04:05
Das Elsass bietet optimale Bedingungen für den Weinbau. Die an den Berghängen aneinandergereihten Rebzeilen bilden ein schmales, rund hundert Kilometer langes Band. Die Lage am Fuß der Vogesen sorgt nicht nur für ideale klimatische Bedingungen, sondern beschert dem Elsass auch besonders vielfältige Böden. In einem Tal im Süden des Elsass produziert die Familie Zusslin edle Weine von internationalem Renommee. Die Geschwister Jean-Paul und Marie haben das Gut übernommen, das seit 13 Generationen im Besitz der Familie ist. Auf Initiative ihres Vaters wird es seit den 1970er Jahren biologisch bewirtschaftet. Schon damals machten die Winzer der Region 250 Hektar Land, die an den Weinberg grenzten, zum Naturschutzgebiet, um die Biodiversität zu bewahren. Die heutige Generation geht sogar noch einen Schritt weiter: Die jungen Winzer verteilen unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten zwischen ihre Rebstöcke. Nach Jahrzehnten intensiver Landwirtschaft kehrt damit eine große biologische Vielfalt zurück, was auch dem Wein zugutekommt: Vögel, Obstbäume und diverse Pflanzen bilden einen natürlichen Kreislauf. Im Elsass wird Pionierarbeit in Sachen biodynamischer Weinanbau geleistet. Damit dienen die engagierten Winzer einer ganzen Generation von jungen Weinbauern als Vorbild.
04:30
Drei Minuten über einen Star aus der Welt des Films, der Musik, Literatur oder Mode, einen Künstler, Sportler, Politiker oder Superhelden. In dieser Folge: Jeff Bezos.
05:05
Ausgehend vom heutigen Mutterbild der Do-it-all-Mother, die am besten mit Hüftschwung Kinder, Haushalt und Karriere meistert, begibt sich der Film auf eine kulturhistorische Zeitreise und geht der Frage nach, woher unser Bild der guten Mutter kommt. Seit Jahrhunderten hat der Mythos der Mutter mit angeborener Mutterliebe und Opferbereitschaft unsere Gesellschaft fest im Griff. Das war aber nicht immer so. Die Regisseurin Marion Priglinger entmystifiziert die hartnäckigsten Muttermythen und stellt sie humorvoll der historischen Realität gegenüber: vom Marienkult im Mittelalter über die Entdeckung der Mutterliebe im 18. Jahrhundert und die Erfindung des Mutterinstinkts bis hin zum Mutterkult der Nationalsozialisten. Schnell wird klar: Die eine gute Mutter hat es nie gegeben und Mutterschaft wird bis heute benutzt, um patriarchale Strukturen aufrechtzuerhalten. "Die Mutter kann stillen, das Kind sättigen, das heißt aber noch lange nicht, dass die Mutter das Kind besser herumtragen oder beruhigen kann", meint die Psychoanalytikerin Helga Krüger-Kirn. Dass es ausgerechnet in Deutschland Frauen nach wie vor schwer haben, Familie und Beruf zu vereinen, vergleichsweise immer noch weniger, sieht die deutsche Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken unter anderem als Folge der deutschen Nachkriegsfamilienpolitik. "Es liegt auf der Hand, dass wir die mütterliche Verantwortung um ein Vielfaches reduzieren müssen (...) und vor allem müssen wir diese Verantwortung aufteilen", appelliert die Philosophin Elisabeth Badinter und resümiert: "Die gute Mutter ist für mich genauso selten wie Mozart. Sie ist ein Genie!"
