18:30
Im Herbst 2018 muss der traditionsreiche Fischmarkt im Herzen Tokios schließen. Mit dem Tsukiji-Markt verschwindet nicht nur der weltweit größte und umsatzstärkste Umschlagplatz für Fisch und Meeresfrüchte, an dem Tausende Familienbetriebe täglich bis zu umgerechnet 20 Millionen Euro umsetzten, sondern auch eines der beliebtesten Touristenziele. Zugleich stehen viele der Beteiligten vor einer kaum lösbaren Herausforderung, denn sie müssen an nur vier Umzugstagen den gesamten Markt, zu dem auch Gemüsehändler, Messerschleifer und Restaurants gehören, in einen Neubau auf einer künstlichen Insel in der Hafenbucht überführen. Als einziger ausländischer Fernsehreporter erhielt der langjährige ARD-Fernost-Korrespondent Klaus Scherer die Erlaubnis, mit seinem Team mehrere Betroffene während der Umzugstage zu begleiten. Darunter sind ein Thunfischhändler, der Tokios Spitzenköche versorgt, die Betreiberin eines Schuh- und Souvenirladens und ein Verleiher der ortstypischen Kleinkarren, Dreiräder und Ladestapler, von denen ebenfalls mehrere Tausend pünktlich zum neuen Standort umsiedeln müssen. Die Dokumentation beleuchtet nicht nur den nächtlichen Konvoi auf der Brücke in der Bucht von Tokio, sondern auch ein letztes Mal die Fülle des schillernden Marktlebens einschließlich der berühmten Thunfischauktionen. Dabei wird auch der Unmut deutlich, den der Beschluss gegen den erklärten Willen der Händler ausgelöst hat. Über Jahre hinweg hatten sie zusammen mit den Anwohnern den Tsukiji retten wollen. Doch die in Tokio geplante Ausrichtung der Olympischen Spiele - welche infolge der Corona-Pandemie auf 2021 verlegt wurden - gab den Anstoß zur Umgestaltung des Geländes.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Eines der berühmtesten Tanzpaare des Salón Los Angeles in Mexiko-City sind Ricardo und Paola. Sie haben sich vor Jahren beim Tanzen kennengelernt, seitdem sind sie ein Paar - beim Tanzen wie im Leben. Die beiden Stars der Szene tragen die auffälligsten Kostüme, ihre grellen und schillernden Outfits sind bis ins Detail aufeinander abgestimmt. Paola hat einen ganzen Dachboden voller Roben, Schmuck und Schuhe und mehr als tausend Kleider. Auch der 88-jährige David ist dem Danzón verfallen: Sein ganzes Leben schon tanzt er, bis ein Unfall dem ein Ende setzte. Doch allabendlich schaltet er in seiner kleinen Wohnung die Musik an, schwelgt im Rhythmus und den Bewegungen: "Danzón ist meine Geliebte, ich kann sie nicht verlassen, wenn ich anfange zu tanzen, bin ich ein brennender Feuerwerkskörper, den niemand ausschalten kann", sagt er. Über sein Handy und die sozialen Medien verbreitet er alle News und Termine rund um die Tanzveranstaltungen. Und dann ist da noch der Schreiner und Restaurator Mario. Schuhe sind für ihn wesentlich beim Tanzen, für ihn spricht ein Tänzer mit seinen Schuhen. Weil ihm keine gut genug waren, stellt er seine Schuhmodelle seit 30 Jahren selbst her. Alle fiebern sie einem großen Ereignis entgegen: dem 87. Jahrestag des Salón Los Angeles. Der Salon ist eines der ersten und charakteristischsten Tanzlokale von Mexiko-City. Es sind nicht mehr viele, aber die, die noch existieren, haben den Charme eines Ortes, an dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.
20:15
Der Grand Canyon wird über seine gesamte Länge vom Colorado River durchzogen, der sich tief in den Fels eingrub und geologische Schichten von prächtigem Form- und Farbreichtum freilegte. Diese Strukturen sind so gut erhalten, dass sie einen Blick auf eine rund zwei Milliarden Jahre zurückreichende Erdgeschichte ermöglichen. Der Grand Canyon wurde erst spät wissenschaftlich erforscht: 1869 begann John Wesley Powell eine Expedition in das "Große Unbekannte", wie er es nannte. Unter Lebensgefahr erkundete er einen grandiosen Ort voller geologischer Wunder und menschlicher Spuren. Auch die Geologen Karl Karlstrom und Laura Crossey erforschen dieses Naturwunder und waren bereits dutzende Male auf dem Fluss unterwegs. Die Reise ist jedes Mal ein neues Abenteuer, das ohne das Wissen und Können der "River-Runner" nicht realisierbar wäre. Glade ist seit 15 Jahren River-Runner und sorgt auf dieser Expedition nicht nur für eine sichere Navigation und gute Stimmung, sondern teilt auch seine Kenntnisse über den Grand Canyon. Ebenfalls dabei ist Naturforscher Geoff Carpenter. Er hat den Grand Canyon bereits etwa 50-mal durchquert, oft auf den Spuren von Reptilien. Auf ihrer achttägigen Expedition bestimmten Karl und Laura geologische Schichten und blicken auf die geheimnisvolle Geschichte der Landschaft zurück - von der Explosion des Lebens vor rund 500 Millionen Jahren bis zur Eiszeit. Der Grand Canyon - mittlerweile zwar von Talsperren und anderem menschlichen Einfluss geprägt - ist dank der Kraft der Erosion in ständiger Bewegung. Am Beispiel der Stromschnellen wird deutlich, wie die Elemente ihn auch heute noch formen.
