20:15
Nach einem Originaldrehbuch von John Logan erzählt Regisseur Martin Scorsese in seinem epischen Filmporträt "Aviator" die Geschichte des Millionenerben Howard Hughes, im Zeitabschnitt von den späten 1920er bis zum Ende der 1940er Jahre. Es handelt sich um eine Epoche, in der Hughes als Regisseur und Produzent von Hollywoodfilmen ins Rampenlicht rückte, als Testpilot nach eigenen Entwürfen entwickelte Flugzeuge steuerte und skandalträchtige Affären mit einigen der begehrtesten Frauen der Welt hatte. Der waghalsige Pilot und berühmteste Flieger seit Charles Lindbergh wurde zu einer treibenden Kraft der modernen kommerziellen Luftfahrt. Er war eine der aufregendsten Persönlichkeiten seiner Zeit, mit einer Aura von Glamour und Attraktion, aber auch Geheimnis und Unnahbarkeit. "Aviator" gibt Einblick in Howard Hughes' bewegtes Gefühlsleben, seine Affären mit den Hollywood-Legenden Katharine Hepburn und Ava Gardner. Und er zeigt auch die dunkle Seite dieses schillernden Lebens: Hughes' Kampf mit körperlichen Gebrechen und Phobien, mit immer mehr außer Kontrolle geratenden, zwanghaften Ausbrüchen, die schließlich dazu führten, dass er sich vollkommen isolierte und von seinen Mitmenschen und der Welt zurückzog.
22:55
Martin Scorsese, 1942 als Sohn sizilianischer Einwanderer in New York geboren, wuchs im New Yorker Viertel Little Italy auf - geprägt von der sizilianischen Community, Katholizismus und Filmen von John Ford, die er mit seinem Vater im Kino sah. Später gelang es ihm, die amerikanische Seele so haargenau einzufangen wie sein einstiges Vorbild die Landschaften des Wilden Westens. Doch der Regisseur wollte nie einer Gemeinschaft zugeordnet werden oder als Sprachrohr einer Minderheit gelten -viel lieber hinterfragt er Identitäten und stellt universelle Fragen. Lange Zeit wollte Scorsese Priester werden, doch dann entscheidet er sich für ein Studium der Filmwissenschaften und jobbt nebenher als Cutter und Regieassistent. Mit Steven Spielberg, Francis Ford Coppola und George Lucas baut er in den 1970er Jahren das "New Hollywood" auf. Augenzwinkernd erinnert er sich daran, dass er einst als Ikone jener Gegenkultur galt. "Hexenkessel", eine Milieustudie über das harte Leben in den Straßen von New York, bringt Scorsese 1973 das Lob der Kritiker ein. Zu diesem Zeitpunkt beginnt auch die enge Zusammenarbeit mit Robert De Niro, mit dem er 1976 den nächsten Film dreht: "Taxi Driver". Für das Porträt eines verbitterten Vietnamveteranen bekommt Scorsese die Goldene Palme in Cannes. "Taxi Driver" erhält zudem vier Oscarnominierungen, darunter als bester Film, verliert aber gegen "Rocky" - eine Entscheidung, die Scorsese-Fans der Oscar-Akademie nie verziehen haben. Mit dem Boxdrama "Wie ein wilder Stier" holt sich Scorsese 1980 die erste von insgesamt acht Oscarnominierungen als bester Regisseur. 1989 sorgt sein Film "Die letzte Versuchung Christi" für einen Skandal - der Film isoliert ihn gar eine Zeit lang in der Branche. Mit "GoodFellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia" kehrt er 1990 in die Hinterzimmer der Lokale der Lower East Side zurück und offenbart einen Blick hinter die Kulissen der Mafia. Als Scorsese 1998 Vorsitzender der Jury in Cannes wird, ist er endgültig im internationalen Film angekommen. 2007 gewinnt "Departed: Unter Feinden" gleich vier Oscars, darunter die ersehnte Trophäe für die beste Regie. "The Wolf of Wall Street" über den knallharten Börsenhai und eiskalten Betrüger Jordan Belfort wird 2014 fünffach für den Oscar nominiert. Scorseses Filme "The Irishman" (2019) und "Killers of the Flower Moon" zeigen, dass er auch noch im fortgeschrittenen Alter ganz oben mitspielen kann. Anhand von Ausschnitten aus seinem enormen filmischen Werk und unveröffentlichten Archivaufnahmen blickt die Dokumentation auf die Karriere des großen Filmemachers zurück.
