05:25
"Die große Welle vor Kanagawa" ist der Titel des berühmten Farbholzschnitts des japanischen Künstlers Katsushika Hokusai. Hokusai, der knapp 90 Jahre alt wurde, fertigte diesen Holzschnitt im Alter von 70 Jahren an. Die große Welle von Hokusai ist der wohl bekannteste japanische Druck und gehört zu den berühmtesten grafischen Werken der Welt. Das Bild zeigt drei Boote in einer Welle vor der Küste Kanagawas und vor der Kulisse des Berges Fuji. Das dunkelblaue Wasser der turbulenten See umschließt die zerbrechlichen Boote, die das Wellental durchqueren. Wie konnte dieser Holzschnitt aus den 1830er Jahren, entstanden im zu jener Zeit von der europäischen Globalisierung abgewandten Japan, zur universellen Ikone werden? Die Dokumentation erzählt die Entstehungsgeschichte eines immer wieder aufgegriffenen Motivs, in dem das von Hokusai verwendete "Berliner Blau" der Welle eine zentrale Rolle spielt.
05:45
Wie konnte es der Homo sapiens schaffen, den gesamten Planeten zu erobern? Es war nicht allein unsere Intelligenz, die uns den entscheidenden Vorsprung verschaffte. Studien zeigen, dass Tiere in bestimmten Bereichen über erstaunliche geistige Fähigkeiten verfügen - teils sogar über bessere Problemlösungsstrategien als wir. Nach den Anthropologen Daniel Haun (Max-Planck-Institut Leipzig) und Joseph Henrich (Harvard University) besitzt der Mensch jedoch etwas Einzigartiges: die Fähigkeit, voneinander zu lernen und Wissen über Generationen hinweg anzusammeln und weiterzuentwickeln. Dieses "kumulative Lernen" führt zu immer komplexeren Werkzeugen, Technologien und Kulturen. Abstraktes Denken, Nachahmung und soziale Regeln wirken dabei wie ein Beschleuniger für Innovation. So konnte der Mensch nicht nur in lebensfeindlichen Umwelten überleben, sondern auch Landwirtschaft entwickeln, Städte bauen und ein globales Netzwerk von Handel und Kommunikation erschaffen. Kultur und Moral wurden laut der Philosophin Maria Kronfeldner (Central European University) so zum unsichtbaren Fundament des menschlichen Erfolgs. Die kulturelle Schaffenskraft des Menschen hinterlässt allerdings auch tiefgreifende Spuren - vom Klimawandel bis zur Zerstörung ganzer Ökosysteme. Damit stellt sich die Frage, ob und wie sich Kultur für eine nachhaltige und solidarische Zukunft nutzen lässt. Laut Kronfeldner besitzt das Kulturwesen Mensch die Fähigkeit, Zukunftsbilder zu entwerfen - und entsprechend zu handeln. Ob eine nachhaltige Zukunft gelingt, hängt ihrer Ansicht nach entscheidend davon ab, welchem Menschenbild wir folgen.
06:15
In den Sundarbans befinden sich die größten Mangrovenwälder der Erde. In diesen abgelegenen Sumpfgebieten versorgen sich Honigsammler und Fischer aus den umliegenden Dörfern seit Urzeiten mit überlebenswichtigen Ressourcen. Unter Lebensgefahr - denn in den Sundarbans lebt auch der Bengal-Tiger, eine der größten Raubkatze der Welt. Immer wieder kommt es zu tödlichen Zusammentreffen zwischen Raubtier und Mensch. Sonamoni, Kushalya und Buli sind drei Frauen, deren Männer nicht aus den Sundarbans zurückgekehrt sind. Die "Tigerwitwen" wurden aus ihrer Gemeinschaft verstoßen, weil die abergläubischen Dorfbewohner fürchteten, sie würden Unglück bringen. Sonamoni, die älteste von ihnen, hatte lange unter der Ächtung zu leiden, bis sie einen zweiten Ehemann fand. Doch auch er ließ sein Leben in den Klauen des Tigers. Zum Glück für einige der jüngeren Witwen verliert sich der Aberglaube allmählich. Buli, die mit 27 Jahren ihren Mann verlor, erhielt Unterstützung von Nachbarn und Verwandten. Die junge Kushalya, die nach dem Tod ihres Mannes völlig mittellos war, musste notgedrungen selbst in den Mangroven fischen gehen und sich der Gefahr eines Tigerangriffs aussetzen. Der Zoologe Aziz begibt sich regelmäßig in die Mangrovenwälder und bemüht sich darum, Tierschutz und Sicherheit der Bewohner miteinander zu vereinbaren. Um den vom Aussterben bedrohten Bengal-Tiger zu schützen, führt er Zählungen durch und setzt sich für den Erhalt eines der letzten natürlichen Lebensräume der Großkatze ein.
