04:30
04:35
Eine Bahn fährt mitten durch ein Wohnhaus, schwindelerregende Wolkenkratzer leuchten in grellen Neonfarben: Das ist Chongqing, die chinesische Millionen-Metropole im Cyberpunk-Stil, oftmals bezeichnet als die größte Stadt der Welt. Wie Peking oder Shanghai ist sie ein Abbild der chinesischen Macht. Der Fotojournalist Alessandro Gandolfi gewährt einen Blick hinter die Kulissen der beeindruckenden Skyline, während der Geograf Michel Lussault erläutert, wie diese Megastädte zu Instrumenten von Einfluss und Kontrolle wurden.
04:45
Die Wunderlampe.
05:05
Zahlreiche Tierarten leben in Rudeln, Herden, Schwärmen. Doch wer gibt die Richtung an, wenn es darauf ankommt? Wer entscheidet, wo das Nest gebaut wird? Wer sagt, ob die Jagd weitergeht oder nicht? Der Zweiteiler führt in Wildschutzgebiete von Botswana bis Frankreich und zeigt, wie Tiere zum Wohle der Gemeinschaft ihre individuelle Meinung äußern. Ein spannender Einblick in die Welt der Tiere und ihre kollektive Entscheidungsfindung.
05:55
Kalifornien ist die Heimat der Mammutbäume. Die stattlichen Riesen werden bis zu 3.000 Jahre alt und nicht selten mehr als 100 Meter hoch. Inzwischen gibt es nur noch wenige von ihnen. Wissenschaftler und Forstmitarbeiter bemühen sich um die letzten verbliebenen Exemplare, katalogisieren, vermessen und untersuchen sie. Doch bis in ihre Kronen wagt sich nur eine besonders waghalsige Gruppe von Menschen - die Baumkletterer. Chad Brey gilt als einer der besten der USA. Deshalb wird der 38-Jährige immer wieder für Aufträge angeheuert, die als schwierig oder waghalsig gelten. Wie etwa das vertikale Vermessen eines Mammutbaums, dessen angegebene Höhe von etwa 90 Metern letztmalig vor 40 Jahren gemessen wurde. Inzwischen sollte der Baum um einiges höher sein. Selbst in Kalifornien gibt es derart hohe Bäume nur noch selten. Für die kalifornische Holzindustrie wurden im vergangenen Jahrhundert 96 Prozent des Bestandes gefällt, und selbst heute möchte die Industrie nicht auf das wertvolle Baumaterial verzichten. Während Aktivisten und Umweltschützer zum offenen Kampf gegen die Wirtschaft aufrufen, sucht Chad mit Wissenschaftlern nach anderen Wegen. Für seinen neuen Auftrag soll er alte und gut entwickelte Bäume finden, von denen Biologen Ableger ziehen wollen, um sie in anderen Teilen der Welt anzupflanzen. Die Zeit drängt, denn mittlerweile wird Kalifornien in jedem Sommer von verheerenden Waldbränden heimgesucht, die auch die letzten Exemplare der Mammutbäume bedrohen.
06:50
(1): Jordaniens Gericht steht Kopf: Maqluba (2): Ein Biss'chen Heimat: Rouchen, eine Jordanierin in Belgien (3): Ran an die Töpfe!
07:25
(1): Paris: Die Aristocats bringen die Stadt zum Tanzen (2): Die Schafhirten, Herrscher der Karpaten (3): Japan: Mayumis Bento (4): Polynesien: Von der Rache getrieben
08:10
(1): Das erträumte Belgien des Malers Fernand Khnopff (2): Griechenland: Das Schönheitsideal der Nacktheit (3): Bretagne: Sophies Jakobsmuscheln mit Andouille-Wurst (4): USA: Baseball ist kein Spaß!
