17:50
Vietnam ist eines der artenreichsten Länder der Erde, doch viele Tiere sind weitgehend unbekannt. Der Doku-Zweiteiler zeigt die außergewöhnliche Vielfalt der Lebensräume des südostasiatischen Landes. In dieser Folge begibt sich das Filmteam in den Dschungelgebiete des Nordens auf die Suche nach seltenen Tieren. Dabei entstanden einzigartige Aufnahmen vom scheuen Fleckenroller oder der vom Aussterben bedrohten Krokodilschwanzechse. Vietnam vereint zwei gegensätzliche Welten: Im Norden prägen Kalksteinformationen, nahezu undurchdringliche Regenwälder und die kühlen Ausläufer des Himalayas die Landschaft, während im Süden der Monsun und das gewaltige Überschwemmungsgebiet des Mekong-Deltas die Natur formen. Gemäßigte und tropische Ökosysteme treffen hier auf engem Raum aufeinander und schaffen Lebensbedingungen, die die Entstehung neuer Arten begünstigen. So wird Vietnam zu einem Hotspot der Biodiversität. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Schuppentier. Das Pangolin ist das meistgewilderte Tier der Welt. Welche Abenteuer es erlebt, was ein Fleckenroller mit Kaffee zu tun hat und warum Cat-Ba-Languren nur auf einer einzigen Insel leben, zeigt diese Dokumentation über die Bergwälder Vietnams.
18:30
Der Vietnamkrieg forderte nicht nur Millionen Opfer in der Bevölkerung, auch weite Teile der Natur im Süden wurde zerstört. Pflanzen und Tiere konnten sich ihr Reich zurückerobern - dort, wo es die Zivilisation zugelassen hat. Diese Folge des Zweiteilers erzählt einzigartige Erfolgsgeschichten von Fauna und Flora. Überquert man den Wolkenpass in der Mitte Vietnams, betritt man ein anderes Land. Während im Norden ein raues, kühles Klima herrscht, ist der Süden ganzjährig tropisch warm. Nahe der Millionenmetropole Ho-Chi-Minh-Stadt liegt ein kleines Paradies. Umringt von Kulturland ist der Nationalpark Cát Tiên der einzige intakte Flachlandregenwald Vietnams. Hier traf das Filmteam auf die letzten Familien der Südlichen Gelbwangengibbons im Land. Dabei gelangen faszinierende Verhaltensstudien dieser seltenen Primaten. Noch tiefer im Süden fließt der Mekong, die Lebensader Südvietnams. Einst eine endlose Wasserwildnis, wird im Mekongdelta mehrmals im Jahr Reis geerntet. Auf den Wasserwegen treiben die Vietnamesen Handel. Es bleibt kaum Platz für naturbelassene Gebiete. Trotzdem fand das Filmteam Zwergotter bei der Jagd im Wald und Siamkrokodile, die bereits als ausgestorben galten. Die Wildnis im tropischen Süden Vietnams steht vor großen Herausforderungen. Wie sie diese meistert und welche Arten den Kampf verlieren könnten, erzählt dieser Teil der Dokumentation.
19:20
"ARTE Journal", das europäische Nachrichtenmagazin, wirft einen aktuellen, weltoffenen und europäischen Blick auf Politik und Kultur
19:35
Die Europäer stehen stets vor neuen Provokationen durch Putin und den neuen strategischen Kurs des historischen Partners USA. Mark Carney, Kanadas Premier, sprach in diesem Zusammenhang vor dem EU-Parlament. Die Solidarität zwischen Europa und Kanada ist nicht neu. Seine Rede zeigte, welche Herausforderungen die EU in den kommenden Monaten bewältigen muss.