07:10
Im Schatten einer malerischen Burg im Süden Deutschlands leben skurrile Vögel, die wie Fabeltiere anmuten: Waldrappe. In einem künstlichen Nistplatz brütet in Burghausen die erste Kolonie der Ibisvögel in Mitteleuropa. Bis ins Mittelalter waren die gänsegroßen Tiere mit dem dunklen Gefieder weit verbreitet. Doch sie wurden gejagt und vor etwa 400 Jahren ausgerottet. Zwar überlebten einige wenige Tiere in Marokko und Syrien, doch erst in Zoos konnten sie in größerer Zahl erfolgreich gezüchtet werden. Naturschützer kamen auf die Idee, Waldrappe auszuwildern. Sie starteten ein aufwendiges Projekt. Denn die Nachkommen von Zoovögeln mussten von Menschen lernen, wohin sie ins Winterquartier fliegen müssen. Mit Ultraleichtfliegern wurde ihnen der Weg von Burghausen nach Italien gezeigt. Von allein kehrten die Vögel zurück und brüten seit 2011 erfolgreich an der Burgmauer der Kleinstadt. Corinna Esterer und Oliver Habel vom Waldrappteam beobachten in Burghausen die Brutkolonie. Denn noch ist die Zahl der Vögel klein und jedes Küken besonders wertvoll. Auf die jungen Waldrappe lauern viele Gefahren: Müll im Nest, Attacken von Feinden und Stromschlag. Von März bis November greifen die Vogelfreunde ein, wenn es nötig ist. Erstmals beobachtet eine Kamera am Nest hautnah die gesamte Brutzeit. Und nie zuvor gelang es, einem Waldrapp eine Kamera auf den Rücken zu schnallen und seinen Flug aus der Vogelperspektive zu erleben. Ein Jahr lang folgt der Film den Tieren von Deutschland bis nach Italien. Werden es die frei geborenen Waldrappe schaffen, wild zu leben wie einst ihre Ahnen?
08:00
Parkinson-Patient Christian Lorek steht eine besondere OP bevor: Mit der "tiefen Hirnstimulation" soll das Zittern seiner Hände gestoppt werden, ein typisches Symptom der Parkinson-Krankheit. Dafür werden zwei Elektrodenkabel rund acht Zentimeter tief in sein Gehirn implantiert. Sie senden von dort dauerhaft Stromimpulse aus. Doch wird die Therapie wirken? Auch bei Epilepsie könnte das Verfahren eingesetzt werden. Doch Epilepsie-Patient Tim Sturm scheut einen Eingriff in sein Gehirn. Kann ihm ein erst kürzlich zugelassenes Schädeldecken-Implantat helfen, das von außerhalb durch den Kopfknochen hindurch das Gehirn mit Strom stimuliert? Im Kampf gegen schwere Depressionen ist die tiefe Hirnstimulation noch im Versuchsstadium. Am Uniklinikum Freiburg erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Verfahren und sehen bei ihren Probanden immer wieder erstaunliche Erfolge: Waren sie vorher von extremen psychischen Belastungen und Suizidgedanken geplagt, so zeigen sie unter der Strombehandlung wieder Lebensfreude. Neurowissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in Marseille wollen zunächst das Gehirn auf Zell-Ebene verstehen, um die Möglichkeiten der Stromtherapien zu erweitern. Gemeinsam mit Materialforschern suchen sie nach dem perfekten Implantat, das flexibel und stabil zugleich sein sollte. Ärzte, Betroffene und Forschende aus Deutschland, Frankreich und England geben Einblick in bahnbrechende Therapien und neue technologische Entwicklungen. Die Wissensdoku macht deutlich: Neuro-Implantate für das Gehirn können Patienten eine Perspektive bieten.
08:55
Monogamie ist ein kulturelles Ideal und gleichzeitig ein komplexes biologisches Phänomen - und gilt für viele als das Beziehungsmodell der Wahl. Doch die Realität sieht anders aus: Die Hälfte aller Ehen in Deutschland und Frankreich scheitern, Untreue ist einer der häufigsten Trennungsgründe und alternative Formen wie offene Beziehungen gewinnen an Bedeutung. Warum gelingt es oft nicht, ein Leben lang sexuell treu zu lieben? Expertinnen und Experten erklären, dass Monogamie im Tierreich selten und eher an Umwelteinflüsse gebunden ist, etwa bei Vögeln, die gemeinsam Brutpflege betreiben, oder bei isoliert lebenden Gibbons. Entscheidende genetische Mechanismen, die Paarbindungen unterstützen, sind uralt und in vielen Arten vorhanden, jedoch selten lebenslang exklusiv. Beim Menschen wirken zusätzlich soziale, kulturelle und religiöse Normen, die Monogamie absichern: Sesshaftigkeit, Besitz, Erbfolge und religiöse Sakramente schufen jahrtausendealte Strukturen, die bis heute prägend sind. Doch die Idealisierung der lebenslangen Treue wird zunehmend hinterfragt. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass die Zufriedenheit mit einer Beziehung nicht zwangsläufig an sexuelle Treue gebunden ist. Familienmodelle jenseits der klassischen Monogamie zeigen oft ein gleichwertiges oder sogar besseres Vertrauen der Partner. Was bleibt, ist die Suche vieler Menschen nach Nähe, Sicherheit und Geborgenheit - und doch ringen sie mit den Zwängen eines Modells, das im Wandel ist. Vielleicht ist es an der Zeit, Liebe neu zu denken und sich mehr miteinander auszutauschen, wie man die Partnerschaft ein Leben lang führen will.