08:55
Johannes Kepler gehört neben Galileo Galilei und Isaac Newton zu den Begründern der modernen Naturwissenschaft. Noch heute zählen seine Gesetze der Planetenbewegung zu den Grundlagen der Astronomie. Doch hinter seinen Entdeckungen steckt eine zutiefst dramatische Lebensgeschichte. Keplers Weg zum Weltruhm beginnt mit einem Schicksalsschlag. Im Zuge der Gegenreformation wird der Protestant 1600 aus Graz vertrieben. Schutz findet er in Prag am Hof von Kaiser Rudolf II., wo ihn der dänische Astronom Tycho Brahe in sein Forschungsteam aufnimmt. Brahe ist der bedeutendste Astronom seiner Zeit, Kepler steigt vom Provinzmathematiker ins Epizentrum der internationalen Top-Forschung auf. Er hat Zugang zu Brahes einmaligem Schatz empirischer Daten und er wird, als Brahe überraschend stirbt, sein Nachfolger als kaiserlicher Hofastronom. Kepler will die Daten und die damals gängigen Vorstellungen vom Kosmos in Einklang bringen. Dabei muss er jahrhundertealte Dogmen über Bord werfen, vor allem die Vorstellung von der Erde als Mittelpunkt des Universums. Nach und nach entwickelt er eine völlig neue Kosmologie, die Planeten erstmals als Körper beschreibt, die nach universellen Gesetzen um die Sonne kreisen. Ein jahrelanger Erkenntnisprozess - denn Intrigen der Brahe-Familie, persönliche Tragödien und historische Umwälzungen behindern seine Suche nach dem Bauplan des Kosmos.
10:25
Wenn im Winter die Temperaturen sinken, der Schnee alle Geräusche dämpft und das Leben auf den Bauernhöfen langsam zur Ruhe kommt, dann wirken viele Ecken Südtirols wie die Kulisse eines Märchens aus längst vergangenen Zeiten. Viele Täler wurden jahrhundertelang von der Außenwelt wenig beeinflusst, besonders im Winter. Doch wie lebt es sich auf einer abgelegenen Alm? Was treibt die Menschen an, und was gefällt ihnen am Leben im Einklang mit der Natur und den alten Bräuchen? Die Dokumentation zeigt Südtirols verschneite Bergwelt und Begegnungen mit echten Südtiroler Originalen. Die Mitglieder eines Krampus-Vereins bereiten alles für den jährlichen Umzug vor. Manfred Unterweger und sein Hund Rocco von der Südtiroler Hundestaffel proben bei einer Lawinenübung für den Ernstfall. Und eine Archäologin entdeckt einen alten Bergwerkstollen im Ahrntal. Jedes Tal erzählt seine eigenen Geschichten, hat einzigartige Traditionen und ist eine kleine Welt für sich.
11:25
Was Europa bewegt
11:55
(1): Mexikos berühmtester Taco: Taco al Pastor (2): Ein Biss'chen Heimat: Juan Carlos, ein Mexikaner in Paris (3): Ran an die Töpfe!
12:25
(1): E.T.A. Hoffmanns fantastisches Berlin (2): Toskana: Quellen des Wohlbefindens (3): Türkei: Mustafas Hackbällchen (4): Gironde: Ein Leuchtturm mit wegweisender Technik
13:10
(1): Kate Bushs geliebtes London (2): La Réunion: Die Kraft der Heilpflanzen (3): Norwegen: Henriks Kabeljau (4): Griechenland: Sesam, öffne dich!
