20:15
Die Titanic befindet sich auf ihrer Jungfernfahrt nach New York. Viele Reisende wandern in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Amerika aus, andere sind geschäftlich unterwegs oder genießen schlicht die Überfahrt auf dem Luxusdampfer. Sie alle sind überzeugt, auf dem sichersten Schiff aller Zeiten zu reisen. Gegen 23 Uhr haben sich die meisten Passagiere in ihre Kabinen zurückgezogen. Nur die Crew arbeitet durch, damit die Titanic ihren Zeitplan einhalten kann. Um 23.07 Uhr empfängt die Funkstation eine Eisberg-Warnung - doch die Nachricht wird nicht als dringend eingestuft ... 22 Minuten später meldet Frederick Fleet aus dem Ausguck: "Eisberg direkt voraus!" Das Ruder wird sofort herumgerissen. Es scheint, als sei die Titanic der Gefahr knapp entronnen, doch in einem der Kesselräume bemerkt der Heizer Frederick Barrett, dass Wasser durch ein Loch im Rumpf strömt. Er und seine Kollegen können entkommen, bevor sich die Schotten hinter ihnen schließen. Noch wiegen sich Besatzung und Passagiere in Sicherheit, denn das größte Passagierschiff der Welt gilt als unsinkbar. Doch dann werden innerhalb einer halben Stunde vier der insgesamt 16 angeblich wasserdichten Abteilungen des Schiffs geflutet. Noch eine fünfte, und die Titanic ist verloren ... Ausgerechnet Thomas Andrews, der Chefkonstrukteur des Unglücksdampfers, entdeckt zu seinem unbeschreiblichen Entsetzen, dass die Katastrophe eingetreten ist. Nur knapp zwei Stunden später versinkt die Titanic in den eisigen Fluten des Atlantiks.
21:10
Der Kapitän der Titanic befiehlt den Funkern, einen Notruf abzusetzen. In den Kesselräumen wird unterdessen verzweifelt versucht, das eindringende Wasser abzupumpen, um Zeit zu gewinnen. Da die Rettungsboote nur für die Hälfte der Menschen an Bord ausreichen, bleibt die Hoffnung, dass ein anderes Schiff zur Hilfe kommt. Die Passagiere der Ersten Klasse erhalten Schwimmwesten und werden aufgefordert, an Deck zu gehen. Noch wissen sie nicht, dass das Schiff dem Untergang geweiht ist. Auf dem nächstgelegenen Schiff, der "SS Californian", ist der Funker nicht mehr im Dienst. Ein anderes Schiff, der Dampfer "RMS Carpathia", nimmt jedoch Kurs auf die Titanic. Eine Passagierin der Ersten Klasse, Lucy Duff-Gordon, erinnert sich, dass man sie aufforderte, ohne ihren Ehemann in ein Rettungsboot zu steigen. Der verantwortliche Offizier auf der Backbordseite, Charles Lightoller, hält strikt an der Regel fest, nur Frauen und Kinder in die Boote zu lassen. Viele Familien entscheiden sich, zusammen an Deck zu bleiben, und einige Rettungsboote werden halb leer zu Wasser gelassen. Als klar wird, dass die "Carpathia" das sinkende Schiff nicht rechtzeitig erreichen kann, werden vermehrt Morselampen und Notraketen eingesetzt, um die "SS Californian" auf die Katastrophe aufmerksam zu machen - doch deren Funker schläft weiterhin. Nun erkennen auch die Passagiere der Zweiten und Dritten Klasse die Ausweglosigkeit ihrer Lage und drängen an Deck. Die "SS Californian" antwortet immer noch nicht. Alle, die nicht rasch einen Platz in einem Rettungsboot finden, drohen mit der Titanic unterzugehen.