19:40
Vanessa Langer hatte in der 15. Schwangerschaftswoche einen Blasensprung. Ein Schock. Für ihren Frauenarzt war klar: Ihr Baby wird es nicht schaffen. Ähnlich erging es Dania di Natali, sie bekam mit der Diagnose "Hydrothorax" gleich auch die Sternenkinder-Mappe in die Hand gedrückt - eine Info-Broschüre für die Eltern verstorbener Babys. Professor Thomas Kohl vom Uniklinikum Mannheim ist rund um die Uhr erreichbar für verzweifelte Paare. Er operiert seit fast 25 Jahren Babys noch im Mutterleib. Babys mit schweren Fehlbildungen: Spina Bifida (Offener Rücken), Wasseransammlungen in Bauch- und Brusthöhle oder Zwerchfellbruch. Kohl hat bestehende OP-Verfahren weiterentwickelt, aber auch völlig neue Wege beschritten. Mit seinen Methoden wird weltweit gearbeitet - Schüler praktizieren in Nachbarländern wie Polen, aber auch im weit entfernten Japan. Für komplexe, minimalinvasive vorgeburtliche Eingriffe steht Thomas Kohl stundenlang im OP, und immer hochkonzentriert. Jede Bewegung erfordert Präzision, jeder kleinste Fehler hätte fatale Auswirkungen auf Mutter und Kind. Doch der Pränatalchirurg versteht sich nicht nur als "Techniker" - er ist auch zugewandter Berater von Menschen in einer psychischen Ausnahmesituation. Die Community ehemaliger Patientinnen und Patienten ist groß; die Dankbarkeit der allermeisten noch größer. Doch zur Wahrheit gehört auch: nicht alle Kinder schaffen es. Marlons Eltern entschieden sich bewusst für eine palliative Geburt - und sind dankbar für die Chance, ihren Sohn kennengelernt haben zu dürfen.
20:15
Rot mit weißen Punkten, Glückssymbol, Giftpilz, Märchenfigur, Forschungsobjekt: Kaum ein Pilz ist kulturell so aufgeladen wie der Fliegenpilz. Seit Jahrhunderten steht er für Verheißung und Gefahr, für Zauber, Rausch und die Sehnsucht nach einer anderen Wahrnehmung der Welt. Doch was wissen wir tatsächlich über Amanita muscaria? Die Dokumentation von Thomas Grube folgt dem Fliegenpilz durch Wälder, Mythen und Labore. Sie trifft Forschende aus Mykologie, Pharmakologie, Anthropologie, Psychologie, Literatur- und Kunstgeschichte, aber auch Menschen, die sich dem Pilz in Ritualen, naturspirituellen Praktiken oder als Symbol eines verlorenen Wissens nähern. So entsteht das Bild eines Organismus, der sich einfachen Zuschreibungen entzieht: ökologisch hochkomplex, kulturgeschichtlich tief verankert und wissenschaftlich in vieler Hinsicht noch immer rätselhaft. Der Film erzählt vom Fliegenpilz als Teil unterirdischer Netzwerke im Wald, von seiner Rolle in alten Erzählungen, in schamanischen Traditionen und in der europäischen Kultur zwischen Glücksbringer, Hexensymbol und Weihnachtsikone. Zugleich richtet er den Blick auf aktuelle Debatten: auf neu entfachtes Interesse an psychoaktiven Substanzen, auf Fragen nach Wirkung, Risiko und Regulierung sowie auf die Kommerzialisierung eines Naturstoffs, dessen Erforschung noch am Anfang steht. Je genauer die Wissenschaft den Fliegenpilz untersucht, desto deutlicher zeigt sich, wie viel an diesem Wesen bis heute unverstanden bleibt.
21:05
Pilze existieren seit Anbeginn des irdischen Lebens. Sie sind weder Pflanze noch Tier und nicht von Sonnenlicht und Luft abhängig. Pilze "fressen" Steine, so bildet sich Boden, auf dem Pflanzen wachsen können - eine Voraussetzung für die Veränderung der Atmosphäre und für die Evolution der Tiere. Auch nach dem letzten Massenaussterben überlebten Pilze. Die unentdeckten Kräfte der Pilze könnten den Menschen helfen, auf dem zunehmend vergifteten, erschöpften und sich erwärmenden Planeten zu überleben. Pilze sind die Überlebenskünstler der Natur, äußerst anpassungsfähig und damit sehr erfolgreich. Sie wachsen in den eisigen Temperaturen der Antarktis und gedeihen an den Wänden des Reaktors von Tschernobyl. Sie sind auf Nahrungsmitteln, in den Lungen von Menschen und Tieren, und auch die Haut ist mit ihnen bedeckt. Einige Pilzsporen können Millionen von Jahren inaktiv bleiben, ohne zu sterben. Die Sporen von Pilzen sind quasi überall. Viele davon sind für Säugetiere sehr nützlich. So hat die Hefe den Menschen mit Brot und Bier das Überleben erleichtert. Andere Pilze können allerdings zur ernsten Bedrohung werden, denn es werden immer wieder mysteriöse Krankheiten bekannt, die von Pilzsporen verursacht werden. Die Dokumentation beschreibt, wie Pilze entstehen, sich gegen Naturgewalten behaupten und die Welt sogar gestaltet haben. Ein besseres Verständnis für das Überleben von Pilzen könnte es der modernen Medizin ermöglichen, neue Medikamente zu entwickeln. So, wie Penizillin auf einen Schimmelpilz zurückgeht, könnte auch die nächste Generation von Antibiotika aus Pilzen hervorgehen.
