Bei den Brüdern Finn und Steff Smith sowie Jack Cunliffe dreht sich alles ums Essen: Die Bergregion Snowdonia im Nordwesten von Wales ist für den Anbau von Lauch bekannt - und das inspiriert auch viele hier typische Gerichte. Vor allem im Winter gibt der Lauch den Walisern Kraft und Energie. Der 31-jährige Finn Smith ist gelernter Bäcker und versorgt die Familie mit Sauerteigbrot, aus dem er ein Welsh Rarebit mit viel Lauch herstellt. Der 29-jährige Steff überrascht die Familie mit einem Superfood-Brunch. Zu seinen Lauchfritters kommt Laverbread, eine Paste aus Seegras, die er mit pochiertem Ei garniert. Sein vierjähriger Sohn Bran hilft ihm beim Kochen. Auch Tante Tamsin Smith kocht mit Lauch. Da das Stangengemüse in der Region kaum noch kommerziell angebaut wird, experimentiert sie damit in ihrem Garten. Die heimischen Lauchsorten sind robust und winterfest. Der viele Regen in der Region bietet ideale Anbaubedingungen. So schaffte Lauch es sogar zum Nationalsymbol der Waliser. Tamsins herzhafte Lauchküchlein bäckt sie mit Caerphilly-Käse - eine Variation der für die Region typischen Welsh Cakes.
In den Schären von Kristiansand entlang der Nordseeküste im Süden des Landes gibt es unzählige idyllische Fischerdörfer, einsame Buchten und ertragreiche Angelplätze. Norwegen ist Europas größter Exporteur für Fisch und die Gegend rund um Kristiansand gilt als eine der fischreichsten Norwegens. Meeresbiologen fangen hier Kabeljau im flachen Wasser der Schären, um zu untersuchen, wie sich die Population der Fische durch Umwelteinflüsse verändert. Nicht weit von der Küste entfernt, in den von Seen durchzogenen Wäldern, lebt das Nationaltier Norwegens - der Elch. Rund 300.000 gibt es, doch die scheuen Einzelgänger sind schwer zu finden. Eine von ihnen ist Elchkuh Anna. Sie lebt in den Wäldern von Kristoffer Kallhoud - er hat über mehrere Monate hinweg das Vertrauen des vorsichtigen Tieres und seines Babys gewinnen können. Im seichten Gewässer vor der trubeligen Hafenstadt Bergen sind zwischen den kleinen Inseln Algenfischer unterwegs. 450 verschiedene Sorten gibt es in Norwegens Nordsee. Alle sind essbar, aber nicht alle schmecken - wie Algenfischer Runar Trellevik festgestellt hat. Die Leckeren liefert er an Gourmet-Restaurants. Zusätzlich produziert er Gewürze, Hautcremes und Schokolade aus den Meerespflanzen. Die Reise entlang Norwegens Nordseeküste endet in Ålesund. Mit ihren Jugendstil-Häusern gilt sie als eine der schönsten Städte Norwegens. Jedes Jahr baut die Jugend der Stadt in wochenlanger Schwerstarbeit einen riesigen Holzturm und in der Mittsommernacht, wenn die Sonne nicht untergeht, brennt er bei einem Volksfest über Stunden nieder.
