11:55
Ob als "Herrgottsb'scheißerle" in Schwaben, Jiaozi in China oder Tortellini in Italien - Teigtaschen sind echtes Soul Food und gehören zu den ältesten Gerichten der Welt. Die Geschichte ihrer Entstehung ist oft mit Legenden und Bräuchen verbunden: Die Zuschauerinnen und Zuschauer erfahren, was chinesische Dumplings mit erfrorenen Ohren zu tun haben, wie ukrainische Wareniki als Liebesorakel genutzt wurden und warum Dosenravioli die Emanzipation der Frauen vorangetrieben haben. In Bologna bereiten die Freundinnen Danila und Luisa traditionelle Tortellini zu und streiten über den wahren Geburtsort der italienischen Teigtaschen. Köchin Lucie zeigt praktische Tricks zum perfekten Formen der Teigtaschen und färbt Dumplings mit Kurkuma, Rote Bete und Spirulina. Seit vielen Jahren führt die Kulinarik-Reihe "Zu Tisch" zu den Wurzeln von Kochtraditionen aus aller Welt. Dabei bleibt oft wenig Raum für ausführlichere kulturgeschichtliche oder ernährungswissenschaftliche Exkurse. Die Reihe "Zu Tisch mit Lucie" will genau das ändern. Die Deutsch-Französin Lucie Fischer-Chapalain, ausgebildete Köchin, nimmt Obst und Gemüse genauer unter die Lupe. Mit ihrer unterhaltsamen und kurzweiligen Art vermittelt sie kulinarisch-wissenschaftliche Inhalte: Was sind Bergamotten? Wie schmecken Rosen? Und warum braucht man Salz in der Suppe? "Zu Tisch mit Lucie" beleuchtet die kulturgeschichtliche Bedeutung von Regionen, vermittelt Wissen über traditionelle und moderne Anbaumethoden und erklärt die ernährungsphysiologischen sowie chemischen Eigenschaften von Lebensmitteln.
12:25
Linda Lorin lädt zu einer Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Glasgow: Alasdair Grays "Arme Dinger" / Rotes Gent / Albanien: Idas Brathähnchen mit Brot / Deutschland: Steuerliche Haarspalterei
13:10
Linda Lorin lädt zu einer Reise an vier besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. In dieser Folge: Juan Rulfos magischer Realismus / Viva la muerte! / Mexiko-Stadt, eine aufgegriffene Weltraumsonde
14:00
Die fiktive Kleinstadt Sainte-Gudule, 1977: Das Eheleben von Robert und Suzanne Pujol verläuft seit über 30 Jahren in seinen gewohnten Bahnen. Robert ist Geschäftsführer einer Regenschirmfabrik, hat eine Affäre mit seiner Sekretärin und besucht abends die örtlichen Nachtclubs. Suzanne ist Hausfrau und vergleicht ihr Dasein zunehmend mit dem eines dekorativen Schmuckstücks. Das ändert sich schlagartig, als die Arbeiter der Regenschirmfabrik plötzlich streiken. Der cholerische Robert erleidet einen Herzinfarkt und macht zur Erholung eine Kreuzfahrt. Auf Drängen des Bürgermeisters Maurice Babin erklärt Suzanne sich dazu bereit, die Führung der Fabrik zu übernehmen. Sie findet Gefallen an der neuen Arbeit und ihre Emanzipation bringt einiges ins Rollen: Kompromisse mit den unzufriedenen Gewerkschaftern, die Freundschaft zur Sekretärin Nadège, die Zusammenarbeit mit ihren beiden Kindern und schließlich die erneute Annäherung mit dem Bürgermeister. Dann taucht Robert plötzlich wieder auf; nichtsahnend, dass er in der Zwischenzeit selbst zum Schmuckstück geworden ist. "Das Schmuckstück" erlebte 2010 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig seine Uraufführung. Der Film erhielt darüber hinaus diverse Nominierungen, unter anderem für den César 2011 in den Kategorien Bestes adaptiertes Drehbuch, Bestes Kostümbild, Beste Nebendarstellerin (Karin Viard) sowie Beste Hauptdarstellerin (Catherine Deneuve). Die ikonische französische Schauspielerin Catherine Deneuve wurde 2022 mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk geehrt.
15:50
Von Okinawa segelt Corentin auf seinem Katamaran über das Ostchinesische Meer in Richtung Norden, zum Hauptarchipel und dem Hafen von Tokushima. Im Westen liegt China, im Osten der Pazifische Ozean. In der Kleinstadt Kamikatsu möchte Corentin lernen, wie man möglichst wenig Abfall produziert. Die Bürger des Ortes sind dabei, mit Hilfe von Recyclingverfahren zur "Zero-Waste"-Stadt zu werden. Die Bausteine des Erfolgs: die lokale Kreislaufwirtschaft, eine Philosophie des Minimalismus und der Grundsatz: "Der beste Müll ist der, der gar nicht erst entsteht."
