05:05
Der nördliche Teil der Anden Argentiniens und Chile beherbergt einige Superlative: So befindet sich in der argentinischen Provinz Mendoza die Mehrzahl der höchsten Andengipfel. Dort liegt auch der etwa 6.960 Meter hohe Aconcagua. Er ist der höchste Berg der westlichen Hemisphäre. Auf den sanften Hügeln der argentinischen Provinz Mendoza recken sich Millionen von Weinreben gen Himmel. Schon vor Jahrhunderten legten die Inka hier Bewässerungssysteme an, die das Schmelzwasser der Berge ins Tal beförderten. Sportkletterer Martin Funes arbeitet sich an den Wänden der Andenriesen ab, und Chefkoch Lucas Bustos macht die traditionelle Andenküche hier zur Haute Cuisine. Mitten im Nirgendwo befindet sich das ALMA-Observatorium, umrahmt von den schneebedeckten Andengipfeln der Vulkane Lincancabur und Lasca. Die Atacamawüste ist der perfekte Standort für ALMA, da geringe Luftfeuchtigkeit und große Höhe die idealen Bedingungen für astronomische Beobachtungen bieten. Ingenieur Pablo Carillo wartet die Antennen des ALMA. Die Arbeit auf 5.000 Meter Höhe ist eine Belastung für den menschlichen Körper. Der Kondor hingegen, der größte flugfähige Vogel der Welt, braucht die Höhe. Nur noch etwa 6.000 der majestätischen Tiere leben in den Anden. So ist es für die Menschen ein Fest, wenn ein zuvor verletztes Tier geheilt in die Freiheit entlassen werden kann.
06:00
Wohnen am Fuße eines aktiven Vulkans - Alltag für die rund 300 Bewohnerinnen und Bewohner der Insel Stromboli. Die meisten von ihnen arbeiten als Künstler, Bauern, Bergführer - und vor allem als Fischer. Denn bis heute wird auf Stromboli nahezu ohne technische Hilfsmittel gefischt. Zwar können die Fischer kaum einen Gewinn erwirtschaften, doch sie führen ein selbstbestimmtes Leben - fernab der modernen Konsum-Welt. Die meisten jungen Leute verlassen ihre Heimat, um andernorts ihr Glück suchen. Doch noch immer gibt es auch junge Menschen, die sich von dem bescheidenen Leben auf der Insel angezogen fühlen - so auch der 22-jährige Andrea Cusolito. Nach über zehn Jahren ist er nun auf seine Geburtsinsel zurückgekehrt. Aufgewachsen bei seiner Mutter in Deutschland, will er nun von seinem Vater Gaetano die Tricks der nachhaltigen Fischerei erlernen. Gaetano ist ein Stromboli-Fischer durch und durch. Er hofft, dass sich Andrea für ein dauerhaftes Leben auf Stromboli entschließt... Kann er seinen Sohn vom Zauber der Insel überzeugen? Der Arbeitsalltag der Fischer sieht jedoch weniger rosig aus: die Arbeit ist hart, das Einkommen mäßig. Zudem stellt der Vulkan eine permanente Bedrohung dar. Erst 2019 gab es eine gewaltige Eruption, bei der ein Mensch ums Leben kam. Wie attraktiv ist das Leben unter solchen Bedingungen? Der Vulkanologe Giovanni Giuffrida untersucht die Aktivität des Feuerberges. Wie viel Gefahr geht von ihm aktuell aus? Giovanni wird den aktiven Vulkan selbst besteigen, um neue Messgeräte zu installieren - eine Herausforderung für den erfahrenen Geologen.
06:50
(1): Irische Fleischpastete: Guinness Pie (2): Ein Biss'chen Heimat: Mandy, eine Irin in Paris (3): Ran an die Töpfe!