Die Rooibos-Pflanze wächst nur in der Gegend um die Zederberge. Alle Versuche, sie in anderen Ländern der Welt anzubauen, sind gescheitert. Wann genau die Khoi San, die Ureinwohner des südlichen Afrikas, die Rooibos-Pflanze und deren Nutzung als Teegetränk entdeckt haben, ist nicht genau belegt. Jedoch ist der Herstellungsprozess seit Jahrhunderten gleich geblieben: Der frisch geerntete, noch grüne Rooibos muss geschnitten, zerdrückt und zum Fermentieren angehäuft werden. Erst dann wird er in der südafrikanischen Sonne getrocknet. Nur wenn all das richtig abläuft, erhält der Tee seine typische, ziegelrote Färbung. Maans Fortuin ist Farmer in einer Kooperative, seit frühester Kindheit begleitet ihn der Rooibos. Der Tee ist für ihn viel mehr als nur ein Produkt: "Das Schönste für mich ist, wenn ich eine volle Ernte sehe. Das ist für mich großartig. Ich bin stolz und glücklich. Es spült Geld in die Taschen der Bauern, es verändert das Leben der Ärmsten der Armen - es bringt Essen auf ihren Tisch ..." Überall in der Provinz Westkap wurden in den letzten Jahren Kooperativen von Kleinbauern gegründet, sie produzieren Tee mit Bio-Zertifikat - und "handmade". Der Tee freut sich weltweit großer Beliebtheit, nicht zuletzt wegen seiner guten Eigenschaften - er ist komplett koffeinfrei und seine entzündungshemmende Wirkung ist medizinisch belegt. Mit viel Lebensmut und Kreativität bewältigen die Rooibos-Bauern den Alltag. Doch die ohnehin harte Arbeit wird in diesem Jahr zusätzlich durch die anhaltende Trockenheit belastet - der Wassermangel macht allen schwer zu schaffen.
Dieses Nachrichtenformat richtet sich speziell an Kinder und Jugendliche und behandelt, nach dem Vorbild von Nachrichtensendungen für Erwachsene, unterschiedliche Themen aus Europa und der gesamten Welt.
(1): Baklava: Die süße Leidenschaft der Türken (2): Nostalgiegeschmack: Yusuf, ein Türke in Österreich (3): Ran an die Töpfe!
(1): In Gabun: Romain Gary und die Wurzeln des Himmels (2): Prachtvolle Stickerei im Bigoudenland (3): In Taiwan: Qius Klebreis mit Schweinefleisch und Pilzen (4): In Arizona: Eine Frisur schreibt Geschichte
(1): Galicien: Nacho Carretero bricht das Gesetz des Schweigens (2): Siebenbürgen: Ikonen hinter Glas (3): Schweiz: Patricks Butterzopf (4): Biarritz: Ho Chi Minh macht Urlaub
1975 entdeckte Jianying Wang in Fengyang, rund 900 Kilometer südlich von Peking, Spuren von Bauten, Formationen und Stadtmauern riesigen Ausmaßes. Bei zahlreichen Besuchen fertigte er Skizzen und Pläne der einst prächtigsten Kaiserstadt Chinas, Ming Zhongdu, an. Sie entstand unter der Herrschaft von Zhu Yuánzhang. Der Spross einer Bauernfamilie führte 1352 die chinesischen Rebellen gegen die Mongolen zum Sieg und wurde Kaiser. Mit der Gründung der Ming-Dynastie sorgte er für die Rückkehr einer chinesischen Familie auf den Kaiserthron. Als Demonstration der Macht und der Strahlkraft seines Reichs, ließ er eine prunkvolle Stadt von gigantischen Ausmaßen errichten. Über eine Million Menschen arbeiteten auf der Baustelle, für die der Kaiser alle Kräfte seines Reiches mobilisierte und Unsummen ausgab. Doch nach sechs Jahren pausenloser Arbeit ereilte die Stadt, die die erste Hauptstadt der Ming-Dynastie werden sollte, ein unrühmliches Schicksal: Sie wurde verlassen und unter die Obhut einer kleinen Gruppe von Eunuchen gestellt. Im Laufe der Zeit fiel sie dem Wetter und den Elementen zum Opfer, bis nur noch Ruinen von ihrem vergänglichen Glanz zeugten. Ohne die Aufmerksamkeit und Beharrlichkeit von Jinying Wang hätte sich daran auch heute, 600 Jahre nach ihrer Erbauung, nichts geändert. Erst nach 30-jähriger Vorarbeit erhielt er Fördermittel für seine archäologische Forschung. Seit fünf Jahren legen Ausgrabungen die Stadt frei. Auf mehreren Baustellen sind 70 Arbeiter, Archäologen und Techniker das ganze Jahr über im Einsatz, um die Geheimnisse von Ming Zhongdu zu lüften. Geomagnetische Prospektionen sowie geologische und chemische Analysen bringen neue Erkenntnisse ans Licht.