09:25
Wie kann Architektur Gemeinschaft fördern, Kreativität freisetzen, Eigenständigkeit stärken? "Das gebaute Versprechen" ist eine dreiteilige Dokumentationsreihe über Gebäude, die eine wichtige soziale Funktion haben: Schulen, Gefängnisse, Obdachlosenunterkünfte. Der erste Teil zeigt wegweisende Schulen, die moderne Unterrichtsideen in Architektur übersetzen. Der Schulcampus Neustift - spektakulär in die österreichische Landschaft eingebettet - ist transparent, licht, weit. Jeder Jahrgang hat seinen eigenen Bereich mit offenen Lernzonen und flexiblen Möbeln. Lernen ist überall möglich - auch auf den begrünten Dächern. Eine Architektur, die Selbstständigkeit und Weitblick schafft. Das Lycée français international Simone Veil (LfiSV) in Frankreich ist lichtdurchflutet. Pflanzen im Innern und hochwertige Materialien sorgen für eine entspannte Lernatmosphäre. Die Gänge sind Aufenthaltsort und die Eingangshalle sozialer Knotenpunkt. Schule ist hier Lern- und Lebensraum, in der sich Schüler und Lehrer wohlfühlen sollen. In der Dybkærskolen in Dänemark ist Frontalunterricht passé. Hier setzt man auf projektbasierten Unterricht - die Schülerinnen und Schüler erarbeiten Projekte, die Lehrerinnen und Lehrer begleiten sie. Die Architektur ist genau dafür gemacht. Mit flexiblen Räumen, Nischen und Lernmöbeln fördert sie Gemeinschaft und Individualität und macht ganz einfach Spaß.
09:55
"Twist" taucht in die Nostalgie-Welle ein und besucht Margit und Martin Schwed, die in der Nähe von Wien leben und wohnen wie in den 1920 Jahren. Sie kochen auf dem Holzofen und spülen das alte Geschirr von Hand. Nur beruflich geht es nicht ganz ohne Smartphone und Laptop. Ihr selbstgebautes Haus - nicht nur für sie ein Refugium vor der hektischen Gegenwart. In Nantes trifft "Twist" den Musiker Mattyeux. Er liebt den Sound und die Ästhetik der 80er und 90er Jahre. Eine Zeit, die der junge Franzose nie erlebt hat und die dennoch sein künstlerisches Universum prägt. In seinen Songs erzählt Mattyeux von Jugend, Liebe und der Sehnsucht nach Einfachheit in einer komplexen Welt. Während der Vintage-Look von Karolina ?ebrowska an vergangene Jahrzehnte erinnert, ist ihre Arbeit fest in der Gegenwart verankert: Auf YouTube begeistert die polnische Modehistorikerin ein breites Publikum. In ihren Videos analysiert sie mit viel Humor, wie authentisch Kostüme aus Filmen und Serien überhaupt sind. Die englische Historikerin Agnes Arnold-Forster bezeichnet Nostalgie in ihrem Buch als "gefährliches Gefühl". Populisten nutzen Nostalgie immer mehr, um Wähler zu manipulieren. Doch die Autorin, selbst bekennende Nostalgikerin, spricht sich klar für einen "Retro-Lifestyle" aus: Vergangenheit als Inspiration für eine bessere Zukunft.
10:30
Spaniens Mittelmeerküste zwischen Cadaqués und Torrevieja ist überraschend vielfältig. Ganz im Norden, an der Grenze zu Frankreich, fasziniert die Costa Brava mit bizarren Felsformationen und verschwiegenen Buchten. Die weißen Häuser des malerischen Städtchens Cadaqués schmiegen sich rund um die Kirche Santa Maria. In der azurblauen Bucht schaukeln Boote im Wind - ein Motiv, das schon den Maler Salvador Dalí zu einem Gemälde inspirierte. Die Fischer des Ortes kooperieren heute mit einem Team junger Meeresbiologen. Sie retten Weichkorallen aus den Netzen und bringen sie ins Meer zurück. Doch auch das Hinterland der Ostküste hat viel zu bieten. An den steilen Hängen des Priorats gedeiht seit Jahrhunderten Wein. Die Winzerin Sara Pérez lässt ihn in Amphoren reifen. Weiter südlich ist das Dorf Chulilla der Anlaufpunkt für Kletterer aus aller Welt. Die spektakuläre Schlucht des Flusses Turia mit ihren steil aufragenden, über 80 Meter hohen Felswänden ist ein Naturwunder und beliebtes Ziel für Kletterbegeisterte. Im nahen Valencia dreht sich alles um die Orange. Viele der Bauern haben auf Bioanbau umgestellt und gehen auch bei der Vermarktung neue Wege. Crowdfarming, eine innovative Vermarktungsmethode, ist das Stichwort: Die Kunden können einen Orangenbaum adoptieren und bekommen ihre Früchte ohne Zwischenhändler direkt zugeschickt. An der Mündung des Ebro ist das Land vollkommen flach. Bis zum Horizont erstrecken sich die Reisfelder. Hier und in den Salzlagunen bei Torrevieja rasten Tausende von Zugvögeln. Die hellen, feinen Sandstrände gaben der Costa Blanca ihren Namen.
