13:35
Spezial Japan: Tanizakis Laster und Geheimnisse / Siegeszug des Sake / Mikas Pancakes mit süßen Bohnen/ Die "Desperate Housewives" von Tokio
14:20
Juni 1945: Schwer verletzt und mit entstelltem Gesicht wird die Auschwitz-Überlebende Nelly von Lene, einer Freundin aus Vorkriegstagen und Mitarbeiterin der Jewish Agency, in ihre alte Heimat Berlin gebracht. Kaum genesen von einer Gesichtsoperation macht sich Nelly - den Warnungen Lenes zum Trotz, dass er es war, der sie gegen Kriegsende verraten habe - auf die Suche nach ihrem Mann Johnny. Als Nelly ihn endlich aufspürt, erkennt er in ihr nicht mehr als eine beunruhigende Ähnlichkeit. Johnny schlägt Nelly vor, in die Rolle seiner totgeglaubten Frau zu schlüpfen, um sich das Erbe ihrer im Holocaust ermordeten Familie zu sichern. Nelly lässt sich darauf ein und wird ihre eigene Doppelgängerin. Sie möchte wissen, ob Johnny sie je geliebt hat oder vielleicht sogar ihr Verräter war. Die junge Frau hält krampfhaft an ihrer verlorenen Identität und dem Glauben fest, dass sie durch Johnny ihr altes Leben wiedererlangen kann. Je ähnlicher sie der vermeintlich Toten wird, umso verzweifelter und irritierender wird Nellys Verhältnis zu Johnny. Wird er die Wahrheit gestehen?
15:55
Der Dokumentarfilm begibt sich auf eine Reise durch über 200 Jahre Eisenbahngeschichte und zeigt, wie grundlegend dieses Transportsystem die Welt verändert hat. 1830 wird die erste reguläre Eisenbahnstrecke in England eingeweiht. Von hier aus beginnt ihr einzigartiger Siegeszug, der Gesellschaften, Landschaften und Städte von Grund auf verändern und ganze Länder vom Agrarstaat ins Industriezeitalter katapultieren wird. Indem sie den Transport von Waren und Personen revolutioniert, wird die Eisenbahn zum Katalysator der Industrialisierung und spielt eine Rolle bei der Verbreitung des Kapitalismus. Zugleich demokratisiert sie das Reisen. Menschen aller Gesellschaftsschichten haben nun erstmals die Möglichkeit, neue Orte zu entdecken und kulturelle Grenzen zu überwinden. Dabei gibt es aber auch dunkle Kapitel in der Geschichte der Eisenbahn. Als Werkzeug der Kolonialmächte zeigt sie sich als eine zerstörerische Technologie zur Ausbeutung fremder Länder. Sie trägt zur Industrialisierung des Krieges bei, indem mit ihr Truppen und Material effizienter denn je transportiert werden. Verschwiegen werden darf auch nicht, dass die Eisenbahn den Massenmord an den Juden in den Konzentrationslagern der Nazis erst ermöglicht hat. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert erlebt sie eine ungeahnte Renaissance durch Hochgeschwindigkeitszüge, die als Symbol für Effizienz und Nachhaltigkeit stehen. Sie wird wohl auch weiterhin unsere Welt prägen. Aber welche Herausforderungen bringt die Zukunft dieser einzigartigen Technologie?
17:25
In den 1950er Jahren entdeckte der amerikanische Schriftsteller John Steinbeck die malerische Stadt Positano. Die Amalfiküste wird zum Geheimtipp. Im Sommer 1962 verbringt die First Lady der USA, Jackie Kennedy, dort ihren Sommerurlaub und verliebt sich in den charmanten Fiat-Erben Gianni Agnelli. Die Affäre lässt sich nicht geheim halten. Gerüchte dringen bis nach Washington. Die atemberaubende Landschaft und die Gärten der Adelspaläste werden Filmkulissen. Ingrid Bergman verliebt sich in Roberto Rossellini, für den sie Hollywood hinter sich lässt. Hollywoodlegende Humphrey Bogart hält sich während Dreharbeiten monatelang in Ravello auf und reitet zur Begeisterung der Bevölkerung stets auf einem Esel zur berühmten Villa Cimbrone mit ihrer einmaligen Terrasse. Hier begann auch die Weltkarriere der 19-jährigen Romy Schneider: In "Sissi - Schicksalsjahre einer Kaiserin" kuriert sie ihre Tuberkulose im milden Seeklima aus. Die Insel Capri war um die vorletzte Jahrhundertwende durch den aus Paris geflohenen Baron Fersen, der in seiner Villa offen seine Homosexualität lebte, berühmt geworden. Auch Friedrich Alfred Krupp, einer der größten Stahl- und Waffenexporteure der Welt, liebt die abgeschiedene Insel, bis Gerüchte über seinen Lebenswandel bis nach Berlin dringen. Die berühmte Blaue Grotte wird Touristenmagnet und die Piazzetta di Capri wird zum Laufsteg mondäner Gäste. Vor Ort verhilft Hollywoodstar und Mode-Ikone Audrey Hepburn einer eigenen Kreation zu ihrem internationalen Durchbruch: Die Caprihose wird zum Must-have moderner junger Frauen weltweit.