14:00
London, Anfang des 20. Jahrhunderts: Im Unterschied zu den meisten höheren Töchtern lebt Beatrix mit 30 Jahren noch bei ihren wohlhabenden Eltern, Helen und Rupert Potter, in einem großen Haus mit Dienstboten. Eine standesgemäße Heirat lehnt sie ab, weil sie damit nach den gesellschaftlichen Konventionen ihre Unabhängigkeit und Freiheit verlieren würde. Statt dem weiblichen Rollenklischee zu entsprechen, träumt die talentierte Aquarellmalerin und Geschichtenerzählerin seit ihrer Kindheit von der Anerkennung als Illustratorin. Ihre Geschichten und ihr Leben drehen sich um Hasen, Enten, Mäuse. Erst die Bekanntschaft mit dem Verlegersohn Norman Warne, der sich als Seelenverwandter erweist, rückt ihren Traum in greifbare Nähe. Zusammen bringen sie Beatrix' erstes Buch heraus - es wird ein durchschlagender Erfolg. Von Norman erhält Beatrix tatkräftige Unterstützung, so dass die Veröffentlichung von zwei weiteren Büchern folgt; währenddessen freundet sie sich mit Normans ebenfalls lediger Schwester Millie Warne an. Beatrix und Norman verlieben sich ineinander, aber Helen akzeptiert nicht, dass ihre Tochter einen "Händler" heiratet. Beatrix' Vater schlägt vor, dass seine Tochter den Sommer mit ihren Eltern in deren Landhaus verbringt. Sollte sie sich danach immer noch für Norman entscheiden, will er der Ehe zustimmen. Als nach einer Weile keine Briefe mehr von Norman eintreffen, ist Beatrix enttäuscht. Dann erhält sie eines Tages eine Nachricht von Millie und macht sich sofort auf den Weg nach London ...
15:25
London, Ende des 19. Jahrhunderts: Der junge Louis Wain träumt von einer Karriere als Künstler, muss aber nach dem Tod des Vaters für seine Mutter und seine fünf Schwestern sorgen. Da trifft es sich gut, dass er eine Stelle als Illustrator bei einer angesehenen Zeitung ergattert. Kurz darauf verliebt er sich in Emily Richardson, die Gouvernante seiner jüngeren Schwestern. Gegen alle gesellschaftlichen Widerstände heiratet er die ältere und nicht standesgemäße Frau. Gemeinsam beziehen sie ein kleines Cottage, wo ihnen schon bald ein streunendes Kätzchen zuläuft. Das von ihnen Peter genannte Tier inspiriert Louis: Fortan malt er Katzen - großäugig, niedlich und vermenschlicht. Der Verleger Sir William Ingram ist von den neuartigen Bildern, die Katzen in menschlichen Alltagssituationen zeigen, sehr beeindruckt und wird Louis' Förderer und Freund. Mit seinen skurrilen Bildern feiert Louis immer größere Erfolge, doch dann schlägt das Schicksal zu: Emily erkrankt unheilbar - und Louis' psychischer Zustand verschlechtert sich ... Louis Wain - eindrucksvoll gespielt von Benedict Cumberbatch - gehörte seinerzeit zu den berühmtesten britischen Malern. Gemeinsam mit der Liebe seines Lebens Emily - gespielt von Claire Foy - eroberte er die Herzen von Millionen Kunst- und Katzenliebhabern. Seine unverwechselbaren Katzenbilder verhalfen ihm bereits zu Lebzeiten zu großem Ruhm und Erfolg. "Die wundersame Welt des Louis Wain" lässt die viktorianische Zeit mit viel Liebe zum Detail auferstehen und setzt dem exzentrischen und liebenswerten Maler ein originelles cineastisches Denkmal.