05:55
Der Arzt Dr. Fusaro pendelt neben seinem Dienst im Stadtkrankenhaus von San Salvador de Jujuy, regelmäßig zu medizinischen Stationen in der weltläufigen, meist bergigen Umgebung. Ortschaften wie Tilquisaya, Taraxi, Tesorero und Ocloyas besucht er häufiger, da sie noch vergleichsweise gut erreichbar sind. Mit dem Geländewagen benötigt er etwa zwei Stunden, sofern die Straße nicht wieder einmal für mehrere Wochen gesperrt ist. Schwieriger ist die Siedlung San Bernardo, zu der man gut und gerne sechs Stunden fährt. Die anspruchsvollste Tour zur medizinischen Versorgung führt den Anden-Doktor jedoch noch weiter weg - zu den sehr hoch gelegenen Siedlungen rund um den Monte Chañi. Tagelang ist er dafür per Pferd und Muli über Stock und Stein unterwegs. In dieser unwirtlichen und schwer zugänglichen Region, weitab von jeder Infrastruktur, leben nur sehr wenige Menschen. Eine atemberaubend schöne Naturkulisse entschädigt zwar für vieles, die Bewohner führen jedoch ein karges und entbehrungsreiches Dasein und leben von Ackerbau und Viehzucht. Dr. Jorge Fusaro muss dorthin einiges mitnehmen: Kleidung, Batterien, Lebensmittel, Medikamente, Instrumente für Kontrolluntersuchungen und Kokablätter gegen die Höhenkrankheit. Er darf nichts vergessen, denn vor Ort gibt es weder eine Apotheke noch einen Supermarkt und nicht einmal Telefonempfang.
06:50
Vom heißen brasilianischen Zuckerhut bis zu den beliebtesten Cocktails der Welt: Zuckerrohr hat einen prägenden Eindruck auf Kulturen und Gesellschaften weltweit hinterlassen. Die bis zu sechs Meter hohe Pflanze war einst so wertvoll wie Gold und trieb den Kolonialhandel an. Mit einer jährlichen Ernte von 1,92 Milliarden Tonnen zählt sie bis heute zu den wichtigsten Agrarrohstoffen weltweit. In Kuba erntet der "Machetero" Argelio Marrero Perez seit 30 Jahren Zuckerrohr von Hand. Seine Familie verarbeitet die süßen Stangen zu köstlichen Desserts wie karamellisierter Papaya. In ihrer Küche zeigt Köchin Lucie Fischer-Chapalain, wie man Gurkensirup mit Sternanis verfeinert, Vanillezucker selbst herstellt und eine luftig-leichte Pavlova mit frischen Früchten kreiert.
07:25
(1): Mit Stevenson im Kanu auf Sambre und Oise (2): Kalabrien: Das albanische Erbe der Arbëresh (3): Ruanda: Lilianes grüne Bananen mit Gemüse (4): Massachusetts: Von wegen harmloser Haferbrei!
08:10
(1): Mabeye Demes Senegal in Sepia (2): Senegal: Nationalsport Ringen (3): Senegal: Aidas Fisch-Yassa (4): Die Tagediebe von Dakar
08:55
Der patagonische Archipel im äußersten Süden Chiles wird auch als Land am Ende der Welt bezeichnet. Zu diesem wilden Landstrich, der auf Entdecker schon immer eine besondere Faszination ausgeübt hat, gehören Hunderte zum Teil noch unerforschte Inseln - eine davon ist Madre de Dios. Auf der 40 Kilometer langen und 25 Kilometer breiten Landfläche finden sich weltweit einzigartige Gesteinsformationen wie die riesigen Marmorhöhlen, dichte Wälder, die eine perfekte Science-Fiction-Kulisse abgeben würden, und schwindelerregend hohe Klippen. Zwei Monate lang trotzten 43 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie zwei Angehörige der Volksgruppe der Kawesqar Dauerregen und starkem Wind, um die Geheimnisse der mysteriösen Insel zu lüften. Dabei wollen sie die einzigartige geologische Geschichte der Insel verstehen, ihr Innerstes erforschen, die dort angesiedelten Arten erfassen und die Geschichte der dort einst beheimateten Kawesqar nachvollziehen. Zur Herkunft dieser patagonischen Seenomaden sind nur wenige Dokumente erhalten. Einst lebten sie auf diesen abgelegenen Inseln als Jäger, Fischer und Sammler unter schwierigsten klimatischen Bedingungen und in größter Armut.