18:10
Elon Musks Unternehmen SpaceX kontrolliert mit seinem Satellitennetzwerk Starlink über die Hälfte aller aktiven Satelliten im Erdorbit - und spielt damit eine zentrale Rolle im Ukrainekrieg. Für die ukrainischen Streitkräfte sind die Starlink-Satelliten unverzichtbar, um russische Truppen präzise zu orten. Und: Europa ist militärisch wie wirtschaftlich von den USA abhängig.
18:25
(1) Russland: Ein anonymer russischer Journalist recherchiert die Schicksale Zehntausender vermisster russischer Soldaten in Putins Krieg gegen die Ukraine. (2) Kenia: Innerhalb weniger Jahre wurden drei Weltklasseathletinnen ermordet. Von den hohen Preisgeldern der Läuferinnen angezogen, suchen viele Männer die Nähe der Frauen, um sie auszunehmen.
19:20
"ARTE Journal", das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur
19:40
Europa spricht oft von gemeinsamen Werten und dass alle Länder gleichberechtigt der europäischen Identität angehören. Und doch haben viele Menschen in Ost- und Mitteleuropa das Gefühl, dass diese Gleichheit nicht immer so selbstverständlich ist. Manche Länder wirken wie Vorbilder, während andere als diejenigen gelten, die noch "aufholen" sollen. Bestimmte Kulturen prägen das Bild des Kontinents, andere hingegen bleiben eher im Hintergrund. So entsteht der Eindruck einer unsichtbaren Ordnung innerhalb Europas - eine Hierarchie, die offiziell nicht existieren soll, aber im Alltag dennoch spürbar ist. Künstlerinnen wie Pusik drehen den Spieß um und machen aus osteuropäischem Kitsch und Klischees einen Trend. Die Ästhetik der Nullerjahre, die oft den slawischen Alltag und die westeuropäische Konsumkultur vereinte, treibt sie auf die Spitze. Mit Svetlana Del Rey schafft sie ein Alter Ego - die billige osteuropäische Kopie der amerikanischen Diva Lana Del Rey. In ihren Werken verwandelt sie die Träume, Unsicherheiten und Symbole, die mit der Integration Osteuropas in den Westen einhergingen, in eine neue Form digitaler Nostalgie und des Selbstausdrucks. Auch Gleb und Ivan aus Belarus bedienen sich an belarussischen Geschichten mit Cringe-Faktor und wandeln sie in ein Talkformat um. Aus dem Warschauer Exil heraus zerpflücken sie alles, was die regimetreue Medienwelt in Belarus zu bieten hat. Diese Ausgabe von "Tracks East" zeigt, dass osteuropäische Kunst und Kultur es nicht nötig hat, den Westen nachzuahmen.
20:15
Im 1. Jahrhundert nach Christus ist der Golf von Neapel ein Rückzugsort der Elite Roms. Sie will in der Nähe ihrer Kaiser sein, die dort selbst Landvillen besitzen, manche sogar mehrere. Wer besonders viel auf sich hält, hat eine Villa direkt am Meer. So kann man sich den mühsamen Landweg über staubige Straßen sparen. Unter den vielen prächtigen Villen sticht jedoch eine hervor - durch ihre schiere Größe und durch den unglaublichen Luxus ihrer Ausstattung: die Villa Oplontis. Archäologen vermuten, sie könnte Poppaea Sabina, der zweiten Gemahlin Kaiser Neros, gehört haben - einer Kaiserin, die heute ebenso berühmt wie berüchtigt ist. Antike Autoren ließen kein gutes Haar an dieser außergewöhnlichen Schönheit. Sicher ist: Diese Villa hat ein kaiserliches Gepräge, auch wenn Nero und Sabina sich dort vermutlich nur besuchsweise aufgehalten haben. Heute legen Archäologinnen und Archäologen die Villa, deren Pool mit 60 Metern Länge zu den größten gehört, die je im römischen Machtbereich gefunden wurden, Schicht für Schicht frei. Wertvolle Skulpturen, feinste Fresken, marmorne Fußböden fördern sie unter sechs Metern Vulkangestein zutage. Der Villenkomplex illustriert auch, was ein solches Haus erst möglich gemacht hat. Scharen von Sklaven und Sklavinnen, auch Sklavenkinder, bauten, gärtnerten, kochten, reinigten, bedienten - stets in der Furcht, selbst für ein kleines Missgeschick schwer bestraft zu werden.