17:20
Das Elsass bietet optimale Bedingungen für den Weinbau. Die an den Berghängen aneinandergereihten Rebzeilen bilden ein schmales, rund hundert Kilometer langes Band. Die Lage am Fuß der Vogesen sorgt nicht nur für ideale klimatische Bedingungen, sondern beschert dem Elsass auch besonders vielfältige Böden. In einem Tal im Süden des Elsass produziert die Familie Zusslin edle Weine von internationalem Renommee. Die Geschwister Jean-Paul und Marie haben das Gut übernommen, das seit 13 Generationen im Besitz der Familie ist. Auf Initiative ihres Vaters wird es seit den 1970er Jahren biologisch bewirtschaftet. Schon damals machten die Winzer der Region 250 Hektar Land, die an den Weinberg grenzten, zum Naturschutzgebiet, um die Biodiversität zu bewahren. Die heutige Generation geht sogar noch einen Schritt weiter: Die jungen Winzer verteilen unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten zwischen ihre Rebstöcke. Nach Jahrzehnten intensiver Landwirtschaft kehrt damit eine große biologische Vielfalt zurück, was auch dem Wein zugutekommt: Vögel, Obstbäume und diverse Pflanzen bilden einen natürlichen Kreislauf. Im Elsass wird Pionierarbeit in Sachen biodynamischer Weinanbau geleistet. Damit dienen die engagierten Winzer einer ganzen Generation von jungen Weinbauern als Vorbild.
17:50
Sie ist dick, schwer und wächst an stachelbewehrten Bäumen: die Pomelo oder Citrus maxima, die größte Zitrusfrucht der Welt. Ihre Heimat ist Südostasien, ihr Ursprung liegt im heutigen Malaysia, Indonesien und Südchina. In Malaysia ist die Gegend um die Stadt Ipoh das Hauptanbaugebiet für Pomelos. Die Frucht wächst ganzjährig am Baum. Hochsaison für die Pomelo aus Malaysia sind die Monate Januar und Februar. In dieser Zeit findet das Fest zum chinesischen Neujahr statt. Die Pomelo spielt dabei eine wichtige Rolle. In den taoistischen und buddhistischen Tempeln von Ipoh dient sie als Opfergabe für die Götter. Der Pomelo-Bauer Swee Kong Tan ist Nachfahre chinesischer Einwanderer. In Ipoh betreibt er eine Pomelo Farm, ein Familienbetrieb. Um die Pomelo während der Reifung vor Schädlingen zu schützen, haben sich die malaiischen Farmer eine ganz spezielle Technik ausgedacht: Sie wickeln die Pomelos am Baum ein, um sie vor der Fruchtfliege zu schützen. Jede Frucht wird vorsichtig einzeln vom Baum gepflückt. Das Fruchtfleisch der Pomelo ist je nach Sorte süß oder süßsauer. Pomelos enthalten viel Vitamin C, sind kalorienarm und enthalten Ballaststoffe. Sie eignen sich als Erfrischung an heißen Tagen. Beim traditionellen Festessen am Abend des chinesischen Neujahrsfestes ist das Fruchtfleisch der Pomelo wichtiger Bestandteil des Yee-Sang-Salates. Das ist ein Rohkostsalat mit Fisch und einer schmackhaften Soße, der beim Durchmischen mit Essstäbchen so hoch wie möglich in die Luft geworfen wird. Dieses Ritual soll Glück und Wohlstand für das neue Jahr bringen.
