20:15
In einer antiken Grotte am Colle Oppio, einem der sieben Hügel Roms, bildete sich in den Neunzigerjahren der Clan der "Möwen" ("Gabbiani" auf Italienisch). Die Gruppe der um die Zwanzigjährigen, der auch Giorgia Meloni angehörte, stand der neofaschistischen Nachfolgepartei von Mussolinis "Movimento Sociale Italiano" (MSI) nahe und sprach dort über Politik, Gott und die Welt. Ihr Narrativ nährte sich aus der Welt J.R.R. Tolkiens, aus Filmen wie "Der Club der toten Dichter" oder "Die unendliche Geschichte". Der Fall der Berliner Mauer 1989 und die Korruptionsermittlungen "Mani pulite" in Italien 1992 markierten einen politischen Wendepunkt. "Die Möwen" trauten sich an die Öffentlichkeit - mit Erfolg. 1992 trat Giorgia Meloni in die Jugendorganisation der neofaschistischen MSI ein, 30 Jahre später wurde ihre Partei "Fratelli d'Italia" zur stärksten Fraktion des Landes. Meloni ist die erste Ministerpräsidentin Italiens und die erste rechtsextreme Regierungschefin seit Benito Mussolini. Die Regeln der Demokratie haben es den Postfaschisten ermöglicht, an die Macht zurückzukehren, aktiv Geschichte zu schreiben und ihren Diskurs neu auszurichten. Die Dokumentation beleuchtet den Aufstieg von Giorgia Meloni und ihrem Clan. Aus den Reihen der italienischen Regierung geben die ehemaligen "Möwen" einen präzisen Einblick in ihre Version der Geschichte - nun mit weltweiter Resonanz.
21:00
Die im September 2022 mit etwa 26 Prozent Stimmenanteil bei den Parlamentswahlen zur Regierungschefin gewählte Giorgia Meloni lehnt die Bezeichnung "antifaschistisch" für sich ab. Innenpolitisch strebt die Ministerpräsidentin die konservative Gesellschaft an, die sie den Italienern im Wahlkampf versprochen hat. So geht sie zunehmend gegen NGOs, Asylbewerber und queere Paare vor und schickt sich an, die italienischen Institutionen von Grund auf zu reformieren. Meloni ist fest entschlossen, die Macht der Exekutive und des Ministerpräsidenten zu stärken. In der Außenpolitik gibt sich "die Meloni" trotz anders lautender Wahlversprechen beruhigend. Sie demonstriert Normalisierung innerhalb der Europäischen Union, stellt niemals die Zughörigkeit Italiens zur Nato infrage und signalisiert unverbrüchliche Unterstützung für die Ukraine. Mit US-Präsident Donald Trump verbindet sie eine langjährige Freundschaft, und mit seiner Wiederwahl bekam auch Giorgia Meloni Aufwind: Trump erklärte sie unmissverständlich zu seiner Lieblingsansprechpartnerin in Europa. Zu Trumps zweitem feierlichen Amtsantritt im Weißen Haus wurde Meloni als einziges europäisches Staatsoberhaupt nach Washington eingeladen. Fast drei Jahre nach ihrem Einzug in den Palazzo Chigi wirft die Chefin der italienischen Postfaschisten weiterhin Rätsel auf: Geht es ihr um die Banalisierung und Institutionalisierung eines Rechtspopulismus, der anderen europäischen Ländern als Blaupause dienen könnte, oder initiiert sie - nach dem Vorbild ihres ungarischen Amtskollegen Viktor Orbán - ein Abgleiten Italiens in ein illiberales Regime?
