19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Familie Maaß hat ihr altes Leben hinter sich gelassen und alles auf eine Karte gesetzt: den eigenen Campingplatz. Dafür haben Anne, Michael und ihre Söhne Thore und Noah das Eigenheim in Hannover verkauft und einen Kredit aufgenommen, obwohl sie über keinerlei Erfahrung in der Campingbranche verfügen. Die "Campingoase Eider" in Schleswig-Holstein ist einer von mehr als 3000 Campingplätzen in Deutschland. Die Maaßens haben den Platz vergangene Saison übernommen und müssen ihn komplett modernisieren, größtenteils während des laufenden Betriebs. Investitionskosten: rund eine Million Euro. Doch die erste Saison verlief enttäuschend. Nach Unwettern versanken Teile des Platzes im Schlamm, die Gäste blieben weg. "Trotzdem haben wir so viel gearbeitet, dass wir abends nur noch müde ins Bett gefallen sind", berichtet Anne Maaß. Angst vor schlechtem Wetter und ausbleibenden Gästen kennt Holger Frenzel nicht. Der 65-jährige Oldenburger betreibt mit seinen Söhnen Kai und Tim erfolgreich das "Autocamp Nordsee" an der kroatischen Adria - und zwar schon seit 1998. Holger sah in Kroatien Ende der 1990er Jahre eine Chance, kündigte seinen Job als Ergotherapeut und startete ebenfalls als Quereinsteiger. Sein Erfolgsgeheimnis: voller Einsatz, rund um die Uhr, und auf die richtige Zielgruppe setzen. Heute kommen rund 90 Prozent seiner Gäste aus Deutschland. 2025 wurden EU-weit 413 Millionen Camping-Übernachtungen gezählt. Doch das Geschäft ist kein Selbstläufer: finanzieller Druck, Instandhaltungsarbeiten, der Kontakt zu den Gästen. Neustart auf dem Campingplatz - Traum oder Albtraum?
20:15
Piero ist ein ehrgeiziger Börsenmakler, Vittoria eine frisch getrennte Frau. Die beiden treffen sich mitten in Rom und fühlen sich zueinander hingezogen. In ihrem jeweiligen Leben ziellos und ohne Partner, haben beide ein Bedürfnis nach Sicherheit und Nähe. Werden sie zusammenfinden? - Michelangelo Antonionis Film wurde in Cannes 1962 mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Vittoria lebt in Rom und arbeitet als Übersetzerin. Nach einer Nacht voller Streit beendet sie die langjährige Ehe mit ihrem Mann Riccardo. Als Vittoria ihre Mutter besuchen möchte, eine Spekulantin an der Börse, trifft sie auf Piero. Piero, ein ehrgeiziger und erfolgreicher Börsenmakler, ist ledig und findet Gefallen an der gut aussehenden Vittoria. Beide vereint das Gefühl der Ziellosigkeit und ein Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit. Zunächst scheint der Zufall es gut mit ihnen gemeint zu haben. Vittoria und Piero verabreden sich von nun an regelmäßig, doch trotz gegenseitiger Anziehung scheint ein wichtiges Element zu fehlen, das ihre Beziehung vorantreibt. Vittoria wendet sich immer wieder enttäuscht ab, sobald Piero versucht, ihr näherzukommen. Piero seinerseits gelingt es nicht, wahres Interesse für Vittoria zu entwickeln, zu sehr treibt ihn seine größte Sorge um: Geld, Anlagen und Aktien. Doch Piero möchte Vittoria nicht so schnell aufgeben und wirbt hartnäckig um ihre Liebe. Mit der Zeit gibt Vittoria nach und lässt ihn mehr in ihr Leben. Trotz aller Bemühungen läuft die Liebesbeziehung Gefahr, zu scheitern ... "Liebe 1962" (L'Eclisse) ist der letzte Teil einer Trilogie des italienischen Regisseurs Michelangelo Antonioni zum Thema innerer Entfremdung und Zerrissenheit mit seiner Partnerin Monica Vitti in einer Hauptrolle - nach "Die mit der Liebe spielen" (1960) und "Die Nacht" (1961). Alle drei Werke sind in einer privilegierten Gesellschaftsschicht angesiedelt.