11:20
Der Saguenay-St. Lawrence Marine Park schützt über 2.000 Tier- und Pflanzenarten. Darunter auch bedrohte Arten wie den Belugawal und den Blauwal. Die Mündung des Saguenay-Fjords in den Sankt-Lorenz-Strom ist reichhaltige Nahrungsquelle und ein wichtiger Futterplatz für die Meeressäuger auf ihrer Migrationsroute. Darum wurde 1998 hier in Québec der erste Wassernationalpark Kanadas gegründet. Der Park grenzt an eine Hauptverkehrsader Kanadas: den Sankt-Lorenz-Strom. 7.000 Containerschiffe befahren jedes Jahr den Fluss. Natur und Mensch sollen hier koexistieren. Parks Canada überwacht sämtliche Aktivitäten im geschützten Gebiet. Das wird vor allem dadurch erschwert, dass es auf dem Wasser keine physischen Barrieren gibt. Seit Jahren schwankt die Zahl der Wale, die sich normalerweise einige Monate an der Mündung aufhalten. Wissenschaftler, unter anderem vom privaten Institut GREMM, wollen herausfinden, woran das liegen könnte; die Geschichte der Belugawale zeigt, wie sensibel die Ökosysteme sind. Die südlichste Belugapopulation der Erde wurde beinahe ausgerottet und ist nach wie vor bedroht. Ob sie überleben wird? Biologen und Parkwächter schützen die Baie-Sainte-Marguerite, das Geburtshaus der Belugas, vor den Menschen. Die Rückkehr des Wanderfalken in den Saguenay-Fjord zeigt, wie nachhaltiger Artenschutz funktionieren kann.
12:15
Der Cape-Breton-Highlands-Nationalpark liegt im Norden der kanadischen Atlantikprovinz Nova Scotia und erstreckt sich zwischen dem Sankt-Lorenz-Golf und dem Atlantik. 1936 gegründet, umfasst er eine Fläche von rund 1.000 Quadratkilometern. Im Park herrscht borealer Wald vor, in denen Elche und Kojoten zu Hause sind. An seinen Küsten siedelt der Weißkopfseeadler, im Meer tummeln sich Wale und Robben. Cape Breton ist seit Jahrtausenden Siedlungsgebiet der Mi'kmaq, die zu den First Nations zählen. Nach Jahren der Diskriminierung und Ausgrenzung haben sie eigene Organisationen gegründet, die im Naturschutz aktiv ist. Sie halten die Traditionen ihres Volks lebendig und vermitteln sie an Interessierte. Sie zeigen, warum die Schwarzesche für sie besondere Bedeutung hat, zu welchen Gelegenheiten sie Tabak spenden, was sie bei Bluthochdruck unternehmen und warum das Wasser Ursprung allen Lebens ist. Neben den Mi'kmaq leben auf Cape Breton auch Akadier - Nachfahren der Franzosen, die zu den ersten Siedlern aus Europa gehörten. Ihnen folgten im 18. Jahrhundert Schotten, die sich zunächst in der rauen Natur zurechtfinden mussten. Auch sie besinnen sich auf ihre Herkunft und pflegen ihre Traditionen, ohne ihre Zugehörigkeit zu Kanada zu leugnen.