21:50
Mitten in einem der reichsten Länder der Welt, in Großbritannien arbeiten Menschen in sogenannten Zero-Hour-Contracts, "Nullstunden-Verträgen", der letzten Stufe formeller Arbeit: Sie müssen für den Arbeitgeber auf Abruf bereitstehen, ohne zu wissen, wie viel sie arbeiten können. Auf den Philippinen finden sich die digitalen "Sweatshops" der milliardenschweren Tech- und KI-Unternehmen aus den USA: Klick für Klick verwandelt eine anonyme Armee informeller Online-Arbeiter riesige Rohdaten in KI-Material. Ohne Arbeitsvertrag, ohne Mindestlohn und ohne jegliche Form der Absicherung. In Europa befördern zunehmend LKW-Fahrer aus dem außereuropäischen Ausland Waren quer durch den Kontinent. Sie sind nicht abgesichert und müssen bisweilen sogar noch um den kargen Lohn kämpfen. Einen Ausweg aus solch ausbeuterischen Arbeitsbedingungen und gleichzeitig Sinn gefunden hat eine Gruppe Menschen in Marseille - sie haben eine geschlossene McDonald's-Filiale besetzt und selbst ein Fast-Food-Restaurant gegründet. Nun träumen sie von einem "sozialen" Franchise, das faire Arbeit für die Menschen aus ihrem Viertel schafft.
23:20
Arbeit kann erfüllend sein - im Idealfall. Doch ziemlich viele Menschen mit Bürojobs sind in ihrer täglichen Arbeit todunglücklich. Klar, man könnte einwenden, die Unzufriedenheit dieser Angestellten sei hauptsächlich ein Problem der Ersten Welt. Sie haben einen sicheren, körperlich nicht anstrengenden Beruf, der oft auch noch relativ gut bezahlt wird - und auf der Welt gibt es viele Menschen, die in weit größerem Elend leben. Aber gehört die beispiellose Verschwendung menschlicher Ressourcen nicht trotzdem zu den großen Dramen unserer Zeit? "Arbeit ohne Sinn" erforscht die Gründe dafür, warum hochbezahlte Managerinnen und Manager so gerne Phrasen dreschen, abstrusen Managementmethoden folgen und zum Wohl der Aktionärinnen und Aktionäre das Betriebsklima vergiften. Laut einer Untersuchung von Gallup bemühen sich nur 13 Prozent der arbeitenden Bevölkerung, ihren Job gut zu machen. 64 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dagegen ist ihr Job gleichgültig, sie wollen nur mit einem Minimum an Aufwand einigermaßen gut durch den Tag kommen. Ganze 25 Prozent der Angestellten arbeiten gegen die Firma, bei der sie angestellt sind, weil sie ihre Tätigkeit hassen. Die Zahlen variieren von Land zu Land, aber der Trend lässt sich überall auf der Welt beobachten. Dass sie in ihrer Arbeit keinen Sinn finden können, macht viele Menschen sogar krank. In der Dokumentation berichten Patientinnen und Patienten mit Burnout von ihren Erfahrungen. Eingeordnet und kommentiert werden deren Aussagen vom verstorbenen Anthropologen und Aktivisten David Graeber und der in Berkeley ansässigen Pionierin der Burnout-Forschung, der Psychologin Christina Maslach.
00:40
Studien zeigen: Junge Menschen leiden häufiger unter Angst, Einsamkeit und Perspektivlosigkeit als frühere Jahrgänge. Gleichzeitig wächst eine Generation heran, die sich nicht länger mit geerbten Krisen und politischen Stillständen abfinden will. "Tracks East" blickt auf die Gen Z in Osteuropa, dem Baltikum und Zentralasien. In Bulgarien war es vor allem die junge Generation, die im Dezember 2025 die Regierung zu Fall brachte. Über Social Media mobilisierten Aktivistinnen und Aktivisten zehntausende Menschen gegen Korruption und Intransparenz. Mitten drin: digitale Strategen, Musikerinnen, Musiker und Kulturschaffende, die Protest in Pop übersetzen. Litauen wiederum überrascht: Trotz geopolitischer Bedrohung und wachsender Militarisierung gilt die Jugend hier als eine der glücklichsten weltweit. Wie passt das zusammen? In Usbekistan richtet sich der Widerstand gegen Smog und Umweltpolitik. Die junge Musikerin Laylo prangert in ihren Songs Luftverschmutzung und staatliche Ignoranz an und beweist Mut in einem autoritär regierten Land.
