15:30
Strömma Cement ist ein Familienunternehmen, das von Eva mit eiserner Hand geführt wird. Als sie erkrankt, soll ihre Tochter Jonna einen wichtigen Verkauf abwickeln. Das führt zu einem Konflikt mit ihrem Bruder Sebastian. Er ist als Geschäftsführer eingesetzt, doch Eva vertraut ihm nicht, da er spielsüchtig ist und sich bereits hohe Schulden angehäuft haben. So kontaktiert Sebastian hinter dem Rücken seiner Familie den Immobilienunternehmer Wilhelm Bauer. Die beiden sind befreundet und Sebastian möchte durch ihn schnell ein großes Geschäft abwickeln. Staatsanwältin Nora Linde ermittelt zeitgleich gegen Wilhelm Bauer wegen Bilanzfälschung und Geldwäsche. Bauers Firma kauft billige Industriegrundstücke an der Küste auf und wandelt sie in Luxuswohnanlagen um. Doch dann wird der Unternehmer plötzlich tot in seiner Villa aufgefunden ...
17:05
Im Delta des Río Guajuí, im Südwesten Kolumbiens, fahren afrokolumbianische Muschelsammlerinnen bei Ebbe hinaus in die Mangroven. Dort suchen sie nach Piangua-Muscheln - eine nicht ganz ungefährliche Tätigkeit, denn ihren Lebensraum teilen die begehrten Pianguas mit giftigen Schlangen, Skorpionen, Kaimanen, Spinnen und stachelbewehrten Krötenfischen. Für Frauen wie Esneda Montaño bedeutet diese Arbeit Freiheit, Selbstbestimmung und die Hoffnung auf ein anderes Leben. Deshalb sammeln sie nicht nur Muscheln, sondern pflanzen auch junge Mangroven nach - Baum für Baum, gegen die Zerstörung ihrer Welt. In Guapi erklingt die Marimba, eine Art Xylophon. Ihr warmer, vibrierender Klang ist tief verwurzelt in der Geschichte der afrokolumbianischen Gemeinden. Die legendäre Familie Torres bewahrt die Musik der Vorfahren - und mit ihr Geschichten über Waldgeister, geheimes Wissen und die Klänge des Regenwaldes. Weiter oben, im kühlen Hochland der Anden, lebt das Volk der Misak. Für Menschen wie Yuli Yalanda ist die Erde kein Besitz, sondern ein lebendiges Wesen. Heilpflanzen, Tauschhandel und die Sprache der Ahnen prägen ihren Alltag. An der unwegsamen Pazifikküste wacht Hebamme Tomasa Rodríguez über werdende Mütter und Neugeborene. Hunderte Kinder hat Tomasa bereits auf die Welt gebracht, denn ein Krankenhaus gibt es nicht in den Dörfern im Dschungel. Hebammen sind hier Heilerinnen, Seherinnen, Psychologinnen - alles gleichzeitig. Wenn ein Baby geboren wird, sagt Tomasa, bekommt es seinen ersten Kuss von der Hebamme - und manchmal sogar seinen Namen.
17:50
"Kolumbien - Magisches Cauca" erzählt von Menschen, die zwischen der Pazifikküste und den Höhen der Anden leben. Kaum ein Land Lateinamerikas bietet eine derartige landschaftliche und kulturelle Vielfalt wie Kolumbien. In der weißen Kolonialstadt Popayán verwandeln Laura Urreste und Eduardo Semanate öffentliche Plätze in Tanzflächen. Mit ihrer Bewegung "Pachakuti" wollen sie Menschen zusammenbringen: Junge und Alte, Militärs und ehemalige Guerilla-Kämpfer, Indigene und Städter. Vor der Pazifikküste liegt Gorgona, eine ehemalige Gefängnisinsel und einer der artenreichsten Orte Kolumbiens. Biologinnen wie Laura Benítez und Gina Jiménez kämpfen dafür, dieses empfindliche Ökosystem zu schützen. Umso mehr, weil jedes Jahr Buckelwale an die Küste von Gorgona kommen, um ihre Jungen zur Welt zu bringen. Für die Biologinnen sind die Wale lebendige Erinnerung. Im Nationalpark Puracé, hoch oben in den Anden, wacht Doris Quira über die letzten Kondore des Vulkans. Für das Volk der Coconuco sind die mächtigen Vögel Boten zwischen den Welten. Gemeinsam mit dem Heiler Julio Caldón versucht sie, die Verbindung zwischen Menschen, Tieren und den Wesen an den Hängen des Vulkans zu bewahren. In Tierradentro begibt sich Marcos Rivera gemeinsam mit seinen Töchtern auf die Suche nach den verlorenen Wurzeln seiner Familie. Die Kultur der Nasa wurde über Jahrhunderte unterdrückt, viele Namen und Traditionen gingen verloren. Mit Hilfe des spirituellen Führers Larry Jeromito steigen sie hinab in mehr als tausend Jahre alte Grabkammern und suchen nach Antworten auf ihre Fragen.