21:45
Versunken im Golf von Neapel befindet sich die vermutlich erste Wellness-Oase der Weltgeschichte: Baiae. Der exklusive Badeort war einst das Saint-Tropez und zugleich das Las Vegas des alten Rom: Julius Caesar und die römischen Kaiser Claudius und Nero erholten sich dort in pompösen Villen, Hadrian zog sich in den letzten Tagen seines Lebens in das milde Klima an die Küste Kampaniens zurück. Doch die heilenden Thermalquellen waren es nicht, was die Superreichen damals anzog. Das luxuriöse Baiae war Kulisse und Zentrum eines wilden und ausschweifenden Lebens und Tatort eines berühmten Muttermordes: Dort ließ Kaiser Nero seine Mutter Agrippina töten, um sich von ihrem Einfluss zu befreien. Aber das Dolce Vita in der Bucht von Pozzuoli sollte nicht ewig währen. Die Bucht grenzt an eine Zone hoher vulkanischer Aktivität, die Campi Flegrei - die "Brennenden Felder". Ein als Bradyseismus bekanntes Phänomen führte in der Spätantike zu einer Veränderung des Meeresspiegels und ließ das sündige Baiae im Wasser versinken. Die Villenstadt geriet in Vergessenheit. Erst in den 1960er Jahren begannen Unterwasserarchäologen, die versunkenen Villen, Bäder und Plätze intensiv zu erforschen. Teile der Stadt hatte ein sinkender Meeresspiegel zuvor wieder freigegeben. Das etwa 80.000 Quadratmeter große Areal wurde mittlerweile in einen archäologischen Unterwasserpark umgewidmet - ein im Mittelmeer einzigartiges Projekt. Unterwasseraufnahmen erzählen die Geschichte einer Stadt des Luxus und der Laster einer kleinen Elite.
22:35
Kann erotische Kunst heutzutage noch gedeihen? Wie hat sie sich im Laufe der Jahrhunderte verändert? Was können bildende Kunst, Film und Literatur über wechselnde Moralvorstellungen erzählen? Und wo liegt die Schwelle zum Tabu? Die alten Römer trieben es noch recht wild: Bei den Grabungsarbeiten von Pompeji wurden Wandmalereien entdeckt, die eindeutiger nicht sein könnten, viele Alltagsgegenstände waren mit Phalli ausgestattet. Dann eroberte das Christentum mit seiner Vorstellung von Sünde Europa - und schlug vielen Statuen die Nasen ab. Zugrunde lag die Vorstellung, so könnten im Inneren eingeschlossene Dämonen entfleuchen. Dabei haben wir in der Moderne sogar unsere Vergangenheit umgedeutet: Die Antike stellen wir uns gern erhaben vor - dabei war sie viel wilder, als wir vielleicht denken. Im Laufe der Kunstgeschichte waren es fast immer Männer, die nackte Frauen malten. Auch heutzutage dominiert der männliche Blick, obwohl es an den Kunstschulen weit mehr weibliche Absolventinnen gibt. Literatur und Film waren ebenfalls lange Zeit von männlichen Fantasien getrieben. Die vergangenen Jahrzehnte sind es aber eher Frauen, die für Aufregung sorgen. Patrick Catuz führt durch die verwegene Seite der Kunstgeschichte und sucht Wege zu einer ganz neuen Ars Erotica.
23:35
Charlotte Link zählt seit Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Autorinnen Deutschlands. Ihre Bücher erreichen Millionenauflagen, werden in 26 Sprachen übersetzt und fürs Fernsehen verfilmt. Wer ist die Frau hinter diesen Bestsellern und wie fesselt sie ihr Publikum? Die Dokumentation begleitet Charlotte Link nach Frankreich, wo sie ihre Ferien verbringt und Inspirationen für ihre Krimis findet, und in ihr Haus in Bayern. Sie verfolgt den Weg der Autorin, die mit 16 Jahren zu schreiben begann, und bald zahlreiche historische Romane veröffentlichte. Als junge Frau musste sie mit Vorurteilen kämpfen - und erarbeitete sich mit viel Fleiß und Disziplin ihre große Karriere. Die Auseinandersetzung mit Schmerz und Leid ist zentral für Links Schreiben: Ihr persönlichstes Buch widmete sie ihrer Schwester, die mit 46 Jahren an Krebs starb. Gemeinsam engagierten sich die beiden seit ihrer Jugend im Tierschutz. Bei ihrem Besuch einer Auffangstation für Hunde, Katzen und Pferde in Polen wird deutlich: Empathie und Intuition sind die wichtigsten Eigenschaften für die Schriftstellerin. In ihren Krimis schaut Link hinter die Fassaden, in die Seelen von Opfern, Tätern oder Mitwissern, und gerade dieses tiefe Verständnis fasziniert ihre Leserinnen und Leser. Die ARTE-Reihe "Queens of Crime" porträtiert beliebte europäische Krimi-Schriftstellerinnen und fragt nach der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt und vermeintlich "typischen" Geschlechterrollen von Tätern, Ermittlern und Opfern.