01:15
Auf Dienstreise in Dublin übernachtet der Arzt Pierre Escande bei einer älteren Freundin seines Kollegen und engen Freundes Georges. Auf den ersten Blick erkennt Pierre in der 70-jährigen Shauna die rätselhafte Frau wieder, die er vor Jahren nach dem Tod von Georges' Mutter im Krankenhaus getröstet hatte und die danach spurlos verschwand. Die freiheitsliebende Seniorin führt ein aktives Leben, pendelt zwischen ihrem irischen Ferienhaus und ihrer Wohnung in Paris. Für den 45-jährigen Pierre ist die Begegnung wie ein Hauch frische Luft, und bei nächster Gelegenheit, ein medizinisches Kolloquium in der französischen Hauptstadt, treffen sich die beiden erneut. Trotz der 25 Jahre Altersunterschied funkt es zwischen Pierre und Shauna - Gemeinsamkeiten gibt es im Überfluss und die junge Liebe verfestigt sich schnell. Das Familienleben steht ihnen jedoch im Weg. Shaunas Tochter ist längst aus dem Haus, aber Pierre hat Frau und Kinder in Lyon. Der geistigen, ideellen Nähe steht überdies der biologische Altersunterschied entgegen; Shaunas Alter macht sich durch aufkommende Krankheiten bemerkbar. Die geheime Affäre zeigt ihre Achillesferse: Besteht wirklich eine reelle Chance, auf zwei asynchronen Leben eine Liebe aufzubauen?
03:00
In den französischen Alpen sieht man aus dem Skilift geometrische Strukturen. Früh am Morgen ist Simon Beck im Skigebiet Les Arcs aufgebrochen, um ein neues Kunstwerk in den Schnee zu treten - mit Schneeschuhen. Stundenlang macht er tausende Schritte mit Kompass und Maßband, um Mandalas zu hinterlassen, die man nur von oben sieht. Seine größte Sorge ist, dass Pistenraupen oder unachtsame Skifahrer sein Werk kaputtfahren. Kann man eine Wolke ausstellen? Der niederländische Künstler Berndnaut Smilde kreiert künstliche Wolken in Räumen und hält diese magischen Momente in Fotos fest. "Twist" begleitet den Wolkenmacher nach Portugal, wo er im prächtigen Palacio De Estói ein ephemeres Kunstwerk erschafft. Seine Werke feiern die Schönheit der Natur: Der britische Landartist Jon Foreman legt Steine, Muscheln oder Blätter zu kunstvollen Mustern. "Sculpt the world" heißt sein erfolgreicher Insta-Account, dem Hunderttausende folgen. Jedes Jahr findet im niederländischen Biddinghuizen ein Eisfestival statt. 45 internationale Künstler arbeiten wochenlang an Skulpturen. Anique Kuizenga ist Eisarchitektin und kümmert sich um das Gesamtkonzept. In diesem Jahr heißt es "Let´s go to the movies". Mit Kettensägen, Meißeln und Feilen sind die Eis-Schnitzer bei der Arbeit. Die Schweriner Künstlerin Stephanie Lüning bereitet im österreichischen Flachau eine besondere Aktion vor: Sie lässt farbigen Schnee auf die Pisten regnen und bestückt dafür Schneekanonen mit gefärbtem Wasser.
03:35
03:40
Donald Trump hat seine eigene Uhrenmarke gestartet und macht im US-Fernsehen Werbung dafür. Der zum Staatslenker avancierte Immobilienmagnat hat nie auf lukrative Geschäfte verzichtet: Sein Image als erfolgreicher Unternehmer übertrug er auf die Politik.
03:50
Das Kulturmagazin des Senders ARTE wird täglich aus Paris gesendet. Aktuelle Themen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft stehen im Zentrum der Sendung und werden versiert unter die Lupe genommen.
04:35
Drei Minuten über einen Star aus der Welt des Films, der Musik, Literatur oder Mode, einen Künstler, Sportler, Politiker oder Superhelden. In dieser Folge: Tony Parker.