07:25
(1): Vietnam: Eine grüne Papaya bleibt unvergessen (2): Ich ringe, also bin ich ... Kanarier (3): Kroatien: Igors Hähnchen mit Gnocchi (4): Mehr Freiheit für die Schüler in der südfranzösischen Drôme
08:10
(1): Kalifornien: Immer nach Hause mit Ursula K. Le Guin (2): Nîmes: Stoff für Legenden (3): Montenegro: Lukas Käsepüree (4): Madrid: Die Mode-Polizei
08:55
Der Grand Canyon wird über seine gesamte Länge vom Colorado River durchzogen, der sich tief in den Fels eingrub und geologische Schichten von prächtigem Form- und Farbreichtum freilegte. Diese Strukturen sind so gut erhalten, dass sie einen Blick auf eine rund zwei Milliarden Jahre zurückreichende Erdgeschichte ermöglichen. Der Grand Canyon wurde erst spät wissenschaftlich erforscht: 1869 begann John Wesley Powell eine Expedition in das "Große Unbekannte", wie er es nannte. Unter Lebensgefahr erkundete er einen grandiosen Ort voller geologischer Wunder und menschlicher Spuren. Auch die Geologen Karl Karlstrom und Laura Crossey erforschen dieses Naturwunder und waren bereits dutzende Male auf dem Fluss unterwegs. Die Reise ist jedes Mal ein neues Abenteuer, das ohne das Wissen und Können der "River-Runner" nicht realisierbar wäre. Glade ist seit 15 Jahren River-Runner und sorgt auf dieser Expedition nicht nur für eine sichere Navigation und gute Stimmung, sondern teilt auch seine Kenntnisse über den Grand Canyon. Ebenfalls dabei ist Naturforscher Geoff Carpenter. Er hat den Grand Canyon bereits etwa 50-mal durchquert, oft auf den Spuren von Reptilien. Auf ihrer achttägigen Expedition bestimmten Karl und Laura geologische Schichten und blicken auf die geheimnisvolle Geschichte der Landschaft zurück - von der Explosion des Lebens vor rund 500 Millionen Jahren bis zur Eiszeit. Der Grand Canyon - mittlerweile zwar von Talsperren und anderem menschlichen Einfluss geprägt - ist dank der Kraft der Erosion in ständiger Bewegung. Am Beispiel der Stromschnellen wird deutlich, wie die Elemente ihn auch heute noch formen.
10:30
Hawaiis Pflanzenwelt ist einmalig. Nirgendwo sonst herrscht eine so große Vielfalt. In der Isolation des Insel-Ökosystems haben sich Pflanzenarten über Millionen von Jahren entwickelt. Sie haben jedoch keinerlei Abwehrmechanismen ausgebildet und sind sehr anfällig für eingeschleppte Krankheiten oder invasive Tierarten. Seit Jahren setzen sich die Biologen und Naturschützer für den Erhalt der bedrohten Tier- und Pflanzenwelt ein. Die Projekte zeigen auch Erfolge: Im Nordwesten der Insel Oahu brüten seit einigen Jahren wieder Albatrosse. Die Bodenbrüter hatten ursprünglich keine natürlichen Feinde, sind aber inzwischen leichte Beute für eingeschleppte Räuber. Während die Natur rund um die Vulkane auf Big Island wunderschön ist, stellt sie dennoch eine große Gefahr dar. Die Feuerberge zählen nämlich zu den größten und aktivsten der Erde, weshalb sie im U.S. Geological Survey ständig überwacht werden. Die Gewässer vor Hawaii sind nicht nur verlockend für Surfer aus aller Welt. Sie sind auch ein Paradies für große Meeressäuger und Spinnerdelfine, die tagsüber in großen Gruppen vor der Küste auftauchen. Liah McPherson und ihr Kollege Fabien Vivier erforschen die Altersstruktur der Gruppen, die Häufigkeit ihrer Besuche vor Oahu und identifizieren Individuen. So können die Tiere besser geschützt werden.
11:25
In Frankreich sollen fast 20.000 Mädchen im Teenageralter unter der Kontrolle von Zuhältern stehen, die oft kaum älter sind als sie selbst. Die jungen Kriminellen, sogenannte "Loverboys", spielen ihnen zuerst die große Liebe vor und zwingen sie dann mit perfiden Methoden in die Prostitution. Über drei Mädchen in Paris und Maastricht, die in die Fänge solcher Kriminellen gerieten.