13:10
Amélie ist nicht ganz von dieser Welt. Aber das macht nichts, denn Amélie hat ihre eigene, fabelhafte Welt. Amélie liebt die kleinen Dinge, die leisen Töne und die zarten Gesten. Sie hat ein Auge für Details, die jedem anderen entgehen, und einen Blick für magische Momente, die flüchtiger sind als ein Wimpernschlag. Amélie hat den Kopf in den Wolken. Aber dennoch steht sie mit beiden Beinen auf der Erde. Vielleicht liegt das an den flachen Kieselsteinen, die sie in ihrer Manteltasche sammelt, um sie in freien Minuten übers Wasser hüpfen zu lassen. Vielleicht ist es aber auch ihr Job, der sie in der Realität festhält, denn Amélie arbeitet in einem Café in Montmartre. Eifersüchtige Liebhaber, gescheiterte Genies, tragisch verunglückte Artisten und sehnsuchtskranke Hypochonder bevölkern dieses skurrile kleine Universum. Sie alle tragen schwer an ihrem Schicksal, während Amélie, die bezaubernde Kellnerin mit dem spitzbübischen Lächeln, kleine silberne Tabletts an ihre Tische trägt und ihnen stets ihr großes Herz serviert. Amélie ist eine Träumerin, aber sie hat einen wachen Blick. Und als sie eines Tages beschließt, als gute Fee in das Leben ihrer Mitmenschen einzugreifen, weiß sie genau, was sie zu tun hat: Sie schickt einen Gartenzwerg auf Weltreise, sie zaubert jahrzehntelang verschollene Liebesbriefe herbei, sie versetzt erwachsene Männer in ihre Kindheit zurück, sie wird Schutz- und Racheengel in einer Person. Alles scheint ihr zu gelingen, aber als sie Nino trifft, den Mann ihrer Träume, weiß sie nicht, wie sie sich selbst zum Glück verhelfen soll. Mit tausend Dingen bezaubert sie Nino aus der Ferne; doch mutig aus dem Schatten ihrer Fantasie zu treten, ist nicht ihre Sache - bis ihr ein guter Geist auf die Sprünge hilft ...
15:05
Die Prinzessin Olympia wurde vom österreichischen Kaiserhof verbannt: Wegen ihres extravaganten Benehmens trieb sie ihren Exmann fast in den Selbstmord. Als sie eines Tages bei einem Ausritt vom Pferd stürzt, hilft ihr der vorbeifahrende amerikanische Ingenieur Charles "Charlie" Foster wieder auf die Beine. Der Gentleman begleitet die Unbekannte zu einer Jägerhütte, wo die beiden in getrennten Betten die Nacht verbringen. Am nächsten Morgen ist Olympia fort, ohne Charlie ihre wahre Identität enthüllt zu haben. Zurück bei den Eltern bekommt Olympia zwei erfreuliche Mitteilungen: Der Kaiser hat die Verbannung aufgehoben, und Olympia soll nun den preußischen Prinzen Ruprecht heiraten, um eine politische Allianz der beiden Staaten zu gewährleisten. Doch nichts ist sicher: Auf dem ersten Ball mit ihrem zukünftigen Gemahl taucht nämlich Charlie auf, der den Prinzen Philip, Olympias Vater, zum Aluminiumgeschäft mit den Amerikanern überreden möchte. Der Anblick der Prinzessin bringt Charlie aus der Fassung, und bald tanzen sie zu zweit durch den Raum bis zum Ausgang, in die Nacht hinein. Die märchenhafte Wiederbegegnung hat jedoch keine Zukunft; die Prinzessin ist fest entschlossen, ihre verantwortungsvolle Rolle zu erfüllen. Liebe gehört zu einer Partnerschaft nicht unbedingt dazu. Von einer außerehelichen Beziehung möchte Charlie hingegen nichts wissen. Inmitten der höflichen Intrigen ist die Angst um einen Skandal vor der Trauung hoch, und der junge Mann wird zur Gefahr. Gegen sein Wort, über die vergangenen Treffen mit Olympia zu schweigen, verlangt Charlie nur eines: ein letztes Wochenende allein mit ihr.
16:45
Radikal und entschlossen hat sich Paula Modersohn-Becker gegen zahlreiche Widerstände ihren Platz in der Kunst erkämpft und eine kraftvolle Bildsprache entwickelt, die ihrer Zeit weit voraus war. Auch 150 Jahre nach ihrer Geburt sehen zeitgenössische Künstlerinnen in ihr ein bedeutendes Vorbild und eine konstante Inspirationsquelle, deren Mut und Beharrlichkeit sie in ihrem eigenen Schaffen stärkt. Um die Jahrhundertwende 1900 sucht Modersohn-Becker zielstrebig ihren Weg zwischen Worpswede und Paris - und widmet sich Themen, die ihr Werk prägen: Selbstbestimmung, Körperlichkeit, Mutterschaft und künstlerische Freiheit. Expertinnen und Experten ordnen diese Aspekte ein und verdeutlichen die strukturellen Hürden, denen Frauen in der Kunst damals wie heute begegnen. Sie zeigen, wie stark gesellschaftliche Erwartungen Modersohn-Beckers Möglichkeiten begrenzt haben - und wie unbeirrbar sie dennoch an ihrer künstlerischen Vision festgehalten hat. "Paula Modersohn-Becker. Keine Kompromisse" legt dar, wie das Werk der Künstlerin in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich an Bedeutung gewonnen hat und heute national wie international breite Anerkennung erfährt. Die Dokumentation öffnet damit nicht nur den Blick auf eine außergewöhnliche Persönlichkeit, sondern auch auf die bis heute aktuellen Themen wie Sichtbarkeit, Gleichberechtigung und künstlerische Selbstbestimmung.
