05:00
Massentierhaltung ist in der modernen Landwirtschaft allgegenwärtig. Die erste Folge von "Wen dürfen wir essen?" nähert sich dem Thema aus drei sehr unterschiedlichen Perspektiven. Schweinemäster Dirk Nienhaus gestattet einen seltenen Blick hinter die Kulissen einer modernen Mastanlage. Er zeigt, wie sich die Aufzucht von Nutztieren zu einem hochtechnisierten, effizienten Prozess entwickelt hat. Es wird deutlich, dass Massentierhaltung und billiges Fleisch zwei Seiten derselben Medaille sind. In seinen nachdenklichen Momenten fragt sich Dirk Nienhaus, ob seine Schweine etwas vermissen, und reflektiert mit bemerkenswerter Offenheit seine eigene Rolle im System. Friedrich Mülln betrachtet die moderne Landwirtschaft von der entgegengesetzten Seite: Der Gründer der Soko Tierschutz hat sich darauf spezialisiert, skandalöse Zustände in der Tierhaltung an die Öffentlichkeit zu bringen. Die Serie zeigt Bilder von seinen nächtlichen Einsätzen, bei denen er heimlich nach Tierschutzverstößen fahndet. Dabei macht Friedrich Mülln deutlich, warum er das System der Tierhaltung insgesamt für falsch hält. Anja Hradetzky sucht nach einem Weg, Tierwohl und Nutztierhaltung zu vereinen - und stößt dabei an die Grenzen des Systems. Ihre Kühe leben im Grünen. Die Kälber wachsen bei ihren Müttern auf. Ihr Tod kommt plötzlich, durch einen Kugelschuss auf der Weide. Trotzdem bleiben Fragen: Was ist ein glückliches Leben? Wer entscheidet, wann genug gelebt ist? Aber auch: Warum läuft es in 99 Prozent der Betriebe nicht so? Und warum hat sie auch nach vielen Jahren noch Probleme, von ihrer Arbeit zu leben?
05:30
Auf dem Schlachthof Goldschmaus erklärt der Tierschutzbeauftragte Gerald Otto, warum er es in Ordnung findet, Tiere zu essen - und zeigt mit erstaunlicher Transparenz, welche Maßnahmen Schlachthöfe ergreifen, um den Tod von Tausenden Tieren am Tag möglichst sanft zu gestalten. Die amerikanische Psychologin Melanie Joy diagnostiziert eine weit verbreitete Ideologie in unserer Gesellschaft: Von Kind auf lernen wir, eine kleine Gruppe von Tieren für essbar zu halten - und das Fleisch aller anderen für ekelerregend. Um diesen Glauben aufrechtzuerhalten, sagt Melanie Joy, erzählen wir uns immer wieder drei Mythen: Fleisch zu essen sei natürlich, notwendig und normal. Wie natürlich unser Fleischkonsum wirklich ist, untersucht Ilja Steffelbauer. Der Kulturhistoriker hat die Geschichte des Fleisches von den Anfängen der Menschheit bis in die Gegenwart verfolgt. Anschaulich erklärt er, wie die Jagd uns geprägt hat - und warum wir nach Jahrtausenden der Knappheit im letzten Jahrhundert zu den gierigsten Fleischessern der Geschichte wurden. Niko Rittenau geht als Ernährungswissenschaftler der Frage nach, wie notwendig der Konsum von Fleisch tatsächlich ist. Welche Nährstoffe sind im Fleisch? Bekommen wir diese auch anders? Warum finden wir Fleisch so lecker - und welche Rolle spielen unsere Instinkte? Schließlich fragt die Dokumentationsreihe nach dem Wert von Normalität. Wann und in welchen Kulturen ist welches Verhalten normal - und was bedeutet das für uns?