18:35
Inmitten tropischer Hügel und zwischen den Ausläufern der Sierra Madre Oriental reifen sie heran: Limetten - grün, glänzend, duftend. Im mexikanischen Bundesstaat Veracruz prägen sie nicht nur die Landschaft, sondern auch das Leben. Was als Exportware in Saftpressen und Parfümherstellung endet, beginnt hier: unter heißer Sonne, auf fruchtbarem Boden, mit harter Arbeit und altem Wissen. Doch hinter jeder Frucht steckt mehr als nur Geschmack. Die Filmautoren blicken hinter die Kulissen eines Agrarsystems im Umbruch. Sie erzählen von Kleinbauernfamilien, die sich dem Druck industrieller Monokultur widersetzen und neue Wege suchen: ökologisch, solidarisch, regenerativ. Statt Chemie: Kompost und Kalk. Statt Herbiziden: Ziegen, die sanft durch die Reihen streifen und das Unkraut kurzhalten. Und dazwischen: Ameisen, Frösche, Leguane, die zurückgekehrt sind in eine Landschaft, die wieder atmen darf. Auch Traditionen leben wieder auf: etwa das Pfropfen zur passenden Mondphase oder die Nutzung von Fledermausdünger. In Ritualen der indigenen Bevölkerung wird die Limette zur Heilerin: zum Schutz gegen das Böse. Und in der Küche - ob als Spritzer über Tacos oder als Creme im Café - ist sie allgegenwärtig. Im Zentrum steht dabei eine stille Revolution getragen von Kooperativen. Sie vermarkten ihre Ernte selbst, schaffen regionale Kreisläufe. Die Limette wird so nicht nur zur Frucht, sondern zur Kraftquelle sozialer Veränderung. Und sie steht für das, was Mexiko heute bewegt: gelebte Tradition, stille Rebellion und der feste Glaube, dass Veränderung auf einem Baum wachsen kann.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:40
Vor der nordspanischen Küste, in der rauen Bucht von Biskaya, ist die Juan de la Cosa im Einsatz - ein Hospitalschiff, das Spaniens Fischereiflotte medizinisch begleitet, manchmal bis weit hinaus zu den Azoren. Es ist eines der wenigen zivilen Krankenhausschiffe weltweit, ausgestattet mit OP-Saal, Labor und Intensivstation. Erster Offizier Francisco Martínez Arroyo koordiniert die Einsätze auf See. Wenn ein Notruf eingeht, arbeitet er eng mit dem medizinischen Team zusammen. Während Ärzte und Pflegepersonal die Versorgung vorbereiten, sorgt die Crew für das sichere Aussetzen der Rettungsboote - oft bei starkem Wellengang. Kann ein Verletzter nicht an Bord seines Schiffes behandelt werden, wird er mit dem Rettungsboot zur Juan de la Cosa gebracht. In besonders kritischen Fällen muss ein Hubschrauber zur Evakuierung anfliegen - ein riskantes Manöver über offenem Meer. Die Reportage zeigt, wie Präzision und Teamarbeit Leben auf See retten können. Zwischen Wind, Wellen und der Ungewissheit des Atlantiks wird die Juan de la Cosa zu einem Ort der Sicherheit - für alle, die fern der Küste arbeiten und auf Hilfe angewiesen sind.
20:15
Maître Jérôme Martinaud, der angesehene Notar einer kleinen französischen Küstenstadt, wird in der Silvesternacht überraschend aufs Polizeirevier zitiert: Der erfahrene Inspektor Antoine Gallien sucht nach dem Kindesmörder und Vergewaltiger, dem bereits zwei Mädchen zum Opfer gefallen sind - und möchte Martinaud als Zeugen befragen, da er eine der Kinderleichen entdeckt und die Polizei verständigt hatte. Doch die überheblichen und zynischen Bemerkungen Martinauds lassen Gallien und seinen jungen Kollegen Belmont bald Verdacht schöpfen - ist Martinaud der Täter? Obwohl Gallien und Belmont von der Schuld des Notars schnell überzeugt sind, fehlen ihnen die entscheidenden Beweise. Ein zermürbendes Verhör beginnt, das die ganze Silvesternacht dauern wird - ein Duell zwischen dem kühlen Gallien und dem ironischen Martinaud. Neben dem unaufhörlichen psychischen Druck vonseiten Galliens ist der Befragte bald auch der physischen Bedrohung durch den impulsiven Belmont ausgeliefert. Im Laufe der Nacht verliert Martinaud, dem Druck kaum noch standhaltend, immer mehr seine Haltung - degradiert vom geachteten "Maître Martinaud" zum verachtenswerten "Martinaud". Während er sich zusehends in Widersprüche verstrickt, trifft seine Frau Chantal auf dem Polizeirevier ein, um mit Gallien persönlich zu sprechen. Doch statt um ihren Mann zu kämpfen, belastet sie ihn schwer. Sie erzählt, dass sie ihn seit Jahren von sich fernhält, nachdem sie ihn bei einem Annäherungsversuch an ihre kleine Nichte beobachtet hat ...