17:35
Johannes Brahms und die Gattung der Symphonie - was für den Komponisten ein langes und steiniges Kapitel darstellte, erweist sich für die musikalische Nachwelt als großes Geschenk. Die 4. Symphonie e-Moll op. 98 ist Schluss- und Höhepunkt seines symphonischen Komponierens, nur ein Orchesterwerk sollte er danach noch schreiben: das Doppelkonzert - ein "Versöhnungswerk" für die entzweiten Freunde Johannes Brahms und Joseph Joachim, Star-Geiger seiner Zeit. Bestens geeignet für die Interpretation dieses Meisterstückes sind die Bamberger Symphoniker unter Jakub Hrusas Leitung sowie einer der diesjährigen Fokus-Künstler des Rheingau Musik Festivals Renaud Capuçon an der Geige und Julia Hagen am Cello. Der Franzose Renaud Capuçon gehört zu den herausragenden Violinvirtuosen unserer Zeit. Als Konzertsolist und Kammermusiker begeistert er immer wieder Fachpresse wie Publikum. Zusammen mit der jungen Österreicherin Julia Hagen, der Natürlichkeit und "Mut zum Risiko" beim Cellospiel zugeschrieben wird, verspricht das Wechselspiel beim Doppelkonzert besonderen Musikgenuss. Das Rheingau Musik Festival hat sich seit Gründung im Jahr 1987 zu einem der wichtigsten europäischen Musikfestivals entwickelt und zieht jedes Jahr außergewöhnliche Künstlerinnen und Künstler in die reizvolle Region. Programm: Johannes Brahms: Doppelkonzert a-Moll, op. 1 Johannes Brahms: 4. Symphonie e-Moll, op. 98
18:25
Ein künstlerisches und humorvolles Spiel mit Klischees bietet dieses Magazin. In jeder Folge werden dabei bestimmte Eigenheiten der Franzosen und Deutschen unter die Lupe und auch aufs Korn genommen.
18:35
Etwa 6.700 Inseln, Inselchen und Felsbuckel ragen zwischen der schwedischen Hauptstadt Stockholm und der Westküste Finnlands aus der Ostsee hervor. Sie bilden die autonome Region Åland. Die wechselvolle politische Geschichte dieser Grenzregion kann man geradezu schmecken. Auf der Schäreninsel Föglö leben etwa 500 Menschen. Hier liegt der Bauernhof von Conny Jansson und Veronika Olofsson. Gemeinsam mit ihren beiden Jungs pflegen sie die Traditionen der åländischen Küche. Der Ålandspannkaka ist vermutlich die bekannteste Leckerei der Schäreninseln: Es ist kein gewöhnlicher Pfannkuchen, sondern eine mehrere Zentimeter dicke Masse aus Eiern, Grieß und Milch. Zu einem Festessen kommen Sundspiroggen - gefüllt mit Gehacktem, klein gestückelten gekochten Eiern und einer Art Milchreis - auf den Tisch.
19:10
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:30
In Huanchaco, einem Fischerort an der Nordwestküste Perus, macht sich Lorenzo Ucañan zu Fuß auf den Weg zu den Schilffeldern. Er ist Fischer und hat das Handwerk des Schilfbootbauens von seinem Vater gelernt. Seit Urzeiten fischen die Menschen von Huanchaco in Schilfbooten, den Caballitos, die klein und wendig auf den Wellen reiten. Man erzählt sich, hier sei das Surfen erfunden worden, vor 3.000 Jahren. Es heißt, die jungen Männer der Chimú-Kultur seien mit ihnen zu einer Art Reifeprüfung auf dem Ozean angetreten. Lorenzo baut jeden Monat ein neues Boot. Nachhaltiger geht es nicht: Es ist aus Naturmaterialien, braucht kein Benzin, macht keinen Lärm und hinterlässt kaum Rückstände, wenn es nach einem Monat nicht mehr seetüchtig ist. Aber in Huanchaco stehen immer mehr Caballitos als Dekoration am Strand. Der Fischfang ist stark zurückgegangen, der Beruf des Fischers droht auszusterben. Auf dem Meer tummeln sich jetzt Touristen auf bunten hawaiianischen Brettern. Der Ort mutiert zu einem Surf-Hotspot. Auch Lorenzos Söhne versuchen, als Surflehrer an dem neuen Boom teilzuhaben. Die älteren Fischer sehen den Ausverkauf ihrer Traditionen und das Aussterben ihres Handwerks mit Wehmut. Während sie verzweifelt versuchen, wenigstens den traditionellen "Tag des Fischers" zu Ehren des heiligen Petrus zu retten, veranstaltet Lorenzos Sohn Joel einen großangelegten Surfwettbewerb. Er findet die Sponsoren, die den Fischern für ihr Fest fehlen. Mit der Zähigkeit, die sie das Meer gelehrt hat, ziehen sie es trotzdem durch.
