22:00
Seit jeher wurde die Migration der türkischen Gastarbeiter und ihrer Familien nach Deutschland auch musikalisch begleitet. Arbeiterwohnheime und Teehäuser waren die ersten improvisierten Bühnen für gesellschaftskritische Musiker und Musikerinnen. Diese sangen und komponierten Lieder, die ihre Lebensumstände in der Ferne widerspiegelten - mal melancholische, mal fröhlich sarkastische Melodien und Texte über Aufbruch und Abenteuerlust, aber auch über die krude fremde Arbeitswelt und Abweisung durch die Gastgeber, Entwurzelung und Heimat. Zeit und Entfernung schufen ein Bild der Türkei aus Erinnerungen und Sehnsüchten. Abgekapselt vom Herkunftsland entwickelten die Migrantinnen und Migranten in Deutschland eine eigene Kultur mit großen Unterschieden zum Musikleben in der Türkei. Zwar wurden diese Songs auf Hochzeiten, religiösen Veranstaltungen oder in Gesangsvereinen über Jahrzehnte gesungen, doch wurden sie von der deutschen Kulturindustrie überhört. Mit dem Aufkommen von Satellitenfernsehen und Musikkassetten, später auch CDs, wurde die Isolation beendet. Die kulturellen Bedürfnisse der Einwanderer werden ab Mitte der 1990er Jahre vom türkischen Markt gestillt, die beiden isolierten türkischen Musikszenen kreuzen sich und es entstehen unzählige Hybride. Mit der Erfolgsgeschichte des Hip-Hops kam der Durchbruch für die zweite und dritte Generation von Künstlerinnen und Künstlern, die ihre eigenen Lebenswirklichkeiten auf den großen Bühnen ihrer Heimat Deutschland behandelten.
23:30
Paris, zwei Tage vor dem entscheidenden Termin bei der Ausländerbehörde: Der junge Souleyman, aus Guinea stammend und "sans papiers", arbeitet illegal als Essenskurier. Tag für Tag fährt er mit seinem Fahrrad durch die Straßen der französischen Hauptstadt, immer auf der Jagd nach dem nächsten Auftrag. Gleichzeitig bereitet er sich auf das Gespräch vor, das über seine Zukunft entscheiden wird. Um seine Chancen auf ein Bleiberecht zu erhöhen, prägt er sich die Geschichte ein, die seine Flucht erklären und den Antrag auf Asyl unterstützen soll. Doch mit jedem Tag wächst der Druck, bei der Befragung bestehen zu müssen, zumal seine Geschichte nicht die ganze Wahrheit ist ... Regisseur Boris Lojkine zeigt das Leben eines Menschen, dessen Zukunft von wenigen Minuten in einer Behörde abhängt. Ohne Pathos und mit großer Nähe begleitet der Film seinen Protagonisten durch eine Stadt, in der Hoffnung und Verzweiflung oft nur eine Straßenecke voneinander entfernt liegen. "Souleymans Geschichte" ist ein eindringliches Sozialdrama über Würde, Identität und den Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben.