19:40
Im norditalienischen Valsesia, gut 100 km von Mailand entfernt, finden immer mehr Israelis ein neues Zuhause. Seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 sind viele Familien in das abgelegene Alpental gekommen - auf der Suche nach Sicherheit und einem anderen Leben. Möglich macht den Neuanfang Ugo Luzzati. Der italienischstämmige Israeli kam selbst vor vier Jahren ins Valsesia und vermittelt heute Wohnungen und Jobs. Er hilft Neuankömmlingen, in Italien Fuß zu fassen. Eine von ihnen ist Anna Kogen. Gemeinsam mit ihrem Sohn Niko lebt sie seit drei Jahren in Varallo. Während Anna die Beschaulichkeit im Tal schätzt, fällt Niko genau deswegen die Eingewöhnung schwer. Er vermisst Tel Aviv, seine Freunde und das Leben in der Großstadt. Und auch im Valsesia wird der 14-Jährige mit den Folgen des Nahostkonflikts konfrontiert. Für andere ist der Neuanfang bereits gelungen. Die pensionierte Krankenschwester Dina Cohen engagiert sich in ihrer neuen italienischen Heimat. Künstlerin Yael Touitou träumt davon, mit Kunstaktionen Valsesia zu neuem Leben zu verhelfen, da das Tal in der Vergangenheit eine massive Abwanderung verkraften musste. Mehr als 70 israelische Familien sind inzwischen mithilfe von Ugo Luzzati ins Valsesia gekommen. Doch seine Vision reicht noch weiter: Er möchte auch eine Familie aus Gaza ins Tal holen. Zwischen Hoffnung und Neuanfang zeigt die Reportage auch, wie schwer es ist, dem Nahostkonflikt zu entkommen.
20:15
Der alkoholkranke und zunehmend demente Woody Grant ist überzeugt, dass er eine Million Dollar gewonnen hat. Während seine Frau Kate droht, das Geld dafür zu verwenden, den alten Griesgram in ein Seniorenheim zu stecken, will der jedoch unbedingt seinen vermeintlichen Gewinn im 800 Meilen entfernten Lincoln, US-Bundesstaat Nebraska, abholen. Woodys Sohn David weiß, dass sein Vater die Reise allein nie schaffen kann. Auch mit dem Wunsch, seinem Vater näherzukommen, bricht er gemeinsam mit ihm auf. Die Hoffnung ist schon früh dahin, als Woody sich bei der ersten Gelegenheit betrinkt, sich eine böse Schnittwunde am Kopf zuzieht und an den Gleisen einer Bahnstrecke seinen Zahnersatz verliert. Schließlich übernachten die beiden bei lange nicht gesehenen Verwandten in der Stadt, in der Woody aufgewachsen ist. Hier glauben Woodys Familie und alte Freunde - und ein paar Feinde - zunächst an seine Behauptung, dass ihm bald großer Reichtum bevorsteht, und ihre hässlichen und gierigen Seiten kommen zum Vorschein. Der zweimalige Oscargewinner Alexander Payne (für die Drehbuch-Adaptionen von "Sideways" und "The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten") inszenierte ein ergreifendes Roadmovie über Würde, das Älterwerden und eine tiefe Vater-Sohn-Beziehung. "Nebraska" besticht durch seine brillante Mischung aus trockenem Humor, eindrucksvoller Schwarz-Weiß-Fotografie und einem tiefgründigen Blick auf das Familienleben.
22:05
11. September 2001: Bei den Al-Kaida-Terroranschlägen in den USA kommen mehr als 3.000 Menschen ums Leben. Die Verzweiflung der Notrufe wirkt auch ohne Bilder. Dann Schnitt: Es wird die brutale Foltermaschine der CIA zwei Jahre später gezeigt. Die CIA-Ermittlerin Maya erhält den Auftrag, Osama bin Laden aufzuspüren. Nach zahlreichen Verhören glaubt sie, in Abu Ahmed einen der wichtigsten Kuriere gefunden zu haben. Doch während sie ihre Spur verfolgt, überwiegt in Washington die Sorge vor einem nächsten Anschlag durch Osamas Nachfolger. Maya zur Seite steht das Team Six der Navy Seals um Anführer Patrick, eine der besten Spezialeinheiten der Welt. Normalerweise arbeiten sie im Verborgenen, doch diesmal ruht die Hoffnung einer ganzen Nation auf ihnen. Ihre Jagd führt sie von Afghanistan und exterritorialen Geheimgefängnissen der CIA ins Grenzgebiet Pakistans. Bigelows ungeschönte Kriegschronik legt nahe, dass durch Folter gewonnene Erkenntnisse zwar Verwendung fanden, aber nicht den Durchbruch brachten. Der entscheidende Faktor war aus ihrer Sicht die Recherchearbeit einer CIA-Agentin. Der Titel "Zero Dark Thirty" steht für die militärische Zeitangabe 0.30 Uhr, jenen Moment, als der Angriff der Navy Seals begann. Der Film verbindet auf kunstvolle Weise investigatives Drama mit Action-Elementen. Regisseurin Kathryn Bigelow gewann 2010 mit "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" als erste Frau den Regie-Oscar. Der Film brachte auch dem Journalisten Mark Boal einen Oscar, der hier erneut das Drehbuch schrieb, basierend auf intensiven Recherchen und Interviews mit Beteiligten der Operation.