18:30
Wie ein steinernes Rückgrat ziehen sich die Anden durch den Westen Argentiniens. Sie sind das Reich des Pumas. Die anmutige Raubkatze durchstreift die atemberaubende Bergwelt auf der Suche nach Beute. Sie steht an der Spitze der Nahrungskette, doch Beute ist nicht leicht zu finden. In Höhen von über 4.000 Meter ist nicht nur Nahrung, sondern auch Sauerstoff knapp. Um hier zu überleben, haben einige Tiere besondere Strategien entwickelt: Flamingos verfügen über ein eingebautes Filtersystem, das ihnen erlaubt, sich von Kleinstlebewesen im hochgiftigen Wasser zu ernähren. Und auch Bergviscachas sind nicht wählerisch: Um mit der knappen Nahrung ihres kargen Lebensraumes auszukommen, fressen die Nager ihren eigenen Kot. Zu den Füßen des knapp 7.000 Meter hohen Aconcagua erstrecken sich die endlosen Weiten der argentinischen Pampa. Das Grasland ist die Heimat der Großen Maras, die ihre Jungen in unterirdischen Bauen zu Welt bringen. Am Rand der Steppe hat sich über Millionen von Jahren eine Wüste aus Stein geformt: der Nationalpark Talampaya. Patagonien am südlichen Ende Argentiniens ist bekannt für sein raues Wetter, seine schroffen Berge und seine mächtigen Gletscher. Regelmäßig brechen Eismassen, so groß wie Kathedralen, von der 70 Meter hohen Kante des Perito Moreno. Lange galt der Perito Moreno als einer der wenigen großen Gletscher, die nicht schrumpften, mittlerweile zieht auch er sich zurück. Das Leben in Argentiniens Bergen und Steppen erfordert Mut, Ausdauer und Kreativität. In dieser einzigartigen Wildnis ist jeder Tag ein Kampf ums Überleben.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Fast jedes Wochenende macht sich die 24-jährige Letizia Rubinato auf den Weg in das abgelegene Bergdorf Monteviasco. Sie arbeitet im Tal, doch ihre Mutter stammte aus Monteviasco, und Letizia liebt die Natur und das einfache Leben in den Bergen. Nur ein schmaler Pfad mit 1.442 Stufen führt hinauf ins Dorf. Seit die Seilbahn 2018 nach einem tragischen Unfall stillgelegt wurde, schleppen die Bewohner Lebensmittel, frische Wäsche oder Medikamente in Rucksäcken auf den Berg. Denn im Dorf gibt es weder einen Supermarkt noch einen Bäcker. Und ein neuer Seilbahnbetreiber ist auch nicht in Sicht. Einst lebten hier mehr als 300 Menschen. Doch die Zeiten sind vorbei, und mit dem Ende der Seilbahn verließen 15 Familien das Dorf. Letizia will sich aber mit dem langsamen Sterben des pittoresken Dorfes nicht abfinden. Sie träumt von einem Heimatmuseum und organisiert Veranstaltungen, um wieder Menschen nach Monteviasco zu locken und den Ort wiederzubeleben. Unterstützt wird Letizia von Laura Xota, die die einzige Herberge im Ort betreibt, aber zunehmend Probleme hat, weil Gäste wegen der Stilllegung der Seilbahn ausbleiben. Die beiden Frauen setzen große Hoffnung in das bevorstehende Heiligenfest, einer der Höhepunkte des Jahres. Die kleine Dorfgemeinschaft organisiert sogar Transporte per Helikopter, damit auch ältere Gäste und ehemalige Bewohner für die Feierlichkeiten anreisen können. Während der Vorbereitungen zum Fest trifft eine überraschende Nachricht ein: Die Seilbahn soll wieder in Betrieb genommen werden. Sieben Jahre Isolation sind endlich zu Ende.