06:05
Die Karibikinsel Curaçao ist mit einer reichen Unterwasserflora und -fauna gesegnet. Hier gibt es seit 2004 auch ein Zentrum für Delfintherapie - eine Einrichtung für Menschen mit besonderen körperlichen oder seelischen Bedürfnissen. Fünf Delfine helfen den kleinen und großen Patienten dabei, ein Stück Lebensfreude und Hoffnung zurückzugewinnen. Das ist eines der wichtigsten Anliegen der Delfintherapie - idealerweise mit positiven Effekten für den ganzen Körper. Allerdings gibt es von Seiten der Wissenschaft auch Zweifel an der Seriosität und Wirksamkeit solcher Angebote. Die fünfjährige Ella ist bereits zum dritten Mal im Delfinzentrum. Sie lernt nur langsam, kann nicht sprechen, sich kaum konzentrieren und leidet unter einer Muskelschwäche. Aber Ella liebt Delfine und lässt sich von den freundlichen Riesen zur Therapie motivieren. Dieses Mal arbeiten Delfin Chabelita und Physiotherapeutin Merel Schuringa mit der Kleinen: "Chabelita schiebt Ella an Händen oder Füßen sanft durch das Wasser. Sobald sich Chabelita nähert, entspannt sich Ella. Das ist das Schöne bei der Arbeit mit Delfinen und besonders mit Chabelita. Sie kann sehr aktiv und laut sein, aber auch sehr sanft." Die kleinen, für Außenstehende oft kaum merklichen Fortschritte können eine große Wirkung auf den Alltag der ganzen Familie haben - Dinge, die bei anderen Kindern selbstverständlich sind, werden wahr: ein Lächeln, ein Wort, mehr Selbstständigkeit und Offenheit. Solche Effekte kann die Delfintherapie anscheinend bewirken. Die Therapeuten machen sich die Neugier und Freude der Tiere am Spielen zu Eigen - denn das wiederum animiert die Patienten, es motiviert und sensibilisiert sie.
07:00
(1): Mexikanischer Maiseintopf: Pozole (2): Kulinarische Mitbringsel (3): Ran an die Töpfe!
07:30
(1): Marseille: Hafen der Hoffnung für Anna Seghers (2): Simbabwe: Vom Zauber der Shona-Skulpturen (3): Bulgarien: Vanches Blätterteigtaschen mit Käsefüllung (4): Französisch-Polynesien: Der verborgene Schatz von Tuamotu
08:15
(1): Sarajevo, der Roman eines Lebens (2): Pyrenäen: Die faszinierende Welt der Geier (3): Griechenland: Annies Rindfleisch mit Petersilie (4): USA: Fake News zur Kriegsführung
09:05
Vor 60 Jahren wusste man kaum etwas über Elefanten in freier Wildbahn - bis der schottische Zoologe Iain Douglas-Hamilton das änderte. 1965 zog er nach Tansania, um unter Afrikanischen Elefanten zu leben. Douglas-Hamilton erforschte als erster Wissenschaftler das Sozialverhalten wilder Elefanten und legte damit den Grundstein für das heutige Wissen über die Dickhäuter. Die weltweite Nachfrage nach Elfenbein führte dazu, dass ganze Elefantenpopulationen Wilderern zum Opfer fielen. Die legale Bejagung von Elefanten zur Bestandskontrolle und der Verkauf des dabei erbeuteten Elfenbeins galten als unproblematisch. Douglas-Hamilton war anderer Meinung: Für ihn konnte nur ein vollständiges Verbot des Elfenbeinhandels die Elefanten vor dem Aussterben bewahren. Er setzte seinen Ruf als Wissenschaftler aufs Spiel, um diese Position zu vertreten. Douglas-Hamilton ging nach Uganda, um an vorderster Front gegen die Wilderei zu kämpfen. Wegen des dortigen Krieges und des wirtschaftlichen Zusammenbruchs des Landes war die Lage der Elefanten in Uganda besonders dramatisch. Seine Bemühungen trugen wesentlich dazu bei, dass der Elfenbeinhandel durch das Washingtoner Artenschutzabkommen von 1989 verboten wurde. Danach nahm der Zoologe seine Feldstudien in Samburu in Kenia wieder auf und gründete 1993 die Organisation "Save the Elephants", die Forschung und Naturschutz verbindet und den Erhalt der grauen Riesen auch in Zukunft sichern will. Die Dokumentation verknüpft beeindruckende Naturaufnahmen mit der inspirierenden Lebensgeschichte des passionierten Wissenschaftlers und Naturschützers.
