21:05
Am 1. Oktober 1949 ruft Mao Zedong in Peking die Volksrepublik China aus. Dieses Ereignis markiert den Beginn einer neuen Ära. Die nationalistischen Kuomintang und ihre Anhänger fliehen auf die Insel Taiwan, die sich daraufhin für unabhängig erklärt. Ein immer noch ungelöster Konflikt, den der heutige starke Mann Chinas, Xi Jinping, militärisch beenden und damit Maos Traum von der nationalen Einheit Chinas verwirklichen will, wie er bei seinem Amtsantritt angekündigt hat. Kaum ist die Volksrepublik China ausgerufen, bricht 1950 der Koreakrieg aus. Mao gerät in einen außenpolitischen Konflikt. Dennoch leitet er in aller Eile eine Reihe von Reformen ein, die dem Land schneller als erwartet zu einem enormen Aufschwung verhelfen - auf Kosten vieler Menschenleben. Nicht nur Großgrundbesitzer werden brutal enteignet und oft hingerichtet, auch sogenannte Konterrevolutionäre werden getötet, um die eigene Macht zu festigen. Mao initiiert die Hundert-Blumen-Bewegung, die Intellektuelle ermutigt, Kritik an der Regierung und den bestehenden politischen Verhältnissen zu äußern. Doch als die Kritik zu laut wird, reagiert er mit der Verfolgung eben jener Kritiker und schafft so ein noch bedrückenderes Klima der Angst. Innenpolitisch unter Erfolgszwang, wird Mao ungeduldig: China soll sich schneller industriell entwickeln. Dafür wagt er den "Großen Sprung nach vorn", der dazu führt, dass sich zu viele Chinesen um die Stahlproduktion und zu wenige um die Ernte kümmern. Eine der größten Hungersnöte der Geschichte ist die Folge.
22:00
Nach den katastrophalen Folgen des "Großen Sprungs nach vorn" steht Mao Zedong in der Kritik. Er sorgt sich um sein Erbe und holt zum Gegenschlag aus, um seine Rivalen auszuschalten. Mao ruft die "Große proletarische Kulturrevolution" aus. Als Motor seiner Kampagne hat er die Jugend auserkoren, die sich als Rote Garden formieren und die "konterrevolutionären Elemente" in der Gesellschaft beseitigen soll. Bewaffnet mit einer Sammlung von Mao-Zitaten ziehen die Roten Garden durch Städte und Dörfer, zerstören kulturelle Artefakte und setzen Lehrer, Intellektuelle und auch Parteifunktionäre Gewalt und Demütigungen aus. Das Land versinkt in ein Klima der Angst, des Misstrauens und der Gewalt. Mao kann das anarchische Chaos nur durch militärisches Eingreifen beenden. Trotzdem wird der Revolutionär im Westen zur Ikone der beginnenden Studentenrevolten. Am Ende der Kulturrevolution gelingt es dem alternden Mao nicht, einen Nachfolger zu bestimmen. Von Parkinson und Schlaganfällen gezeichnet stirbt er 1976. Mit der Parole "70 Prozent gut, 30 Prozent schlecht" beendet die Partei die Aufarbeitung des Mao-Regimes. Bis heute dient Mao in der mythisch aufgeladenen Figur des Großen Vorsitzenden dem Regime zum Machterhalt - insbesondere unter Xi Jinping, der in mancher Hinsicht bewusst an Mao anknüpft.
22:50
Die Dokumentation erzählt vom Boxerkrieg und beleuchtet dabei auch die Rolle des Deutschen Reiches, das den Konflikt zur Bühne imperialer Ambitionen machte. Befeuert unter anderem durch die berüchtigte "Hunnenrede" Kaiser Wilhelms II. kamen am Ende über 100.000 Menschen ums Leben, vor allem chinesische Zivilisten. Am Ende der Eskalation steht das Boxerprotokoll von 1901 (Xinchou-Vertrag), das China zu Reparationszahlungen, politischen Zugeständnissen und symbolischer Demütigung verpflichtete. Eine zentrale Forderung war die sogenannte "Sühnemission" des 18-jährigen Prinzen Chun nach Deutschland - geprägt von Machtungleichgewicht, rassistischen Vorstellungen der "Gelben Gefahr" und tiefen kulturellen Missverständnissen. Die ARTE-Geschichtsdokumentation von Minh An Szabó de Bucs und Grit Lederer zeigt mit Unterstützung namhafter Historiker und Expertinnen, wie leicht Konflikte eskalieren, wenn zivilisatorische Normen missachtet werden - und wie stark der Boxerkrieg das Verhältnis zwischen China und der westlichen Welt bis heute prägt.
23:45
In Europa bildete sich im 6. Jahrhundert nach Christus ein eigener Bauernstand heraus. Der Untergang des Römischen Reiches hatte den Zerfall großer Städte nach sich gezogen, und die Menschen waren fortan gezwungen, ihren Lebensunterhalt auf dem Lande zu erwirtschaften. Die Zeit der ganz auf den Handel ausgerichteten römischen Landwirtschaft war vorbei. Entbunden von den Steuerlasten und der Pflicht, die großen Städte des Reiches mitzuversorgen, produzierten die Bauern nicht mehr als sie selbst benötigten. Ab dem 8. Jahrhundert erhoben immer mehr regionale Herrscher Steuern, außerdem führten sie Fronarbeit und Leibeigenschaft ein. Auch die Kirche hatte Anteil an der Unterdrückung, indem sie die bäuerlichen Kulte an den Pranger stellte.