20:15
England, 1932: Auf dem Landsitz Gosford Park hat sich eine illustre Gesellschaft eingefunden. Die Anwesenden sind einer Einladung des so wohlhabenden wie eigenwilligen Sir William McCordle und seiner Frau Lady Sylvia gefolgt. Neben der blasierten Lady Constance und dem galanten Lord Stockbridge zählen auch der Hollywoodstar Ivor Novello und der US-Filmproduzent Morris Weissman zu den Gästen. Mit gutem Essen, Musik und Jagdausflügen vertreiben die Herrschaften sich die Zeit. Allerdings bleiben Spannungen nicht lange aus. Vor allem Lady Constance genießt es, für Unruhe zu sorgen. Die zahlreichen Bediensteten, darunter die strenge Hausdame Mrs. Wilson, der Butler Henry Denton und der geheimnisvolle Robert Parks, leben derweil in einer Art Parallelwelt. Hinter den Kulissen durchschauen die Diener und Zofen so manches Ränkespiel der feinen Aristokratie, pflegen untereinander aber ähnliche Hierarchien wie ihre Arbeitgeber. So nimmt ein feudales Wochenende der britischen Upper Class seinen Lauf, bis ein dramatischer Zwischenfall die Anwesenden aus ihrer eitlen Lethargie reißt: Vor der versammelten Gästeschar kommt es zwischen Sir William und Lady Sylvia zu einem heftigen Streit, und noch am gleichen Abend wird der Gastgeber ermordet aufgefunden. Dies ruft Inspektor Thompson auf den Plan, der jedoch kaum fähig scheint, Licht in die Sache zu bringen.
22:30
Die Hauptwerke der britischen Schriftstellerin Jane Austen "Stolz und Vorurteil" und "Emma" stammen aus der Zeit der Regency (etwa 1810 bis 1820) und zählen zu den Klassikern der englischen Literatur. Am 16. Dezember 2025 feiert Austen ihren 250. Geburtstag. Sie stammte aus einer einfachen, gebildeten Familie. Ihr Vater war anglikanischer Pfarrer, sie war das siebte von acht Kindern. Ihre Romanheldinnen sind vor allem unverheiratete Frauen im heiratsfähigen Alter. Von Anfang an ist sie mit ihren Romanen erfolgreich, die sie anonym als "By a Lady" veröffentlicht. Prinzregent George, Namensgeber der Regency-Epoche, ist begeisterter Leser ihrer Werke. Auch die Verfilmungen ihrer Werke zählen längst zu den Klassikern, bis hin zu "Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück" (2001), einer modernen Adaption von "Stolz und Vorurteil" nach dem Roman von Helen Fielding. Heute steht Austen auf dem Höhepunkt ihres Ruhms: eine Weltliteratin von multimedialer Präsenz. Das mit leichter Hand erzählte Porträt zeigt sowohl die Welt der großartigen Schriftstellerin als auch die Welt ihrer Romane. Historikerinnen und Historiker sowie Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftler sprechen über das Leben und das Werk der britischen Autorin. Filmausschnitte laden zum Schmachten ein.
23:20
2027: Theo Faron lebt in einer Welt, die zugrunde geht. Seit 2009 ist kein Kind mehr geboren worden, die Menschheit stirbt langsam aus, und eine Reihe von Pandemien und Kriegen haben jede Hoffnung auf Glück und Frieden zerstört. In Theos Heimatland, Großbritannien, sind alle Grenzen geschlossen und jeder Einwanderer wird von der Polizei unerbittlich gejagt, eingesperrt und zurückgeschickt. Doch es gibt auch Widerstand: in Form einer Rebellengruppe unter der Führung von Julian - Theos Ex-Frau. Nach 20 Jahren taucht sie wieder in Theos Leben auf und bittet ihn gegen Entlohnung um Hilfe. Es geht darum, der jungen Migrantin Kee die notwendigen Papiere zu besorgen, um sie außer Landes in Sicherheit zu bringen. Theo verfügt über die nötigen Beziehungen und willigt ein, um Julian einen Gefallen zu tun. Doch bald sieht er sich im Mittelpunkt einer Verschwörung: Kee ist schwanger und selbst in ihrem Versteck bei den Rebellen in Lebensgefahr. Mit der früheren Hebamme Miriam unternimmt Theo eine Rettungsaktion. Dabei hofft er auf die Hilfe des "Human Project", einer Geheimorganisation, die sich der Forschung zur Rettung der Menschheit verschrieben hat. Doch bisher konnte die Existenz dieser Organisation nicht bewiesen werden. Gleichzeitig rückt der Geburtstermin immer näher und Theo steht mit seinen zwei Weggefährtinnen allein da, gegen den Rest der Welt ... Dystopischer Film des Erfolgsregisseurs Alfonso Cuarón, der trotz seines pessimistischen Ausgangspunkts voller überraschender Wendungen ist - mit treffender Ironie.