10:35
Im Waldgebiet Jhalana, am Rande von Jaipur, lebt das königliche Erbe der Rajputen weiter. Seit nunmehr sechs Jahren herrscht der mächtige Leopardenkönig Bahadur über das Gebiet. Als die Gefährtin des Königs verschwindet, bleibt Bahadurs zweijähriger Sohn allein im Wald zurück. Der bislang von seiner Mutter umsorgte Prinz Rana muss nun ums Überleben kämpfen und bedient sich dazu heimlich an der Beute seines Vaters. Mit der Zeit wächst er zu einem stattlichen jungen Leoparden heran. Eigentlich hätte Rana sich anderswo sein eigenes Revier sichern müssen, aber er bleibt, um das Königreich seines Vaters einzufordern. Indessen wittert Flora, eine ehrgeizige junge Leopardin, ihre Chance auf den Thron. Sie verführt zunächst den alternden Bahadur, fasst jedoch bald Rana als neuen Gefährten ins Auge. Die Verbindung zwischen Rana und Flora ist einzigartig. Monatelang verteidigen sie Seite an Seite ihr Revier und bekommen auch bald drei Junge. Rana wird immer stärker und tötet schließlich eine stattliche Nilgauantilope, doppelt so groß wie er selbst - ein bedrohliches Signal für den noch herrschenden Bahadur. Der König weiß um die zunehmenden Unruhen in seinem Reich, wird sich aber nicht ohne Weiteres geschlagen geben. Er tötet zwei der Jungen von Rana und Flora. Es kommt zum Kampf, bei dem Flora verletzt mit ihrem verbliebenen Jungen in den Wald flieht. Nun ist es an der Zeit für Rana, seinem Vater die Stirn zu bieten. Er weiß, dass er dem König die Macht nur in einem blutigen Kampf entreißen kann. Bald wird das Leben im Königreich für niemanden mehr so sein, wie es bisher war ...
11:25
Was Europa bewegt
11:55
(1): Pastete auf Sardisch: Die Panada (2): Ein Biss'chen Heimat: Rosa, eine Sardin in Lyon (3): Ran an die Töpfe!
12:25
(1): Kroatien: Vinko Bresan erweckt Tito zum Leben (2): Paris: Poulbots, die kleinen Strolche von Montmartre (3): Chile: Carlos Felsenfisch (4): Chicago: Eine wiederkäuende Brandstifterin
13:10
(1): Rumänien: Die spitze Feder von Cristian Fula? (2): Athen: Jahrhundertealte Graffiti (3): Frankreich: Indranees Frühlingssalat (4): Schweiz: Hört den Genfer See!
14:00
Maître Jérôme Martinaud, der angesehene Notar einer kleinen französischen Küstenstadt, wird in der Silvesternacht überraschend aufs Polizeirevier zitiert: Der erfahrene Inspektor Antoine Gallien sucht nach dem Kindesmörder und Vergewaltiger, dem bereits zwei Mädchen zum Opfer gefallen sind - und möchte Martinaud als Zeugen befragen, da er eine der Kinderleichen entdeckt und die Polizei verständigt hatte. Doch die überheblichen und zynischen Bemerkungen Martinauds lassen Gallien und seinen jungen Kollegen Belmont bald Verdacht schöpfen - ist Martinaud der Täter? Obwohl Gallien und Belmont von der Schuld des Notars schnell überzeugt sind, fehlen ihnen die entscheidenden Beweise. Ein zermürbendes Verhör beginnt, das die ganze Silvesternacht dauern wird - ein Duell zwischen dem kühlen Gallien und dem ironischen Martinaud. Neben dem unaufhörlichen psychischen Druck vonseiten Galliens ist der Befragte bald auch der physischen Bedrohung durch den impulsiven Belmont ausgeliefert. Im Laufe der Nacht verliert Martinaud, dem Druck kaum noch standhaltend, immer mehr seine Haltung - degradiert vom geachteten "Maître Martinaud" zum verachtenswerten "Martinaud". Während er sich zusehends in Widersprüche verstrickt, trifft seine Frau Chantal auf dem Polizeirevier ein, um mit Gallien persönlich zu sprechen. Doch statt um ihren Mann zu kämpfen, belastet sie ihn schwer. Sie erzählt, dass sie ihn seit Jahren von sich fernhält, nachdem sie ihn bei einem Annäherungsversuch an ihre kleine Nichte beobachtet hat ...