12:00
(1): Gegrillter Fisch à la Sansibar: Samaki Wa Kupaka (2): Kulinarische Mitbringsel (3): Ran an die Töpfe!
12:30
(1): Das ländliche Brasilien in den Worten von Itamar Vieira Junior (2): Sankt Moritz: Wintersport und Glamour (3): Neuseeland: Hares Forelle mit Gemüse (4): Noisy-le-Sec auf den Kopf gestellt
13:15
(1): Prag: Neuer Schwung für Mozart (2): Portugal: Traditionelle Keramikkunst (3): Estland: Ingrids Hefekranz mit Preiselbeeren (4): Patagonien: Grenzenlose Weiten
14:00
Eine junge Journalistin will Jahrzehnte später verstehen, was 1942 in Finnland geschah und welche Rolle Abraham Stiller dabei spielte. Als sie ihn befragt, ringt der inzwischen alte Mann mit seinen Erinnerungen - und seinen Schuldgefühlen. Aus der Interviewsituation führen Rückblenden nach Helsinki: Ende der 1930er Jahre will das Land kaum noch jüdische Flüchtlinge aufnehmen. Stiller, eine zentrale Stimme der jüdischen Gemeinde Finnlands und Inhaber eines Mode- und Textilgeschäfts, verspricht Hilfe in Form von Arbeit, Papieren, Unterkunft. Er nimmt Menschen bei sich auf, nutzt seine Beziehungen und glaubt, mit Pragmatismus und Zuversicht das Schlimmste verhindern zu können. Sehr zum Unbehagen seiner Frau und jener Gemeindemitglieder, die lieber unsichtbar bleiben möchten. Mit dem Krieg verschärft sich die Lage. Antisemitische Stimmung dringt in den Alltag und in Stillers Geschäft. Die Staatspolizei interessiert sich zunehmend für Arbeitserlaubnisse und Herkunft. Während Stiller bei Beamten und Ministern interveniert, geraten einzelne Geflüchtete, wie Stillers Schützling Georg Kollmann, ins Fadenkreuz. Im Norden, in der Nähe der dort stationierten deutschen Truppen, müssen jüdische Männer unter härtesten Bedingungen arbeiten. Zugleich wird in Helsinki über "Lösungen" verhandelt, die zunächst die ausländischen Juden treffen sollen. Stiller versucht zu helfen, wird aber selbst zum Spielball eines Apparats, der Vertrauen ausnutzt und Fakten verdreht. Die Journalistin folgt schließlich den Spuren des einzigen Überlebenden und bringt Stiller dazu, sich seinen Schuldgefühlen zu stellen.
15:20
Im ersten Jahrhundert nach Christus wurde mitten in Rom das größte Amphitheater aller Zeiten errichtet. Kaiser Vespasian, der mit dem Kolosseum seine neu begründete Dynastie legitimieren und das Volk Roms mit Brot und Spielen für sich gewinnen wollte, stellte dafür unbegrenzte Mittel zur Verfügung. Für die Demonstration der kaiserlichen Autorität bot das Bauwerk eine fantastische Kulisse: Zahlreiche Statuen, Säulen und Fresken an der Außenfassade und im Innenraum rühmten das Römische Reich als Nachfolger des antiken Griechenlands und als unbezwingbare Großmacht. Durch seine ovale Form bot das Kolosseum nach heutigen Berechnungen etwa 50.000 Zuschauern Platz. Die von der römischen Verwaltung für das Volk veranstalteten Spiele und Theateraufführungen wurden im Beisein des Kaisers abgehalten und hatten auch eine wichtige politische Funktion. Archäologische Ausgrabungen zeigen, mit welchem Einfallsreichtum alles darangesetzt wurde, um den Erfolg dieses PR-Instruments der kaiserlichen Macht sicherzustellen. Archäologische Funde an mehreren Grabungsorten zeugen vom kulturellen und wirtschaftlichen Stellenwert der Spiele im alten Rom. So verdeutlicht die Untersuchung der Gebeine von Gladiatoren, dass Technik und Strategie ihrer Kampfkunst ebenso wichtig waren wie heute beim Fußball. Die afrikanischen Mosaiken wiederum veranschaulichen die Bedeutung des Raubtierhandels für die Versorgung der Arenen. Im gesamten Reich entstanden Dutzende Amphitheater, die ab dem späten 5. Jahrhundert im Zuge des Untergangs des Römischen Reiches ebenso wie das Kolosseum allmählich verfielen.