Wölfe und Bären, Biber und Fischotter, Hirsche, Amphibien, Kraniche und Lachse wollen wandern - oft Hunderte, ja Tausende Kilometer weit. Sie kennen keine Landesgrenzen. Ihre Wege führen von Winterquartieren zu Brut- und Laichplätzen, von Sommer- zu Winterweiden, von besetzten oder zerstörten Habitaten zu neuen Lebensräumen. Durch ihre Wanderungen erneuern die Tiere den Genpool ihrer Populationen und sichern so die Artenvielfalt Europas. Zwei Jahre lang hat das Kamerateam in neun Ländern gearbeitet. Der Naturreichtum Mitteleuropas ist nach wie vor beeindruckend. Das haben auch die Dreharbeiten gezeigt: Überall dort, wo Menschen neben ihren eigenen Interessen auch auf die Bedürfnisse der Wildtiere Rücksicht nehmen, indem sie zum Beispiel Grünbrücken und Fischtreppen bauen, wird das Angebot unglaublich schnell angenommen. Ein Lichtblick für die Tierwelt und für den Menschen gleichermaßen. Gleichzeitig entdecken Wildtiere auf eigene Faust Trittsteine und neue Korridore: verlassene Bergbaugebiete, Truppenübungsplätze - Lost Places, die sich die Wildnis erstaunlich schnell zurückerobert.
Was Europa bewegt
(1): Georgiens Antwort auf Pizza: Chatschapuri (2): Kulinarische Mitbringsel (3): Ran an die Töpfe!
(1): Pedro Juan Gutiérrez: Schmutziges Havanna (2): Mont-Saint-Michel: Konkurrenzkampf auf hoher See (3): Oman: Arafahs Kuchen mit Safran und Milch (4): New Mexico: Ein vergessener Archäologe
(1): Costa Rica: Margarita Bertheau, die tanzende Avantgardistin (2): Marseille: Wunderbare Unterwasserwelt (3): Irland: Catherines Apple Crumble mit Schuss (4): Sizilien: Franca sagt nein
Die attraktive und souveräne Caroline befindet sich an einem Wendepunkt in ihrem vormals geordneten Leben als Ehefrau, Mutter und Großmutter: Nach dem Krebstod ihrer besten Freundin hängt sie ihren langjährigen Beruf als Zahnärztin an den Nagel und sieht sich einer neuen Freiheit gegenüber, die sie zuletzt in ihren Kindheitstagen erlebte. Um angesichts der vielen Zeit, die ihr nun zur Verfügung steht, nicht zu vereinsamen, schenken ihre Töchter ihr einen Schnupperkurs in einem Senioren-Freizeitclub namens "Les beaux jours". Nach einem Dissens mit der Leiterin des Schauspielkurses, für den sie sich zunächst angemeldet hatte, findet sie schließlich Gefallen an einem Computerkurs und besonders an dessen charmantem Dozenten Julien. Nachdem er ihr bei einem Internetproblem geholfen hat, bittet Julien Caroline, seine schmerzenden Backenzähne zu untersuchen. Es folgen ein gemeinsames Essen, ein Kuss und schließlich ein unverfänglicher Seitensprung, der sich zu einer leidenschaftlichen Affäre des ungleichen Paares weiterentwickelt. Doch Caroline, die erstmals seit langem wieder unbeschwert ist, wird in ihrer Kopflosigkeit unachtsam. So ist es nicht verwunderlich, dass ihr Mann Philippe von ihren Eskapaden erfährt und sie zur Rede stellt. Caroline, die aufgrund des großen Altersunterschieds von Anfang an skeptisch gegenüber den Absichten Juliens war, beginnt, die Zukunftsaussichten mit beiden Männern zu hinterfragen ...
An Tansanias Grenze zu Kenia erhebt sich über dem Natronsee der Ol Doinyo Lengai - ein Vulkan, der aufgrund seiner besonderen Eigenschaften Wissenschaftler auf der ganzen Welt fasziniert: Während seine Lava im flüssigen Zustand schwarz ist, wird sie, sobald sie mit Luft in Berührung kommt, weiß wie Schnee. In der Stadt Arusha trifft Arnaud Guérin den Vulkanologen der Universität Brüssel und Lengai-Spezialisten Matthieu Kervyn. Mehrere Jahre nach dem gewaltigen Ausbruch von 2007, bei dem der Ol Doinyo Lengai seine Asche über 250 Kilometer weit spuckte, möchte der Wissenschaftler sehen, wie der Krater heute aussieht. Gemeinsam brechen die beiden auf zu den Massai, einem halbnomadischen Hirten- und Kriegervolk, das in Boma, einem Dorf am Fuße des Vulkans lebt. Um den Lengai besteigen zu dürfen, sind die Wissenschaftler nämlich auf die Erlaubnis ihres Stammesführers angewiesen. Mit dem Wohlwollen des Laibon im Gepäck wagen Arnaud und Matthieu gemeinsam mit Mwenga, einem Einheimischen, den Aufstieg. Unterwegs stoßen sie auf ein riesiges, fast weißes Lavafeld, das kurz vor der Eruption von 2007 entstand. Die ungewöhnliche Farbe stammt von in der Lava enthaltenen Karbonaten. Diese sind es, die den Lengai so berühmt machen, denn als einziger Vulkan der Erde spuckt er solche Karbonatite aus. Nach einer siebenstündigen, anspruchsvollen Kletterpartie erreichen sie endlich den Gipfel. Dort lässt Matthieu Kervyn eine Kameradrohne über den Vulkanschlund kreisen, um den Krater kartografieren zu lassen - eine echte Premiere am Ol Doinyo Lengai. So bekommen die Abenteurer dünnflüssige Karbonatitlava zu Gesicht, die sonst nirgendwo auf der Welt zu finden ist.
Seit Millionen von Jahren reißen Vulkane die Erde auf, setzen Kontinente in Brand und überziehen ganze Landstriche mit einem Ascheteppich. 700 Millionen Menschen in aller Welt sind heute durch die Aktivität der Feuerberge bedroht und führen einen endlosen Kampf gegen die entfesselten Elemente. Lavaströme in Italien, glühende Aschelawinen in Japan, Schlammeruptionen in Island, Tsunamis auf Hawaii und verseuchte Böden in Indonesien ... überall auf der Welt gleicht das Leben im Schatten von Vulkanen einer nie endenden Prüfung. Dennoch trotzen allerorts unbeugsame Männer und Frauen den entfesselten Elementen. Mit Mut, Einfallsreichtum und Solidarität bieten sie den gefährlichen Giganten die Stirn.
Vulkane sind Naturgewalten: Seit Millionen von Jahren überziehen sie den Planeten mit Feuer und Asche. Heute stellen sie für etwa eine halbe Milliarde Männer und Frauen in aller Welt eine Bedrohung dar. Doch passionierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Vulkane zu erforschen, um die Menschen vor ihren Gefahren zu schützen. Sie überwachen die Feuerberge in Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte wie dem Großraum Neapel und erforschen Vulkane in abgelegenen Regionen wie dem Rift-Tal in Tansania. Ob 6000 Meter über dem Meeresspiegel auf den Hochebenen der Anden oder unter der Erde in den rätselhaften Höhlen der Auvergne - Forscherinnen und Forscher aus aller Welt gehen im Dienste der Wissenschaft so manches Risiko ein. Vulkane sind für sie Labors unter offenem Himmel. Unermüdlich erkunden sie die Feuerberge, um ihre faszinierenden Geheimnisse zu lüften.