15:40
Der mehr als 3.300 Meter hohe Ätna ist der höchste und aktivste Vulkan Europas. Ein- bis zweimal jährlich bricht der Mongibello, wie ihn die Sizilianer nennen, aus und bedroht mit seinen glühenden Lavaströmen die etwa 900.000 Menschen, die in seinem Umkreis leben. Und doch ist der Ätna für die sonst sehr trockene Insel Sizilien auch ein unbezahlbarer Schatz: Der Feuerberg fungiert als natürliches Wasserreservoir. Zu seinen Füßen erstrecken sich Felder, Zitrus- und Olivenplantagen, so weit das Auge reicht. Die äußerst fruchtbaren Böden bescheren den Menschen seit Jahrtausenden reiche Ernten und bilden die Existenzgrundlage ihrer Dörfer. Jedes Jahr Anfang Februar veranstaltet die Stadt Catania das für Katholiken weltweit bedeutsame Fest der heiligen Agatha. Drei Tage und drei Nächte lang versammeln sich rund eine halbe Million Sizilianerinnen und Sizilianer, um zur Schutzheiligen Catanias zu beten, damit sie sie vor den Zornesausbrüchen des Ätna bewahrt. Zusammen mit Mathilde, Einwohnerin und Stadthistorikerin von Catania, nimmt Arnaud Guérin an der spektakulären Prozession teil. Doch den Vulkan aus der Ferne zu betrachten, genügt dem Geologen nicht. Gemeinsam mit Boris Behncke erklimmt er den sich regenden Feuerberg für eine Inspektionstour. Der Vulkanologe besteigt den Ätna beinahe täglich, um das Terrain zu kontrollieren und gegebenenfalls Warnstufen auszurufen. Zurück in der Ebene lässt sich Arnaud Guérin vom Obstbauern Orazio erklären, wie sich die Lavaströme im Verlauf der Zeit in einen wahren Garten Eden verwandeln. Für Orazio und viele Menschen auf Sizilien ist der Ätna nicht nur ein Vulkan - er ist die Seele von Catania, Orientierungspunkt und Wohltäter, der alles gibt und alles wieder nehmen kann.
16:10
Der Rothirsch gilt als der "König der Wälder". Er wurde schon oft gefilmt, meist als liebestoller, röhrender Brunfthirsch, der im Herbst um die Weibchen kämpft. Was aber machen Rothirsche den Rest des Jahres? Während der Brunft buhlen die Tiere mit lautem Röhren und aggressiven Kämpfen um die Gunst der Hirschdamen. Dabei verausgaben sich die Hirsche bis zur Erschöpfung. Am Ende der anstrengenden Paarungszeit müssen sie den Rest des Jahres extremen Aufwand betreiben, um die körperlichen Reserven wieder aufzufüllen. In den kommenden Monaten ziehen die männlichen Tiere in Junggesellenrudeln umher und konzentrieren sich aufs Fressen. Ihre Nachkommen und die Weibchen interessieren sie kaum. Auch die Hirschkühe leben zunächst in Rudeln. Ende Mai vertreiben sie den Nachwuchs aus dem Vorjahr und bringen im Verborgenen ihre Jungen zur Welt. Anschließend führen sie ihre Kälber an versteckte Spielplätze und beschützen sie vor drohenden Gefahren. Ehe ein Hirschkalb die Chance bekommt ein Platzhirsch zu werden, vergehen mindestens fünf Jahre. Eine lange Zeit, die aufregende Begegnungen, aber auch entspannte Momente mit sich bringt. Rothirsche sind keine langweiligen Wiederkäuer: Versteckte Kameras an Suhlen oder anderen "Rendezvous-Plätzen" geben ungewöhnliche und seltene Einblicke in ihr geheimes Leben.