21:40
Vier zentrale Krisen prägten Sigmund Freuds Leben und Werk (1856-1939): seine jüdische Identität, die Trauer um seinen Vater, der schmerzliche Verlust von Tochter und Enkel sowie sein Exil in London. Diese Wendepunkte beeinflussten nicht nur seine Theorien, sondern auch sein Verhältnis zu Realität, Erinnerung und Imagination. Durch Gespräche mit führenden Expertinnen und Experten aus aller Welt entsteht ein vielschichtiges Porträt eines Mannes, dessen Ideen die Moderne bis heute herausfordern und inspirieren. Mittels eigens für die Dokumentation entwickelter Animationstechniken wird Freuds legendäres Wiener Arbeitszimmer, das längst verloren ist, detailgetreu rekonstruiert - ebenso wie einige seiner unbekannten Träume. Die Briefe Freuds werden von dem österreichischen Schauspieler Karl Markovics eindrucksvoll gelesen. Und in einer letzten kraftvollen Geste legt sich der Mann, der die Kultur auf die Couch legte, in diesem Film selbst auf die Couch.
22:35
In einer näheren dystopischen Zukunft lebt die junge Skalde mit ihrer Mutter innerhalb einer geschlossenen Gesellschaft im Wald. Sie selbst ist dort geboren; ihre Mutter jedoch war eine Außenstehende, die nur dank der Liebe zu Skaldes Vater bleiben durfte - ein seltenes Vorkommnis. Die Bewohner des Waldes leben in Autarkie, ernähren sich durch Ernte und Jagd. Doch die friedliche Gemeinschaft sieht sich zunehmend mit mysteriösen Ereignissen konfrontiert. Immer wieder werden Tierleichen aufgefunden; sie fürchten die Rückkehr der Wölfe in die Gegend. Eines Nachts taucht ein kleines Mädchen bei Skalde auf, das behauptet, selbst ein Wolf zu sein. Es erinnert Skalde an die Legende der Wolfskinder: Kreaturen, die sich unter die Menschen mischen und deren Kinder gegen die eigenen tauschen. Die Anwesenheit des unbekannten Kindes stiftet auch bei Skaldes Mitmenschen Unruhe. Beeinflusst durch ihre Mutter nimmt Skalde das Mädchen in Schutz und erklärt sich bereit, für es zu sorgen, bis ihm der erste Milchzahn herausfällt: der Beweis für seine Menschlichkeit! Als zwei junge Frauen kurz darauf spurlos verschwinden, fällt der Verdacht sofort auf die kleine Außenseiterin ...
00:05
Ob knallharte Polizisten oder schwere Jungs - Lino Ventura war als Schauspieler ein Naturtalent. Seine Mimik war sparsam, er wirkte kantig, aber auch melancholisch. Er vermittelte immer den Eindruck, dass hinter seinen Figuren, die meist in sich gekehrte Einzelgänger waren, ein Mann mit Prinzipien und ausgeprägtem Moralbegriff steht - solide und wortkarg, hart und sentimental. Doch warum lehnte er so viele große Rollen ab? Und weshalb schien er sich als Schauspieler manchmal selbst im Weg zu stehen? Der am 14. Juli 1919 als Angiolino Ventura geborene Italiener kam als Kind nach Paris. Als italienisches Einwandererkind wurde Ventura in Frankreich geschmäht und gedemütigt. Nach einer sehr kurzen Schulzeit schlug er sich als Gelegenheitsarbeiter durch, später wurde er Profiringer. Kurz nach dem Gewinn des Europameistertitels im Jahr 1950 zwang ihn eine Verletzung dazu, seine Karriere aufzugeben. 1953 wurde er als Schauspieler entdeckt. Er spielte in dem Gangsterfilm "Wenn es Nacht wird in Paris" an der Seite von Jean Gabin und Jeanne Moreau. Der Film "Der Mörder kam um Mitternacht" machte Lino Ventura im Jahr 1959 endgültig zum Charakterdarsteller. Es folgten Filme wie "Fahrstuhl zum Schafott" (1958) und "Der Panther wird gehetzt" (1960), "Die Abenteurer" (1967), "Der zweite Atem" (1966) oder "Armee im Schatten" (1969). 