Pont Alexandre III. in Paris am frühen Morgen: Die Natur erobert die Seineufer zurück. In den Wäldern fallen reihenweise Bäume den Steinäxten zum Opfer. Die Wildtiere erleben die Ankunft merkwürdiger Wesen - Rinder, Ziegen, Schafe, Schweine - im Schlepptau der ersten Landwirte, die das Land roden und pflügen, Getreide säen und ihr Vieh weiden lassen. Neue Menschen aus dem Orient eignen sich das Land an und domestizieren die Tiere. Jäger und Sammler verschwinden, an ihre Stelle treten die ersten bäuerlichen Gemeinschaften. Viehzucht und Rodung drängen den Wald zurück, der ländliche Raum entsteht. Bison, Elch, Wildpferd und Schwarzstorch sterben aus oder werden an die Ränder des europäischen Kontinents gedrängt. Andere Arten wie Bären, Wölfe und Luchse versuchen sich eine Zeit lang anzupassen und ziehen sich dann in die Höhenlagen zurück: Berge und Flüsse sind nun die letzten wilden Landschaften. Andere Tiere, darunter Wildschweine, Hirsche und Füchse, werden zu nachtaktiven Einzelgängern. Nach der Französischen Revolution erreicht das Vorkommen wilder Arten seinen historischen Tiefstand, fast das gesamte Land ist bewirtschaftet. Der Wolf wird in Frankreich zum Volksfeind Nummer eins erklärt und im 19. Jahrhundert, der Blütezeit der Pferde, ausgerottet. Das Leben von Pferden und Hunden ist eng an das des Menschen gekoppelt: Sie begleiten ihn bei der Arbeit, beim Spiel und sogar im mörderischen Wahnsinn des Ersten Weltkriegs. Der Mensch unterwirft die Natur einem immer rascheren Wandel. Kaum sind die Wälder endlosen Feldern gewichen, kehrt er dem Land schon wieder den Rücken und zieht in die neu entstandenen Städte. Im 20. Jahrhundert gestaltet der Mensch selbst Flüsse und Bergregionen um, der ländliche Raum verändert sich radikal. Derweil breitet sich die Natur still und leise in den Großstädten aus. Die Schleiereule fliegt auf ihren nächtlichen Streifzügen über die Dächer von Paris wie einst über hohe Baumwipfel. In vom Menschen verlassenen Gegenden breiten sich neue Wälder aus, und mit ihnen lange vergessene Tierarten: Adler und Geier, Hirsche, Steinböcke, Bären, Luchse, selbst einzelne Wölfe. Sie beweisen, dass wilde Arten überleben und zurückkehren, wenn der Mensch ihnen Zeit und Raum dafür lässt.
In den tropischen Regenwäldern des Kongobeckens wird deutlich, wie sehr der Wald die Wildtiere braucht und wie sehr die Wildtiere auf den Wald angewiesen sind. Forscher folgen einer Gruppe Schimpansen zu einem Feigenbaum voller reifer Früchte. Die Tiere fressen bis zu acht Stunden am Tag, um mit den Samen im Bauch weiterzuziehen und sie mit ihrem Kot im Wald zu verteilen. In den gemäßigten Regenwäldern der Appalachen im Osten der USA zeigt sich, dass der Mensch Teil der Lösung sein muss. Das "Family Forest Carbon Program" arbeitet mit Familien wie den Benedicts zusammen. Sie erhalten Unterstützung, um ihr Land umweltfreundlich zu bewirtschaften und so nach und nach immer mehr Geld mit CO2-Zertifikaten zu verdienen. Unmittelbar unterhalb des Polarkreises finden sich die borealen Wälder, die sich rund um den gesamten Planeten erstrecken. Sie überstehen selbst die kältesten und härtesten Winter. Sie bilden den größten CO2-Speicher der Erde, der durch den Klimawandel unter enormen Druck gerät. Immer häufiger vernichten unkontrollierbare Brände immer größere Waldflächen und bedrohen neben der Tierwelt auch die dort lebenden Menschen. Das Wissen und die Weisheit der indigenen Völker könnten helfen, diese überlebenswichtigen Orte zu erhalten.