10:30
Wer das Abenteuer sucht, ist im Süden von Chile genau richtig. Auf der Carretera Austral geht es über 1.200 Kilometer durch Fjordlandschaften, Regenwälder und Bergwelten. Es ist eine Fahrt ins Unbekannte, fast bis ans Ende der Welt. Wer sich auf diesen Weg macht, wird mit fantastischen Landschaften belohnt. Mit dem Bau der Carretera Austral wurde in den 1970er Jahren begonnen, weil der Süden Chiles bis dahin nur mit dem Schiff oder über das Nachbarland Argentinien zu erreichen war. Diktator Augusto Pinochet ließ die Strecke von der Armee erschließen. Berge, Eisfelder und dichte Bewaldung machten den Bau zu Chiles aufwändigstem Großprojekt des 20. Jahrhunderts. Heute sind auf der meist nicht asphaltierten Strecke Laster unterwegs, die die kleinen Orte im Süden mit Dingen des täglichen Bedarfs versorgen. Und Abenteurer - mit Allradfahrzeugen, Wohnmobilen oder auch per Fahrrad. Für sie ist die Schotterstrecke eine besondere Herausforderung: Sonne, Staub und dicht überholende LKW machen die Carretera zu einer Tour de Force. Die Gegend ist außerdem ein Naturparadies: In großen Nationalparks arbeiten Ranger wie Erwin Gonzales um den Erhalt einheimischer Tiere zu sichern. Heute muss er sich allerdings um die Bergung eines Autowracks kümmern - zwei Touristinnen sind im Park von der Straße abgekommen. Abschleppmeister Ivan Ramirez lebt von der Gefährlichkeit der Straße: Täglich muss er auf der Carretera Austral verunglückte Fahrzeuge bergen, und ist selbst schon in manch schwieriger Situation gewesen.
11:25
Die griechische Stavros-Niarchos-Stiftung hat vor zehn Jahren ein System von mobilen medizinischen Teams aufgebaut, die monatlich in Piräus auf die Fa?hre steigen, um kleine entlegene Inseln für jeweils eine knappe Woche medizinisch zu versorgen. Denn die Kosten fu?r einen Arztbesuch auf dem Festland können sich viele Inselbewohner nicht leisten, und im Winter sind Überfahrten wegen schlechten Wetters oftmals ganz unmöglich. Der Augenarzt Christos Christoulakis ist von Anfang an bei diesen Einsätzen dabei: "Wir geben etwas. Aber wir bekommen auch sehr viel zurück". Zusammen mit Tasos Stamatiadis, dem technischen Leiter der Mission, ist er auf dem Weg nach Serifos. Auf der Fähre werden sie von zwei Lkws voll mit medizinischem Gerät begleitet, darunter ein tragbares Röntgengerät, ein digitales 3D-Mammographiegerät und ein Knochendichtescanner. Auf Serifos wird in wenigen Stunden ein Pop-Up Krankenhaus errichtet, mit dem die Insel vier Tage lang u?ber die medizinische Infrastruktur einer kleinen Stadt verfügt - mit vielen verschiedenen Fachärzten und Krankenschwestern, die alle ehrenamtlich arbeiten. Auf der Insel wird das Medizinteam schon erwartet; viele der knapp 1.500 Einwohner kommen zu Untersuchungen vorbei, oft zu mehreren. Das "reisende Krankenhaus" hilft ihnen so, trotz der fehlenden Infrastruktur weiter auf Serifos zu leben. Manchen Patienten allerdings müssen die Ärzte zu einer Therapie auf dem Festland raten - so wie Susanna Diogou, die Lähmungserscheinungen in ihrem linken Fuß hat. Aber dafür müsste die Familie sich für längere Zeit trennen - ein Dilemma, das viele Menschen auf den Inseln fürchten.
11:55
(1): Herzhafte Bauernsuppe aus Rumänien: Ciorba (2): Kulinarische Mitbringsel (3): Ran an die Töpfe!
