17:05
Am Fuße des Himalayas, zwischen Indien und Nepal, liegt das Terai - eine Region mit einer der größten Tigerpopulationen der Welt. Im 2001 vom WWF eingerichteten Khata-Korridor bewegen sich die Raubkatzen frei zwischen zwei großen Nationalparks. Vor 20 Jahren existierte zwischen diesen beiden Schutzgebieten kaum noch intakte Natur: ein durch Abholzung verwüstetes Land, eine durch Wilderei stark dezimierte Tierwelt und eine Dorfbevölkerung, die nur ein karges Auskommen hatte und nach und nach abwanderte. Dank umfangreicher Aufforstungsmaßnahmen ist es gelungen, diese Naturräume zu regenerieren und wieder zwei unterschiedliche Tigerpopulationen anzusiedeln. Die neuen Ressourcen zogen pflanzenfressende Arten an, die wiederum die Tiger anlockten, sodass sich die Bestände vermischen und genetisch erneuern konnten. Der Artenreichtum lockte weitere Tiere an, setzte zusätzliche Ressourcen frei und ermutigte die Menschen, ihre Bemühungen fortzusetzen. 20 Jahre systematischer Wiederaufforstung haben ein sterbendes Land in eine fruchtbare Landschaft verwandelt. Doch jüngste Zwischenfälle zwischen Tigern und der Dorfbevölkerung werfen die Frage auf, wie dieser Erfolg nachhaltig gesichert und ein stabiles natürliches Gleichgewicht bewahrt werden kann.
17:50
Zum Ende der kalten Trockenzeit wird das Wetter im Norden Australiens wieder wärmer. Kurzkopf-Gleitbeutler kommen aus ihren Baumhöhlen und erkunden die Blütenpracht. Vor der Zeit der großen Hitze nimmt die indigene Bevölkerung gemeinsam mit Umweltschützern kontrollierte Brandrodungen vor. So minimieren sie das Risiko von gefährlichen Steppenbränden in der Trockenzeit und machen die Savanne auch für Tiere wie die prächtige Gouldamadine sicher. Wenn das Wetter umschlägt, beginnt in einem anmutigen Luftschauspiel für Tausende von Libellen die Paarungszeit. In der sogenannten Wilbooroo-Zeit steigen die Temperaturen, die Landschaft trocknet weiter aus. Das Schwinden der Feuchtgebiete zwingt die großen Krokodile in die übrig gebliebenen Wasserläufe. Der Platzmangel führt zu Kämpfen zwischen den mächtigen Raubtieren. In der extremen Hitze der sogenannten Lalin-Zeit sind die meisten Wasserstellen versiegt. Nur noch hoch spezialisierte Tiere überleben diese Zeit in der Savanne und der Wüste in Kimberley - so wie die Schmalfuß-Beutelmaus. Wenn sich die Luft in der trockenen Savanne in der sogenannten Jirrbal-Zeit elektrisch auflädt, kommt es zu spektakulären Blitzschlägen. Einer von ihnen löst ein verheerendes Feuer aus und ein junger Kurzkopfgleitbeutler muss sich aus den Flammen flüchten. Wenn sintflutartige Regenfälle den Durst des Landes stillen, ist die Wilkarra-Zeit gekommen: Das Leben kehrt zurück und entfaltet sich einmal mehr in voller Pracht.
18:35
Nordöstlich von Australien liegt eines der größten Naturwunder der Erde: das Great Barrier Reef. Über Millionen von Jahren hat das Meer an dieser Stelle ein Labyrinth aus Korallen, Mangroven und offenen Gewässern geformt und so ein Ökosystem von atemberaubender Vielfalt geschaffen. Doch diese Welt ist kein friedliches Idyll. Sie wird von perfekt angepassten Jägern beherrscht: Tigerhaie halten sich bei den Riffen auf, Salzwasserkrokodile lauern in Flussmündungen und hochgiftige Quallen durchziehen die Strömungen. Ihre Anwesenheit ist kein Zufall, sondern Voraussetzung für das Gleichgewicht dieses fragilen Systems. Die Dokumentation zeigt die spektakulärsten Jagdszenen der Region, sei es im Mangrovendickicht, in trüben Flussmündungen oder auf offener See. Hier wird deutlich, wie die Evolution diese Räuber geformt hat. Manche warten stundenlang regungslos auf den perfekten Moment, andere nutzen Geschwindigkeit und Präzision, um ihre Beute zu überraschen. Energie sparen, Gelegenheiten erkennen und im richtigen Augenblick zuschlagen: Das sind die Regeln, die über Leben und Tod entscheiden. Doch dieses Gleichgewicht ist in Gefahr. Die Erwärmung und Übersäuerung der Weltmeere sowie Eingriffe des Menschen setzen dem Riff zu. Korallen bleichen aus, Arten verschwinden und die Nahrungsketten geraten ins Wanken. Die Dokumentation zeigt nicht nur die Schönheit dieser Jäger, sondern auch die Zerbrechlichkeit ihres Lebensraums. Wenn ein Glied in der Nahrungskette wegbricht, könnte das gesamte System kollabieren - und eines der letzten Paradiese der Erde für immer verschwinden.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:35
Kenia und seine Hauptstadt Nairobi mit einem der größten Ballungsräumen Ostafrikas hat sich Frankreichs Präsident Macron für einen Afrika-Frankreich-Gipfel ausgesucht. Der Gipfel soll verdeutlichen, dass Paris nicht mehr nur auf seine ehemaligen Kolonien, sondern auf den gesamten Kontinent setzt. Frankreichs postkoloniale Afrikapolitik gehört der Vergangenheit an.