22:15
Monica Vitti, 1931 als Maria Luisa Ceciarelli geboren, gilt als Ikone des europäischen Kinos. Bekannt wurde sie durch die frühen Filme von Michelangelo Antonioni, mit dem sie eine Arbeits- wie Liebesbeziehung verband. Bereits ihr erster gemeinsamer Film "Die mit der Liebe spielen" machte sie 1960 international bekannt. Es folgten "Die Nacht" (1961), "Liebe" (1962) und "Rote Wüste" (1964). Entrückt, cool, unnahbar: In Antonionis Studien der Entfremdung des Menschen in der Moderne, der Leere und Beziehungslosigkeit wurde Monica Vitti mit ihrem reduzierten und konzentrierten Spiel zum Sinnbild der undurchdringlichen, einsamen Protagonistin. Ein Image, das sie im zweiten Teil ihrer Schauspielkarriere überraschend durchbrach. In einer Reihe populärer Komödien präsentierte sich eine völlig andere Monica Vitti: witzig, temperamentvoll, lebenslustig. Vitti avancierte zum weiblichen Star der italienischen Komödie, die ansonsten von Männern dominiert war, und drehte etwa mit Mario Monicelli, Ettore Scola, Vittorio De Sica und Alberto Sordi. Monica Vitti spielte in über 50 Filmen fürs Kino und Fernsehen mit, bevor sie sich in den 1990er Jahren aus der Schauspielerei zurückzog, selbst unterrichtete, schrieb und Regie führte. Kaum jemand hat das Frauenbild in Italien so sehr beeinflusst und verändert wie sie. In der Dokumentation kommt vor allem Monica Vitti selbst zu Wort - in ihren Rollen und in Interviews. Daneben sprechen ihre Biografin Laura Delli Colli, der Filmkritiker Carlo Chatrian und die französische Schauspielerin und Regisseurin Laetitia Masson über ihren Einfluss.
23:10
Bernardo Bertoluccis künstlerischer Aufstieg fiel in eine Zeit des globalen Umbruchs - die 1960er Jahre und die folgenden Jahrzehnte, in denen das Kino zum zentralen Medium des gesellschaftlichen Wandels wurde. Als einer der international einflussreichsten Regisseure seiner Zeit verstand er es, den Geist dieser Ära einzufangen. Nach ersten Erfahrungen als Assistent von Pier Paolo Pasolini begann Bertolucci bereits in den 1960er Jahren, eine eigene künstlerische Handschrift zu entwickeln. Ein frühes Schlüsselwerk ist "Der große Irrtum" (1970), in dem Bertolucci die politische Radikalisierung der Jugend im Kontext der 68er-Bewegung reflektiert. Seinen internationalen Durchbruch erzielte er mit "Der letzte Tango in Paris" (1972). Das Drama mit Marlon Brando und Maria Schneider in den Hauptrollen über eine obsessive, anonyme Beziehung zwischen zwei Fremden polarisierte die Kritik und bleibt bis heute höchst umstritten. Ein Höhepunkt seines Schaffens ist "Der letzte Kaiser" (1987). Als erste westliche Produktion, die in der Verbotenen Stadt in Peking gedreht werden durfte, erzählt der Film die Lebensgeschichte des letzten chinesischen Kaisers Puyi. Der Film wurde mit neun Oscars ausgezeichnet und gilt als Meisterwerk des epischen Kinos. Eine unverwechselbare visuelle Opulenz, komplexe Figuren und eine tiefe Auseinandersetzung mit historischen und gesellschaftlichen Prozessen zeichnen Bertoluccis Filme aus. Sein Werk ist ein Meilenstein des Weltkinos. Die Dokumentation ist nicht nur eine Hommage an den italienischen Maestro, sondern auch an eine kreative Bewegung, deren Erbe - radikale Freiheit, kompromisslose Sinnlichkeit und unabhängiges Denken - bis heute fasziniert.