12:25
(1): Latif Al Ani, Vater der irakischen Fotografie (2): Zirkus in Paris (3): Laos: Nees Bambussuppe (4): Madeira: Das gestohlene Lied
13:10
(1): Matilde Serao und die vergessenen Seelen Neapels (2): Dover: Das Tor zu England (3): Norwegen: Sissels Kartoffelgratin (4): Rennes: Bohne statt Christkind
14:00
Der alarmierende Anruf, den Ulla Leitermann gerade noch tätigen konnte, endet abrupt. Von dem renommierten Ärzteehepaar fehlt alsdann jede Spur. Alles deutet auf eine klassische Entführung hin. Noch vor ihrem offiziellen Wechsel zur Hamburger Mordkommission stürzt sich die ehrgeizige Kommissarin Katharina Tempel in ihren ersten Fall. Sehr zum Unverständnis ihres Mannes Volker, dem gefeierten Pressesprecher der Hamburger Polizei, der nicht nachvollziehen kann, warum sie sich von ihm und vom LKA weg zur Mordkommission hat versetzen lassen. Auch der gemeinsame Sohn Linus bereitet dem Ehepaar durch sein aggressives Verhalten in der Schule Sorgen. Ohne zu ahnen, wie nahe ihr der Fall gehen wird, nehmen die junge Kommissarin, ihr neuer Chef Georg König und ihre Kollegin Dela Tahiri die Ermittlungen auf. Während Hans Leitermann bewusstlos auf seinem eigenen Hausboot gefunden wird, fehlt von Ulla Leitermann weiterhin jede Spur. Warum hat der Entführer das Paar getrennt? Lebt Ulla Leitermann überhaupt noch? Für Katharina und ihre Kolleginnen und Kollegen beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Durch die gemeinsame Arbeit in ihrer Klinik für Pränataldiagnostik, in der auch Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden, hat sich das Ärztepaar nicht nur Freunde gemacht. Die Aktivistengruppe ProLife21, die sich gegen Abtreibungen einsetzt und die Klinik bedroht hat, gerät schnell in den Fokus der Ermittlungen. Doch nach und nach erkennt Katharina, dass die wahre Bedrohung nicht von außen, sondern von innen kommt. Sie muss sich ihren eigenen Dämonen stellen und wird so zur einzigen Person, die diesen Fall lösen kann ...
15:30
Im Südwesten Chinas, an den Ausläufern des Himalaya, erstreckt sich im Schatten des schneebedeckten Khawa Karpo ein steiniges, unwirtliches Gebiet, das zum Hochland von Tibet gehört. Diese Region im Norden der Provinz Yunnan ist nur schwer erreichbar und hat sich ihren eigenwilligen Charakter bis heute erhalten. Drei große Flüsse, darunter der Mekong, versorgen sie mit Wasser. Die fruchtbaren Täler, die das Wasser gegraben hat, werden von Tibetern und anderen Volksgruppen für die Landwirtschaft genutzt. Investorengruppen sehen in dieser einzigartigen Landschaft ein großes Potenzial und haben sich bereits mehrere Gebiete gesichert. Ihr Ziel ist es, Weine der Spitzenklasse zu produzieren. Weinbau ist in dieser Region keine Neuheit. Bereits seit der Ankunft katholischer Missionare vor rund 150 Jahren pflanzen einheimische Bauern hier neben anderen Nutzpflanzen auch Trauben an. Die ersten Reben wurden in dem Dörfchen Cizhong produziert. Dort begannen französische Missionare ab 1865, die traditionell buddhistische Bevölkerung zu missionieren. Noch heute ist Cizhong zu 80 Prozent katholisch, und die Weinproduktion hat sich stark entwickelt. Rund 30 tibetische Weinbauern haben sich zu einer Kooperative zusammengeschlossen. Sie verkaufen ihre Trauben, verpachten Parzellen oder helfen bei den Arbeiten im Weinberg. In dieser armen Region Chinas sind die Einnahmen aus dem Weinbau die Lebensgrundlage der Bevölkerung. Die Methoden, die die Großkonzerne beim Weinbau einsetzen, stehen im starken Kontrast zu denen der lokalen Weinbauern, aber ihr Ziel ist dasselbe: einen Wein von höchster Qualität herzustellen.
16:10
Die Route 27 gilt als absoluter Geheimtipp unter Kennern der südafrikanischen Küstenlandschaft. Die Dokumentation von Regisseurin Helena Brinkmann beleuchtet im Rahmen eines Roadtrips etappenweise die beeindruckende Natur, die sich auf diesem Weg verbirgt. Neben Gesprächen mit Menschen, deren Leben eng mit der Natur verbunden ist, geht es hinaus auf den Atlantik zu einem sogenannten "Super-Pod" - einem Zusammenschluss von Walen, die im Südatlantik gemeinsam mit Delfinen, Robben und Seevögeln jagen. In der Nähe des West Coast Nationalparks liegt das malerische Fischerdorf Paternoster. Dort begleitet die Dokumentation Fischer beim Fang von Langusten und lernt eine Künstlerin kennen, deren Werke tief mit dem Ort und seiner Geschichte verwurzelt sind. Weiter geht der Roadtrip vorbei am renaturierten Berg River und der Kleinstadt Velddrif bis in die goldfarbenen Zederberge - eine Region, die nicht nur mit spektakulären Kletterrouten lockt, sondern auch jahrtausendealte Felsmalereien birgt. In einem versteckten Tal wird der Blütenrausch des Fynbos in seiner vollen Pracht deutlich. Den Abschluss der Reise bildet ein Besuch der Kaptölpel-Kolonie in Lamberts Bay - ein Ort, an dem das fragile Gleichgewicht zwischen Mensch, Tier und Ozean auf eindrucksvolle Weise sichtbar wird.
