12:45
Die Errichtung des kolossalen Werks der Freiheitsstatue bedeutete eine enorme technische, künstlerische und finanzielle Herausforderung. Der Dokumentarfilm gibt Einblicke in die Meisterwerkstätten von damals und erzählt die Reise der weltberühmten Lady Liberty vom ersten Tonmodell bis zur endgültigen Fertigstellung der 46 Meter hohen Statue 15 Jahre später. Zudem wird die hohe Symbolkraft dieses außergewöhnlichen Werks im Zusammenhang mit den großen politischen Auseinandersetzungen und Ereignissen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beleuchtet: Amerikanischer Bürgerkrieg, Deutsch-französischer Krieg von 1870, Pariser Kommune, Dritte Französische Republik ... Anhand der Manuskripte von Frédéric-Auguste Bartholdi zeichnet der Film die engen Beziehungen zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert nach - einschließlich ihres gemeinsamen, bisweilen auch idealisierten Weltbilds. Eine Geschichte, die angesichts der politischen Krisen unserer heutigen Zeit stark nachhallt.
14:15
Burma, 1943: Britische Kriegsgefangene treffen in einem japanischen Lager ein und erhalten den Befehl, eine strategisch wichtige Eisenbahnbrücke über den Kwai zu errichten. Lagerkommandant Colonel Saito verlangt, dass auch die Offiziere körperlich mitarbeiten. Doch Oberst Nicholson verweist auf die Genfer Konvention und widersetzt sich den Anordnungen - selbst um den Preis schwerer Misshandlungen. Als Saito schließlich nachgibt, übernimmt Nicholson die Leitung des Brückenbaus. Was zunächst als Zeichen militärischer Disziplin gedacht ist, entwickelt sich zunehmend zu einem persönlichen Prestigeprojekt. Währenddessen entkommt der amerikanische Soldat Shears dem Lager und wird von den Alliierten für ein gefährliches Sabotagekommando rekrutiert. Ihr Auftrag: die Brücke vor ihrer Fertigstellung zerstören. David Lean verbindet Kriegskino mit einem vielschichtigen Drama über Pflichtbewusstsein, Stolz und die moralischen Grenzen militärischer Loyalität. David Leans "Die Brücke am Kwai", basierend auf Pierre Boulles Roman, gewann 1958 sieben Oscars, darunter für den besten Film, die beste Regie und den besten Hauptdarsteller Alec Guinness. Gedreht wurde überwiegend in Sri Lanka, wo eigens eine rund 130 Meter lange Brücke errichtet wurde. Heute gilt "Die Brücke am Kwai" als Meilenstein des Kriegsfilms, weil er spektakuläre Inszenierung mit einer kritischen Auseinandersetzung über Gehorsam, Ehre und die Absurdität des Krieges verbindet.
16:50
Gustave Fayet (1865-1925) war Maler, Aquarellist, Keramiker und Innenarchitekt - doch vor allem einer der bedeutendsten Sammler moderner Kunst im frühen 20. Jahrhundert. Mit untrüglichem Gespür trug er über 800 Gemälde, Skulpturen und Keramiken zusammen, darunter Werke, die heute zu den Schätzen großer Museen und Privatsammlungen weltweit zählen. Die Dokumentation "Gustave Fayet - Ein Leben für die Kunst" beleuchtet sein Wirken durch die Perspektiven internationaler Kunsthistoriker. Sie zeichnen das Porträt eines Mannes, der die Genialität von Paul Gauguin, Redon, Vincent van Gogh, Henri Matisse, Paul Cézanne und Pierre Bonnard erkannte, lange bevor sie Weltruhm erlangten. Seine Sammlung war nicht nur ein privates Museum, sondern ein Ort, der zeitgenössische Künstler nachhaltig prägte. Fayet verstand Kunst als Dialog zwischen Schöpfung und Spiritualität. Seine Sammlung selbst war ein Kunstwerk - Ausdruck eines radikalen Engagements für die Moderne. Doch sein Wirken ging darüber hinaus: 1908 rettete er die südfranzösische Abtei Fontfroide vor dem Verfall und verwandelte sie in einen Ausstellungsort, der bis heute Bestand hat. Über ein Jahrhundert nach seinem Tod rückt Fayet wieder in den Fokus: Die Fondation Louis Vuitton widmet ihm eine große Retrospektive. Sie zeigt, was sein Lebensmotto hätte sein können: Schaffen. Teilen. Inspirieren. Die Ausstellung ist vom 9. Oktober 2026 bis zum 8. März 2027 zu sehen.
