17:50
Auf der Erde gibt es 200.000 Arten von Schmetterlingen. Sie existierten bereits vor den Dinosauriern. Und im Laufe von 300 Millionen Jahren lernten sie, sich an jedes Ökosystem anzupassen. Sie sind wahre "Superhelden der Natur". Doch wie entfalten diese als so zart und kurzlebig geltenden Insekten ihre Superkräfte? Was sind ihre Geheimwaffen? Mit neuen Technologien können Forscher diese Insekten wie nie zuvor verfolgen und ihre fantastischen Fähigkeiten entschlüsseln. Einzigartig ist das Flugvermögen der kleinen Insekten. Denn trotz ihres Federgewichts sind einige von ihnen fähig, Tausende von Kilometern zurückzulegen, monatelang zu fliegen, Gegenwinden zu trotzen und sogar Meere zu überqueren. Schmetterlinge sind echte Flugkünstler.
18:35
Der Orangerote Heufalter, auch Regensburger Gelbling genannt, war einst weit über Europa bis nach Österreich und Deutschland verbreitet. Was ist passiert, dass es in Regensburg keine Heufalter mehr gibt? In grauer Vorzeit sind Herden mächtiger Pflanzenfresser übers Land gezogen, die durch Abknabbern von Schösslingen und Zweigen einen vielgestaltigen, offenen Lebensraum schufen. In der jüngeren Geschichte sorgten die Bauern mit ihrem Vieh dafür, dass die Heimstatt des Orangeroten Heufalters nicht vom Wald verschlungen wurde. Bis die Landwirtschaft modernisiert und industrialisiert wurde: Im 20. Jahrhundert zogen die Rinder von der Weide in geschlossene Ställe um. Die Schmetterlingswiesen wurden gedüngt oder aufgelassen, das große Aussterben begann. Der Regensburger Gelbling war einer der Ersten, der verschwand. Auch in Österreich sind die letzten Vorkommen, etwa bei Wien und Linz, der modernen Landwirtschaft zum Opfer gefallen. Die letzten großen Vorkommen des vom Aussterben bedrohten Schmetterlings liegen in Osteuropa. Etwa in Siebenbürgen in Rumänien. Dort vermittelt die traditionelle Landnutzung - und die daraus resultierende Landschaft - noch einen Eindruck, wie es vor langer Zeit auch bei Regensburg und überall in Mitteleuropa ausgesehen hat. Und hier fliegen die Heufalter noch, in einem Lebensraum, der in puncto Artenvielfalt seinesgleichen sucht. Gebiete, die durch eine vielfältige, extensive Nutzung der Urlandschaft so nahekommen, dass derart empfindliche und spezialisierte Arten ein Auskommen finden.
19:20
Die auf vielen Sendern vorgenommene strikte Trennung von Politik- und Kulturnachrichten wird hier aufgehoben. Es werden Schnittpunkte aus beiden Bereichen präsentiert und Zusammenhänge dargestellt.
19:35
19:40
Ein grauer Schleier aus Kohlenstaub liegt über den Wiesen von Fajtovici im Nordwesten Bosniens. Lastwagen donnern im Minutentakt durch den Ort - beladen mit Kohle, Millionen wert. Bauer Enes Tatalovi? streicht über sein Heu. Es ist grau verfärbt, kaum noch brauchbar für seine Kühe. Die Mine rückt immer näher an seine Felder heran. Unter seinen Füßen liegt eines der größten Kohlevorkommen Europas. Noch immer gewinnt Bosnien-Herzegowina mehr als 50 Prozent seiner Energie aus Kohle - und das, obwohl das Land in die Europäische Union strebt, wo längst der Ausstieg aus fossilen Energien beschlossen ist. Die Kohle ist Fluch und Segen zugleich: Einer der wenigen natürlichen Reichtümer, aber oft gefördert auf Kosten von Mensch und Umwelt. In der Mine bei Fajtovici sicherte sich nach dem Bosnienkrieg der undurchsichtige bosnisch-serbisch-kroatische Konzern Lager die Abbaurechte für Jahrzehnte. Zweistellige Millionengewinne stehen einer wachsenden Belastung für Anwohnende und Landschaft gegenüber. Auch im Tagebau Sikulje nahe Tuzla läuft der Betrieb ungebremst weiter - hier fördert der Staat selbst. Der Transport wirkt wie aus einer anderen Zeit: Über 80 Jahre alte Dampflokomotiven aus deutscher Produktion rangieren die Kohlezüge - Relikte des Zweiten Weltkriegs, einst bei der Eroberung Jugoslawiens und für die Ostfront im Einsatz. Für Lokführer Mamut Osmanovi? sind sie mehr als Maschinen: "Diese Lokomotiven waren alles in meinem Leben, ich habe damit meine Rente verdient; dank ihr konnte ich meine Kinder ausbilden lassen, mein Haus finanzieren."