16:55
Matthieu Ricard ist buddhistischer Mönch, Schriftsteller und Denker. Die Fotografie nutzt er, um möglichst viele Menschen an seinem Staunen über das Schauspiel der Welt teilhaben zu lassen und zudem auf die Verletzlichkeit der Umwelt aufmerksam zu machen. Nach sieben Jahren kehrt er erstmals nach Bhutan zurück, wo er einst prägende Erfahrungen machte. Was ist heute aus dem Land des Donnerdrachens und seinen Menschen geworden? Matthieu Ricard konvertierte Ende der 1960er Jahre zum Buddhismus. Als enger Vertrauter des Dalai Lama erlangte er durch seine Wohltätigkeitsarbeit und die Schlichtheit, mit der er die breite Öffentlichkeit für Meditation, Frieden, Altruismus und Mitgefühl sensibilisiert, internationale Bekanntheit. Diese Wertvorstellungen transportiert er auch in seinen Fotografien. Gestützt auf zahlreiche Aufnahmen Ricards, will die Dokumentation den Blick für die Schönheit der Welt und der Menschen weiten und Einblicke in das Königreich Bhutan und sein Volk geben. Lange Zeit vom Rest der Welt abgeschottet, sah sich Bhutan jüngst gezwungen, seine Isolation zu durchbrechen. Bei seiner Rückkehr in das kleine Königreich entdeckt Matthieu Ricard erneut die einzigartige Spiritualität, die noch immer vom Denken des Mannes durchdrungen ist, der einst sein Lehrer war: Dilgo Khyentse Rinpoche. An schwer zugänglichen Orten wohnt er Ritualen bei und begegnet einer erstaunlichen Vielfalt an Menschen, die den Reichtum dieses zutiefst buddhistisch geprägten, überaus wandelbaren Landes ausmachen, das trotz positiver CO2-Bilanz vom Klimawandel bedroht ist. Auf einem der höchsten Gletscher der Erde führt Matthieu Ricard eindringlich die Probleme und Herausforderungen vor Augen, vor denen Bhutan, wie auch der Rest der Menschheit, steht.
17:50
Am Rande des Südpolarmeers, wo eisige Stürme über die Crozet- und Kerguelen-Inseln fegen, spielt sich jährlich ein faszinierendes Naturschauspiel ab: Millionen Königspinguine, Albatrosse und Sturmvögel kehren zum Brüten an Land zurück. Doch ihre Populationen brechen ein - manche Arten verloren in den vergangenen 50 Jahren mehr als die Hälfte ihrer Bestände. Die Ursachen bleiben rätselhaft. Seit den 1960er-Jahren versuchen Ornithologen, das Geheimnis zu lüften. Mit Hilfe von Peilsendern verfolgen sie die Vögel auf ihren epischen Wanderungen: Albatrosse umrunden die Antarktis in wochenlangen Flügen, Pinguine trotzen Temperaturen von bis zu minus 40 Grad. Doch die Daten zeigen auch: Nahrung wird knapper, da sich durch den Klimawandel die Jagdgebiete der Tiere nach Süden verschieben. Viele Jungtiere verhungern. Die Dokumentation begleitet Forschende in eine der letzten Wildnisse der Erde. Sie zeigt atemberaubende Bilder von Balzritualen, verzweifelten Futtersuchen in tobenden Stürmen - und den bedrohlichen Zeichen des Wandels. Die Verschiebung von Meeresströmungen und industrielle Fischereiflotten bedrohen das fragile Gleichgewicht. Während die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Antworten ringen, wird klar: Das Schicksal dieser Vögel ist ein Warnsignal. Ihr Überleben hängt davon ab, ob wir die letzten unberührten Regionen unseres Planeten noch retten können.