16:20
Mitten in Bristol liegt ein nur zehn Meter breiter Stadtgarten, in dem es vor Leben nur so wimmelt. Für wildlebende Tiere ist das Gärtchen eine grüne Oase, die ihnen Schutz vor den umliegenden Straßen und dem Autoverkehr bietet. Das hätte sich Lou, Künstlerin, Bildhauerin und Besitzerin des Stadtgartens kaum vorstellen können. Ein Jungfuchs hat Lous Garten zum Quartier inmitten seines Reviers erklärt, das sich über rund hundert Nachbarsgärten erstreckt. Er bedient sich an den Hausabfällen und macht sich interessiert auf die Suche nach einer läufigen Füchsin, deren Rufer er hört. Tagsüber versucht eine junge Blaumeise, sich an Lous Futterhäuschen gegen aggressive Distelfinken, listige Tauben und den Nachbarskater Mister Fluffy zu behaupten. Mit den milderen Temperaturen erwacht ein Igelweibchen aus dem Winterschlaf und begibt sich auf Partnersuche. Lou und ihre Nachbarn haben eine "Igel-Autobahn" angelegt, die sechzehn Gärten miteinander verbindet. Entlang dieses grünen Korridors trifft das Igelweibchen auf gleich mehrere paarungsbereite Männchen. Nachwuchs in der Stadt großzuziehen ist nicht leicht. Aufgrund des Insektenschwunds kann die Blaumeise ihre zehn Küken nur mit Mühe satt bekommen. Beim ersten Flug begegnen die Küken Gefahren wie dem Nachbarskater Mister Fluffy. Zusammen mit den Gärten der Nachbarn bildet Lous Gärtchen ein Patchwork aus Grünflächen. Da Gärten ein Drittel der Stadtfläche Bristols ausmachen, sind sie ein wichtiger Rückzugsort für die Natur.
17:05
In der Region um den Ort Bundenbach haben bis in die 1960er Jahre viele Menschen vom Schieferabbau gelebt. Bis heute erzählen unzählige stillgelegte Stollen von dieser Zeit. Der Bergbauingenieur Christian Wild und der Fledermausexperte Andreas Kiefer begeben sich auf Spurensuche. Dabei finden sie nicht nur erstaunlich gut erhaltene Relikte aus der Bergbauzeit - wo früher Schiefer abgebaut wurde, haben sich heute Fledermäuse in den Höhlen eingenistet. Zwischen steilen Hängen und tiefen Tälern: In der wunderschönen Umgebung des Moseltals sind Steffen Carmin und Hanna Braun mit ihren 250 Schafen auf Wanderschaft. Die Tiere sind Landschaftspfleger und halten die Wiesen offen für seltene Pflanzen. Der Hunsrück ist auch das Habitat der scheuen Wildkatze. Mehr als 100 der seltenen Exemplare leben hier - das ist die größte zusammenhängende Population Westeuropas. Wildnispädagogin Maria Salomé Hoffmann kann ihre Spuren lesen und lockt die Tiere mit einer selbst gemachten Baldriantinktur vor die Fotokamera.
17:50
Der größte Teil der Ardennen liegt im Südosten Belgiens in der französischsprachigen Wallonie. Im Osten geht das Schiefergebirge der Ardennen in die deutsche Eifel über, bedeckt weiter südlich rund ein Drittel des Großherzogtums Luxemburg und dehnt sich ganz im Süden bis nach Frankreich hinein aus. In den Hochmooren des Hohen Venn erstreckt sich ein 5.300 Hektar großes Naturschutzgebiet, eine für Mitteleuropa höchst ungewöhnliche Tundra-Landschaft: kalt, karg, fast baumlos, aber mit einer breiten Heidevegetation, in der viele Tiere eine Heimat gefunden haben. Seltene Vögel wie der Auerhahn leben hier, die Kreuzotter, der Biber und vor einigen Jahren ist auch der Wolf zurückgekehrt. Naturschützer freut das, manche Schäfer eher weniger. Der Förster Thomas Wislet versucht, die Bewegungen des Wolfes mit Fotofallen und DNA-Analysen nachzuverfolgen. Zurzeit gibt es zwei Wolfsmeuten in den Ardennen und immer wieder ziehen weitere Einzeltiere durch das Naturschutzgebiet. Mit fast 700 Meter Höhe sind die Ardennen zwar nicht das Dach der Welt, aber das Dach Belgiens. Durch die niedrige Durchschnittstemperatur finden sich hier zahlreiche Pflanzenarten, die sonst eher in nördlicheren Breiten zu Hause sind. Und so finden Françoise Gabriel und Karin Laschet hier Heilkräuter, die es sonst kaum noch gibt. Sie schwören auf deren einzigartige Heilwirkung. Doch es gibt in den Ardennen noch ein weiteres Biotop für vielfältige Lebensformen: Die Ardennen sind von einem Geflecht aus Höhlen und Grotten und unterirdischen Flussläufen durchzogen.
