die Justiz weiterhin zurückhaltend, bestimmte Gewalttaten als Terrorakte einzustufen. Parallel dazu formieren sich im ganzen Land rechtsextreme Gruppen, die zunehmend brutaler gegen ihre vermeintlichen Gegner vorgehen. Frankreich ringt noch mit den Folgen des rechten Terrors - ein Problem, mit dem Deutschland bereits seit den 2000er Jahren konfrontiert ist. Besonders in den Fokus gerieten in Deutschland die Unterwanderung der Bundeswehr durch Neonazis sowie der Anstieg rechtsextremer Gewalt nach der von Angela Merkel beschlossenen Aufnahme Geflüchteter im Jahr 2015. Zudem gehört Deutschland zu den Ländern, in dem die meisten Anschläge auf Politiker verzeichnet werden. Gleichzeitig verbreiten rechtsextreme Akteure, Ideologen und Parteien wie die AfD einen zunehmend hasserfüllten Diskurs in der Gesellschaft.
21:05
Die Ultrarechten der westlichen Welt verfolgen ein gemeinsames Ziel: den Umsturz der Demokratie. Die Behörden kontern so gut sie können mit der Überwachung rechtsextremer Profile und Maßnahmen zur Vorbeugung von Radikalisierung. Vielen Radikalisierten gemeinsam ist eine Faszination für Massenmörder, die im letzten Jahrzehnt im Namen "White Supremacy"-Ideologie Blutbäder anrichteten, wie zum Beispiel Brenton Tarrant, der 2019 den Anschlag auf die Moschee von Christchurch in Neuseeland verübte und dabei 51 Muslime erschoss. Derlei Anschläge werden in Szene gesetzt und massiv in rechtsextremen Online-Netzwerken verbreitet, um Nachahmer zu inspirieren. Tatsächlich organisieren sich die Neonazis, unter anderem in dem aus den Vereinigten Staaten stammenden Netzwerk Terrorgram, das nachweislich zum Ziel hat, in der westlichen Welt einen Rassenkrieg loszutreten. Zu ihren "Helden" gehört Timothy McVeigh, der 1995 mit einer Autobombe in Oklahoma City 168 Menschen verletzte und 680 tötete. In Schweden, wo sich neonazistische skandinavische Gruppen zur gewaltbereiten Nordischen Widerstandsbewegung NMR zusammengeschlossen haben, stellen Polizisten und Deradikalisierungs-Experten immer jüngere Profile fest. Die Behörden überwachen auch die Entwicklung des vom US-Amerikaner Robert Rundo gegründeten Active Club-Netzwerks, in dem sich Anhänger der "White Power"-Bewegung neben den USA auch in Europa, Kanada und Australien für den Rassenkrieg begeistern. Denn genau das ist die Besonderheit der aktuellen Neonazi-Szene: Ihre Mitglieder tauschen sich aus und organisieren sich über die Kontinente hinweg, was sie umso gefährlicher macht. Ihr gemeinsames, erklärtes Ziel ist der Umsturz der demokratischen Institutionen - einen Vorgeschmack darauf lieferten die Bilder vom Sturm auf das Kapitol in den Vereinigten Staaten 2021, an dem mehrere Mitglieder als terroristisch eingestufter Organisationen beteiligt waren.