1969 wurde auch "Der Clan der Sizilianer" produziert - hier spielte Lino Ventura an der Seite von Alain Delon und Jean Gabin. Später brillierte er in "Der Kommissar und sein Lockvogel" (1970), "Die Filzlaus" (1973) und "Das Verhör" (1981). Blickt man auf Lino Venturas Kindheit, erscheint der Mann unter der rauen Schale in einem ganz anderen Licht. Lino Ventura überzeugte vor der Kamera durch seine starke Präsenz und Männlichkeit, im Kreis der Kollegen und Filmemacher aber war er bekannt als sensibler, schweigsamer Mensch, für seine Achtsamkeit und das übertrieben genaue Studieren der Drehbücher, für seine Ängstlichkeit am Set und seine Scheu vor anzüglichen Filmszenen, und sei es auch nur ein Kuss. Die Dokumentation bringt eine sehr intime Seite des Schauspielers zutage. Ob als Agent, Killer oder Kommissar - immer sind in den Figuren auch die Verletzungen seiner Kindheit spürbar. Privat führte Ventura ein solides, bürgerliches Leben und eine skandalfreie Ehe mit Odette Lecomte, die er als 17-Jähriger kennenlernte und mit der er vier Kinder hatte. Am 22. Oktober 1987 starb Lino Ventura mit 68 Jahren in seinem Haus im Pariser Vorort Saint-Cloud an Herzversagen.
01:00
Vor 180 Jahren wurde Europa von einer verheerenden Hungersnot heimgesucht. Ausgelöst wurde die Krise durch einen aus Südamerika eingeschleppten heimtückischen Pilz, der die Kartoffelernten vernichtete. In Frankreich, Belgien, Holland, Schottland und dem Königreich Preußen fielen Hunderttausende Menschen Hunger und Krankheiten zum Opfer. In Irland, wo die Kartoffel das Hauptnahrungsmittel für die meisten Menschen darstellte, waren die Auswirkungen besonders extrem. Eine Million Iren starben, zwei Millionen wanderten zwischen 1845 und 1855 aus. Anhand von Gesprächen mit Historikern und von Zeitzeugenberichten ergründet "Die große Hungersnot in Irland" die Hintergründe dieser humanitären Katastrophe des 19. Jahrhunderts auf dem europäischen Festland sowie in Großbritannien und Irland. Der Film veranschaulicht verheerende Zusammenhänge und Folgen: eine bäuerliche Unterschicht, die sich angesichts der existenziellen Bedrohung zu Mord, Plünderung und Kannibalismus getrieben sah; eine kapitalistische, meist britische Elite in Irland und Großbritannien, die vor nichts zurückschreckte, um die eigenen Interessen zu schützen. Irland war zwar seit 1801 offiziell scheinbar gleichberechtigt im Staatsnamen "Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland" vertreten, de facto betrachteten die Briten Irland aber als eine ihrer vielen Kolonien. Deshalb gab es große Unterschiede beim Zugang zu Ressourcen. Eine skrupellose Mittelschicht schlug Profit aus dem Elend der Armen. Emigrationswellen erinnern an die heutige Zuwanderung aus Afrika und dem Nahen Osten nach Europa. Die Krise führte 1846 zum Sturz der britischen Regierung unter Robert Peel, war Katalysator für die europäischen Revolutionen von 1848 und begründete die irische Diaspora, zu der sich heute mehr als 70 Millionen Menschen in aller Welt zählen. Nicht zuletzt befeuerte sie den kulturellen Aufschwung und die Unabhängigkeitsbestrebungen Irlands. Erst gut 70 Jahre später, nach einem furchtbaren Weltkrieg und einem blutigen Bürgerkrieg, kam für Irland mit dem Irischen Freistaat die Unabhängigkeit und das Ende britischer Ausbeutung.
