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TV Programm für ARTE am 27.10.2026

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ARTE Journal 19:20

ARTE Journal

Nachrichten

ARTE Journal, das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur.

Danach

Mit offenen Karten - Im Fokus 19:35

Mit offenen Karten - Im Fokus: Brasilien: Lula gegen den Trend in Lateinamerika?

Infomagazin

Brasilien: Mit 4,4 Millionen Stimmen Vorsprung wird Lula, der 80-jährige frühere Metallarbeiter, zum vierten Mal Staatschef. Sein rechtsextremer Gegner Flávio Bolsonaro erkennt das Ergebnis nicht an. Die Mobilisierung der Bevölkerung, ein effizienter digitaler Wahlkampf, eine hohe Wahlbeteiligung und eine Verfassungsänderung zur Einführung der Fünftagewoche ermöglichten den Sieg.

Re: 19:40

Re:: Hoffnung gegen das Bienensterben

Reportage

Die Varroamilbe gilt als einer der gefährlichsten Parasiten der Honigbiene. In weiten Teilen Europas müssen Imkerinnen und Imker ihre Völker regelmäßig behandeln, damit sie überleben. Ganz anders im Nordwesten von Wales: Hier werden Bienen einer ganzen Region seit Jahren ohne jede Chemie gehalten. Um herauszufinden, warum das dort funktioniert, reist der deutsche Imker Christian Schneider nach Wales. Er besucht Imker, die auf lokal angepasste Bienen setzen, und entdeckt Völker, die ohne menschliche Hilfe in Bäumen und Hausdächern leben. Manche der Bienen tragen noch Merkmale der sogenannten dunklen Biene, die ursprünglich in dieser Region heimisch war und mit dem kühlen, feuchten Klima gut zurechtkommt. Auch die deutschen Bienenforscher Roland Sachs und Sigrun Mittl sind auf der Suche nach Erklärungen für die walisischen Erfolge. Sie glauben, dass Temperatur und Luftfeuchtigkeit in den Brutnestern eine Rolle spielen und beobachten das Verhalten der Tiere. Und tatsächlich: In den Bienenstöcken der walisischen Biene messen sie eine auffallend höhere Temperatur. Die besondere Wehrhaftigkeit der "hitzigen" walisischen Biene bekommt das Forscherpaar dabei am eigenen Leib zu spüren ... Für Christian Schneider zählt vor allem eines: Die walisischen Imker haben über viele Jahre Erfahrungen geteilt, mit den Bienen ihrer Umgebung gearbeitet und gemeinsam einen neuen Weg eingeschlagen. Nur indem sie angepasst an ihre regionalen Bedingungen konsequent an einem Strang ziehen, weder Bienen von außen holen noch behandeln, konnten sich ihre Bienen optimal anpassen.