22:10
Um 1.12 Uhr nachts befinden sich noch mehr als 2.000 Menschen an Bord der Titanic. Da die Rettungsboote nicht für alle ausreichen und keine Hilfe in Sicht ist, eskaliert die Situation. Um die Ordnung in dieser ausweglosen Lage notdürftig aufrechtzuerhalten, werden Schusswaffen an ranghohe Offiziere verteilt. Besonders hart trifft es die 709 Passagiere der Dritten Klasse: Ohne Lautsprecherdurchsagen oder Stewards, die ihnen den Weg weisen, sind sie auf sich allein gestellt. Ein Gewirr aus Gängen und Treppen erschwert ihnen den Zugang zum Deck. Selbst diejenigen, die es schließlich dorthin schaffen, stoßen auf ein verriegeltes Gitter, das ihnen den Weg zu den letzten Rettungsbooten versperrt. Die wenigen Boote, die noch verfügbar sind, füllen sich rasch. Auf der Backbordseite hält Offizier Lightoller strikt an der Anweisung fest, nur Frauen und Kinder einsteigen zu lassen. Eine Passagierin der Zweiten Klasse, Charlotte Collyer, steht vor einer schmerzhaften Entscheidung: Soll sie mit ihrer kleinen Tochter in ein Rettungsboot steigen oder bei ihrem Mann an Bord des sinkenden Schiffes bleiben? Bruce Ismay, Direktor der "White Star Line", der bis dahin bei der Evakuierung geholfen hat, sichert sich in letzter Minute einen Platz in einem der letzten Boote. Als es den verzweifelten Passagieren der Dritten Klasse schließlich gelingt, das Gitter aufzubrechen, kommt es zu einem chaotischen Ansturm auf die Rettungsboote. Eugene Daly berichtet, wie er aus einem Boot gerissen wird, in das er gesprungen war. Kurz darauf muss er mitansehen, wie zwei Männer erschossen werden, als sie versuchen, sich ebenfalls in ein Boot zu retten. Ein überforderter Offizier nimmt sich inmitten des Chaos das Leben. Weil noch immer über 1.500 Menschen an Bord sind, befiehlt der Kapitän den sich bereits entfernenden, nur halb besetzten Rettungsbooten, zurückzukehren. Doch die Insassen fürchten, von den verzweifelten Schiffbrüchigen in die Tiefe gerissen zu werden. Sie ignorieren den Befehl und rudern weiter - weg von der sinkenden Titanic.
23:10
Als das letzte Rettungsboot die Titanic verlässt, wird den Zurückgebliebenen klar: Es gibt keine Rettung mehr. Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus. Kapitän Smith wirkt wie erstarrt, während Thomas Andrews, der Konstrukteur des Schiffs, bis zuletzt versucht, Passagiere in Sicherheit zu bringen. Einige Crewmitglieder nehmen einen letzten Drink. Die Funker Harold Bride und Jack Phillips halten bis zum Schluss ihre Position. Erst als der Kapitän den Befehl zum Verlassen des Schiffs gibt, gehen sie an Deck. Dort versuchen sie, eines der faltbaren Rettungsbotte zu Wasser zu lassen. Doch eine Welle reißt die beiden weg, genau wie andere Hunderte Menschen. Das Heck der Titanic richtet sich immer steiler auf, während sich verzweifelte Passagiere daran klammern. First Class-Passagier Jack Thayer und Offizier Lightoller springen ins eiskalte Wasser. Dann bricht das Schiff entzwei, und um 2.20 Uhr ist die Titanic versunken. Für einen Moment herrscht Stille, dann ertönen verzweifelte Schreie. Thayer, Lightoller und Bride retten sich auf das kieloben treibende Faltboot B. In den Rettungsbooten hören die Insassen die Hilferufe, doch nur zwei Boote kehren um. Die meisten Überlebenden bleiben im eisigen Wasser zurück. Als die "Carpathia" eintrifft, sind 1.496 Menschen ertrunken - eine Tragödie, die Geschichte schreibt.