20:15
Léo und Rémi sind 13 und seit Kindertagen unzertrennlich. Sie streifen durch die Felder, übernachten oft beieinander und teilen eine selbstverständliche Vertrautheit, die für beide wie ein Zuhause ist. Rémi lernt passioniert Oboe und Léo träumt davon, ihn eines Tages als Manager zu begleiten, damit sie gemeinsam die Welt bereisen können. Doch mit dem Schulwechsel beginnt das neue Umfeld, die Nähe der Jungen zu kommentieren. Neugierige Fragen und erste Anspielungen im Klassenraum werden bald zu Hänseleien. Léo reagiert auf die Blicke und Andeutungen der anderen mit Abwehr. Aus Angst, sich angreifbar zu machen, zieht er sich körperlich und schließlich emotional aus der Freundschaft mit Rémi zurück, sucht Anschluss bei einer Jungengruppe und beginnt, Eishockey zu spielen. Rémi versteht das Verhalten seines besten Freundes nicht, wird stiller, verletzlicher und versucht, die Freundschaft festzuhalten, während Léo ihm immer häufiger ausweicht. Als Léo von einem Klassenausflug zurückkehrt, an dem Rémi nicht teilgenommen hat, ist Rémi nicht mehr da. Léo bleibt mit großen Schuldgefühlen zurück und versucht in der Zeit danach, zwischen Schule, Eishockeytraining und der Arbeit auf dem elterlichen Hof irgendwie weiterzumachen. Gleichzeitig wird die Konfrontation mit Rémis Familie unausweichlich, vor allem mit seiner Mutter, die nach Antworten sucht.
21:55
Iman wird zum Ermittlungsrichter am Revolutionsgericht in Teheran befördert - ein Karriereschritt, der seiner Familie Hoffnung auf Sicherheit und sozialen Aufstieg gibt. Doch zeitgleich erschüttert eine Protestwelle das Land. In der Behörde wird Iman unter Druck gesetzt, Entscheidungen im Akkord zu treffen und Unterschriften zu leisten, die über Freiheit und Leben bestimmen, ohne ausreichend Einblick in die Fälle zu haben. Je mehr er sich dem System anpasst, desto stärker wächst die Anspannung, die er mit nach Hause nimmt. Während seine Frau Najmeh versucht, den Familienfrieden zu wahren, erleben die Töchter Rezvan und Sana die Realität der Straße und der sozialen Netzwerke. Die beiden Mädchen beginnen, das System zu hinterfragen: Offizielle Nachrichten stehen für sie unvereinbar neben Gerüchten, Videos und Erlebnissen in Schule und Universität. Als eine Freundin der Töchter bei einer Demonstration schwer verletzt wird und die staatliche Repression immer näher rückt, verschieben sich die Grenzen dessen, was in der Wohnung gesagt und verschwiegen werden darf. Der Wendepunkt kommt, als Imans Dienstwaffe plötzlich verschwindet. Aus Angst vor Konsequenzen und getrieben von Paranoia beginnt er, seine Frau und Töchter zu verdächtigen, ihre Handys einzusammeln, die Regeln zu verschärfen und sie unter Druck zu setzen. Was als Versuch beginnt, die Familie zu schützen, wird zur Zerreißprobe: Vertrauen wird zum Verhör, Nähe zur Überwachung, und der private Raum spiegelt immer deutlicher die Gewalt eines Staates, der jede Abweichung bestraft.