19:40
Die vietnamesische Community in Tschechien ist die viertgrößte Minderheit des Landes. Sie blieb mehrere Jahrzehnte weitgehend unter sich. Die zweite Generation der vietnamesisch-stämmigen Vertragsarbeiter öffnet sich und ihre Kultur zunehmend. Am Marktgelände Sapa, dem Geschäfts- und Kulturzentrum der vietnamesischen Community am Rande von Prag, wird das sichtbar. Auf 35 Hektar finden sich dort vietnamesische Restaurants, Supermärkte und ein Kindergarten. Gemeinsam mit anderen Tschecho-Vietnamesen ihrer Generation veranstalten der 27-jährige Duc Anh Le und der 35-jährige Manh Tung Nguyen Führungen über das Marktgelände, um den Tschechen ihre Lebensweise und Kultur näherzubringen. Dabei kennen viele der Jüngeren die vietnamesischen Traditionen und auch die Sprache selbst nicht mehr so genau. Oft bestehen deshalb Sprachbarrieren zwischen Eltern und Kindern. Duc etwa hat erst zu seinen vietnamesischen Wurzeln gefunden, als seine Eltern ihn nach Sapa mitnahmen. Auch Tung war früh mit seiner Identität als Tschecho-Vietnamese konfrontiert: In seiner Kindheit war er rassistischen Anfeindungen ausgesetzt. Heute führt er mehrere Firmen in Sapa, während Duc für ein großes Finanzunternehmen arbeitet. Ihren Aufstieg haben sich beide hart erarbeitet, und engagieren sich noch zusätzlich für ihre Gemeinschaft. Sie sind Mitbegründer des Kultur-Vereins Viet Up, der im Herbst das "Bananen-Fest" im Zentrum von Prag veranstaltet, um Tschechen die vietnamesische Kultur zu zeigen.
20:15
Mehr als 2.000 Jahre lang wähnte sich China im Zentrum der Welt, ohne ernstzunehmende Gegner und hermetisch abgeriegelt von Fremden, die allesamt als unbedeutende Barbaren galten. Doch im 19. Jahrhundert sah sich das Reich der Mitte mit der geballten Macht Europas konfrontiert. Ein brutaler Schock, der das Land fast vernichtet hätte. Aber China gab sich nicht geschlagen, sondern interessierte sich zunehmend für neue Ideen aus aller Welt - aus Russland, Deutschland, Japan und den USA - und machte sie sich zunutze. Von den luxuriösen Kaiserpalästen bis zu den überfüllten Straßen Pekings, von durch Krieg und Hungersnot verwüsteten Landstrichen bis zu den Kreisen der im Exil lebenden chinesischen Intellektuellen erfanden außergewöhnliche Frauen und Männer das Land neu. Wie wurde China in anderthalb Jahrhunderten wieder zu dem, was es zwei Jahrtausende lang war: eine führende Weltmacht? Die dreiteilige Dokumentation sucht nach Antworten. Die erste Folge beginnt in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als China angegriffen wird und begreift, dass es sich verändern muss, um nicht unterzugehen. Rebellenführer, Mandarine und mächtige Frauen kämpfen im Namen von Idealen, die uns heute widersprüchlich erscheinen, und verbinden dabei Anschauungen aus der chinesischen Tradition mit Elementen des Christentums, des Nationalismus und des Feminismus. In diesem halben Jahrhundert steht das Land am Rande des Abgrunds und sucht nach einem Weg zu überleben. Ohne seine Identität preiszugeben, passt es sich der neuen Lage an.