Kampf um Harvard 20:15

Kampf um Harvard: Angst

Gesellschaft und Politik

Der Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 markierte einen Wendepunkt - auch für die US-Eliteuniversität Harvard. Nur wenige Monate nach dem Amtsantritt von Präsidentin Claudine Gay eskalierte eine Krise, die die Hochschule in den Mittelpunkt einer politischen Schlacht rückte. Eine Stellungnahme propalästinensischer Studierendengruppen und die anschließenden Proteste gegen den Gaza-Krieg wurden von Medien und Politik instrumentalisiert. Das MAGA-Lager nutzte die Gelegenheit, um die These zu verbreiten, das amerikanische Hochschulwesen sei von Antisemitismus durchsetzt. Die Kontroverse gipfelte in Gays Anhörung vor dem Kongress. Ihre Antwort auf die Frage, wie man an der Uni mit Aufrufen zum Völkermord an den Juden umgehe, sorgte international für Empörung. Kurz darauf folgten Plagiatsvorwürfe, und nach nur sechs Monaten trat sie zurück - ein Erfolg für die konservativen Hardliner. Doch die Offensive gegen Harvard hat eine längere Vorgeschichte. Bereits während des Vietnamkriegs wurden Universitäten zu Zentren des Protests, und Politiker wie Richard Nixon erklärten "die Professoren" zu Staatsfeinden. Donald Trump griff diesen Kampf wieder auf: Nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus setzte er eine Task Force gegen Antisemitismus ein und übte finanziellen Druck auf Harvard aus. Parallel veröffentlichte die konservative Heritage Foundation mit dem "Project Esther" einen Fahrplan zur Bekämpfung propalästinensischer Aktivisten. Die Festnahme zweier ausländischer Studierender, Mahmoud Khalil und Rümeysa Öztürk, durch die US-Einwanderungsbehörde ICE verschärfte die Angst auf dem Campus. Kritische Stimmen verstummen, während die Regierung gezielt gegen "linke Hochschulen" vorgeht. Die Botschaft ist klar: Wer sich für Palästina einsetzt, riskiert Repression. Die Freiheit der Wissenschaft steht auf dem Spiel - und mit ihr die Zukunft des politischen Diskurses in den USA.

Kampf um Harvard 20:45

Kampf um Harvard: Geld

Gesellschaft und Politik

Im Januar 2025, unmittelbar nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus, erklärte Trump den amerikanischen Universitäten den Krieg. Nach ersten Einschüchterungsmaßnahmen setzte der US-Präsident auf eine Waffe, die er besser beherrscht als jeder andere: das Geld. Sein erster Schlag traf nicht Harvard, sondern die Columbia University in New York. Nachdem der Hochschule rund 400 Millionen Dollar an Fördermitteln entzogen worden waren, gab sie den Forderungen der Regierung nach und zahlte am Ende sogar drauf, um eine dauerhafte Finanzierung zurückzuerlangen. Damit war der Harvard University klar, dass es sie als die reichste Universität der Welt als Nächstes treffen würde. Trotz eines Stiftungsvermögens von über 50 Milliarden Dollar sind die Forschungsabteilungen in Harvard stark auf nationale Gelder angewiesen. Die von Elon Musk geleitete Organisation der US-Administration "Department of Government Efficiency" (DOGE) machte diese Fördermittel zur politischen Waffe. Programme zu Klima, Gender, Race und Diversität verloren ihre Finanzierung - damit trat ein ideologischer Konflikt offen zutage, der schon lange schwelte. Tatsächlich warf ein Teil der amerikanischen Rechten den Universitäten schon lange vor, die künftigen Eliten zu indoktrinieren und ein zu progressives Gesellschaftsbild zu verbreiten. Das MAGA-Lager wollte diese Programme nun systematisch zurückdrängen. Als über acht Milliarden Dollar an Mitteln eingefroren wurden, wollte Harvards neuer Präsident Alan Garber zunächst verhandeln und weckte die Befürchtung, er folge dem Beispiel der Columbia University. Studierende forderten die Hochschulleitung öffentlich zum Widerstand auf. Doch angesichts des finanziellen Drucks wirkte selbst die reichste Universität der Welt verwundbar. Bald fragte man sich auf dem Campus nicht mehr, ob Harvard nachgeben würde, sondern nur noch, wann.