16:55
Louis-Marie Blanchard, Schriftsteller und Naturforscher, begibt sich auf eine 5.000 Kilometer lange Reise auf den Spuren von John Muir, dem geistigen Gründungsvater der US-Nationalparks. Sein Weg führt ihn nach Kalifornien, zu den legendären Landschaften des Sequoia-Nationalparks, der John Muir Wilderness und des Yosemite-Nationalparks, die Muir einst zu schützen half. Gemeinsam mit Biologen, Forschern, Aktivisten und Förstern thematisiert Blanchard die heutigen Bedrohungen dieser wilden Gebiete: Dürren, riesige Waldbrände, Klimawandel und Urbanisierung. An der Seite von Anthony Ambrose und Wendy Baxter erklimmt er den Wipfel eines Mammutbaums, um die Auswirkungen von Wassermangel auf diese jahrtausendealten Riesen zu beobachten. Mit Kristen Shive und Tony Caprio durchstreift er Brandgebiete, in denen alte Bewirtschaftungsmethoden der indigenen Stämme wiederbelebt werden. Blanchard lernt viele Menschen kennen, die das Vermächtnis von John Muir weitergeben: William Tweed, Naturforscher und Umwelthistoriker, Deanna Lynn Wulff, Umweltaktivistin, die einen geschützten Korridor zwischen Yosemite und Sequoia schaffen will, und Spreck Rosekrans, Aktivist für die Wiederherstellung des überfluteten Hetch Hetchy Valley. In San Francisco besucht Blanchard das Haus von John Muir und dessen "Schreibhöhle". Die Reise thematisiert die Paradoxe des Naturschutzes: Massentourismus, Spannungen zwischen Umweltschutz und Wirtschaftswachstum sowie die manchmal kontroverse Erinnerung an den Vater der Nationalparks. Die Dokumentation verknüpft prägende Begegnungen, faszinierende Naturerlebnisse und persönliche Reflexionen über die kalifornische Wildnis.
17:50
Überschwemmungen, extreme Hitze und Waldbrände: An immer mehr Orten zeigt sich die zunehmende Klimakrise - und stellt Gesellschaften vor Herausforderungen. Doch überall arbeiten Menschen daran, sich und ihre Umgebung an diese neuen Bedingungen und ihre Folgen anzupassen. Auf der französischen Insel Korsika gehen engagierte Waldschützerinnen und Waldforscher ungewöhnliche Wege, um ihre Wälder widerstandsfähiger gegen Brände zu machen: sie legen sogar kontrollierte Feuer. Denn fehlt das Unterholz, breiten sich Waldbrände nicht so weit aus. Im Allgäu in Bayern hingegen bringt ein ehemaliger Feuerwehrmann elf Gemeinden zusammen, die sich nur gemeinsam gut gegen das nächste Hochwasser schützen können. Auch im niederländischen Rotterdam hat sich eine Gruppe von Menschen zusammengetan und schützt ihre Stadt durch verschiedene Schwammstadt-Projekte vor Überflutung. Gegen brütende Hitze von über 40 Grad Celsius kämpfen Menschen im brasilianischen São Paulo. Doch Freiwillige pflanzten Mini-Regenwälder - kleine kühle Oasen - mitten in die Stadt. Auch in der französischen Hauptstadt Paris kann die Hitze im Sommer lebensbedrohlich werden. Doch Ingenieurinnen und Ingenieure kühlen bereits einige hundert Gebäude der Stadt mit einem unterirdischen, zentralen System - und mit Hilfe des Flusswassers der Seine. Und obendrein stößt diese Art von Kühlung viel weniger Kohlendioxid aus als individuelle Klimaanlagen. Diese Geschichten zeigen, dass wir ungewöhnlichen Ideen brauchen, um uns besser vor Extremwetter schützen zu können.