17:45
Im Jahr 1961 konnte der Intendant des Stuttgarter Theaters den in London lebenden jungen Südafrikaner John Cranko überreden, die Leitung des damals kaum bekannten Stuttgarter Balletts zu übernehmen. Cranko gelang es binnen weniger Jahre, das Ensemble zu einer der erfolgreichsten Compagnien der Welt zu machen. Wohl an keinem seiner Werke lässt sich besser zeigen, was Crankos Kunst ausmacht, als an "Onegin". Das Stück, das auf Alexander Puschkins Versroman "Eugen Onegin" zurückgeht und ohne Worte auskommt, wurde 1965 am Stuttgarter Ballett uraufgeführt. Die Musik hat Kurt-Heinz Stolze aus verschiedenen Werken von Peter Tschaikowsky zusammengestellt und orchestriert. Vor allem die gestraffte Neufassung von 1967 gilt als Crankos größter Erfolg und steht nach wie vor bei vielen Ballettcompagnien weltweit auf dem Spielplan. Cranko rafft Puschkins Roman, indem er das Drama auf fünf Figuren bündelt, mit der tragischen Liebesgeschichte zwischen Tatjana und Onegin im Mittelpunkt. Die Tanzszenen der beiden sind absolute Höhepunkte, die Psychologie der Figuren wird in jeder Bewegung deutlich. So zeigte Cranko, dass die Pas de Deux nicht nur tänzerische Höhepunkte eines Balletts sind, sondern Träger der Handlung sein können. Als Cranko ankündigte, seinen "Onegin" 1971 auch in Moskau zu zeigen, war das russische Publikum sehr misstrauisch. Cranko hatte es mit gleich zwei "heiligen" Werken der russischen Kultur aufgenommen, mit Puschkins Roman und mit Tschaikowskys Oper. Doch die Aufführung in Moskau wurde Crankos größter Triumph. Kurz danach starb er völlig überraschend im Jahr 1973.
18:35
(1) Claire Doutriaux wundert sich über verschiedene Ausdrücke im Deutschen und Französischen für etwas, das sich in weiter Ferne befindet. (2) Die Französin Chloé Bion wohnt seit sechs Jahren in Berlin. Was ihr fehlt: die Séyès-Blätter. (3) Philipp Seefeldt blättert durch den Quelle-Katalog, der den Deutschen jahrzehntelang Konsumwünsche erfüllt hat. (4) Und wie immer - das Rätsel.
18:45
Über Jahrhunderte war Genua Seerepublik und Handelsmacht. Zwischen Meer und Bergen eingeklemmt, brachten ihre Schiffe Waren und Lebensmittel aus aller Welt in die Stadt. Das karge, schwer zugängliche Hinterland konnte den Nahrungsbedarf der Genueser kaum decken. So entstand eine Vielfalt von Einflüssen und Aromen, die die Küche der Stadt bis heute prägen. Im Val di Vesima arbeitet Dario Barone, einer der wenigen verbliebenen Landwirte der Gegend. Seine Landwirtschaft ist regenerativ: Der Boden erhält seine Fruchtbarkeit aus sich selbst, ohne externe Düngung. Frisch geernteter Mangold wird bei ihm zur Torta Pasqualina verarbeitet - einer herzhaften Spezialität, die längst nicht mehr nur zu Ostern auf den Tisch kommt. Im Stadtteil Pra', der Hauptstadt des ligurischen Basilikums, baut Chiara Ratto Basilikum an - sehr aromatisch, empfindlich und nur mit Erfahrung zu kultivieren. Im Mörser entsteht daraus Pesto nach traditioneller Art, serviert mit einer ebenso ligurischen Pasta: Trofie. In einer historischen Sciamadda backt Umberto Prestigiacomo Farinata, einen Fladen aus Kichererbsenmehl, im Holzofen. Ein Gericht aus einer Zeit, in der nahrhafte Speisen günstig sein mussten - bis heute ein Markenzeichen der ligurischen Küche. Vor der Küste Genuas ist Ivan Marelli als leidenschaftlicher Hobbyangler unterwegs. Die passenden Gewürze für seine Fischküche findet er in einer alten Drogerie der Altstadt, die noch immer Sorten aus aller Welt führt. Zu Hause verwandelt er seinen Fang in schlichte, geschmackvolle Fischgerichte: Aus Bonito entsteht ein mediterranes Sashimi. Die Thunmakrele veredelt Ivan mit einer aromatischen Panade, die die Aromen und Geschmäcker Liguriens bündelt.