20:15
Pyotr Werzilow, Mitglied des Performance-Kollektivs Pussy Riot, erregt 2018 weltweit Aufmerksamkeit, als er gemeinsam mit Nika Nikulshina und anderen beim Finale der Weltmeisterschaft als politischer Flitzer auf das Spielfeld rennt. Wochen später wird Werzilow unter mysteriösen Umständen vergiftet und überlebt nur knapp. Für seine damalige Freundin Nika Nikulshina hat der Vorfall ein traumatisches Nachspiel. Kevin Lik wird als 17-jähriger Teenager in Sotschi verhaftet. Der Vorwurf lautet Spionage. Kevin hatte aus seinem Kinderzimmer heraus Fotos gemacht, die einen Militärparkplatz zeigen. Alexey Shmatko ist ein erfolgreicher Unternehmer in der russischen Stadt Penza - bis er Opfer von "Corporate Raiding" wird. Zusammen mit korrupten Beamten versucht der Geheimdienst FSB, von Shmatkos Firmengewinn zu profitieren. Als der Unternehmer die Kooperation verweigert, wird er wegen angeblicher Steuervergehen festgenommen. Andrei Soldatow gehört zu den wichtigsten russischen Investigativjournalisten unserer Zeit, kennt die inneren Strukturen des russischen Geheimdienstapparats wie kaum kein anderer. Er und andere Experten wie der Menschenrechtsanwalt Iwan Pawlow liefern Hintergründe zu Historie und Handeln des FSB und dessen Bedeutung für Wladimir Putin - der 15 Jahre für den KGB arbeitete. Der Film erzählt, mit welchen Methoden der FSB heute arbeitet und wie weit er die Gesellschaft kontrolliert.
21:50
"Russland im Krieg" ist ein außergewöhnlich intimer Dokumentarfilm über Menschen, die in einem Land leben, das seit dem Überfall auf die Ukraine im Ausnahmezustand ist. Vier Jahre lang begleitete das Filmteam Journalistinnen, Aktivistinnen, Freiwillige und Angehörige politischer Gefangener - Menschen, die Zeuginnen und Zeugen einer Gesellschaft sind, die sich unter Druck spaltet. Die Moskauer Fotojournalistin Julia riskiert trotz Zensur ihr Leben, um weiter über den Krieg in der Ukraine zu berichten. Maria, deren Mann an der Front ist, organisiert stille Proteste und gerät so ins Visier der Behörden. Alena glaubt an den russischen Sieg und sammelt Spenden für Soldaten an der Front. Der Künstler Nikolai und seine Frau dokumentieren Folter, Haft und den Zusammenbruch jeder Hoffnung. Der Film zeigt die Spannungen zwischen Glauben und Zweifel, Angst und Widerstand - und die fatalen Folgen eines Kriegs, der in jeden Winkel des privaten Lebens dringt. Gedreht über vier Jahre, ist "Russland im Krieg" ein eindringliches Zeugnis über Mut, Selbsttäuschung und das Ringen um Menschlichkeit in einem Land, dessen System brüchig geworden ist.
23:15
Die belarussischen Wahlen 2020 waren bereits vor ihrem Beginn eine Farce: Systematisch ließ Diktator Alexander Lukaschenko Oppositionelle verhaften, um seine Macht zu sichern. Doch die Repressionen entfachten eine Protestbewegung, die niemand erwartet hatte. Im Zentrum standen Frauen - allen voran Swetlana Zichanouskaja, die sich trotz aller Widrigkeiten als Präsidentschaftskandidatin aufstellen ließ. Ihre ebenso mutigen wie besonnenen Aktionen legten den Grundstein für ein Aufbegehren in der gesamten Bevölkerung: Hunderttausende Belarussen demonstrierten friedlich für Freiheit, Demokratie und ein Ende der Diktatur. Die Bilder gingen um die Welt - doch für die belarussische Filmemacherin Volia Chajkouskaya, die im estnischen Exil lebt, waren diese Ereignisse mehr als bloße Schlagzeilen. Aus der Distanz beobachtete sie zunächst, wie sich das Land veränderte. Doch schnell wurde aus ihrem Dokumentarfilmprojekt eine persönliche Mission. Chajkouskaya begleitete drei Frauen, deren Schicksale symptomatisch für den Widerstand stehen: Nadeschda, Masha und Swetlana, deren Ehemänner in politischer Gefangenschaft saßen. Über fünf Jahre spannt der Film einen Bogen zwischen zwei Perspektiven: der kollektiven Erfahrung eines Volkes, das sich gegen Unterdrückung auflehnt, und der persönlichen Reise der Regisseurin, die von der neutralen Beobachterin zur engagierten Chronistin wird. Chajkouskaya filmt nicht mehr nur die Proteste - sie wird Teil von ihnen. Doch selbst wenn das Ende offenbleibt - die Stimmen, denen Chajkouskaya Gehör verschafft, sind nicht mehr zum Schweigen zu bringen.