23:50
Südafrika: Als junger Mann verlässt Joseph Shabalala nach der Ermordung seines Vaters, eines traditionellen Heilers, seine ländliche Heimat und geht in die Stadt Durban. Dort ist Isicathamiya- eine von Männerchören gesungene Musik - gerade en vogue. Eine nächtliche Vision lässt Joseph Shabalala, der bereits ein umtriebiger Musiker ist, eine A-capella-Band gründen, die den Namen Ladysmith Black Mambazo erhält. Mit diesem Ensemble revolutioniert er die Musikform Isicathamiya und bringt sie zu Weltgeltung. Die Dokumentation erzählt die spannungsreiche Geschichte von Joseph und seinen Mitstreitern. Vor dem Hintergrund der Apartheid wird die Musik von LBM zunehmend zum Soundtrack des Widerstands gegen die herrschenden Verhältnisse. Der Film zeichnet die Ereignisse als O-Ton-Dokumentation nach und bietet mit seinem historischen und musikalischen Materialreichtum wenig bekannte Einblicke in die Geschichte Südafrikas. Ein Highlight für LBM und Joseph Shabalala ist die Freundschaft mit Nelson Mandela, dem späteren Präsidenten Südafrikas, die sich nach dessen Haftentlassung ergibt. Musikalischer Höhepunkt ist die Zusammenarbeit mit Paul Simon, die LBM weltberühmt und zu international begehrten musikalischen Kooperationspartnern macht - was allerdings gerade bei schwarzen Südafrikanerinnen und Südafrikanern zunächst auf Skepsis stößt. Die musikalisch mitreißende und thematisch vielschichtige Dokumentation erzählt die Geschichte von Ladysmith Black Mambazo bis zu Shabalalas Tod im Jahr 2020 - seine Söhne haben das Ensemble da schon lange übernommen. Mit Dolly Parton sowie einem Kurzauftritt von Oprah Winfrey.
00:45
Lino Ventura zählte in den 1960er-Jahren zu den bekanntesten französischen Filmstars weltweit und machte mit Werken wie "Der Clan der Sizilianer" und "Der Schrecken der Medusa" auf sich aufmerksam. Die Doku beleuchtet sein Leben und beginnt in seiner Kindheit.
01:45
Mit handgemachtem Pop-Rock im Gepäck machen Texas Halt im Schloss von Hérouville nordwestlich von Paris. Hier traten bereits die ganz Großen des Genres auf. Eine Live-Session im berühmten Tonstudio, Interviews und Spaziergänge im Park fügen sich zu einem immersiven Musik-Dokumentarfilm. Back to the roots! Die trotz ihrer 35-jährigen Bühnenlaufbahn unverwüstliche Band aus Glasgow hat 2023 ein Very-Best-of-Album mit ihren Lieblingstiteln herausgebracht - angefangen mit dem Song "I Don't Want a Lover", der ihnen 1989 zum Durchbruch verhalf. In der zeitlosen Intimität des verwucherten, legendenumrankten Anwesens in Hérouville spielen Texas insgesamt elf wunderschöne Stücke aus ihrem Repertoire.