19:20
"ARTE Journal", das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur
19:40
Die Bemühungen der einheimischen Bevölkerung, die Überlebenschancen der Gaviale zu erhöhen, sind immens. Vor allem im Frühjahr, wenn eine neue Generation der selten gewordenen Krokodilspezies das Licht der Welt erblicken soll. Im Norden Nepals ragen die Gipfel des Himalayas in die Höhe und ziehen Wanderer und Bergsteiger aus der ganzen Welt an. Weniger bekannt ist Nepals Landschaft im Süden, wo die Berge auslaufen und im Tiefland ein warmes, subtropisches Klima herrscht. Die weite Flusslandschaft des Chitwan-Nationalparks ist ein Paradies für Wildtiere. In den 1970er Jahren wurde die Region um den Fluss Rapti vor allem zum Schutz der dort lebenden Nashörner und Elefanten zum Reservat erklärt. In der Graslandschaft am Flussufer und in den angrenzenden Wäldern ist die Biodiversität hoch. Hier leben über 500 Vogelarten und eine Vielzahl von Säugetieren, Reptilien und Fischen. Zu den seltensten und ungewöhnlichsten Bewohnern gehören die Gaviale. Ende März haben die Muttertiere ihre Eier auf Sandbänken am Fluss vergraben, in jedem Nest bis zu 60 Stück. Wildhüter wie Prakash Basnet kümmern sich darum, dass während der Brutzeit die Eier nicht beschädigt werden. Am Ende der Brutzeit im Mai gräbt das Muttertier seine Eier wieder aus, bis dahin wartet es in der Nähe der Brutstätte. Der Schlupf der Krokodil-Babys könnte jederzeit losgehen. Bei der Kontrolle der Nester bekommt Prakash tatkräftige Unterstützung. Phoebe Griffith aus England ist eine renommierte Reptilienforscherin. Sie hat viele Jahre ihrer Kindheit in Nepal verbracht und für ihre Doktorarbeit über Verbreitung und Bewegungsmuster von Gavialen in Chitwan geforscht. Gemeinsam wollen die engagierten Natur- und Reptilienschützer alles dafür tun, die seltenen und einzigartigen Gaviale vor dem Aussterben zu bewahren.
20:15
In einer nahen Zukunft drohen Dürren und Ernteausfälle die Menschheit auszulöschen. Der ehemalige NASA-Pilot Cooper lässt seine Kinder zurück, um mit einem Forschungsteam durch ein Wurmloch nach einer neuen Heimat zu suchen. - Christopher Nolans Science-Fiction-Epos (2014) verbindet ein kosmisches Abenteuer mit einer emotionalen Geschichte über Zeit, Familie und Verlust. Die Erde wird von Ernteausfällen und einer Nahrungskrise heimgesucht. Der ehemalige NASA-Pilot Cooper lebt mit seinen Kindern Murph und Tom auf einer Farm, bis ihn rätselhafte Hinweise zu einer Forschungsstation führen. Dort erfährt er, dass die Menschheit womöglich nur noch eine Chance hat: Durch ein Wurmloch nahe dem Saturn wurden mehrere potenziell bewohnbare Planeten entdeckt. Cooper schließt sich einer Expedition unter der Leitung der Wissenschaftlerin Amelia Brand an und verlässt dafür seine Familie - ohne zu wissen, ob er jemals zurückkehren wird. Auf ihrer Reise geraten die Astronauten in Welten, in denen Gravitation und Zeit völlig anderen Gesetzen folgen ... Christopher Nolan verbindet in "Interstellar" spektakuläre Science-Fiction mit einem Familiendrama über Verantwortung, Verlust und die Grenzen menschlicher Erkenntnis. Matthew McConaughey, Anne Hathaway und Jessica Chastain führen durch eine Geschichte, in der die Rettung der Menschheit untrennbar mit der Bindung zwischen Vater und Tochter zusammenhängt. Für die wissenschaftlichen Grundlagen von "Interstellar" arbeitete Christopher Nolan eng mit dem theoretischen Physiker und späteren Nobelpreisträger Kip Thorne zusammen. Besonders die Darstellung des schwarzen Lochs Gargantua entstand auf Grundlage physikalischer Berechnungen und lieferte sogar Material für wissenschaftliche Veröffentlichungen. Hans Zimmers markante Orgelmusik prägt den Film ebenso wie seine visuellen Effekte, für die "Interstellar" 2015 den Oscar erhielt.