20:15
André Masson, Auktionator im berühmten Auktionshaus Scottie's, erreicht ein Brief: Im Haus des Fabrikarbeiters Martin in Mulhouse soll ein Original von Egon Schiele aufgetaucht sein. Routiniert bleibt Masson zunächst skeptisch, macht sich von der Neugier getrieben aber schließlich doch auf den Weg nach Mulhouse. Dort wartet auf ihn und seine Kollegin und Ex-Frau Bertina eine Sensation: Das Gemälde scheint echt zu sein. Die Freude über den Fund und den erhofften Karrieresprung bekommt einen Dämpfer, als die Herkunft des Werks klar wird. Das Bild war einst Teil der Sammlung eines jüdischen Mäzens, der von den Nazis enteignet wurde - es handelt sich also um Raubkunst. Masson steht nun vor der Herausforderung, die Ansprüche der Nachfahren des Sammlers, die Interessen seines Auktionshauses und die Situation der Arbeiterfamilie, bei der das Bild gefunden wurde, so in Einklang zu bringen, dass er die Auktion des Gemäldes tatsächlich vollziehen kann. Unterstützt wird er dabei nicht nur von Bertina, sondern auch von seiner neuen Praktikantin Aurore, welche die Rituale und Machtmechanismen der Kunst- und Auktionswelt immer wieder infrage stellt.
21:45
Es war eine Sensation für die Kunstszene, als 2023 ein Gemälde von Gustav Klimt wieder auftauchte, das über Jahrzehnte als verschollen galt. Es zeigt einen afrikanischen Prinzen, den Klimt in seiner frühen Zeit gemalt hat, dessen Identität aber lange ungeklärt war. Rätselhaft war auch, wo das Bild über die lange Zeit hinweg geblieben war und warum es nicht gefunden werden konnte - trotz intensiver Suche durch die Kunsthistoriker. Das Gemälde stammt aus einer Phase, in der Klimt seinen akademischen Stil hinter sich ließ und eine neue Bildsprache entwickelte. Stück für Stück deckt die Dokumentation die Rätsel rund um das Bild auf: Dazu begleitet der Film die Restaurierung und die forensische Analyse und reist bis nach Ghana, wo Kunstschaffende und lokale Entscheidungsträger Hinweise liefern, die den Mann erstmals klar in eine familiäre und kulturelle Linie einordnen und dem Porträt seinen Namen geben. Ungewöhnlich für die Entstehungszeit ist die präzise und individuelle Darstellung des Modells. Klimt schafft Nähe und ein Porträt auf Augenhöhe. In den 1920er Jahren gelangt das Porträt in den Besitz der jüdischen Familie Klein. Mit ihrer Flucht vor dem Regime der Nationalsozialisten bleibt das Bild zurück und verschwindet aus dem Blick der Öffentlichkeit. Erst durch verstreute Dokumente, Briefe und Auktionsunterlagen wurde es möglich, seinen Weg durch Krieg und Nachkriegszeit zu rekonstruieren. 2025 wurde das Bild erstmals wieder öffentlich gezeigt. Die internationale Aufmerksamkeit unterstreicht nicht zuletzt die Bedeutung eines Kunstwerkes, das nicht nur kunsthistorische, sondern auch gesellschaftliche und politische Fragen berührt.
22:40
Der Künstler Richard konnte sich sein Leben in London nicht mehr leisten, lebt inzwischen in Tanger und bereitet eine Ausstellung in Frankfurt vor. Dort angekommen, stößt er auf den jungen Marokkaner Malik, den er unwissentlich über die Grenze geschmuggelt hat. Malik hat kein Visum und träumt von einer Musikerkarriere in Europa. Um ihn zu verstecken, überredet Richard seine alte Bekannte Mathilda, Malik bei sich aufzunehmen. Mathilda ist mittlerweile Politikerin und bekannt für ihre fremdenfeindlichen Positionen. Der unerwartete Gast kommt für sie daher äußerst ungelegen. Mathildas Assistentin Amina, Juristin mit marokkanischem Hintergrund, wird zur "kulturellen Vermittlerin" erklärt und soll den heiklen Fall managen, während sie zugleich darum kämpft, nicht ständig auf ihre Herkunft reduziert zu werden. Ein mutmaßlich von Islamisten ausgeführter Anschlag, der kurz zuvor mehrere Menschen in Frankfurt getötet hat, erhöht den Druck auf die vier. Angelina Maccarone enthüllt nach und nach neue Informationen und macht so die unterschiedlichen Perspektiven der vier durch ein Geheimnis verbundenen Protagonisten erfahrbar. Durch subjektive Blickwinkel, Ellipsen und Perspektivwechsel legt der Film Vorurteile offen, unterläuft Erwartungen und zeigt Widersprüche zwischen Selbstbild und Außenwirkung.