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
Eine beispiellose Reihe von Erdbeben hat die meisten Bewohner Santorins von der griechischen Insel getrieben. Christina Kaloudi ist geblieben, um sich um zurückgelassene Tiere zu kümmern. Seit neun Jahren betreibt sie ein privates Tierheim auf Santorin und versorgt täglich 130 Tiere, darunter ausgemusterte Esel und Mulis. Trotz der Erdbeben setzt sie ihre Arbeit fort. Als sie über eine Chatgruppe erfährt, dass in der Nähe des Hafens mutterlose Hundewelpen gesichtet wurden, macht sie sich auf die Suche. Auch Wiebke Godau ist auf der Insel geblieben. Die gebürtige Deutsche führt zwei Hotels an der malerischen Caldera und hält einen Notbetrieb für die wenigen Gäste aufrecht. Die Planung der bevorstehenden Saison ist eine Herausforderung. Normalerweise besuchen mehr als drei Millionen Touristen die malerische Kykladen-Insel. Doch zahlreiche Stornierungen und das Ausbleiben vieler Kreuzfahrtschiffe bereiten den Insulanern Sorgen. Wiebke Godau versucht, trotz der Situation gelassen zu bleiben und zu improvisieren - beides habe sie von ihren griechischen Freunden gelernt. Ihre Saisonarbeiter beschäftigt sie vorsorglich weiter. Der Umsatz ist auch bei Kyriakos Prekas eingebrochen. Der Fischer in dritter Generation bleibt mit seinem Boot nur noch in Küstennähe. "Ich habe keine Angst vor dem Erdbeben oder dem Vulkan. Das Einzige, wovor ich Angst habe, ist ein Tsunami", sagt er. Obwohl er wirtschaftlich unter der Situation leidet, lässt sich Kyriakos nicht die Laune verderben und feiert mit Freunden das Leben und die Schönheit seiner Insel.
Newcastle in den 2010er Jahren: Ricky Turner, ein ehemaliger Bauarbeiter, und seine Frau Abby, eine engagierte Pflegekraft, kämpfen mit den Folgen der Finanzkrise. Als Ricky sich als selbstständiger Lieferfahrer verpflichtet, hofft die Familie auf einen Neuanfang. Doch der vermeintliche Ausweg wird zur Falle: Ricky muss seinen Lieferwagen selbst finanzieren, arbeitet 14-Stunden-Tage unter dem Druck eines unmenschlichen Algorithmus und wird für jede Verspätung oder Beschädigung zur Kasse gebeten. Abby, die nun ohne Auto zu ihren pflegebedürftigen Patienten hetzt, kämpft parallel gegen die Entmenschlichung ihrer Arbeit - während die Kinder Seb und Liza Jane in der Leere eines Zuhauses aufwachsen, das kaum mehr als ein Schlafplatz ist. Regisseur Ken Loach zeichnet mit dokumentarischer Präzision den Zerfall einer Familie, die im Strudel des modernen Kapitalismus gefangen ist. Die Kamera begleitet Ricky durch triste Vorstädte, während Abby zwischen Demenzkranken und bürokratischen Vorgaben zerrieben wird. Sohn Sebs Rebellion - Schulverweise, Diebstähle, nächtliche Graffiti-Aktionen - spiegelt die Hilflosigkeit einer Generation ohne Zukunftsperspektiven. Inmitten dieses Chaos versucht Tochter Liza Jane verzweifelt, die Familie zusammenzuhalten. Loach und Drehbuchautor Paul Laverty ("Ich, Daniel Blake") entlarven die Illusion der "Selbstständigkeit" im Gig-Economy-System als moderne Ausbeutung. Mit ungeschönter Intensität zeigen sie, wie finanzielle Not Liebe, Würde und Zusammenhalt zerstört - bis die Familie an einem Punkt steht, an dem selbst Hoffnung zum Luxus wird. Loach setzt bewusst auf eine realitätsnahe Besetzung: Kris Hitchen ist ein ehemaliger Klempner, Debbie Honeywood arbeitete als Erzieherin für Kinder mit Lernschwierigkeiten und die jugendlichen Darsteller Rhys Stone und Katie Proctor wurden an lokalen Schulen in Newcastle gecastet.