18:35
Rund um die windgepeitschten Inseln am Rande des Südpolarmeers in den Französischen Süd- und Antarktisgebieten findet sich eine einzigartige Tierwelt: See-Elefanten, Seebären und Schwertwale jagen und paaren sich in diesen eiskalten Gefilden. Doch hinter der rauen Schönheit dieser Landschaften versteckt sich ein Rätsel, das die Wissenschaft seit Jahren umtreibt. Warum sind die hier vorkommenden Tiere derartigen Populationsschwankungen ausgesetzt? Was steckt hinter den seltsamen Verletzungen der Schwertwale vor dem Crozet-Archipel? Und was verraten diese mysteriösen Veränderungen über einen Ozean, der für das Klima des blauen Planeten entscheidend ist? Die packende Dokumentation folgt den Forscherteams auf ihrer Spurensuche in die unergründlichen Tiefen des Südpolarmeers. Sie statten die Tiere mit hochmodernen Sendern aus, um spektakuläre Tauchgänge, Tausende Kilometer lange Wanderungen und nie zuvor gesehene Verhaltensweisen zu dokumentieren. Ihre Entdeckungen werfen ein neues Licht auf ein Ökosystem, das für das Gleichgewicht der Erde entscheidend ist - und noch immer voller Geheimnisse steckt. Abseits steriler Labore betreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler echte Feldforschung: Unter extremen Bedingungen sammeln sie wertvolle Beobachtungen und Daten, die dazu beitragen können, eines Tages die Rätsel um dieses unbekannte und doch so schützenswerte Ökosystem zu lüften.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Ein internationales Team der NGOs Clean Air Task Force und Greenpeace dokumentiert in Kroatien, wie Erdgas- und Erdölanlagen trotz der EU-Methanverordnung von 2024 große Mengen des Gases freisetzen. Methanexperte Théophile Humann-Guilleminot zeigt, dass die Regelung in der Praxis bislang kaum wirkt, sei es, weil Betreiber sie ignorieren oder Behörden nicht reagieren. Mit einer Spezialkamera entdeckt das Team an Förderanlagen und Pipelines zahlreiche Lecks - teilweise an denselben Stellen wie bereits ein halbes Jahr zuvor. Immer wieder wird er von der Polizei bei seinen Messungen kontrolliert. Das Team vermutet, dass die Betreiber die Messungen verhindern wollen. Methan ist wesentlich schädlicher für das Klima als CO2 - und es entweicht weiterhin ungehindert aus undichten Pipelines, Öllagern und Gasnetzen. Doch es gibt auch Fortschritte: In Hamburg zeigt das städtische Unternehmen "Hamburger Energienetze", wie Lecks an Gasleitungen mit moderner Technik aufgespürt werden können. Ein Spezialfahrzeug ortet Methanaustritte dreimal schneller als zuvor - und beweist, dass schnelles Handeln möglich ist. Im Münsterland akzeptiert Landwirt Andreas Thesing nicht länger, dass Methan aus seinem Stallmist ungenutzt in die Atmosphäre entweicht. Zusammen mit 46 Kollegen hat er eine Biogasanlage gebaut, die dem Mist das Methan entzieht. Der Probebetrieb läuft bereits: Das Gas treibt Frachtschiffe, Gas-PKW und -LKW an. Der methanfreie Mist kann sogar als Dünger für die Felder genutzt werden, ganz ohne Geruchsbelästigung.
20:15
Bad Blake hat nicht nur vier Ehen, sondern bald auch sein Leben hinter sich, das unaufhaltsam in die Selbstzerstörung treibt. Alkohol und Frauen sind die einzigen Konstanten, wenn der ehemalige Country-Music-Star gelangweilt durch den amerikanischen Südwesten tingelt. Als er aber Jean kennenlernt - Journalistin und alleinerziehende Mutter -, verdrängt plötzlich Romantik die Routine, und der Endfünfziger erlebt spätes Familienglück. Doch wie schon früher bleibt er selbst das größte Hindernis, wenn das Mögliche dauerhaft Realität werden soll. Bad ist 57 Jahre alt und tourt immer noch mit seinen alten Hits durch drittklassige Bierkaschemmen und heruntergekommene Bowling-Schuppen. Sein grölendes Publikum ist so alt wie er - und ebenso desillusioniert und trinkfreudig. Bald wird er völlig in Vergessenheit geraten sein. Lediglich wenn er für seinen ehemaligen Protegé Tommy Sweet, der es zu Ruhm und Reichtum gebracht hat, ein Konzert eröffnen darf, fühlt er sich an alte, bessere Tage erinnert. Bad kämpft sich von einem alkoholumnebelten Gig zum nächsten, bis er eines Tages in Santa Fe auf Jean Craddock trifft. Die Journalistin ist eine Frau ganz nach seinem Geschmack, mehr noch, er verliebt sich Hals über Kopf in sie. Aber Bad kennt sich selbst nur zu gut und macht der Frau und sich keine Hoffnungen. Und Jean, alleinerziehende Mutter mit viel Lebenserfahrung und noch mehr Enttäuschungen, setzt keinen Cent auf den abgetakelten Musiker. Dennoch - Liebe folgt ihren eigenen Gesetzen, und so können die beiden nicht voneinander lassen. Aber kann das gutgehen? Bad kann schließlich kaum auf sich selbst aufpassen. Wie soll er sich also um jemand anderen kümmern? Trotzdem. Er gibt sich Mühe, kämpft und ist entschlossen, seine letzte Chance auf Glück zu nutzen ...