16:55
17:50
Der Waschlowani-Nationalpark im Südosten Georgiens ist der ursprünglichste Park des Landes. Die wüstenartigen Landschaften sind geprägt von zerklüfteten Felsen und engen Schluchten. Waschlowani spiegelt den Reichtum der georgischen Natur wider, für deren Erhalt die sowjetische Regierung bereits 1935 ein Schutzgebiet einrichtete. Die wilden Pistazienbäume, die während ihrer Blüte wie Apfelbäume aussehen, gaben dem Nationalpark seinen Namen: Waschlowani - zu Deutsch "Apfelgarten". Seit Jahrhunderten ist dieses Grenzland zwischen Georgien und Aserbaidschan die Winterweide der Hirten und Nomaden. Sie kommen im Oktober aus den Bergen des Kaukasus, um im milderen Waschlowani zu überwintern. Überall im Park grasen dann wild lebende Pferde. Für Giga Charkhelauri bedeuten diese Tiere Freiheit. Auf seinem Pferd reitet er durch die Landschaft und wacht über sie. Er ist einer der bekanntesten Pfleger der überwiegend wild lebenden Pferde in der Region und veranstaltet traditionelle Pferderennen ohne Sattel. Am Fuß der Gebirge wurden schon vor über 8.000 Jahren Reben gekeltert. Georgien gilt dementsprechend als Wiege des Weinbaus. Natia Guraschwili ist mit 21 Jahren vermutlich die jüngste Winzerin Kachetiens. Sie stellt ihren Wein in sogenannten Kwewri her. Die Tongefäße werden tief in der Erde vergraben. Die Unesco hat diese traditionelle Form der Weinherstellung als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Gemächlich geht es in den Kleinstädten rund um Waschlowani zu. Die Menschen leben meist von dem, was ihr Land hervorbringt, und setzen sich dafür ein, ihre Traditionen, ihre Gemeinschaft und die Natur zu schützen. Der Film entstand unter anderem in der Nähe des Nationalparks mit tuschetischen Pferden, die den größten Teil des Jahres frei leben, auf der Pferdefarm von Soso Shetidze, bei Ertso-Tianeti auf der Farm von Giga Charkhelauri sowie in den Bergen von Chewsuretien.
18:35
Frühmorgens, wenn der Nebel aufsteigt, beginnt der Arbeitstag für Zura Javachischwili. Mit dem Boot fährt der Ornithologe über den Paliastomi-See, mitten hinein in den "Amazonas Georgiens": Der Kolcheti-Nationalpark im Westen Georgiens ist ein perfektes Revier für Vogelbeobachtungen. Rund 100 Arten leben in den Feuchtgebieten, einige verbringen den Winter hier. Über 30.000 Hektar unberührte Natur machen das Gebiet an der Schwarzmeerküste so besonders. Wasserstraßen führen durch uralte Regenwälder, die die Eiszeit überlebt haben. Die Ökosysteme sind bis zu 20 Millionen Jahre alt. Der Mensch wurde jedoch zur Bedrohung. Früher gab es viel Abholzung in der Region. Dank der jungen Generation wächst jedoch ein neues Bewusstsein, wie beispielsweise die Umweltschützerinnen Alexandra und Eleni zeigen: Sie pflanzen Eichensetzlinge im Wald. Ein Großteil des Kolcheti-Nationalparks besteht aus Torfmooren und Sümpfen. An einigen Stellen sind die Torfschichten mehr als zwölf Meter dick. Biologin Izolda Matchutadze erforscht sie mit einem speziellen Bohrer. Mitten in den Wäldern wohnt ein Unikat: Oleg Melua. Während seiner Kindheit war die Region noch besiedelt, jetzt ist er der letzte Bewohner des Nationalparks. In Sowjetzeiten betrieben viele Familien hier Landwirtschaft. Nun muss der 64-Jährige seinen Unterhalt mit ein paar Kühen finanzieren. Ein wichtiger Teil der georgischen Kultur sind Chöre und traditionelle Volkslieder. Auch für Givi Abesadze spielte Gesang schon immer eine große Rolle. Beim Proben mit Freunden für ein Kirchenkonzert zeigt sich, dass auch Trinksprüche Teil der Identität sind.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:35