21:55
In einer antiken Grotte am Colle Oppio, einem der sieben Hügel Roms, bildete sich in den Neunzigerjahren der Clan der "Möwen" ("Gabbiani" auf Italienisch). Die Gruppe der um die Zwanzigjährigen, der auch Giorgia Meloni angehörte, stand der neofaschistischen Nachfolgepartei von Mussolinis "Movimento Sociale Italiano" (MSI) nahe und sprach dort über Politik, Gott und die Welt. Ihr Narrativ nährte sich aus der Welt J.R.R. Tolkiens, aus Filmen wie "Der Club der toten Dichter" oder "Die unendliche Geschichte". Der Fall der Berliner Mauer 1989 und die Korruptionsermittlungen "Mani pulite" in Italien 1992 markierten einen politischen Wendepunkt. "Die Möwen" trauten sich an die Öffentlichkeit - mit Erfolg. 1992 trat Giorgia Meloni in die Jugendorganisation der neofaschistischen MSI ein, 30 Jahre später wurde ihre Partei "Fratelli d'Italia" zur stärksten Fraktion des Landes. Meloni ist die erste Ministerpräsidentin Italiens und die erste rechtsextreme Regierungschefin seit Benito Mussolini. Die Regeln der Demokratie haben es den Postfaschisten ermöglicht, an die Macht zurückzukehren, aktiv Geschichte zu schreiben und ihren Diskurs neu auszurichten. Die Dokumentation beleuchtet den Aufstieg von Giorgia Meloni und ihrem Clan. Aus den Reihen der italienischen Regierung geben die ehemaligen "Möwen" einen präzisen Einblick in ihre Version der Geschichte - nun mit weltweiter Resonanz.
22:45
Die im September 2022 mit etwa 26 Prozent Stimmenanteil bei den Parlamentswahlen zur Regierungschefin gewählte Giorgia Meloni lehnt die Bezeichnung "antifaschistisch" für sich ab. Innenpolitisch strebt die Ministerpräsidentin die konservative Gesellschaft an, die sie den Italienern im Wahlkampf versprochen hat. So geht sie zunehmend gegen NGOs, Asylbewerber und queere Paare vor und schickt sich an, die italienischen Institutionen von Grund auf zu reformieren. Meloni ist fest entschlossen, die Macht der Exekutive und des Ministerpräsidenten zu stärken. In der Außenpolitik gibt sich "die Meloni" trotz anders lautender Wahlversprechen beruhigend. Sie demonstriert Normalisierung innerhalb der Europäischen Union, stellt niemals die Zughörigkeit Italiens zur Nato infrage und signalisiert unverbrüchliche Unterstützung für die Ukraine. Mit US-Präsident Donald Trump verbindet sie eine langjährige Freundschaft, und mit seiner Wiederwahl bekam auch Giorgia Meloni Aufwind: Trump erklärte sie unmissverständlich zu seiner Lieblingsansprechpartnerin in Europa. Zu Trumps zweitem feierlichen Amtsantritt im Weißen Haus wurde Meloni als einziges europäisches Staatsoberhaupt nach Washington eingeladen. Fast drei Jahre nach ihrem Einzug in den Palazzo Chigi wirft die Chefin der italienischen Postfaschisten weiterhin Rätsel auf: Geht es ihr um die Banalisierung und Institutionalisierung eines Rechtspopulismus, der anderen europäischen Ländern als Blaupause dienen könnte, oder initiiert sie - nach dem Vorbild ihres ungarischen Amtskollegen Viktor Orbán - ein Abgleiten Italiens in ein illiberales Regime?
23:35
Mitten in einem der reichsten Länder der Welt, in Großbritannien arbeiten Menschen in sogenannten Zero-Hour-Contracts, "Nullstunden-Verträgen", der letzten Stufe formeller Arbeit: Sie müssen für den Arbeitgeber auf Abruf bereitstehen, ohne zu wissen, wie viel sie arbeiten können. Auf den Philippinen finden sich die digitalen "Sweatshops" der milliardenschweren Tech- und KI-Unternehmen aus den USA: Klick für Klick verwandelt eine anonyme Armee informeller Online-Arbeiter riesige Rohdaten in KI-Material. Ohne Arbeitsvertrag, ohne Mindestlohn und ohne jegliche Form der Absicherung. In Europa befördern zunehmend LKW-Fahrer aus dem außereuropäischen Ausland Waren quer durch den Kontinent. Sie sind nicht abgesichert und müssen bisweilen sogar noch um den kargen Lohn kämpfen. Einen Ausweg aus solch ausbeuterischen Arbeitsbedingungen und gleichzeitig Sinn gefunden hat eine Gruppe Menschen in Marseille - sie haben eine geschlossene McDonald's-Filiale besetzt und selbst ein Fast-Food-Restaurant gegründet. Nun träumen sie von einem "sozialen" Franchise, das faire Arbeit für die Menschen aus ihrem Viertel schafft.