22:00
Sie ist eine der erfolgreichsten Country-Sängerinnen und Songwriterinnen aller Zeiten: Dolly Parton. Als Ikone gefeiert, von Pop-Diven wie Beyoncé gecovert und von Megastars wie Taylor Swift verehrt. Auch wenn das Aussehen der "Mae West von Nashville" einen bleibenden Eindruck hinterlässt, verdankt sie ihre Popularität seit sechs Jahrzehnten vor allem ihrer authentischen Persönlichkeit und ihrem immensen Repertoire: über 1.000 selbst geschriebene Songs und mehr als 100 Millionen verkaufte Alben. Viele schmettern gut gelaunt "I Will Always Love You" und schütteln bei "Jolene" den Kopf, ohne zu wissen, dass die selbsternannte "Backwoods Barbie" den Megahit von Whitney Houston und den Indie-Rock-Burner der White Stripes tatsächlich schon 1974 geschrieben und aufgenommen hat. In Wahrheit ist ihre zerrissene Persönlichkeit weitaus facettenreicher und vielschichtiger, als es die Klischees über sie zunächst vermuten lassen. In einem zutiefst gespaltenen Land schafft die aus Nashville stammende Sängerin den Spagat zwischen tiefgläubiger und bodenständiger Heldin ihrer Midwestern-Heimat. Gleichzeitig strahlt sie als Symbolfigur des Feminismus, sozial engagierte Unternehmerin und freche Queer-Ikone. Die Dokumentation beleuchtet ihr facettenreiches Leben als Künstlerin, ihre provokanten Fernsehauftritte, ihre Musik und vor allem ihre Texte. Von "Jolene" bis "Coat of Many Colors": ein Rückblick auf 50 Jahre großartige Texte zu universellen Themen, die (fast) jeden abholen.
22:55
Regisseur Gregor Samsa, von imposanter Gestalt und ausdrucksvollem Gesicht, ist von seinem Leben als Filmemacher höchst frustriert. Die Details der Dreharbeiten für seinen neuen Film interessieren ihn nicht mehr; um die seinen Schlafzyklus regulierenden Medikamente kümmert sich keiner am Set, und die Proben mit seinen zwei Hauptdarstellern führen zu mehr Wut- als Genieausbrüchen ... Üblicherweise schlägt der desillusionierte Alleingänger seine Freizeit im Bordell tot. Als er bei so einer Gelegenheit eine Prostituierte aus einer früheren Begegnung in einer Buchhandlung wiedererkennt, wird Gregor seine romantischen Gefühle nicht mehr los. Diese Grete, eine begehrenswerte Intellektuelle aus Litauen, lässt sich erst mal auf die Besessenheit des Regisseurs ein und rezitiert für ein paar Bonusscheine beim Geschlechtsakt Gedichte. Während sein Einfluss am Filmset mehr und mehr schwindet, baut sich Gregor seinen eigenen "Film": den einer Zukunft mit Grete. Die Meuterei am Filmset wird unumgänglich, und als Gregor es wagt, seinen Hauptdarsteller ersetzen zu wollen, wird er selbst zum Ausgestoßenen.