Kampf um Harvard 21:15

Kampf um Harvard: Justiz

Gesellschaft und Politik

Über Wochen hinweg übte die Regierung unter Donald Trump massiv Druck auf die amerikanische Elite-Universität Harvard aus. Es schien fast so, als würde sich die Hochschule fügen, doch am 14. April 2025 kam es anders als erwartet: Die Vorgaben aus dem Weißen Haus - unter anderem zur Einstellung von Dozierenden, zur Aufnahme von Studierenden und sogar zu Lehrinhalten - gingen Universitätspräsident Alan Garber zu weit. Er weigerte sich, sie hinzunehmen. Harvard wurde über Nacht zum Symbol der Widerstandsbewegung gegen Donald Trump. Auf dem Campus war man stolz, erleichtert und sogar ein wenig euphorisch. Doch der Gegenschlag ließ nicht lange auf sich warten: Subventionen in Höhe von mehr als zwei Milliarden Dollar wurden eingefroren, und die Regierung versuchte sogar, das Programm zur Aufnahme ausländischer Studierender - mehr als ein Viertel der Studierendenschaft - auszuhebeln. Einigen Betroffenen drohte der Verlust ihrer Aufenthaltsgenehmigung. Sie nahmen daher das Risiko auf sich und protestierten öffentlich. Harvard ging vor Gericht und Alan Garber wurde für seinen Mut belohnt: Die Justiz blockierte die Maßnahme, die sich gegen ausländische Studierende richtete, und erklärte die Streichung der 2,2 Milliarden Dollar Subventionen für Forschungszwecke für rechtswidrig. Seither wird Garber auf dem Campus als Held gefeiert. Harvard scheint eine der wenigen großen amerikanischen Institutionen zu sein, die dem Präsidenten Paroli geboten haben. Dieser Erfolg verschleiert jedoch eine ambivalente Realität. Hinter den Kulissen verhandelt Harvard weiter und nimmt manche von der Regierung ausgehende Forderungen in Kauf, insbesondere beim Umgang mit Diversitätsfragen. Ist der Widerstand der amerikanischen Universität tragend oder betrifft er nur ein paar wenige Themenfelder? Trotz ihrer juristischen Erfolge geht die Hochschule verändert aus dieser Auseinandersetzung hervor. Dabei stellt sich eine grundlegende Frage: Wer kontrolliert, was man denken und lehren darf?

Trump gegen Kalifornien 21:50

Trump gegen Kalifornien

Politik

Im Juni 2025 eskaliert in Kalifornien ein Konflikt, der die tiefe Polarisierung der USA offenbart wie kaum ein anderer. In Los Angeles werden bei Razzien der Einwanderungsbehörde ICE Dutzende Migrantinnen und Migranten auf offener Straße verhaftet. Als Proteste aufflammen, greift das Militär ein. Was sich wie ein dystopischer Thriller anhört, ist Realität - und ein gezielter Schachzug der Trump-Administration. Für Donald Trump und die MAGA-Bewegung ist Kalifornien mehr als ein Bundesstaat. Es ist das Gegenmodell zu ihrer Vision von Amerika: multikulturell und progressiv. Mit den Maßnahmen in Kalifornien sendet das Weiße Haus eine klare Botschaft: Wer sich der konservativen Agenda in den Weg stellt, wird zum Ziel. Doch der Konflikt geht weit über die Einwanderungspolitik hinaus. Es geht um die Machtverteilung im Land - um die Frage, ob die Exekutive weiter gestärkt wird, während die Rechte der Bundesstaaten und die Gewaltenteilung ausgehebelt werden. Kalifornien wehrt sich. Der Bundesstaat, der wie kein anderer für liberale Werte und wirtschaftliche Stärke steht, organisiert den Widerstand. Ob in der Justiz, der Forschung oder der Bildungspolitik - überall prallen die Vorstellungen der Trump-Administration auf entschlossenen Widerstand. Die Auseinandersetzung ist dabei mehr als ein regionaler Konflikt. Sie ist ein Symptom für die grundlegende Krise der amerikanischen Demokratie. Seit 250 Jahren beruht das politische System der USA auf einem fragilen Gleichgewicht der Kräfte. Doch Trumps Strategie zielt darauf ab, dieses Gleichgewicht zu zerstören - zugunsten einer zentralisierten, autoritären Macht. Die Zwischenwahlen werden zeigen, wie tief die Gräben im heutigen Amerika wirklich sind.