02:45
In den 2010er Jahren werden in Japan Gesetze gegen das organisierte Verbrechen erlassen. Die Zeit der Yakuza schien vorüber. Doch die mafiösen Gruppierungen, die vorgeben, Gewalt durch Gewalt zu bekämpfen und damit die Gesellschaft zu schützen, existieren noch immer. Trotz polizeilicher Repressionen und Omertà sind einige Yakuza für diese zweiteilige Dokumentation zu Interviews bereit, die meisten von ihnen zeigen sogar ihr Gesicht vor der Kamera. Ihre Berichte werden vom Experten Jake Adelstein eingeordnet. Der US-amerikanische Autor des Bestsellers "Tokio Vice", der seit 1992 in Japan lebt, arbeitete für eine große japanische Tageszeitung und recherchierte zum organisierten Verbrechen. Für die Yakuza ist Kriminalität ein Mittel, das zu gesellschaftlichem Aufstieg und Anerkennung führt. Sie leben in einer Welt voller strenger Rituale, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Akira Asakura ist Clanchef in Asakusa. Das Arbeiterviertel von Tokio ist eine historische Bastion des organisierten Verbrechens. Er erzählt vom Sakazuki, dem Austausch der Sakebecher mit dem sogenannten Oyabun, dem Paten der Organisation. Ichiyama regiert über das Gebiet von Kochi. Er spricht von der Bedeutung ritueller Tätowierungen und von seinen Einkommensquellen: Erpressung und Schmuggel. Über 20 Organisationen, die jeweils aus unzähligen Clans und Gruppierungen bestehen, haben ganz Japan unter sich aufgeteilt. Das aus Kobe stammende Yamaguchi-gumi beherrscht den größten Teil des Landes. Da die Yakuza durch den Ehrenkodex des Ninkyodo die Kriminalität regulierten, wurden sie lange Zeit von den Behörden und der Bevölkerung toleriert. Allerdings nur bis zu einer gewissen Grenze.
03:40
In den 80er Jahren erlebt Japan einen bis dato unerreichten Wohlstand. Das Jahrzehnt ist die Blütezeit der Yakuza: Sie gründen legale Unternehmen und Kreditgesellschaften, beherrschen das Freizeit- und Sportbusiness und erschließen neue Einflussgebiete wie Hawaii. 1990 führt der Wertverlust des Yen zu einer dauerhaften Krise in Japan. Die Arbeitslosigkeit steigt rasant. In Politik, Wirtschaft und Finanzwelt kommt es immer wieder zu Skandalen, in denen sich der Einfluss der Yakuza auf alle Wirtschaftsbereiche zeigt. Zahlreiche Politiker, deren Wahlkampagnen von den Yakuza finanziert wurden, sehen sich zum Rücktritt gezwungen. Die herrschende Liberaldemokratische Partei LDP, deren Gründung 1955 durch die Yakuza und die USA finanziert wurde, ist besonders betroffen. Als das FBI seine Unterwanderung der Yakuza in Hawaii bekannt gibt, setzt die US-Regierung unter Präsident Obama Japan unter Druck, die Organisation zu bekämpfen. Etwa zur selben Zeit bringen mehrere Bluttaten die Bevölkerung gegen das organisierte Verbrechen auf. 2011 ergreifen die japanischen Präfekturen Maßnahmen, um die Freiheit der Yakuza einzuschränken. Der sogenannte "Ausschluss des organisierten Verbrechens" wird ein Jahr später vom Parlament verabschiedet. Die Mitgliederzahl der Yakuza nimmt von Jahr zu Jahr ab, doch ihre schwindende Präsenz führt zu neuen Formen von Kriminalität. Brutalere und weniger strukturierte Banden namens Hangure machen von sich reden. Zwei dieser "neuen Yakuza" werden in dieser Dokumentation interviewt. Das Schicksal der organisierten Kriminellen in Japan ist ungewiss: Obwohl sie ständig überwacht werden und ihr Handlungsspielraum eingeschränkt ist, glauben viele von ihnen an eine Zukunft. So wie Takeshi Ichiyama, der sich der Organisation mit seinem Leben verschrieben hat.