21:50
Im sogenannten Hadaikum prägten gewaltige Kollisionen mit anderen Himmelskörpern unseren Planeten. Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass in dieser unwirtlichen, von gewaltigen Einschlägen geprägten Welt kein Leben hätte entstehen können. Doch was, wenn genau diese Einschläge nicht das Ende, sondern den Anfang allen Lebens markierten? Ein internationales Forschungsteam geht dieser Frage nach - von den Gebirgen Südafrikas, wo die ältesten Gesteine der Erde aus dem Archaikum erhalten sind, bis zu den Laboren der NASA, in denen Proben des Asteroiden Bennu analysiert werden. Die ältesten Mikrofossilien, die auf der Erde gefunden wurden, belegen, dass es bereits vor 3,5 Milliarden Jahren Leben gab. Geochemische Spuren deuten sogar darauf hin, dass erste Lebensformen noch früher entstanden sein könnten - zu einer Zeit, als Asteroideneinschläge noch in vollem Gange waren. Um dieses scheinbare Paradox zu erklären, untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedene Spuren: die seit Milliarden Jahren unveränderten Einschlagkrater auf dem Mond, die großen Impaktkrater der Erde wie den Chicxulub-Krater in Mexiko oder das Nördlinger Ries in Deutschland. Doch nicht nur die Energie der Einschläge könnte eine Rolle bei der Entwicklung des Lebens gespielt haben. Meteoriten enthalten organische Moleküle wie Aminosäuren, die als Grundbausteine des Lebens gelten. Mithilfe modernster digitaler Modellierungsmethoden, die die Bedingungen auf der Urerde simulieren, und der Analyse außerirdischer Gesteinsproben entwickeln die Forschenden eine neue Theorie: Die Einschläge könnten nicht nur die Oberfläche unseres Planeten geformt, sondern auch die notwendigen Zutaten für die Entstehung erster Zellen geliefert haben. Doch die Bedeutung dieser Erkenntnisse reicht noch weiter. Wenn Asteroideneinschläge tatsächlich Leben ermöglicht haben - könnte dann derselbe Mechanismus auch auf anderen Planeten im Universum wirken?
22:40
Jeden Tag stürzen mehrere Hundert Gesteinsbrocken aus dem All in Richtung Erde. Die kleinen sind harmlos, sie zerfallen beim Eintritt in die Atmosphäre. Doch der Einschlag eines großen Asteroiden beziehungsweise Meteoriten kann dramatische Folgen haben, wie sich in Russland bereits einige Male gezeigt hat - dort verbrannten ganze Wälder, Häuser wurden zerstört und Viehherden getötet. Das Szenario, dass eines Tages weitere mächtige Brocken für die Erde extrem gefährlich werden könnten, ist durchaus real. An der Früherkennung und der Abwehr von Asteroiden arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Seit Beginn der 2000er Jahre können Beobachtungsstationen Himmelskörper erkennen, bevor sie in die Atmosphäre eintreten. Sie sind sogar in der Lage, Flugzeuge vor Asteroiden zu warnen. Allerdings können sie bislang nur einen Bruchteil potenziell gefährlicher Asteroiden erfassen. Die meisten Raumfahrtbehörden kooperieren inzwischen. Ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist eine Raumsonde namens "DART", die erstmals in der Menschheitsgeschichte im Herbst 2022 einen möglicherweise bedrohlichen Himmelskörper erfolgreich abgelenkt hat. Der Flug der Sonde, die mit einer Geschwindigkeit von mehr als 30.000 Stundenkilometern durchs All gerast ist, und ihr geplanter Crash mit dem Asteroiden wurden von der Erde aus mit Teleskopen live mitverfolgt.
23:35
"Picture a Day Like This" begrenzt seine märchenartig erzählte Geschichte auf einen einzigen Tag im Leben einer Frau. Damit ihr Baby wieder lebendig wird, muss sie einen wirklich glücklichen Menschen finden und ihm einen Knopf von der Kleidung abreißen. So lautet die einzige Bedingung, die ihr gestellt wird. Doch all die vorgeblich Glücklichen, denen die Frau begegnet, erweisen sich in Wirklichkeit als unglücklich. Da wendet sie sich an die geheimnisvolle Zabelle, die einen wunderbaren, von ihr selbst gestalteten Garten bewohnt ... Unterstützt durch ein modernes Bühnenbild mit beweglichem Dekor, spiegelt die Musik die wechselnden Gefühlszustände der Frau wider, die sie im Laufe ihrer stets enttäuschend endenden Begegnungen durchlebt. Die faszinierende und farbenreiche Musik bringt eine ganze Bandbreite an berührenden Klängen zwischen Schmerz und verzweifelter Suche zum Ausdruck. Das seit 20 Jahren eingespielte Regie-Tandem Daniel Jeanneteau und Marie-Christine Soma verwendet für seine Inszenierung im Théâtre du Jeu de Paume eine Video-Installation von Hicham Berrada. Nach seiner ersten Oper "Written on Skin", mit der George Benjamin im Juli 2012 beim Festival von Aix-en-Provence Triumphe feierte, kehrt er elf Jahre später dorthin zurück, wieder mit seinem Librettisten Martin Crimp, aber diesmal mit einem Einakter. Und wieder dirigiert er sein Werk selbst, diesmal als musikalischer Leiter des Mahler Chamber Orchestra. Innerhalb des Ensembles von fünf jungen Sängerinnen und Sängern sticht Marianne Crebassa hervor, die in jeder Szene auftritt. Ihre Rolle der trauernden und doch immer hoffenden Mutter auf der Suche nach dem Glück erweckt die Form des Initiationsmärchens zu neuem Leben.