Brasilien: Die Macht der Evangelikalen 22:45

Brasilien: Die Macht der Evangelikalen

Gesellschaft und Politik

Brasiliens politische Landschaft wird zunehmend von einer mächtigen religiösen Kraft geprägt: den Evangelikalen. Mit rund 70 Millionen Anhängern stellen sie fast ein Drittel der Wählerschaft und haben sich in 50 Jahren zu einer der einflussreichsten politischen Bewegungen des Landes entwickelt. Ihre Macht reicht von Tausenden Kirchen über große Medienimperien bis hin zu Hunderten Politikern, die ihre Agenda vertreten. Ein Höhepunkt war die Wahl 2018, die Jair Bolsonaro mit der Unterstützung von rund 70 Prozent der Evangelikalen gewann. Dessen politisches Erbe ist umstritten: Nach seiner Verurteilung wegen eines Putschversuchs stellte er seinen Sohn Flávio als Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2026 auf. Ihm gegenüber steht der linksgerichtete Lula da Silva, der zum vierten Mal antreten will. Die Dokumentation zeigt die Schlüsselfiguren dieser Machtkämpfe: Silas Malafaia, einflussreicher Fernsehprediger und "Königsmacher"; Sonia und Estevam Hernandes, Organisatoren des "Marsches für Jesus" und Besitzer eines Gospel-Medienimperiums; Pastor Eurico, Abgeordneter und strategischer Kopf der evangelikalen Lobby im Kongress; Valdeci, Pastor in einer Favela Rios, wo die Kirche längst die Rolle des Staates übernommen hat. Auch der junge Prediger João Vitor Ota erreicht Millionen junger Menschen mit konservativen Werten. Doch es gibt Gegenstimmen: Henrique Vieira, ein linker Pastor und Abgeordneter, sowie Pastor Atila, der eine inklusive evangelikale Gemeinde in São Paulo leitet. Zwischen Megakirchen, Favelas, Fernsehstudios und Parlament wird deutlich, wie die Bewegung die Politik Brasiliens prägt - und warum die nächsten Wahlen entscheidend sein werden.

Die Bücher, die Hitler nicht verbrannte 23:40

Die Bücher, die Hitler nicht verbrannte

Dokumentarfilm

Kaum jemand weiß, dass Adolf Hitler, Diktator und Massenmörder, am Ende seines Lebens schätzungsweise 16.000 Bücher besaß, verteilt auf die Privatbibliotheken in seinen Residenzen in Berlin, München und Berchtesgaden. Rund 1.300 dieser Bücher befinden sich heute in den USA. Was erzählen diese Bücher über die Quellen nationalsozialistischen Denkens - und über das Fortwirken rechtsextremer Gewalt heute? Der amerikanische Historiker Timothy Ryback gilt als kenntnisreichster Experte für Hitlers Privatbibliothek. Er reist für den Film nach Washington D.C. und Providence in den USA, wo diese Bücher heute lagern. Hitler besaß Klassiker der Weltliteratur und antisemitische Hetzschriften, pseudowissenschaftliche "Rassenstudien" und esoterische Groschenhefte. Viele dieser Bücher waren Bestseller - lange vor der Machtübernahme der Nazis im Jahr 1933. Hitlers Bibliothek zeugt davon, dass Antisemitismus und Rassismus keineswegs Randphänomene in der westlichen Geistes- und Kulturgeschichte waren, sondern viel mehr in ihrem Zentrum standen. Und bis heute sind diese Traditionslinien virulent: Die sogenannte "Neue Rechte" vermeidet zwar Begriffe wie "Blut" und "Rasse" - doch viele rechtsextreme Denkmuster und Verschwörungserzählungen von heute sind den Gedanken aus Hitlers Bibliothek verblüffend ähnlich, zum Beispiel die Erzählung vom "Großen Austausch", nach der die weiße Bevölkerung Europas und Amerikas gezielt durch Muslime und nichtweiße Menschen ersetzt werden soll. Sie dient rechtsextremen Terroristen auf der ganzen Welt als Legitimation, um Menschen zu ermorden, seien es Schwarze, Juden oder Muslime.