18:35
Das weltweite Artensterben gilt als eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Geht es um den Schutz von Tieren und Pflanzen, kann jede und jeder einen Teil beitragen - das hilft nicht nur der Artenvielfalt, sondern auch den Menschen. Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt Crystal River in Florida, USA, haben für die Rettung des verdreckten Meeresgebiets, das ihre Stadt umgibt, gekämpft. Sie ließen Algen absaugen und pflanzten Seegras per Hand - mit Erfolg! Inzwischen gibt es in Crystal River wieder kristallklares Wasser und Seegras. Und sogar die Seekühe, die Manatis, sind zurückgekehrt. In Bayern zeichnet die Plakette "Vogelfreundlicher Garten" naturnahe private Gärten aus. Das Ziel der Initiatoren: Sie wollen möglichst viele Gartenbesitzer für das Thema Artenvielfalt sensibilisieren. Denn jeder kann durch die Umgestaltung des eigenen Gartens etwas beitragen. Bisher wurden bereits über 5.000 Plaketten vergeben. Selbst im heimischen Gemüsegarten muss man kein Gift verwenden. Wenn Insekten willkommen sind, dann sorgen sie gegenseitig dafür, dass keine Art überhandnimmt - und die Menschen können trotzdem Gemüse ernten. In der Normandie kauft ein Unternehmer ein Stück Land mit Weiden und Forst und überlässt es möglichst der Natur. Das Ergebnis: Schon bald kehren sogar seltene Arten zurück. Und in Ecuador verliebte sich einst ein Pater aus Italien in die Nebelwälder Ecuadors. Mit Hilfe von Spendengeldern kaufte er immer mehr Land auf, um diesen besonderen Lebensraum zu erhalten. Über die Jahre hat er ein über 1.000 Hektar großes Schutzgebiet für die Nebelwälder und seine Bewohner geschaffen. Alle diese Geschichten zeigen: Auch das Engagement Einzelner lohnt sich.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Mitten in der Nacht, im Kaukasus: Die deutsche Geophysikerin Birgit Müller steigt aus dem Auto. Die Luft ist feucht, der Regen hat die Straßen aufgeweicht. Ankunft in Georgien für den vorerst letzten Forschungsaufenthalt. Vor ihr erhebt sich die "Lady Enguri" - eine gigantische Staumauer, eine der größten der Welt. Seit fast fünfzig Jahren hält sie Millionen Tonnen Wasser zurück. Doch die Zeit arbeitet gegen sie. Materialermüdung, Erosion, Sedimente - die Risiken wachsen. Ein Bruch wäre eine Katastrophe für die Dörfer unterhalb der Staumauer. Und für die Energieversorgung, denn fast die Hälfte des Stroms für Georgien wird hier produziert. Birgit Müller und ihr Team haben im Forschungsprojekt DAMAST Methoden entwickelt, um frühzeitig Gefahren für den Damm zu erkennen. Eine wichtige Arbeit. Nicht nur hier, sondern weltweit stellen alternde Staudämme ein wachsendes Risiko dar. Hinzu kommt die politische Lage: Seit der Abspaltung Abchasiens in den 1990er Jahren steht der Damm auf georgischer Seite, das Kraftwerk jedoch in der von Russland kontrollierten selbst ernannten Republik Abchasien. Levan Mebonia, Direktor der staatlichen Betreiberfirma, muss in diesem Spannungsfeld für die Zusammenarbeit beider Seiten sorgen. Für die Forschenden um Birgit Müller ist es vielleicht die letzte Gelegenheit, gemeinsam mit Georgien am Damm zu arbeiten. Aufgrund der Spannungen zwischen der EU und dem Kaukasusstaat hat Deutschland Kooperationen mit dem Land ausgesetzt. Das Wissen soll jedoch weitergegeben werden. In einer Summer School sollen Erkenntnisse geteilt werden.