21:10
Diese Folge der Dokumentationsreihe thematisiert einen entscheidenden Moment in der chinesischen Geschichte: Von den westlichen Staaten umworben und von Japan bedroht, muss China sich zwischen liberaler Demokratie, Konfuzianismus und Kommunismus entscheiden. Der Konflikt zwischen zwei unerbittlichen Rivalen gefährdet das Erbe von Sun Yat-sen: Ein Kampf auf Leben und Tod entscheidet über die Zukunft Chinas zwischen Mao Zedongs aufsteigendem Kommunismus und der nationalistischen Bewegung unter Chiang Kai-shek.
22:05
In dieser Folge geht es um die Ideale und den Terror der Kulturrevolution, die Millionen Opfer fordert. Auch im Westen begeisterte Maos "kleines rotes Buch" zunächst viele. Später etabliert sich China zunehmend als wirtschaftliche Großmacht. Mit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation entstehen hohe Erwartungen. Maoistinnen und Maoisten aus Afrika, Amerika und Europa sowie Politikerinnen und Politiker, Staatsmänner und Geschäftsleute berichten aus ihrer Sicht über dieses Kapitel der chinesischen Geschichte. Es ist der Weg eines Landes zwischen kapitalistischer Marktwirtschaft und chinesischem Sozialismus - bei anhaltenden, flächendeckenden Menschenrechtsverletzungen.
23:00
China verfolgt auf dem Balkan eine besondere Geostrategie. Anhand von Investitionen und Infrastrukturprojekten in Serbien und Montenegro analysiert die Dokumentation, wie China diese Länder an sich bindet. Eine Abhängigkeit zu einem hohen Preis - für sein Engagement erwartet China im Gegenzug politische Solidarität. Wenn es etwa bei den UN um Menschenrechtsfragen geht, steht Serbien stets auf Chinas Seite. "Stille Invasion" zeigt, wie geheime Verträge chinesischer Staatsunternehmen mit den Westbalkan-Ländern die lokale Zivilgesellschaft von der Teilhabe ausschließen. Doch die Bürger werden aktiv: Beim Bau der größten Reifenfabrik Europas durch den chinesischen Linglong-Konzern sind es journalistische Recherchen, die die Ausbeutung von Arbeitern aufdecken. Bei der Übernahme der Kupfermine in Bor durch den chinesischen Zijin-Konzern machen Journalisten und Experten die entstandene Luftverschmutzung öffentlich. Kritiker der zuständigen staatlichen Behörde werden daraufhin von der Regierung zum Schweigen gebracht. Als in Belgrad - trotz einer der niedrigsten Kriminalitätsraten Europas - flächendeckend Überwachungskameras von Huawei installiert werden, machen Belgrader Aktivisten auf den stillen Pakt zwischen ihrer Regierung und China aufmerksam. Die Dokumentation untersucht, wie rücksichtslos durchgeführte Großprojekte die Umwelt gnadenlos zerstören und wie Chinas "Stille Invasion" den autoritären Charakter der Westbalkanstaaten festigt, indem sie bewusst die Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit verletzt.
23:55
Noch nie waren junge Menschen so vernetzt und trotzdem fühlen sie sich so allein. Studien zeigen: Besonders die Generation Z leidet unter Einsamkeit. Politische Krisen, wirtschaftliche Unsicherheit und digitale Lebenswelten verändern Beziehungen und Gemeinschaft. Ist Einsamkeit ein individuelles Problem - oder ein Symptom unserer Gesellschaft? In Peking begleitet Tracks East die junge Sozialpädagogin Qingye, die sich einer ungewöhnlichen Herausforderung stellt: 100 Begegnungen mit sogenannten Dazi - Freizeitpartnern für einzelne Aktivitäten. Auf Deutsch heißt Dazi in Partner oder Begleiter. Wer im hektischen Alltag in China keine Zeit findet, Freundschaften zu pflegen, kann so auf ganz pragmatische Weise Kontakte knüpfen. Ohne Verpflichtungen, ohne Druck. In Ost- und Südosteuropa sind mehr junge Menschen von Einsamkeit betroffen als im Westen. Warum macht sich dieses Gefühl breit? Darüber sprechen der Musikproduzent Robert und die Künstlerin Beatrice. Unter dem Namen Trinkova entwirft sie Kleidung und Accessoires mit bitter-ironischen Botschaften wie "Alles ist wunderbar und niemand ist glücklich". Die Warschauer Partyreihe Niedzielni (Sonntag) möchte ein Gegenmittel gegen die Vereinsamung sein. Die Idee ist simpel: Tanzen am Sonntagmorgen, Sonnenlicht statt Clubmuff, Kaffee statt Exzess. Kein Dresscode, kein Eintritt. Die Macher Damian und Miki wollen einen barrierearmen Raum schaffen, in dem sich leicht neue Kontakte knüpfen lassen.