01:05
Bei einem Landgang in Antwerpen verpasst der US-Seemann Philip Gale sein Schiff und wird noch dazu von dem Mädchen, mit dem er die Nacht verbracht hat, bestohlen. All sein Geld ist weg, aber schlimmer noch, sie nimmt auch sein Seefahrtsbuch an sich. Schon bald muss er feststellen, dass man ohne Papiere kein Mensch ist. Der anfangs noch hochmütige junge Mann lernt, dass ihn ohne Papiere kein Schiff an Bord nimmt. In Rotterdam versucht er, über das amerikanische Konsulat an neue Papiere zu kommen. Da dies jedoch eine langwierige Angelegenheit ist und er glaubt, im Süden leichter ohne Papiere einen Job zu finden, macht er sich auf den Weg nach Marseille. Unterwegs trifft er die schöne Mylène, an die er bei seinem folgenden Abenteuer voller Sehnsucht zurückdenken wird. In Marseille findet Gale zunächst auch keine Arbeit. Als er schließlich von einem verwahrlosten Seemann angesprochen wird, ist er zunächst skeptisch. Doch als der Kapitän ihm erklärt, sie hätten einen Schiffbruch erlitten und das Schiff sei Richtung Boston unterwegs, seine Heimat, wo er hofft, endlich neue Papiere ausgestellt zu bekommen, willigt er schließlich ein. An Bord erkennt er gleich, dass auf diesem verrotteten Kahn etwas nicht stimmt. Die Arbeit ist hart, Unterkunft und Essen sind schlecht und der Kapitän führt etwas im Schilde ...
02:40
Sie war Präsidentin oder Astronautin - lange, bevor die Realität ihr folgte: Barbie. Es gibt sie in allen Hautfarben, im Rollstuhl - Diversität und Inklusion sind längst Teil des Konzepts. Keine andere wird so geliebt und gehasst wie sie. Im Sommer 2023 eroberte "Barbie" als Hollywoodfilm die Kinoleinwand. Die Welt war im Barbie-Fieber, Pink die Modefarbe der Saison. Doch was viele nicht wissen: Barbie ist das Produkt der ehrgeizigen Geschäftsfrau Ruth Handler, einem amerikanischen Einwandererkind mit jüdisch-polnischen Wurzeln. Gemeinsam mit ihrem Mann und einem Geschäftspartner gründete sie das Spielzeugunternehmen Mattel. Auf einer Europareise entdeckte sie die Puppe "Lilli", ein Merchandise-Produkt einer Boulevardzeitung. Handler erkannte sofort das Potenzial: Zum ersten Mal sah sie eine erwachsene Puppe mit eigenem Stil. Zuvor gab es nur Babypuppen, die Mädchen früh auf die Mutterrolle vorbereiten sollten. 1959 wurde Barbie auf der Spielwarenmesse in New York vorgestellt. Bereits im ersten Jahr verkaufte Mattel rund 350.000 Exemplare - das Barbie-Universum war geboren. Das Konzept war schlüssig und wirtschaftlich durchdacht: Barbie wurde zum Sinnbild einer selbstständigen Frau - mit eigenem Haus, Auto und Beruf. Heute ist sie mit Millionen Followern auf Instagram auch Influencerin. Viele erfolgreiche Frauen wurden als Barbie verewigt - darunter die deutsche Meeresbiologin Antje Boetius. Die Dokumentation zeigt: Barbie ist und bleibt ein Phänomen.
03:35
Als die Regisseurin Jeanne Lefèvre das Haus ihrer Großeltern ausräumt, stößt sie auf Zeitungsausschnitte, Fotos, 8-mm-Filme und ein Tagebuch. Der Fund dokumentiert eine Reise ihres Großvaters, des Kernforschers und Ingenieurs Bruno Parlier, nach Adélieland, einen von Frankreich beanspruchten Teil der Antarktis, im Jahr 1959. Lefèvre beschließt, seinen Weg bis zum Südpol anhand der Archivdokumente nachzuverfolgen. An Bord des Schiffes Astrolabe, das Hobart in Tasmanien mit Adélieland verbindet, durchquert sie das eisige Südpolarmeer, passiert atemberaubende Landschaften aus Packeis und Gletschern und erreicht schließlich die Dumont-d'Urville-Forschungsstation. Sie will erkunden, was ihr verstorbener Großvater hier erlebte. Gleichzeitig möchte sie die antarktische Welt der Wissenschaft selbst entdecken und davon erzählen. Im Gespräch mit den Forschenden der Station erfährt sie, dass sich die Herausforderungen hier innerhalb von nur zwei Generationen radikal verändert haben: Während in den 1960er-Jahren die Kernforschung im Mittelpunkt stand, geht es heute um das alarmierende Voranschreiten des Klimawandels. In Adélieland werden essenzielle Daten gesammelt, um die globalen Umbrüche der Zukunft verstehen und vorhersagen zu können. Vor der Kamera und im Aquarellskizzenbuch hält Jeanne ihre Reise aus der Ich-Perspektive fest. So entsteht ein ehrliches, einfühlsames Porträt dieser unwirtlichen und faszinierenden Landschaft. Es ist eine Welt, die sich kaum in Worte fassen lässt, geprägt von den Legenden der ersten Entdecker und Pioniere.