02:30
Wir schienen auf einem guten Weg. Wir hatten die Theorien der klassischen Physik, mit denen wir verstanden haben, welche Gesetze in der Natur herrschen. Doch dann entdeckten Physikerinnen und Physiker eine völlig neue Welt, in der auf einmal nichts mehr so war, wie sie es kannten: die Quantenwelt. Auch wenn wir sie bis heute nicht wirklich verstehen - eine Welt ohne die Quantenmechanik wäre eine andere. Wir hätten weder Computer noch LEDs oder Laser. Doch für die Suche nach der Theorie von Allem ist die Quantenwelt ein großes Problem. Wir müssen zwei Welten zusammenbringen, die völlig unterschiedlich sind. Die größten Probleme bereitet die Gravitation. Sie gilt in unserer erfahrbaren Welt, ist groß und mächtig. Doch sie hat keine Quanteneigenschaften. Manche Forscher glauben, dass die Gravitation noch nicht einmal eine Kraft ist. Das wäre schlecht, denn dann würden wir nie die Weltformel finden. Noch allerdings besteht allerdings Hoffnung. Forschungsteams auf der ganzen Welt nehmen sich der Gravitation an und versuchen durch aufwendige Experimente und verblüffende Berechnungen herauszufinden, ob auch die Gravitation Quanteneigenschaften hat. Davon jedenfalls ist nicht nur einer der Begründer der Schleifenquantengravitation überzeugt: der Physiker Carlo Rovelli.
03:00
Seit der Antike wird in der südkroatischen Adriaregion Dalmatien Wein angebaut - trotz schwieriger Bedingungen: steiniger Boden, glühende Hitze und starker Wind machen den Winzern die Arbeit schwer. Trotzdem gelang es den Menschen, einzigartige Rebsorten zu züchten, die sich heute wieder wachsender Beliebtheit erfreuen. Die Weinberge erzählen die wechselhafte Geschichte eines ganzen Landes. Knapp 30 Jahre nach ihrer Gründung ist die Republik Kroatien dabei, ihre Weinbautraditionen wiederzuentdecken und auch dadurch mit der Vergangenheit ins Reine zu kommen. Nach dem Zerfall des ehemaligen Jugoslawiens und der kroatischen Unabhängigkeit Anfang der 1990er Jahre trat eine neue Generation passionierter Winzer an, die stolz ihre lokalen Traditionen verteidigen. Stein für Stein bauten sie die riesigen, in den Berg gegrabenen Weinterrassen wieder auf. Ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass der Mittelmeerraum heute um ein prestigeträchtiges Weinbaugebiet reicher ist. Rebsorten wie Plavac, Grk oder Posip, die zur Zeit der Massenproduktion in Vergessenheit gerieten, erobern heute die Riviera zurück. Die kroatischen Winzer sind dabei, mit alten Sorten neues Interesse zu wecken - und ihre Weine sind sicherlich die besten Botschafter des jüngsten Mitglieds der Europäischen Union.
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Fotos können unser Weltbild beeinflussen. Und jedes Foto hat eine Entstehungsgeschichte. Das Magazin "Mit offenen Augen" ordnet Bilder ein und erklärt Hintergründe. Moderatorin Sonia Devillers liefert faszinierende Aufschlüsse, die über den ersten Blick hinausgehen.
03:45
Das Kulturmagazin des Senders ARTE wird täglich aus Paris gesendet. Aktuelle Themen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft stehen im Zentrum der Sendung und werden versiert unter die Lupe genommen.
04:30
Die gute Butter.