19:40
Die Gastronomen Benedetta Ragusa und Toni Rinnone essen zufällig bei Verwandten zu Mittag, als ein gewaltiger Erdrutsch ihr Wohnhaus am Stadtrand von Niscemi in die Tiefe reißt. Tagelange Regenfälle hatten den Untergrund aufgeweicht und schließlich brach die Erde ohne Vorwarnung auf einer Länge von circa vier Kilometern weg. Jetzt bedroht der Abgrund weitere Teile des historischen Zentrums. Auch die beiden Gaststätten von Benedetta und Toni liegen in der von den Behörden errichteten Sperrzone. Die beiden konnten ein paar Einrichtungsgegenstände retten - aber ob die Häuser stehen bleiben, ist ungewiss. "Unser Herz ist für immer gebrochen", sagt Toni. "Jetzt müssen wir bei null anfangen und wissen nicht, was dabei herauskommt". Für viele Bewohner ist die Katastrophe eine Wiederholung der Ereignisse: Bereits 1997 gab es am Stadtrand einen kleineren Erdrutsch. Maria Campione musste damals auch ihr Haus verlassen, durfte nach ein paar Tagen aber wieder zurück. Doch diese Hoffnung gibt es dieses Mal nicht. Ihr Haus steht zu nah am Abhang. "Es wird abgerissen", sagt Tochter Ivanka. "Es wird nichts mehr da sein, nur noch Luft". Maria Campione bleiben nur ihre Erinnerungen und eine Wut auf die Behörden. "Nach 1997 wurde nichts getan", sagt sie. "Dieser Erdrutsch hätte verhindert werden können". Damals wurden Millionen Euro für Sicherungsmaßnahmen bereitgestellt, die jedoch nur teilweise umgesetzt wurden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt gegen Politiker und Bauunternehmer. Der Vorwurf: Sie hätten von der Gefahr gewusst, aber nichts unternommen.
20:15
Siena im 14. Jahrhundert: eine aufblühende Metropole, die an wichtigen Handelsstraßen nach Mitteleuropa sowie am Pilgerweg nach Rom liegt. Die Stadt wird von einer bürgerlichen Regierung beherrscht. Ihre Bürger können voller Hoffnung in die Zukunft blicken - bis plötzlich die Pest ausbricht, der 30 bis 60 Prozent der Bevölkerung zum Opfer fallen, Schätzungen variieren. Diese Menschheitsseuche zeitigt große Verwerfungen in der Gesellschaft, denn der Schwarze Tod lässt viele Menschen verzweifeln. Städte werden entvölkert, jeder beargwöhnt jeden, ob von ihm eine tödliche Gefahr ausgeht. Kinder meiden ihre Eltern. Ganze Dörfer werden aufgegeben, und weite Landstriche werden - mangels Menschen, die sie bebauen - wieder zu wilder Natur. Der Meister gibt sein Wissen nicht mehr an den Lehrling weiter, der Erfahrungsschatz von Jahrhunderten geht verloren. Die soziale Ordnung bricht zusammen. Weniges bleibt, wie es war, nachdem Yersinia Pestis seinen Totentanz in Europa beendet hat. Mit der Chronik des Schuhmachers Agnolo di Tura liegt das Zeugnis eines Sienesen vor, der die Geschehnisse beim Ausbruch und Verlauf der Pest beobachten konnte und sie eindrücklich in seinem Tagebuch festgehalten hat. Schon Zeitgenossen di Turas fragten sich, woher diese Geißel Gottes wohl kam. Lange war der Ursprung unbekannt. Doch nun wurde in Skelettresten aus längst vergessenen Gräbern in Kirgisistan die DNA der frühesten nachgewiesenen Pesterreger gefunden - des Erregers, der jahrhundertelang Europa in Angst und Schrecken versetzte.