Regisseurin Marion Priglinger wirft einen Blick zurück in die Kulturgeschichte der Vaterschaft und zeichnet den Weg von der Prähistorie bis heute nach. Vaterschaft entwickelte sich vom Erzeuger, der keine enge Bindung zu seinem Nachwuchs hatte, über den Ernährer und Erzieher bis zum allmächtigen römischen Hausherren - den pater familias. Dem deutschen Philosophen Dieter Thomä zufolge war diese Vaterherrschaft bis in die Frühe Neuzeit relativ stabil: "In der Alten Welt gab es eine Pyramide: Oben war der Landesvater, darüber noch Gottvater und darunter der Familienvater. Das Ganze nennt man dann Patriarchat." Erst durch die Französische Revolution und den Königsmord, der auch ein Vatermord war, verortet der französische Historiker André Rauch erste Risse im System: "Mit der Einführung des Begriffs der,Brüderlichkeit' brachen die Revolution und die Revolutionäre die absolute Macht des Vaters." Im 19. Jahrhundert verlagerte der bürgerliche Vater seine Aufgaben nach außen, während die Mütter und der "Vater Staat" viele der einst innerfamiliären väterlichen Aufgaben übernahmen. Der Weg vom absoluten Übervater der Antike hin zur großen Vaterlosigkeit Ende des Zweiten Weltkrieges verlief nicht geradlinig. Auch innerhalb Europas und quer durch die sozialen Schichten war das Vaterbild nicht homogen. Ende des 20. Jahrhunderts wirbelten sich verändernde Familienstrukturen nicht nur die Geschlechterrollen durcheinander. Zahlreiche Amateurfilmaufnahmen, Gemälde, Fotografien und Filmausschnitte veranschaulichen die vielfältigen Vaterbilder der Geschichte und ihre Entwicklungen.
Der Film begleitet Menschen aus aller Welt, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) eine "Verbindung mit den Toten" herstellen. Joshua chattet Tag und Nacht mit dem digitalen Echo seiner verstorbenen ersten Liebe und lässt sie an seinem Alltag teilhaben. Christi will sich nur vergewissern, dass es ihrem verstorbenen besten Freund im Himmel gut geht, macht aber eine erschütternde Erfahrung mit dem KI-Bot ihres Freundes. Jang Ji-Sung trifft den Virtual-Reality-Klon ihrer verstorbenen siebenjährigen Tochter. Parallel zu den persönlichen Geschichten der Nutzer, erzählen Programmierer und Start-up-Gründer wie Jason Rohrer (Project December), Justin Harrison (You, Only Virtual) und Mark Sagar (Soul Machines) von ihrem Traum, mithilfe von KI die Grenze zwischen Leben und Tod zu verschieben. Kann eine Künstliche Intelligenz tatsächlich fühlen und sprechen, wie ein richtiger Mensch und gar einen Verstorbenen ersetzen? Renommierte Experten und Expertinnen wie die MIT-Professorin Sherry Turkle, die Branchenanalystin und Tech-Kritikerin Sara M. Watson oder der Tech-Spezialist Carl Öhman ordnen die Entwicklungen in entsprechende Kontexte ein und problematisieren gegenwärtige Herausforderungen wie die Regulierung von KI.
Griechenland, 1980: Ein Bienenzüchter begegnet im Morgengrauen einem erschöpften Jungen, der ein bewusstloses Mädchen und einen neugeborenen Säugling bei sich trägt. Während das Mädchen ins Tal gebracht wird, verschwindet der Säugling - heimlich nimmt ein Sanitäter ihn an sich und gibt ihn seiner kinderlosen Frau. So beginnt Jons Leben als adoptierter Sohn, dessen wahre Herkunft im Dunkeln bleibt. 1999, eine stürmische Küstenstraße: Als junger Erwachsener gerät Jon in einen tödlichen Streit, der ihn für Jahre ins Gefängnis bringt. Dort lernt er Iro kennen, eine warmherzige Aufseherin, die ihm mit regelmäßiger Zuwendung, Medikamenten für seine entzündeten Füße und heimlich aufgenommenen Musikkassetten neue Hoffnung schenkt - während zugleich sein Augenlicht unaufhaltsam schwindet. Nach der Haft findet Jon zunächst als Grundschullehrer, Ehemann und Vater eine trügerische Idylle, die jedoch bei einem Besuch seines Heimatdorfes durch schmerzliche Familiengeheimnisse erschüttert wird. Jahre später widmet er sich in London ganz der Musik: Trotz fortschreitender Erblindung intensiviert sich seine künstlerische Ausdruckskraft. Als sich seine Tochter langsam von ihm entfernt, tritt die deutsche Sängerin Marta in sein Leben - eine Begegnung, die den endgültigen Verlust seines Augenlichts besiegelt. Angela Schanelec erzählt Jons Schicksal als vielschichtiges Geflecht aus Schuld, Schicksal und Erlösung. Mit reduzierten Dialogen und eindrucksvollen Bildern - von der kargen Berglandschaft Griechenlands über klaustrophobische Gefängnismauern bis zu Londoner Clubs - offenbart sie, wie Identität durch Verlust geformt wird.