20:15
In einer Provinzstadt an der Loire bleibt eigentlich nichts verborgen - vor allem kein Liebesverhältnis. Dennoch gelingt es Lucienne, der Frau des gaullistischen Abgeordneten Delamare, und Pierre, dem sozialistischen Stadtrat, verheiratet mit einer unheilbar kranken Frau, ihre Beziehung zu verheimlichen. Doch um ihr Glück auch wirklich gemeinsam genießen zu können, müssten sie frei sein. Pierre entdeckt, dass es ein Leichtes wäre, seine Frau mit einer erhöhten Dosis ihrer Medikamente zu töten, und ermordet sie tatsächlich. Jetzt steht nur noch Paul Delamare im Weg. Lucienne und Pierre beschließen, auch ihn zu töten. Doch die beiden Morde machen sie nicht frei. Im Gegenteil: Um keinen Verdacht zu erregen, dürfen sie sich nicht mehr sehen. Bis ein anonymer Brief bei der Polizei eintrifft ... Die Geschichte des Films beruht auf einer wahren Begebenheit, deren Protagonisten als die "Teufel von Bourganeuf" bekannt wurden. Doch Chabrol geht es in seinem Film nicht um die Schilderung des Verbrechens. Er nutzt den Fall zu einer subtilen, aber heftigen Attacke auf die französische Bourgeoisie und vor allem die damaligen politischen Verhältnisse. Einmal mehr steht in "Blutige Hochzeit" die Familie als Kernstück der bürgerlichen Gesellschaft im Mittelpunkt. Doch das vorgebliche Familienglück ist zerrüttet, die Ehen sind nur noch Fassade. Stattdessen: Ehebruch und Mord. Die erhoffte Freiheit entpuppt sich als Gefängnis der Konventionen. Was aber, so die zentrale Frage des Films, bringt die Menschen dazu, lieber einen Mord zu begehen, als ihre Gefühle offen einzugestehen?
21:45
Alpenpanorama, eine kleine Berghütte, Schweizer Käse, angenehme Ruhe - so hatte sich der Bankangestellte Sven seine Auszeit vorgestellt. Doch dann wird er Zeuge eines Fahrradunfalls. Der windige Geschäftsmann Achim hat mit seinem teuren Mountainbike bei einer Talabfahrt den Wanderer Willi über den Haufen gefahren. Sven eilt natürlich zu Hilfe und bietet den beiden an, mit zu seiner Hütte zu kommen. Achim will sich seine Verletzung nicht eingestehen und am liebsten direkt weiter. Da sein Körper aber nicht ganz mitspielt, muss er wohl oder übel die Nacht auf Svens Hütte verbringen. Willi dagegen, der von Hartz IV lebt, nutzt gern die Gelegenheit, an eine kostengünstige Unterkunft zu kommen. Der überaus gastfreundliche Sven freut sich über die Gesellschaft der beiden Herren. Nach ersten Startschwierigkeiten, politischen und charakterlichen Differenzen zwischen Achim und Willi, freunden sich die drei dann doch etwas an und verbringen ein paar schöne Tage in den Bergen zusammen. Bis am letzten Abend ein Unfall passiert, der für Sven tödlich endet. Willi und Achim müssen nun ihre Differenzen überwinden und gemeinsam eine Lösung finden. Hier auf der Hütte lassen können sie Sven unmöglich. Sie befürchten, für seinen Unfalltod verantwortlich gemacht zu werden. Deshalb wollen sie seinen Leichnam wunschgemäß auf See bestatten. Achim und Willi müssen Sven also nur noch unbemerkt aus der Schweiz nach Sylt schmuggeln, was sich natürlich alles andere als einfach gestaltet. Noch dazu ist Achims Interesse an der körperlichen Unversehrtheit des Toten weniger seinem Pietätsgefühl geschuldet als der Tatsache, dass laut Sven im Tresor seines Arbeitgebers ein Haufen Schwarzgeld lagert. Ein Roadtrip quer durchs Land beginnt ... mit einer Leiche im Kofferraum.
23:10
Alles begann 1958 in einem Pariser Café: Claude Chabrol, vertieft in eine Partie Flipper, würdigt die junge Frau kaum eines Blickes, als sie ihn anspricht. Sie ist 26 und heißt Stéphane Audran. Die Schauspielerin verkörpert jenen Frauentypus der Bourgeoisie, der den Regisseur zeitlebens faszinierte: elegant, kühl, scharfsinnig, manchmal boshaft. Sie wird Chabrols Muse und 1964 auch seine Ehefrau. Das Duo Chabrol-Audran zählt zu den produktivsten der Kinogeschichte. Gemeinsam schufen sie 22 Filme von "Schrei, wenn du kannst" (1959) über "Die untreue Frau" (1969) und "Der Schlachter" (1970) bis zu "Betty" (1992).