22:55
Was macht Jessica Chastain zu einer der prägendsten Schauspielerinnen ihrer Generation? Die Dokumentation zeichnet ihren Weg anhand unveröffentlichter Archivaufnahmen und exklusiver Interviews nach - unter anderem mit Al Pacino, Liv Ullmann, Marthe Keller, Jeff Nichols und Hagai Levi. Sie zeigt, wie Chastain mit künstlerischer Entschlossenheit und kompromissloser Haltung ihre Karriere gestaltet. Chastain wählt ihre Rollen bewusst so, dass sie sich jeder Festlegung entzieht. Auf die anmutige Mutterfigur in "The Tree of Life" folgt mit "Mama" demonstrativ ein Gegenbild zum traditionellen Mutterideal; auf Independent-Filme lässt sie große Studio- und Genrestoffe folgen. Gerade in dieser Beweglichkeit liegt ihre künstlerische Handschrift. Ihre Rollen spiegeln dabei immer wieder zentrale gesellschaftliche Themen wider: Emanzipation, Machtstrukturen, Ungleichheit und das Recht auf Selbstbestimmung. Von "The Tree of Life" über "Zero Dark Thirty" und "Interstellar" bis zu "Scenes from a Marriage" zieht sich ein roter Faden durch ihr Schaffen: der Anspruch, weibliche Figuren jenseits von Klischees neu zu denken. Mit großer Präzision durchdringt sie ihre Figuren und arbeitet deren Tiefe und innere Widersprüche heraus. Die Dokumentation gewährt intime Einblicke in Chastains Schaffensprozess, in dem jede berufliche Entscheidung zugleich ein politisches Bekenntnis ist.
23:50
Mit dem Roman "Der Krieg der Welten" revolutionierte der Schriftsteller, Wissenschaftler und Politiker H. G. Wells 1898 die Literatur und legte den Grundstein für die moderne Science-Fiction. An der Schwelle zum 20. Jahrhundert, das den Aufstieg von Industriegesellschaft, Wissenschaft und Technologie mit sich bringen sollte, schuf er ein neues Genre, um Kritik an den gesellschaftlichen Entwicklungen und am technischen Fortschritt zu üben. George Orwell sagte über Wells, kein moderner Schriftsteller habe seine Zeitgenossen so tiefgreifend beeinflusst, wie er. Der Roman schlug ein wie eine Bombe: Die Vorstellung vom feindseligen Marsmenschen verbreitete sich wie ein Lauffeuer. "Der Krieg der Welten" thematisiert dabei die Angst, von unbekannten Mächten vernichtet zu werden, gegen die man nichts ausrichten kann. Die Handlung spielt auf dem Höhepunkt des westlichen Imperialismus, als die europäischen Mächte dank ihrer militärischen Übermacht den Großteil der Welt unter sich aufgeteilt hatten. Wells nahm sich etwas für damalige Verhältnisse Ungeheuerliches heraus und vertauschte die Rollen: Nun war es an der westlichen Zivilisation, von gnadenlosen Monstern überfallen und wie eine minderwertige Spezies behandelt zu werden. Damit war der Autor seiner Zeit weit voraus. Wells' Werk wurde zahlreich adaptiert, je nach Zeitgeist und aktueller Bedrohung: bei Orson Welles war es der Aufstieg des Faschismus, bei Byron Askin der Kalte Krieg, bei Steven Spielberg der Terrorismus, bei Tim Burton der US-amerikanische Imperialismus und bei jüngeren Umsetzungen die ökologische Katastrophe.