Der Nationalpark Coto de Doñana in Andalusien zählt zu den bedeutendsten und schützenswertesten Feuchtgebieten Europas. Zum Höhepunkt der Trockenzeit bereitet sich das malerische Dorf El Rocío auf die Saca de las Yeguas vor. Tausende Zuschauer verfolgen den traditionellen Zusammentrieb der halbwilden Marismeño-Stuten, einer der ältesten Pferderassen der Welt. Die Sümpfe, in denen die Pferde weiden, trocknen über Monate hinweg aus und werden erst in der Regenzeit wieder geflutet. Millionen Zugvögel rasten ganzjährig in der Region. Als wichtiger Knotenpunkt zwischen Afrika und Europa finden sie in den Gewässern des Doñana ausreichend Nahrung. Menschen, Flora und Fauna leben hier im Rhythmus des Wassers, das die Landschaft entscheidend prägt. Doch im Nationalpark herrscht nur scheinbar unberührte Wildnis. Seit den 1950er-Jahren breitet sich die Intensivlandwirtschaft immer weiter aus. In einer Zeit, in der Umweltfragen noch keine Rolle spielten, wurde das Ökosystem durch Trockenlegung und Wasserumleitung stark beeinträchtigt. Angesichts zunehmender Dürreperioden steht die Region vor der Herausforderung, sich neu zu erfinden, um langfristig zu überleben. Heute erproben Einheimische und Forschende im Nationalpark gemeinsam, wie sie den Anforderungen des 21. Jahrhunderts begegnen und diesen andalusischen Naturschatz bewahren können.
Elektronische Musik ist heute die treibende Kraft der Popkultur. Sie ist der Sound, den wir tagtäglich im Ohr haben. Fast vergessen ist dabei jedoch, dass die Ursprünge der elektronischen Musik eng verbunden mit der klassischen Avantgarde in winzigen Studios in Paris und Köln liegen. Nach dem Zweiten Weltkrieg experimentierten hier die beiden visionären Komponisten Pierre Schaeffer und Karlheinz Stockhausen in ihren Wunderkammern voller seltsamer Geräte. Die Dokumentation erzählt erstmals die Geschichte, wie diese bahnbrechende Nischenkunst den Grundstein für das legte, was heute Mainstream ist. Denn in den frühen 1970ern bezogen sich Bands wie Tangerine Dream und Kraftwerk bewusst auf die Errungenschaften des elektronischen Studios des Westdeutschen Rundfunks (WDR), und in Paris nahm Jean-Michel Jarre Unterricht bei Pierre Schaeffer, bevor ihm mit "Oxygène" 1976 ein Millionenseller gelang. Die Sendung zeichnet diesen einzigartigen Brückenschlag zwischen Avantgarde und Pop mit exklusiven Interviews und zum Teil nie gesehenem Archivmaterial nach. Sie bietet eine Reise von den vom Krieg gezeichneten Metropolen Paris und Köln, an den rauchenden Schloten Düsseldorfs vorbei bis ins hippe New York, wo schwarze Künstler zu Samples von Kraftwerk den Rap entdecken. Es ist eine Geschichte entgegen jeder Wahrscheinlichkeit, eine Geschichte von Schwingungen, denen es gelingt, die Welt in Ekstase zu versetzen. Dabei sind Mitglieder von Tangerine Dream, Kraftwerk, Mouse on Mars sowie Jean-Michel Jarre und der Elektronik-Pionierin Eliane Radigue.
Fotos können unser Weltbild beeinflussen. Und jedes Foto hat eine Entstehungsgeschichte. Das Magazin "Mit offenen Augen" ordnet Bilder ein und erklärt Hintergründe. Moderatorin Sonia Devillers liefert faszinierende Aufschlüsse, die über den ersten Blick hinausgehen.
Das Kulturmagazin des Senders ARTE wird täglich aus Paris gesendet. Aktuelle Themen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft stehen im Zentrum der Sendung und werden versiert unter die Lupe genommen.