22:10
Hélène ist eine unverheiratete Lehrerin in einer Kleinstadt im Südwesten Frankreichs. Sie ist die perfekte Dame: stets adrett gekleidet und in ihrem Handeln selbstbewusst und kontrolliert. Das ändert sich auch nicht, als sie Paul trifft, der von allen "Popaul" genannt wird. Er kehrt nach 15 Jahren aus dem Krieg zurück und nimmt den Betrieb der Dorfmetzgerei wieder auf. Die beiden sind sich ihrer Sonderstellung im Ort als Unverheiratete bewusst und finden beim jeweils anderen Verständnis und Nähe. So verbringen sie immer öfter Zeit miteinander: Sie essen zusammen bei ihr zu Hause oder machen einen ausgiebigen Waldspaziergang - was den Klatsch des Dorfes nach sich ziehen kann. Während Popaul Hélène bald von seinen Gefühlen für sie erzählt, hält sie ihn aus Angst vor Verletzung auf Abstand. Trotzdem schenkt sie ihm zu seinem Geburtstag ein wertvolles Feuerzeug. Kurz darauf findet Hélène bei einem Ausflug mit ihrer Schulklasse eine blutüberströmte Frauenleiche - und daneben liegt das Feuerzeug. Sie zieht den logischen Schluss, dass Popaul der Mörder sein muss. Unausgesprochen liegt diese Annahme von nun an zwischen ihnen. Hélène schwankt gegenüber Popaul zwischen Anziehung und Angst ...
23:45
Als die 28-jährige angehende Journalistin Shiori Ito im Mai 2017 ihre Vergewaltigungsvorwürfe gegen einen prominenten Fernsehmann und Biografen des damaligen Premierministers Shinzo Abe öffentlich macht, sieht sie keine andere Möglichkeit, um Japans veraltete Gesetze zu sexuellen Übergriffen zu ändern. Ihre Pressekonferenz schockiert die Öffentlichkeit in einer Gesellschaft, in der es als unschicklich gilt, sich zu solchen Themen zu äußern. Innerhalb weniger Tage gerät Shiori ins Zentrum der japanischen Politik - die rechte Seite sieht in ihr eine Bedrohung, die die Abe-Regierung zu Fall bringen könnte, während die Linke sie aus demselben Grund als Heldin feiert. Morddrohungen, Cybermobbing und Hassbriefe stürzen Shiori in eine persönliche Krise. Als sie eine Zivilklage einreicht, führt der Beschuldigte einen erbitterten Krieg gegen sie. Entschlossen, kein schlechtes Beispiel für andere Opfer zu sein, treibt Shiori ihren Fall voran und beschließt, ein Buch über ihre Erfahrungen zu veröffentlichen. Der Dokumentarfilm zeigt, welchen persönlichen Tribut das Geflecht aus Politik, Medien und Technologie in dieser belastenden Situation fordert. Unter ihrer eigenen Regie und mit höchst persönlichem Material fängt "Tagebücher eines Missbrauchs" Shioris turbulente, bewegende und letztendlich triumphale Reise ein und blickt hinter die Schlagzeilen, um zu zeigen, wie es war, in ihrer Haut zu stecken. Da Shiori sowohl Opfer als auch Journalistin ist, zeigt der Dokumentarfilm, dass sie nicht nur sozialen Wandel herbeiführen wollte, sondern auch um ihr psychisches Überleben kämpfte. "Tagebücher eines Missbrauchs" wurde 2025 für den Oscar für den besten Dokumentarfilm nominiert.