18:30
Die Black Mountains liegen im Südosten von Wales an der Grenze zur englischen Grafschaft Herefordshire und sind Teil des Nationalparks Bannau Brycheiniog (Brecon Beacons). Die Bergrücken der Black Mountains erstrecken sich wie lange Finger von Nord nach Süd. Steht die Sonne tief, erscheinen die Berge schwarz im Gegenlicht. Auch der Abbau von Sandstein und Torf bringt das Schwarz in die überwiegend grünen Berge. Wer hier lebt, liebt die Gemeinschaft und setzt sich für den Erhalt der einzigartigen Landschaft und Tierwelt ein. Besonders geschützt werden Rotmilane, Dachse sowie seltene Fledermausarten. Am Llangorse Lake züchtet Coline Preece Biber, um damit das empfindliche Ökosystem zu retten. Am Berg Bryn Arw arbeitet Keith Powell daran, die von Adlerfarn überwucherten Bergrücken wieder zu bewalden. Als Gletscher in der letzten Eiszeit die Berge, Hügel und Täler der Black Mountains formten, wurden in der ganzen Region Sedimente abgelagert. Gwenda Binns nennt die rote, besonders tonhaltige Erde "dirt". Shaun Bevan baut damit Mountainbike-Strecken auf ihrem Ackerland. Den Ursprung dieser besonders formbaren Erde hat Kerry Crosfield unter Tage gefunden: Die Black Mountains werden von einem der längsten Höhlensysteme Europas durchzogen.
19:20
ARTE Journal, das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur.
19:35
"Mit offenen Karten im Fokus": Täglich drei Minuten Aktuelles und Analysen.
19:40
Zensur, Kürzungen und Entlassungen: In der zweiten Amtszeit von Donald Trump droht Forschenden in den USA der Verlust ihrer wissenschaftlichen Freiheit. Manche von ihnen geraten immer mehr in Bedrängnis. "Wenn laufenden Wissenschaftsprojekten Mitteln entzogen werden, bedeutet das eine Verschlechterung der Ergebnisse.", so Dr. Elsa Anderson. Seit Juli ist die 37-Jährige in Berlin. Sie kommt auf Einladung der Alexander von Humboldt Stiftung. Sie erhält ein Forschungsstipendium am Leibniz-Institut für Gewässerökologie. Vorher forschte sie in den USA an der Northwestern University in Evanston, Illinois. "Ich bin auf die biologische Vielfalt in der Stadt spezialisiert. Und ich verbinde Straßenkunst mit Artenentwicklungen." Einige Forscherinnen und Forscher suchen nach unabhängig finanzierten Stellen, kommen zum Beispiel nach Europa. Die Reportage begleitet zwei hoch dotierte amerikanische Personen, eine Wissenschaftlerin in Deutschland und einen Wissenschaftler in Frankreich in den ersten Tagen nach ihrer Ankunft: Bioingenieurin Dr. Katharina Maisel, in Saarbrücken und den Astrophysiker Dr. Kartik Sheth in Marseille. Bis März 2025 war er in leitender Position bei der Nasa. Die Ankündigung der Schließung des gesamten Wissenschaftsdirektorats, sowie die Schließung der zuständigen Büros, für Technologie, Politik und Strategie der Nasa, markierte einen Wendepunkt.