00:55
Die amerikanische Kleinstadt Karmack hat schon bessere Zeiten gesehen. Wer nicht wegzieht, ist auf Arbeitssuche. Zu allem Überfluss erlebt die Stadt eine ungewöhnliche Häufung von Unglücksfällen. Um nicht selbst die schlechten Nachrichten überbringen zu müssen, engagiert eine Kommission - bestehend aus Sheriff, Arzt und Pastor - einen "Mittelsmann". Dessen einzige Aufgabe ist überschaubar: Er muss die Angehörigen informieren, wenn wieder etwas passiert ist. Der ruhige Frank Farrelli scheint perfekt für den Job, hat er doch jahrelang bei der Bahn gearbeitet und auch dort zumeist schlechte Nachrichten überbracht. Frank blüht in seinem Job auf, verliebt sich in die Rathaussekretärin Blenda und schafft es sogar, sich etwas aus den Klauen seiner Mutter zu befreien, bei der er noch immer wohnt. Doch der Druck des Jobs lastet immer schwerer auf ihm und mit jedem Unglück kommen die Einschläge näher. Denn irgendwann gilt er selbst als Unglücksbringer und wird in einen skurrilen Mordfall verwickelt, der ihn vom Mittelsmann zum Mittäter macht. "The Middle Man - Ein Unglück kommt selten allein" erzählt am Beispiel einer fiktiven Stadt im sogenannten Rust Belt der USA von Niedergang, Tod und Trauer, aber auch von der Unfähigkeit der Menschen, damit halbwegs adäquat umzugehen. Aus dem Scheitern einer angemessenen Trauerarbeit zieht der Film immer wieder seine komischsten Momente. Bent Hamers staubtrockener, tiefschwarzer Humor erinnert an die Coen-Brüder. Doch seine Filme kommen weniger aus dem Genrekino als aus einer sehr eigenen Form von schrägem Sozialdrama.
02:30
Endlose Strände, Palmen, Mangrovenwälder, Korallenriffe und eine reiche Vielfalt an Wildtieren - die entlegene, in großen Teilen unberührte Inselgruppe der Nikobaren gleicht einem tropischen Paradies. Doch Ende 2004 rückte das Gebiet plötzlich in den Fokus der weltweiten medialen Aufmerksamkeit. Ein Seebeben vor der indonesischen Insel Sumatra - nur 200 Kilometer südlich der Nikobaren - löste einen verheerenden Tsunami aus, der ganze Küstenstreifen Südostasiens verwüstete und Hunderttausende Menschenleben forderte. Eine beispiellose Katastrophe, die auch die Ökosysteme der Nikobaren schwer verwundete. Bindenwarane, Einsiedlerkrebse und viele andere - teils heimische - Arten fielen den Fluten zum Opfer oder mussten fliehen. Korallenriffe, Mangroven und Regenwälder wurden zerstört. Die auf den Inseln heimischen Nikobaren-Langschwanzmakaken litten ganz besonders unter den dramatischen Auswirkungen des Tsunami. Ihre Population hatte sich innerhalb eines Jahres nach der Naturkatastrophe beinahe halbiert. Heute, rund 20 Jahre später, zeichnen die Inseln ein völlig anderes Bild: Die geschwächten Ökosysteme konnten sich in bemerkenswerter Weise regenerieren, Wildtiere haben sich in ihren Beständen erholt. Die Nikobaren sind ein eindrucksvolles Beispiel für die Resilienz der Natur. Zum Schutz ihrer einzigartigen Fauna und Flora sowie der indigenen Bevölkerung ist der Zugang zu Inseln nur unter strikten Auflagen möglich. Regisseur und Kameramann Varun Alagar Surenduran konnte die Nikobaren mit einer Ausnahmegenehmigung besuchen und feiert mit seinem ebenso packenden wie berührenden Film die Wiederauferstehung eines Naturparadieses.
03:20
03:25
Fotos können unser Weltbild beeinflussen. Und jedes Foto hat eine Entstehungsgeschichte. Das Magazin "Mit offenen Augen" ordnet Bilder ein und erklärt Hintergründe. Moderatorin Sonia Devillers liefert faszinierende Aufschlüsse, die über den ersten Blick hinausgehen.
03:35
Das Kulturmagazin des Senders ARTE wird täglich aus Paris gesendet. Aktuelle Themen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft stehen im Zentrum der Sendung und werden versiert unter die Lupe genommen.