22:00
Teheran, April 2016: Nazanin Zaghari-Ratcliffe verabschiedet sich von ihrer Familie und macht sich mit ihrer kleinen Tochter Gabriella auf den Heimweg nach London. Doch am Flughafen wird sie plötzlich vom Sicherheitspersonal aufgehalten - angeblich wegen eines Problems mit ihrem Reisepass. Gabriella wird ihr entrissen - und Nazanin verschwindet. In London erfährt ihr Ehemann Richard von der vermeintlichen Verzögerung. Noch glaubt er an ein Missverständnis. Doch die Tage vergehen ohne Nachricht. Nazanin wird der Spionage beschuldigt, in Einzelhaft gesteckt und Hunderte Kilometer entfernt nach Kerman verlegt. Die Verhöre sind brutal, die Isolation zermürbend. Richard beginnt zu recherchieren, kontaktiert Behörden und andere betroffene Familien. Die Wahrheit ist erschütternd: Nazanin ist kein Einzelfall - sie ist Teil eines politischen Machtspiels. Während das Außenministerium zur Geduld mahnt, wächst Richards Verzweiflung. Er erkennt: Schweigen hilft niemandem. Die Welt muss erfahren, was geschehen ist. Und so beginnt sein Kampf - gegen die langsamen Mühlen der Bürokratie britischer Behörden, die internationale Gleichgültigkeit und für die Freiheit seiner Frau. Nach 38 Tagen gibt es ein erstes Lebenszeichen: Nazanin darf ihre Tochter für eine Stunde sehen - ein bittersüßer Moment, bevor sie erneut getrennt werden. Richard gibt nicht auf. Er fordert Antworten, sucht Verbündete, spricht im Fernsehen. Dann, nach fast zwei Monaten, hört er endlich Nazanins Stimme am Telefon. Ein kurzer, elektrisierender Augenblick, in dem er ihr verspricht: "Ich hole dich nach Hause."
23:10
Nazanin glaubt, ihr Alptraum wäre vorbei - ihre Freilassung steht bevor. Doch am Flughafen endet die Hoffnung abrupt: Statt des Heimflugs wartet der Rücktransport ins berüchtigte Evin-Gefängnis. Einzelhaft, endlose Verhöre, neue Anschuldigungen folgen. Nun soll ihr Mann Richard ein Spion sein. Nazanin bleibt standhaft, doch die psychische Belastung wächst. In London kämpft Richard gegen die Zeit - und gegen die Gleichgültigkeit. Medien und Regierung wenden sich ab, während Gerüchte über einen geheimen Deal kursieren. Die Iraner behaupten, ein Abkommen könne Nazanins Freiheit sichern, doch das Außenministerium dementiert. Richard fühlt sich machtlos, gefangen in der Bürokratie, die eigene politische Ziele verfolgt. Verzweifelt geht er an die Öffentlichkeit, doch die Welt hört kaum hin. Als Nazanin schließlich vor Gericht gebracht wird, verurteilt man sie ohne Beweise zu fünf Jahren Haft. Die Nachricht trifft ihre Familie wie ein Schlag. Nazanin versucht, ihre Verzweiflung zu verbergen, und klammert sich an die Hoffnung auf Berufung. Richard deckt schließlich die Wahrheit auf: Ein jahrzehntealter Waffendeal - britische Panzer, nie geliefert, 400 Millionen Pfund Schulden. Der Iran will sein Geld zurück und nutzt Nazanin als Druckmittel. Für Richard ist das der Schlüssel zur Rettung. Doch Nazanin bricht zusammen. In einem letzten Akt des Widerstands tritt sie in den Hungerstreik. Tag für Tag verweigert sie Nahrung, bis ihre Familie sie im Gefängnis sieht. Der Schmerz ihrer Mutter zwingt Nazanin zur Entscheidung: Sie muss überleben, für Gabriella und für die Hoffnung.