21:40
Haben wir Menschen den Lauf der Geschichte eigentlich selbst in der Hand? Oder sind mikroskopisch kleine Erreger entscheidender, als wir glauben? Infektionskrankheiten von der Pest über die Spanische Grippe bis Covid-19 haben gravierende Spuren hinterlassen. Die Dokumentation betrachtet die größten Seuchen der Menschheitsgeschichte - gemessen daran, wie stark sie Gesellschaften verändert und Machtstrukturen ins Wanken gebracht haben. Die tödlichen Auswirkungen der Pest sind unbestritten: Im 14. Jahrhundert löschte sie schätzungsweise die Hälfte der europäischen Bevölkerung aus. Doch damit nicht genug, wie der Soziologe Jonathan Kennedy zeigt: Die Pest untergrub nebenbei den Feudalismus und legte das Fundament für die Reformation und den modernen Kapitalismus. Würden wir ohne die Pest also heute noch im Mittelalter leben? Mindestens genauso einschneidend war ein anderes Ereignis im Jahr 1492. Ein gewisser Christoph Kolumbus segelte nach Amerika. Mit an Bord: eine Menge tödlicher europäischer Viren und Bakterien. Diese trafen bald auf die nicht-immunisierten Bewohner eines fernen Kontinents. Innerhalb weniger Jahrzehnte starben daran bis zu 90 Prozent der indigenen Bevölkerung - die größte demografische Katastrophe der Menschheitsgeschichte. Über Jahrhunderte gewachsene Kulturen und Berge an regionalem Wissen gingen zum Teil unwiederbringlich verloren. Welche Zukunft hätten diese Zivilisationen wohl gehabt, wären sie von den eingeschleppten Krankheiten verschont geblieben? Und was erwartet uns in der Zukunft?
22:10
Toskana, frühes 17. Jahrhundert: Benedetta tritt als Kind ins Kloster ein und wächst zu einer Nonne heran, die von Erscheinungen Christi berichtet. Als die Novizin Bartolomea Zuflucht im Kloster sucht, entsteht zwischen beiden eine heimliche Beziehung. Als Benedetta Stigmata aufweist, beginnt ein Machtkampf um Glaube und Wahrheit. Historien-Drama von Paul Verhoeven. Pescia in der Toskana zu Beginn des 17. Jahrhunderts: Die junge Benedetta wird von ihren Eltern in ein Kloster gebracht - in der Überzeugung, dass ihre Tochter unter besonderem Schutz Christi steht. Jahre später ist sie eine respektierte Ordensschwester, doch ihre religiösen Visionen, die sie seit ihrer Jugend begleiten, sorgen weiter für Misstrauen. Als Benedetta von rätselhaften Schmerzen heimgesucht wird, wird ihr eine junge Novizin zur Seite gestellt, die sie pflegen soll: Bartolomea, die vor Gewalt in ihrem Elternhaus geflohen ist und nur wegen Benedettas Fürsprache im Kloster aufgenommen wurde. Zwischen der frommen, willensstarken Benedetta und der frivolen Bartolomea wächst eine enge Bindung, die sich zunehmend gegen die Regeln des Konvents richtet. Gleichzeitig werden Benedettas Visionen immer häufiger - bis sie eines Morgens mit Wundmalen an Händen und Füßen aufwacht. Für viele sind die Stigmata ein Zeichen göttlicher Auserwähltheit, weshalb sie zur neuen Äbtissin ernannt wird. Für andere sind die Verletzungen ein billiger Täuschungsversuch und Benedettas neuer Status ihnen ein Dorn im Auge: Privilegien, Einfluss und eine wachsende öffentliche Verehrung treffen auf Neid, Zweifel und den Versuch, das Geheimnis hinter den "Wundern" offenzulegen.