20:15
In dieser zum Kultfilm gewordenen Musical-Verfilmung verirrt sich ein frisch verlobtes junges Paar in ein geheimnisvolles Schloss und trifft dort auf eine Versammlung skurriler Charaktere. So wird die Unwetternacht zum unterhaltsamen Horrortrip voller Tanz und Gesang. - Mit Stars wie Tim Curry, Susan Sarandon und Meat Loaf und unter der Regie von Jim Sharman. In einem abgelegenen Schloss feiert Dr. Frank-N-Furter, ein exzentrischer Wissenschaftler, mit Anhängern seine neueste Schöpfung. Er hat einen künstlichen jungen Mann von strahlender Attraktivität erschaffen: Rocky Horror. Doch als das prüde Liebespaar Brad und Janet während eines Unwetters zufällig in die sonderbare Veranstaltung platzt, bricht in Franks sündigem Schloss der Teufel los. Was folgt, ist eine für alle erlebnisreiche, bizarre Nacht voller sexueller Ausschweifung, skurriler Gestalten und Musik. Während sich die Ereignisse überschlagen, werden Brad und Janet zunehmend in die dekadente Welt des Schlosses hineingezogen. Das verrückte Bühnenstück "The Rocky Horror Show", das dem Film als Vorlage diente, ist ein Dauerbrenner auf den Bühnen der Welt. Die kongeniale Filmversion des schrillen britischen Rock-Musicals ist seit 1975 zum Kultfilm und Klassiker geworden. Mit Elementen aus Horror, Science-Fiction und Glam-Rock setzt sich die respektlos-freche Persiflage auf Genreregeln und -motive mit gesellschaftlichen Normen auseinander und ist ein Plädoyer für queere Sichtbarkeit, Vielfalt und Kreativität.
21:50
Der Dokumentarfilm ist eine liebevolle Hommage an ein Stück Popkultur, das bis heute Menschen auf der ganzen Welt begeistert. Er lädt zu einer Reise zu den Anfängen von "The Rocky Horror Show" ein und erzählt, wie aus einer kleinen, ungewöhnlichen Theaterproduktion in London ein weltweites Kultphänomen wurde. Regisseur Linus O'Brien ist der Sohn von Richard O'Brien, dem kreativen Kopf hinter "Rocky Horror". Seine Dokumentation wirft so einen sehr persönlichen Blick auf die Entstehungsgeschichte des Musicals und die spätere Verfilmung "The Rocky Horror Picture Show". Mit spürbarer Leidenschaft zeichnet der Film die Höhen und Tiefen dieses Werks nach, das zunächst kaum beachtet wurde und schließlich Filmgeschichte schrieb. Stars wie Tim Curry, Susan Sarandon, Barry Bostwick und Patricia Quinn erinnern sich an eine Zeit, in der niemand ahnen konnte, welchen Einfluss ihre Arbeit einmal haben würde. Ergänzt werden ihre Geschichten durch prominente Fans wie Jack Black und Trixie Mattel, die erzählen, warum "Rocky Horror" für sie weit mehr als ein Film und Musical ist. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Selbstbestimmung, Toleranz und die Freiheit, anders zu sein. Der Film zeigt warum sich über Generationen hinweg eine leidenschaftliche Fangemeinde gebildet hat und weshalb die legendären Mitternachtsvorführungen bis heute Menschen zusammenbringen. "Die 'Rocky Horror Show': Eine wilde Geschichte" erzählt von einer kreativen Revolution, einer einzigartigen Gemeinschaft und einem Werk, das seinen Schöpfern längst entwachsen ist.
23:05
Die alleinerziehende Yoshimi zieht nach der Scheidung mit ihrer Tochter Ikuko in eine verwahrloste Mietskaserne am Rande von Tokio. Zunächst schenkt sie einem Wasserfleck an der Schlafzimmerdecke wenig Beachtung. Sie hofft, dass der Hausmeister Kamiya sich darum kümmern wird. Ihre Aufmerksamkeit gilt ganz dem Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann und der Jobsuche. Doch bald schon tropft Wasser von der Decke und unheimliche Vorgänge häufen sich. Eine mysteriöse Kinderhandtasche taucht immer wieder auf dem Dach auf, von oben sind trampelnde Schritte zu hören, dunkle Kinderhaare finden sich im Trinkwasser und wiederholt sieht sie ein scheues Mädchen in einem gelben Regenmantel. Nach und nach wird klar, dass die Geschehnisse mit der vor zwei Jahren verschwundenen Mitsuko zusammenhängen. Mitsukos Leiche wurde nie gefunden. Nun irrt ihr Geist durch das Haus auf der Suche nach einer Mutter. Yoshimi begreift, dass das eifersüchtige Geistermädchen eine große Gefahr für ihre Tochter Ikuko darstellt. Autor und Regisseur Hideo Nakata zählt mit seinen Filmen "Ring - Das Original" und "Dark Water - Besuch aus dem Jenseits" zu den Vätern des Genres J-Horror. Einige der effektvollsten formalen Inventionen des Genres gehen auf ihn zurück: verlangsamte, unscharfe Bilder von Geistergestalten; von dunklen Haaren halb verdeckte Gesichter; die Dissoziation der Bild- und Tonebene; die Fetischisierung alltäglicher Verfallserscheinungen, wie Schimmel oder Wasserflecken; entsättigte Farben. Um die Jahrtausendwende wurden japanische Horrorfilme auf diese Weise zu einem weltweiten popkulturellen Phänomen.